Band 1 - Der göttliche Plan der Zeitalter


Inhalt:


SCHRIFTSTUDIEN

"Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht,
das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe." (Spr. 4:18)




BAND 1




DER GÖTTLICHE PLAN DER ZEITALTER

Eine Rechtfertigung des Charakters und Waltens Gottes:
Eine Darstellung unter Berücksichtigung und im Einklang
mit der ganzen Heiligen Schrift, dass die Zulassung des
Bösen in der Vergangenheit und Gegenwart die
Menschheit belehrt und vorbereitet hat
für ihre Einführung in das

GOLDENE ZEITALTER DER PROPHEZEIUNG,

in welchem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden
sollen mit einer vollen Erkenntnis Gottes und mit einer
vollen Gelegenheit, durch den Erlöser ewiges Leben
zu erlangen; der Erlöser wird dann der große
Erretter, Wiederhersteller und
Lebensgeber sein.
(Apg. 3:19-21)

INTERNATIONALE VEREINIGUNG ERNSTER BIBELFORSCHER

Dem König
aller Könige und Herrn aller Herren

zum Besten
seiner ihm geweihten "Heiligen",
die da warten auf die Kindschaft,
und
"aller, die an allen Orten den Namen unseres Herrn
Jesus Christus anrufen",
"der Hausgenossen des Glaubens"
und
"der harrenden Kreatur, die zusammenseufzt
und in Geburtswehen liegt, wartend
auf die Offenbarung der Söhne Gottes",

ist dieses Werk gewidmet.




"Alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei,
das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott." "Nach dem
Reichtum seiner Gnade, welche er gegen uns hat überströ-
men lassen in aller Weisheit und Einsicht, indem er
uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens
nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorge-
setzt hat in sich selbst, für die Verwaltung
der Fülle der Zeiten: alles unter ein
Haupt zusammenzubringen
in dem Christus."

(Epheser 3:4, 5, 9; 1:8-10)




Original: "THE DIVINE PLAN OF THE AGES"

Erfasst von Charles Taze Russell im Jahr 1886

DAWN BIBLE STUDENTS ASSOCIATION

Vorwort der Herausgeber

Es ist uns eine große Freude, dass es durch des Herrn Vorsehung möglich ist, diesen wertvollen "Schlüssel" zur Bibel, "Der Göttliche Plan der Zeitalter", in der deutschen Sprache wieder herauszugeben. Nur wenig könnte dem hinzugefügt werden, was schon von den vielen Freunden dieses Buches gesagt worden ist. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt. Veröffentlicht zum ersten Mal im Jahr 1886 bei seinem Verfasser, wird es noch immer von Tausenden in der ganzen Welt wegen seiner klaren Ausdrucksweise und seiner Fähigkeit, die Schrift harmonisch auszulegen, als das beste Lehrbuch und Hilfsmittel für das Studium der Bibel anerkannt.

Unser Gebet ist, dass der Herr fortfahren möchte, die in diesem Buch enthaltene Botschaft, welche Seine Botschaft ist, zu segnen; dass es Trost und Freude bringen möchte zu denen, welche noch nicht mit der frohen Botschaft bekannt sein möchten.

Juli 1950
Die Herausgeber




Neu bearbeitete Auflage

Mit des Herrn Hilfe wurde dieser wertvolle "Schlüssel" zur Bibel, "Der Göttliche Plan der Zeitalter", nach der neuen deutschen Rechtschreibung neu bearbeitet.
Damit steht dieser Band auch den Computer- und Internet-Benut­zern zur Verfügung.
Es möge der heilige Name des Ewigen verherrlicht werden.

Dortmund, Mai 2001

Band I - "Der göttliche Plan der Zeitalter"

Vorwort des Verfassers

Der Verfasser und die Herausgeber möchten öffentlich die Gnade Gottes rühmen, die es ihnen gestattet hat, einen Anteil zu haben an der Verbreitung dieses Bandes und an seinen Ergebnissen - dem Licht, der Freude, dem Frieden und der Gemeinschaft mit Gott, an viele hungernde, dürstende und irrende Seelen. Die erste Auflage in seiner jetzigen Form wurde im Jahre 1886 herausgegeben. Seitdem folgte eine Auflage auf die andere in schneller Reihenfolge und in zwanzig verschiedenen Sprachen, bis jetzt sind ungefähr fünf Millionen Exemplare in den Händen der Menschheit in der ganzen Welt.

Wir können nicht hoffen, dass alle diese Bücher gelesen worden sind; aber die uns ständig zugehenden Briefe versichern uns, dass sie überall in den Herzen und in dem Verständnis der Menschen eine mächtige Wirkung ausüben. Tausende schreiben uns von dem Einfluss, den das Buch auf sie gehabt hat. Einige von ihnen waren hinsichtlich der Bibel, als einer göttlichen Offenbarung für die Menschen, völlig ungläubig. Andere schreiben uns, dass sie entweder Atheisten gewesen oder nahe daran gewesen sind, solche zu werden, weil sie vorher nicht den wahren Gott und seinen wahrhaftigen Plan der Zeitalter gekannt hatten, und den Charakter, der ihnen gewöhnlich in den Glaubensbekenntnissen gezeigt worden war, weder annehmen, noch wertschätzen oder anbeten konnten.

Etwa fünf Jahre vor der ersten Veröffentlichung dieses Bandes war im wesentlichen das gleiche schon einmal im Druck erschienen, nur unter einem anderen Namen und in einer anderen Form. Das Buch war betitelt: "Speise für denkende Christen". Der Inhalt war insofern verschieden, als zuerst der Irrtum angegriffen und niedergerissen wurde, und an dessen Stelle dann das Gebäude der Wahrheit errichtet wurde. Wir lernten schließlich jedoch, dass dies nicht der beste Weg ist, dass einige bestürzt waren, als sie ihre Irrtümer zusammenbrechen sahen, und sie unterließen es, weiterzulesen und damit einen Blick auf das wundervolle Gebäude der Wahrheit zu werfen anstelle ihrer niedergerissen Irrtümer.

Der vorliegende Band wurde von dem entgegengesetzten Standpunkt aus geschrieben. Er zeigt die Wahrheit, ihre Kraft und Schönheit, und dann empfiehlt er die Beseitigung des Irrtums, weil derselbe nicht nur unnötig, sondern absolut nutzlos und sehr schädlich ist. So findet der Leser des "GÖTTLICHEN PLANES DER ZEITALTER" bei jedem Schritt eine Stärkung seines Glaubens und empfindet eine größere Nähe zum Herrn und findet deshalb auch das Vertrauen, dass er auf dem richtigen Wege ist. Nachdem die Wahrheit erkannt worden ist, erscheinen die Irrtümer immer törichter, wertloser und schädlicher, und sie werden mit Freude abgelegt.

Der große Widersacher hat natürlich keine Liebe für irgend etwas, das die Augen von Gottes Volk öffnet, ihre Ehrfurcht vor Gottes Buch erhöht und ihr Vertrauen auf menschliche Glaubensbekenntnisse zerbricht. Deshalb widersteht der große Widersacher diesem Buch sehr, wie wir es haben erwarten dürfen. Nur wenige erkennen des Satans Macht und Gerissenheit; nur wenige erkennen die Bedeutung der Worte des Apostels bezüglich dieses Fürsten der Finsternis, der sich als ein Diener des Lichts darstellt, um die Wahrheit zu bekämpfen und ihren Einfluss zu zerstören. Nur wenige erkennen, dass unser schlauer Widersacher danach trachtet, die Besten, Tatkräftigsten und Einflussreichsten vom Volk Gottes zu benutzen, um das Leuchten des Lichtes zu verhindern und den göttlichen Plan der Zeitalter dem Volk vorzuenthalten.

Nur wenige erkennen, dass seit der Zeit, als das Aufstellen von Glaubensbekenntnisses anfing, im Jahre 325 n.Chr., es praktisch für 1.260 Jahre kein Bibelstudium gegeben hat. Nur wenige erkennen, dass sich während dieser Zeit die Glaubensbekenntnisse in das Verständnis von Millionen befestigt haben, sie an schreckliche Irrtümer gebunden haben und sie blind gemacht haben. Nur wenige erkennen, dass seit der Reformation, seitdem die Bibel begann, wieder in die Hände des Volkes zurückzugelangen - gut gesinnte, aber getäuschte Reformatoren durch die Irrtümer der Vergangenheit verblendet und gehemmt worden sind, und dass diese ihrerseits wieder dazu beigetragen haben, das Volk in Finsternis zu halten.

Nur wenige erkennen, dass ein wirkliches Bibelstudium, so wie es in den Tagen der Apostel in der frühen Herauswahl stattfand, erst jetzt wieder durch die Bibelforschern zurückgekommen ist.

In den ersten Auflagen dieses Bandes wurde der Titel "Millennium Tagesanbruch" gebraucht; aber wir fanden heraus, dass einige dadurch getäuscht worden sind, meinend, es handle sich um einen Roman. Damit niemand getäuscht werde und niemand durch solch eine Täuschung sich zum Kaufe bewegen lassen möge, haben wir ihm später den jetzigen Titel "Schriftstudien" gegeben, welchen niemand missverstehen kann.

Viele Frage haben uns erreicht, warum diese Bücher nicht in den Buchhandlungen gefunden werden können. Unsere Antwort lautet, dass, während die Buchverleger sich freuen würden, diese Bücher zu haben, es doch gewisse religiöse Zeloten (Eiferer) gibt, die ihren Verkauf nicht erlauben wollen und deren Boykott androhen. Zuerst erschien das als ein großes Missgeschick - als ob es der Macht des Widersachers gestattet wäre, die Ausbreitung der Wahrheit zu verhindern. Aber Gott lenkte in seiner Gnade die Angelegenheit, so dass heute wahrscheinlich kein anderes Buch so weit verbreitet ist, wie dieser Band. Diejenigen, welche sich aus Vorurteil weigerten, das Buch zu lesen, und gegen dasselbe ankämpften, taten es, weil sie an Unwahrheiten und falsche Darstellungen glaubten.

Viele von diesen Büchern sind von Menschen verbrannt worden, die sie niemals gelesen haben, weil sie durch falscher Darstellungen beeinflusst waren. Genauso war es während des Finsteren Mittelalters in Bezug auf die Nachfolger Jesu, die als Märtyrer litten. Ja, Jesus selbst litt durch die Hände solcher, die weder Ihn noch seine Lehren verstanden, wie der Apostel Petrus sehr deutlich erklärt. "Und jetzt Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten." (Apg. 3:17) "Denn wenn sie es erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben." (1. Kor. 2:8)

Wenn aber die Feinde dieses Buches bitter, ungerecht und unaufrichtig gewesen sind, so sind seine Freunde in gleichem Maße warm und eifrig. Die Millionen von Kopien in den Händen des Volkes wurden nahezu alle durch die Freunde dieses Buches verbreitet, welche aus Liebe zur Wahrheit Zeit und Kraft für seine weite Verbreitung gegeben haben. Während wir diese Zeilen schreiben, haben wir Kenntnis von der Tatsache, dass ungefähr 600 Christen verschiedener Lebenskreise "alles verlassen haben", irdische Geschäfte, Berufe und Aussichten, damit sie den Herrn verherrlichen und seine hungrigen Heiligen segnen mögen, indem sie diesen kleinen Band in ihre Hände legen. Sie schließen Ärzte, Schullehrer, Krankenschwestern, Prediger, Friseure, Mechaniker, Leute aus allen Lebenswegen mit ein, die selbst im Herzen durch die Liebe Gottes berührt wurden und jetzt darauf bedacht sind, den Segen auch anderen Herzen und Köpfen weiterzugeben.

Die Bücher werden zu einem niedrigen Preis verkauft, und diese Kolporteure, die sie der Öffentlichkeit anbieten, können damit kaum ihre Kosten bestreiten. Sie freuen sich jedoch um so mehr, wenn sie manchmal Entbehrungen erdulden und würdig erachtet werden, einige Unannehmlichkeiten und Verluste um des Herrn, der Wahrheit und der Brüder willen zu erleiden. Das gute Werk geht weiter, die Botschaft von dem Leben in Christus geht von Hand zu Hand. Das gegenwärtige Ergebnis von diesem Band ist enorm groß. Möge seine Segnung in zukünftigen Tagen ebenso groß sein wie in der Vergangenheit. Der Verfasser und die Herausgeber können nicht um mehr bitten.

Mit den besten Wünschen für alle Leser,

Euer Diener im Herrn
Charles T. Russell
Brooklyn, N.Y., 1. Oktober 1916

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DER GÖTTLICHE PLAN DER ZEITALTER

Studie 1

Die Sündennacht der Erde soll in einem Freudenmorgen zu Ende gehen.

Eine Nacht des Weinens und ein Morgen der Freude. - Zwei Wege, die Wahrheit zu suchen. - Der Weg, der hier eingeschlagen wird. - Unterschied zwischen dem ehrfurchtsvollen Forschen in der Schrift und der gefährlichen Gewohnheit der Spekulation. - Der Zweck der Prophezeiungen. - Der gegenwärtige religiöse Zustand der Welt von zwei Standpunkten aus betrachtet. - Ägyptische Finsternis. - Ein Bogen der Verheißung. - Der Pfad der Gerechten ist ein fortschreitender. - Ursache des großen Abfalls. - Die Reformation. - Abermals hindert die gleiche Ursache einen wirklichen Fortschritt. - Vollkommenheit in der Erkenntnis nicht eine Sache der Vergangenheit, sondern der Zukunft.

Der Titel dieser Studien-Sammlung "Der Göttliche Plan der Zeitalter" deutet auf einen von Gott vorhergesagten und ordnungsmäßigen Fortschritt in der göttlichen Einrichtung. Wir glauben, dass die Lehren der göttlichen Offenbarung nur von diesem Standpunkt aus und von keinem anderen als schön und harmonisch anerkannt werden können. Die Zeit, da die Sünde zugelassen war, ist für die Menschheit eine finstere Nacht gewesen, die nie vergessen werden wird; aber der glorreiche Tag der Gerechtigkeit und der göttlichen Gnade, der mit dem Messias, der Sonne der Gerechtigkeit anbrechen wird, die da aufgehen und voll und hell, - Heilung und Segnung bringend, in und auf alle scheinen wird, - dieser Tag wird bei weitem die schreckliche Nacht des Weinens und des Seufzens, der Schmerzen und der Krankheit und des Todes aufwiegen, worinnen die seufzende Schöpfung so lange verbleiben musste. "Am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da." (Ps. 30:5)

Obwohl instinktiv, so wartet, verlangt und hofft doch die ganze Schöpfung, während sie sich sehnt und ängstigt immerdar, auf den Tag, den sie "das goldene Zeitalter" nennt; jedoch unbekannt mit dem gnädigen Ratschluss des erhabenen Jehova, hat sie nur eine dunkle, unbestimmte Ahnung davon. Ihre höchsten Vorstellungen betreffs eines solchen Zeitalters stehen weit hinter dem zurück, was die Wirklichkeit sein wird. Der große Schöpfer bereitet "ein Mahl von Fettspeisen" vor (Jes. 25:6), welches seine Geschöpfe in Staunen setzen wird und alles Bitten und Verstehen übersteigen wird. Und seinen erstaunten Geschöpfen, die die Breite und Länge, die Tiefe und Höhe der Liebe Gottes betrachten, erklärt er: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." (Jes. 55:8-9)

Obgleich wir in diesem Werke versuchen werden - und wir hoffen, mit Erfolg - dem interessierten und vorurteilsfreien Leser den Plan Gottes, wie er sich auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seiner Handlungen bezieht und sie erklärt, in einer harmonischeren, schöneren und vernünftigeren Weise darzustellen, als er gewöhnlich verstanden wird, so wird doch von Seiten des Verfassers bestimmt abgelehnt, dass dies das Ergebnis außergewöhnlicher Weisheit oder Fähigkeit sei. Es das Licht von der Sonne der Gerechtigkeit, das in dieser Morgendämmerung des Tausendjährigen Tages diese Dinge als "gegenwärtige Wahrheit" (2. Petr. 1:12) offenbart, die jetzt an der Zeit ist, von den Aufrichtigen, die reines Herzens sind, gewürdigt zu werden.

In der Zweifelssucht unserer Tage wird oft sogar von Aufrichtigen die Grundlage wahrer Religion und aller Wahrheiten in Frage gestellt. Wir haben gesucht, von dieser Grundlage - dem Worte Gottes, auf dem aller Glaube aufgebaut werden muss - so viel aufzudecken, damit selbst der Ungläubige Vertrauen in sein Zeugnis fasse. Wir haben das in einer Weise zu tun versucht, so dass es dem Verstand einleuchten wird und dann als Grundlage angenommen werden kann. Ferner haben wir uns bemüht, auf dieser Grundlage die Lehren der Schrift in solcher Weise aufzubauen, dass selbst rein menschliches Urteil mit dem genauesten Maßstab, der ihm zur Verfügung steht, so weit als nur möglich, ihre Ecken und Kanten prüfen kann.

In der Überzeugung, dass die Schrift einen übereinstimmenden und harmonischen Plan offenbart, der, wenn erkannt, sich jedem geheiligten Herzen von selbst empfiehlt, ist dieses Werk in der Hoffnung veröffentlicht worden, solchen, die im Worte Gottes forschen, durch Darlegung eines Gedankenganges, der mit sich selbst und mit dem inspirierten Worte in Einklang steht, hilfreiche Hand zu leisten. Wer die Bibel als die Offenbarung Gottes anerkennt - und an solche wenden wir uns insbesondere - wird zweifellos dem beistimmen, dass die Lehren der Bibel, wenn sie von Gott eingegeben sind, im Ganzen genommen einen harmonischen, mit sich selbst und mit dem Wesen des göttlichen Urhebers stimmenden Plan offenbaren müssen. Das Ziel, das wir als solche, die die Wahrheit suchen, im Auge haben sollten, ist, den ganzen von Gott geoffenbarten Plan in seiner Vollkommenheit und Harmonie zu erkennen. Und als Kinder Gottes können wir erwarten, dass uns das möglich sei, weil es verheißen worden ist, dass der Geist der Wahrheit uns in die ganze Wahrheit leiten soll. - Joh. 16:13

Es eröffnen sich uns dabei zwei Wege: der eine ist, dass wir alle die von den verschiedenen Sekten der Kirche angenommenen Meinungen untersuchen, und aus jeder das herausnehmen, was uns als Wahrheit aneignen können - ein endloses Unternehmen. Eine Schwierigkeit, auf welche wir auf diesem Wege besonders stoßen, ist die, dass, wenn unser Urteil schon im Voraus verkehrt oder verwirrt ist, oder unsere Vorurteile nach irgend einer Seite neigen - und bei wem ist das nicht der Fall? - dies unser Urteil trüben würde, und wir so den Irrtum annehmen und die Wahrheit verwerfen könnten. Ferner würden wir beim Einschlagen dieses Weges viel verlieren, weil die Wahrheit stets im Zunehmen begriffen ist, und darum heller und heller bis zur Tageshöhe für alle die scheint (Spr. 4:18), die nach ihr suchen und in ihrem Licht wandeln, während die verschiedenen Glaubensbekenntnisse der vielen Sekten stehen geblieben sind, und zwar manche schon vor Jahrhunderten. Und außerdem muss doch jedes derselben einen großen Teil Irrtum enthalten, da eins dem anderen in wichtigen Fragen widerspricht. Dieser Weg würde nur in einen Irrgang von Verirrung und Verwirrung führen. Der andere Weg ist der, dass wir allen Vorurteilen entsagen und bedenken, dass niemand mehr über Gottes Plan wissen kann, als er in seinem Wort geoffenbart hat, und dass er verheißen, es den Sanftmütigen und von Herzen Demütigen zu geben; und wer als solcher ernstlich und aufrichtig seine Leitung und Belehrung sucht und von den verschiedenen Hilfsmitteln, die die göttliche Vorsehung beschafft hat, Gebrauch macht, der wird von dem großen Autor der Bibel zu einem solchen Verständnis derselben geführt werden, wie es an der Zeit ist. - Eph. 4:11-16

Als Hilfsmittel für solche Bibelforscher ist dieses Werk insbesondere bestimmt. Man wird bemerken, dass die Beweisführungen nur aus der Schrift genommen sind, ausgenommen da, wo man sich auf die Weltgeschichte als Erfüllung der Prophezeiungen der Schrift berufen musste. Dem Zeugnis der neueren Theologen ist kein Gewicht beigelegt und das der sogenannten Kirchenväter ist beiseite gelassen worden. Viele von ihnen haben in Übereinstimmung mit hierin ausgedrückten Gedanken Zeugnis abgelegt, aber wir halten es für einen allgemeinen Irrtum dieser und jeder Zeit, dass man gewisse Lehren glaubt, weil andere es taten, zu denen man Vertrauen hatte. Das ist allbekannt eine ergiebige Quelle von Irrtümern gewesen, denn viele gute Menschen haben mit vollkommenem guten Gewissen Irrtum geglaubt und gelehrt (Apg. 26:9). Die nach Wahrheit suchen, sollten ihre Gefäße von den schmutzigen Wassern der Tradition entleeren, und sie an der Quelle der Wahrheit - dem Worte Gottes - füllen und auf keine religiöse Belehrung Wert legen, es sei denn, dass sie zu dieser Quelle führe.

Zur Untersuchung der ganzen Bibel und ihrer Lehren, und sei sie noch so kurz gefasst, ist dieses Werk viel zu klein; aber trotzdem haben wir, die Hast unserer Zeit im Auge behaltend, versucht, uns so kurz zu fassen, als die Bedeutung des Gegenstandes wohl zuließ.

Dem, der mit wahrem Interesse sucht, möchten wir zu bedenken geben, dass es für ihn nutzlos sein würde, dieses Werk, nur zu überfliegen, es so zu sagen abschöpfen zu wollen, in der Hoffnung, die Kraft und Harmonie des darin dargelegten Planes und der darin angeführten Schriftbeweise herauszufinden. Wir haben durchweg die verschiedenen Teile der Wahrheit nicht nur in solch einer Sprache, sondern auch in einer solchen Ordnung darzulegen uns bemüht, dass es für alle Leserkreise möglichst leicht werde, den Gegenstand und allgemeinen Plan sehr klar zu begreifen. Während für die Wertschätzung irgendeiner Wissenschaft ein durchgängiges und ordentliches Studium erforderlich ist, so ist das ganz besonders bei der Wissenschaft der göttlichen Offenbarung der Fall. Und bei diesem Werk ist es doppelt notwendig, denn es ist nicht bloß eine Abhandlung über göttlich geoffenbarte Wahrheiten, wie andere, sondern daneben auch noch eine Untersuchung der Sache von einem Standpunkt aus, der, soweit wir wissen, sonst in keinem anderen Werk vertreten ist. Wir bedürfen keiner Verteidigung, dass wir manche Dinge behandeln, die gewöhnlich von den meisten Christen vernachlässigt worden sind die Wiederkunft unseres Herrn, die Prophezeiungen und die sinnbildlichen Darstellungen des Alten und Neuen Testaments. Kein theologisches System sollte aufgestellt oder angenommen werden, das irgend welche Züge der Schriftlehren übersieht oder auslässt. Wir vertrauen aber darauf, dass man den großen Unterschied erkenne wird, zwischen dem ernsten, nüchternen und ehrfurchtsvollen Forschern der Prophezeihungen und sonstiger Schriftaussagen in dem Licht erfüllter, historischer Tatsachen, um zu Schlussfolgerungen zu gelangen, denen der geheiligte, gesunde Menschenverstand zustimmen kann, und einer nur zu häufigen Ausübung allgemeiner Spekulation oder Vermutung, die, bei der Auslegung göttlicher Prophezeiung angewandt gar sehr geneigt ist, wilder Phantasie und bloßer Einbildung den Zügel loszulassen. Diejenigen, die in diese gefährliche Gewohnheit verfallen sind, entwickeln sich gewöhnlich zu Propheten (?) anstatt zu Forschern der Propheten.

Keine Arbeit ist edler und erhebender als das ehrfurchtsvolle Studium der geoffenbarten Ratschlüsse von Gott, "in welche Dinge die Engel hinaus zu schauen wünschen." (1. Petr. 1:12) Die Tatsache, dass Gottes Weisheit Vorherverkündigungen über die Zukunft hat machen lassen, wie auch Aussagen über Gegenwart und Vergangenheit, ist an sich selbst ein Tadel von Jehova betreffend der Torheit einiger seiner Kinder, die ihre Unwissenheit und Nachlässigkeit beim Studium seines Wortes damit entschuldigt haben, dass sie sagten: "Es ist genug im fünften Kapitel des Matthäus enthalten, irgend einen Menschen selig zu machen." Ebenso wenig dürfen wir annehmen, dass die Weissagung lediglich dazu gegeben worden ist, um die Neugierde über die Zukunft zu befriedigen. Ihr Zweck ist augenscheinlich, das Gott geweihte Kind mit dem Plan seines Vaters vertraut zu machen, und so sein Interesse und seine Anteilnahme an diesem Plan hervorzurufen, und es so zu befähigen, sowohl die Gegenwart als die Zukunft von Gottes Standpunkt aus zu betrachten. Wenn es so mit des Herrn Werk vertraut geworden, dann kann es im Geiste und auch mit Verständnis nicht als bloßer Knecht, sondern als Kind und Erbe dienen. Die Offenbarung dessen, was kommen soll, hebt für dasselbe den Einfluss auf, den die Gegenwart ausübt. Die Wirkung des sorgfältigen Studiums kann nicht anders als stärkend für den Glauben und antreibend zur Heiligung sein.

Die religiöse Lage der Welt heutzutage, nachdem das Evangelium nahezu neunzehn Jahrhunderte gepredigt worden ist, ist - bei der Unwissenheit über Gottes Plan hinsichtlich der Befreiung der Unwissenheit über Gottes Plan hinsichtlich der Befreiung der Welt aus der Sünde und ihren Folgen, und bei der Meinung, dass die Namenkirche in ihrem gegenwärtigen Zustand das einzige Werkzeug für ihre Bekehrung sei, - eine derartige, dass in jedem nachdenkenden Gemüt, das in dieser Weise so falsch belehrt worden ist, ernstliche Zweifel entstehen müssen. Und solche Zweifel sind nicht leicht von etwas anderem zu beseitigen als von der Wahrheit allein. In der Tat, jedem nachdenkenden Beobachter muss von zwei Dingen eins einleuchten: entweder die Kirche hat einen gewaltigen Fehlgriff gemacht, indem sie annahm, dass ihre Aufgabe im gegenwärtigen Zeitalter und in ihrem gegenwärtigen Zustand die gewesen sei, die Welt zu bekehren, oder aber Gottes Plan ist ein kläglicher Fehlschlag gewesen. Welche Seite von diesen zwei Situationen sollen wir annehmen? Viele haben und noch viele mehr werden die letztere annehmen und die Reihen des Unglaubens werden zunehmen, sei es heimlich oder öffentlich. Solchen beizustehen, die also straucheln, ist ein Teil des Zweckes dieses Bandes.

Umstehend bieten wir ein Diagramm dar, der zuerst von der "Londoner Missions-Gesellschaft" und danach in den Vereinigten Staaten von den "Presbyterianischen Frauen-Missions-Verein" veröffentlicht wurde. Er wurde "ein stummer Hilferuf von Seiten der ausländischen Missionen" genannt. Er erzählt eine traurige Geschichte von der Finsternis und Blindheit über von den einzigen Namen unter dem Himmel, in welchem wir errettet werden können.

"The Watchman" - eine Zeitschrift des Y.M.C.A. (des Christlichen Vereins Junger Männer : C.V.J.M.) von Chicago - veröffentlichte auch diesen Abriss und fügte die folgenden Worten hinzu:

"Die Vorstellungen, die manche von dem religiösen Zustand der Welt haben, sind sehr nebelig und unbestimmt. Wir hören von großartigem Erweckungswerk in der Nähe und Ferne, von neuen Missionsbestrebungen nach allen Seiten hin, von einem Land nach dem anderen, das sich dem Evangelium auftut, und von großen Summen, die zu seiner Verbreitung verwendet werden; und wir erhalten die Vorstellung, dass zur Bekehrung der Völker der Erde genügende Anstrengungen gemacht werden. Man schätzt die heutige Bevölkerung der Erde auf eine Milliarde vierhundertvierundzwanzig Millionen (1.424.000.000); und wenn man den Diagramm genau betrachtet, so wird man erkennen, dass bedeutend über die Hälfte - nahezu zwei Drittel - noch ganz heidnisch sind, und der Rest zum größten Teil entweder Nachfolger Mohammeds oder Glieder der beiden großen abtrünnigen Kirchen, deren Religion tatsächlich ein Götzendienst im christlichen Gewande ist, und von denen man kaum sagen kann, dass sie das Evangelium von Christo noch festhalten und lehren. Auch muss man, was die einhundertundsechzehn Millionen (116.000.000) Namen-Protestanten anbetrifft, bedenken, welch großer Teil Deutschlands, Englands und dieses Landes im Unglauben versunken ist - eine Finsternis, womöglich noch dichter als die des Heidentums - und wie viele durch Aberglauben verblendet oder in äußerster Unwissenheit geknechtet sind. Während also acht Millionen Juden Jesus von Nazareth verwerfen, und mehr als dreihundert Millionen, die seinen Namen tragen, vom Glauben an ihn abgefallen sind, beugen sich weitere hundertsiebzig Millionen vor Mohammed: und die ungeheuren Massen der übrigen Menschheit sind bis auf den heutigen Tag Anbeter von Stock und Stein, ihrer eigenen Vorfahren, toter Helden oder selbst des Teufels: alle mehr oder weniger "haben geehrt und gedient dem Geschöpf mehr als dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit" (Röm. 1:25). Ist das nicht genug, die Herzen mitfühlender, denkender Christen tieftraurig zu machen?"

Wahrlich, ein düsteres Bild! Und wenn das Diagramm auch unterschiedliche Schatten zwischen Heiden, Mohammedanern und Juden darstellt, so sind doch in der gänzlichen Unwissenheit über Christus alle gleich. Im ersten Augenblick möchten wohl manche meinen, dass diese Ansicht über das Zahlenverhältnis der Christenheit zu schwarz und übertrieben sei, wir hingegen glauben das gerade Gegenteil. Es zeigt die Namenchristenheit in möglichst glänzenden Farben. Die als Protestanten aufgezählten 116 Millionen übersteigen bei weitem die wirkliche Zahl. Sechzehn Millionen, glauben wir, würde viel eher die Zahl der erwachsenen, bekennenden Kirchenmitglieder treffen; und eine Million, befürchten wir, wäre viel zu hoch gegriffen; für die "kleine Herde", die "Geheiligten in Christo Jesu", die "nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist." Man sollte im Gedächtnis behalten, dass ein großer Teil der Kirchenmitglieder, die auf dem Diagramm immer mitgezählt werden, junge Kinder und Minderjährige sind. Besonders ist dies in den Ländern Europas der Fall. In einigen dieser Länder werden die Kinder von ihrer frühesten Kindheit an als Kirchenmitglieder angesehen.

Aber so dunkel wie dieses Bild auch erscheint, es ist noch nicht das dunkelste, das die gefallene Menschheit darbietet. Das jetzt folgende Diagramm stellt nur die gegenwärtig lebende Generation dar. Wie grausam ist der Gedanke, dass Jahrhundert für Jahrhundert in den vergangenen sechstausend Jahren weitere große Mengen, die fast alle in derselben Unwissenheit und Sünde verstrickt waren, dahin gerafft worden sind. Vom Standpunkt des volkstümlichen Glaubens aus ein wahrlich schreckliches Bild!

Die Tabelle,

welche die Zahl der Menschheit im Jahre 1886 und ihr Zahlenverhältnis in religiöser Beziehung veranschaulicht.

Religionen

Heiden Mohammedaner Juden Römisch Katholisch Griechisch Katholisch Protestanten
856 Mio. 170 Mio. 8 Mio. 190 Mio. 84 Mio. 116 Mio.

Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse von heute lehren, dass alle diese Milliarden der Menschen, unbekannt mit dem einzigen Namen unter dem Himmel, in welchem wir errettet werden können, sich auf dem direkten Weg zur ewigen Qual befinden. Und nicht nur das, sondern auch all die 116 Millionen Protestanten, ausgenommen die verschwindend kleine Zahl der Heiligen, seien des gleichen Schicksals gewiss. Kein Wunder daher, dass diejenigen, welche solch schreckliche Gedanken über Jehovas Plan und Ratschluss haben, in der Förderung missionärer Unternehmungen großen Eifer entwickeln - wunderbar ist, dass sie dabei nicht zur Verzweiflung getrieben werden. Jeglicher Freude würde unser Leben beraubt sein, und jeder heitere Ausdruck unseres Wesens wäre in Trauer gehüllt, wenn wir solches glauben und solche Schlussfolgerungen annehmen müssten.

Zum Beweis dafür, dass wir die sogenannte "Orthodoxie" in Bezug auf das Schicksal der Heiden nicht falsch dargestellt haben, zitieren wir den Schlusssatz der Flugschrift "Ein stummer Hilferuf von Seiten der äußeren Missionen" an, in dem das Diagramm veröffentlicht worden war. Derselbe lautet: "Evangelisiert die zahllosen Geschlechter im Ausland - die 1.000 Millionen Seelen, von denen pro Tag 100.000 in Verzweiflung ohne Christus dahinsterben."

Aber obwohl dies vom Standpunkt menschlicher Glaubensbekenntnisse aus eine traurige Aussicht ist, so bietet die heilige Schrift doch einen viel tröstlicheren Ausblick dar. Diesen darzulegen, soll der Zweck dieses Buches sein. Dass Gottes großer Heilsplan je solch ein Fehlschlag sein sollte, können wir, aus dem Worte Gottes eines besseren belehrt, nicht glauben. Welche Erleichterung des Herzens für ein in dieser Hinsicht beunruhigtes Kind Gottes, wenn es erkennt, dass der Prophet Jesaja diese Lage der Dinge und ihre Heilung genau vorhersagt, als er sprach: "Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Nationen (Heiden) werden in deinem Lichte wandeln." (Jes. 60:2,3) In dieser Prophezeiung wird die dichte Finsternis durch den Bogen der Verheißung erleuchtet: "Die Heiden (alle Nationen der Erde überhaupt) werden in deinem Lichte wandeln."

Durch die Entfaltung des göttlichen Ratschlusses und das Aufschließen des göttlichen Wortes sind solche Segnungen jetzt im Begriffe, über die Welt zu kommen; und dieses Buch, das ist unsere Zuversicht, ist ein Teil dieses Segnens und Offenbarens.

Wer sich von menschlicher Spekulation wegwendet und seine Zeit auf das Suchen in der Schrift verwendet und dabei seinen Verstand nicht ausschließt, den zu gebrauchen Gott geradezu auffordert (Jes. 1:18), der wird feststellen, welch beglückender Verheißungsbogen den Himmel umspannt. Es ist ein Fehler anzunehmen, dass solche, die ohne Glauben und infolgedessen ohne Rechtfertigung sind, fähig sind, die Wahrheit klar zu erfassen: für solche ist es nicht. Der Psalmist sagt: "Licht (Wahrheit) ist gesät dem Gerechten." (Ps. 97:11) Für das Kind Gottes ist eine Leuchte bereitet, deren Licht von seinem Weg viel Dunkelheit verscheucht. "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Ps. 119:105) Aber nur "der Pfad der Gerechten", wird immer "heller bis zur Tageshöhe" (Spr. 4:18). In Wirklichkeit gibt es keinen Gerechten; "da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer" (Röm. 3:10); die "durch den Glauben Gerechtfertigten" sind damit gemeint. Diesen allein ist das Vorrecht gegeben, in dem heller und heller werdenden Pfad zu wandeln - und nicht nur die gegenwärtigen Verwirklichungen des Planes Gottes, sondern auch zukünftige Dinge zu sehen. Zu beachten ist aber hierbei, dass, obwohl der Pfad eines jeden einzelnen Gläubigen wie ein Licht ist, die besondere Anwendung dieser Aussage jedoch dem Gerechten (Gerecht­fertigten) als einer Klasse. Patriarchen, Propheten, Apostel und Heilige der Vergangenheit und Gegenwart wandelten in seinem zunehmenden Licht; und dieses Licht wird auch noch über die Gegenwart hinaus - "bis zur Tageshöhe" hin - zunehmen. Es ist ein sich fortsetzender Pfad, und auf ihm leuchtet das beständig heller leuchtende Licht - die göttliche Urkunde, die den Pfad erleuchtet, so bald und so weit es an der Zeit ist.

Darum "freuet euch des Herrn, ihr Gerechten", erwartend die Erfüllung dieser Verheißung. Eine große Zahl hat so wenig Glauben, dass sie kein weiteres Licht erwartet, und wegen ihres Unglaubens und ihrer Gleichgültigkeit bleiben sie in der Finsternis sitzen, während sie in dem zunehmenden Lichte hätten wandeln können.

Der Geist Gottes, gegeben um die Kirche in die ganze Wahrheit zu leiten, wird von dem nehmen, das geschrieben steht, und uns verkündigen oder zeigen; aber über das hinaus, was geschrieben steht, bedürfen wir nichts, denn die Heilige Schrift kann unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben, an Christus Jesum (2. Tim. 3:15).

Während es immer noch wahr ist, dass "Finsternis die Erde bedeckt und Dunkel die Völker", so wird die Welt jedoch nicht immer in diesem Zustand verbleiben, Wir sind gewiss, dass "der Morgen kommt" (Jes. 21:12). Wie Gott jetzt die natürliche Sonne über Gerechte und Ungerechte scheinen lässt, so wird im Tausendjahrtag die Sonne der Gerechtigkeit scheinen zum Heil der ganzen Welt und "ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist" (1. Kor. 4:5). Sie wird die schädlichen Dünste des Bösen zerstreuen und Leben, Gesundheit, Friede und Freude bringen.

Wenn wir zurück in die Vergangenheit blicken, so finden wir, dass damals das Licht nur schwach leuchtete. Dunkel und unbestimmt waren die früheren Verheißungen. Die dem Abraham gegebenen Verheißungen und andere, vorbildlich in dem Gesetz und den Zeremonien des fleischlichen Israel dargestellt, waren nur Schatten und gaben nur eine schwache Vorstellung von Gottes wunderbaren und herrlichen Absichten. Sobald wir zur Zeit Jesus kommen, gewahren wir, wie das Licht zunimmt. Bis dahin war die höchste Erwartung die gewesen, dass Gott einen Erretter (Heiland) senden würde, der Israel von seinen Feinden erretten und sie zur ersten Nation der Erde erheben solle; um alle Geschlechter der Erde zu segnen. Aber die Bedingungen zum Erlangen dieses ihnen im Reiche Gottes angebotenen Erbteils waren so verschieden von dem, was sie erwartet hatten, und die Aussichten, je die verheißene Größe zu erreichen, waren, äußerlich und menschlich betrachtet, so unwahrscheinlich, dass dadurch alle, mit Ausnahme der Wenigen, der frohen Botschaft gegenüber verblendet wurden. Und ihre Blindheit und Feindseligkeit ihr gegenüber nahm natürlich noch zu, als in der Entwicklung des Planes Gottes die fest bestimmte Zeit kam, die Botschaft zu erweitern, und nun die Einladung, an dem verheißenen Königreich teilzunehmen, und durch den Glauben Kinder des gläubigen Abraham und Erben der ihm gegebenen Verheißung zu werden, an jedes Geschöpf unter dem Himmel erging.

Als aber der Kirche (Herauswahl) nach dem Pfingstfest das von Jesus verkündete Evangelium zum rechten Verständnis kam, da sah sie ein, dass die für die Welt bestimmten Segnungen beständige, dauernde sein sollten, und dass, um das zu erreichen, und dass, um das zu erreichen, das Königreich ein geistliches sein und aus "rechten Israeliten", einer "kleinen Herde" bestehen würde, die sowohl aus Juden als auch aus Heiden (Nationen) gesammelt, zur geistigen Natur und Macht erhoben werden sollten. Daher lesen wir, dass Jesus Leben und Unsterblichkeit an das Licht gebracht durch das Evangelium (2. Tim. 1:10). Und noch helleres Licht leuchtet seit den Tagen Jesu, wie er selbst vorausgesagt: "Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle ("die ganze") Wahrheit leiten, ... und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen." - Joh. 16:12, 13

Nachdem die Apostel entschlafen waren, kam jedoch eine Zeit, da die Mehrzahl in der Herauswahl ihre Lampen (die heilige Schrift) zu vernachlässigen anfing und ihre Führung menschlichen Lehrern anvertraute; und diese Lehrer, von Hochmut aufgeblasen, sich Titel und Ämter anmaßten und über Gottes Erbe zu herrschen begannen. so entstand allmählich ein besonderer Stand, "die Geistlichkeit" genannt, die sich selbst neben dem Worte Gottes als geeignete Führer in Glauben und Leben ansahen, und von anderen so angesehen wurden. Durch diese ungebührliche Hochhaltung der Lehren fehlbarer Menschen und die Vernachlässigung des Wortes des unfehlbaren Gottes entwickelte sich mit der Zeit dass große System des Papsttums.

Es wird nicht nötig sein, auf das gewaltige Übel hinzuweisen, welches durch diese Vernachlässigung der Wahrheit entstanden ist, da jedermann weiß. dass sowohl die Kirche als auch die zivilisierte Welt durch jenes System fast vollständig in Ketten geschlagen und zur Verehrung menschlicher Überlieferungen und Glaubenssätze geführt worden ist. Zur Befreiung aus dieser Sklaverei wurde ein kühner und gesegneter Streit geführt durch das, was man als die Reformation kennt. Gott erweckte kühne Streiter für sein Wort, einen Luther, Zwingli, Melanchton, Wycliff, Knox und andere. Diese lenkten die Aufmerksamkeit auf die Tatsache hin, dass das Papsttum die Bibel beiseite geschoben und an ihre Stelle die Lehrschlüsse und Lehrsätze der (Namen) Kirche eingeführt habe, und wiesen einige der falschen Lehren und verkehrten Gebräuche des Papsttums nach, indem sie zeigten, dass sie sich auf Menschentradition gründeten und mit der Wahrheit, im Widerspruch stehen. Diese Reformatoren und ihre Nachfolger wurden "Protestanten" genannt, weil sie gegen das Papsttum öffentlich protestiert hatten und Gottes Wort als die einzige sichere Richtschnur des Glaubens und Lebens anerkannten. Viele treue Seelen wandelten in den Tagen der Reformation im Licht, so weit es damals leuchtete. Aber seitdem haben die Protestanten wenige Fortschritte gemacht, weil sie, statt im Lichte zu wandeln, sich um ihre geliebten Lehrer geschart hatten und nur so viel sehen wollten, als diese sahen, und nicht mehr. Sie setzten ihrem Fortschritt auf dem Wege der Wahrheit Grenzen und zäumen dadurch mit dem kleinen Teil Wahrheit, den sie besaßen, einen große Menge Irrtum ein, den sie von der "Mutterkirche" mitgebracht hatten. Für diese vor vielen Jahren gebildeten Glaubensbesätze hat die Mehrheit der Christen eine abergläubische Ehrerbietung, meinend, man könne heutzutage nicht mehr über Gottes Plan erkennen, als die Reformatoren damals erkannten.

Dieser Fehler ist teuer zu stehen gekommen. Denn abgesehen von der Tatsache, dass damals nur wenige Grundwahrheiten aus dem Schutthaufen des Irrtums wiedergefunden wurden, werden beständig besondere Züge der Wahrheit fällig, die ist zeitgemäß und um diese haben sich die Christen durch ihre Glaubenszäune gebracht. Um das zu verdeutlichen: Es war die Wahrheit in Noahs Tagen, und eine solche, die den Glauben an eine hereinbrechende Flut von allen denen forderte, die damals im Lichte wandeln wollten; Adam und andere dagegen hatten nichts davon gewusst. Es hieße nicht die Wahrheit predigen, jetzt eine kommende Flut zu verkündigen; aber es gibt andere zeitordnungsgemäße Wahrheiten, die in beständiger Folge zeitgemäß werden, und die wir, wenn wir im Licht der Leuchte wandeln, erkennen sollen. Wenn wir also all das Licht hätten, das vor mehreren hundert Jahren zeitgemäß war und weiter nichts, so wären wir in deutlicher Finsternis.

Gottes Wort ist eine große Vorratskammer für die hungrigen Pilger auf dem leuchtenden Pfad. Es gibt in ihr Milch für Säuglinge und starke Speise für die mehr Entwickelten (1. Petr. 2:2; Hebr. 5:14), und nicht nur dies, die Bibel enthält auch die Speise, welche den verschiedenen Zeiten und Zuständen angemessen ist; und Jesus sagte, dass der treue Knecht Speise zur rechten Zeit für den Haushalt des Glaubens hervorbringen wird - "Altes und Neues" aus der Vorratskammer (seinem Schatz, dem Wort Gottes) (Luk. 12:42; Matth. 13:52). Es wäre unmöglich, solche Dinge aus dem Glaubensbekenntnis oder der Vorratskammer irgendeiner Sekte hervorzubringen. Etwas Altes und Gutes möchten wir wohl aus jeder hervorbringen können, aber nichts Neues. Die in den Glaubensbekenntnissen der verschiedenen Sekten enthaltene Wahrheit ist so mit Irrtum vermischt und davon bedeckt, dass die in ihr wohnende Schönheit und ihr wahrer Wert nicht zu erkennen sind. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse widersprechen sich und bekämpfen sich ständig, und weil jedes behauptet, es gründe sich auf die Bibel, so wird die Gedankenverwirrung und der offensichtliche Widerspruch dem Worte Gottes zur Last gelegt. Dies hat das Sprichwort entstehen lassen: "Die Bibel ist eine alte Fiedel, auf der man jede Melodie spielen kann."

Wie drückt das doch den Unglauben unserer Zeit aus, verursacht durch falsche Darstellungen des Wortes und des Wesens Gottes durch menschliche Überlieferungen, zusammen mit der Zunahme an Erkenntnis, die sich nicht länger in blinder und abergläubischer Ehrfurcht vor den Meinungen der Mitmenschen beugen will, sondern einen Grund fordert für die Hoffnung, die in uns ist. Der treue Bibelforscher sollte immer in der Lage sein, einen Grund für "die Hoffnung zu geben, die in ihm ist" (1. Petr. 3:15). "Das Wort Gottes allein kann uns weise machen zur Seligkeit und ist nützlich zur Lehre, zur Überführung, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt." (2. Tim. 3:15-17) Nur diese Vorratskammer enthält einen unerschöpflichen Vorrat sowohl von "Altem und Neuem", von "Speise zu seiner Zeit" für den Haushalt. Sicherlich wird keiner, der dem Schriftworte glaubt, dass der "Pfad des Gerechten" immer heller wird "bis zur Tageshöhe", behaupten wollen, dass die Tageshöhe zu Luthers Zeiten vorhanden war; und deshalb ist es richtig, wenn wir auf unsere Leuchte acht haben, "als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche". (2. Petr. 1:19)

Doch ist es nicht genug, dass wir uns jetzt auf dem Pfade des Lichts befinden; wir müssen auch "im Lichte wandeln", fortfahren, Fortschritte zu machen, oder das Licht, das nicht stille hält, eilt vorwärts und lässt uns in Finsternis zurück. Die Schwierigkeit bei vielen ist, dass sie sich hinsetzen und nicht dem Pfade des Lichts folgen. Nimmt man eine Bibel-Konkordanz und prüfe die Texte unter den Worten Sitzen und Stehen, und dann vergleiche sie mit denen unter Wandeln und Laufen, und so wird man einen gewaltigen Gegensatz herausfinden: Menschen "sitzen in Finsternis" und "unter den Spöttern", aber "wandeln im Licht" und "laufen nach dem Kleinod". - Jes. 42:7; Ps. 1:1; 1. Kor. 9:24 usw.

Die Vollkommenheit in der Erkenntnis ist nicht eine Sache der Vergangenheit, sondern der Zukunft; wir glauben zuversichtlich, der sehr nahen Zukunft; und bis wir diese Tatsache erkennen, sind wir unvorbereitet, um neue Entfaltungen des Planes unseres Vaters zu würdigen und zu erwarten. Wohl ist es wahr, dass wir noch immer auf die Worte der Propheten und der Apostel zurückgehen, um alle Erkenntnis der Gegenwart und Zukunft zu erlangen; dies geschieht zwar nicht, weil sie Gottes Plan und Ratschlüsse immer besser verstanden hätten als wir, sondern weil Gott sie als seine Mundstücke gebraucht hat, um uns und der ganzen Herauswahl während des Evangeliums-Zeitalters die Wahrheit mitzuteilen, die sich auf seinen Plan bezieht, sobald sie fällig und zeitgemäß geworden ist.

Diese Tatsache wird vielfach durch die Apostel bewiesen. Paulus sagt uns, dass Gott der Herauswahl des Evangeliums das Geheimnis seines Willens kundgetan hat, das Er bei sich selbst zuvor beschlossen hatte. nie zuvor hat Er dies Geheimnis geoffenbart, obgleich Er es in dunklen Sprüchen niedergelegt hatte. Diese konnten nicht eher verstanden werden, als bis die Zeit herbei gekommen war, die Augen unseres Verständnisses zum Erfassen und Wertschätzen der "hohen Berufung" zu öffnen, die ausschließlich für Gläubige dieses Evangeliums-Zeitalters bestimmt ist (Eph. 1:9, 10,17, 18; 3:4-6). Dies zeigt uns klar und deutlich, dass weder die Propheten noch die Engel die Bedeutung der von ihnen ausgesprochenen Prophezeiungen verstanden haben. Petrus sagt uns, dass, als sie begierig danach forschten, um ihre Bedeutung zu erkennen, Gott ihnen sagte, dass die in ihren Prophezeiungen verborgenen Wahrheiten nicht für sie selbst bestimmt seien, sondern für uns im Evangeliums-Zeitalter. Und er ermahnt die Herauswahl, in dieser Richtung noch weitere Gnade (Gunst, Segen) - noch mehr Erkenntnis über Gottes Plan zu erhoffen. - 1. Petr. 1:10-13

Wenn Jesus verhieß, dass die Herauswahl in die ganze Wahrheit geleitet werden sollte, ist es doch augenscheinlich dass dies nach und nach vor sich gehen sollte. Wenn auch die Herauswahl in den Tagen der Apostel frei war von vielen der Irrtümer, die mit und unter dem Papsttum aufkamen, so können wir trotzdem nicht annehmen, dass die frühe Herauswahl einen so tiefen oder deutlichen Einblick in den Plan Gottes hatte, als es heutzutage möglich ist. Es ist ebenso offensichtlich, dass die verschiedenen Apostel in verschiedenem Grade Einblick in Gottes Plan hatten, obgleich alle ihre Schriften von Gott überwacht und eingegeben waren, gleichwie die Worte der Propheten. Um den Unterschied an Erkenntnis zu erläutern, brauchen wir nur an das schwankende Verhalten des Petrus und der anderen Apostel das nur für eine kurze Zeit war, zu erinnern, mit Ausnahme des Paulus, als das Evangelium anfing, zu den Nationen zu gehen (Apg. 10:28; 11:1-3; Gal. 2:11-14). Die Unsicherheit von Petrus war in einem bemerkenswerten Gegensatz zu der Gewissheit von Paulus, welche aus den Worten der Propheten und aus Gottes früheren Handlungen mit ihm und aus der direkten Offenbarungen an ihn eingegeben worden war.

Paulus hatte ganz offensichtlich reichlichere Offenbarungen empfangen als irgend ein anderer Apostel. Es war ihm nicht erlaubt, diese Offenbarungen der Herauswahl mitzuteilen, noch sie völlig und klar selbst den anderen Aposteln bekannt zugeben (2. Kor. 12:4; Gal. 2:2); dennoch können wir den Wert für die gesamte Herauswahl in den Visionen und Offenbarungen erkennen, welche dem Paulus gegebenen worden sind; denn wenn er auch nicht sagen durfte, noch ihm erlaubt war, alles was er von Gottes Geheimnissen über die "zukünftigen Zeitalter", wusste, bis ins kleinste zu beschreiben, so gab doch das, was er gesehen hatte, seinen Worten eine kräftige und tiefe Bedeutung, in welcher die Einzelheit für uns mehr klar erkennbar werden in dem Lichte der darauffolgenden Ereignisse und der prophetischen Erfüllungen und unter der Leitung des Geistes, als wie es in der frühen Herauswahl möglich war.

Zur Bekräftigung der vorangegangenen Aussage erinnern wir an das letzte Buch der Bibel - die Offenbarung, die ungefähr im Jahre 96 n.Chr. geschrieben wurde. Die einleitenden Worte kündigen eine besondere Offenbarung solcher Dinge an, die vorher nicht verstanden wurden. Dies beweist eindeutig, dass Gottes Plan, bis zu jener Zeit wenigstens, noch nicht vollständig geoffenbart worden war. Ebenso wenig ist das Buch bis auf diesen Tag das gewesen, was sein Name andeutet: eine Entfaltung, eine Offenbarung. Soweit die frühe Herauswahl in Betracht kommt, so hat wahrscheinlich niemand irgend einen Teil des Buches verstanden. Selbst Johannes, der die Visionen sah, kannte wahrscheinlich nicht die Bedeutung dessen, was er sah. Er war beides zugleich, ein Prophet und ein Apostel; und während er als Apostel das verstand und lehrte, was damals "Speise zur rechten Zeit" war, verkündigte er als Prophet Dinge, die erst in der Zukunft den Haushalt des Glaubens mit "Speise zur rechter Zeit" versorgen würden.

Während des Evangeliums-Zeitalters versuchten einige der Heiligen durch Erforschung dieses sinnbildlichen Buches die Zukunft der Herauswahl zu verstehen, und zweifellos wurden alle, die es gelesen haben, wie es verheißen war, reichlich gesegnet, auch wenn sie nur einen Teil seiner Lehren verstanden haben (Offb. 1:3). Das Buch öffnete sich solchen immer mehr, und in den Tagen der Reformation war es ein wichtiges Hilfsmittel für Luther, um das Papsttum, dessen aufrichtiger Diener er gewesen war, als den wirklichen, vom Apostel erwähnten "Antichrist" zu erkennen, dessen Geschichte einen sehr großen Teil dieser Prophezeiung ausfüllt, wie wir jetzt sehen.

Auf diese Weise eröffnet Gott ganz allmählich seine Wahrheit und offenbart uns den überaus großen Reichtum seiner Gnade; und folglich ist jetzt mehr Licht an der Zeit fällig und zeitgemäß zu werden, als in irgend einer vorangegangenen Zeit in der Geschichte der Herauswahl.

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Studie 2

Das Dasein eines allerhöchsten intelligenten Schöpfers nachgewiesen.

Außerbiblische Beweise, im Lichte der Vernunft geprüft. - Eine unhaltbare Theorie. - Eine vernünftige Anschauung. - Gottes Wesen dargestellt. - Vernünftige Schlussfolgerungen.

Der unbefangene und verständige Denker wird durch ein vernünftiges und aufrichtiges Erforschen des Unbekannten in dem Lichte bekannter Tatsachen selbst vom Standpunkte des Zweifels aus der Wahrheit zugeführt werden. Freilich, wahr bleibt es dabei immer, dass der Mensch ohne unmittelbare Offenbarung des Planes und Ratschlusses Gottes der Wahrheit sich nur nähern und nur zu unmittelbaren Schlussfolgerungen gelangen kann. Doch lasst uns für einen Augenblick die Bibel beiseite legen und die Dinge vom Standpunkte des Verstandes aus betrachten.

Derjenige, welcher mit einem Fernrohr oder auch nur mit seinem natürlichen Auge zum Himmel hinauf blickt und die Unermesslichkeit der Schöpfung, ihre Gleichmäßigkeit, ihre Schönheit, ihre Ordnung, ihre Harmonie und ihre Vielseitigkeit sieht und dann noch daran zweifelt, dass der Schöpfer dieser Dinge sowohl an Weisheit als auch an Macht weit über ihm steht, oder wer für einen Augenblick annehmen kann, dass solche Ordnung durch Zufall ohne einen Schöpfer zustande kam, der hat die Fähigkeit seines Verstandes so weit verloren oder beiseite gelegt, dass er mit Recht als das betrachtet wird, was die Bibel ihn nennt, einen Toren (ei­nen, der keinen Verstand hat oder ihn nicht gebraucht): "Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott." Wie dem auch immer sei, jeder Verständige muss wenigstens zugeben, dass vieles in der Bibel wahr ist; denn es ist eine selbstverständliche Wahrheit, dass Wirkungen ihre entsprechenden Ursachen haben müssen. Jede Pflanze, ja jede Blume legt tausendfaches Zeugnis dafür ab.

Kompliziert im Aufbau, überaus schön in ihrer Form und Beschaffenheit, alles zeugt von übermenschlicher Weisheit und Geschicklichkeit. Wie kurzsichtig ist die Ungereimtheit derjenigen, welche von menschlicher Geschicklichkeit und menschlichem Scharfsinn prahlt und die Regelmäßigkeit, Gleichförmigkeit und Harmonie der Natur anerkennt, aber gleichzeitig leugnet, dass die Natur einen intelligenten Gesetzgeber hat.

Die Leugner des Daseins eines intelligenten Schöpfers stellen die Behauptung auf, dass die Natur der alleinige Gott sei, und dass alle Formen der Entwicklungen von Tier und Pflanze von sich selbst hervorgehen, seien ohne die Anordnung eines intelligenten Wesens und, wie sie sagen, allein von dem Gesetz regiert werde, dass in dem Fortgang der Evolution der Stärkere den Schwächeren überlebt.

Diese Theorie ermangelt jeglichen Beweises; denn überall um uns herum sehen wir, dass die verschiedenartigen Geschöpfe fest bestimmte Naturen besitzen, die sich nicht zu höheren Naturen fortentwickeln; und obwohl die Vertreter dieser Theorie auch wiederholte Versuche angestellt haben, so ist es ihnen doch weder gelungen, die verschiedenen Gattungen zu vermischen, noch eine neue feste Art hervorzubringen. Kein Fall ist bekannt, wo eine Art sich in eine andere verwandelt hat. (Um einiger Leser willen bemerken wir, dass solche Veränderungen wie die Verwandlungen der Raupen in Schmetterlinge keine Veränderungen der Natur sind; die Raupe ist nur die aus dem Ei des Schmetterlings ausgekrochene Larve.) Obwohl es Fische gibt, die einen Augenblick lang ihre Flossen als Flügel gebrauchen und aus dem Wasser fliegen hat man doch noch nie erlebt, dass sie sich in Vögel verwandelt haben; und wenn es auch in der Tierwelt einige gibt, welche eine geringfügige Ähnlichkeit mit dem Menschen haben, so fehlt doch der Nachweis gänzlich, dass sich der Mensch aus solchen Geschöpfen entwickelt habe. Im Gegenteil beweisen Untersuchungen, dass, obwohl unterschiedliche Vielseitigkeiten in derselben Gattung hervorgebracht werden können, es aber unmöglich ist, die verschiedenen Gattungen zu vermischen oder eine aus der anderen hervorzubringen. Aus demselben Grund kann man vom Esel und Pferd, obgleich sie einander ähnlich sind, nicht behaupten, sie seien verwandt, denn es ist sehr gut bekannt, dass ihre Nachkommen unvollkommen sind und sich auch nicht fortpflanzen können.

Wenn die unvernünftige Natur der Schöpfer oder Entwickler wäre, so würde sie sicherlich den Entwicklungsgang fortsetzen, und dann würde es nichts dergleichen wie eine fest bestimmte Gattung geben, da ohne Intelligenz nichts zu einem festen Zustand gelangen würde. Fortentwicklung, Evolution, würde heutzutage noch eine Tatsache sein, und um uns herum würden wir sehen, wie Fische zu Vögeln und Affen zu Menschen werden. Diese Theorie, schließen wir daher, ist sowohl wider den menschlichen Verstand, als auch wider die Bibel, weil diese Theorie behauptet, dass intelligente Wesen von einer Macht erschaffen wurden, welche keine Intelligenz hat.

Eine Theorie in Bezug auf die Schöpfung (den Menschen ausgenommen) durch eine Fortentwicklung, gegen die wir keine ernsteren Bedenken haben, stellen wir kurz wie folgt dar: Es wird angenommen, dass die verschiedenen Gattungen der Gegenwart fest und unveränderlich sind, soweit Natur oder Art betrachtet wird, und obwohl die gegenwärtigen Naturen noch zu einem viel höheren Standpunkt, bis zur Vollkommenheit hin, gebracht werden mö­gen, so werden diese Gattungen oder Naturen für immer dieselben bleiben. Diese Theorie nimmt ferner an, dass keine dieser fest bestimmten Gattungen ursprünglich so erschaffen waren, sondern dass sie in ferner Vergangenheit durch die Erde entwickelten wurden, und zwar durch eine allmähliche Evolution aus einer Form in die andere. Diese Evolutionen, nach göttlich festgelegten Gesetzen, bei welchen die Veränderungen in der Nahrung und in dem Klima eine wichtige Teil gespielt haben, mag sich fortgesetzt haben bis die fest bestimmten Gattungen, so wie sie jetzt zu sehen sind, erreicht waren, worüber hinaus ein Wechsel unmöglich ist, nachdem die endgültige Absicht des Schöpfers in dieser Hinsicht allem Anschein nach erreicht worden ist.

Obgleich jede der verschiedenen Pflanzen- und Tierfamilien der Verbesserung oder Verschlechterung fähig ist, so ist es doch unmöglich, sie in andere Arten oder Familien zu verwandeln oder aus ihnen andere hervorzubringen. Wenn auch jede derselben die Vollkommenheit ihrer eigenen fest bestimmten Natur erreichen mag, so ist doch die Absicht des Schöpfers erreicht worden und ein weiterer Wechsel in dieser Hinsicht ist unmöglich.

Es wird behauptet, dass die ursprünglichen Pflanzen und Tiere, von denen die gegenwärtigen, fest bestimmten Arten stammen, vor der Erschaffung des Menschen untergegangen sind. Skelette und Versteinerungen von jetzt nicht mehr vorhandenen Tieren und Pflanzen, tief unter der Erdoberfläche gefunden, begünstigen diese Theorie. Diese Ansicht vernachlässigt und verwirft in keiner Weise die Schriftlehre, dass der Mensch eine direkte unmittelbare Schöpfung war und in dem geistigen und moralischen Ebenbild seines Erschaffers erschaffen worden ist und nicht das Ergebnis eines Entwicklungsvorganges ist, den die übrige Schöpfung wahrscheinlich miteinander teilte. Diese Ansicht macht in keiner Weise die Behauptung der Bibel hinfällig, sondern stützt sie vielmehr, dass die Natur, wie sie heute ist, lehrt, dass ein intelligentes Wesen sie anordnete und ihre erste Ursache war. Lasst die menschliche Vernunft ihr Bestes tun, um bekannte Tatsachen auf vernunftgemäße und passende Ursachen zurückzuführen, und dabei in jedem Fall den Naturgesetzen volle Rechnung tragen; aber im Hintergrund von all der verwickelten Maschinerie der Natur ist die Hand seines großen Urhebers, der intelligente, allmächtige Gott.

Deshalb behaupten wir, dass das Dasein eines intelligenten Schöpfers eine klar bewiesene Wahrheit ist. Der Beweis dafür liegt überall um uns herum; ja, auch in uns, denn wir selbst sind sein Werk, und jede Fähigkeit unseres Geistes und Körpers zeugt von einer wundervollen Geschicklichkeit, welche jenseits unseres Verständnisses liegt. Er ist auch der Entwerfer und Schöpfer dessen, was wir Natur nennen. Wir behaupten, dass er die Gesetze der Na­tur geordnet und festgelegt hat, deren herrliches und harmonisches Zusammenwirken wir sehen und bewundern. Diesen Einen, dessen Weisheit das Weltall geplant, und dessen Macht es erhält und leitet, dessen Weisheit und Macht unser eigenes Verstehen so unermesslich übersteigen, diesen Einen verehren und bewundern wir, wenn auch unbewusst oder instinktiv.

Das Dasein dieses mächtigen Gottes zu erkennen, heißt aber nur, vor seiner allmächtigen Kraft zu erbeben, bis wir erkennen können, dass er auch seiner Macht entsprechend, von Wohlwollen und Güte erfüllt ist. Dieser Tatsache sind wir ebenso vollkommen sicher, und zwar aus demselben Grunde, der uns das Dasein, die Macht und die Weisheit Gottes beweist. Nicht nur sind wir zu der Schlussfolgerung gezwungen, dass es einen Gott gibt, und dass seine Macht und Weisheit unermesslich weit über uns stehen, sondern unsere Vernunft zwingt uns auch zu der Schlussfolgerung, dass das größte erschaffene Ding seinem Schöpfer nicht überlegen ist; folglich müssen wir schließen, dass die größte Kundgebung von Wohlwollen und Gerechtigkeit unter den Menschen derjenigen des Schöpfers an Entfaltungsmöglichkeit untergeordnet ist, ebenso wie des Menschen Weisheit und Macht der seinigen nachstehen. Und auf diese Weise haben wir vor unserem Geiste das Wesen des großen Schöpfers stehen. Er ist weise, gerecht, liebend und mächtig: und die Entfaltungsmöglichkeit seiner Eigenschaften ist natürlich unendlich größer als der seiner großartigen Schöpfung.

Doch weiter: da wir hinsichtlich des Daseins und des Charakters unseres Schöpfers zu diesem vernunftgemäßen Schluss gekommen sind, lasst uns fragen, was sollten wir von solch einem Wesen erwarten? Die Antwort ist, dass der Besitz solcher Eigenschaften vernünftigerweise ihre Ausübung, ihren Gebrauch erkennen lässt. Gottes Macht muss ausgeübt werden, und zwar in Harmonie mit seinem Wesen, das weise, gerecht und liebevoll ist. Was immer die Mittel zu diesem Zweck sein mögen, was auch immer die Wirkung von Gottes Macht sein mag, das abschließende Ergebnis muss mit seinem Wesen und Charakter im Einklang stehen, und jeder Schritt muss die Zustimmung seiner unendlichen Weisheit haben.

Was könnte vernünftiger sein als die Ausübung der Macht, wie wir sie um uns herum in der Schöpfung des Weltalls und in der wundervollen Vielfalt der Erde geoffenbart sehen? Was könnte vernünftiger sein als die Erschaffung des Menschen, ausgestattet mit Vernunft und Urteilsvermögen, fähig, seines Schöpfers Werke zu würdigen, und über seine Erhabenheit - seine Weisheit, Gerechtigkeit, Macht und Liebe -nachzusinnen? Alles dies ist vernunftgemäß und stimmt vollkommen mit den uns bekannten Tatsachen überein.

Und nun kommt unser Schlusssatz. Ist es nicht vernünftig, anzunehmen, dass solch ein unendlich weises und gutes Wesen, welches ein Geschöpf erschaffen hat, das imstande ist, ihn und seinen Plan zu begreifen, durch seine Liebe und Gerechtigkeit bewegt worden ist, das von ihm selbst in die Natur jenes Geschöpfes eingepflanzte Verlangen zu stillen und ihm eine Offenbarung zu schenken? Wäre es nicht ganz vernunftgemäß, anzunehmen, dass Gott den Menschen über den Zweck ihres Daseins und seines Planes für ihre Zukunft Auskunft gäbe? Im Gegenteil, fragen wir, würde es nicht geradezu unvernünftig sein, zu denken, dass solch ein Schöpfer ein Geschöpf wie den Menschen macht, ihn ausstattet mit Vernunft, über die Zukunft nachzudenken, und ihm doch keine Offenbarung seines Planes gibt, um diesem Verlangen gerecht zu werden? Solch eine Handlungsweise wäre unvernünftig, weil es im Widerspruch steht zu dem Charakter, welchen wir vernünftigerweise Gott zuschreiben: im Widerspruch zu der rechten Handlungsweise eines von Gerechtigkeit und Liebe geleiteten Wesens.

Hätte die göttliche Weisheit bei der Erschaffung des Menschen es für ungeeignet geachtet, ihm eine Kenntnis seiner zukünftigen Bestimmung und seines Anteils an seines Schöpfers Plan zu geben, dann hätten sicherlich sowohl die göttliche Gerechtigkeit als auch die göttliche Liebe darauf bestanden, dass sein Geschöpf in seiner Fähigkeit so begrenzt worden wäre, dass es nicht beständig mit Zweifel, Furcht und Ungewissheit geplagt und gequält würde. Die Tatsache also, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, eine Offenbarung des göttlichen Planes zu erfassen, im Zusammenhang mit dem zugestandenen Wesen seines Schöpfers betrachtet, ist überreichlicher Grund dafür, dass Gott solch eine Offenbarung, zu solcher Zeit und auf solche Art schenken würde, als seine Weisheit es zulässt. Auf diese Weise würde uns unsere Vernunft, diese Überlegungen im Sinn behaltend, - selbst ohne etwas von der Bibel zu wissen - zu der Erwartung drängen, dass solch eine Offenbarung etwa, wie die Bibel sie zu sein beansprucht, uns gegeben werden würde. Und ferner, wenn wir an die Ordnung und die Harmonie der Schöpfung im allgemeinen denken, wie die Gestirne und Sternensysteme in großartiger Aufeinanderfolge Zeit und Raum einhalten, dann können wir nicht anders als annehmen, dass die geringeren Unregelmäßigkeiten, wie Erdbeben, Wirbelstürme usw., nur Anzeichen dafür sind, dass das Zusammenwirken der verschiedenen Elemente in dieser Welt noch nicht vollkommen ist. Fragen nach einer Zusicherung, dass schließlich alles auf Erden so vollkommen und harmonisch sein wird wie in den Himmeln, sowie Fragen nach einiger Aufklärung, warum es gegenwärtig nicht so ist, sind nicht unvernünftig, weder für denkende Menschen, sie zu stellen, noch für den Schöpfer, dessen Weisheit, Macht und Liebe sich darin erweisen, sie zu beantworten. Wir würden daher erwarten, dass die begehrte Offenbarung solche Zusicherung und Erklärung einschließt.

Indem wir nun gesehen haben, wie vernünftig es ist, eine Offenbarung über Gottes Willen und Plan, unser Geschlecht betreffend, zu erwarten, werden wir im nächsten Kapitel den allgemeinen Charakter und die Merkmale der Bibel untersuchen, die gerade solch eine Offenbarung zu sein behauptet. Und wenn sie Gottes Wesen in vollkommener Übereinstimmung mit dem darstellt, was, wie oben gesehen, die Vernunft vorschreibt, so schließen wir daraus, dass sie sich damit als die notwendiger - oder vernünftigerweise erwartete göttliche Offenbarung ausweist, und dann nehmen wir ihr Zeugnis als ein von Gott kommendes an. Wenn sie von Gott stammt, dann werden ihre Lehren, wenn völlig wertgeschätzt, mit seinem Wesen übereinstimmen, von welchem die Vernunft uns zusichert, dass er vollkommen ist an Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht.

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Studie 3

Die Bibel als göttliche Offenbarung im Lichte der Einsicht und Erkenntnis betrachtet.

Die Ansprüche der Bibel und äußere Beweise für ihre Glaubwürdigkeit. - Ihr Alter und ihre Erhaltung. - Ihr moralischer Einfluss. - Beweggründe der Verfasser. - Allgemeine Eigenart der Schriftstücke. - Die Bücher Mose. - Das Gesetz von Mose. - Eigenarten der von Mose eingesetzten Regierung. - Es war kein System der Priesterlist. - Vorschriften für die bürgerliche Verwaltung. - Reich und arm vor dem Gesetz auf gleicher Stufe. - Sicherheitsmaßregeln gegen das Spielen mit den Rechten des Volkes. - Das Priestertum keine bevorzugte Klasse; wie es unterhalten wurde usw. - Verwahrung gegen die Unterdrückung der Fremden, Witwen, Waisen und Dienenden. - Die Propheten der Bibel. - Gibt es ein gemeinsames Band der Einigkeit zwischen dem Gesetz, den Propheten und den neutestamentlichen Schreibern? - Wunder sind nicht vernunftwidrig. - Die vernünftige Schlussfolgerung.

Die Bibel ist die Fackel der Zivilisation und der Freiheit. Ihr Einfluss zum Guten in der menschlichen Gesellschaft wurde von den größten Staatsmännern anerkannt worden, obwohl die Bibel meistenteils durch verschiedene Brillen der Glaubensbekenntnisse, die einander und der Bibel widersprechen, betrachtet worden ist, welche Bekenntnisse, obwohl sie die Bibel hochhalten, ihre Lehren sehr falsch darstellen. Das bedeutsame alte Buch ist ohne Absicht, aber bedauerlicherweise, von seinen Freunden, und doch würden viele von ihnen dafür ihr Leben lassen. Ja, gerade sie fügen dem Buch schlimmeren Schaden zu als seine Feinde, indem sie behaupten, dass die Bibel ihre so lang gehegten, durch die Überlieferung von den Vätern empfangenen, falschen Auffassungen der Wahrheit unterstütze. Möchten sie doch aufwachen, und ihre Orakel aufs neue befragen und ihre Gegner dadurch zuschanden machen, dass sie ihnen die Waffen wegnehmen!

Das Licht der Natur hat uns zu der Erwartung einer volleren Offenbarung geleitet, als die ist, welche die Natur uns darbietet. Somit wird auch jeder vernünftige, denkende Mensch bereit sein, wenn irgendwo Ansprüche, eine göttliche Offenbarung zu sein erhoben werden, solche zu prüfen, vorausgesetzt, dass sie vernünftiger Überlegung gegenüber den äußeren Stempel der Wahrheit an sich tragen. Die Bibel beansprucht solch eine Offenbarung von Gott zu sein, und kommt zu uns mit hinreichenden äußeren Wahrscheinlichkeit, dass ihre Ansprüche möglicherweise richtig sind, und gibt gegründete Hoffnung, dass genauere Untersuchung vollständigere und bestimmtere Beweise liefern wird, dass sie in der Tat Gottes Wort ist.

Die Bibel ist das älteste Buch, das es gibt; es hat die Stürme von 30 Jahrhunderten überdauert. Durch alle nur möglichen Mittel hat man versucht, es von der Oberfläche der Erde zu verbannen. Man hat es verborgen, vergraben, ein todeswürdiges Verbrechen daraus gemacht, es zu besitzen, und die bittersten und erbarmungslosesten Verfolgungen haben gegen die gewütet, die ihren Glauben auf dasselbe gründeten. Aber das Buch besteht noch. Während viele ihrer Gegner im Tode schlummern, und Hunderte von Werken längst vergessen sind, die geschrieben wurden, um sie in schlechten Ruf zu bringen und ihren Einfluss zu brechen, hat die Bibel heutzutage ihren Weg in jedes Volk und jede Sprache der Erde gefunden; über 200 verschiedene Übersetzungen sind von ihr gemacht worden. Die Tatsache, dass dieses Buch so viele Jahrhunderte überlebt hat, ungeachtet solch unvergleichlicher Anstrengungen, es zu verbannen und zu zerstören, ist mindestens ein starkes, weil auf Tatsachen gegründetes Zeugnis, dass der große Autor, den es für sich beansprucht, auch sein Erhalter ist.

Es ist auch wahr, dass die Bibel überall einen guten moralischen Einfluss ausgeübt hat. Wer ihre Blätter Seiten sorgfältig durchforscht, wird ausnahmslos zu einem reineren Leben erhoben. Andere Schriften über Religion und sonstige Wissenschaften haben in gewissem Masse unter der Menschheit Gutes vollbracht, sie veredelt oder segnet; aber alle anderen Bücher zusammengenommen waren nicht imstande, der seufzenden Kreatur die Freude, den Frieden und den Segen zu bringen, den die Bibel dem Reichen wie Armen, dem Gebildeten wie Ungebildeten gebracht hat. Die Bibel ist kein Buch, das man nur flüchtig lesen braucht. Sie ist ein Buch, das mit Sorgfalt und Nachdenken studiert werden muss, denn Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken und seine Wege höher als unsere Wege. Und wenn du den Plan und die Gedanken des unendlichen Gottes begreifen möchtest, dann gilt es für dieses wichtige Werk alle deine Kräfte anzuspannen. Die reichsten Schätze der Wahrheit liegen nicht immer auf der Oberfläche.

Vom Anfang bis zum Ende zeigt das ganze Buch auf einen hervorragenden Charakter hin, Jesus von Nazareth, der, wie es lehrt, der Sohn Gottes war. Vom Anfang bis zum Ende wird sein Name, Amt und Werk hervorgehoben. Das ein Mensch, Jesus von Nazareth genannt, lebte und um die Zeit herum, die von den Verfassern der Bibel angegeben wird, bekannt geworden war, ist eine Tatsache der Geschichte außerbiblischen Geschichte und ist verschiedentlich und vollständig bestätigt. Dass dieser Jesus gekreuzigt wurde, weil er den Juden und ihrer Priesterschaft anstößig geworden, ist eine weitere von der Geschichte bestätigte Tatsache, außer dem Beweis, den uns die Schreiber des Neuen Testaments liefern. Die Verfasser des Neuen Testaments (mit Ausnahme von Paulus und Lukas) waren persönliche Bekannte und Jünger von Jesus von Nazareth, dessen Lehren ihre Schriften darlegen.

Das Erscheinung irgendeines Buches setzt einen Beweggrund auf Seiten des Schreibers voraus. Wir fragen daher, welche Beweggründe konnten diese Männer haben, die Sache dieser Person zu vertreten? Jesus war von den Juden zum Tode verurteilt und von den Römern als ein Übeltäter gekreuzigt worden. Die jüdischen Anführer überlieferten ihn und forderten seinen Tod, als eines Menschen, der das Leben verwirkt hatte. Und während diese Männer seine Sache vertraten und seine Lehre verkündigten, boten sie bitterer Verfolgung, Entbehrung und Verachtung Trotz, wagten ihr Leben und erduldeten sogar in mehreren Fällen Märtyrertod. Zugestanden nun, dass Jesus in seinem Leben eine bemerkenswerte Person war, sowohl in seinem Lebenswandel als auch in seiner Lehre, was für ein Beweggrund, seine Sache zu vertreten, konnte noch, nachdem er tot war, für irgend jemand vorhanden sein; besonders da sein Tod ein so schmachvoller gewesen war? Und wenn wir annehmen, dass diese Schreiber ihre Erzählung erfunden hätten, und dass Jesus ihr frei erfundener oder idealer Held war, wie völlig fern wäre es, anzunehmen, dass Menschen mit gesundem Verstand, nachdem sie behaupten, dass er der Sohn Gottes war, dass er auf übernatürlichen Weise empfangen worden sei, übernatürliche Kräfte besessen habe, durch welche er Aussätzige geheilt, Blindgeborene das Augenlicht wiederhergestellt, Taube hörend gemacht und sogar Tote auferweckt hätte, die Geschichte eines solchen Charakters so zu Ende gehen ließen, wie sie taten. Wie über alle Begriffe albern wäre es von ihnen gewesen, zu erzählen, dass eine Handvoll seiner Feinde ihn als Betrüger hingerichtet hätten, während alle seine Freunde und Jünger, und unter ihnen die Schreiber selbst, im entscheidenden Augenblick flohen!

Die Umstand, dass die Weltgeschichte in einigen Punkten mit diesen Schreibern nicht übereinstimmt, sollte uns nicht gleich zu dem Schluss verleiten, dass ihre Urkunde unecht sei. Wer so schließen will, sollte auf Seiten dieser Schreiber irgendwelchen Beweggrund, falsche Angaben zu machen, nachweisen und beweisen. Was für Beweggründe konnten sie antreiben? Konnten sie vernünftigerweise auf Glück, Ruhm und Macht oder irgend einen irdischen Vorteil hoffen? Solchen Gedanken widerspricht schon die Armut der Freunde Jesu und die Unbeliebtheit ihres Helden bei der großen religiösen Partei in Judäa; während die Tatsache, dass er als ein Übeltäter, als Friedensstörer starb und dass er kein Ansehen erlangt hat, keine Hoffnung auf beneidenswerten Ruhm oder irdischen Vorteilen für diejenigen anbot, welche versuchen sollten, sich für seine Lehre wieder einzusetzen. Im Gegenteil, wenn das die Absicht der Verkünder Jesu gewesen wäre, würden sie es nicht so aufgegeben haben, sobald sie feststellten, dass es Unehre, Verfolgung, Gefängnis, Entbehrung und sogar den Tod mit sich brachte? Unser Verstand lehrt uns sehr klar, dass Männer, die Heimat, Ruf, Ehre und Leben opferten; die nicht für die gegenwärtige Zufriedenstellung lebten; sondern deren ganzes Streben dahin ging, ihre Mitmenschen emporzuheben, und welche die moralischen und sittlichen Grundsätze der höchsten Art vorlebten; nicht nur schlechthin einen Beweggrund hatten und für einen Zweck wirkten, sondern vielmehr, dass ihr Bewegrund ein reiner und ihr Zweck ein höchst edler gewesen sein muss. Unser Verstand sagt uns rückhaltlos, dass Männer, die Heimat, Ruf, Ehre und Leben opferten, die nicht nach zeitlichem Genuss trachteten, sondern deren ganzes Streben dahin ging, ihre Mitmenschen emporzuheben, und Moralität oder Sittlichkeit der höchsten Art einzuschärfen, nicht nur schlechthin einen Beweggrund hatten und für einen Zweck wirkten, sondern vielmehr, dass ihr Beweggrund ein reiner und ihr Zweck ein höchst edler gewesen sein muss. Unser Verstand sagt ferner, dass das Zeugnis solcher, nur von reinen und guten Beweggründen getriebener Männer zehnmal das Gewicht haben und der Beachtung wert sein sollte, als das gewöhnlicher Schriftsteller. Diese Männer waren durchaus keine Schwärmer; sie waren Männer von gesundem und vernünftigem Geiste und gaben in jedem Falle einen Grund für ihren Glauben und ihre Hoffnung und waren, ausharrend bis ans Ende, ihren vernünftigen Überzeugungen treu.

Und was wir hier bemerkt haben, ist in gleicher Weise auf die verschiedenen Schreiber des Alten Testamentes anwendbar. Sie waren, das ist die Hauptsache, für ihre Treue gegen den Herrn bekannte Männer; und die biblische Geschichte berichtet und straft ihre Schwachheiten und Fehlgriffe ebenso unparteiisch, wie sie ihre Tugenden und Treue empfiehlt. Das muss die in Erstaunen setzen, die sich vorreden, die Bibel sei eine zurechtgemachte Geschichte zu dem Zweck entworfen, den Menschen vor einem gewissen religiösen System eine heilige Scheu beizubringen. Es ist eine Geradheit und Aufrichtigkeit, in und an der Bibel, die sie als die Wahrheit ausweist. Ein Betrüger, der einen Mann als groß machen wollte, und besonders wenn er begierig ist, dessen Schriften als von Gott inspiriert anzupreisen würde den Charakter desselben ohne allen Zweifel tadellos und im höchsten Grade edel dargelegt haben. Und der Umstand, dass dies Verfahren in der Bibel nicht angewandt wurde, ist hinreichender Beweis, dass sie nicht auf betrügerische Weise zurechtgemacht worden ist, um zu verführen.

Wir haben Ursache, eine Offenbarung über Gottes Plan und Willen und Plan zu erwarten. Wir haben gefunden, dass die Bibel, die diese Offenbarung zu sein behauptet, von Männern geschrieben worden ist, deren Beweggründe anzufechten wir keinen Grund fanden, sondern denen wir im Gegenteil unseren Beifall zollen müssen., Nun lasst uns den Charakter, die Merkmale der als inspiriert erklärten Schriften prüfen und zusehen, ob ihre Lehren dem Wesen entsprechen, das wir vernunftgemäß Gott zugeschrieben haben, und ob ihr Inhalt gleicherweise den Stempel der Wahrhaftigkeit an sich trägt.

Die ersten fünf Bücher des Neuen Testaments und verschiedene des Alten Testamentes sind Erzählungen oder Geschichten über Ereignisse, die zu Lebzeiten der Schreiber geschehen sind, und die darum durch deren Charakter verbürgt sind. Jedem Verständigen wird es einleuchten, dass es keiner besonderen Offenbarung bedarf, um über Dinge, mit denen ganz genau bekannt ist, einfach die Wahrheit zu sagen. Wenn aber Gott den Menschen eine Offenbarung zu geben vorhatte, ist dann nicht der Umstand, dass diese Ge­schichten fortlaufender Ereignisse etwas mit der Offenbarung zu tun haben, ein ausreichender Grund zu der Annahme, dass Gott es auch so lenken und leiten würde, dass die ehrlichen Schreiber, die er für dieses Werk erwählte, mit den nötigen Tatsachen in Berührung kämen? Die Glaubwürdigkeit dieser historischen Teile der Bibel beruht daher fast vollständig auf dem Charakter und den Be­weggründen ihrer Schreiber. Gute Menschen werden keine Lügen sagen. Eine reine Quelle kann nicht bitteres Wasser geben. Und das gesamte Zeugnis dieser Schriftstücke bringt jeden Verdacht, als ob ihre Verfasser Böses sagen oder tun wollten, damit Gutes daraus käme, zum Schweigen.

Die Zuverlässigkeit gewisser Bücher der Bibel, wie zum Beispiel die der Könige, Chronika, Richter usw. wird in keiner Weise entkräftet, wenn wir sagen, dass sie einfach wahrheitsgemäße und sorgfältig aufgezeichnete Geschichten hervorragender Ereignisse und Persönlichkeiten ihrer Zeit sind. Die hebräischen Schriften enthalten ja sowohl Geschichte als auch das Gesetz und die Weissagungen, und ihre Geschichte und Geschlechtsregister waren der Erwartung wegen, dass der verheißene Messias in einer gewissen Linie von Abraham abstammen sollte, um so ausführlicher in der Beschreibung der näheren Verhältnisse. Das erklärt zur Genüge, warum gewisse historische Tatsachen berichtet werden, die im Lichte des 20. Jahrhunderts für unfein angesehen werden. Um z.B. einen deutlichen Bericht über den Ursprung der moabitischen und ammonitischen Nationen und ihre Verwandtschaft mit Abraham und den Israeliten zu geben, erschien es dem Geschichtsschreiber aller Wahrscheinlichkeit nach für geboten, eine volle Geschichte ihres Ursprungs aufzuzeichnen (1. Mose 19:36-38). In ähnlicher Weise wird über Judas Kinder ein sehr ins einzelne gehender Bericht gegeben. Von ihm kam der König David, durch welchen die Abstammung von Maria, der Mutter Jesu (Luk. 3:31, 33, 34) sowohl als auch die des Joseph, ihres Mannes (Matth. 1:2-16), auf Abraham zurückgeführt wird. Die Notwendigkeit, den Stammbaum aufs genaueste festzustellen, war zweifellos um so größer, als von diesem Stamm (1. Mose 49:10) sowohl der herrschende König Israels als auch der verheißene Messias kommen sollte, und daher die Ausführlichkeit, die in anderen Fällen nicht angewendet wird (1. Mose 38).

Es mag ähnliche oder auch verschiedene Gründe für die Aufzeichnung anderer historischer Tatsachen in der Bibel gegeben haben, deren Nützlichkeit wir nach und nach erkennen mögen, die wohl ohne Nachteil hätte weglassen können, wäre es keine Geschichte, sondern nur eine Abhandlung über Sittlichkeit oder Moral; doch niemand kann mit Recht sagen, dass die Bibel irgendwie Unreinheit gutheißt. Man tut gut, zu bedenken, dass dieselben Tatsachen in jeder Sprache mehr oder weniger zart dargestellt werden können, und während die Übersetzer der Bibel mit Recht zu gewissenhaft waren, irgend etwas von dem Bericht auszulassen, sie doch zu einer Zeit lebten, die es in der Wahl verfeinerter Ausdrücke nicht so genau nahm, wie die unsere; und das gleiche mag auch von den früheren biblischen Zeiten und deren Gewohnheit, sich auszudrücken, angenommen werden.

Die 5 Bücher Mose und die darin verkündeten Gesetze

Die ersten fünf Bücher der Bibel sind bekannt als die fünf Bücher Mose, obgleich sie nirgends seinen Namen als ihren Verfasser nennen. Dass sie von Mose oder unter seiner Aufsicht geschrieben wurden, ist eine wohlbegründete Annahme, ebenfalls, dass der Bericht über seinen Tod und seinem Begräbnis rechtmäßig von seinem Schreiber hinzugefügt wurde. Das Fehlen der ausdrücklichen Aussage, dass diese Bücher von Mose geschrieben wurden, ist kein Beweis dagegen; denn, hätte sie ein anderer geschrieben, um zu verführen und einen Betrug zu begehen, so würde er sicherlich behauptet haben, dass sie von dem großen Leiter und Staatsmann von Israel geschrieben wären, um seine Täuschung vollständig zu machen (5. Mose 31:9-27). Über eines sind wir gewiss, Mose hat das hebräische Volk aus Ägypten heraus geführt. Er hat es als Nation unter den in diesen Büchern dargelegten Gesetzen organisiert; und über dreitausend Jahre lang hat das hebräische Volk diese Bücher einstimmig als eine durch Mose an sie verliehene Gabe angesehen und so heilig gehalten, dass kein Jota noch Strichlein geändert werden durfte; auf diese Weise ist die Reinheit des Textes garantiert.

Diese Schriften von Mose enthalten die einzig glaubwürdige Geschichte, die über den sie durchlaufenden Zeitabschnitt vorhanden ist. Die chinesische Geschichte versucht mit der Schöpfung zu beginnen, indem sie erzählt, wie Gott in einem Kahn hinaus auf das Wasser fährt und in seiner Hand einen Klumpen Erde hält, den er ins Wasser wirft. Dieser Klumpen Erde, behaupten sie, wurde die Welt usw. Aber die ganze Geschichte ist ohne jegliche Vernunft, so dass sogar Kinderverstand dadurch nicht irregeführt könnte. Im Gegensatz hierzu geht der im ersten Buche Mose gegebene Bericht von der vernünftigen Voraussetzung aus, dass ein Gott, ein Schöpfer, eine intelligente Ursache bereits schon bestand. Er handelt nicht von Gott, als ob er einen Anfang genommen, sondern von seinem Werk - "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Dann, ohne weitere Einzelheiten oder Beschreibungen über den Ursprung der Erde zu geben, schreitet die Erzählung fort zu den sechs Tagen (Zeitabschnitten) der Herstellung und Zubereitung für den Menschen. Dieser Bericht wird durch Licht einer viertausendjährigen Wissenschaft im wesentlichen bestätigt. Es ist daher bei weitem vernünftiger, die Behauptung anzunehmen, dass sein Verfasser, Mose, göttlich inspiriert war, als anzunehmen, dass das Verständnis eines Mannes größer gewesen sei als das Verständnis und die Forschung der Übrigen des Geschlechts in den drei seitdem verflossenen Jahrtausenden zusammengenommen, unterstützt von modernen Hilfsmittel und Millionen an Geld.

Beachte zunächst die Zusammenstellung der Gesetze, die in diesen Schriften niedergelegt sind. Sie haben jedenfalls nicht ihresgleichen, sowohl damals als seitdem, bis in dies zwanzigste Jahrhundert hinein; und die Gesetze dieses Jahrhunderts sind auf die gleichen Prinzipien gegründet, die im mosaischen Gesetz niedergelegt sind, und sind in der Hauptsache von Männern verfasst, die den göttlichen Ursprung des mosaischen Gesetzes anerkennen.

Die zehn Gebote sind ein kurzer Inbegriff des ganzen Gesetzes. Sie gebieten eine Art der Gottes Verehrung und eine Moral, die jedem aufmerksamen Beobachter als bemerkenswert auffallen muss; und wenn sie, nie zuvor bekannt, jetzt unter den Ruinen und Überbleibseln Griechenlands, Rom oder Babylon gefunden würden, Nationen, die emporstiegen und wieder herabsanken, lange nachdem diese Gesetze gegeben worden waren, man würde sie für wunderbar, wenn nicht als übernatürlich halten. Aber lange Gewohnheit hat ihnen und ihren Forderungen gegenüber ziemliche Gleichgültigkeit erzeugt, so dass ihre wahre Größe, außer von Wenigen, nicht bemerkt wird. Es ist wahr, diese Gebote lehren nicht von Christus; aber sie sind auch nicht den Christen, sondern den Hebräern gegeben worden; und um Glauben an ein Lösegeld zu lehren, sondern um die Menschen von ihrem sündigen Zustand, und dass sie eines Lösegeldes bedürfen, zu überzeugen. Und der Hauptinhalt dieser Gebote wurde von dem erhabenen Gründer der Christenheit herrlich in die Worte zusammengefasst: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft", und "du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst". (Mark 12:30, 31)

Die Regierung, die von Mose eingeführt worden war, unterschied sich von allen anderen, alten und modernen, dadurch, dass sie beanspruchte, die des Schöpfers selbst zu sein, und dass das Volk ihm gegenüber verantwortlich war. Ihre Gesetze und Einrichtungen, bürgerliche als auch religiöse, erhoben den Anspruch, eine Anordnung Gottes zu sein, und waren, wie wir sogleich sehen werden, in vollkommener Harmonie mit dem, was die Vernunft über Gottes Wesen lehrt. Die Stiftshütte inmitten des Lagers enthielt in ihrer "Allerheiligsten" Abteilung eine Darstellung der Gegenwart Jehovas als Israels König, von wo aus es übernatürliche Belehrung zur rechten Verwaltung seiner nationalen Angelegenheiten empfing. Eine Priesterschaft wurde gegründet, dem die vollständige Besorgung der Stiftshütte oblag, und durch diese Einrichtung allein war Zutritt zu Jehova und die Gemeinschaft mit Jehova erlaubt. Der erste Gedanke den etliche in dieser Verbindung haben, möchte vielleicht der sein: "Ah; da haben wir den Zweck von ihrer Organisation; dort, wie bei anderen Völkern, beherrschen die Priester eigener Ehre und Vorteiles halber das Volk, indem sie die Leichtgläubigkeit desselben benutzten und seine Furcht erregten." Doch halt, Freund; lass uns nicht zu hastig zu solcher Annahme eilen. Wo eine so gute Gelegenheit vorhanden ist, diesen Gegenstand an Tatsachen zu prüfen, würde es nicht vernünftig sein, ohne die Tatsachen zu Schlüssen zu eilen. Der unwiderlegliche Augenschein ist gegen solche Voraussetzungen: die Rechte und Vorrechte der Priester waren begrenzt; ihnen war durchaus keine bürgerliche Macht gegeben, und ihr Amt zu missbrauchen, um gegen die Rechte und das Gewissen des Volkes Zwang auszuüben; dazu fehlte ihnen jegliche Gelegenheit; und von dem selben Mose war diese Einrichtung gemacht worden, der selbst ein Glied der priesterlichen Linie war.

Die Gewalt der Umstände, da er als Gottes Stellvertreter Israel aus der Knechtschaft Ägyptens führte, hatte die Regierung in seiner Hand zentralisiert und machte aus dem "sanftmütigen" Mose einen an Macht und Autorität unumschränkten Herrscher, obwohl er wegen seines sanftmütigen Wesens in Wirklichkeit der geplagteste Diener seines Volkes war, dessen ganze Lebenskraft von den beschwerlichen Mühsalen seiner Stellung aufgezehrt wurde. An diesem Zeitpunkt war es, dass die bürgerliche Herrschaft eingerichtet wurde, welche der Bedeutung nach einer Demokratie gleichkam. Man missverstehe uns nicht: So wie Ungläubige es ansehen würden, war Israels Regierung eine demokratische, aber dem, was sie selber von sich aussagte, war sie eine Gottes-Herrschaft oder Theokratie; denn die von Gott durch Mose gegebenen Gesetze ließen keine Verbesserung zu; man durfte zu der Gesetzeshandschrift weder dazu tun noch davon hinwegnehmen. So betrachtet, war Israels Regierung verschieden von irgendeiner früheren oder späteren. "Der Herr sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten in Israel, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und nimm sie vor die Stiftshütte, und stelle sie daselbst vor dich; so will ich hernieder kommen und mit dir daselbst reden und von dem Geiste, der auf dir ist, nehmen, und auf sie legen, dass sie mit dir die Last des Volkes tragen, und du nicht allein trägst." (4. Mose 11:16, 17, 24-30) als Beispiel treuer und ehrlicher Staatsverwaltung.) Bei der Wiederholung dieser Sache sprach Mose: "Da nahm ich die Häup­ter eurer Stämme, weise und erfahrene (einflussreiche) Männer, und setzte sie über euch zu Häuptern, über tausend, über hundert, über fünfzig, über zehn, und Amtleute unter euren Stämmen." (5. Mose 1:15; 2. Mose 18:13-26)

Aus dem Vorhergehenden erhellt, dass dieser ausgezeichnete Gesetzgeber, weit davon entfernt, seine eigene Macht verewigen oder vergrößern zu wollen - indem er die Regierung des Volkes von seinen nächsten Anverwandten, vom Priesterstamm hätte überwachen lassen, um deren religiöse Autorität zu benutzen, die Rechte und Freiheiten des Volkes in Fesseln zu legen, - im Gegenteil eine Regierungsform bei dem Volke einführte, die darauf abzielte, den Geist der Freiheit zu pflegen. Die Geschichte anderer Nationen und Regenten liefert dazu keinen Vergleich. In jedem Falle haben die Herrscher ihre eigene Erhöhung und vermehrte Macht erstrebt. Sogar da, wo sie die Errichtung von Republiken mit geholfen haben, hat man aus darauffolgenden Ereignissen erkannt, dass sie es mit List taten, um die Gunst des Volkes und durch diese ihre eigene Macht aufrecht zu erhalten. Unter gleichen Verhältnissen, wie die, in denen Mose sich befand, würde jeder andere ehrgeizige Mensch, der in Schlauheit das Volk in einer Täuschung zu erhalten versuchte, für größere Vereinigung der Macht in ihm selbst und in seiner Familie gewirkt haben, besonders da dies durch die religiöse Autorität, die diesem Stamme, schon eigen war, und durch den Glauben dieses Volkes, von Gott von der Stiftshütte aus regiert zu werden, als eine so leichte Aufgabe erschien ebenso wenig ist es annehmbar, dass ein Mann, der fähig ist, solche Gesetze zu bilden und solch ein Volk zu regieren, so schwach von Begriff gewesen sei, dass er nicht gesehen, wohin sein Verfahren führen müsse. So vollständig war die Herrschaft dem Volke in die Hand gelegt, dass, obgleich das Übereinkommen getroffen war, die schweren Fälle, die jene Amtleute nicht entscheiden konnten, vor Moses zu bringen, es doch für sich selbst entscheiden konnte, was vor Moses kommen sollte: "Die Sache aber, die zu schwierig für euch ist, sollt ihr vor mich bringen." (5. Mose 1:17)

So sehen wir, Israel war eine Republik, deren Vorsteher in göttlichem Auftrag handelten. Und zum Erstaunen derer, die, wenn auch unwissentlich, behaupten, dass die Bibel Königsherrschaft über das Volk gut heiße und einführte, statt "einer Regierung des Volkes durch das Volk", sei es bemerkt, dass diese republikanische Form weltlicher Regierung über 400 Jahre dauerte. Und dann wurde sie auf Verlangen "der Ältesten" in die eines Königreiches umgewandelt, ohne des Herrn Zustimmung, der zu Samuel, welcher damals als eine Art Präsident handelte sagte: "Gehorche der Stimme des Volkes in allem, das sie dir gesagt haben, denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll." Auf Gottes Anweisung hin beschrieb Samuel dem Volke, wie ihre Rechte und Freiheiten missachtet und sie selbst durch solchen Wechsel zu Knechten werden würden. Jedoch, sie waren von der volkstümlichen Meinung, die überall um sie herum bei den anderen Völkern vorhanden war, betört worden (1. Sam. 8:6-22). Wem drängt sich nicht bei der Erwägung dieses Berichtes über ihren Wunsch nach einem König der Gedanke auf, dass sich Mose ohne Schwierigkeit zum Haupte eines großen Reiches hätte einsetzen können?

Während Israel als Ganzes eine Nation bildete, so wurde doch seit Jakobs Tod die Einteilung in Stämme stets beachtet. Jede Familie, jeder Stamm, wählte oder erkannte durch gemeinsame Zustimmung gewisse Glieder als ihre Vertreter oder Häupter an. Dieser Gebrauch erhielt sich sogar während der langen Zeit ihrer Knechtschaft in Ägypten. Diese wurden Häupter oder Älteste genannt, und sie waren es, denen Mose die Ehre und Macht der Zivilherrschaft übertrug; hätte er hingegen in sich und seiner eigenen Familie die Macht vereinigen wollen, so wären diese Männer die letzten gewesen, die er mit Macht und Amt geehrt hätte.

Die Vorschriften, die diesen zu bürgerlichen Verwaltung Ernannten von Gott gegeben wurden, sind ein Beispiel von Einfachheit und Reinheit. Mose erklärte dem Volk in Gegenwart der Richter: "Ich gebot euren Richtern zu derselben Zeit und sprach: Höret die Streitsachen zwischen euren Brüdern und richtet in Gerechtigkeit zwischen einem Manne und seinem Bruder und dem Fremdling bei ihm. Ihr sollt nicht die Person ansehen im Gericht; den Kleinen wie den Großen sollt ihr hören; ihr sollt euch vor niemand fürchten, denn das Gericht ist Gottes. Die Sache aber, die zu schwierig für euch ist, sollt ihr vor mich bringen, dass ich sie höre." (5. Mose 1:16, 17) Solche schwierigen Fälle wurden nach dem Tod von Mose durch den Hohenpriester direkt zum Herrn gebracht; die Antwort bestand im Ja oder Nein durch das "Urim" und "Thummin".

Was sollen wir angesichts dieser Tatsachen über die Anschauung sagen, die glauben machen will, dass diese Bücher von betrügerischen Priestern geschrieben worden, um sich Einfluss und Macht über das Volk zu sichern? Würden solche Menschen zu solchem Zwecke Schriften unterzeichnen, die Geradezu den Zwecken hinderlich wären, die sie fördern sollten, Schriften, die aufs überzeugendste beweisen, dass der große Führer von Israel, und dazu einer seines eigenen Stammes, auf Gottes Geheiß hin die Priesterschaft von der bürgerlichen Verwaltung ausschloss, indem er sie in die Hand des Volkes legte? Würde irgend jemand solch eine Schlussfolgerung vernünftig nennen?

Es ist ferner auch der Beachtung wert, dass die Gesetze der fortgeschrittensten Zivilisation in diesem zwanzigsten Jahrhundert nicht sorgfältigere Vorkehrungen treffen, dass Reich und Arm an Verantwortlichkeit vor dem weltlichen Gesetz auf gleicher Stufe stehen sollen. Das Gesetz Mose machte darin durchaus keinen Unterschied. Das Gesetz schützte das Volk auch vor der Gefahr, dass einige sehr arm und andere unermesslich reich und mächtig wurden. Kein anderes nationales Gesetz ist jemals gegeben worden, das diesen Punkt so sorgfältig überwacht. Das Gesetz Mose bestimmte auf jedes fünfzigste Jahr eine Wiederherstellung - ein Hall - oder Jubeljahr. Indem dieses Gesetz die absolute Veräußerung des Eigentums verhinderte, beugte es der Anhäufung desselben in den Händen einiger Weniger vor (3. Mose 25:9,13-23, 27-30). Sie wurden in der Tat gelehrt, sich als Brüder anzusehen und demgemäss zu handeln; einander ohne Vergütung zu helfen und keinen Wucher von einander zu nehmen. - 2. Mose 22:25; 3. Mose 25:36, 37; 4. Mose. 26:52-56

Alle Gesetze wurden veröffentlicht. Dadurch wurden arglistige Menschen abgehalten, mit den Rechten des Volkes erfolgreich ihr Spiel zu treiben. Die Gesetze waren in solcher Weise öffentlich dargestellt, dass, wer wollte, sie abschreiben konnte; und damit die Ärmsten und Unwissendsten nicht in Unkenntnis über dieselben bleiben mussten, wurde es den Priestern zur Pflicht gemacht, sie dem Volk an seinen großen siebenjährigen Festen vorzulesen (5. Mose 31:10-13). Ist es vernünftig, zu denken, dass solche Gesetze und Anordnungen von schlechten Menschen ausgedacht wurden, oder von Menschen, die das Volk um seine Freiheiten und sein Wohl zu betrügen versuchten? Ist solch eine Annahme nicht vollständig grundlos?

In der Rücksichtnahme auf die Rechte und Interessen Fremder, ja der Feinde, war das mosaische Gesetz zweiunddreißig Jahrhunderte seiner Zeit voraus, wenn die zivilisiertesten und verfeinertsten Gesetze von heute ihm überhaupt an Gerechtigkeit und Wohlwollen gleichkommen. Lasst uns diesen Punkt kurz untersuchen. Wir lesen: "Einerlei Recht sollt ihr haben: wie der Fremdling, so soll der Eingeborene sein; denn ich bin Jehova, euer Gott." (2. Mose 12:49; 3. Mose 24:22)

"Und wenn ein Fremdling bei dir weilt in eurem Lande, so sollt ihr ihn nicht bedrücken. Wie ein Eingeborener unter euch soll euch der Fremdling sein, der bei euch weilt, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Fremdlinge seid ihr gewesen in Ägypten." (3. Mose 19:33, 34)

"Wenn du den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel umherirrend antriffst, sollst du ihn demselben jedenfalls zurückbringen. Wenn du den Esel deines Hassers unter seiner Last liegen siehst, so hüte dich, ihn derselben zu überlassen; du sollst ihn jedenfalls mit ihr losmachen." ( 2. Mose 23:4, 5)

Selbst die stummen Tiere waren nicht vergessen. Sowohl Grausamkeit gegen sie als auch gegen menschliche Wesen war streng verboten. Einem Ochsen sollte nicht mit einem Maulkorb verbunden werden, während er das Getreide drosch, aus dem guten Grund, dass ein Arbeiter seines Lohnes wert ist. Sogar Ochse und Esel durften nicht zusammen pflügen, weil sie so ungleich an Kraft und Schritt sind; es würde grausam sein. Ihre Ruhezeit war auch vorgesehen. ( 5. Mose 25:4; 22:10; 2. Mose 23:12)

Es mag von einigen behauptet werden, die Priesterschaft eine selbstsüchtige Einrichtung sei, weil der Stamm der Leviten durch den jährlichen Zehnten oder den zehnten Teil des persönlichen Verdienstes ihrer Brüder aus den anderen Stämmen unterhalten wurde. So hingestellt, ist es eine bei Zweiflern ziemlich allgemein beliebte unrichtige Darstellung der Sache. Möglicherweise missbrauchen sie unwissentlich zugunsten ihrer Anschauung einen der schlagendsten Beweise für Gottes Urheberschaft der Organisation dieses Systems, und somit dafür, dass es nicht das Werk einer selbstsüchtigen und Pläne schmiedenden Priesterschaft war. Es wird allerdings nicht selten von einer modernen Priesterschaft falsch dargestellt, wobei sie jenes als vorgängiges Beispiel, oder als eine Bestätigung im voraus gebraucht, ohne das Sachverständnis, auf das es sich gründet, noch die Art der Bezahlung, zu erwähnen.

Es war in der Tat auf die genaueste Gleichheit aufgebaut. Als Israel in den Besitz des Landes Kanaan kam, hatten die Leviten sicherlich dasselbe Recht auf einen Anteil des Landes wie die anderen Stämme; doch auf Gottes ausdrücklichen Befehl erhielten sie keinen. Nur gewisse Städte oder Dörfer, die unter den anderen Stämmen, denen sie in religiöser Beziehung dienen sollten, verstreut lagen, wurden ihnen als Wohnsitze zugeteilt. Neunmal vor der Verteilung des Landes wurde dieses Verbot gegeben. Anstatt des Landes musste ihnen von Rechts wegen irgendeine genügende Entschädigung zugesichert werden, und der Zehnte war diese genügende und gerechte Entschädigung. Doch das ist nicht alles. Obgleich der Zehnte, wie wir gesehen haben, eine gerechte Schuld war, so wurde er doch nicht wie eine Steuer eingetrieben, sondern wurde als freiwilliger Beitrag bezahlt. Keine Drohung zwang sie, die Beiträge zu leisten. Es hing ganz von der Gewissenhaftigkeit ihrer Brüder in den anderen Stämmen ab. Die einzigen Ermahnungen an das Volk über diese Sachen waren:

"Hüte dich, dass du den Leviten nicht verlassest, alle deine Tage in deinem Lande. Und den Leviten, der in deinen Toren ist, den sollst du nicht verlassen; denn er hat kein Teil noch Erbe mit dir." (5. Mose 12:19; 14:27)

Ist es vernünftig, fragen wir, anzunehmen, dass diese Anordnung der Dinge von selbstsüchtigen und ehrgeizigen Priestern aufgestellt worden sei? - eine Anordnung, sich selbst zu enterben und sich von der Unterstützung ihrer Brüder abhängig zu machen? Muss nicht unser Verstand das Gegenteil sagen?

Übereinstimmung damit und gleich unerklärlich aus irgendeinem anderen Grunde, außer dem, dass Gott der Urheber solcher Gesetze ist, steht die Tatsache, dass keine besondere Vorkehrung für die Ehre der Priesterschaft getroffen worden ist. In nichts anderem würden Unterdrücker so sorgfältiger auf ihrer Hut gewesen sein, als für Ehrfurcht und Respekt vor ihnen und für strengste Straf- und Fluchandrohungen über die sie Missachtenden zu sorgen. Aber nichts dergleichen geschah; keine besondere Ehre, noch Verehrung, noch irgendwelche Vorrechte gegen Vergewaltigung oder Beleidigung wurde vorgesehen. Das allgemeine Gesetz, das keinen Klassenunterschied machte und kein Ansehen der Person kannte, war der einzige Schutz. Das ist um so auffallender, weil die Behandlung der Knechte, Fremden und Alten zum Gegenstand besonderer Gesetzgebung gemacht wurde. Zum Beispiel: Du sollst die Fremdlinge nicht bedrängen, noch unterdrücken, noch Witwen und Waisen beleidigen; denn wenn sie zu mir (Gott) schreien, so werde ich ihr Schreien hören; und mein Zorn wird ergrimmen, dass ich euch mit dem Schwert töte, und eure Weiber Witwen, und eure Kinder Waisen werden." (2. Mose 22:21-24; 23:9; 3. Mose 19:33, 34). "Du sollst nicht bedrücken den bedürftigen und armen Mietling (Lohnarbeiter); er sei von deinen Brüdern oder von deinen Fremdlingen, welche in deinem Lande, in deinen Toren sind. An seinem Tage sollst du ihm seinen Lohn geben, nicht soll darüber die Sonne untergehen; denn er ist dürftig, und sehnet sich darnach; dass er nicht über dich zu Jehova schreie, und eine Sünde an dir sei." ( 5. Mose 24:14, 15; 3. Mose 19:13, 14; 2. Mose 21:26,27) "Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und die Alten ehren." (3. Mose 19:32) Alles das, dennoch nichts Besonderes für die Priester oder Leviten oder über ihren Zehnten.

Die gesundheitlichen Anordnungen des Gesetzes, so notwendig für ein armes, lang unterdrücktes Volk, sowie die Gebote in betreff reiner und unreiner Tiere, welche gegessen werden durften und welche nicht, sind bemerkenswert und würden neben anderen Merkmalen, wenn der Raum deren Untersuchung gestattete, von Interesse sein, da sie zeigen, dass jenes Gesetz den jüngsten Ergebnissen der medizinischen Wissenschaft über diesen Gegenstand, kühn an die Seite gestellt werden kann, wenn nicht ihnen voraus ist. Das Gesetz Mose hat auch einen vorbildlichen Charakter, dessen Betrachtung wir auf später aufsparen müssen. Wir hoffen aber, dass schon unser flüchtiger Überblick den überwältigenden Beweis geliefert hat, dass dieses Gesetz, welches recht eigentlich das Gerüst des ganzen Systems geoffenbarter Religion bildet, das von der übrigen Bibel ausgefüllt wird, wahrhaftig ein Wunder ist; besonders wenn sein Datum in Betracht gezogen wird.

Es trägt im Lichte der Vernunft, das müssen alle zugeben, kein Anzeichen, das Werk gottloser, betrügerischer Menschen zu sein, sondern es entspricht genau dem, was die Natur über Gottes Wesen lehrt. Es zeigt seine Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe. Und ferner: der augenscheinlich fromme und edle Gesetzgeber, Mose, leugnet, dass die Gesetze sein sei, und schreibt es Gott zu (2. Mose 24:12; 5. Mose 9:9-11; 2. Mose 26:30; 3. Mose 1:1). Angesichts seines Charakters im allgemeinen, und angesichts der Tatsache, dass er selbst seinem Volke geboten, kein falsches Zeugnis zureden, sondern Heuchelei und Lügen zu meiden, ist es da vernünftig anzunehmen, dass solch ein Mann selbst falsch Zeugnis geredet und seine eigenen Gedanken und Gesetze als Gottesgedanken und Gesetze herausgestrichen habe? Man sollte auch in Erinnerung behalten, dass wir gegenwärtig Abschriften der Bibel zur Untersuchung vor uns haben, und deshalb die Echtheit und Unverfälschtheit, die man ihr so deutlich anmerkt, eben sowohl von den Abschriften gilt, die von Moses Nachfolgern bewerkstelligt wurden. Denn, wenn auch böse Menschen, die ihr eigenes und nicht des Volkes Wohl suchten, unter diesen Nachfolgern waren, so ist doch erwiesen, dass sie mit den Heiligen Schriften keine Freiheiten erlaubten, sondern dass diese rein sind auf den heutigen Tag.

Die Propheten der Bibel

Werfen wir einen Blick auf die Verhältnisse und Umstände der Propheten der Bibel und deren Zeugnisse. Ein bemerkenswerter Umstand ist der, dass die Propheten mit wenigen Ausnahmen nicht aus der Reihe der Priester waren, und dass ihre Prophezeiungen zu ihrer Zeit der entarteten und zeitdienerischen Priesterschaft sowohl, als auch dem zum Götzendienst geneigten Volke allgemein anstößig waren. Der Inhalt ihrer Botschaft von Gott an das Vo1k war in der Regel ein Vorwerfen ihrer Sünden, und Drohungen kommender Strafe; verknüpft damit finden wir gelegentlich Verheißungen zukünftiger Segnungen für sie, nachdem sie von der Sünde gereinigt und zum Herrn zurückgekehrt sein würden. Ihre Erfahrungen waren meist weit davon entfernt, beneidenswert zu sein, sie wurden alle geschmäht, viele von ihnen eingekerkert und einen gewaltsamen Tod überliefert (1. Kön. 18:4, 10, 17, 18; 19:10; Jer. 38:6; Hebr. 11:32-38). In einigen Fällen wurde ihr wahrer Charakter als Gottes Propheten erst Jahre nach ihrem Tode erkannt.

Wir sprechen aber in dieser Weise von den prophetischen Schriftstellern, deren Aussagen den Anspruch erheben, direkte Eingebungen von Jehova zu sein. Man tut wohl, hierbei im Auge zu behalten, dass beim Geben des Gesetzes an Israel keine priesterliche Vermittlung stattfand; es wurde dem Volke von Gott durch die Hand Mose gegeben (2. Mose 19:17-25; 5. Mose 5:1-5). Und noch mehr: Jedem war es zur Pflicht gemacht, wenn er eine Übertretung des Gesetzes bemerkte, den Sünder zu warnen (3. Mose 19:17). So hatten alle das Recht, zu lehren und zu warnen; aber, wie es zu unserer Zeit der Fall ist, so war es auch damals, während die Mehrzahl von Geschäftssorgen in Anspruch genommen und gleichgültig und ungläubig war, erfüllten verhältnismäßig die wenigsten dies Erfordernis, die Sünde zu strafen und zur Ehrfurcht vor Gott zu ermahnen; und diese Prediger werden sowohl im Alten wie im Neuen Testament als "Propheten" bezeichnet. Der Ausdruck Prophet, wie er im allgemeinen gebraucht wird, bezeichnet einen öffentlichen Ausleger; und so wurden auch die öffentlichen Lehrer des Götzendienstes genannt; z.B. "die Propheten Baals" usw. (1. Kor. 14:1-6 - wo weissagen für das Grundwort prophezeien gebraucht wird - 2. Petr. 2:1; Matth. 7:15; 14:5; Neh. 6:7; 1. Kön. 18:40; Titus 1:12).

Prophezeien im gewöhnlichen Sinn von Lehren wurde später nach allgemeiner Anschauung einem gewissen Stand eigen und artete in Pharisäismus aus. Die Pharisäer lehrten anstatt der Gebote Gottes die Überlieferungen der Ältesten, sie widerstanden dadurch der Wahrheit und wurden falsche Propheten oder falsche Lehrer (Matth. 15:2-9).

Außer jener großen Schar, Propheten genannt, wählte Gott von Zeit zu Zeit etliche, die er besonders mit der Überbringung von Botschaften beauftragte, welche sich manchmal auf nahe bevorstehende Dinge, und ein anderes Mal auf in ferner Zukunft liegender Ereignisse bezogen. Es sind die Schriften dieser Art Propheten, die da sprachen und schrieben, wie sie vom Heiligen Geiste getrieben wurden, denen wir jetzt unsere Aufmerksamkeit widmen. Man nennt sie eigentlich mit Recht.

Göttlich beauftragte Propheten oder Seher

Wenn man bedenkt, dass diese Propheten hauptsächlich Laien waren, die keinen Unterhalt von dem Zehnten des Priesterstammes bezogen, und die Tatsache dazu nimmt, dass sie häufig die Strafprediger von Königen und Richtern, sowie auch von Priestern waren (obwohl sie nicht das Amt, sondern die persönlichen Sünden derer, die es inne hatten, angriffen), so wird es klar, dass man vernünftigerweise nicht behaupten kann, die Propheten hätten mit den Priestern oder sonst jemand im Bunde gestanden, um im Namen Gottes Lügen zu erfinden. Solchen Verdacht gegenüber muss ruhige Überlegung im Licht der Tatsachen widersprechen.

Da wir also keinen Grund finden, die Beweggründe der verschiedenen Verfasser der Bibel in Frage zu stellen, sondern anerkennen müssen, dass der Geist ihrer verschiedenen Teile Rechtschaffenheit und Wahrheit ist, so lasst uns nun zu der Frage fortfahren, ob nicht ein im Zusammenhang oder ein Einigkeitsband zwischen den Urkunden Mose, denen der Propheten und denen der neutestamentlichen Schreiber vorhanden ist. Wenn wir einen gemeinsamen Gedankengang durch das Gesetz, die Propheten und die neutestamentlichen Schriften hindurch verwebt finden sollten, so wäre das im Verein mit dem erprobten Charakter der Schreiber ein guter Grund, ihre Behauptung, dass sie göttlich inspiriert sind, gelten zu lassen, besonders wenn das allen gemeinsame Thema ein erhabenes und edles ist und gut mit dem übereinstimmt, was die Vernunft über Wesen und Eigenschaften Gottes lehrt.

Gerade das ist es, was wir finden: Ein Plan, ein Geist, ein Ziel ein Zweck durchzieht das ganze Buch. Seine ersten Seiten berichten die Erschaffung und den Fall des Menschen; seine letzten Seiten erzählen von des Menschen Wiederaufrichtung von diesem Fall; und die dazwischen liegenden Seiten zeigen die aufeinanderfolgenden Schritte des Planes Gottes zur Hinausführung dieses Ratschlusses. Die Harmonie und zugleich der Kontrast oder Unterschied der ersten drei und der letzten drei Kapitel der Bibel ist beeindruckend. Die Ersten beschreiben die ursprüngliche Schöpfung, da Sünde und ihr Fluch noch nicht da war, und zeigen, wie Satan und das Böse in der Welt sich Eingang verschaffte, um zu verführen und zu verderben; die letzteren zeigen die Werke die Werke des Teufels zerstört, das Verlorene wiederhergestellt, das Böse ausgetilgt und Satan vernichtet; jene zeigen die Herrschaft, die durch Adam verloren ging, diese durch Christum wiedergebracht und für immer hergestellt, und dass Gottes Willen auf Erden geschieht wie im Himmel; jene zeigen die Sünde als unmittelbare Ursache des Verderben, der Schmach und des Todes, diese zeigen, dass Herrlichkeit, Ehre und Leben der Lohn der Gerechtigkeit ist.

Obwohl von vielen Federn zu verschiedenen Zeiten und unter mannigfaltigen Verhältnissen geschrieben, ist die Bibel keine bloße Zusammenstellung moralischer Vorschriften, weiser Grundsätze und trostreicher Worte; sie ist mehr: sie ist eine vernunftgemäße, und harmonische und durchweg übereinstimmende Darstellung der Ursache des gegenwärtigen Bösen in der Welt, sowie des einzigen Heilmittels und von demselben und des schließlichen Ergebnisses, wie es die göttliche Weisheit vorausgesehen hat. Ihr war das Ende seines Planes vor dem Anfang desselben bewusst, und sie zeichnete ebenso genau den Fußpfad seines Volkes, wie sie dasselbe durch die teuren und allergrößten Verheißungen, die in fest bestimmter Zeit verwirklicht werden sollen, stärkt und aufrecht erhält.

Die Lehre des ersten Buches Mose, dass die Menschheit im Zustand ursprünglicher Vollkommenheit in einem Repräsentanten geprüft wurde, der dann nicht bestand, und dass die gegenwärtige Unvollkommenheit, Krankheit und der Tod die Folgen ist, dass aber Gott ihn nicht verlassen hat sondern ihn schließlich durch einen Erlöser, geboren von einem Weibe (1. Mose 3:15), befreien würde, wird durchgehend ausgeführt und bis zum Schluss festgehalten. Die Notwendigkeit des Todes eines Erlöser, als Opfer für die Sünden, und seiner Gerechtigkeit, als Bedeckung unserer Sünden wird in den Röcken von Fellen für Adam und Eva, in der Annahme des Opfers Abel, im Opfer Isaaks, im Tod der verschiedenen Opfer, durch welche die Patriarchen Zutritt zu Gott hatten, und in den unter dem Gesetz eingeführten und durch das jüdische Zeitalter hindurch fortgesetzten Opfern angedeutet. Obgleich den Propheten über die Bedeutung einiger ihrer Aussprüche nur geringes Verständnis zugeschrieben wird (1. Petr. 1:12),so redeten sie dennoch klar und deutlich vom Legen der Sünden auf eine Person statt auf ein stummes Tier, und in prophetischen Visionen sehen sie Ihn, der die Menschheit erlösen und befreien sollte, "wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt", und dass "die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hatten", denn "durch seine Wunden sind wir geheilt". Sie zeichneten ihn als den "Allerverachtesten und Unwertesten, voller Schmerzen Krankheit", und erklärten, "der Herr warf unser aller Sünden auf ihn" (Jes. 53:3-6); sie sagten, wo dieser Erlöser geboren werden würde (Micha 5:1) und wann er sterben sollte, und versichern uns dabei, dass es "nicht für ihn selbst" (Dan. 9:26, hebräisch, statt Luthers: nichts mehr sein) geschehen würde. In Bezug auf ihn erwähnen sie verschiedene Besonderheiten - dass er "gerecht" und frei von "Betrug" und "Unrecht" und irgendwelcher Todesursache sein würde (Jes. 53:8, 9, 11), dass er für dreißig Silberlinge verraten (Sach. 11:12) und in seinem Tod "den Übeltätern gleichgerechnet" werden würde (Jes. 53:12); dass ihm kein Bein zerbrochen werden würde (Psalm 34:21; Joh. 19:36), und dass, obwohl er sterben und begraben werden würde, sein Fleisch doch nicht die Verwesung sehen, noch er selbst im Grabe verbleiben würde (Psalm 16:10; Apg. 2:31).

Die neutestamentlichen Schreiber berichten klar und überzeugend, und doch in einfältiger Weise, die Erfüllung all dieser Vorhersagungen in Jesus von Nazareth und zeigen durch logische Folgerungen, dass solch ein Lösegeld, wie er es gab, notwendig war, ehe eine Sühnung für die Sünden der ganzen Welt stattfinden konnte (1. Joh. 2:2), wie es in dem Gesetz und den Propheten schon vorhergesagt war (Jes. 1:18). Sie verfolgen den ganzen Plan in der folgerichtigen und verstandesgemäßen Weise; sie berufen sich dabei weder auf die Vorurteile, noch auf die Leidenschaften ihrer Hörer, sondern allein auf ihren erleuchteten Verstand und liefern einige der auffallend genauesten und schärfsten Erörterungen, die irgendwo über irgend einen Gegenstand zu finden sind. (Röm. 5:17-19 und weiter bis zum 12. Kapitel)

Mose wies im Gesetz nicht nur auf ein Opfer hin, sondern auch auf ein Auslöschen der Sünden und auf ein Segnen des Volkes unter diesem großen Erlöser, von dessen Macht und Autorität er verkündet, dass sie die seine in hohem Grade übersteigen solle, obwohl sie wie die seine sein soll. (5. Mose 18:15, 19) Der verheißene Erlöser soll nicht nur Israel, sondern durch Israel "alle Geschlechter der Erde" segnen. (1. Mose 12:3; 18:18; 22:18; 26:4) Und trotz aller entgegenstehenden Vorurteile des jüdischen Volkes fahren die Propheten in demselben Tone fort und verkünden, dass der Messias "auch zum Licht der Heiden" sein soll (Jes. 49:6; Luk. 2:32), dass die Heiden "von der Welt Ende" zu ihm kommen werden (Jer. 16:19), dass sein Name "soll herrlich werden unter den Heiden" (Mal. 1:11); dass die "Herrlichkeit des Herrn soll geoffenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird (sie) sehen, denn der Mund des Herrn hat (es) geredet". (Jes. 40:5; Jes. 42:1-7)

Die Schreiber des Neuen Testamentes behaupteten, eine göttliche Salbung zu haben, die sie befähigte, die Erfüllung der Prophezeiungen hinsichtlich des Opfers Christi zu erkennen. Obwohl sie vormals, wie die Juden, das Vorurteil hegten, dass alle Segnungen auf ihr eigenes Volk beschränkt seien (Apg. 11:1-18), so vermochten sie doch nunmehr zu sehen, dass, während ihr Volk gesegnet werden würde, mit ihnen und durch sie auch alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. Sie erkannten ferner, dass vor der Segnung Israels und der Welt eine Auswahl einer "kleinen Herde" aus Juden sowohl wie Heiden Nationen vorgenommen werden würde, welche kleine Herde, nachdem sie erprobt und als würdig erfunden worden, zu Miterben der Herrlichkeit und Ehre des großen Erlösers und zu Teilhabern mit ihm an der Ehre, Israel und alle Völker zu segnen, gemacht werden soll (Röm. 8:17).

Diese Schreiber bezeugen und zeigen die Übereinstimmung dieser Anschauung mit dem, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht, und die Großartigkeit und Breite des Planes, den sie darlegen, übertrifft weit die erhabenste Vorstellung, die man sich etwa davon machen möchte, was derselbe zu sein angibt: "Große Freude, die allem Volke widerfahren soll."

Der Gedanke, dass der Messias nicht nur Israels, sondern der ganzen Welt Herrscher sei, ist anhebend in den Büchern Mose, das Thema aller Propheten. Der Gedanke an das Königreich war auch in den Unterweisungen der Apostel im Vordergrund; und Jesus lehrte, uns beten: "Dein Königreich komme", und verhieß denen einen Anteil darin, die zuerst für die Wahrheit leiden und sich so desselben würdig erweisen würden.

Diese Hoffnung auf das kommende herrliche Reich verlieh allen Gläubigen den Mut, Verfolgung zu ertragen, und Schmach, Entbehrung und Verlust, sogar den Tod zu erleiden. Und in der großartigen allegorischen (d.i. in Sinnbildern und Gleichnissen gefassten) Prophezeiung, mit der das Neue Testament abschließt, werden das würdige "Lamm, das geschlachtet ist" (Offb. 5:12), die würdigen "Überwinder", die er zu Königen und Priestern in seinem Königreich machen wird, und die Prüfungen, die sie bestehen, und die Hindernisse, die sie überwinden, um würdig zu werden, das Königreich zu teilen, treulich abgebildet. Dann folgen sinnbildliche Darstellungen über die Segnungen, die der gläubigen Welt unter jenen tausendjährigen Reiche zerfallen, da Satan gebunden sein wird, adamischer Tod und aller Schmerz ausgetilgt werden, und da alle Nationen der Erde im Lichte des himmlischen Reiches - des neuen Jerusalem - wandeln werden.

Vom Anfang bis zum Ende bietet die Bibel eine Lehre dar, wie sie nirgends sonst zu finden ist, und die im Gegensatz zu den Theorien aller heidnischen Religionen steht, nämlich dass für die Toten ein zukünftiges Leben durch eine Auferstehung von den Toten kommen wird. Alle die inspirierten Schreiber drückten ihre Zuversicht in einen Erlöser oder Befreier aus, und einer derselben erklärt, dass "an jenem Morgen", wenn Gott sie aus dem Grabe rufen wird, und sie hervorgehen, die Gottlosen nicht länger die Herrschaft in den Händen haben werden, denn "am Morgen herrschen die Aufrichtigen über sie" (Ps. 49:14). Die Auferstehung von den Toten wurde die Propheten gelehrt, und die Schreiber des Neuen Testaments lassen darauf die Erfüllung jeglicher Hoffnung beruhen. Paulus drückt es so aus: "Ist aber die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist auch euer Glaube vergeblich, ... so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. ... Nun aber ist Christus aufstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen. ... Denn gleichwie alle in Adam sterben, so werden auch in Christo alle lebendig gemacht werden." ( 1. Kor. 15:13-22)

Gleichwie eine Uhr, deren viele Räder zuerst überflüssig erscheinen möchten, aber deren sich am langsamsten drehende Räder ebenfalls unentbehrlich sind, so ist die Bibel. Aus vielen Teilen zusammengesetzt, von vielen Federn geschrieben, ist sie ein vollständiges und harmonisches Ganzes. Nicht ein einziger Teil ist überflüssig, und obwohl einige Teile mehr tätige und hervorragende Stelle einnehmen als andere, sind sie doch alle nützlich und notwendig. Unter den sogenannten "fortgeschrittenen Denkern, und "großen Theologen" des heutigen Tages wird es mehr und mehr der Gebrauch, viele der "Wunder" des Alten Testaments sehr oberflächlich zu behandeln oder zu übergehen, wenn nicht gar zu leugnen, indem man sie "Altweiber-Fabeln" nennt. Dazu zählt man die Erzählung von Jonas und dem großen Fisch, von Noah und der Arche, von Eva und der Schlange, von dem Stillstehen der Sonne auf Josuas Befehl, von Bileams sprechendem Esel. Augenscheinlich übersehen diese weisen Männer die Tatsache, dass die Bibel in ihren verschiedenen Teilen so durchwoben und verbunden ist, dass, diese Wunder von ihr zu reißen oder zu verdächtigen, das Ganze zerstören oder verdächtigen heißt. Denn wenn die ursprünglichen Berichte falsch sind, so sind diejenigen, die sie wiederholen, entweder Fälscher oder selbst Betrogene; und in jedem Falle wäre es uns unmöglich, ihr Zeugnis als göttlich eingegeben anzunehmen. Die erwähnten Wunder aus der Bibel herauszunehmen, würde das Zeugnis der hauptsächlichsten Schreiber der Schrift ungültig machen und das unseres Herrn dazu, wie folgendes zeigt: Die Geschichte vom Fall wird von Paulus bestätigt (Röm. 5:17), ebenso Evas Verführung durch die Schlange (2. Kor. 11:3; 1. Tim. 2:14). Siehe auch unseres Herrn Bezugnahme darauf in Offb. 12:9 und 20:2. Das Stillstehen der Sonne bei der Besiegung der Amoriter als ein Beweis der Macht des Herrn, war augenscheinlich vorbildlich von der Macht, die in der Zukunft am "Tage des Herrn" durch die Hand dessen ausgeübt werden sollte, den Josua vorbildete. Von drei Propheten wird dasselbe bezeugt (Jes. 28:21; Hab. 2:1-3, 13,14 und 3:2-11; Sach. 14:1,6,7). Der Bericht über den sprechenden Esel ist von Judas (Vers 11) und von Petrus (2. Petr. 2:16) bestätigt worden. Und der große Lehrmeister, Jesus, bestätigt die Erzählung von Jonas und dem großen Fisch und von Noah und der Flut (Matth. 12:40; 24:38, 39; Luk. 17:26; 1. Petr. 3:20). Und in Wirklichkeit sind dies keine größeren Wunder als die, die von Jesus und von den Aposteln verrichtet wurden, wie zum Beispiel die Verwandlung von Wasser in Wein, die Heilung von Krankheiten usw.; und als Wunder ist die Auferweckung der Toten das wunderbarste von allen.

Diesen, unserer Erfahrung ungewohnten Wundern Gleichartiges findet noch täglich um uns herum statt, an dem man, da man es mehr gewohnt ist, ohne beachtet zu werden vorübergeht. Die Fortpflanzung lebendiger Organismen, sei es tierischer oder pflanzenartiger, geht über unser Begriffsvermögen, sowie auch über unsere Kraft, folglich ist es wunderbar. Wir können die Ausübung des Lebens Prinzips sehen, können es aber weder verstehen noch erzeugen. Wir pflanzen zwei Samenkörner nebeneinander; die Bedingungen: Luft, Wasser, Boden sind gleich; sie wachsen, wir können nicht sagen wie, noch kann der weiseste Naturforscher dieses Wunder erklären. Diese Samenkörner entwickeln Organismen von entgegengesetzten Neigungen; der eine kriecht, der andere steht aufrecht; Gestalt, Blume, Farbe, alles ist verschieden, obgleich die Bedingungen dieselben waren. Solche Wunder sind für uns alltäglich geworden, und sobald wir das Staunen der Kindheit verlassen, hören wir auf, sie als solche zu betrachten. Trotzdem offenbaren sie eine Macht, die ebenso sehr über die unsere und über unseren begrenzten Verstand hinausgeht, wie die wenigen Wunder der Bibel, die zu besonderen Zwecken aufgezeichnet und zu dem Endzweck geschehen sind, die Allmacht und das Vermögen des großen Schöpfers zu veranschaulichen, der jedes Hindernis überwinden und seinen Willen ganz vollführen kann, mithin auch die uns verheißene Auferweckung von den Toten, die Ausrottung des Bösen und die schließliche Herrschaft ewiger Gerechtigkeit.

Hier lassen wir die Sache ruhen. Jeder Punkt wurde von uns vernunftgemäß geprüft. Wir fanden, dass es einen Gott gibt, einen erhabenen, intelligenten Schöpfer, in welchem Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht in vollkommener Harmonie vorhanden sind. Zu erwarten, dass eine Offenbarung seines Planes seinen Geschöpfen zuteil werden würde, da diese fähig sind, solche würdigen, und dass größte Interesse daran nehmen, erkannten wir als durchaus vernünftig. Der Anspruch der Bibel, diese Offenbarung zu sein, fanden wir ernstlicher Erwägung wert. Wir haben uns über ihre Verfasser und deren mögliche Absichten ihrer eigenen Lehre ein Urteil zu bilden versucht, wir waren erstaunt, und unser Verstand sagte uns, dass solche Weisheit mit solcher Reinheit des Beweggrundes verbunden, kein schlauer Kunstgriff listiger Menschen zu selbstsüchtigen Zwecken sein konnte. Unser Urteilsvermögen trieb uns, es bei weitem wahrscheinlicher zu finden, dass solche gerechte und wohltuende Hoffnungen und Gesetze von Gott und nicht von Menschen stammen, und bestand darauf, dass es nicht das Werk betrügerischer Priester sein könne. In Bezug auf Jesum und sein Lösegeld-Opfer, sowie die Auferweckung und Segnung aller, als das Endergebnis in seinem glorreichen Königreiche der Zukunft, fanden wir ein überströmendes Zeugnis, und unsere Vernunft sagt, dass solch ein Entwurf, so großartig und umfassend, über alles hinaus, was wir irgendwie zu erwarten Grund und Ursache haben könnten, und dennoch auf solche vernünftige Schlüsse und richtige Folgerungen aufgebaut, der Plan Gottes sein muss, den wir suchen. Er kann nicht bloße menschliche Erfindung sein, denn selbst als geoffenbart ist es fast zu groß, um von Menschen geglaubt werden zu können.

Als Kolumbus den Fluss Orinoco entdeckte, sagte einer zu ihm, dass er eine Insel gefunden habe. Er erwiderte: "Kein Fluss, wie dieser, fließt von einer Insel. Dieser reißende Strom muss die Wasser eines Kontinents ableiten." So überzeugt uns die Tiefe und die Macht und die Weisheit und der Umfang von dem biblischen Zeugnis, dass nicht Menschen, sondern der allmächtige Gott der Urheber von ihren Plänen und Offenbarungen ist. Nur einen flüchtigen Blick haben wir auf die auf der Oberfläche liegenden Ansprüche der Schrift, von göttlichem Ursprung zu sein, geworfen, und wir fanden sie vollständig vernunftgemäß.

In den folgenden Kapitel werden wir versuchen, die verschiedenartigen Teile des Planes Gottes darzulegen, und wir hoffen, dadurch jedem aufrichtigen Herzen reichlichen Nachweis zu liefern, nicht nur, dass die Bibel eine göttlich eingegebene Offenbarung ist, sondern auch, dass die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe des Planes, den sie entfaltet, und des göttlichen Wesens, das sie widerspiegelt, beides bisher nur undeutlich erkannt, jetzt aber vermöge des Lichtes des jetzt herauf dämmernden Tausendjahr-Tages deutlicher gesehen werden.

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Studie 4

Die in der Entwicklung des göttlichen Planes bezeichneten Heilszeitordnungen und Zeitalter.

Gottes Plan ein bestimmter und geordneter. - Drei große Epochen oder Heilszeitordnungen der Weltgeschichte. - Ihre unterschiedlichen Merkmale. - "Die Erde bleibt ewiglich." - Die zukünftige Welt, der neue Himmel und die neue Erde. - Unterabteilungen dieser großen Zeitabschnitte. - Die bedeutsamen Züge des Planes Gottes dadurch veranschaulicht. - Das Erkennen der Ordnung offenbart die Harmonie. - Das rechte Teilen des Wortes der Wahrheit.

Wie leicht kann man sich über die Geschicklichkeit und Klugheit eines großen Architekten und Baumeisters ein falsches Urteil bilden, wenn man nur sein unvollendetes Werk vor sich hat. So geht es auch gar vielen in Bezug auf Gott, wenn sie in ihrer Unwissenheit nach seinem noch unvollendeten Werke sich ein Urteil erlauben. Aber bald, wenn das Gerüst des Bösen, das zur Erziehung des Menschen zugelassen war und das ihm schließlich zum besten dienen muss, abgetragen und der Schutt hinweg geräumt worden ist, wird Gottes vollendetes Werk allen und jedem seine unendliche Weisheit und Macht verkünden, und sein Plan wird mit seinem herrlichen Wesen in voller Übereinstimmung erfunden werden.

Da Gott uns sagt, dass er einen bestimmt festgesetzten Ratschluss hat und dass all sein Vorhaben hinaus geführt werden soll, so gebührt es uns, seinen Kindern, fleißig zu forschen, was dieser Plan sein mag, damit wir mit ihm in Einklang kommen. Merke, wie nachdrücklich uns Jehova die Bestimmtheit seines Vorsatzes versichert: "Wahrlich, wie ich es vorbedacht, also geschieht es: und wie ich es beschlossen habe, also wird es zustande kommen." "Denn Jehova der Heerscharen hat es beschlossen, und wer wird es vereiteln?" "Dass ich Gott bin, und sonst ist keiner, dass ich Gott bin und gar keiner wie ich." "Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun ... Ich habe geredet und werde es auch kommen lassen; ich habe entworfen und werde es auch ausführen." (Jes. 14:24-27; 46:10, 11) Wie geheimnisvoll daher oder aufs Geratewohl uns Gottes Tun mit den Menschen auch erscheinen mag, so müssen doch die, die obiges Zeugnis seines Wortes wirklich glauben, zugeben, dass sein ursprünglicher und unabänderlicher Plan seiner Vollendung ordnungsgemäß entgegengegangen ist und noch geht.

Heilszeitordnungen, "Welten" genannt

Welten

Während die große Masse der Menschheit, sich in der Finsternis der Unwissenheit befindet, auf die tatsächliche Enthüllung des Planes Gottes warten muss, ehe sie das herrliche Wesen des göttlichen Baumeisters erkennen kann, ist es das große Vorrecht des Kindes Gottes, durch den Glauben und das Licht seiner Leuchte (des Wortes Gottes), die vorher verkündete Herrlichkeit der Zukunft zu sehen und dadurch das in der Vergangenheit und Gegenwart sonst so geheimnisvoll erscheinende Tun Gottes zu begreifen. Wir wenden uns daher als interessierte Söhne Gottes und Erben eines verheißenen, herrlichen Erbteils an unseres Vaters unwandelbares Wort, damit wir seine Ratschlüsse aus dem darin niedergelegten Plane und den Einzelheiten lernen mögen. Daraus lernen wir, dass Gottes Plan in Bezug auf den Menschen drei große Zeitabschnitte umfasst, die mit der Erschaffung des Menschen beginnen und in die unbegrenzte Zukunft reichen. Petrus und Paulus bezeichnen diese Zeitabschnitte als "drei Welten", die wir in vorhergehendem Abriss veranschaulichen.

Diese drei großen Zeitabschnitte stellen drei unterschiedliche Offenbarungen der Vorsehung dar. Der erste, von der Schöpfung bis zur Sintflut, war unter der Verwaltung der Engel wird von Petrus "die damalige Welt" genannt. - 2. Petr. 3:6

Der zweite große Zeitabschnitt, von der Sintflut bis zur Aufrichtung des Reiches Gottes, ist unter der begrenzten Gewalt Satans, "des Fürsten dieser Welt", und wird daher "diese gegenwärtige arge Welt" genannt. - Gal. 1:4; 2. Petr. 3:7

Der dritte Zeitabschnitt soll als eine "Welt ohne Ende" unter göttlicher Verwaltung - das Reich Gottes - sein und wird "die zukünftige Welt", "in welcher Gerechtigkeit wohnt", genannt. - Hebr. 2:5; 2. Petr. 3:13

Der erste dieser Zeitabschnitte oder "Welten", war unter der Aufsicht der Engel, ein Fehlschlag; der zweite unter der Herrschaft Satans, des Usurpators, ist in der Tat "eine arge Welt" gewesen; aber der dritte wird eine Zeit der Gerechtigkeit und des Segens sein für alle Geschlechter der Erde.

Die beiden letzten dieser "Welten" werden ganz besonders erwähnt, und die Aussagen über sie sind in starkem Gegensatz zueinander. Der gegenwärtige oder zweite Zeitabschnitt wird nicht deshalb "die gegenwärtige arge Welt" genannt, weil nichts Gutes in demselben gibt, sondern weil dem Bösen gestattet ist, zu herrschen. "Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich; nicht nur sind die Täter der Gesetzlosigkeit aufgebaut worden, sondern sie haben auch Gott versucht und sind entronnen." (Mal. 3:15) Der dritte Zeitabschnitt wird als "die zukünftige" Welt erwähnt, "in welcher Gerechtigkeit wohnt"; nicht weil es kein Böses in ihr mehr geben wird, sondern weil das Böse nicht mehr herrschen wird. Das Austilgen des Bösen wird allmählich vor sich gehen und die ersten tausend Jahre erfordern, Böses wird dann nicht herrschen; es wird nicht gedeihen; der Gottlose wird nicht länger der sein, der da blüht, sondern "der Gerechte wird blühen", und der Gehorsame "soll das gute des Landes genießen" und die "Übeltäter" werden ausgerottet. - Ps. 72:7; Jes. 1:19; Ps. 37:9

Dieser Beschreibung nach wird die nächste Heilszeitordnung in fast jeder Hinsicht das gerade Gegenteil von der gegenwärtigen sein. Jesu Worte zeigen, warum zwischen der gegenwärtigen und der zukünftigen Heilszeitordnung ein Unterschied bestehen wird. Er selbst wird der Fürst oder Herrscher der zukünftigen Welt sein, so dass in ihr Gerechtigkeit und Wahrheit gedeihen; während jetzt, da Satan der Fürst der gegenwärtigen, argen Welt ist, Böses gedeiht und der Gottlose blüht. "Der Fürst dieser Welt ... hat nichts an mir" - kein Interesse an Jesum und folglich auch kein Interesse an seinen Nachfolgern, ausgenommen, dass er ihnen widerstehe, sie versuche, plage und mit Fäusten schlage. (Joh. 14:30; 2. Kor. 12:7), darum müssen in dieser gegenwärtigen argen Welt "alle, die gottselig leben wollen ... Verfolgung erleiden", während der Gottlose grünet wie ein Lorbeerbaum. - 2. Tim. 3:12; Ps. 37:35

Unser Herr Jesus sagte: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", und bis jene Zeit oder "die zukünftige Welt" wirklich kommt, wird Christi Königreich die Erde nicht beherrschen. Wir werden belehrt, darauf zu hoffen und für dasselbe zu beten: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden". Satan ist "der Fürst der Finsternis dieser Welt", und daher "bedeckt Finsternis das Erdreich und Dunkel die Völker". Zu dieser Zeit herrscht er und hat sein Werk in den Kindern des Unglaubens. - Eph. 2:2; 6:12

Ein wichtiger Teil des jetzt im Fortgang der Entfaltung befindlichen Planes des großen Baumeisters muss noch unvollendet sein, sonst würde der neue Fürst und die neue Heilszeitordnung längst eingeführt worden sein. Warum es auf eine bestimmte Zeit hinausgeschoben worden ist, und ebenso die Art und Weise, wie die gegenwärtige Herrschaft des Bösen unter Satan auf die Herrschaft der Gerechtigkeit unter Christum übergehen soll, sind Fragen von hohem Interesse, die weiter unten genauer erörtert werden sollen. Für jetzt genüge es, zu sagen, dass die Reiche dieser Welt, die jetzt Satan untertan sind, zur geeigneten Zeit die Reiche unseres Herrn und seines Christus werden sollen (Offb. 11:15). Der Zusammenhang zeigt, dass der Übergang durch eine allgemeine Zeit der Drangsal bewirkt werden wird. Hierauf sich beziehend, sagt der Herr Jesus: "Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet, und alsdann wird er sein Haus berauben." (Mark. 3:27) Da werden wir also belehrt, dass Satan zuvor gebunden, unschädlich gemacht, abgesetzt werden muss, ehe Christi Regierung der Gerechtigkeit und des Frieden aufgerichtet werden kann. Daher wird auch das Binden Satans, des Starken, als das erste Werk der neuen Heilszeitordnung dargestellt. - Offb. 20:2

Man sollte nicht vergessen, dass ein und dieselbe Erde die Grundlage all dieser "Welten" oder Heilszeitordnungen bildet und, wenn auch Zeitalter vorübergehen und Heilszeitordnungen wechseln, die Erde dennoch immer fortbesteht: "Die Erde aber bleibet ewiglich." (Pred. 1:4) Dasselbe Bild ausführend, nennt Petrus jede dieser Perioden oder Welten besondere Himmel und Erde. Hier versinnbildet das Wort "die Himmel" die höheren oder geistigen herrschenden Mächte, und "Erde" versinnbildet die menschlichen Regierungen und gesellschaftlichen Ordnungen. So endeten die ersten Himmel und die erste Erde, die Ordnung und Einrichtung der Dinge der "damaligen Welt" in der Flut, nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten. Aber die natürlichen Himmel (Sternen- und Luft-Himmel oder Firmament, Atmosphäre) und die natürliche Erde vergingen nicht; sie blieben bestehen. Ebenso wird die gegenwärtige Welt (die Himmel und die Erde) mit großem Krachen in Feuer, in Verwirrung, Drangsal und Auflösung, zerschmelzen und vergehen. Der Starke (Satan) wird eben, wenn er gebunden werden soll, alles aufbieten, seine Macht zu erhalten. Die gegenwärtige Einrichtung, oder Herrschafts- und Gesellschaftsordnung, wird vergehen, aber der physische, natürliche Himmel und die physische Erde nicht. Die gegenwärtigen Himmel oder Mächte geistiger Herrschaft müssen den "neuen Himmeln", Christi geistiger Herrschaft, Platz machen. Die gegenwärtige Erde, die menschliche Gesellschaft, wie sie jetzt unter Satans Macht organisiert ist, muss sinnbildlicherweise schmelzen und sich auflösen, und zwar im Anfang des "Tages des Herrn", welcher "brennen soll wie ein Ofen" (Mal. 4:1). "Eine neue Erde", das bedeutet eine neu organisierte Erde, im Einvernehmen mit dem neuen Fürsten der Erde, mit Christo, wird darauf folgen. Rechtschaffenheit, Friede und Liebe werden unter den Menschen herrschen, wenn gegenwärtige Ordnungen den neuen und besseren des Reiches Gottes Platz gemacht haben werden.

Dem Apostel Paulus wurde ein Blick in die "zukünftige Welt", wie er es nennt, gegeben. Er sagt, er war "entrückt" (ob in leiblicher oder in geistiger Weise oder in beiden, konnte er nicht sagen, so wirklich und natürlich erschienen ihm die Dinge und Vorgänge), den Strom der Zeit entlang in den neuen Zustand der Dinge, in den "neuen Himmel", also den "dritten Himmel". Da hörte er von Dingen reden, wie sie unter der geistigen Herrschaft Christi sein werden, Dinge, die nicht nur in Worten, "unaussprechlich" waren, sondern die er auch nicht sagen durfte (2. Kor. 12:2-4). Zweifellos waren es dieselben Sachen, die Johannes später sah, und die ihm, der Kirche in Sinnbildern mitzuteilen, erlaubt wurden - Sinnbilder, die erst verstanden werden sollten, sobald sie fällig, an der Zeit sein würden. Johannes war bei der Offenbarung, die ihm unser Herr auf der Insel Patmos gab, in dem Gesicht durch dieses Zeitalter des Evangeliums und dessen wechselnde Begebenheiten von Kirche und Staat bis zum Ende der gegenwärtigen argen Welt oder Zeitperiode hinabgeführt worden; und da sah er im prophetischen Gesicht, wie Satan gebunden wird, Christus herrscht, und der neue Himmel und die neue Erde hergestellt sind; denn die vorigen Himmel und Erde waren vergangen. - Offb. 21:1

Zeitalter der Heilszeitordnungen

Wenden wir nun unser Augenmerk auf die Zeitalter, in welche diese großen Epochen oder Heilszeitordnungen wiederum eingeteilt sind, wie es in dem folgenden Abriss veranschaulicht ist.

Heilszeitordnungen

Der erste dieser großen Zeitabschnitte (Welten) war, soviel wir wissen, nicht weiter eingeteilt; Gottes Art und Weise, mit den Menschen zu verfahren, war während dieser ganzen Zeit, von Adams Fall bis zur Flut, keiner Veränderung unterworfen. Gott hatte dem Menschen sein Gesetz gegeben, es in sein inneres Wesen geschrieben, aber seitdem er gesündigt hatte, überließ ihn Gott in gewissem Maße seinem eigenen Lauf, der abwärts führte, "nur böse war immerdar"; damit der Mensch so seine Torheit erkennen lernen möchte, und die Weisheit Gottes in der Forderung absoluten Gehorsams kund und offenbar würde. Diese Heilszeitordnung endete in einer Sintflut, die alle, mit Ausnahme des gläubigen Noah und seiner Familie, hinwegschwemmte. So bewies die erste Heilszeitordnung nicht allein die verderblichen Wirkungen der Sünde, sondern zeigte auch, dass der Lauf der Sünde in immer größeres Verderben und wachsendes Elend führt, und bewies die Notwendigkeit der Dazwischenkunft Jehovas, wenn die Wiedererlangung dessen, "was verloren war" des Menschen Urzustand, je zustande kommen sollte.

Der zweite Zeitabschnitt oder die "jetzige Welt" ("die jetzigen Himmel und Erde" - 2. Petr. 3:7) schließt drei Zeitalter ein, jedes ein weiterer Schritt in dem Plane Gottes zum Umsturz des Bösen. Jede Stufe ist höher als die vorhergehende und führt den Plan weiter, der Vollendung näher.

Der dritte große Zeitabschnitt, "die zukünftige Welt", nach dem zweiten Advent Christi, umfasst das tausendjährige Zeitalter oder "die Zeiten der Wiederherstellung" (Apg. 3:21) und darauffolgende andere "kommende Zeitalter" (Eph. 2:7), deren Einzelheiten nicht geoffenbart sind. Die vorhandenen Offenbarungen handeln von des Menschen Wiederherstellung aus der Sünde und nicht von der herrlichen Ewigkeit, die folgen soll.

Das erste Zeitalter in der "jetzigen Welt" nennen wir das patriarchalische Zeitalter, weil Gottes Tun und Gnadenerweisungen während dieser Periode sich nur auf einige Personen bezogen, während die übrige Menschheit fast ganz außer acht gelassen wurde. Diese Begünstigten waren die Patriarchen Noah, Abraham, Isaak und Jakob. Der Reihe nach scheint jeder von ihnen der Begnadigte Gottes gewesen zu sein. Mit dem Tode Jakobs endete dieses Zeitalter oder diese Verfahrensweise. Seine Nachkommen wurden bei Jakobs Tode zum erstenmal, die zwölf Stämme Israels genannt und in ihrer Gesamtheit von Gott als "sein Eigentum aus allen Völkern" anerkannt - durch vorbildliche Opfer vorbildlicherweise "ein heiliges Volk" abgesondert von anderen Nationen zu einem besonderen Zwecke - und hatten daher gewisse besondere Gnaden zu genießen. Die Zeit, die zur Ausführung dieses Teiles des göttlichen Planes bestimmt war, die hier anfing und mit dem Tode Christi endete, bezeichnen wir als das jüdische Zeitalter oder die Heilszeitordnung des Gesetzes. Während des jüdischen Zeitalters segnete Gott ganz besonders dieses Volk. Er gab ihm sein Gesetz; er machte einen besonderen Bund mit ihm; er gab ihm die Stiftshütte, deren Schekinah-Herrlichkeit (ein übernatürlicher, heller Schein) in dem Allerheiligsten die Gegenwart Jehovas unter ihm als seines Führers und Königs darstellte. Zu ihm sandte er die Propheten und zuletzt seinen Sohn. In seiner Mitte lehrte Jesus und verrichtete seine Wunder und ging weder zu den umliegenden Völkern, noch ließ er seine Jünger zu ihnen gehen. Er sandte sie aus und sagte: "Gehet nicht auf einen Weg der Nationen, und gehet nicht in die Stadt der Samariter; gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." Und wiederum sprach er: "Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel." (Matth. 10:5, 6; 15:24) Dass diese nationale Begünstigung mit der Verwerfung Jesu und seiner Kreuzigung endete, wird durch die Worte Jesu angezeigt, da er fünf Tage vor seiner Kreuzigung erklärte: "Euer Haus wird euch wüste gelassen." (Matth. 23:38)

Da, mit Jesu Tod, begann ein neues Zeitalter, das Zeitalter des Evangeliums, die christliche Heilszeit, darin die frohe Botschaft der Rechtfertigung nicht den Juden allein, sondern allen Völkern verkündet werden sollte; denn Jesus Christus hat durch Gottes Gnade den Tod geschmeckt für jedermann. Während dieses Zeitalters des Evangeliums gibt es ebenfalls eine Schar, die zu besonderer Gnade berufen ist, der besondere Verheißungen gegeben sind. Dies sind solche, die Jesum Christum durch den Glauben als ihren Herrn und Erlöser annehmen und in seinen Fußstapfen wandeln. Die Verkündigung des Evangeliums ist nun nahezu neunzehn Jahrhunderte lang bald hier, bald dort auf Erden vor sich gegangen, so dass jetzt gesagt werden kann, es ist unter jedem Volke mehr oder weniger gepredigt worden. Es hat die Völker nicht bekehrt; es war nicht dazu bestimmt, das in diesem Zeitalter zu tun; aber es hat hier und da einige herausgesucht, im ganzen eine "kleine Herde", wie es Jesus vorhergesagt hat. Es ist des Vaters Wohlgefallen, dieser "kleinen Herde" in einer auf dieses Zeitalter folgenden Heilszeit das Königreich zu geben. - Luk. 12:32

Mit diesem Zeitalter endet die "gegenwärtige arge Welt." Und beachte wohl, dass, während Gott also zum scheinbaren Nachteile seiner Sache die Oberhand und Herrschaft des Bösen zuließ, seine erhabenen Zwecke nichtsdestoweniger ohne Unterbrechung nach einem festen und bestimmten Plane und in genauer Aufeinanderfolge der Zeitabschnitte, die er zuvor bestimmte, sich verwirklichten. Am Ende dieses Zeitalters und beim Anbruch des darauffolgenden Zeitalters des Millenniums wird Satan gebunden und seine Macht gestürzt werden, um die Aufrichtung des Königreiches Christi und den Anfang der "zukünftigen Welt, darinnen Gerechtigkeit wohnt," vorzubereiten.

Das Wort Millennium bedeutet Tausend Jahre und wird durch allgemeinen Gebrauch als Name für die in Offb. 20:4 erwähnte Periode, die tausend Jahre der Herrschaft Christi, das erste Zeitalter der "zukünftigen Welt", benutzt. Während des Millenniums-Zeitalters soll eine Wiederherstellung aller Dinge, welche durch den Fall Adams verloren gingen, stattfinden (Apg. 3:19-21), und vor seinem Ende sollen alle Tränen abgewischt sein. Über dasselbe hinaus, in den glückseligen Zeitaltern, die dann folgen, soll kein Tod mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz. Das Erste ist vergangen (Offb. 21:4). Gottes Offenbarungen gehen nicht weiter, darum machen wir hier Halt.

Wir haben hier nur auf die äußeren Umrisse dieses Planes der Zeitalter einen Blick geworfen. Je mehr wir untersuchen, desto mehr werden wir in demselben vollkommene Harmonie, Schönheit und Ordnung finden. Jedes Zeitalter hat seinen Teil zu vollführen, notwendig zur vollständigen Entfaltung des Planes Gottes als Ganzes. Der Plan ist ein voranschreitender, allmählich von Zeitalter zu Zeitalter sich entfaltender, hinauf und hinaus zur herrlichen Vollendung des ursprünglichen Entwurfes des göttlichen Baumeisters, "der alle Dinge wirkt nach dem Rate seines Willens!" (Eph. 1:11). Nicht eine dieser großen Perioden, Heilszeitordnungen, ist eine Stunde zu lang oder zu kurz zur Erfüllung ihrer Aufgabe. Gott ist ein weiser Haushalter, sowohl was Zeit als auch Mittel betrifft, obwohl seine Hilfsquellen unermesslich sind und keine Macht, wäre sie noch so heimtückisch, kann seine Ratschlüsse auf einen Augenblick verzögern oder durchkreuzen. Alle Dinge, böse wie gute, müssen unter göttlicher Aufsicht zur Erfüllung seines Willens zusammenwirken.

Einem nicht unterrichteten und ungeübten Verstand, der nur ein klein wenig von der verwickelten Maschinerie gewahrt, kommt Gottes Plan wie Gesetzlosigkeit, Verwirrung und ein Fehlschlag vor, gerade wie einem Kinde ein Teil oder selbst das Ganze einer kunstvoll zusammengesetzten Maschine erscheinen würde. Seinem unreifen und nicht angeleiteten Verstand ist sie unbegreiflich, und die entgegengesetzten Bewegungen ihrer Räder und Riemen sind ihm nur Verwirrung. Aber reifere Anschauung und Untersuchungen würden zeigen, dass die scheinbare Verwirrung herrliche Harmonie ist, die nur Gutes schafft. Die Maschine war aber so wahrhaftig vorher, ehe das Kind ihre Wirksamkeit verstand, ein Meisterwerk, wie nachher. So hat die Menschheit, während Gottes Plan Zeitalter hindurch in erfolgreicher Wirksamkeit war, die nötige Unterweisung empfangen, nicht nur das verwickelte Arbeiten desselben verstehen zu können, sondern auch seine segensreichen Ergebnisse kennen zulernen.

Beim Fortsetzen unseres Studiums des göttlichen Planes ist es wesentlich, dass wir diese Zeitalter und ihre bezüglichen Besonderheiten und Aufgaben im Auge behalten; denn in keinem Zeitalter für sich allein kann der Plan gesehen werden, sondern nur in allen zusammen; gerade wie ein Glied nicht die Kette ist, sondern mehrere zusammen verbundene Glieder erst eine Kette bilden. Eine richtige Anschauung über den ganzen Plan erhält man, wenn man die unterscheidenden Merkmale jedes Teiles sich anmerkt; auf diese Weise wird man befähigt, "das Wort der Wahrheit recht zu teilen."

Eine Aussage des Wortes, die zu einem Zeitalter oder einer Heilszeitordnung gehört, sollte nicht auf andere angewendet werden, da Dinge, die von einem Zeitalter berichtet werden, nicht immer von einem anderen wahr sind. Es würde z.B. eine Unwahrheit sein, von der gegenwärtigen Zeit zu sagen, dass die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllt, oder, dass es jetzt nicht mehr nötig sei, zu seinem Nachbarn zu sagen: Erkenne den Herrn (Jes. 11:9; Jer. 31:34). Das ist in diesem Zeitalter nicht wahr und kann nicht wahr werden, bis der Herr wiedergekommen ist und sein Königreich aufgerichtet hat; denn durch dieses ganze Zeitalter hindurch haben viele irreführende Irrlehren geherrscht, und es ist uns gerade vom eigentlichen Ende gesagt: "In den letzen Tagen ... böse Menschen aber und Verführer werden im Bösen fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden." (2. Tim. 3:1, 13) Es wird die Frucht der Herrschaft des Messias während jenes Millenniums-Zeitalters sein, dass Erkenntnis und Gerechtigkeit die Erde wie Wasser den Meeresgrund bedecken sollen.

Ein ähnlicher Missgriff, und ein ziemlich allgemeiner, ist die Annahme, dass Gottes Königreich jetzt schon aufgerichtet sei und die Erde beherrsche und dass sein Wille jetzt unter den Völkern geschehe. Das ist offenbar weit von der Wahrheit entfernt; denn die Reiche dieser Welt werden durch Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Betrug in so großem Umfang unterhalten und vergrößert, als die wachsende Bildung des Volkes irgend zulässt. Satan, der gegenwärtige "Fürst dieser Welt", muss erst abgesetzt und diese jetzt unter seiner Kontrolle oder Herrschaft stehenden Reiche müssen die Reiche unseres Herrn und seines Gesalbten werden, wenn er an sich nehmen wird seine große Gewalt, um zu "herrschen".

Durch das Licht, das jetzt für die Hausgenossen des Glaubens an der Zeit ist, erkennen wir die zusammenhängende Ordnung, welche die majestätischen Schritte unseres Gottes durch die verflossenen Zeitalter hindurch kennzeichnet; und unwillkürlich müssen wir der schönen Zeilen Cowpers gedenken, geschrieben im Geist lebendigen Glaubens, der da vertraut, wo er dem allmächtigen Jehova nicht folgen kann.




Es ist ein köstlich Ding

Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken,
Lobsingen deinem Namen, höchster Gott;
Denn deine große Treu' kann nimmer wanken,
Du stehst uns bei in jeder Zeit der Not.
Es ist ein köstlich Ding, den Herrn loben,
Ja, lieblich schön klingt's vor des Höchsten Thron.
Drob freuen sich die heil'gen Engel droben
Und unserm Herzen ist's der schönste Lohn.
Es ist ein köstlich Ding, geduldig warten
Auf die verheißne Hilfe unseres Herrn,
Und köstlich, in der Jugend Rosengarten
Das Joch des Herrn zu tragen froh und gern.
Es ist ein köstlich Ding, das Herz zu stählen
In Festigkeit, unwandelbarer Treu,
Und Huld und Gnade wird uns nimmer fehlen
Des, der da sprach: "Ich mache alles neu!"

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Studie 5

"Das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist." - Kol. 1:26

Das schimmernde Licht der ersten Verheißung. - Abrahams Verheißung. - Die Hoffnung verzögert. - Das Geheimnis beginnt am Pfingsttag sich zu entfalten. - Worin das Geheimnis besteht. - Warum solange geheim gehalten? - Für die Welt noch immer ein Geheimnis. - Es wird in bestimmter Zeit allen offenbar gemacht werden. - Wann das Geheimnis vollendet sein wird.

Während die Menschheit unter der Zucht des Bösen stand und ihre Notwendigkeit nicht begriff, verkündete Gott ihr wiederholt seinen Ratschluss, sie durch einen zukünftigen Erlöser wiederherzustellen und zu segnen. Aber wer dieser Befreier sein sollte, war viertausend Jahre lang ein Geheimnis, und erst nach der Auferstehung Christi, im Anfang des christlichen Zeitalters, fing es an, deutlich geoffenbart zu werden.

Auf die Zeit zurückblickend, da durch unsere ersten Eltern Leben und Paradiesesglück verloren gegangen waren, sehen wir unter der gerechten Strafe der Sünde das Leben voll Kummer und ohne einen anderen Hoffnungsstrahl, als den, der von dem Paradieseswort gewonnen werden konnte, dass der Weibessame der Schlange den Kopf zertreten sollte. Obgleich dasselbe für uns im Lichte darauffolgender Entfaltungen voller Bedeutung ist, war es für jene Zeit doch nur ein schwach schimmerndes Licht. Fast zweitausend Jahre vergingen, ohne dass irgendein Anzeichen einer Erfüllung gewährt wurde.

Ungefähr zweitausend Jahre später berief Gott Abraham und gab ihm die Verheißung, dass sein Same alle Geschlechter der Erde segnen sollte. Das sah aus, als ob Gott an seinem früheren Ratschlusse noch festhalte, und dass er jetzt dabei war, ihn zu erfüllen. Die Zeit verging; das verheißene Land Kanaan war noch nicht in seinem Besitz; Abraham und Sarah waren alt geworden und hatten noch keinen Nachkommen. Abraham dachte, er müsse Gott irgendwie helfen, sein Versprechen zu erfüllen, so wurde Ismael geboren. Aber seine Hilfe war nicht nötig, denn in fest bestimmter Zeit wurde Isaak, das Kind der Hoffnung und Verheißung, geboren. Jetzt schien es, dass der verheißene Herrscher und Segner der Völker gekommen wäre. Doch nein, Jahre vergingen und Gottes Verheißung schien nicht einzutreffen, denn Isaak starb und sein Erbe, Jakob, ebenfalls. Aber der Glaube einiger Weniger hielt trotzdem an der Verheißung fest und wurde von Gott erhalten, denn des Bundes, "den er gemacht hatte mit Abraham", wurde von Gott gedacht "und seines Eides an Isaak. Und er stellte ihn Jakob zur Satzung, Israel zum ewigen Bund." (1. Chron. 16:16, 17)

Beim Tod Jakobs wurden seine Nachkommen zum ersten Mal die zwölf Stämme Israel genannt, und von Gott als "auserwählte Nation" anerkannt (1. Mose 49:28; 5. Mose 26:5), und die Erwartung, dass dieses Volk in seiner Gesamtheit als der Same Abrahams Kanaan besitzen und die Welt beherrschen und segnen sollte, schien am Vorabend ihrer Verwirklichung zu stehen, denn unter der Begünstigung in Ägypten waren sie schon zum starken Volk geworden. Aber die Hoffnung war beinahe gescheitert und die Verheißung fast vergessen, als die Ägypter sie nahezu vierhundert Jahre als Sklaven behandelt hatten.

Wahrlich, Gottes Verheißungen waren in geheimnisvolles Dunkel gehüllt, und seine Wege schienen unerforschlich. Jedoch in fest bestimmter Zeit kam Mose, der großer Erlöser, durch dessen Hand Gott sie aus der Knechtschaft führte und mächtige Wunder verrichtete. Vor dem Einzug in Kanaan starb dieser große Befreier; aber als Prophet Gottes erklärte er: "Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir." (5. Mose 18:15; Apg. 3:22) Dies gewährte einen weiteren Einblick in Gottes Plan, indem es zeigte, dass in dem zukünftigen Werk des Regierens und Segens nicht nur ihr Volk, als Ganzes, in irgendeiner Weise beteiligt sein sollte, sondern dass ein aus ihnen Erwählter sie zum Sieg und zur Erfüllung der Verheißung führen sollte. Dann wurde Josua, dessen Name Erlöser oder Heiland bedeutet, ihr Führer, und unter ihm errangen sie große Siege und betraten tatsächlich das in dem Bunde verheißene Land. Gewiss schien es jetzt, als ob der wahre Führer gekommen sei, und als ob die Verheißung auf dem Punkte vollständiger Erfüllung stehe.

Aber Josua starb, und als Volk machten sie keinen Fortschritt, bis ihnen David und dann Salomo als Könige gegeben wurden. Damit erreichten sie den Höhepunkt ihrer Herrlichkeit; aber schon bald wurden sie, statt die Verheißung erfüllt zu sehen, ihrer Macht wieder beraubt und anderen Nationen steuerpflichtig. Sie hielten jedoch die Verheißung Gottes fest und schauten nach dem großen Erlöser aus, dessen Vorbilder Mose, Josua, David und Salomon gewesen waren.

Um die Zeit, da Jesus geboren wurde, war jedermann in Erwartung des Messias, dem kommenden Königs Israels, und durch Israel des Königs der Welt. Aber Israels Hoffnung auf die Herrlichkeit und Ehre ihres kommenden Königs ließ sie (von seiner Größe und Macht erfüllt, wie sie waren, durch die Vorbilder und Prophezeiungen) eine Reihe Vorbilder und Prophezeiungen übersehen, die auf ein Werk des Leidens und des Todes als Lösegeld für die Sünder hinwiesen, das notwendig sei, ehe der Segen kommen könne. Vorgebildet war dies in dem Passahlamm, ehe sie aus Ägypten erlöst wurden; ferner in dem Töten der Tiere beim Geben des Gesetzesbundes (Hebr. 9:11-20; 10:8-18), und in den Versöhnungsopfern, die beständig, Jahr für Jahr, von der Priesterschaft verrichtet wurden. Sie übersahen auch die Aussagen der Propheten, "die zuvor bezeuget die Leiden, die in Christo sind, und die Herrlichkeit danach" (1. Petr. 1:11). Als daher Jesus als da Opferlamm kam, erkannten sie ihn nicht; sie erkannten nicht die Zeit, in welcher sie heimgesucht wurden (Luk. 19:44). Auch seine unmittelbaren Nachfolger wurden schwer verwirrt, als Jesus starb; und traurig sagten sie: "Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle." (Luk. 24:21) Es schien, als ob ihr Vertrauen auf ihn schlecht gelohnt würde. Sie sahen nicht, dass der Tod ihres Führers, als teilweise Erfüllung der Bundesverheißung, die Bestätigung des neuen Bundes war, unter dem die Segnungen kommen sollten. Ihre verwelkte Hoffnung begann jedoch wieder aufzuleben, als sie erfuhren, dass er aus dem Grab auferstanden war (1. Petr. 1:3), und als er im Begriff war, sie zu verlassen, fragten sie ihn in Bezug auf ihre lang ersehnte und oft verzögerte Hoffnung: "Herr, wirst du auf diese Zeit wiederaufrichten das Reich Israel?" Dass ihre Hoffnung in der Hauptsache richtig war, wenn sie auch die Zeit nicht wissen sollten, wann sie erfüllt werden würde, ist aus der Antwort des Herrn klar. Er sagte ihnen: "Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat." - Apg. 1:6, 7

Welche Wendung hat Gottes Plan nun genommen? muss die Frage der Juden gewesen sein, als Jesus aufgefahren war; denn wir müssen bedenken, dass Jesu Lehre hinsichtlich des Königreiches in erster Linie in Gleichnissen und dunkeln Aussprüchen bestand, und dass er zu ihnen gesagt hatte: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen; wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten." Jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Joh. 16:12,13; 14:26) Demgemäss konnten sie es also vor dem Kommen des Pfingstsegens nicht verstehen.

Selbst dann noch dauerte es einige Zeit, bis sie ein klares, volles Verständnis des zu verrichtenden Werkes und seines Verhältnisses zu dem ursprünglichen Bund erhielten (Apg. 11:9; Gal. 2:2, 12, 14). Trotzdem scheinen sie als Gottes Mundstücke gebraucht worden zu sein, auch ehe sie alles voll und klar verstanden hatten, und ihre inspirierten Worte enthielten möglicher Weise klareren und tieferen Ausdruck der Wahrheit, als sie sich selbst bewusst waren. Lese Jakobus Rede, in der er sagt: "Simon hat erzählt, wie es Gott zuerst gefallen, aus den Heiden ein Volk zu erwählen für seinen Namen (eine Braut)." Und hiermit stimmen überein die Aussprüche der Propheten, so wie geschrieben steht: "Nach diesem (wenn jenes Volk aus den Nationen herausgenommen worden ist) werde ich mich wieder (den Juden) zuwenden, und wieder erbauen die verfallene Hütte Davids und wieder erbauen ihr Zerstörtes, und sie aufrichten." (Apg. 15:14-16)

Jakobus begann in Gottes Vorsehung zu lesen, dass er in der Sendung des Evangeliums durch Petrus zu dem ersten aus den Nationen Bekehrten, und durch Paulus zu den Nationen im allgemeinen, anzeige, dass während dieses Zeitalters gläubige Juden wie Gläubige aus den Nationen gleich begnadigt werden sollten. Dann schaute er in den Prophezeiungen und fand: so steht es geschrieben; und dass, nach dem das Werk dieses Evangeliums-Zeitalters vollendet ist, dann dem fleischlichen Israel die Verheißungen werden erfüllt werden. Nach und nach fing das seither verborgen gewesene große Geheimnis an, von einigen wenigen, den Heiligen, den besonderen "Freunden" Gottes, verstanden zu werden..

Dieses Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, nun aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist, erklärt Paulus Kol. 1:27, sei

"Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit"

Das ist das große Geheimnis Gottes, das von allen vorhergehenden Zeitaltern her verborgen gewesen und noch allen verborgen gewesen ist, mit Ausnahme eines besonderen Häufleins von Heiligen oder geweihten Gläubigen (Röm. 12:1). Aber was heißt "Chri­stus in euch"? Wir haben gelernt, dass Jesus mit dem Heiligen Geist gesalbt war (Apg. 10:38), und so erkennen wir in Ihm den Christus - den Gesalbten; denn das Wort Christus bedeutet gesalbt. Und der Apostel Johannes sagt, dass die Salbung, die wir, geweihte Gläubige, empfangen haben, in uns bleibet (1. Joh. 2:27). So sind also die Geheiligten dieses Zeitalters des Evangeliums eine gesalbte Schar - gesalbt zu Königen und Priestern vor Gott (2. Kor. 1:21; 1. Petr. 2:9); und zusammen mit Jesus, ihrem Haupt und Herrn, machen sie Jehovas Gesalbten - den Christus - aus. (1. Kor. 12:27; Röm. 12:5; Apg. 15:14)

In Übereinstimmung mit der Lehre des Johannes, dass auch wir gesalbt sind, versichert uns Paulus, dass dieses Geheimnis, das in vergangenen Zeitaltern geheim gehalten, aber jetzt den Geheiligten geoffenbart worden ist, das ist, dass der Christus (der Gesalbte) "nicht aus einem Glied besteht, sondern aus vielen", gerade wie der menschliche Leib einer ist und hat doch viele Glieder; alle Glieder des Leibes aber, wiewohl ihrer viele sind, sind doch nur ein Leib, also ist auch der Gesalbte - der Christus. (1. Kor. 12:12-28). Jesus ist gesalbt zum Haupt oder Herrn über die Kirche, die da sein Leib, in einem anderen Bild sein Braut (Eph. 5:25-30), und zusammengenommen machen sie den verheißenen "Samen" - den großen Erlöser - aus: "Wenn ihr aber Christus seid, dann seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheißung Erben." (Gal. 3:29)

Der Apostel warnt die Herauswahl sorgfältig gegen irgendwelche anmaßenden Gedanken, indem er von Jesu sagt, dass, Gott "hat alle Dinge unter seine Füße getan, und ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib...auf dass er in allen Dingen den Vorrang habe." (Eph. 1:22; Kol. 1:18) Dennoch zeigt er unter dem Bild des menschlichen Leibes herrlich und treffend unser inniges Verhältnis zu ihm. Dieselbe Einheit lehrte Jesus auch, als er sagte: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben." (Joh. 15:5)

Unsere Einheit mit Herrn Jesu, als Glieder des Christus, der gesalbten Schar, wird treffend durch die Figur einer Pyramide veranschaulicht.

Pyramide

Die Spitze (der Schlusseckstein) ist eine vollkommene Pyramide in sich selbst, andere Steine mögen darunter aufgebaut werden, und wenn in Harmonie mit allen charakteristischen Linien des Schlussecksteins, so wird die ganze Masse eine vollkommene Pyramide sein. Wie treffend veranschaulicht dies unsere Stellung als Glieder "des Samens" - "des Christus." Mit unserem Haupt verbunden und in vollkommener Harmonie mit ihm, sind wir als lebendige Steine vollkommen; getrennt von ihm sind wir nichts.

Jesus, der eine Vollkommene, ist hoch erhöht worden, und wir übergeben uns nun ihm, dass wir nach seinem Vorbild geformt und gebildet und als ein Haus Gottes aufgebaut werden möchten. Von einem gewöhnlichen Haus kann man nicht eigentlich sagen, es habe, "einen Haupt oder - Eckstein", aber in unserem Haus befindet sich ein besonderer Eckstein, der Stein an der Spitze, wie geschrieben steht: "Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten und kostbaren" - "zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein ... werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen (Das sinaitische Manuskript lässt "geistlich" vor "Opfer" aus) Schlachtopfer, Gott wohl annehmlich durch Jesum Christum."(1. Petr. 2:4-6) Und sehr bald, der Zuversicht sind wir, wird die Vereinigung zwischen Jesus, dem "Haupt", und "der Kirche", "die da ist sein Leib", zustande gebracht sein.

Und, Geliebte, mancher Hiebe und viel Polierens bedarf es: unter der Leitung des großen Meisterbildners muss an uns gar viel umgebildet und seinem Vorbild nachgeformt werden; und damit die Meisterschaft und Sinnesart des Bildners sich in uns entfalten kann, haben wir gar nötig, zuzusehen, dass wir keinen eigensinnigen, der Ausführung Seines Willens in uns sich widersetzenden Willen haben. Kinderähnlich und gar demütig müssen wir werden - "festhalten an der Demut; denn Gott widerstehet dem Hoffartigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade". "Lasst uns daher uns demütigen unter der gewaltigen Hand Gottes, dass er uns erhöhe zu seiner Zeit", wie er unser Haupt und unseren Vorläufer erhöht hat (Phil. 2:8, 9: 1. Petr. 5:5, 6).

Das ist in der Tat eine wunderbare Botschaft. Und kommen wir zum Worte Gottes, um über diese unsere große, hohe Berufung nachzuforschen, so finden wir die Propheten sehr wortgewandt in der Verkündigung der Gnade (Gunst, Segen), die auf uns gekommen ist (1. Petr. 1:10), da nunmehr Vorbilder und Gleichnisse und bisher dunkle Sprüche lichthell werden und ihr Licht auf den "schmalen Weg" werfen, auf welchem die gesalbte (Christus-) Schar berufen ist, nach dem Kleinod, dem Preis, der jetzt eröffnet ist zu laufen. Das war wahrlich ein Geheimnis, daran niemals zuvor gedacht hat - dass Gott nicht nur einen Erlöser zu erwecken vorhatte, sondern einen aus vielen Gliedern bestehenden Erlöser. Das ist die hohe, "himmlische Berufung", welche zu erlangen die geweihten Gläubigen des Evangeliums-Zeitalters bevorzugt sind. Jesus versuchte nicht, dies seinen Jüngern klar zu machen, solange sie noch natürliche Menschen waren, sondern er wartete, bis am zu Pfingstfest gesalbt oder zur neuen Natur gezeugt waren. Aus Paulus Erklärung erkennen wir, dass nur "Neue Schöpfungen" jetzt diese hohe Berufung erfassen können. Er sagt: "Wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, welche Gott zuvor bestimmt hat, vor den Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit; welche keiner von den Fürsten dieses Zeitalters erkannt hat, wie geschrieben steht: "Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat es Gott geoffenbart durch (seinen) Geist." - 1. Kor. 2:6-14

In seinem Brief an die Galater enthüllt Paulus das ganze Geheimnis und zeigt, wie der abrahamische Bund erfüllt werden soll. Er zeigt, dass das Israel gegebene Gesetz den ursprünglichen Bund nicht aufhebt (Gal. 3:15-18), und dass der Same Abrahams, der alle Völker segnen soll, Christus ist (Vers 16). Dann den Gedanken ausführend, auf den wir schon Bezug genommen haben, dass der Christus alle vom Geist Gesalbten einschließt, sagt er: "Denn so viele euer auf (in den) Christum getauft worden sind, ihr habt Christum angezogen. ... Wenn ihr Christi seid, so seid ihr denn (zusammen mit Jesu) Abrahams Same, und nach Verheißung Erben". (Verse 3:27 und 29) Denselben Gedankengang verfolgend, zeigt er (Gal. Kap. 4), dass Abraham ein Bild Jehovas, Sarah ein Bild des Bundes der Verheißung und Isaak ein Vorbild Christi (Haupt und Leib) war, und dann fügt er hinzu: "Wir, Brüder, sind nach Art des Isaak Kinder der Verheißung." (Vers 3:28) So war der Plan Gottes in Sinn und Vorbildern verborgen, bis das Evangeliums-Zeitalter den Christus zu gestalten begann .

Es war gewiss notwendig, dass dieses Geheimnis verborgen so verborgen blieb, sonst würde es nicht in Erfüllung gegangen sein. Der Menschheit damals den ganzen Plan offenbart zu haben, hätte ihn vereitelt. Hätten die Menschen es gewusst, so würden sie weder den Herrn der Herrlichkeit noch die Kirche, die sein Leib ist, gekreuzigt haben (1. Kor. 2:8). Nicht nur der Tod Christi, als der Preis für des Menschen Erlösung, würde vereitelt worden sein, wenn nicht der Plan als ein Geheimnis vor der Welt bewahrt worden wäre, sondern die Prüfung des Glaubens der Kirche, als Teilhaberin an den Leiden des Christi, würde dadurch verhindert worden sein, denn "die Welt kennt uns nicht (als seine Miterben, aus demselben Grund), weil sie ihn nicht kennt". (1. Joh. 3:1)

Nicht nur ist der Plan Gottes und der Christus, der die eigentliche Verkörperung dieses Planes ist, der Welt ein großes Geheimnis, sondern auch der besondere Weg, auf dem diese kleine Herde zu wandeln berufen ist, stempelt sie zu einem "eigentümlichen Volke" (Titus 2:14). Es war der Welt ein Geheimnis, dass eine Person von so großen Fähigkeiten, wie Jesus, seine Zeit und seine Fähigkeiten, wie Jesus, seine Zeit und seine Talente, so wie er tat, verwenden sollte; hätte er hingegen seine Aufmerksamkeit den Staatsangelegenheiten, dem Gesetz, dem Handel oder der weitverbreiteten Religion zugewendet, dann hätte er groß und geehrt werden können. Nach Menschenmeinung hat er sein Leben unvernünftiger Weise vergeudet, und so sagten sie: "Er hat den Teufel und ist von Sinnen." (Joh. 10:20) Sein Leben war für sie ein Geheimnis, das sie nicht ergründen konnten.

Die Apostel und ihre Gefährten waren der Welt in gleicher Weise ein Geheimnis, da sie ihre Arbeit, ihr Geschäft, ihre irdischen Aussichten usw. daran gaben, um Vergebung der Sünden durch den Tod des verachteten und gekreuzigten Jesu zu predigen. Paulus entsagte einer hohen Stellung und gesellschaftlichen Einfluss, um mit seinen Händen zu arbeiten und von Christus und der unsichtbaren Krone für alle Gläubigen, die in seinen Fußstapfen wandeln würden, zu predigen. Das war so geheimnisvoll, dass einer sagte: "Du rasest, Paulus! die große Gelehrsamkeit bringt dich zur Raserei." Und alle, die so wie Paulus in des Meisters Fußstapfen nachfolgen, werden um Christi willen für Narren geachtet.

Aber Gottes Plan soll nicht immer in Geheimnis gehüllt bleiben; der Tagesanbruch des Millenniumstages bringt völligeres Licht von Gott zu den Menschen, und "die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken". (Habakuk 2:14) Die Sonne der Gerechtigkeit, die aufgehen soll, mit Heilung unter ihren Flügeln, die Finsternis der Unwissenheit zerstreuend, ist der Christus in Millenniums-Herrlichkeit, nicht das Haupt allein, sondern auch die Glieder seines Leibes, denn das ist verheißen, "wenn wir anders mitleiden, auf das wir auch mit verherrlicht werden". "Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit", und "dann werden die Gerechten leuchten, wie die Sonne, in dem Reiche ihres Vaters". (Röm. 8:17; Kol. 3:4; Matth. 13:43)

Jetzt erscheinen die Verheißungen, an die wir glauben, und die Hoffnung, welche wir haben, für jedermann, ausgenommen für die durch den Empfang des "Sinnes Christi" zu einem neuen Sinn Gezeugten, als bloße Einbildungen und zu unwahrscheinlich, als dass man sie annehmen oder gar darauf hin handeln sollte. Wenn im kommenden Zeitalter Gott "seinen Geist ausgießen wird auf alles Fleisch", wie er ihn auch während des gegenwärtigen Zeitalters über "Knechte und Mägde" ausgießt (Joel 2:29), dann werden in der Tat auch alle Menschen die Verheißungen verstehen und würdigen, die jetzt von der "kleinen Herde" angenommen werden; und an dem Gehorsam und der Erhöhung der Kirche werden sie sich erfreuen und sprechen: "Lasset uns fröhlich sein und frohlocken, und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet." (Offb. 19:7) An der Verherrlichung der Kirche, durch welche dann Segensströme auf sie fließen werden sie sich erfreuen; und während sie tatsächlich erfahren, dass die teuren und allergrößten Verheißungen" von dem Gesalbten (Haupt und Leib) ererbt, nicht mehr für sie bestimmt, sondern an der "kleinen Herde" erfüllt sind, werden sie doch durch die Lektion, welche die Kirche zu lernen hatte, nachträglich profitieren und gesegnet werden. Sie werden um der Kirche willen Gott preisen, wenn sie den Segnungen nachstreben, die ihnen dann vorgehalten werden. Diese Erkenntnis wird aber nicht zum Neid anreizen, denn unter der neuen Einrichtung der Dinge wird sie ihre Berufung zu vollkommener menschlicher Natur völlig zufrieden stellen und wird ihnen wünschenswerter erscheinen als ein Wechsel in der Natur.

Dann wird das Geheimnis vollendet sein; denn die Welt wird zu der Erkenntnis kommen, dass es der Geist Gottes in Christo, und der Geist Christi in euch - Gott geoffenbart im Fleisch - war, den sie seither missverstanden hatte. Dann wird sie einsehen, dass wir nicht unvernünftig waren, sondern das beste Teil erwählten, als wir nach dem Reichtum und der Ehre der für sie zwar unsichtbaren, doch aber ewigen Krone strebten.

Was die Zeit anbetrifft, so soll das Geheimnis Gottes während des "Ertönen der siebenten (sinnbildlichen) Posaune vollendet werden." (Offb. 10:7) Das bezieht sich auf das "Geheimnis" in zweifachen Sinn, in dem es gebraucht wird: "Das Geheimnis, oder die geheimen Fäden des Planes Gottes werden dann kund und offenbar sein; und ebenso das "Geheimnis Gottes", die Kirche", die Verkörperung dieses Planes. Beides wird dann vollendet sein. Der geheime, verborgene Plan wird die Fülle, die Gesamtzahl der Glieder des Leibes des Christi, herausgesucht haben, und also wird er, der Leib Christi vollendet sein. Und der Plan wird aufhören, ein Geheimnis zu sein, weil kein weiterer Grund, sein Geheimnis zu bewahren, vorliegt. Die Größe des so lange geheim gehaltenen und unter Verheißungen, Vorbildern und Gleichnissen verborgen gewesenen Geheimnissen und die wunderbare, denen zugedachte Gnade, die zur Teilnahme an diesen Geheimnis berufen sind (Eph. 3:9), drängt uns noch den Gedanken auf, dass das auf die Vollendung des Geheimnisses folgende Werk, für welches Jehova die Menschheit sechstausend Jahren lang in Erwartung und Hoffnung erhalten hat, ein großartiges, wunderbares Werk sein muss, ein Werk, wert solcher großen Vorbereitungen. Was mögen wir nicht an Segnungen für die Welt erwarten, wenn der Schleier des Geheimnisses weggezogen ist und die Segensströme herabfließen! Das ist es, nach dem "die ganze Schöpfung zusammenseufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt", erwartend die Vollendung dieses Geheimnisses, die Offenbarung der Söhne Gottes, des verheißenen Samens", in dem sie alle gesegnet werden sollen. - Röm. 8:19, 21, 22




Zion, willkommen dein seliger Morgen!
Freude dem Land, denn die Finsternis schwind't.
Trauern verscheucht sei und Klaglaut der Sorgen!
Zion, triumphierend ihr' Herrschaft beginnt.

Aufstehen die Toten; vom Land und vom Meere
Lobpreis Jehovas zum Himmel aufwallt.
G'stürzt Kriegsgetümmel, des Aufruhres Heere,
Fast Firmament spreng'nder Heilsruf erschallt!

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Studie 6

Das Wiederkommen unseres Herrn zur Wiederherstellung aller Dinge

Jesus zweites Kommen persönlich und vor dem Tausendjahrreich. - Sein Verhältnis zum ersten Kommen. - Die Auswahl der wahren Kirche und die Bekehrung der Welt. - Erwählung und freie Gnade. - Gefangene auf Hoffnung. - Prophetisches Zeugnis über die Wiederherstellung. - Das Wiederkommen unseres Herrn offenbart die Hoffnung der Kirche und der Welt.

"Und er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, welchen freilich der Himmel aufnehmen muss, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher gesprochen hat." - Apg. 3:20, 21

Dass unser Herr von seinen Jüngern verstanden haben wollte, er werde zu einem gewissen Zweck, in einer gewissen Weise und zu einer gewissen Zeit wiederkommen wird, achten wir, von allen zugegeben und geglaubt, die mit der Schrift vertraut sind. Es ist wahr, Jesus sagte: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des (dieses) Zeitalters" (Matth. 28:20), und er ist mit seinem Geist und in seinem Wort fortwährend bei der Kirche gewesen, und hat seine Heiligen geführt, geleitet, getröstet, und bewahrt und sie inmitten all ihrer Trübsale aufgerichtet. Aber trotzdem die Kirche zu ihrem Wohl sich bewusst gewesen, dass der Herr um alle ihre Wege wusste und seine beständige Sorge und Liebe, ihr widmete, sehnt sie sich doch nach seiner verheißenen persönlichen Wiederkehr; denn, wenn er sagte: "Und wenn ich hingehe ... so komme ich wieder" so hat er damit gewiss auf sein zweites persönliches Kommen hingewiesen (Joh. 14:3).

Etliche meinen, dass er auf die Herabsendung des heiligen Geistes hinwies; andere auf die Zerstörung Jerusalem usw.; aber sie übersehen ganz offensichtlich die Tatsache, dass Er, der tot war und lebendig ist, im letzten Buch der Bibel, welches einige sechzig Jahre nach Pfingsten, und sechsundzwanzig Jahre nach Jerusalems Zerstörung geschrieben wurde, von diesem Ereignis als einem noch zukünftigen spricht, indem er sagt: "Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir." Und der vom Geist getriebene Johannes erwiderte: "Amen; komm, Herr Jesus!" (Offb. 22:12, 20)

Gar manche denken, das bilde einen Teil des Kommens Christi, dass Sünder bekehrt werden, und solange fahre er fort, zu kom­men, bis alle Welt bekehrt sei. Dann, sagen sie, ist er ganz gekommen.

Diese alle vergessen offenbar das Zeugnis der Schrift über diesen Gegenstand. Die Schrift erklärt das gerade Gegenteil ihrer Erwartung, dass nämlich die Welt bei Jesu zweitem Kommen weit davon entfernt sein wird, zu Gott bekehrt zu sein; "dass in den letzten Tagen schwere Zeiten da sein werden; denn die Menschen werden eigenliebig sein, ... mehr das Vergnügen liebend als Gott" (2. Tim. 3:1-4); dass "böse Menschen aber und Gaukler werden im Bösen fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden" (2. Tim. 3:13). Sie vergessen die besondere Warnung, die Jesus seiner kleinen Herde gab: "Hütet euch", dass nicht "jener Tag plötzlich über euch hereinbreche, denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, (die sich nicht hüten), die auf dem ganzen Erdboden ansässig sind" (Luk. 21:35). Wir können ferner versichert sein, dass damit keine Hindeutung auf die Bekehrung der Sünder gemacht wird, wenn es heißt: "Wehklagen werden seinetwegen alle Stämme des Landes", wenn sie ihn kommen sehen (Offb. 1:7). Wehklagen alle Menschen über die Bekehrung der Sünder? Im Gegenteil, diese Stelle bezieht sich, wie wohl jedermann zugibt, auf Christ Gegenwart auf Erden, und lehrt, dass nicht alle auf Erden seine Erscheinung liebhaben werden, wie sie sicherlich würden, wenn sie alle bekehrt wären.

Manche erwarten ein wirkliches Kommen eine persönliche Gegenwart des Herrn, aber sie legen die Zeit dieses Ereignisses weit hinaus und behaupten, dass die Welt durch Anstrengungen der Kirche in ihrem gegenwärtigen Zustand bekehrt werden muss, und so werde das Millenniums-Zeitalter herbeigeführt werden. Sie sagen, wenn die Welt bekehrt und Satan gebunden ist und die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllt und die Völker nicht mehr Krieg lernen, dann werde das Werk der Kirche in ihrem jetzigen Zustand beendet sein; und wenn sie dieses große und schwierige Geschäft vollbracht habe, dann werde Jesus kommen, um die irdischen Angelegenheiten abzuschließen, die Gläubigen zu belohnen und die Sünder zu verdammen.

Einige aus dem Zusammenhang gerissenen Schriftstellen scheinen diese Ansicht zu unterstützen; aber wenn wir Gottes Wort und Plan als Ganzes betrachten, so finden wir, dass sie alle die entgegengesetzte Ansicht begünstigen, nämlich die, dass Christus vor der Bekehrung der Welt herrschen wird; dass jetzt die Kirche geprüft wird; dass der den Überwindern verheißene Lohn darin besteht, sie nach ihrer Verherrlichung an der Herrschaft Jesu, des Hauptes, teilnehmen zu lassen; dass dies das von Gott verordnete Mittel ist, die Welt zu segnen, und dass so die Erkenntnis des Herrn zu aller Kreatur kommt. Das sind die besonderen Verheißungen des Herrn: "Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen." "Diese lebten und regierten mit Christo tausend Jahre." - Offb. 3:21; 20:4

Es gibt zwei Texte, auf die sich diejenigen hauptsächlich berufen, die da behaupten, dass der Herr erst nach dem Millennium kommen werde. Der eine ist: "Und dieses Evangelium des Königreiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen." (Matth. 24:14) Man behauptet, dies habe auf die Bekehrung der Welt vor dem Ende des christlichen Zeitalters Bezug. Aber Zeugnis ablegen vor der Welt schließt doch nicht die Bekehrung der Welt ein. Der Text sagt nichts darüber, wie das Zeugnis angenommen werden wird. Dieses Zeugnis ist schon gegeben worden. Im Jahre 1861 wiesen die Berichte der Bibelgesellschaften nach, dass das Evangelium in jeder Sprache der Erde verkündigt worden sei, obgleich lange nicht alle die Millionen der Erde es angenommen hatten. Nein, nicht die Hälfte der vierzehnhundert Millionen Lebender haben je den Namen Jesu gehört. Dennoch ist die Bedingung des Textes erfüllt; das Evangelium ist in aller Welt gepredigt worden zu einem Zeugnis über alle Völker.

Der Apostel sagt in Apg. 15:14, dass der Hauptzweck des Evangeliums im gegenwärtigen Zeitalter der ist, "aus den Nationen ein Volk zu nehmen" für Christi Namen, die überwindende Kirche, die bei seinem zweiten Kommen mit ihm vereinigt werden und seinen Namen empfangen soll. Das Zeugnisablegen der Welt gegenüber während dieses Zeitalters ist ein untergeordneter Zweck.

Der andere Text ist: "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße." (Psalm 110:1) Die unklare und unbestimmte Idee über diesen Text scheint die zu sein, dass Christus irgendwo in den Himmeln auf einem materiellen Throne sitze, bis das Werk der Unterwerfung aller Dinge für ihn durch die Kirche vollendet sei, und dass er dann komme, um zu herrschen. Das ist eine verkehrte Auffassung. Der Thron Gottes, von dem die Rede ist, ist kein materieller, sondern er bezeichnet seine erhabene Autorität und Herrschaft, und Jesus ist erhöht worden, um an dieser Herrschaft teilzuhaben. Paulus verkündet: "Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist." (Phil. 2:9) Er hat ihm eine Macht verliehen, die jede andere übersteigt, die nächste zum Vater. Wenn Christus auf einem materiellen Throne säße, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt worden wären, dann könnte er natürlich nicht kommen, bis ihm alle Dinge untertan sind. Aber wenn die "rechte Hand" in diesem Text keinen bestimmten Platz oder Sitz, sondern, wie wir behaupten, Macht, Autorität, Herrschaft bezeichnet, so folgt, dass der vorliegende Text in keiner Weise mit der anderen Schriftstelle im Widerspruch steht, die da lehrt, er komme, "alle Dinge ihm untertänig zu machen" (Phil. 3:21), vermöge der Macht, mit der er bekleidet ist. Um dies zu verdeutlichen: Kaiser Wilhelm sitzt auf dem Throne Deutschlands, sagen wir; dabei denken wir aber nicht an einen kaiserlichen Stuhl, den er selbstverständlich selten einnehmen könnte. Wenn wir sagen, dass er auf dem Thron ist, so meinen wir, dass er Deutschland regiert. Rechte Hand bezeichnet den vornehmsten Platz, eine Stellung der Auszeichnung oder Gunst, dem Höchstregierenden zunächst. So wurde Fürst Bismarck durch den deutschen Kaiser erhöht oder zur rechten Hand der Macht gesetzt; und Joseph war (nicht buchstäblich, sondern der gebräuchlichen Redeweise nach) zur rechten Hand Pharaos im ägyptischen Königreiche. Mit diesem Gedanken stimmen Jesu Worte vor Kaiphas: "Von nun an wird es gesehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels." Er wird zur rechten Hand sein, wenn er kommt, und wird während des Millenniums und für immer zur rechten Hand bleiben. (Matth. 26:64)

Eine weitere Untersuchung des von Gott geoffenbarten Planes wird uns eine umfassende Ansicht über den Zweck der ersten - und zweiten Gegenwart unseres Herrn darlegen, wobei wir auch bedenken sollten, dass beide Ereignisse sich zueinander wie ein und desselben Planes verhalten. Das besondere Werk der ersten Gegenwart war, die Menschen zu erlösen; und das der zweiten ist, die Erlösten wiederherzustellen, zu segnen und freizumachen. Nachdem er sein Leben als Lösegeld für alle gegeben, fuhr unser Erlöser auf, um dies dem Vater darzustellen, und so die Sünden des Volkes zu sühnen. (Hebr. 9:12, 24) Er verzieht und lässt zu, dass "der Fürst dieser Welt" die Herrschaft des Bösen fortsetzt, bis das Herauswählen der "Braut, des Lammes Weib" vorüber ist, da diejenigen, die solcher Ehren würdig werden sollen, die Widerwärtigkeiten "der gegenwärtigen argen Welt" "überwinden" müssen. Dann wird es an der Zeit sein, das Werk, der ganzen Welt die großen, ihr durch sein Opfer erworbenen Segnungen zu geben, in Angriff zu nehmen; und so wird er hervorgehen, um während seiner zweiten Gegenwart alle Geschlechter der Erde zu segnen.

Gewiss, die Wiederherstellung und der Segen hätten sofort beginnen können, als das Lösegeld vom Erlöser bezahlt war; dann würde das Kommen des Messias nur ein einmaliges Ereignis gewesen sein; das Herrschen und Segnen hätte gleich begonnen, wie die Apostel zuerst erwarteten (Apg. 1:6). Aber Gott hatte etwas Besseres für uns (die christliche Kirche) vorgesehen (Hebr. 11:40); daher war es zu unserem Besten, dass die Herrschaft Christi um achtzehn Jahrhunderte vom Leiden des Hauptes getrennt wurde. Dieser Zeitraum zwischen dem ersten und zweiten Advent (Kommen), zwischen dem Lösegeld für alle und dem Segen für alle, ist zur Erprobung und Auswahl der Kirche (des Leibes Christi) bestimmt; sonst hätte nur der eine Advent stattgefunden, und das Werk, das während seiner zweiten Gegenwart im Millennium stattfinden wird, wäre gleich auf die Auferstehung Jesu gefolgt. Oder, statt zu sagen, dass das Werk der zweiten Gegenwart dem der ersten auf dem Fuß gefolgt wäre, lasst uns lieber sagen, hätte Jehova sich nicht die Erwählung der "kleinen Herde" des "Leibes Christi", vorgesetzt, so hätte der erste Advent nicht damals stattgefunden, sondern würde zur Zeit der zweiten Gegenwart eingetreten sein, und es hätte nur den einen gegeben. Denn Gott hat augenscheinlich die Zulassung des Bösen für sechstausend Jahre beabsichtigt, dass die Reinigung und die Wiederherstellung aller aber im siebenten Jahrtausend vollbracht werden soll.

So sieht man, dass das Kommen Jesu, als das Opfer und Lösegeld für die Sünder, der Zeit des Segnen und Wiederherstellen gerade lange genug voranging, um die Herauswahl seiner "kleinen Herde", der "Miterben", zu ermöglichen. Das erklärt in etwa den auffallenden Verzug von Seiten Gottes in der Austeilung des verheißenen Segen, nachdem das Lösegeld dieselbe doch ermöglicht. Der Segen wird, wie ursprünglich geplant, zur fest bestimmten Zeit kommen, obwohl der Preis, um eines überaus herrlichen Zweckes willen, länger vorher hinterlegt worden ist, als Menschen erwarten würden.

Der Apostel belehrt uns, dass der Herr Jesus während der ganzen Zwischenzeit, von seiner Auffahrt bis zum Anfang der Zeiten der Wiederherstellung oder des Millenniums-Zeitalter, von der Erde abwesend - im Himmel - gewesen ist: "Welchen freilich der Himmel aufnehmen muss, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung" usw. (Apg. 3:21) Da die Schrift also lehrt, dass der Zweck des zweiten Advents unseres Herrn die "Wiederherstellung aller Dinge" ist, und dass zur Zeit seiner Erscheinung die Völker, weit davon entfernt, bekehrt zu sein, vielmehr zornig sind (Offb. 11:18) und sich ihm widersetzen, so muss zugegeben werden, dass entweder die Kirche ihre Aufgabe zu erfüllen versäumt habe, und Gottes Plan insoweit vereitelt worden sei, oder, wie wir behaupten und gezeigt haben, dass im gegenwärtigen Zeitalter von der Kirche nicht erwartet wurde, die Welt zu bekehren, sondern dass es ihre Aufgabe gewesen ist, das Evangelium in aller Welt zu einem Zeugnis zu predigen und sich selbst unter göttlicher Leitung für ihre großes Werk der Zukunft vorzubereiten. Gott hat seine Macht, die Welt zu bekehren, durchaus noch nicht erschöpft. Nein, im Gegenteil, er hat die Bekehrung der Welt noch nicht einmal versucht.

Manchem mag dies als sonderbarer Ausspruch erscheinen; aber lasst uns darüber nachdenken. Wenn Gott wirklich solch ein Werk vorhatte, ist es ihm nicht auffallend misslungen? Nur ein kleiner Teil der Milliarden der Erde, wie wir gesehen haben, hat je von dem einzigen Namen, in dem wir selig werden sollen, gehört, von ihrer Bekehrung ganz zu schweigen. Wir haben nur in etwas starker Weise die Ansicht und Lehre einiger der Hauptsekten, der Baptisten, Presbyterianer und anderer, ausgedrückt, dass Gott nämlich jetzt aus der Welt eine "kleine Herde", eine Kirche erwählt oder auserwählt. Sie glauben, dass Gott nichts weiter tun wird, als diese Kirche auswählen, während wir finden, dass die Schrift einen weiteren Schritt in dem göttlichen Plan lehrt, eine Wiederherstellung für die Welt, welche durch die Kirche, sobald sie vollzählig und verherrlicht ist, bewirkt werden soll. Die "kleine Herde", die Überwinder dieses Zeitalters des Evangeliums, sind der Leib "des Samens", "des Christus", in oder durch welchen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen.

Wie schwer muss es für die sein, die da behaupten, dass Jehova nun sechstausend Jahre lang die Welt zu bekehren versuchte und es ihm immer misslang, solche Ansicht mit der Versicherung der Bibel zu vereinigen, dass Gottes Absicht besteht, und dass sein Wort nicht leer zu ihm zurückkehren, sondern ausrichten wird, wozu er es gesandt habe. Die Tatsache, dass die Welt noch nicht bekehrt worden ist und dass die Erkenntnis des Herrn die Erde noch nicht erfüllt hat, ist ein Beweis, dass es dazu noch nicht gesandt worden ist. - Jes. 46:10; 55:11

Das bringt uns auf zwei Lehrmeinungen, die jahrhundertlang die Christenheit zersplittert haben, "Erwählung" und "freie Gnade". Dass diese beiden Lehren, trotz ihrer scheinbaren Gegensätzlichkeit, Schriftgrund haben, wird kein Bibelforscher leugnen. Dieser Umstand sollte uns sofort vermuten lassen, dass beide in irgendeiner Weise wahr sein müssen; aber auf keine andere Weise können sie in Einklang gebracht werden, außer durch Beobachtung des im Himmelreich geltenden Gesetzes, Ordnung, und durch das "Rechtteilen des Wortes der Wahrheit" in Bezug auf diese Sache (2. Tim. 2:15). Diese Ordnung, wie sie der Plan der Zeitalter darstellt, zeigt, wenn sie beachtet wird, klar und deutlich, dass jetzt während des gegenwärtigen und des vergangenen Zeitalters eine Erwählung stattgefunden hat, und dass Gott für die Welt im allgemeinen während des Millenniums-Zeitalters Vorsorge getroffen hat, was der Unterscheidung wegen als freie Gnade bezeichnet wird. Wenn die unterscheidenden Merkmale der Zeitalter und Heilszeitordnungen, die im vorhergehenden Kapitel ausgeführt wurden, im Sinne behalten werden, und alle Stellen, die sich auf "Erwählung" und "freie Gnade" beziehen, untersucht und an ihren Platz gestellt werden, so wird man finden, dass die, die von der Erwählung handeln, alle auf das gegenwärtige und vergangene Zeitalter anzuwenden sind, während die, welche freie Gnade lehren, unverkürzt auf das nächste Zeitalter gehen.

Erwählung jedoch, wie sie in der Bibel gelehrt wird, ist nicht willkürlicher Zwang oder unvermeidliches Schicksal, wie gewöhnlich von ihren Vertretern geglaubt und gelehrt wird, sondern eine Auswahl nach Tauglichkeit und Verwendbarkeit für das, was Gott nach seinem Ratschluss während des festgesetzten Zeitabschnittes vor hat.

Die Lehre von der freien Gnade, von den Arminianern vertreten, ist ebenfalls eine viel großartigere Entfaltung der überreichen Gnade Gottes, als ihre eifrigsten Vertreter je gelehrt haben. Gottes Gnade Gunst ist immer frei in dem Sinne, dass sie unverdient ist, aber seit dem Sündenfall bis auf die Gegenwart sind gewisse Gnaden Gottes auf besondere Personen, Völker und Klassen beschränkt gewesen, während im nächsten Zeitalter alle Welt eingeladen werden wird, die dann dargebotene Gnade unter den allen bekannt zu machenden Bedingungen zu teilen, und "Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst." - Offb. 22:17

Wenn wir zurückblicken, so gewahren wir die Wahl oder Erwählung eines Abraham und gewisser Nachkommen von ihm als Kanäle, durch welche der kommen sollte, der alle Geschlechter der Erde segnen soll, der verheißene Same. (Gal. 3:29) Wir sehen auch die Auswahl Israels aus allen anderen Völkern, als das eine Volk, an dem Gott vorbildlicherweise darstellte, wie das große Werk für und an der Welt vollbracht werden soll. Seine Befreiung aus Ägypten, sein Kanaan, seine Testamente (Bunde), seine Gesetze, seine Opfer für die Sünden, für das Hinwegnehmen der Schuld und zur Besprengung des Volkes und seine Priesterschaft, um dies alles auszuführen, das alles war ein Bild im kleinen und eine typische, vorbildliche Vorausdarstellung der wirklichen Priesterschaft und der wirklichen Opfer zur Reinigung der ganzen Menschenwelt. Von diesem Volke sprach Gott: "Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt." (Amos 3:2) Bis Christus kam, wurde dieses Volk allein erkannt; ja auch nachher noch, denn seine Amtstätigkeit war auf die Juden beschränkt, und auch seinen Jüngern erlaubte er nicht, anders zu handeln. Als er sie aussandte, sprach er zu ihnen: "Gehet nicht auf einen Weg der Nationen und gehet nicht in eine Stadt der Samariter." Warum, Herr? Derweil, erklärte er: "ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel." (Matth. 10:5, 6; 15:24) Seine ganze Zeit bis zum Tod war ihnen gewidmet, und da erst fand sein erstes Werk für die Welt statt, die erste Entfaltung seiner freien und allumfassenden Gnade, die in der Tat in "fest bestimmter Zeit" allen zum Segen gereichen soll.

Diese, Gottes größte Gabe, war auf kein Volk, auch auf keine Klassen beschränkt. Sie war nicht nur für Israel, sondern für die ganze Welt; denn Jesus Christus von Gottes Gnaden schmeckte den Tod für alle (Hebr. 2:9).

Und auch jetzt, im Zeitalter des Evangeliums, findet eine gewisse Art Wahl statt. Einige Teile der Welt sind mit dem Evangelium, das für alle, die es hören, frei und umsonst ist, mehr begnadigt als andere. Wirf einen Blick auf eine Landkarte und sieh, wie klein der Teil ist, der auch nur einigermaßen durch das Evangelium Christi erleuchtet oder gesegnet ist. Vergleiche dich selbst und deinen Vorzug und deine Erkenntnis mit den Millionen, die heute in heidnischer Finsternis stecken, die den Ruf nie hörten und folglich nie berufen waren. Wenn die herausberufen Schar (berufen, Söhne Gottes, Erben Gottes und Miterben Jesu Christi, unseres Herrn, zu sein, die ihre Berufung und Erwählung fest gemacht hat) vollzählig ist, dann wird der Plan Gottes zum Heil der Welt erst angefangen haben.

Nicht eher, als bis der Same ausgewählt, entwickelt und zur Macht erhöht ist, wird er der Schlange den Kopf zertreten. "Der Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter eure Füße zertreten." (Röm. 16:20; 1. Mose 3:15) Das christliche Zeitalter ist bestimmt, die keusche Jungfrau (die gläubige Kirche - die Braut) für den kommenden Bräutigam bereit zu machen. Und am Ende des Zeitalters, wenn "sein Weib sich bereitet" hat, kommt der Bräutigam, und, welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit (Offb. 19:7; Matth. 25:10). Der zweite Adam die zweite Eva werden eins, und dann beginnt das glorreiche Werk der Wiederherstellung. In der nächsten Heilszeitordnung, in den neuen Himmeln und der neuen Erde, ist die Kirche nicht länger die vertraute Jungfrau, sondern die vermählte Braut; und dann wird "der Geist und die Braut sprechen: Kommt! Und wer es höre, der spreche: Kommt! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme Wasser des Lebens umsonst." (2. Kor. 11:2; Offb. 22:17)

Das Zeitalter des Evangeliums, weit entfernt, das Ende der Mission der Kirche zu sein, ist nur die notwendige Vorbereitung für das große Werk der Zukunft. Nach diesem verheißenen Segen sehnet sich alle Kreatur und liegt in Geburtswehen bis jetzt, wartend auf die Offenbarung der Söhne Gottes (Röm. 8:22, 19). Und eine köstliche Gewissheit ist es, dass in unseres Vaters Plan nicht nur für die Lebenden, sondern ebenso wohl für die schon Verstorbenen im kommenden Zeitalter freie Gnade als segensreiche Gelegenheit im vollsten Masse vorgesehen ist.

Einige, die etwas von dem Segen, den sein zweites Kommen bringen soll, erkennen, und in etwas die Tatsache zu würdigen wissen, dass der Herr kommt, um die durch seinen Tod erworbenen Heilsgüter auszuteilen, können doch diesen letzten Satz noch nicht annehmen, nämlich: Dass die glorreiche Regierung des Messias die, welche in den Gräbern sind, ebenso sehr angehen wird als die, welche in jener Zeit weniger vollständig im Dienste der Vergänglichkeit, im Tode, versunken sein werden. Aber so gewiss Jesus für alle starb, so gewiss müssen sie alle die Güter und die Gelegenheit erhalten, die er durch sein eigenes, teures Blut erkauft hat. Folglich müssen wir im Millennium für alle, die in, wie für alle, die nicht in den Gräbern sind, Segnungen erwarten; und reichlichen Beweis werden wir hierüber finden, wenn wir weiter in das Zeugnis des Herrn blicken. Eben darum, weil ihre Erlösung in Gottes Plan beschlossen ist, werden die in den Gräbern "Gefangene der Hoffnung" genannt.

Nach ungefährer Schätzung haben während der sechstausend Jahre seit Adams Schöpfung etwa hundertdreiundvierzig Milliarden menschlicher Wesen in dieser Welt gelebt. Bei der allergünstigsten, irgendwie begründeten Annahme waren davon wohl kaum eine Milliarde Heilige Gottes. Diese übertriebene Schätzung lässt die ungeheure Zahl von hundertzweiundvierzig Milliarden (142.000.000.000) die ohne Glauben und Hoffnung in und auf den einzigen Namen unter dem Himmel, oder unter den Menschen, worin wir selig werden können, in Tod gegangen sind, übrig. Ja, die überwiegen Mehrheit derselben hat weder Jesum gekannt, noch von ihm gehört, konnte also nicht an ihn glauben, von dem sie nicht gehört hatte.

Was, fragen wir, ist aus dieser unermesslichen Menge geworden, von welchen die Zahlen nur einen ganz unvollkommenen Begriff geben? Was ist jetzt ihr Los, und was wird es demnächst sein? Hat Gott für sie, deren Zustand er vorausgesehen haben muss, keine Vorkehrungen getroffen? Oder hat er vor Grundlegung der Welt für ihre hoffnungslose, ewige Qual schreckliche und unbarmherzige Vorsorge getroffen, wie etliche seiner Kinder behaupten? Oder hat er in der Höhe und Tiefe, Länge und Breite seines Planes einen Weg für sie bereit, dass alle noch zur Erkenntnis dieses einzigen Namens gelangen und durch gehorsame Erfüllung der Bedingungen ewiges Leben genießen können?

Auf diese Fragen, die jeder nachdenkende Christ sich vorlegt und der Wahrheit gemäß und in Übereinstimmung mit dem Wesen Jehovas beantwortet zu sehen wünscht, erfolgen mannigfaltige Antworten:

Atheismus (Gottesleugnung) antwortet: Sie sind ewig tot; es gibt kein Leben nach diesem, sie werden nie wieder leben.

Calvinismus antwortet: Sie waren nicht erwählt, selig zu werden. Gott verordnete und bestimmte zuvor, sie sollten verloren gehen, zur Hölle fahren, und dort sind sie jetzt, in Schmerz sich krümmend, wo sie immer verbleiben werden, ohne Hoffnung.

Arminianismus antwortet: Wir glauben, dass Gott viele von ihnen um ihrer Unwissenheit willen entschuldigt. Wer nach seinem besten Wissen tat, was er konnte, wird gewiss ein Glied "der Gemeinde der Erstgeborenen" sein, selbst wenn er nie von Jesu gehört hätte.

Zu dieser letzten Ansicht neigt sich die große Mehrheit der Christen aller Konfessionen oder Bekenntnisse (wenn es auch nicht in ihren Glaubenskenntnissen steht), und zwar aus dem Gefühle entspringend, dass irgendeine andere Ansicht mit Gottes Gerechtigkeit unvereinbar wäre. Aber unterstützt die Schrift diese Ansicht? Lehrt sie, dass Unwissenheit ein Grund der Seligkeit ist? Nein; der einzige Grund der Seligkeit, von dem die Schrift redet, ist der Glaube an Christum als unseren Erlöser und Herrn. "Durch die Gnade seid ihr errettet mittels des Glaubens." (Eph. 2:8) Rechtfertigung vermittels des Glaubens ist der Felsengrund des ganzen Gebäudes der christlichen Lehre. Wenn gefragt: Was muss ich tun, um errettet zu werden? antworten die Apostel: Glaubet an den Herrn Jesum Christum. "Es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen" (Apg. 4:12); "denn jeder, der irgend den Namen des Herrn wird anrufen, wird errettet werden." (Röm. 10:13).

Paulus urteilt aber, dass ein Mensch erst das Evangelium hören muss, ehe er glauben kann, wenn er sagt: "Wie sollen sie nun den anrufen, an welchen sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, von welchem sie nichts gehört haben?" (Röm. 10:14)

Manche behaupten, Paulus lehre, dass Unwissenheit die Menschen retten würde, wenn er sagt, dass "die Heiden, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz sind" (Röm. 2:14). Sie schließen daraus, dass das Gesetz, das ihnen ihr Gewissen gibt, genüge, um sie zu rechtfertigen. Aber das ist ein arges Missverständnis. Paulus will hier gerade beweisen, dass alle Welt vor Gott schuldig sei (Röm. 3:19); das die Heiden, die das geschriebene Gesetz nicht hatten, durch das Licht des Gewissens verurteilt, aber nicht gerecht gesprochen wurden; ob es sie nun entschuldige oder anklage, es beweise, dass sie Vollkommenheit nicht erreicht und des Lebens nicht wert seien, gerade wie die Juden durch das geschriebene Gesetz, das sie hatten, verurteilt wurden, - "denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde" (Röm. 3:20). Das dem Juden gegebene Gesetz offenbarte seine Schwachheit und hatte den Zweck, ihm zu zeigen, dass er unfähig sei, sich selbst zu rechtfertigen; "denn aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm (Gott) gerechtfertigt werden". Das geschriebene Gesetz verurteilte die Juden; und die Heiden (Nationen) besaßen genug Licht des Gewissens, um sie zu verurteilen; und so ist aller Mund verstopft, das Recht zum Leben etwa zu fordern, und alle Welt ist vor Gott schuldig.

Wenn wir Jakobus Ausspruch betrachten (Jak. 2:10), dass "so jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der ist es ganz schuldig," und hat keinen Anspruch auf die von dem Gesetzesbund verheißenen Segnungen, so wird uns klar werden, dass wahrlich "da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer". (Röm. 3:10) Und so schließt die Schrift alle Hoffnungstüren, bis auf eine, zu. Sie zeigt, dass nicht einer der Verurteilten fähig ist, durch verdienstvolle Werke sich das ewige Leben zu sichern, und dass es gleich nutzlos ist, Unwissenheit als Grund des Heils geltend zu machen. Unwissenheit kann niemandem auf den Lohn des Glaubens und Gehorsams Anspruch geben.

Viele Christen, die nicht glauben mögen, dass so viele Millionen unwissender Kinder und Heiden ewig verloren sein sollen (und das, wie sie gelehrt wurden, an einem Ort ewiger und hoffnungsloser (Qual), bestehen trotz dieser Bibelaussagen darauf, dass Gott die Unwissenden nicht verurteilen wird. Wir bewundern ihre Weitherzigkeit und ihre Anerkennung der Güte Gottes, aber dringen in sie, nicht zu voreilig mit dem Verwerfen oder Außerachtlassen von Bibelaussagen zu sein. Gott hat ein Heil für alle, aber auf bessere Art und Weise, als durch Unwissenheit.

Aber handeln die Genannten auch nach dem, was sie gewissermaßen glauben? Nein? Obwohl sie zu glauben bekennen, dass der Unwissende um seiner Unwissenheit willen selig werden wird, fahren sie fort, unter Daranwendung von tausend wertvollen Leben und Millionen an Geld, Missionare zu den Heiden zu senden. Wenn sie alle oder nur die Hälfte von ihnen durch Unwissenheit selig werden, so fügt ihnen ja wirklichen Schaden zu, wenn man Missionare aussendet, die sie über Christum belehren sollen; denn ungefähr nur einer aus tausend glaubt, wenn Missionare zu ihnen kommen. Wenn diese Meinung richtig wäre, so würde es viel besser sein, sie in Unwissenheit zu lassen; denn dann würde ein viel größerer Teil selig werden. Könnten wir, bei weiterer Verfolgung dieses Gedankenganges, dann nicht schließen, dass alle Menschen selig geworden wären, wenn sie alle von Gott in Unwissenheit gelassen worden wären? Wenn das aber der Fall wäre, so wäre auch das Kommen und Sterben Jesu nutzlos, und das Predigen und Leiden der Apostel und Heiligen umsonst, und das sogenannte Evangelium statt gute Botschaft, sehr böse Botschaft. Für die, welche die calvinistische Ansicht (über Vorherbestimmung) glauben, ist es noch ungereimter und unvernünftiger, Missionare auszusenden.

Aber die Bibel, die voll von Missionsgeist ist, lehrt nicht, dass es mehrere Wege zur Seligkeit gibt, einen Weg durch den Glauben, einen anderen durch Unwissenheit. Noch lehrt sie die Gott unwürdige Lehre der unbedingten Vorherbestimmung. Während sie jegliches andere Hoffnungstor für das menschliche Geschlecht verschlossen zeigt, wirft sie die einzige Tür weit auf und verkündet, dass, wer auch immer will, zum Leben eingehen mag, und zeigt, dass alle, welche jetzt die selige Gelegenheit, einzugehen, nicht sehen oder würdigen, in fest bestimmter Zeit zur vollen Erkenntnis und zum Verständnis derselben gebracht werden sollen. Der einzige Weg, durch welchen einer wie alle des verurteilten Geschlechtes zu Gott kommen mögen, ist nicht durch verdienstvolle Werke, noch durch Unwissenheit, sondern durch den Glauben an das teure Blut Christi, das da wegnimmt die Sünde der Welt (1. Petr. 1:19; Joh. 1:29). Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft großer Freude, "die allem Volke widerfahren wird".

Lasst uns nun einmal diese Dinge betrachten, gerade wie Gott davon redet, und die Rettung seines Charakters ihm selbst überlassen. Lasst uns fragen, was ist aus den hundertzweiundvierzig Milliarden geworden? Was auch immer aus ihnen geworden sein mag, darüber können wir sicher sein, dass sie jetzt nicht in einem Zustand der Qual sind weil die Schrift nicht nur lehrt, dass der Kirche ihr voller und ganzer Lohn erst mit Christi Kommen zuteil werden wird, sondern auch, dass die Ungerechten dann erst ihre Strafe erhalten sollen, da er alsdann einem jeglichen vergelten wird nach seinen Werken (Matth. 16:27). Was ihr gegenwärtiger Zustand auch sei, ihr voller Lohn kann es nicht sein, denn Petrus sagt: "Der Herr weiß ... die Ungerechten aber aufzubewahren auf den Tag des Gerichts, um bestraft zu werden" (2. Petr. 2:9), und das wird er auch tun.

Aber der Gedanke, dass so viele unserer Mitgeschöpfe je verloren sein sollten, weil sie die zum Heil nötige Erkenntnis nicht gehabt haben, ist für jeden, der noch einen Funken Liebe und Mitleid hat, wahrhaftig schrecklich. Zudem gibt es auch eine ganze Reihe von Schriftstellen, die sich mit all diesen unmöglich in Harmonie bringen lassen. Lasst uns sehen. Wenn wir annehmen, dass dieses Leben die einzige Heilszeit ist (alle Hoffnung einer Wiederherstellung im kommenden Zeitalter beiseite lassend), wie sollen wir dann im Licht der Vergangenheit und Gegenwart die Aussagen verstehen: "Gott ist die Liebe" und "also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden"? (1. Joh. 4:8; Joh. 3:16) Sollte man nicht meinen, dass Gott, wenn er die Welt so sehr liebte, nicht allein Vorkehrungen getroffen haben könnte, dass die Gläubigen selig würden, sondern auch, dass alle hätten hören können, um glauben zu können?

Ferner, wenn wir lesen: "Das war das wahrhaftige Licht, welches jeden in die Welt kommenden Menschen erleuchtet" (Joh. 1:9), so sagt uns unsere Beobachtung, nein, nicht jedermann ist erleuchtet worden. Soviel wir sehen können, hat Jesus kaum einige der Milliarden der Erde erleuchtet. Selbst in diesen aufgeklärten Tagen ist bei Millionen Heiden kein Anzeichen solcher Aufklärung zu finden, so wenig wie bei den Sodomitern und vielen anderen in den verflossenen Zeitaltern.

Wir lesen, dass Jesus Christus durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte (Hebr. 2:9). Aber wenn er für die hundertdreiundvierzig Milliarden den Tod schmeckte, und derselbe aus anderen Ursachen nur für eine Milliarde wirksam wurde, war die Erlösung dann nicht verhältnismäßig ein Fehlschlag und die obige Aussage des Apostels viel zu hoch? Und wenn wir ferner lesen: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird" (Luk. 2:10), und um uns herum gewahren wir, dass es nur einer "kleinen Herde" und nicht allem Volk eine frohe Botschaft gewesen ist, könnte uns das nicht zweifelnd machen, ob die Engel die Güte und Breite ihrer Botschaft nicht etwa vergrößert und die Bedeutung des Werkes, das der von ihnen angekündigte Messias hinausführen sollte, zu hoch veranschlagt haben?

Noch ein anderes Bibelwort lautet: "Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab zum entsprechenden Kaufpreis für alle." (1. Tim. 2:5, 6) Ein Kaufpreis für alle? Warum sollten dann nicht alle vom Tode Christi etwas Nutzen haben? Warum sollten nicht alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, damit sie glauben können, wenn wollen?

Ohne den Schlüssel, wie dunkel, wie unvereinbar erscheinen diese Aussagen; aber wenn wir den Schlüssel zu Gottes Plan finden, dann erklären alle diese Stellen mit einer Stimme: "Gott ist die Liebe." Dieser Schlüssel ist im letzten Teil der angeführten Stelle zu finden: "Der sich selbst gab zum entsprechenden Kaufpreis für alle, dass solches zu seiner Zeit (zur bestimmten Zeit) gepredigt würde." Gott hat für alles eine fest bestimmte Zeit. Er hätte es diesen allen in ihrer vergangenen Lebenszeit bezeugen können; aber da er es nicht tat, so beweist das, dass ihre bestimmte Zeit noch zukünftig ist. Für diejenigen, welche zur Kirche, seiner Braut, gehören und die Ehren des Himmelsreiches teilen werden, bedeutet die Gegenwart die "bestimmte Zeit", zu hören; und wer jetzt ein Ohr hat, zu hören, den lass hören und acht haben, und je nachdem wird er gesegnet werden. Obgleich Jesus unser Lösegeld bezahlte, lange ehe wir geboren waren, so war doch unsere "fest bestimmte Zeit", es zu hören, erst lange darnach; und nur unser Verständnis desselben machte uns verantwortlich; und das auch nur so weit, als unsere Fähigkeit und unsere Erkenntnis reichten. Derselbe Grundsatz ist auf alle anwendbar; in Gottes fest bestimmter Zeit wird es allen bezeugt werden, und allen wird es dann, wenn sie wollen, möglich sein, zu glauben und dadurch gesegnet zu werden.

Die vorherrschende Meinung ist, dass mit dem Tod alle Probezeit endet; aber es gibt keine Schriftstelle, die das lehrt; und alle oben angeführten Schriftstellen, und viele mehr, würden bedeutungslos oder schlimmer sein, wenn der Tod das Ende jeglicher Hoffnung für die unwissenden Massen der Welt wäre. Die eine Schriftstelle, die man anführt, um diese allgemein festgehaltene Ansicht zu beweisen, ist: "Wo der Baum fällt, da bleibt er liegen." (Pred. 11:3). Wenn dies irgendeine Beziehung auf des Menschen Zukunft hat, so zeigt es nur, dass mit ihm, in welchem Zustand er auch in das Grab sinkt, keine Veränderung stattfindet, bis er wieder aus demselben auferweckt wird. Und das ist das einförmige Zeugnis aller Schriftstellen, die von dieser Sache handeln, wie in folgenden Kapiteln gezeigt werden wird. Da nicht vor hat, den Menschen um seiner Unwissenheit willen selig zu machen, sondern will, "dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (1. Tim. 2:4), und da die Masse der Menschheit in Unwissenheit starb und in der Hölle (Scheol, Grab), da du hinfährst, weder Tun, noch Überlegung noch Kenntnis, noch Weisheit ist (Pred. 9:10), darum hat Gott für die Auferweckung der Toten Versorge getroffen, um sie zur Erkenntnis, und, wenn sie wollen, zum Glauben und zur Errettung zu bringen. Es ist folglich dies sein Plan: Wie "in Adam alle sterben, also werden sie auch in Christo alle lebendig gemacht werden." Jeder aber in seiner Ordnung, die christliche Kirche, die Braut, der Leib Christi, zuerst; darnach, während des Millenniums, alle, welche sein Eigentum werden, während jener tausend Jahre seiner Gegenwart (unrichtig durch Kommen übersetzt), da alle, vom Kleinsten bis zum Größten, ihn erkennen sollen (1. Kor. 15:22).

Wie der Tod durch den ersten Adam kam, so kommt das Leben durch Christum, den zweiten Adam. Alles, was die Menschheit dadurch, dass sie in dem ersten Adam war, verlor, wird durch den zweiten Adam für alle, die an ihn glauben, wiederhergestellt werden. Wenn sie zum Leben wiedergebracht sind, die Erfahrung des Bösen, ein Vorteil, den Adam nicht hatte, hinter sich haben, und die Erlösung als Gottes Gabe dankbar annehmen, so können sie unter der ursprünglichen Bedingung des Gehorsams gegen Gott ewig fortleben. Unter der gerechten Regierung des Friedensfürsten wird vollkommener Gehorsam gefordert, aber auch vollkommene Fähigkeit dazu gegeben werden. Hierin besteht das der Welt zugesicherte Heil.

Lasst uns nun einen anderen Text betrachten, der gewöhnlich, außer von Universalisten, (Leute, die an die schließliche Seligkeit aller Menschen glauben) ignoriert wird. Obwohl wir nun keine Universalisten sind, so beanspruchen wir doch das Recht des Gebrauches jedes Zeugnisses des Wortes Gottes, ihm glauben und uns desselben erfreuen zu dürfen. Es lautet: "Weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen der ein Erretter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen." (1. Tim. 4:10) Gott wird alle Menschen erretten, jedoch nur diejenigen wird er sonderlich ("völlig", "bis zum Ende") retten, welche durch Christum zu ihm kommen. Die in Gottes Willen beschlossene Errettung aller Menschen ist keine solche, die mit ihrer Willensfreiheit oder ihrer Freiheit der Wahl in Konflikt gerät, so dass er ihnen gegen ihren Willen Leben schenkt. "Das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch! So erwähle das Leben, auf dass du lebest." (5. Mose 30:19)

Simeon stellte diese beiden Errettungen einander gegenüber, als er sagte: "Meine Augen haben dein Heil (Errettung) gesehen ... ein Licht zur Offenbarung (Erleuchtung) der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel." - wahrer Israeliten. Dies steht im Einklang mit der Aussage des Apostels, dass die Tatsache, dass der Mittler Jesus Christus sich selbst zum Lösegeld für alle gab, zu seiner Zeit allen bezeugt werden soll. Das ist es, was zu allen kommen soll. Diese gute Botschaft von einem Heiland (Erretter) soll allem Volke widerfahren (Luk. 2:10, 11), aber die besondere Errettung von Sünde und Tod wird nur zu seinem Volk kommen (Matth. 1:21), zu denen, die an ihn glauben, denn wir lesen, dass der Zorn Gottes auf den Ungläubigen lasten bleibt (Joh. 3:36).

Wir sehen also, dass die allgemeine Errettung, die jeder einzelne erfahren soll, darin besteht, mit dem wahrhaftigen Lichte erleuchtet zu werden und Gelegenheit zu erhalten, das Leben zu wählen; und da die große Mehrzahl des Geschlechtes im Grabe liegt, so ist es notwendig, alle aus demselben zu bringen, damit jedem die gute Botschaft von einem Heiland bezeugt werden kann. Ebenfalls sehen wir, dass die besondere Errettung, welche jetzt die Gläubigen in der Hoffnung genießen (Röm. 8:23, 24), und deren Verwirklichung im Millennium denen, "welche jenem an Tage glauben", gleichfalls geoffenbart werden wird, in der völligen Befreiung von der Knechtschaft der Sünde und vom Verderben des Todes zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes besteht. Aber das Erreichen aller dieser Segnungen hängt von der Unterwerfung des Herzens eines jeden unter die Gesetze des Königreiches Christi ab. Die Schnelligkeit, mit welcher sie Vollkommenheit erreichen, zeigt den Grad ihrer Liebe und ihres Gehorsams gegen den König und sein Gesetz an. Wenn irgendwelche, die durch Wahrheit erleuchtet sind und zur Erkenntnis der Liebe Gottes gekommen und zu menschlicher Vollkommenheit (sei es tatsächlicher - oder gerechneterweise) wiederhergestellt worden waren, dann furchtsam werden und sich "zurückziehen" (Hebr. 10:38, 39), so werden sie mit den "Ungläubigen" (Offb. 21:8) aus dem Volke vertilgt werden (Apg. 3:23). Das ist der zweite Tod.

So sehen wir, dass alle bisher schwierigen Stellen durch die Aussage klar werden: "Dass solches zu seiner Zeit gepredigt werde." In fest bestimmter Zeit soll es gute Botschaft großer Freude allem Volke sein. In fest bestimmter Zeit wird "das wahrhaftige Licht alle Menschen erleuchten, die in diese Welt kommen." Und auf keine andere Weise können diese Schriftstellen angewandt werden, ohne sie zu verdrehen. Paulus führt diesen Gedankengang mit großem Nachdruck in Römer 5:18, 19 aus. Er folgert: Wie alle Menschen um Adams Übertretung willen zum Tode verurteilt wurden, so wurde auch Christi Gerechtigkeit und Gehorsam bis zum Tode für alle ein Grund der Rechtfertigung, um dessentwillen sie alle wieder, wenn sie wollen, leben können; so dass, wie alle im ersten Adam das Leben verloren, nun alle, abgesehen von ihrem persönlichen Unwert, durch Annahme des zweiten Adam, das Leben wiedererhalten könne.

Petrus sagt uns, dass durch den Mund aller heiligen Propheten von dieser Wiederherstellung geredet worden sei. (Apg. 3:19-21) So ist es; sie alle lehren dieselbe. Hesekiel spricht von dem Feld voller verdorrter Beine. "Die Beine sind das ganze Haus Israel." Und Gott spricht zu Israel: "Siehe, ich werde eure Gräber öffnen und euch aus euren Gräbern heraufkommen lassen, mein Volk, und werde euch in das Land Israel bringen. Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch aus euren Gräbern heraufkommen lasse, mein Volk. Und ich werde meinen Geist in euch geben, dass ihr lebet, und werde euch in euer Land setzen. Und ihr werdet wissen, dass ich, Jehova, geredet und es getan habe, spricht Jehova." (Hes. 37:11-14)

Damit stimmen Apostel Paulus Worte überein (Röm. 11:25, 26): "Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis dass die Vollzahl der Nationen (die auserwählte Schar, die Braut Christi) eingegangen sein wird; und also wird ganz Israel errettet werden", oder aus dem Zustand des Verworfenseins zurückgebracht werden. "Denn Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat." (Vers 11:2). Es war, während die Braut Christi auserlesen wurde, von seiner Gnade abgeschnitten, aber es wird wieder zur Gnade zurückkehren, wenn dieses Werk vollendet ist (Vers 11:28-33). Die Propheten beschrieben in großem Masse, wie Gott die Juden wieder einpflanzen wird, um nie wieder ausgerissen zuwerden. "So spricht Jehova, der Gott Israels ... ich will sie gnädiglich ansehen und will sie in das Land bringen; und will sie bauen, und nicht brechen; ich will sie pflanzen und nicht ausreißen; und will ihnen ein Herz geben, dass sie mich kennen sollen, dass ich Jehova sei. Und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein: denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren." Das kann sich nicht einfach auf Wiederherstellungen aus früheren Gefangenschaften in Babylon, Syrien usw. beziehen, denn sie sind ja seitdem wieder ausgerottet worden (Jer. 24:5-7; 31:28; 32:40-42; 33:6-18).

Weiter noch, der Herr sagt: "In jenen Tagen wird man nicht mehr sagen: Die Väter haben Herlinge (Sünde und Verdorbenheit) gegessen, und die Zähne der Söhne sind stumpf geworden (Sünde und Verdorbenheit ist auf sie übergegangen Röm. 5:12); sondern ein jeder (der stirbt) wird für seine Missetat sterben." (Jer. 31:29, 30) Das ist jetzt nicht der Fall; sonst wäre dieses Wort ganz ohne Sinn. Jetzt stirbt nicht jeder für seine eigene Sünde, sondern für Adams - "In Adam sterben alle." Er aß die Herlinge der Sünde, und unsere Väter fuhren fort, sie zu essen, immer mehr Krankheit und Elend auf ihre Kinder bringend, und so die Strafe der Sünde - den Tod - beschleunigend. Der Tag, an dem jedermann (der da stirbt) nur für seine eigene Sünde sterben wird, ist der Tag des Millenniums oder der Wiederherstellung.

Wenn auch viele der Prophezeiungen und Verheißungen für die Zukunft nur auf Israel zu gehen scheinen, so muss man doch bedenken, dass es ein vorbildliches Volk war und dass daher die ihm geschenkten Verheißungen, wenn sie auch öfter auf dasselbe eine besondere Anwendung hatten, doch in der Regel eine weitere Anwendung auf die Welt, die es nur vorbildete, finden. Während Israel, als Volk, für die ganze Welt vorbildlich war, war seine Priesterschaft für die erwählte "kleine Herde", für Haupt und Leib Christi, das "königliche Priestertum" vorbildlich; und die Opfer, die Reinigungen, die Versöhnung, die für sie verrichtet wurden, bildeten die "besseren Opfer" die völligen Reinigungen und die wirkliche Versöhnung "für die Sünde der ganzen Welt" ab.

Und nicht allein das, sondern Gott nennt auch andere Völker im Zusammenhang mit Israels Wiederherstellung bei Namen. Als ein überzeugendes Beispiel erwähnen wir die Sodomiter. Wenn wir die Wiederherstellung der Sodomiter klar und deutlich gelehrt finden, so können wir sicherlich betreffs der Wahrheit dieser herrlichen Wiederherstellungslehre für die ganze Menschheit, von welcher der Mund aller heiligen Propheten geredet hat, ganz getrost sein. Und warum sollten denn die Sodomiter nicht geradeso gut wie Israel oder einer von uns die Gelegenheit haben, Vollkommenheit und ewiges Leben zu erreichen? Es ist wahr, sie waren nicht gerecht, aber ebenso wenig war es Israel, noch waren wir es, die das Evangelium jetzt hören. "Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer", abgesehen von der zugerechneten Gerechtigkeit Christi, der für alle starb. Jesu eigene Worte sagen uns, dass die Sodomiter in seinen Augen nicht so große Sünder waren als die Juden, die mehr Erkenntnis hatten, trotzdem, Gott Feuer vom Himmel regnen ließ und sie alle umbrachte (1. Mose 19:24; Luk. 17:29). Zu den Juden von Kapernaum sprach er: "Denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag." - Matth. 11:23

Damit lehrte Jesus, dass die Sodomiter noch keine volle Heilsgelegenheit gehabt haben; er sichert ihnen aber solche zu, wenn er (Vers 24) hinzufügt: "Dem Sodomiter Lande wird es erträglicher ergehen am des Gerichts als dir." Was das für ein Tag sein wird, und was an demselben geschehen soll, wird auf den nachfolgenden Seiten gezeigt werden; hier machen nur darauf aufmerksam, dass es für Kapernaum eine erträgliche Zeit sein wird und erträglicher für Sodom, weil, obgleich keins von beiden eine Erkenntnis gehabt, noch auch beide alle Segnungen, die durch "den Samen" kommen sollen, gekostet haben, Kapernaum doch gegen größeres Licht gesündigt hatte.

Und wenn Kapernaums und ganz Israels gedacht wird, und sie unter dem mit Jesu Blut versiegelten "Neuen Bund" gesegnet werden sollen, warum sollen unter "allen Geschlechtern der Erde" nicht auch die Sodomiter gesegnet werden? Ganz gewiss werden sie es Und lasst uns nicht vergessen, da Gott "Feuer Schwefel vom Himmel" regnen ließ und sie alle, viele Jahrhunderte vor Jesu Zeit, umbrachte, dass dann von ihrer Wiederherstellung geredet wird ihr Kommen aus dem Grabe inbegriffen sein muss.

Lasst uns nun die Prophezeiung (Hes. 16:48-63) untersuchen. Lies sie sorgfältig. Gott spricht hier von Israel und vergleicht es mit seiner Nachbarin, Samaria, und gleichfalls mit den Sodomitern, von denen er sagt: "Ich habe sie weggetan, da ich begann hinein zu sehen." (es also für gut befand - engl. Übers.) Weder Jesus noch der Prophet gibt irgendeine Erklärung über diese scheinbare Parteilichkeit in Gottes Handlungsweise, da er Sodom zerstört und andere, Schuldigere als Sodom, ungestraft ausgehen lässt. Doch das wird alles deutlich werden, wenn in "fest bestimmter Zeit" seine großen Zwecke kund und offenbar gemacht werden. Der Prophet gibt nur einfach an, dass es Gott zu tun für gut befand, und Jesus fügt hinzu, dass es für sie am Tage des Gerichts erträglicher sein wird als anderen Schuldigeren. Aber bei der Annahme, dass mit dem Tode jede Probezeit endet und dass danach keiner eine Gelegenheit haben kann, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen und ihr zu gehorchen, müssen wir da nicht fragen: Warum fand es Gott für gut, dieses Volk hinweg zunehmen, ohne ihm durch die Erkenntnis des einzigen Namens, durch welchen wir können selig werden, die Möglichkeit des Heils dargeboten zu haben? Die Antwort ist, weil es noch nicht die für sie bestimmte Zeit war. In "fest bestimmter Zeit" werden sie vom Tode erweckt, zur Erkenntnis der Wahrheit gebracht und so durch den verheißenen "Samen" mit allen Geschlechtern der Erde gesegnet werden. Dann werden sie fürs ewige Leben auf die Probe gestellt werden.

Mit diesem Gedanken, und mit keinem anderen, können wir die Handlungsweise Gottes, als des Gottes der Liebe, verstehen, wie er mit den Amalekitern und anderen Nationen verfuhr, die auszurotten er nicht nur zuließ, sondern Israel geradezu befahl, da er sagte: "Ziehe nun hin, schlage die Amalekiter und verbanne sie mit allem, was sie haben. Schone ihrer nicht, sondern töte beide, Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Schafe, Kamele und Esel." (1. Sam. 15:3). Diese augenscheinlich rücksichtslose Zerstörung von Leben erscheint unvereinbar mit der Gott zugeschriebenen Eigenschaft der Liebe und mit der Lehre Jesu, "lie­bet eure Feinde" usw., bis wir zu der Einsicht kommen, dass Gottes Plan ein wissenschaftlich geordneter ist, dass es eine fest bestimmte Zeit zur Hinausführung eines jeden Teiles desselben gibt, und dass jedes Glied der menschlichen Gesellschaft in der Tat seine Stelle darin finden wird.

Wir können nun sehen, dass diese Amalekiter, Sodomiter und andere als Beispiele von Gottes gerechtem Unwillen hingestellt worden sind, um seinen Entschluss, die Missetäter schließlich gänzlich zu vernichten, zu veranschaulichen; ein Beispiel, das nicht nur anderen, sondern auch ihnen selbst nützen wird, wenn ihr Gerichts- oder Prüfungstag kommt. Diese Völker möchten geradeso gut so sterben, als durch Seuchen und Plagen; es war für sie von wenig Bedeutung, da sie jetzt einzig und allein Böses kennen lernen sollten, damit sie, zur fest bestimmten Zeit auf die Probe gestellt, Gerechtigkeit oder Rechtschaffenheit lernen könnten und fähig würden, zwischen Gutem und Bösen zu wählen.

Doch lasst uns die Weissagung noch weiter untersuchen. Nachdem der Herr Israel mit Sodom und Samaria verglichen und Israel als am meisten zu tadeln hingestellt hat (Hes. 16:48-54), spricht er: "Ich werde ihre Gefangenschaft wenden, die Gefangenschaft Sodoms und ihrer Töchter und die Gefangenschaft Samarias und ihrer Töchter, und die Gefangenschaft deiner Gefangenen in ihrer Mitte." Die Gefangenschaft, auf die hier Bezug genommen wird, kann keine andere sein, als die Gefangenschaft im Tode, denn ein Teil der Genannten (die Sodomiter gewiss alle) war damals tot. Alle sind im Tode Gefangene, und Christus kommt, "Freiheit auszurufen den Gegangenen und Öffnung des Kerkers (Grabes) den Gebundenen." (Jes. 61:1; Sach. 9:11). In Hesekiel 16:55 wird dies ein "Zurückkehren zu ihrem früheren Stand", eine "Wiederherstellung" genannt.

Es gibt Leute, die ganz gern willens sind, Gottes Barmherzigkeit durch Christum bei der Vergebung ihrer eigenen Übertretungen und Schwachheiten unter größerem Licht und reicherer Erkenntnis anzunehmen, die aber nicht begreifen können, dass die gleiche Gnade unter dem neuen Bunde auch auf andere anwendbar ist, obwohl sie die Aussage des Apostels zuzugeben scheinen, dass Jesus Christus durch Gottes Gnade den Tod schmeckte für jedermann. Etliche unter ihnen kommen auf den Einfall, dass der Herr in dieser Prophezeiung zu den Juden ironisch, spöttisch rede, indem sie in die Worte hineinlegen, dass er ebenso wohl willens sei, die Sodomiter, wie sie, zurückzubringen, nämlich keines von beiden vorhabe. Lasst uns aber sehen, wie diese Idee mit den folgenden Worten stimmt. Der Herr sagt: "Ich will aber gedenken an meinen Bund, den ich mit dir gemacht habe zur Zeit deiner Jugend, und will mit dir einen ewigen Bund aufrichten. Da wirst du an deine Wege gedenken und dich schämen, wenn du deine große und kleine Schwester zu dir nehmen wirst ... Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, dass du erfahren sollst, dass ich der Herr sei, und dass du daran gedenkest und dich schämest und vor Schande nicht mehr deinen Mund auftun dürftest, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr." Wenn eine Verheißung von dem großen Jehova auf diese Weise unterzeichnet ist, so können alle, die "Gott ist wahrhaftig" auf ihr Siegel schreiben, mit Zuversicht auf ihre sichere Erfüllung sich freuen, besonders diejenigen, die erkennen, dass diese Heilsgüter des Neuen Bundes von Gott in Christo bestätigt worden sind, dessen teures Blut den Bund besiegeln wird.

Paulus bezeugt dasselbe, indem er sagt: "Und also wird ganz Israel (das lebende und gestorbene) (von seiner Verblendung) errettet werden, wie geschrieben steht: "Es wird aus Zion der Erretter kommen, und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und dies ist für sie mein Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde." ... hinsichtlich der Auswahl sind sie Geliebte, um der Väter willen; denn die Gnadengaben und Berufungen Gottes sind unbereubar." (Röm. 11:26-29)

Wir brauchen uns nicht zu verwundern, dass Juden, wie Sodomiter, Samariter und die ganze Menschheit sich schämen und verwirrt sein werden, wenn Gott zur "eignen, rechten Zeit" den Reichtum seiner Gnade erzeigt. Ja, viele von denen, die jetzt Gottes Kinder sind, werden erstaunt und verwirrt sein, wenn sie sehen, wie sehr Gott die Welt geliebt, und wie viel höher seine Gedanken und sein Plan waren, als ihre eigene Gedanken.

Christliche Menschen glauben im Allgemeinen, dass Gottes Segnungen ganz allein nur für die auserwählte Kirche bestimmt seien, wir aber fangen an, zu erkennen, dass Gottes Plan umfassender ist, als wir früher angenommen hatten, und obgleich er der Kirche "die größten und kostbarsten Verheißungen" gegeben hat, er doch auch für die Welt, die er so geliebt, dass er sie erlöste, reichliche Vorsorge getroffen hat. Die Juden begingen einen ganz ähnlichen Fehler, indem sie annahmen, dass alle Verheißungen Gottes für sie und für sie allein seien, aber als die "rechte Zeit" kam, und die Heiden begnadigt wurden, da teilten die Übergebliebenen (der Rest) Israels, deren Herzen weit genug waren, sich dieses umfassenderen Beweises der Gnade Gottes zu erfreuen, die vermehrte Gnade, und "die anderen sind verstockt", d.h. sie wurden durch Vorurteil und Überlieferung verblendet. Möchten die Glieder der Kirche, die jetzt das strahlende Licht des Millenniums-Zeitalters mit seinem Gnadenreichtum für alle Welt anbrechen sehen, darauf achten, dass sie nicht in Widerspruch gegen das fortschreitende Licht stehen und so eine Zeitlang seiner Herrlichkeit und Seligkeit gegenüber verblendet werden.

Wie verschieden ist dieser glorreiche Plan Gottes, dass er jetzt wenige auserwählt, um nachher die Vielen zu segnen, von den Entstellungen dieser Wahrheit, wie sie von den beiden sich entgegenstehenden Ansichten des Calvinismus und Arminianismus vertreten werden. Der Erstere leugnet nicht nur die Lehre der Bibel von einer freien Gnade, sondern entstellt auch die herrliche Lehre von der Erwählung. Der Letztere leugnet die Lehre von der Erwählung und ist nicht imstande die Segensfülle der freien Gnade Gottes zu begreifen.

Calvinismus sagt: Gott ist allweise; er kannte das Ende von Anfang an; und da all sein Vorhaben hinausgeführt wird, so konnte er nie die Absicht gehabt haben, mehr als nur eine kleine Zahl, die Kirche nämlich, selig zu machen. Diese erwählte er und verordnete zuvor, dass sie sollten selig werden; alle anderen waren auch verordnet und erwählt, aber um in die ewige Qual zu gehen, denn "Gott sind alle seine Werke bewusst von der Welt her".

Diese Ansicht hat ihre guten Seiten. Sie erkennt Gottes Allwissenheit an. Und das würde unser Ideal von einem großen Gott sein, wenn nicht die Tatsache bestünde, dass zwei wesentliche Eigenschaften wahrer Größe, nämlich Liebe und Gerechtigkeit, fehlten. Keine dieser beiden sind darin zu erkennen, dass hundertzweiundvierzig Milliarden menschlicher Wesen zur Welt kamen, die, noch ehe sie geboren wurden, zur ewigen Qual verdammt waren und dabei noch durch feierliche Erklärungen seiner Liebe getäuscht wurden. Da Gott die Liebe ist und Gerechtigkeit seines Thrones Festung, so kann das nicht sein Charakter sein.

Arminianismus sagt: "Ja, Gott ist die Liebe, und indem er die Menschheit in die Welt kommen ließ, hatte er für sie nichts Schlimmes, sondern nur Gutes im Auge. Aber es gelang Satan, das erste Paar zu versuchen, und so kam die Sünde in die Welt und der Tod durch die Sünde. Und seither hat Gott sein Bestes versucht, den Menschen aus seines Feindes Hand zu befreien, hat sogar seinen Sohn gegeben. Und dennoch, nach sechstausend Jahren hat die frohe Botschaft nur einen sehr kleinen Teil der Menschheit erreicht; aber noch hoffen und vertrauen wir, dass Gott durch die Kraftentfaltung und Freigebigkeit der Kirche in weiteren sechstausend Jahren das von Satan hereingebrachte Böse so weit ausgebessert haben wird, dass wenigstens alle, die dann leben seine Liebe erkennen und die Möglichkeit haben, zu glauben und selig zu werden."

Während nach dieser Ansicht Gott dargestellt wird als ein Wesen voll liebreicher und wohlwollender Absichten für seine Kreaturen, so schließt sie dagegen ein, dass ihm die zur Ausführung seiner wohlwollenden Absichten nötige Fähigkeit und das Vorherwissen des Ausganges abgeht; dass es ihm an Weisheit und Macht mangelt. Bei dieser Ansicht möchte es scheinen, dass, während Gott beschäftigt war, das Beste seiner neu erschaffenen Kinder anzuordnen und auszudenken, Satan hereinschlich und zu einem Meisterstreich Gottes ganzen Plan in solchem Grade umstieß, dass Gott, unter Anwendung all seiner Macht, zwölftausend Jahre brauchte, um wenigsten insoweit Gerechtigkeit wiederherzustellen, dass der Überbleibsel des dann noch lebenden Geschlechtes die Möglichkeit haben würde, zwischen Gutem und Bösem zu wählen. Aber die hundertzweiundvierzig Milliarden der vergangenen sechstausend Jahre, und ebenso viele mehr der nächsten, sind trotz der Liebe Gottes für sie, in alle Ewigkeit verloren, weil Satan sich in seinen Plan einmischte. So nimmt man an, dass Satan Tausende der ewigen Qual überliefert gegenüber einem, den Gott zur Herrlichkeit rettet.

Diese Ansicht muss sie nicht des Menschen Meinung über Satans Macht und Weisheit erhöhen und seine Verehrung dieser Eigenschaften in Gott vermindern, von dem doch der Psalmist erklärt: "So er spricht, so geschieht es; so er gebietet, so stehet es da?" Doch nein, Gott ist vom Widersacher nicht überrascht und überboten worden, noch hat Satan Gottes Plan irgendwie vereitelt. Gott ist vollständig Herr der Lage und ist es immer gewesen: und schließlich wird man sehen, dass zur Hinausführung seiner Ratschlüsse alles zusammenwirken musste.

Während die Lehre von der Wahl und von der freien Gnade, wie sie von Calvinismus und Arminianismus dargelegt wird, niemals, weder miteinander, noch mit der Vernunft, noch mit der Bibel in Einklang gebracht werden kann, so sind diese beiden köstlichen Bibellehren vollkommen im Einklang und herrlich und schön, wenn sie vom Standpunkt des Planes der Zeitalter betrachtet werden.

Indem wir also sehen, dass so manche der großartigen und herrlichen Teile des Planes Gottes für die Errettung des Menschen aus Sünde und Tod noch in der Zukunft liegen, und dass das zwei­te Kommen unseres Herrn Jesu der beabsichtigte erste Schritt zur Erfüllung dieser lang verheißenen und erwarteten Segnungen ist, sollten wir deshalb nicht noch viel sehnlicher nach der Zeit seines zweiten Kommens ausschauen, als der weniger erleuchtete Jude nach seinem ersten Kommen verlangte? Wer erkennt, dass die Zeit des Leidens, des Bösen, der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung, der Krankheit und des Todes durch die Herrschaft und Macht, die Er ausübt, zu Ende gebracht werden wird, und dass Gerechtigkeit, Wahrheit und Friede, im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Licht und Erkenntnis, ganz allgemein werden soll; und dass dann jeder erlöste Sünder unter den günstigsten Verhältnissen ganze und volle Gelegenheit haben soll, in Einklang mit Gott zu kommen; wer wird dann sich nicht freuen, seinen Tag zu sehen? Und wer von denen, die jetzt mit Christo leiden, wird nicht, begeistert durch die köstliche Verheißung: "Dulden wir, so werden wir mit herrschen", sein Haupt erheben und über jegliches Anzeichen der Nähe des Meisters frohlocken, wissend, dass sich unsere Erlösung und Verherrlichung mit ihm nahet? Gewiss alle, die an seiner Sendung zum Segnen und an seinem Geist der Liebe regen Anteil nehmen, werden jedes Anzeichen seines Kommens als das Herannahen der "großen Freude, die allem Volke widerfahren wird," begrüßen.




Geheimnisvoll ist Gottes Rat,
Sein Wunderwerk zu tun;
In großen Wassern ist sein Pfad;
Er reitet auf dem Sturm.

In Minen unergründlich tief,
Mit Meisterhand vollführt,
Liegt seiner Absicht Plan verbrieft;
Es g'schieht, was er erkürt.

Zaghafte Heil'ge, frischen Mut!
Die Wolk', vor der euch bang,
Ist voll von Gnad', und euch zu gut
Entlädt sie sich eh' lang.

Den Herrn mit schwachem Sinn nicht richt';
Trau' vielmehr seiner Gnad'.
Weislich sein freundlich Angesicht
Hüllt dunkler Vorsicht Rat.

Sein Ratschluss reift gar schnell und fein,
Stündlich entfaltend sich.
Der Knosp' Geschmack mag bitter sein;
Die Blum' wird süß für dich.

Unglaube blind, g'wiss irrt er,
Kann nie sein Werk verstehn.
Sein eigner Dolmetsch ist der Herr,
Lässt's allen klar einst sehn.




"Versammelt euch, ihr alle, und höret! Wer unter ihnen hat dies verkündet? Den Jehova liebt, der wird ein Wohlgefallen vollführen an Babel und seinen Arm an den Chaldäern. ..." (Jes. 48:14-22)

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Studie 7

Die Zulassung des Bösen und seine Beziehung zum Plane Gottes

Warum Böses zugelassen wurde. - Recht und Unrecht als Grundsätze. - Das moralische Bewusstsein. - Gott ließ Böses zu und wird es zum Besten lenken. - Gott nicht der Urheber der Sünde. - Adams Prüfung kein Trugspiel. - Seine Versuchung ernstlich. - Er sündigte vorsätzlich, wissentlich, willentlich. - Die Strafe der Sünde weder ungerecht noch zu hart. - Die Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit, die sich bei Verurteilung aller in Adam kundgibt. - Gottes Gesetz allumfassend.

Böses ist, was Unglück erzeugt; irgend etwas, was direkt oder indirekt Leiden irgendwelcher Art hervorruft. Bei der Behandlung dieses Gegenstandes erhebt sich daher nicht nur die Frage, was ist es um all das Weh, den Kummer, die Schmerzen, die Schwäche und um den Tod der Menschen, sondern es ist nötig, dass man hinter all dies zurückgeht und dessen erste Ursache - die Sünde - und ihr Heilmittel aufsucht. Da die Sünde die Ursache alles Bösen ist, so ist ihre Beseitigung das einzige Mittel, die Krankheit für immer zu heilen. Dem forschenden Geist drängt sich wohl keine Schwierigkeit häufiger auf, als die Frage: Warum hat Gott die gegenwärtige Herrschaft des Bösen zugelassen? Warum gestattete er dem Satan, die Versuchung an unsere ersten Eltern heranzubringen, nachdem er sie vollkommen und aufrichtig erschaffen hatte? Oder warum ließ er den verbotenen Baum unter den guten eine Stelle finden? Trotz allen Versuchen, ihr auszuweichen, drängt sich unwiderstehlich die Frage auf: Konnte Gott nicht jeder Möglichkeit des Fall der Menschen vorbeugen?

Die Schwierigkeit entspringt zweifellos daraus, dass man verfehlt, den Plan Gottes zu erfassen. Gott konnte den Eintritt des Bösen verhindert haben, aber die Tatsache, dass er es nicht tat, sollte genügender Beweis dafür sein, dass die jetzige Zulassung desselben geschehen ist, um schließlich größeres Heil zu wirken. Wenn Gottes Plan in seiner Vollständigkeit gesehen würde, so würde sich zeigen, wie weise der eingeschlagene Weg war. Man fragt: Konnte Gott, bei dem alle Dinge möglich sind, nicht rechtzeitig dazwischen treten, um die volle Ausführung der Absicht Satans zu verhindern? Ohne Zweifel konnte er es; aber solches Dazwischentreten würde die Ausführung seiner eigenen Ratschlüsse verhindert haben. Sein Zweck war die Vollkommenheit, Majestät und gerechte Autorität seines Gesetzes kund und offenbar zu machen und sowohl den Menschen wie den Engeln die bösen Folgen zu zeigen, die aus der Verletzung desselben hervorgehen. Zudem sind einige Dinge ihrem eigentlichen Wesen nach bei Gott unmöglich, wie die Schrift selbst sagt: "Es ist unmöglich, dass Gott lüge." (Hebr. 6:18) "Er kann sich selbst nicht verleugnen." (2. Tim. 2:13) Er kann nicht unrecht tun und konnte daher keinen anderen, als den weisesten und besten Plan wählen, seine Geschöpfe ins Leben einzuführen, wenn auch unser kurzsichtiger Blick die verborgenen Quellen der unendlichen Weisheit eine Zeitlang zu erkennen verfehlt.

Die Schrift erklärt, dass alle Dinge nach Gottes Willen oder Wohlgefallen geschaffen sind (Offb. 4:11); ohne Zweifel, denn am Austeilen seiner Segnungen und am Ausüben der Eigenschaften seines herrlichen Wesens hat er sein Wohlgefallen. Und wenn er bei der Hinausführung seiner wohlgemeinten Absichten eine Zeitlang Bösen und Übeltätern einen tätigen Anteil zu nehmen gestattet, so geschieht es doch nicht um des Bösen willen, noch weil er im Bunde mit der Sünde steht; denn er erklärt, dass er nicht ein Gott ist, "der an Gesetzlosigkeit Gefallen hat." (Ps. 5:5) Obgleich dem Bösen in jeder Hinsicht zuwider, lässt es Gott doch eine Zeitlang zu (d.h. verhindert es nicht), weil seine Weisheit einen Weg gefunden, auf dem es für seine Geschöpfe zu einer dauernden und wertvollen Lektion gemacht werden kann.

Es ist eine selbstverständliche Wahrheit, dass es für jedes gute oder rechte Prinzip ein entsprechendes schlechtes oder unrechtes Prinzip gibt; wie z.B. Wahrheit und Irrtum, Liebe und Hass, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Wir unterscheiden diese entgegengesetzten Prinzipien als recht und unrecht oder als gut und schlecht (oder böse), nach der Wirkung, die sie haben, wenn sie in Tätigkeit gesetzt sind. Das Prinzip, das, wenn es in Tätigkeit ist, wohl tut und schließlich Ordnung, Harmonie und Glück hervorruft, nennen wir ein gutes Prinzip; und das entgegengesetzte, das Unrein, Unglück und Zerstörung anrichtet, nennen wir ein böses Prinzip. Das Ergebnis dieser in Tätigkeit befindlichen Prinzipien nennen wir gut und böse; und das intelligente Wesen, das fähig ist, das gute vom bösen Prinzip zu unterscheiden und das sich freiwillig von dem einen oder anderen leiten lässt, nennen wir tugendhaft oder sündig.

Dies Vermögen, zwischen guten und bösen Prinzipien unterscheiden zu können, nennt man das moralische Bewusstsein oder das Gewissen. Durch dieses moralische Bewusstsein, das Gott uns gegeben hat, sind wir imstande, über Gott uns ein Urteil zu bilden und zu erkennen, dass er gut ist. An dieses moralische Bewusstsein wendet sich Gott immer, um seine Gerechtigkeit oder Rechtschaffenheit zu zeigen; und vermöge desselben moralischen Bewusstseins konnte Adam Sünde oder Ungerechtigkeit als Böses erkennen, noch ehe er alle ihre Folgen kannte. Die niedrigeren Arten der Geschöpfe Gottes sind mit diesem moralischen Bewusstsein nicht ausgestattet. Ein Hund hat etwas Intelligenz, Verstand, aber nicht in diesem Grade; wenn er auch lernen kann, dass gewisse Handlungen Anerkennung und Belohnung von seinem Herrn eintragen und gewisse andere seinen Unwillen. Er kann stehlen oder das Leben nehmen, aber einen Sünder würde man ihn nicht nennen; oder er beschützt das Leben und Eigentum, würde aber darum nicht tugendhaft genannt werden, weil er nichts über die moralische Beschaffenheit seines Tuns weiß.

Gott hätte die Menschheit ohne das Vermögen, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, erschaffen können, oder auch nur fähig, das Rechte zu erkennen und zu tun. Das wäre aber nichts anderes gewesen, als eine lebendige Maschine zu machen, ganz gewiss aber kein urteilsfähiges Ebenbild des Schöpfers. Oder er konnte, wie er ja getan hat, den Menschen vollkommen und mit freiem Willen erschaffen und ihn dann vor der Versuchung Satans bewahren. Da aber in diesem Falle die Erfahrung des Menschen auf die des Guten beschränkt geblieben wäre, so würde er den Einflüsterungen des Bösen von außen oder des Ehrgeizes von innen beständig ausgesetzt geblieben sein, was seine Zukunft in alle Ewigkeit hinaus ungewiss gemacht hätte, denn die Möglichkeit eines Ausbruches des Ungehorsams wäre stets geblieben. Außerdem würde das Gute nie so geschätzt worden sein, als durch seinen Unterschied und Gegensatz zum Bösen.

Gott machte seine Geschöpfe zuerst mit dem Guten vertraut, als er sie in Eden damit umgab; und dann ließ er sie, als Strafe des Ungehorsams, die erste Erfahrung des Bösen machen. Von Eden und aus der Gemeinschaft mit Gott vertrieben, ließ er sie Krankheit, Schmerzen und den Tod kosten, damit sie für immer Böses kennen gelernt hätten und wüssten, wie schädlich und überaus sündig die Sünde ist.

Durch Vergleichung der Folgen kamen sie zum Verständnis und zur richtigen Wertschätzung von beiden. "Und Jehova, Gott, sprach: ,Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, zu erkennen Gutes und Böses (1. Mose 3:22). Daran nimmt Adams Nachkommenschaft teil, nur dass sie zuerst ihre Erkenntnis des Bösen erlangt und noch nicht vollkommen erfassen kann, was gut ist, bis sie es im Millennium als Ergebnis ihrer Erlösung erfährt, die der vollbracht hat, der dann ihr Richter und König sein wird.

Das moralische Bewusstsein oder das Urteil über Recht und Unrecht und die Freiheit es zu gebrauchen, die Adam besaß, waren wichtige Züge seiner Ebenbildlichkeit mit Jehova. Das Gesetz, was Recht oder Unrecht sei, war ursprünglich in seine Natur eingeschrieben, wie es auch zur göttlichen Natur gehört. Vergessen wir nicht, dass dieses Ebenbild oder Gleichnis Gottes, diese Natur, in die das Gesetz ursprünglich hineingeschrieben war, des Menschen Urzustand, durch den schwächenden und erniedrigenden Einfluss der Sünde viel von seinem klaren Umriss verloren hat; es ist daher jetzt nicht das, was es im ersten Menschen war. Die Fähigkeit zu lieben schließt die Fähigkeit zu hassen ein; daher müssen wir schließen, dass der Schöpfer den Menschen nicht nach seinem Bilde (mit dem Vermögen, zu lieben und recht zu tun) machen konnte, ohne ihm die Fähigkeit zu hassen und Unrecht zu tun, zu belassen. Diese Freiheit der Wahl, der freie Wille genannt, ist ein Teil der ursprünglichen Ausstattung des Menschen. Dies, zusammen mit dem vollen Maße seiner geistigen und moralischen Fähigkeit, machte ihn zum Bilde seines Schöpfers. Heute, nach sechstausend Jahren des Heruntersinkens, ist durch die Sünde so viel von dem Ebenbild ausgelöscht worden, dass wir nicht frei, sondern in größerem oder geringerem Maße durch die Sünde und ihre Folgen geknechtet sind, und so kommt es, dass dem gefallenen Geschlecht die Sünde leichter und angenehmer als die Gerechtigkeit.

Dass Gott dem Adam einen solchen lebendigen Eindruck der vielen schlimmen Folgen der Sünde hätte geben können, der ihn davon abgehalten hätte, brauchen wir nicht in Frage zu stellen, aber wir glauben, dass Gott wusste, dass eine tatsächliche Erfahrung des Bösen die sicherste und bleibendste Lektion sei und folglich die geeignetste, um den Menschen in alle Ewigkeit zu nützen; und aus diesem Grunde trat Gott nicht dazwischen, sondern ließ zu, dass der Mensch seine Wahl traf und die Folgen des Bösen kostete. Wäre die Gelegenheit zu sündigen nie zugelassen worden, so hätte der Mensch nicht widerstehen können, und dann hätte sein Rechttun weder Tugend noch Verdienst sein können. Gott will solche haben, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Er zieht bewussten und willigen Gehorsam einem unbewussten, mechanischen Dienste vor. Er hatte schon leblose, mechanische Vollbringer seines Willens in Wirksamkeit; nun aber war es seine Absicht, ein anderes Wesen zu machen, einen Herrn über die Erde, dessen Ergebenheit und Gerechtigkeit sich auf die rechte Wertschätzung von Recht und Unrecht, von Gut und Böse gründen sollte. Recht und Unrecht als Prinzipien haben immer bestanden und müssen immer bestehen; alle vollkommen, intelligenten, Gott ebenbildlichen Geschöpfe müssen frei sein, das eine oder das andere zu wählen, wenn auch nur das rechte Prinzip für immer wirksam bleiben wird. Die Schrift belehrt uns, dass, wenn die Wirksamkeit des bösen Prinzips lange genug zugelassen worden ist, um Gottes Zweck zu erfüllen, es dann für immer zu wirken aufhören wird, und dass ebenfalls alle, die fortfahren, sich unter seine Botmäßigkeit zu beugen für immer zu sein aufhören sollen (1. Kor. 15:25, 26; Hebr. 2:14). Nur die da recht tun, werden für immer bleiben.

Aber die Frage kehrt in einer anderen Gestalt wieder: Konnte der Mensch in keiner anderen Weise mit dem Bösen bekannt gemacht werden als durch Erfahrung? Man kann auf viererlei verschiedene Art und Weise eine Sache wissen, nämlich durch unmittelbares Erkennen, durch Beobachtung, durch Erfahrung oder durch Belehrung, die natürlich aus einer als bestimmt wahrhaftig anerkannten Quelle stammen muss. Ein unmittelbares Erkennen ist ein direktes Begreifen, ohne den Vorgang des Nachdenkens oder die Notwendigkeit eines Beweises. Solches Erkennen gehört nur Jehova, der ewigen Quelle aller Weisheit und Wahrheit, der notwendigerweise, und der Natur der Sache nach, über alle seine Geschöpfe erhaben ist. Des Menschen Erkennen von Gut und Böse konnte daher kein unmittelbares sein. Es konnte diese Erkenntnis ferner durch Beobachtung gekommen sein; in diesem Falle aber wäre irgendwelche Darstellung des Bösen notwendig gewesen, damit der Mensch dessen Folgen beobachten konnte. Das würde die Zulassung des Bösen irgendwo anders voraussetzen, unter irgendwelchen anderen Wesen, und warum dann nicht ebenso gut unter den Menschen und auf dieser Erde, wie irgendwo sonst?

Warum sollte der Mensch nicht den Darsteller abgeben und seine Erkenntnis aus praktischer Erfahrung gewinnen? Und so ist es; der Mensch macht die praktische Erfahrung und dient zugleich anderen Wesen zur Beobachtung, er ist "ein Schauspiel den Engeln". - 1. Kor. 4:9

Adam besaß schon Erkenntnis des Bösen durch Belehrung, aber das genügte nicht. Adam und Eva kannten Gott als ihren Schöpfer und somit als den, der das Recht hat, ihnen zu gebieten und sie zu leiten; und vom dem verbotenen Baum hatte er gesagt: "Welches Tages du davon isst, wirst du sterbend sterben." Von daher kannten sie das Böse, aber nicht seine praktische Wirkung. Unerfahren, wie sie waren, verstanden sie ihres Schöpfers liebreiche Autorität und wohlwollendes Gesetz nicht, noch die Gefahren, vor welchen es sie beschützen sollte; und gaben der Versuchung nach, die er zuließ und deren schließlichen Nutzen seine Weisheit wohl voraus erkannte.

Nur wenige begreifen den Ernst der Versuch, welcher unsere ersten Eltern erlagen, noch die Gerechtigkeit Gottes, eine so strenge Strafe aufzuerlegen für etwas, das vielen als eine so geringe Übertretung erscheint. Aber ein wenig Nachdenken wird alles deutlich machen. Die Schrift erzählt uns die einfache Geschichte, wie das Weib als das schwächere Werkzeug verführt ward und so ein Übertreter wurde. Ihre Erfahrung und ihr Bekanntsein mit Gott waren wohl noch beschränkter als die Adams, denn er war zuerst erschaffen, und Gott hat ihm unmittelbar vor Evas Erschaffung die Erkenntnis über die Strafe der Sünde mitgeteilt, während Eva ihre Belehrung von Adam empfangen haben muss. Als sie von der Frucht genommen hatte, begriff sie augenscheinlich nicht, dass sie ihr Recht zum Leben eingebüßt hatte, obwohl eine gewisse Furcht vorhanden gewesen sein wird, dass nicht alles recht war. Aber obgleich sie verführt war, so sagt Paulus doch, dass sie ein Übertreter war. Sie war für ihre Handlung verantwortlich, wenn auch nicht so schuldig, als wenn sie gegen größeres Licht gesündigt hätte.

Adam dagegen, so wird uns berichtet, wurde nicht verführt (1. Tim. 2:14), folglich muss er in vollem Bewusstsein der Sünde und der in Aussicht gestellten Strafe die Übertretung begangen haben. Er wusste, dass er sterben müsse. Wir können leicht erkennen, worin die Versuchung, die ihn antrieb, die angekündigte Strafe so rücksichtslos auf sich zu laden, bestand. Wenn wir im Auge behalten, dass sie vollkommene Wesen waren, im geistlichen und sittlichen Ebenbild ihres Schöpfers, so können wir begreifen, dass der Gott ähnliche Bestandteil der Liebe in dem vollkommenen Manne gegen seine geliebte Gefährtin, das vollkommene Weib, sich besonders entwickelt hatte. Da er ohne Zweifel die Gewissheit des Todes der Eva und damit seinen Verlust erkannte, ohne Hoffnung der Wiederherstellung, denn solche Hoffnung war noch nicht gegeben, so beschloss Adam in seiner Verzweiflung, nicht ohne sie zu leben. Sein eigenes Leben ohne ihre Gesellschaft wertlos und unglücklich achtend, nahm er willentlich an ihrer Handlung des Ungehorsams teil, damit er auch ihre Todesstrafe teile. Beide waren verantwortlich und in "der Gleichheit der Übertretung", wie der Apostel zeigt (Röm. 5:14; 1. Tim. 2:14), und folglich waren beide gerechterweise durch das Gesetz zum Tode verurteilt, das da sagt: "Die Seele, die sündigt, die soll sterben."

Gott sah nicht nur voraus, dass der Mensch, dem er Freiheit der Wahl gegeben, aus Mangel eines vollen Verständnisses der bö­sen Folgen das Böse erwählen würde, sondern er sah auch, dass der Mensch, nachdem er mit dem Bösen bekannt geworden, es immer noch erwählen würde, weil dieses Bekannt werden seine Natur so verderben würde, dass ihm Böses angenehmer, ja wünschenswerter als Gutes sein würde. Dennoch beschloss Gott, Böses zuzulassen, weil er, der selbst das Heilmittel zu seiner Erlösung aus den Folgen desselben bereit hatte, voraussah, dass das Endergebnis, das sein würde, den Menschen durch Erfahrung zu einem vollen Verständnis der "überaus großen Sündigkeit der Sünde" und des über alle Vergleiche erhabenen Glanzes der Tugend im Gegensatz zu derselben führen würde, und weil er auf diese Weise ihn lehren wollte, mehr und mehr seinen Schöpfer, der die Quelle alles Guten ist, zu lieben und für immer das zu meiden, was so viel Weh und Elend über die Menschheit gebracht hat. So wird das endliche Ergebnis der Zulassung des Bösen größere Liebe zu Gott und größerer Hass gegen alles, was seinem Willen entgegen ist und folglich eine sichere Herstellung in den Stand ewiger Gerechtigkeit für alle die sein, welche durch die Lektionen die Gott jetzt durch die Zulassung der Sünde und ihrer begleitenden Übel erteilt, profitieren.

Jedoch sollte man einen großen Unterschied bemerken zwischen der unbestreitbaren Tatsache, dass Gott die Sünde zugelassen hat und dem schweren Irrtum einiger, nach welchem Gott selbst der Urheber und Eingeber der Sünde gewesen sein soll. Diese Ansicht ist sowohl gotteslästerlich als auch im Widerspruch mit den in der Schrift dargestellten Tatsachen. Diejenigen, welche in diesen Irrtum fallen, tun es gewöhnlich beim Versuch, einen anderen Heilsplan auszufinden als den, welchen Gott durch das Opfer Christi als unseren Loskaufpreis, als unser Lösegeld, vorgesehen hat. Wenn es ihnen gelingt, sich und andere zu überzeugen, dass Gott für alle Sünde und Gottlosigkeit und alle Verbrechen (*) verantwortlich sei, und dass der Mensch als unschuldiges Werkzeug in seiner Hand zur Sünde gezwungen wurde, dann haben sie sich für die Anschauung den Weg gebahnt, dass für unsere Sünden kein Opfer, noch auch Gnade in irgendwelcher Form, sondern einfach Gerechtigkeit erforderlich war. (*) Zwei Schriftstellen (Jes. 45:7 und Amos 3:6) werden verwendet, um diese Anschauung zu stützen, aber in beiden Texten nur durch eine falsche Auslegung des Wortes Übel. Sünde ist stets ein Übel, aber ein Übel ist nicht immer Sünde. Ein Erdbeben, ein Brand, eine Flut oder Pestilenz würden ein Unglück, ein Übel sein; doch keines derselben eine Sünde. Das Wort Übel in den angeführten Texten bedeutet Unglück. Dasselbe hebräische Wort wird in Ps. 34:20 durch leiden; in Jer. 48:16; 51:2; 1. Sam. 10:19; Neh. 2:17; Klagel. 1:21 durch Unglück übersetzt. Ps. 107:39; 27:5; 41:1 hat Parallel-Bibel Unglück. Ps. 88:4 steht Jammer; Ps. 107:26 Angst; Ps. 10:6 Not; Pred. 7:14 böser Tag; Ps. 34:13 übel gehen. Und auf mancherlei andere Weise ist dies Wort in anderen Stellen übersetzt worden, welche sich alle auf Unglück und in keiner Weise auf Sünde beziehen.

In Jesaja 45:7 und Amos 3:6 wollte der Herr Israel an seinen Bund mit ihnen als Volk erinnern, dass, wenn sie seinen Geboten gehorchen würden, er sie segnen und vor dem Unglück, welches über die Welt im allgemeinen hereinbricht, beschützen würde; aber wenn sie ihn verließen, würde er zu ihrer Züchtigung Unglück (Übel) über sie bringen. - siehe 5. Mose 28:1-14, 15-32, 3. Mose 26:16; Josua 23:6-16.

Wenn jedoch Züchtigungen über sie kamen, waren sie geneigt, dieselben als Zufälle und nicht als Züchtigung anzusehen. Daher ließ ihnen Gott durch die Propheten sagen, dass diese Übel oder Unglücksfälle von ihm seien und nach seinem Willen zu ihrer Besserung über sie kamen, weil er ja mit ihnen einen Bund geschlossen habe. Es ist ungereimt, diese Texte zum Beweis dafür anzuführen, dass Gott der Urheber der Sünde sei, denn sie beziehen sich in keiner Weise auf Sünde.

Damit legen sie auch den Grund für einen anderen Teil ihrer falschen Anschauung, nämlich für den Universalismus und behaupten, da Gott alle Sünde, alle Gottlosigkeit und Verbrechen bewirkte, so werde er auch die Befreiung der ganzen Menschheit aus Sünde und Tod bewirken. Und da sie annehmen, dass Gott die Sünde wollte und verursachte, und dass ihm niemand widerstehen konnte, so behaupten sie auch, dass alle auf gleiche Weise machtlos sein werden, ihm zu widerstehen, wenn er Gerechtigkeit will. Aber in all solcher Vernünftelei wird die edelste Eigenschaft des Menschen, Freiheit des Willens oder der Wahl, der schlagendste Zug seiner Ähnlichkeit mit dem Schöpfer, gänzlich beiseite gesetzt, und der Mensch wird, jener Anschauung nach, nur zu einer Maschine herunter gewürdigt, die nur geht, wie sie getrieben wird. Wenn das der Fall wäre, so würde der Mensch, statt der Herr der Erde zu sein, selbst den Insekten nachstehen; denn selbst diese haben ohne allen Zweifel einen Willen oder ein Vermögen der Wahl. Selbst der kleinen Ameise ist ein Willensvermögen verliehen worden, welches der Mensch nicht vernichten kann, wenn er ihm auch hinderlich sein kann und es beeinträchtigen kann.

Es ist wahr, Gott hat die Macht, den Menschen zur Sünde oder zur Gerechtigkeit zu zwingen, aber sein Wort erklärt, dass er keinen solchen Vorsatz hat. Folgerichtig konnte er den Menschen nicht zur Sünde zwingen, und zwar aus demselben Grunde, aus dem er "sich selbst nicht verleugnen kann." Solch ein Verfahren wäre im Widerspruch mit seinem gerechten Charakter und daher eine Unmöglichkeit. Und er sucht die Verehrung und Liebe derjenigen allein, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Darum hat er dem Menschen eine Freiheit des Willens, ähnlich der Seinen, gegeben und wünscht, dass er Gerechtigkeit wählen möchte. Die Zulassung freier Wahl führte zu des Menschen Fall aus der göttlichen Gemeinschaft und Gnade in den Tod. Durch seine Erfahrung mit Sünde und Tod lernte der Mensch praktisch, was ihm Gott theoretisch, ohne seine Erfahrung mit der Sünde und ihren Folgen, zu lehren anbot. Gottes Vorherwissen dessen, was der Mensch tun würde, wird nicht gegen ihn gebraucht als eine Entschuldigung dafür, ihn zu einem bloßen Maschinenwesen herabzuwürdigen. Im Gegenteil, es wird zugunsten des Menschen gebraucht. Denn Gott, voraussehend, welchen Lauf der Mensch nehmen würde, wenn ihm die Wahl gelassen würde, hinderte ihn nicht, die Sünde und ihre bitteren Folgen praktisch zu kosten, aber er begann sofort, ein Mittel für seine Errettung aus seiner ersten Übertretung zu bereiten. Dieses Mittel besteht in einem Erlöser, einem großen Erretter, der da fähig ist, völlig (bis zum Ende) alle die zu erretten, welche durch ihn zu Gott zurückkehren wollen. Deshalb, damit der Mensch einen freien Willen haben und doch durch seinen ersten Fehlgriff, bei dem Gebrauch desselben im Ungehorsam gegen den Willen Gottes, profitieren könne, hat Gott nicht nur ein Lösegeld für alle vorgesehen, sondern auch, dass eine Erkenntnis der so gebotenen Gelegenheit einer Wiederaussöhnung mit ihm zu seiner allen dargeboten und bezeugt werden soll (1. Tim. 2:3-6).

Die Härte der Strafe war kein Ausbruch des Hasses und bösen Willens auf Seiten Gottes, sondern notwendige und unausbleibliche Frucht des Bösen, das Gott auf diese Art den Menschen erkennen und fühlen ließ. Gott kann das Leben erhalten so lange er es für gut befindet, sogar trotz der zerstörenden Gewalt des Bösen, aber es wäre Gott ebenso unmöglich, ein solches Leben ewig zu erhalten, wie es unmöglich ist, dass Gott lüge. Das heißt, es ist moralisch unmöglich. Solch ein Leben würde nur mehr und mehr für sich selbst und für andere eine Quelle des Elends sein. Gott ist daher zu gut, ein Wesen am Leben zu erhalten, das für sich selbst und für andere nutzlos und schädlich ist, und wenn er seine erhaltene Kraft zurückzieht, so muss die natürliche Folge des Bösen, die Zerstörung, eintreten. Leben ist eine Gnade, eine Gabe Gottes, und nur für den Gehorsamen wird es ewig währen.

Der Nachkommenschaft Adams geschah keine Ungerechtigkeit damit, dass nicht jedem eine besondere Probe gestattet wurde. Jehova war in keiner Weise verpflichtet, uns ins Dasein zu bringen; und nachdem er uns ins Leben gerufen, war er durch kein Gesetz der Billigkeit oder Gerechtigkeit gebunden, uns ewiges Leben zu geben, ja nicht einmal eine Probe fürs Leben, mit dem Versprechen des ewigen Lebens, wenn gehorsam. Merke diesen Punkt wohl. Das gegenwärtige Leben, das von der Wiege bis zum Grabe nur ein Vorgang des Sterbens ist, ist trotz allen Übels und aller getäuschten Erwartungen doch eine Gnade und Gunsterweisung, selbst wenn es kein Jenseits gäbe. Die große Mehrheit sieht es so an Ausnahmen (Selbstmörder) gibt es verhältnismäßig wenige, und diese, so haben die Gerichtshöfe wiederholt entschieden, sind geistig unzurechnungsfähig, sonst würden sie sich nicht selbst so von den Gütern dieses Lebens abschneiden. Außerdem würden aller Wahrscheinlichkeit nach alle Kinder Adams in einer ähnlichen Prüfung geradeso gefehlt haben.

Viele haben die irrtümliche Meinung aufgenommen, dass Gott unser Geschlecht für ewige Qual die Probe gestellt habe, während darüber auch nicht das geringste in der Strafandrohung angedeutet ist. Die Gnade oder der Segen Gottes für seine gehorsamen Kinder ist Leben - fortdauerndes Leben - frei von Schmerz, Krankheit usw., den mitwirkenden Bestandteilen des Verfalles und des Todes. Dem Adam war dieser Segen im vollsten Maße zuteil geworden, aber er wurde gewarnt, dass er dieser "Gabe" verlustig gehen würde, wenn er Gehorsam zu leisten ermangelte: "Welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben." Er wusste nichts von einem Leben in Qual, als Strafe für die Sünde. Ewiges Leben ist nirgends jemand anderem verheißen, als nur den Gehorsamen. "Leben" ist Gottes Gabe und "Tod", der Gegensatz zum Leben, ist die Strafe, die er angeordnet hat.

Ewige Qual ist auch mit keiner Silbe im Alten Testament angedeutet, und nur einige wenige Aussagen des Neuen Testaments haben eben nur den Schein, als lehrten sie dergleichen; und diese finden sich alle entweder unter den bildlichen Darstellungen der Offenbarung oder unter den Gleichnissen und dunklen Reden unseres Herrn, die vom Volke, das sie hörte, nicht verstanden wurden (Luk. 8:10) und sogar heute noch wenig besser verstanden zu werden scheinen. Der Tod ist der Sünde Sold (Röm. 6:23). "Die Seele, die sündigt, die soll sterben." (Hes. 18:4)

Viele haben angenommen, es sei ungerecht von Gott, alle für Adams Sünde zu verurteilen, statt jedem einzelnen dieselbe Gelegenheit, ewiges Leben zu erlangen, zu geben, wie Adam sie genoss. Aber was werden diese sagen, wenn gezeigt werden wird, dass die kommende Gelegenheit und Probe der Welt fürs Leben viel günstiger sein wird, als die Adams war; und da gerade darum, weil Gott nach seinem Plane alle in Adam Vertretenen erprobte und alle des Ungehorsam wegen verurteilte? Wir glauben zuversichtlich, dass dem so ist und wollen versuchen, es klar zu machen.

Gott versichert uns, dass, weil die Verurteilung auf alle in Adam gekommen sei, darum habe er die Anordnung getroffen, dem Geschlecht ein neues Haupt, einen Vater oder Lebensgeber, zu geben, in welchen alle durch den Glauben versetzt werden mögen; und dass, wie in Adam alle die Todesstrafe teilten, ebenso alle in Christo den Segen des Lebens teilen mögen, indem sie durch den Glauben an sein Blut gerechtfertigt werden können (Röm. 5:12, 18, 19). So betrachtet, war der Tod Jesu, des einen Unschuldigen, Sündlosen, eine vollständige Genugtuung, das Lösegeld für die Sünde Adams. Da ein Mensch gesündigt hatte und alle in ihm seinen Fluch, seine Strafe teilten, so bezahlte Jesus die Strafe des einen Sünders und kaufte dadurch nicht nur Adam, sondern alle seine Nachkommen, alle Menschen, die durch Erbschaft seine Schwächen und Sünden und die Strafe für diese - den Tod - teilten. Unser Herr, der Mensch Christus Jesus, selbst unbefleckt, erprobt und mit einem vollkommenen Samen oder Geschlecht in ihm, ungeboren und gleichfalls frei von Sünde, gab sein alles (sein menschliches Leben und Recht) als das volle entsprechende Lösegeld für Adam und das Geschlecht (oder den Samen), das in ihm war, als er sündigte und verurteilt wurde. Nachdem er so voll und ganz das Leben Adams und seines Geschlechtes erkauft hat, erbietet sich Christus, das ganze adamitische Geschlecht als seine Kinder anzunehmen, alle, welche die Bedingungen des Neuen Bundes annehmen werden und also durch den Glauben eintreten in seine Familie, die Familie Gottes, und ewiges Leben bekommen. So wird also (Jes. 53:10) der Erlöser "Samen sehen (so viele des Samens Adams, als unter seinen Bedingungen sich an Kindesstatt annehmen lassen); er wird seine Tage verlängern (in seiner Auferstehung zu einer höheren als menschlichen Stufe, nach der Gabe des Vaters als Lohn für seinen Gehorsam)", und alles in der ungeahntesten Weise - dadurch, dass er Leben und Nachkommenschaft aufopferte. Und so steht geschrieben: "Wie alle in Adam sterben, also werden alle in Christo lebendig gemacht werden." (1. Kor. 15:22)

Der Schaden, den wir durch Adams Fall erlitten (eine Ungerechtigkeit erlitten wir nicht), soll durch Gottes Gnade vermittels Gnadenerweisungen durch Christum voll ausgebessert werden; und alle werden früher oder später (in Gottes "fest bestimmter Zeit") eine volle Gelegenheit haben, wieder zu derselben Stellung hergestellt zu werden, deren sich Adam vor seiner Sünde zu erfreuen hatte. Diejenigen, die in der gegenwärtigen Zeit weder vollständige Erkenntnis noch vollen Genuss dieser Gnade durch den Glauben empfangen (und das ist die große Mehrzahl, einschließlich Kinder und Heiden), werden sicherlich in der nächsten Heilszeitordnung oder künftigen Welt", die dieser folgt, die Gelegenheit dazu haben. Zu dem Ende werden "alle, die in den Gräbern sind, ... hervorgehen". Und sobald ein jeder mit dem von unserem Herrn gegebenen Lösegeld und seinen darauffolgenden Gelegenheiten bekannt wird, wird er, wie Adam, als auf die Probe gestellt betrachtet werden; und wiederum wird Ungehorsam dauernden Tod - den "zweiten Tod" - eintragen. Vollkommener Gehorsam wird jedoch von keinem gefordert werden, der nicht vollkommene Fähigkeiten hat. Unter dem Gnadenbunde wird der Kirche während dieses Zeitalters die Gerechtigkeit Christi durch den Glauben zugerechnet, um ihre durch die Schwachheiten des Fleisches unvermeidlichen Mängel zu ersetzen; und dieselbe Gnade wird während des Millenniums-Zeitalters für die ganze Menschheit - "Wer da will", Offb. 22:17 - wirksam sein. Nicht bevor körperliche Vollkommenheit erreicht ist (was das Vorrecht aller vor dem Schluss des Millenniums sein wird), wird ihre vollständige moralische Vollkommenheit gefordert werden. Der Unterschied zwischen dieser Prüfung, welche das Ergebnis des Lösegeldes und des Neuen Bundes ist, und der Prüfung in Eden wird der sein, dass in dieser Prüfung die Handlungen jedes einzelnen nur seine eigene Zukunft betreffen werden.

Doch hieße dies nicht, etlichen des Geschlechtes eine zweite Gelegenheit zu geben, ewiges Leben zu erlangen? Wir antworten: Die erste Gelegenheit für ewiges Leben war durch Vater Adams Ungehorsam für ihn selbst und sein ganzes Geschlecht, "noch in seinen Lenden", verloren. In dieser ursprünglichen Prüfung kam Fluch auf alle Menschen, und es war Gottes Plan, dass durch Christi Sühnopfer Adam und alle, die in seinem Falle das Leben verloren, nachdem sie die überaus große Sündhaftigkeit der Sünde geschmeckt und die Schwere der Strafe der Sünde gefühlt hatten, die Gelegenheit erhalten sollen, durch Glauben an den Erlöser zu Gott zurückzukehren. Wenn jemand das eine "zweite Gelegenheit" nennen will, mag er es tun; es muss sicherlich Adams zweite Gelegenheit sein und wenigstens in gewissem Sinn ist es das für das ganze erlöste Geschlecht, aber es wird die erste persönliche Gelegenheit seiner Nachkommen sein, welche von Geburt an unter dem Urteil des Todes standen. Wie wir es auch nennen wollen, die Tatsachen sind dieselben, nämlich, alle waren zum Tode verurteilt wegen Adams Ungehorsam, und alle werden (in diesem oder im künftigen Leben) eine volle Gelegenheit erhalten, unter den günstigen Bedingungen des Neuen Bundes ewiges Leben zu erlangen. Das ist, wie die Engel verkündigten, "gute Botschaft großer Freude, welche allem Volke widerfahren soll". Und, wie der Apostel erklärt, diese Gnade Gottes, dass unser Herr Jesus "sich selbst zu einem Lösegeld für alle gab", muss allen bezeugt werden "in bestimmter Zeit" (Röm. 5:17-19; 1. Tim. 2:4-6). Menschen, nicht Gott, haben diese Gelegenheit Leben zu erlangen, auf das Evangeliums-Zeitalter beschränkt. Gott sagt uns im Gegenteil, dass das Evangeliums-Zeitalter nur für die Herauswahl der Kirche, der königlichen Priesterschaft ist, durch welche, in einem folgenden Zeitalter, alle anderen zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit gebracht und ihnen vollen Gelegenheit geboten werden soll, unter dem Neuen Bunde ewiges Leben zu erlangen.

Aber was für ein Vorteil liegt in dieser Verfahrungsweise? Warum nicht gleich jedem eine persönliche Prüfung geben, und zwar jetzt, ohne den langen Vorgang der Prüfung und Verurteilung Adams, der Teilnahme seines Samens an dieser Verurteilung, des Loskaufes aller durch Christi Opfer und des neuen Angebotes an alle, unter den Bedingungen des Neuen Bundes ewiges Leben zu erlangen? Wenn Böses wegen des freien Willens des Menschen zugelassen werden musste, warum wird es auf einem so sonderbaren kreisförmigen Wege ausgerottet? Warum durfte soviel Elend in und auf viele kommen, die schließlich den Lohn des Lebens als gehorsame Kinder Gottes empfangen werden?

Ah! das ist der Punkt, auf den das Interesse der Abhandlung sich zusammendrängt. Überlege nun genau: Hätte Gott die Fortpflanzung unseres Geschlechtes anders geordnet, so dass die Kinder nicht an den Folgen der Sünde der Eltern, geistigen, sittlichen und leiblichen Schwachheiten, teilnehmen, und hätte der Schöpfer es so eingerichtet, dass alle bei ihrer Prüfung einen paradiesischen Zustand haben würden und dass allein die Übertreter verurteilt oder "abgeschnitten' würden, wie viele, dürften wir annehmen, würden unter allen den günstigen Umständen würdig und wie viele des Lebens unwürdig erfunden werden?

Wenn der eine Fall, der des Adam, als Maßstab genommen wird (und sicherlich war er in jeder Hinsicht ein Muster menschlicher Vollkommenheit), so musste die Schlussfolgerung die sein, dass keiner vollkommen gehorsam und würdig erfunden werden würde, weil keiner eine so klare Erkenntnis und Erfahrung von Gott haben würde, die in ihm, über sein persönliches Urteil hinaus, volles Vertrauen in seine Gesetze entwickeln würde. Wir werden versichert, dass die Erkenntnis, das Erkennen Gottes, seines Vaters, unseren Herrn Jesus befähigte, ihm unbedingt zu vertrauen und zu gehorchen (Jes. 53:11). Aber, angenommen, dass ein Viertel das Leben erlangen würde oder selbst mehr; angenommen, dass die Hälfte wert erfunden würde, und nur die Hälfte hätte den Lohn der Sünde, den Tod, erleiden müssen. Was dann? Die eine Hälfte, die gehorsam gewesen wäre und die Sünde weder erfahren noch beobachtet hätte, würde sie nicht beständig eine gewisse Neugierde nach verbotenen Dingen verspüren und nur durch die Furcht vor Gott und vor der Strafe zurückgehalten werden? Ihr Dienst würde nicht so von Herzen kommen, als wenn sie Gutes und Böses kennen und daher die wohlgemeinten Absichten des Schöpfers verstehen und wertschätzen, dass er Gesetze gegeben hat, die sowohl sein eigenes Tun als das seiner Geschöpfe regieren sollen.

Dann denke auch in Bezug auf die Hälfte, die so als Folge ihrer eigenen willentlichen Sünde in den Tod gehen würde! Sie würden dauernd vom Leben abgeschnitten sein, und die einzige Hoffnung wäre, dass Gott auch dieser Geschöpfe, der Werke seiner Hände, in Liebe gedenken und für sie ein Lösegeld bereiten würde. Aber warum das? Der einzige Grund könnte nur die Hoffnung sein, dass, wenn sie zum Leben zurückgebracht und aufs neue geprüft würden, dann einige von ihnen vermöge ihrer größeren Erfahrung den Gehorsam und das Leben erwählen möchten.

Aber selbst wenn dieser Plan so gut wäre, als der von Gott verfolgte, so gibt es doch ernstliche Einwände dagegen.

Wie vielmehr ist es der Weisheit Gottes ähnlich, die Sünde gleich in gewissen Schranken zu halten, wie sein Plan es tut. Selbst unser begrenzter Verstand kann es als viel besser erkennen, nur ein vollkommenes unparteiisches Gesetz zu haben, welches sagt: der Lohn willentlicher Sünde ist der Tod - Vernichtung - ein Abschneiden vom Leben. So hält Gott das Böse, das er zugelassen, in Schranken, indem er Vorkehrungen getroffen hat, dass die tausendjährige Herrschaft Christi die volle Austilgung des Bösen und aller boshaften Übeltäter vollbringen und ewige Gerechtigkeit herbeiführen wird, die sich auf volle Erkenntnis und auf vollkommenen und freiwilligen Gehorsam von Seiten vollkommener Wesen gründet.

Aber es gibt noch zwei weitere Einwände gegen diesen Plan, gleich von vornherein jeden einzelnen für sich selbst zu prüfen. Ein Erlöser war in dem Plane, den Gott erwählte, vollkommen ausreichend, weil nur einer gesündigt hatte und nur einer verurteilt worden war (andere teilten seine Verurteilung). Aber wenn die erste Probe eine für jeden allein geltende, individuelle, gewesen wäre, und die Hälfte des Geschlechtes hätte gesündigt, und es wäre jeder für sich verurteilt worden, so hätte es für jede verurteilte Einzelperson das Opfer eines Erlösers erfordert. Ein unverwirktes Leben konnte ein verwirktes erlösen, aber nicht mehr. Der eine Vollkommene, "der Mensch Christus Jesus", der den gefallenen Adam (und unseren Verlust durch ihn) zurückgekauft hat, konnte auf keine andere Weise, als die im Plane Gottes gewählte, "ein Lösegeld (entsprechender Kaufpreis) für alle" werden.

Wenn wir die Gesamtzahl der seit Adam geborenen menschlichen Wesen auf einhundert Milliarden veranschlagen und annehmen, dass nur die Hälfte von ihnen gesündigt hätte, so würde der Tod von fünfzig Milliarden gehorsamer, vollkommener Menschen nötig gewesen sein, um ein Lösegeld (einen entsprechenden Kaufpreis) für die übrigen fünfzig Milliarden Übertreter zu geben; und so würde auch nach diesem Plane der Tod zu allen Menschen hindurchdringen. Und solch ein Plan würde nicht weniger Leiden im Gefolge haben, wie der in der Ausführung begriffene.

Der andere Einwand gegen jenen Plan ist, dass er Gottes Plan, eine "kleine Herde", den Leib Christi, eine Schar, von der Jesus das Haupt und der Herr sein sollte, zu erwählen und zur göttlichen Natur zu erhöhen auf das empfindlichste stören würde. Gott könnte gerechterweise den fünfzig Milliarden nicht befehlen, ihre Rechte, ihr Eigentum, ihr Leben als Lösegeld für die Sünder zu geben, denn nach seinem eigenen Gesetz hätte ihr Gehorsam ihnen das Recht zu dauerndem Leben erworben; wenn diese vollkommen Menschen daher aufgefordert worden wären, Loskäufer der Gefallenen zu werden, so musste Gottes Plan der gewesen sein, wie bei Jesu, ihnen irgendeine besondere Belohnung oder Freude vorzustellen, so dass sie für die vor ihnen liegende Freude (Hebr. 12:2, Grundtext, siehe Elberfelder Übers.) für ihre Brüder die Strafe erdulden möchten. Und wenn ihnen derselbe Lohn gegeben werden sollte, den unser Herr Jesus empfing, nämlich teilhaftig zu werden der neuen, göttlichen Natur und hoch über Engel, Fürstentümer und Gewalten und jeden Namen, der genannt wird, nächst Jehova erhöht zu werden (Eph. 1:20, 21), dann würde eine "kleine Herde" auf die göttliche Stufe gelangen. Ferner, es würden diese fünfzig Milliarden unter solchen Umständen alle auf gleicher Stufe zu stehen kommen, und keiner unter ihnen wäre der Erste und das Haupt, während der Plan, den Gott angenommen hat, nur einen Erlöser erfordert, nur einen hoch zur göttlichen Natur Erhöhten, und dann eine "kleine Herde", aus denen bestehend, die er erlöst und die mit Freuden "in seinen Fußstapfen wandeln", im Leiden und in der Selbstverleugnung usw., und die dann, mit ihm erhöht (und unter ihm als ihrem Haupte), seinen Namen, seine Herrlichkeit und seine Natur teilen dürften, gerade wie das Weib dasjenige, was des Mannes ist, teilt.

Diejenigen, die diesen Teil des Planes Gottes würdigen können, nach welchem alle in einem Repräsentanten oder Vertreter verurteilt wurden und so der Weg zur Erlösung und Wiederherstellung aber durch einen Erlöser geöffnet wurde, finden darin die Lösung mancher Schwierigkeiten. Sie werden sehen, dass das Verurteilen aller in einem das gerade Gegenteil einer Schädigung war; es war für alle eine große Gnade, wenn man es im Zusammenhang mit dem Plane Gottes nimmt, alle durch das Opfer eines anderen zu rechtfertigen. Böses wird für immer ausgetilgt werden, wenn Gottes Zweck, zu dem er es zuließ, erfüllt ist, wenn nämlich die Wohltat des Lösegeldes sich soweit erstreckt hat als die Strafe der ersten Sünde. Es ist jedoch unmöglich, das zu erkennen, ohne die rechte Erkenntnis zu haben von der Furchtbarkeit der Sünde und ihrer Strafe - des Todes, von der Bedeutung und dem Wert des Lösegeldes, das Jesus gab, und von der positiven und vollständigen Wiederherstellung des Individuums in eine günstige Lage und zu vorteilhaften Bedingungen - Bedingungen, unter welchen der einzelne volle und reichliche Gelegenheit haben soll, sich würdig zu erweisen, ehe ihm der Lohn (dauerndes Leben) oder die Strafe (dauernder Tod) zuerkannt wird.

Den großen Plan der Erlösung und die darauffolgende "Wiederherstellung aller Dinge" durch Christum vor Augen, können wir sehen, dass aus der Zulassung des Bösen ein Segen entspringt, der auf keine andere Weise hätte erreicht werden können.

Nicht nur haben die Menschen durch die gewonnene Erfahrung einen ewigen Nutzen (und ebenso die Engel durch ihre Beobachtung der Erfahrungen der Menschen), sondern alle haben auch noch den weiteren Vorteil, mit Gottes Wesen und Eigenschaften, wie sich beides in seinem Plane kundgibt, genau bekannt zu werden. Wenn sein Plan vollständig ausgeführt ist, dann werden alle klar und deutlich seine Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht daraus erkennen. Sie werden die Gerechtigkeit erkennen, welche die göttlichen Verordnungen nicht umgehen, noch das rechtmäßig verurteilte Geschlecht erretten konnte ohne eine völlige Hinwegnahme ihrer Strafe durch das Auflegen derselben auf einen willigen Erlöser. Sie werden die Liebe erkennen, die dieses edle Opfer bereitete und den Erlöser zu Gottes eigener Rechter Hand erhöhte und ihm die Macht gab, die zum Leben wiederherzustellen, die er mit seinem eigenen teuren Blut erkauft hatte. Sie werden auch die Macht und Weisheit erkennen, die fähig war, für alle seine Geschöpfe eine so herrliche Bestimmung auszuwirken und allen widerstrebenden Einfluss so zu überwalten, dass aus ihm ein, sei es williges, sei es unwilliges Werkzeug zur Förderung und schließlichen Hinausführung seiner großartigen Ziele wurde. Wäre Böses nicht zugelassen und durch die göttliche Vorsehung also überwaltet worden, so wäre es rein undenkbar, wie solche Erfolge hätten erzielt werden können. Die Zulassung des Bösen entfaltet eine fernsehende Weisheit, die alle begleitenden Umstände erfasste, ein Heilmittel ersann und den schließlichen durch seine Macht und Gnade zu bewirkenden Erfolg aufzeichnete.

Während der christlichen Heilszeitordnung ist Böses ferner noch als Mittel zur Erziehung und Zubereitung der Kirche benutzt worden. Wäre Böses nicht zugelassen worden, so wären die Opfer Jesu und der Kirche, deren Lohn die göttliche Natur ist, nicht möglich gewesen.

Es ist klar, dass wesentlich dasselbe Gesetz Gottes das für die Menschheit jetzt gilt, dessen Halten das Leben, dessen Übertretung den Tod zum Lohn hat schließlich alle intelligenten Geschöpfe Gottes regieren muss; und dieses Gesetz ist, wie unser Herr es beschrieben hat, kurz in dem einen Worte Liebe zusammengefasst. ,Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstande und deinen Nächsten wie dich selbst" (Luk. 10:27). Schließlich, wenn die Ratschläge Gottes in Erfüllung gegangen sind, wird die Herrlichkeit des göttlichen Wesens allen seinen Geschöpfen offenbar geworden sein und die zeitweilige Zulassung des Bösen von allen als weise, Bestandteil der göttlichen Weltherrschaft erkannt werden. Jetzt kann dies nur vom Auge des Glaubens gesehen werden, das durch sein Wort die Dinge schaut, von denen der Mund aller heiligen Propheten von Anbeginn der Welt her geredet hat, der Wiederherstellung aller Dinge.




Wenn alle deine Gnad,
o Gott, ich überblick im Geist, -
So sink' ich voll Anbetung hin
In Staunen, Lieb und Preis. -

könnten meine Worte wohl
Den würd'gen Dank dir weih'n,
Der stets mein Innerstes bewegt?
Du liest im Herzen mein.

Ein Dankeslied erhebt mein Herz
Durch alle Ewigkeit,
Und auszubreiten deinen Ruhm
Ist meine ew'ge Freud'.

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Studie 8

Der Tag des Gerichts

Die gewöhnliche Ansicht über den Tag des Gerichts. - Ist sie schriftgemäß? - Die Ausdrücke "Gericht" und "Tag" erklärt. - Verschiedene Gerichtstage in der Schrift erwähnt. - Der erste Gerichtstag und seine Folgen. - Ein anderer Tag festgesetzt. - Der Richter. - Das Wesen des kommenden Gerichts. - Ähnlichkeit und Verschiedenartigkeit des ersten und zweiten Gerichts. - Die gegenwärtige Verantwortlichkeit der Welt. - Zwei dazwischen fallende Gerichte und ihr Zweck. - Die Ansichten über das kommende Gericht sehr verschieden. - Wie es die Propheten und Apostel ansahen.

"Gott hat einen Tag gesetzt, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat" - "Jesus Christus, den Gerechten". "Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben." - Apg. 17:31; Joh. 5:22; 1. Joh. 2:1

Eine sehr inhaltsleere und unbestimmte Vorstellung herrscht in Bezug auf den Tag des Gerichts. Die gewöhnlich angenommene Ansicht ist, dass Christus auf die Erde herabkommen wird, auf einem großen weißen Thron sitzend, und dass er Fromme und Gottlose in Reih und Glied vor sich fordern wird, um mitten unter großen Naturerscheinungen, Erdbeben, Öffnen der Gräber, Zerreißen der Felsen und Hinfallen der Berge, gerichtet zu werden; da soll der zitternde Sünder aus den Tiefen ewiger Qual gebracht werden, um sich seine Sünden vorhalten zu lassen und um dann aufs neue zu seinem ewigen und unbarmherzigen Verhängnis zurückzukehren; und die Heiligen werden vom Himmel gebracht, um Zeugen des Elends und der Verzweiflung der Verurteilten zu sein und die Entscheidung ihres eigenen Falles noch einmal zu hören und zurückzukehren. Nach der vorherrschenden Anschauung erhielten ja alle beim Tode ihren Richterspruch und Lohn; und dieses Gericht hier, das zum Zwecke der Unterscheidung das allgemeine Gericht genannt wird, ist nur eine Wiederholung von jenem, aber zu keinem fassbaren Zweck, zu mal man behauptet, dass beim Tode eine endgültige unabänderliche Entscheidung getroffen worden ist.

Ein Tag von vierundzwanzig Stunden ist, wie man glaubt, die ganze Zeit, da dieses gewaltige Werk, die Milliarden zu richten, von statten gehen soll. Eine vor kurzem in einer Brooklyner Kirche gehaltene Rede vertrat die gewöhnliche Ansicht über diesen Gegenstand. Sie brachte einen ins einzelne gehenden Bericht über das Werk des Gerichtstages und stellte es als an einem einzigen buchstäblichen Tage vollendet dar.

Das ist eine sehr mangelhafte Vorstellung und gänzlich außer Harmonie mit der Heiligen Schrift. Man hat sie aus einer zu wörtlichen Auslegung des Gleichnisses unseres Herrn von den Schafen und Böcken geschöpft (Matth. 25:31-46). Es liefert uns ein Beispiel von der Ungereimtheit, bildlicher Sprache eine buchstäbliche Auslegung aufzwingen zu wollen. Ein Gleichnis ist niemals eine genaue Darstellung einer Wahrheit, sondern bloß eine Verdeutlichung derselben an einem in mancher Hinsicht gleichen Gegenstand. Wenn dieses Gleichnis eine buchstäbliche Darstellung der Art und Weise wäre, wie das Gericht gehandhabt werden soll, so würde es sich auch, so wie es lautet, auf buchstäbliche Schafe und Böcke und nicht auf die Menschheit beziehen. Lasst uns nun eine mehr der Schrift entsprechende und auch vernünftigere Ansicht über das Werk des großen, von Gott bestimmten Gerichtstages ins Auge fassen mit welchen vernünftigen und schriftgemäßen Schlussfolgerungen alle Gleichnisse und Vorbilder übereinstimmen.

Der Ausdruck Gericht bezeichnet mehr als einfach das Abgeben eines Urteils. Er schließt sowohl die Prüfung als auch die Entscheidung ein, die sich auf diese Prüfung gründet. Und dies ist nicht nur von dem englischen Wort "judgment" und dem deutschen Wort "Gericht" wahr, sondern auch von dem griechischen, aus dem diese übersetzt wurden.

Der Ausdruck Tag bezeichnet in der Schrift sowohl wie im gewöhnlichen Gebrauch - wenn er auch am häufigsten zur Bezeichnung eines zwölf - oder vierundzwanzigstündigen Zeitabschnittes gebraucht wird, - eigentlich irgend einen bestimmten oder besonderen Zeitabschnitt. So redet man z. B. von Noahs Tag, Luthers Tag, Washingtons Tag, und so wird in der Bibel die ganze Zeit der Schöpfung ein Tag genannt. Wir lesen von "dem Tage, da Jehova Gott Himmel und Erde machte" (1. Mose 2:4) - ein langer bestimmter Zeitabschnitt; von dem "Tag der Versuchung in der Wüste" - vierzig Jahre (Hebr. 3:8, 9); dem "Tag des Heils" (2. Kor. 6:2). So lesen wir auch vom "Tag der Rache", "Tag des Zorns" und "Tag des Jammers", "Tag des Getümmels", "Tag der Trübsal" - Ausdrücke, die auf einen Zeitabschnitt von vierzig Jahren am Schluss des jüdischen Zeitalters und auf einen ähnlichen Zeitabschnitt der Trübsal am Ende des Evangeliums-Zeitalters angewendet werden. So lesen wir ferner von dem "Tage Christi", dem "Tage des Gerichts" und "Seinem Tage" - Ausdrücke, die auf das tausendjährige Zeitalter Bezug haben, in dem der Messias die Welt regieren und in Gerechtigkeit richten, ihr eine neue Probezeit schenken, wie auch ihr Urteil sprechen wird. Und von diesem Zeitabschnitt steht geschrieben: In seinem Tage wird er den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und zu seinen Zeiten zeigen, wer der Selige und Alleingewaltige, der König aller Könige und der Herr aller Herren ist. (Apg. 17:31; 1. Tim. 6:15; - engl. Übers.) Warum irgend jemand annehmen sollte, dass dieser Gerichtstag nur vierundzwanzig Stunden lang sein könne, während er in anderen ähnlichen Fällen die weitere Bedeutung des Wortes "Tag" zugibt, kann man kaum begreifen, außer man setzt voraus, dass er durch die Überlieferungen, ohne eigentlichen Beweis und ohne selbstständige Nachforschung beeinflusst ist.

Wer in einem vollständigen Bibelwörterbuch sorgfältig in Bezug auf den Gerichtstag nachschlagen und die Art und die Menge der während dieses Zeitabschnittes zu geschehenden Arbeit beachten würde, der müsste bald die Ungereimtheit der gewöhnlichen Anschauung und die Notwendigkeit einsehen, dem Ausdruck Tag seine weitere Bedeutung zu lassen.

Während die Schrift von einem großen, noch zukünftigen Gerichts- oder Prüfungstage spricht und zeigt, dass die Masse der Menschheit ihre völlige Prüfung und ihren endlichen Urteilsspruch an jenem Tage haben soll, lehrte sie doch auch, dass es andere Gerichtstage gegeben hat, während welcher gewisse auserwählte Klassen ihre Erprobung gehabt haben.

Das erste große Gericht (Probe und Urteilsspruch) fand am Anfange in Eden statt, als das ganze menschliche Geschlecht, in seinem Haupt Adam vertreten, von Gott geprüft wurde. Das Ergebnis dieser Prüfung war der Urteilsspruch: schuldig, ungehorsam, des Lebens unwürdig; und die auferlegte Strafe war der Tod: "Sterbend wirst du sterben" (1. Mose 2:17). Und so heißt es, dass "in Adam alle sterben". Jene Probezeit in Eden war der erste Gerichtstag, und die Entscheidung des Richters (Jehovas) ist seitdem fort und fort in Wirksamkeit gewesen.

"Der Zorn Gottes wird geoffenbart vom Himmel gegen alle Ungerechtigkeit." Man sieht ihn in jedem Leichenzuge. Jeder Grabstein ist ein Zeuge davon. Man fühlt ihn in jedem Weh und jedem Schmerz, den wir empfinden. Alles dies sind Folgen der ersten Prüfung und des ersten Urteilsspruches Gottes, dass wir des Lebens und der Segnungen unwürdig sind, welche ursprünglich für die Menschen bestimmt waren, wenn sie gehorsam und in Gottes Ebenbild verblieben wären. Doch die Menschheit ist durch das eine Opfer für alle, welches der große Erlöser gab, von dem Urteilsspruch jener ersten Prüfung erlöst worden. Alle sind erkauft worden vom Grabe und vom Todesurteile, von der Vernichtung, und der Tod ist im Hinblick auf die Erlösung nicht mehr als Tod im vollen Sinn, als ewig dauernder zu betrachten, sondern eher als zeitweiliger Schlaf; weil am Millenniumsmorgen alle vom Lebensspender, der sie alle erlöste, auferweckt werden sollen. Nur die Kirche (Herauswahl) der Gläubigen ist jetzt in irgendeinem Sinn befreit oder der ursprünglichen Verurteilung und Strafe "entronnen"; und ihr Entrinnen ist noch kein tatsächliches, sondern nur durch den Glauben so gerechnet. Wir sind nur "durch Hoffnung" gerettet. Unsere tatsächliche Befreiung von dieser Todesstrafe (welche, als wir in Adam waren, über uns kam, und welcher wir durch Eingehen in Christum entrinnen) werden wir erst am Auferstehungsmorgen völlig erfahren, da wir vor Wonne satt sein werden, wenn wir im Ebenbild unseres Erlösers erwachen. Doch die Tatsache, dass wir, die wir zur Erkenntnis des gnädigen Planes in Christo gekommen sind, "dem Verderben, das (noch) in der Welt ist, entronnen sind", beweist keineswegs, dass andere keine Hoffnung zukünftigen Entrinnens haben, sie beweist vielmehr das Gegenteil davon; denn wir sind eine gewisse Erstlingsfrucht der Geschöpfe Gottes (Jak. 1:18). Unser Entrinnen vom adamitischen Tode zum Leben in Christo ist nur ein Vorgeschmack der Befreiung aller Willigen von der Knechtschaft der Vergänglichkeit (des Todes) zur Freiheit des Lebens, die allen denen zukommt, welche Gott als Söhne anerkennen wird. Alle, die da wollen, können vom Tode zum Leben befreit werden, und dabei macht es nichts aus, welche unterschiedlichen Naturen Gott für seine Söhne auf den verschiedenen Daseinsstufen bestimmt hat. Das Evangeliums-Zeitalter ist der Prüfungstag für Leben oder Tod derer, die zur göttlichen Natur berufen sind.

Aber der Apostel belehrt uns, dass Gott einen anderen Tag festgesetzt hat, an dem er die Welt wiederum richten wird. Wie kann dies sein? Hat Gott seinen Sinn geändert? Hat er eingesehen, dass seine Entscheidung bei der ersten Prüfung ungerecht und zu streng war, so dass er nun beschließt, die Welt noch einmal zu richten? O nein! Wäre das der Fall so hätten wir in der zukünftigen Prüfung keine bessere Bürgschaft für eine gerechte Entscheidung als in der vergangenen. Nicht dass Gott seine Entscheidung im ersten Gericht als ungerecht betrachtet, sondern er hat eine Erlösung aus der Strafe des ersten Gerichtes vorgesehen, damit er dem ganzen Geschlecht ein anderes Gericht (Prüfung) unter günstigeren Umständen gestatten könnte, nachdem alle die Erfahrung mit der Sünde und ihren Folgen gehabt haben. Gott hat an seinem ursprünglichen Vorhaben, das er sich gestellt, ehe die Welt begann, kein Jota geändert. Er belehrt uns ausdrücklich, dass er sich nicht verändert und dass er um keinen Preis den Schuldigen ungestraft lässt. Er wird aufs pünktlichste die volle Strafe ausführen, die er gerechterweise angekündigt hatte und diese volle Strafe ist für uns von dem Versöhner oder Stellvertreter, den Gott bereitet hat, Jesus Christus, getragen worden, da er "von Gottes Gnaden den Tod schmeckte für jedermann". Da unser Herr mit seinem eigenen Leben Adam und sein Geschlecht erkauft hat, kann er nun rechtmäßig, gerechterweise, allen aufs neue Leben anbieten. Dieses Angebot erfolgt für die Kirche unter dem Opferbund (Psalm 50:5; Röm. 12:1), für die Welt wird es unter dem Neuen Bund geschehen (Röm. 14:9; Hebr. 10:16, 29; 13:20, 21; Jer. 31:31).

Wir werden ferner unterrichtet, dass, wenn Gott der Welt diese zweite Prüfung schenkt, sie unter Christo, als dem Richter, stattfinden wird, den Jehova also ehrt, weil er um unserer Sünde willen bis zum Tode gehorsam war. Gott hat ihn hoch erhöht, selbst bis zur göttlichen Natur, dass er ein Fürst und Heiland sei (Apg. 5:31), der da vom Tode zu befreien vermag und allen denen, die er mit seinem eigenen teuren Blute erkauft hat, ein neues Gericht zuteil werden lassen kann. Gott hat alles Gericht dem Sohn gegeben samt aller Gewalt im Himmel und auf Erden. - Joh. 5:22

Es ist demnach der hoch erhöhte, verherrlichte der die Welt so geliebt hat, dass er sein Leben für sie als Lösegeld gab, welcher in der der Welt verheißenen zweiten Prüfung ihr Richter sein wird. Und es ist Jehova selbst, der ihn für dieses Amt und zu diesem Zwecke verordnet hat. Da dies klare Aussprüche der Heiligen Schrift sind, so hat man dabei nicht zu befürchten, sondern im Gegenteil, alle hätten guten Grund, mit Freuden dem Gerichtstage entgegenzusehen. Das Wesen des Richters ist genügende Bürgschaft dafür, dass das Gericht gerecht und milde und mit nötiger Rücksichtnahme auf die Schwachheiten aller gehandhabt werden wird, bis sie zu der ursprünglichen, in Eden verlorengegangenen Vollkommenheit zurückgebracht worden sind.

Ein Richter war in alten Zeiten einer, der Gerechtigkeit handhabte und dem Unterdrückten beistand; zum Beispiel als Israel wegen seiner Übertretungen gegen den Herrn von seinen Feinden unterdrückt wurde, wurde es wieder und wieder durch das Erwecken von Richtern befreit und gesegnet. So lesen wir: "Und die Kinder Israel schrieen zu Jehova; und Jehova erweckte den Kindern Israel einen Retter, der sie rettete: Othniel ... Und der Geist Jehovas kam über ihn, und er richtete Israel; und er zog aus zum Streit ... Und das Land hatte Ruhe vierzig Jahre." (Richter 3:9-11) So hat die Welt lange Zeit unter der Unterdrückung und der Macht des Widersachers Satan gestanden, aber bald wird der, der ihre Sünden mit seinem teuren Blute hinwegnahm, an sich nehmen seine große Gewalt und herrschen. Er wird die, die er so liebte, dass er sie erlöste, befreien und richten.

Hiermit stimmen alle prophetischen Aussagen überein. Es steht geschrieben: "Er wird den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und die Völker in Geradheit." - Psalm 98:9

Das kommende Gericht wird nach genau denselben Grundsätzen gehandhabt werden wie das erste. Dieselbe Forderung des Gehorsams, mit dem gleichen Lohn (Leben) und der gleichen Strafe (Tod) wird gestellt werden. Und wie die erste Prüfung einen Anfang nahm, fortschritt, und mit einem Urteilsspruch schloss, so wird es auch bei der zweiten sein; und der Urteilsspruch wird lauten: Leben für die Gerechten und Tod für die Ungerechten. Durch die Erfahrung unter den Folgen der ersten Prüfung wird die zweite eine viel günstigere sein. Zum Unterschiede von der ersten Prüfung jedoch wird in der zweiten jeder Mensch die Probe für sich selbst bestehen und nicht für einen anderen. Niemand wird also um der Sünde Adams willen sterben, wie seither, noch um angeerbter Unvollkommenheiten willen. Es soll nicht mehr gesagt werden: "Die Väter haben Herlinge (Sünde) gegessen, aber den Kindern sind die Zähne (in der Erbsünde) stumpf geworden; sondern ein jeglicher Mensch wird um seiner Missetat willen sterben; und welcher Mensch Herlinge isst, dem sollen seine Zähne stumpf werden." "Welche Seele sündigt, die soll sterben." (Hes. 18: 2-4,20, Jer. 31:29, 30). Und es wird dann wahr sein, wie es jetzt in Bezug auf die Kirche wahr ist, dass ein Mensch beurteilt wird, nach dem er hat, nicht nach dem er nicht hat (2. Kor. 8:12; Luk 12:48). Unter der Herrschaft Christi wird die Menschheit allmählich erzogen, geleitet und geschult werden, bis sie Vollkommenheit erreicht. Und wenn sie Vollkommenheit erreicht hat, so wird auch vollkommene Harmonie mit Gott gefordert werden, und wer dann keinen vollkommenen Gehorsam leistet, wird als des Lebens unwürdig ausgerottet (vernichtet) werden. Die Sünde, die dem Geschlecht durch Adam den Tod brachte, war einzig und allein eine Tat des Ungehorsams, aber durch diese Tat fiel er von seiner Vollkommenheit. Gott hatte ein Recht, vollkommenen Gehorsam von ihm zu fordern, da er vollkommen erschaffen war, und er wird das gleiche von jedem Menschen verlangen, wenn das große Werk der Wiederherstellung vollendet ist. Ewiges Leben zu haben wird keinem gestattet werden, der dann im geringsten Grade der Vollkommenheit ermangelt. Denn hinter dieser zurückbleiben, hieße, vorsätzlich gegen volles Licht und Fähigkeit sündigen.

Jeder, der vorsätzlich, also gegen volles Licht und volle Fähigkeit, sündigen wird, wird den zweiten Tod sterben. Und sollte jemand während jenes Zeitalters bei dem vollen Scheine des Lichtes die angebotene Gnade verachten und hundert Jahre lang keinen Fortschritt machen, so wird er als des Lebens unwürdig erkannt und "ausgerottet" werden, obgleich er in einem Alter von hundert Jahren erst in den Kinderjahren steht. Denn also steht von jenem Tag geschrieben: "Denn der Jüngling wird als Hundertjähriger sterben und der Sünder als Hundertjähriger verflucht werden." (Jes. 65:20) Demnach müssen alle zum wenigsten eine Prüfung von hundert Jahren haben; und wenn sie nicht so halsstarrig sind, dass sie sich weigern, Fortschritte zu machen, so wird dieselbe den ganzen Tag Christi hindurch dauern bis am Ende desselben der Höhepunkt erreicht ist.

Das schließliche Ende des zweiten Gerichtes der Welt wird deutlich im Gleichnisse von den Schafen und Böcken gezeigt (Matth. 25:31-46), ferner in Offb. 20:15; 21:8 und in 1. Kor. 15:25. Diese und andere Schriftstellen zeigen, dass am Ende des Gerichtes die beiden Klassen vollständig voneinander getrennt sein werden, die Gehorsamen und Ungehorsamen, die, welche mit dem Buchstaben sowohl als mit dem Geist des Gesetzes Gottes im Einklang stehen, und die, welche damit nicht im Einklang stehen. Jene treten ins ewige Leben ein, und die anderen werden dem Tode ("zweiten Tod" - der Vernichtung) überliefert; demselben Urteilsspruch, wie beim ersten Gericht, von dem sie durch die Zahlung des Lösegeldes - den Tod Christi - erlöst worden waren. Dies wird ihr zweiter Tod sein. Kein Lösegeld wird für sie gegeben werden, und keine Erlösung oder Auferstehung wird ihrer warten, da ihre Sünde eine vorsätzliche, persönliche Sünde war, eine solche, die gegen volles Licht, trotz aller Möglichkeit, sie zu meiden, und unter einer überaus günstigen, persönlichen Prüfung begangen wurde.

Wir wollen aber durchaus nicht so verstanden werden, als leugneten wir die gegenwärtige Verantwortlichkeit der Welt, die jeder Mensch in dem Maße hat, als er Licht genießt, sei es viel oder wenig, sei es das Licht der Natur oder der Offenbarung. "Die Augen Jehovas sind an jedem Orte, schauen aus auf Böse und auf Gute." "Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Verborgene bringen." (Spr. 15:3; Pred. 12:14) Die guten oder bösen Taten der gegenwärtigen Zeit werden eine gerechte Vergeltung als Lohn empfangen, entweder hier oder dort: "Von etlichen Menschen sind die Sünden vorher offenbar und gehen voraus zum Gericht; etlichen aber folgen sie auch nach." (1. Tim. 5:24) Niemand als nur die "kleine Herde" hat bis jetzt hinreichendes Licht gehabt, um sich die schließliche Strafe, den zweiten Tod, zuziehen zu können. Wir deuten hier die gegenwärtige Verantwortlichkeit der Welt nur an und heben die Einzelheiten für eine spätere Betrachtung auf.

Ein Zeitraum von ungefähr sechstausend Jahren liegt zwischen dem ersten und zweiten Gerichtstag der Welt, und während dieser langen Zeit sind zwei besondere Klassen aus der Menschheit auserlesen, besonders geprüft, gezüchtigt und erzogen worden, um am Tage des Weltgerichtes Jehovas geehrte Werkzeuge zu sein.

Diese beiden Klassen werden von Paulus (Hebr. 3:5, 6) als das Haus der Söhne und als das Haus der Knechte bezeichnet. Das Erste besteht aus denjenigen Überwindern, die während des Evangeliums-Zeitalters geprüft und treu erfunden wurden, und das letztere besteht aus den treuen Überwindern, die vor dem Evangeliums-Zeitalter lebten. Die zwei Zeitabschnitte, in denen diese beiden verschiedenen Klassen berufen, geprüft und auserwählt wurden, waren zwei verschiedene Gerichtstage, nicht für die Welt, sondern für diese zwei besonderen Klassen. Diejenigen, welche die Probe zur Zugehörigkeit zu einer dieser besonderen Klassen erfolgreich bestanden haben, werden nicht mit der Welt ins Gericht kommen. Sie werden vielmehr Gottes Werkzeuge sein, um die Welt zu segnen, ihr die für ihre endgültige Prüfung nötige Erziehung und Unterweisung zu erteilen. "Wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?" (1. Kor. 6:2)

Diese im voraus gerichteten Klassen waren, wie die übrige Menschheit, einst unter der adamitischen Verurteilung, aber durch den Glauben wurden sie gerechtfertigt, und nachdem sie dann die Bedingungen ihrer betreffenden Berufungen erfüllt haben, werden sie hoher Erhöhung zu Ehr- und Machtstellungen würdig erachtet.

Die Prüfung oder das Gericht dieser beiden Klassen ist ein viel strengeres gewesen, als das über die Welt an ihrem Gerichtstage sein wird, weil sie Satan, dem Fürsten dieser Welt, mit aller seiner List und seinem Trug widerstehen mussten, während am Gerichtstage der Welt Christus regieren und Satan gebunden sein wird, "auf dass er nicht mehr die Nationen verführe" (Offb. 20:3). Diese Klassen haben um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erlitten, während die Menschen dann für Gerechtigkeit belohnt und nur für Ungerechtigkeit bestraft werden. Diese haben große Steine des Anstoßes und Fallstricke auf ihrem Wege gehabt, die entfernt sein werden, wenn die Welt auf die Probe gestellt wird. Aber eben weil die Prüfung dieser beiden besonderen Klassen so viel strenger und ernster gewesen ist, darum wird auch ihr Lohn entsprechend größer sein.

Unter den Spitzfindigkeiten des großen Betrügers Satan ist sowohl die Welt als auch die Namenkirche der seligen Gewissheit von der kommenden Zeit eines gerechten Gerichtes beraubt worden. Sie wissen, dass die Bibel von einem kommenden Gerichtstage redet, aber sie blicken darauf nur mit Furcht und Schrecken hin, und um dieser Angst willen gibt es für sie keine unwillkommenere Botschaft als die, dass der Tag des Herrn vorhanden ist. Sie schieben den Gedanken an ihn von sich und wollen nicht einmal davon reden hören. Sie haben keine Vorstellung von dem in Bereitschaft stehenden Segen für die Welt unter der glorreichen Herrschaft dessen, in welchem Gott beschlossen hat, den Kreis des Erdbodens in Gerechtigkeit zu richten. Zu dem am allermeisten blendenden Einfluss, den Satan ausgeübt hat, um die Menschen über diese Wahrheit in der Unwissenheit zu erhalten, gehören vor allem die Irrlehren, die sich unbemerkt in die Glaubensbekenntnisse und Gesangbücher der verschiedenen religiösen Sekten eingeschlichen haben und welche man sich als über dem Worte Gottes stehend zu betrachten gewöhnt hat.

Wie ganz anders haben die Propheten und Apostel jenen verheißenen Tag des Gerichts angesehen. Höre die frohlockende Weissagung Davids (1. Chron. 16:31-34):

"Es freue sich der Himmel, und es frohlocke die Erde! Und man spreche unter den Nationen: Jehova regiert!
Es brause das Meer und seine Fülle! Es frohlocke das Gefilde und alles, was darauf ist!
Dann werden jubeln die Bäume des Waldes - vor Jehova; denn er kommt, die Erde zu richten!
Preiset Jehova, denn er ist gütig, denn seine Güte währet ewiglich!"

Auf denselben Tag weist uns der Apostel hin und verbürgt uns, dass es ein herrlicher, ein begehrenswerter Tag sein wird, dass nach ihm die ganze Schöpfung zusammenseufzt und in Wehen liegt bis jetzt und wartet auf den großen Richter, der da kommt, um sie zu befreien und zu segnen, sowie auch die Kirche zu verherrlichen und zu erhöhen (Röm. 8:21, 22).

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Studie 9

Lösegeld und Wiederherstellung

Durch das Lösegeld die Wiederherstellung verbürgt. - Das Lösegeld sichert nicht ewiges Leben, sondern eine Erprobung auf solches. - Bedingungen und Vorteile der Erprobung. - Christi Opfer notwendig. - Wie konnte und wurde das ganze Geschlecht durch den Tod von Einem erlöst? - Glaube und Werke noch notwendig. - Der Sold vorsätzlicher Sünden gewiss. - Wird für die auferweckten Millionen Raum genug auf der Erde sein? - Wiederherstellung im Gegensatz zu Evolution oder Fortentwicklung.

Aus dem bis hierher entworfenen Umriss des von Gott geoffenbarten Planes ist es klar, dass sein Vorhaben eine Wiederherstellung der Menschheit zu der in Eden verlorengegangenen Vollkommenheit und Herrlichkeit ist. Der stärkste und entschiedenste Beweis dafür liegt in dem vollen Verständnis dessen, was die Tragweite und das Wesen des Lösegeldes ist. Die von den Aposteln und Propheten vorher verkündigte Wiederherstellung muss als notwendiges und folgerichtiges Ergebnis auf das Lösegeld folgen. Nach der Einrichtung, die Gott bei der Bereitung des Lösegeldes traf, muss die ganze Menschheit von der ursprünglichen Strafe, "der Knechtschaft der Vergänglichkeit" (Röm. 8:21), dem Tode, befreit werden, sei denn, dass sie der rettenden Macht des Erlösers böswillig widerstehen, sonst würde das Lösegeld nicht für alle einen Wert haben.

Klar und nachdrücklich sind die Schlussfolgerungen des Apostel Paulus darüber. Er sagt (Röm. 14:9): "Denn hierzu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, auf dass er herrsche sowohl über Tote als über Lebendige." Das will sagen, der Zweck des Todes und der Auferstehung Jesu war nicht nur, das noch lebende Menschengeschlecht zu segnen, zu beherrschen und wiederherzustellen, sondern es gab ihm die Macht und volle Gewalt über die Toten, sowohl als auch über die Lebenden, und sichert die Wohltaten seines Lösegeldes ebenso sehr den einen wie den anderen zu. "Er gab sich selbst dahin, als Lösegeld (entsprechenden Kaufpreis) für alle", damit er alle segnen und wiederherstellen und jedem Menschen eine persönliche (ihn allein angehende) Prüfung zum Leben geben könne. Zu behaupten, dass er ein "Lösegeld für alle" gab und dass doch nur eine Handvoll der Erlösten je irgendeinen Nutzen davon erhalten, ist eine große Ungereimtheit; denn es setzt voraus, dass Gott entweder den Preis des Lösegeldes annahm und dann ungerechterweise sich weigerte, das Loslassen der Erkauften zu bewilligen, oder dass der Herr, nachdem er alle erkauft, entweder unfähig wäre oder nicht den Willen hätte, seine ursprüngliche wohlmeinende Absicht durchzuführen. Die Unveränderlichkeit der göttlichen Ratschlüsse und nicht weniger seine vollkommene Gerechtigkeit und Liebe widersprechen solch einem Gedanken und geben uns die Gewissheit, dass der ursprüngliche, wohlgemeinte Plan, dessen Grundlage das "Lösegeld für alle" war, in Gottes "fest bestimmter Zeit" voll und ganz ausgeführt werden und den Segen der Befreiung von der adamitischen Strafe zu den Rechten und Freiheiten der Söhne Gottes, wie sie vor der Sünde und dem Fluch genossen wurden, bringen wird.

Wenn die tatsächlichen Segnungen und Resultate des Lösegeldes klar erkannt werden, so muss jeder Einwand gegen seine allgemeine Anwendbarkeit verstummen. Das "Lösegeld für alle", das von dem "Menschen Christus Jesus" gegeben wurde, gibt oder verbürgt keinem Menschen ewiges Leben oder ewiges Glück, sondern es gibt und verbürgt jedem Menschen eine zweite Gelegenheit oder ein anderes Gericht, ewiges Leben zu erlangen. Die erste Prüfung des Menschen, die mit dem Verlust des zuerst verliehenen Glückes endete, ist vermöge des Lösegeldes, das Gott bereitete, in Wirklichkeit in einen Segen der Erfahrung verwandelt worden. Aber die Tatsache, dass die Menschen von der ersten Strafe erlöst sind, verbürgt nicht, dass sie, wenn sie persönlich für das ewige Leben geprüft werden, nicht etwa den Gehorsam zu leisten verfehlen, ohne welchen niemandem ewig zu leben gestattet werden wird. Der Mensch wird durch die gegenwärtige Erfahrung mit der Sünde und ihrer bitteren Strafe genügend gewarnt sein, und wenn ihm nun infolge des Lösegeldes eine andere, persönliche Prüfung unter den Augen und der Herrschaft dessen zuteil wird, der ihn so geliebt, dass er sein Leben für ihn gelassen, und der nicht will, dass jemand verloren gehe, sondern dass sich jedermann zu ihm kehre und lebe, so können wir gewiss sein, dass nur der vorsätzlich Ungehorsame die Strafe der zweiten Prüfung erhalten wird. Diese Strafe wird der zweite Tod sein, für welchen es kein Lösegeld, keine Erlösung gibt, weil kein Zweck für ein anderes Lösegeld oder eine weitere Prüfung vorhanden ist. Alle haben sowohl Gutes wie Böses durch und durch erkannt und geschmeckt; alle haben die Güte und Liebe Gottes vor Augen gehabt und erfahren; alle haben dann unter den günstigsten Umständen eine volle, günstige, persönliche Probe für das Leben gehabt. Mehr kann nicht verlangt werden und mehr wird nicht gegeben werden. Diese Probe entscheidet ein für allemal, wer in tausend Proben gerecht und heilig sein würde, und entscheidet ebenso endgültig, wer in tausend Proben ungerecht und unheilig und immer unrein bleiben würde.

Unter genau denselben Verhältnissen eine weitere Prüfung für das Leben zu gestatten, wäre nutzlos; aber obgleich die Verhältnisse der zu Prüfenden verschieden und günstiger sein werden, so werden doch die Bedingungen der persönlichen Prüfung dieselben sein wie in der adamitischen. Das Gesetz Gottes bleibt dasselbe, es verändert sich nicht, es wird immer noch sagen: "Die Seele, die sündigt, die soll sterben"; und was die Umgebung betrifft, so wird die Lage des Menschen keine günstigere sein als die Lage und Umgebung desselben in Eden; der große Unterschied liegt in der vermehrten Erkenntnis. Die Erfahrung des Bösen im Gegensatz zu der jedem bei der Probe im kommenden Zeitalter zuteil werdenden Erfahrung des Guten ist der Vorteil, durch den sich das Ergebnis der zweiten Prüfung von dem der ersten weit unterscheiden wird, und um dessentwillen göttliche Weisheit und Liebe "das Lösegeld für alle" bereitete und so allen den Segen einer neuen Probe zusicherte. Keine günstigere Prüfung, kein günstigeres Gesetz, keine günstigeren Umstände oder Verhältnisse könnten irgendwie und für irgendwen als Grund für ein anderes Lösegeld oder eine weitere Prüfung, über das tausendjährige Zeitalter hinaus, erdacht werden.

Das gegebene Lösegeld entschuldigt die Sünde bei niemandem; es sagt nicht, man solle Sünder für Heilige ansehen und sie daraufhin in ewige Glückseligkeit versetzen. Es beseitigt allein die erste Verurteilung und ihre Strafe und rechnet den Sünder, direkt oder indirekt, als von jener Verurteilung und ihren Folgen befreit; es stellt ihn wieder fürs Leben auf die Probe, in welcher sein eigener, freiwilliger Gehorsam oder vorsätzlicher Ungehorsam entscheiden soll, ob er ewiges Leben haben kann oder nicht.

Auch sollte man nicht annehmen, wie so viele geneigt zu sein scheinen, dass diejenigen, die in zivilisierten Verhältnissen leben und eine Bibel sehen und besitzen, damit schon eine Gelegenheit oder Probe fürs Leben haben. Man muss bedenken, dass der Sündenfall die Kinder Adams nicht alle gleichmäßig beschädigt hat; einige kommen so schwach und verderbt in die Welt, dass sie gar leicht von Satan, dem Gott dieser Welt, verblendet und durch die umlagernde und umgebende Sünde gefangen genommen werden, und dass alle, mehr oder weniger, unter diesem Einfluss stehen so dass, wenn sie das Gute wollen, das Böse ihnen anhängt und durch die Umgebung usw. viel mächtiger ist, und das Gute, das sie tun möchten, fast unmöglich, dagegen das Böse, das sie nicht tun möchten, fast unvermeidlich ist.

Klein ist in der Tat die Zahl derer, die in der gegenwärtigen Zeit in Wahrheit und erfahrungsgemäß die Freiheit erkennen lernen, womit Christus die frei macht, welche sein Lösegeld annehmen und sich für weitere Leitung unter seine Herrschaft stellen. Allein diese wenigen die Kirche heraus berufen und schon im voraus zu dem besonderen Zwecke geprüft beim Segnen der Welt Mitarbeiter Gottes zu werden jetzt Zeugnis ablegend und später im Zeitalter des Weltgerichtes die Welt regierend, segnend und richtend, nur diese genießen in gewissem Maße die Wohltaten des Lösegeldes oder stehen jetzt auf der Probe fürs Leben. Alle die Segnungen der Wiederherstellung, welche die Welt im kommenden Zeitalter genießen wird, werden diesen wenigen zugerechnet, und sie empfangen dieselben durch den Glauben. Obgleich sie nicht vollkommen, noch tatsächlich zu Adams Urzustand wiederhergestellt sind, werden sie doch auf solche Weise behandelt, die den Unterschied ausgleicht. Durch den Glauben an Christum werden sie als vollkommen gerechnet, als ob sie keine Sünder mehr wären, zur göttlichen Gnade wiederhergestellt. Ihre Unvollkommenheiten und unvermeidlichen Schwachheiten werden ihnen nicht angerechnet; sie sind durch das Lösegeld ausgeglichen und werden ihnen nicht zugerechnet, sondern sind durch des Erlösers Vollkommenheit bedeckt. Die Prüfung der Kirche ist daher um der stattfindenden Zurechnung willen geradeso günstig wie die der Welt in ihrer Prüfungszeit. Die Welt wird zu einer vollen Erkenntnis der Wahrheit gebracht werden, und jeder, der ihre Bedingungen annimmt, wird nicht länger mehr als ein Sünder, sondern als ein Sohn behandelt werden, für den alle die Wiederherstellungssegnungen bestimmt sind.

Ein Unterschied zwischen den Erfahrungen der Welt in ihrer Prüfung und den Erfahrungen der Evangeliums-Kirche in der ihrigen wird darin bestehen, dass die Gehorsamen der Welt sofort die Wiederherstellungs-Segnungen durch allmähliche Beseitigung ihrer geistigen und leiblichen Schwachheiten empfangen werden, während die Evangeliums-Kirche (Herauswahl), die dem Dienste des Herrn bis zum Tode geweiht ist, in den Tod geht und ihre Vollkommenheit plötzlich in der ersten Auferstehung erhält. Ein anderer Unterschied zwischen den beiden Prüfungen besteht in den günstigeren Umgebungen des nächsten Zeitalters im Vergleich mit diesem, indem dann die öffentliche Meinung, Regierung usw. der Gerechtigkeit, der Belohnung des Glaubens und des Gehorsams und der Bestrafung der Sünde günstig sein wird, während jetzt, unter dem Fürsten dieser Welt, das Gericht der Kirche (des Hauses Gottes) unter Verhältnissen vor sich geht, die der Gerechtigkeit, dem Glauben usw. ungünstig sind. Aber dies wird ausgeglichen durch den der Kirche vorgehaltenen Preis, das Kleinod, die Ehre und Herrlichkeit der göttlichen Natur außer der Gabe des ewigen Lebens.

Adams Tod war gewiss, wenn er auch erst nach neunhundertdreißig Jahren des Sterbens eintrat. Weil er selbst im Sterben begriffen war, werden alle seine Kinder in demselben Zustande des Sterbens, ohne ein Recht zum Leben, geboren, und alle sterben, wie ihre Eltern, nach längerem oder kürzerem Dasein dahin. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass nicht der Schmerz und das Leiden des Sterbens, sondern der Tod, das Auslöschen des Lebens, in dem es gipfelt, die Strafe der Sünde ist. Das Leiden ist nur zufällig, und manchen befällt die Strafe mit geringen oder gar keinen Leiden. Man sollte ferner bedenken, dass Adam, als er das Leben verwirkte, es für immer verwirkte; und nicht einer seiner Nachkommenschaft ist je fähig gewesen, seine Schuld auszulöschen oder das verlorene Erbe wiederzugewinnen. Das ganze Geschlecht ist entweder tot oder sterbend. Und wenn die Menschen ihre Schuld vor dem Tode nicht auslöschen konnten, so konnten sie es gewiss nicht, nachdem sie tot, nicht mehr im Dasein, waren. Die Strafe der Sünde bestand nicht darin, einfach zu sterben, mit dem Recht, dann wieder zum Leben zurückzukehren. In der angekündigten Strafe war keine Andeutung von Befreiung (1. Mose 2:17). Die Wiederherstellung ist daher auf Seiten Gottes eine Tat freier Gnade oder Gunst. Und sobald als die Strafe verhängt worden war, ja während sie noch ausgesprochen wurde, wurde auch die freie Gnade Gottes angedeutet, die, wenn sie ganz verwirklicht ist, seine Liebe voll und ganz erklären wird.

Wäre jener Hoffnungsschimmer nicht gewesen, den die Verheißung, dass der Weibessame der Schlange den Kopf zertreten sollte, gewährte, so wäre das Menschengeschlecht in äußerster Verzweiflung gewesen; aber diese Verheißung deutete an, dass Gott einen Plan für ihren Segen bereit hatte. Als Gott dem Abraham schwur, dass in seinem Samen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten, so setzte das eine Auferweckung oder Wiederherstellung aller voraus; denn viele waren damals schon tot, und andere sind seitdem ungesegnet gestorben. Nichtsdestoweniger ist die Verheißung noch sicher; alle sollen gesegnet werden, wenn die Zeiten der Wiederherstellung und Erquickung kommen (Apg. 3:19). Ferner, da gesegnet werden Gnade voraussetzt, und da Gottes Gnade um der Sünde willen entzogen wurde, und sein Fluch an deren Stelle trat, so setzte diese Verheißung eines zukünftigen Segens die Beseitigung des Fluches und folglich eine Rückkehr seiner Gnade voraus. Und ebenso setzt sie voraus, dass Gott entweder das, was er bestimmt hatte, bereuen und darum seine Anordnung verändern und das schuldige Geschlecht freisprechen werde oder dass er einen Plan habe, nach welchem sie dadurch erlöst werden konnten, dass ihre Strafe durch einen anderen für sie bezahlt werden würde.

Gott ließ Abraham nicht im Zweifel darüber, was sein Plan sei, sondern zeigte durch verschiedene vorbildliche Opfer, die alle, die sich ihm nahen wollten, darbringen mussten, dass er nicht nachgeben könne, noch nachgegeben habe und die Sünde weder entschuldigen könne noch werde; und dass der einzige Weg, auf dem sie auszutilgen und ihre Strafe abzuwenden sei, der sei, dass ein vollgültiges, der Strafe angemessenes Opfer gegeben werde. Das wurde Abraham in einem sehr bedeutsamen Vorbilde gezeigt: Abrahams Sohn, in dem der verheißene Segen sich zentralisierte, musste erst ein Opfer werden, ehe er segnen konnte, denn Abraham erhielt ihn "im Vorbild" von den Toten wieder (Hebr. 11:19). Und als solches Vorbild schattete Isaak den wahren Samen, Christus Jesus, ab, der da starb, um die Menschen zu erkaufen, damit die Erkauften alle den verheißenen Segen empfangen. Hätte Abraham gedacht, dass der Herr den Schuldigen entschuldigen und freisprechen würde, so hätte er denken können, Gott sei veränderlich, und die von ihm gemachten Verheißungen hätten darum kein volles Vertrauen erwecken können. Abraham könnte gedacht haben: Hat Gott seinen Sinn einmal geändert, warum sollte er ihn nicht wieder ändern? Wenn er in Bezug auf den Fluch des Todes Reue empfand, kann er nicht auch in Bezug auf die verheißene Gnade und den Segen Reue empfinden? Allein Gott lässt uns in keiner solchen Ungewissheit. Er gibt uns volle Sicherheit, sowohl von seiner Gerechtigkeit als auch von seiner Unveränderlichkeit. Er kann die Schuldigen nicht rein sprechen, obwohl er sie so liebte, dass er "seines eigenen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahin (in den Tod) gegeben".

Da das ganze Geschlecht in Adam war, als er verurteilt wurde, und durch ihn das Leben verlor, so auch, als Adams Leben durch den Menschen Christus Jesus erkauft wurde, starb das in seinen Lenden vorhandene Geschlecht, und also wurde der Gerechtigkeit volle Befriedigung, ein entsprechender Preis gegeben für alle Menschen; und der auf diese Weise alle erkauft hat, hat volle Gewalt, alle, die durch ihn zu Gott kommen, wiederherzustellen.

"Wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Denn gleichwie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden." (Röm. 5:18,19) Die Folgerung ist klar: So viele, als um der Sünde Adams willen den Tod erlitten, erhalten Lebensrechte zurückerstattet, weil ihre Strafe von Jesu (der vor dem verletzten Gesetze Adams Stellvertreter war und sich so "für alle zum Lösegeld gegeben hat") bezahlt worden ist. Er starb, "der Gerechte für Ungerechte, auf dass er uns zu Gott führe." (1. Petr. 3:18) Man sollte jedoch nie vergessen, dass alle Vorkehrungen Gottes für unser Geschlecht den menschlichen Willen als einen Faktor bei der Erlangung der so reichlich vorgesehenen göttlichen Gnade berücksichtigen. Etliche haben diesen Zug bei der Untersuchung des eben angeführten Textes (Röm. 5:18, 19) übersehen, Die Aussage des Apostels ist jedoch: wie der Urteilsspruch der Verdammnis sich durch Adam auf das ganze Geschlecht erstreckte, ebenso sei durch den Gehorsam unseres Herrn Jesus Christus für den Plan des Vaters durch das Opfer seiner selbst um unsertwillen ein freies Geschenk allen dargeboten, eine Gabe der Vergebung, welche, wenn angenommen, eine Rechtfertigung oder Grundlage für ewiges Leben bildet. Und wie durch des einen Menschen Ungehorsam die Vielen Sünder wurden, so werden (nicht wurden) durch den Gehorsam des Einen die Vielen gerecht werden. Wenn das Lösegeld allein, ohne unsere Annahme desselben, uns gerecht machte, dann würde es gelautet haben: Durch den Gehorsam des Einen wurden die Vielen gerecht. Aber, obwohl das Lösegeld vom Erlöser gegeben und von Jehova angenommen worden ist, sind doch nur wenige während des Evangeliums-Zeitalters gerecht geworden - durch "den Glauben an sein Blut" - wenn auch während des Millenniums viele gerecht werden. Da er die Versöhnung (Genugtuung) für die Sünden der ganzen Welt ist, so können alle Menschen daraufhin von der Strafe der Sünde Adams, vom Tode, freigesprochen und befreit werden - unter dem Neuen Bund.

"Da in Gott keine Ungerechtigkeit ist, so wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit." (1. Joh. 1:9) Wie er ungerecht gewesen wäre, hätte er uns der angekündigten Strafe entgehen lassen, ehe volle Genugtuung geleistet war, so, gibt er uns zu verstehen, würde er auch ungerecht sein, wenn er unsere Wiederherstellung hindern wollte, da durch seine eigene Einrichtung unsere Strafe bezahlt worden ist. Dieselbe unweigerliche Gerechtigkeit, die einst den Menschen zum Tode verurteilte, steht jetzt für das Loslassen aller derer verpflichtet, welche ihre Sünden bekennen und um Leben durch Christum bitten. "Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet." - Röm. 8:33, 34

Die Vollständigkeit des Lösegeldes ist der denkbar stärkste Beweisgrund für die Wiederherstellung des ganzen Menschengeschlechtes. d.h. für alle, die unter den dargereichten Bedingungen dieselbe annehmen (Offb. 22:17). Gottes Charakter, seine Gerechtigkeit und Ehre, steht dafür verpflichtet; jede Verheißung die er gegeben, schließt dieselbe ein; und jedes vorbildliche Opfer weist auf das große ausreichende Opfer hin, auf das "Lamm Gottes, welches der Welt Sünde (hinweg) trägt" und das die "Versöhnung (Genugtuung) für unsere (der Kirche) Sünden ist, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt". (Joh. 1:29; 1. Joh. 2:2). Da der Tod die Strafe oder der Lohn der Sünde ist, so muss auch, wenn die Sünde beseitigt ist, der Lohn in fest bestimmter Zeit aufhören. Jede andere Ansicht wäre sowohl unvernünftig als ungerecht. Die Tatsache, dass beinahe zweitausend Jahre verstrichen sind, seit Jesus starb, und dass wir noch niemanden von der Sünde oder dem Tode befreit sehen, ist kein Beweisgrund gegen Wiederherstellung; denn bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag (2. Petr. 3:8). Die zweitausend Jahre seit, wie auch die viertausend Jahre vor dem Tode Christi, waren für andere Teile des Werkes verordnete Zeiten, in Vorbereitung auf das große Werk der "Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge".

Nehme niemand voreilig an, dass diese Ansicht irgendwie mit der Lehre der Heiligen Schrift, dass Glaube an Gott, Reue über die Sünde und Besserung des Lebens zum ewigen Leben unerlässlich sind, in Widerspruch stände. Die Sache wird in einem folgenden Kapitel ausführlicher behandelt werden, für jetzt genüge es, zu sagen, dass wir glauben, dass es nur wenige sind, die bisher genügendes Licht gehabt haben, um in ihnen Glaube, Reue und Besserung bewirken zu können. Einige sind teilweise, andere vollständig von dem Gott dieser Welt verblendet worden, und damit jeder für sich selbst eine volle Gelegenheit erhalten könne, durch Gehorsam gegen Gott seine Würdigkeit für ewiges Leben zu beweisen, müssen sie alle vom Tode und von der Blindheit gerettet und geheilt werden. Diejenigen, die sich dann des Lebens unwürdig erzeigen, werden aufs neue sterben, den zweiten Tod, aus dem es keine Erlösung und folglich keine Auferstehung gibt. Der um der Sünde Adams willen gekommene Tod und alle die Unvollkommenheiten, die in seinem Gefolge sind, werden durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist, abgetan werden; aber der Tod, der als eine Folge persönlichen, vorsätzlichen Abfalls eintritt, wird endgültig sein. Diese Sünde hat nimmer Vergebung, und ihre Strafe, der zweite Tod, wird ewig dauernd sein, nicht ewig dauerndes Sterben, sondern ewig dauernder Tod, ein Tod, durch keine Auferstehung unterbrochen.

Die Philosophie des Erlösungsplanes wird in einem folgenden Band behandelt werden; hier stellen wir nur die Tatsache fest, dass die Erlösung durch Jesus Christus mit ihren segensreichen Folgen und Gelegenheiten ebenso weit reicht, als die Sünde Adams mit ihrem Verderben, Verlust und Untergang, dass alle, die verurteilt wurden und um des Einen willen leiden mussten, ebenso gewiss um des Anderen willen "in fest bestimmter Zeit" von allen den Leiden werden freigelassen werden. Es kann jedoch niemand diesen Schriftbeweis verstehen, der nicht die Schriftaussage zugibt, dass der Tod - Vertilgung des Wesens - der Lohn der Sünde ist. Wer sich den Tod als ein Leben unter Qualen denkt, der missachtet nicht nur die Bedeutung der Worte Tod und Leben, die Gegensätze sind, sondern verwickelt sich auch in zwei Ungereimtheiten. Es ist vernunftwidrig, anzunehmen, dass Gott das Dasein Adams erhalten würde, um ihn um irgendeiner Sünde willen, die er begehen konnte, besonders aber für das Essen von der verbotenen Frucht, in Ewigkeit Qualen erdulden zu lassen. Ferner, wenn Jesus die Menschheit erlöste, an unserer Statt als unser Lösegeld starb, in den Tod ging, damit wir aus demselben befreit werden möchten, ist es dann nicht klar, dass der Tod, den er für die Ungerechten erlitt, genau derselbe war, zu dem sie verurteilt waren? Erduldet er für unsere Sünden ewige Qual? Wenn nicht, dann war, so gewiss er für unsere Sünden starb, der Tod die Strafe für unsere Sünden und nicht ein Leben in irgendwelchem Sinn oder Zustand.

Doch sonderbar, obwohl manche die Unvereinbarkeit der Lehre einer "ewigen Qual" mit der Schriftlehre, dass "der Herr unser aller Sünden auf ihn warf" und "dass Christus gestorben ist für unsere Sünden", einsehen und darum erkennen, dass sie das eine oder das andere fallen lassen müssen, so sind sie doch so eingenommen für die ewige Qual und lieben sie als einen so süßen Bissen, dass sie auch ohne Schriftgrund daran festhalten und mit Vorbedacht leugnen, dass Jesus für die ganze Welt das Lösegeld bezahlt habe, obgleich es auf jedem Blatt der Bibel gelehrt wird.

Ist Wiederherstellung ausführbar?

Einige haben gemeint, dass, wenn die Milliarden Toter auferweckt sein würden, kein Raum für alle auf der Erde sein würde; und wenn je Raum genug sei, so würde doch die Erde eine so große Bevölkerung nicht ernähren können. Von etlichen ist sogar behauptet worden, dass die Erde eine ungeheure Begräbnisstätte sei und dass sie aus Mangel an Raum aufeinander herumtreten müssten, wenn alle die Toten auferstehen würden.

Das ist ein wichtiger Punkt. Wie befremdend würde es sein, wenn wir durch tatsächliches Ausmessen finden würden, dass alle die Menschen nicht hätten, wo sie ihren Fuß hinsetzten, während die Bibel eine Auferstehung aller verkündet. Nun lasst uns sehen; rechne nach, und du wirst finden, dass die obige Vorstellung ein Irrtum ist. Du wirst finden, dass für eine "Wiederherstellung aller", wie "Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat", reichlich Raum sein wird.

Lasst uns annehmen, seit der Schöpfung des Menschen seien 6000 Jahre verflossen und dass jetzt 1400 Millionen Menschen auf der Erde leben, im Jahre 1886. Unser Geschlecht begann mit einem Paar; aber lasst uns eine liberale Schätzung machen und annehmen, dass damals ebenso viele lebten wie heute (1,4 Milliarden), und weiter, dass es zu keiner Zeit eine geringere Zahl gegeben hat, obwohl die Flut die Bevölkerung tatsächlich auf acht Personen verringerte. Wiederum wollen wir liberal sein und drei Generationen auf ein Jahrhundert rechnen, während gemäß 1. Mose 5 nur elf Generationen von Adam bis zur Flut waren, eine Periode von 1656 Jahren, oder ungefähr 150 Jahre auf eine Generation. Nun wollen wir sehen: 6000 Jahre sind 60 Jahrhunderte; drei Generationen auf jedes ergäbe seit Adam 180 Generationen. 1,4 Milliarden auf eine Generation würden als Gesamtzahl unseres Geschlechtes von der Schöpfung bis jetzt 252 Milliarden (252.000.000.000) ergeben; das heißt nach dieser liberalen Schätzung, die wahrscheinlich die wirkliche Zahl um mehr als das Doppelte übersteigt.

Wo werden wir für diese große Menge Raum genug finden? Lasst uns das Land messen und sehen. Der Staat Texas, in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, umfasst 237.000 (engl.) Quadratmeilen. Eine Quadratmeile enthält 27.878.400 Quadratfuß. Daher sind in Texas über 6607 Milliarden (6.607.180.800.000) Quadratfuß. Erlauben wir zehn Quadratfuß für jedes Grab, so finden wir, dass nach dieser Rechnung Texas, als Begräbnisplatz benutzt, mehr als 660 Milliarden (660.718.080.000) Gräber enthalten würde oder beinahe dreimal so viel als unsere übertriebene Schätzung der Anzahl des ganzen menschlichen Geschlechtes.

Eine stehende Person nimmt etwa ein und zwei Drittel Quadratfuß ein. Nach dieser Rechnung könnte die gegenwärtige Bevölkerung der Erde im Jahre 1886 (1,4 Milliarden Personen) auf einem Flächenraum von sechsundachtzig Quadratmeilen stehen, ein Flächenraum, der viel kleiner ist, als der der Stadt London oder der Stadt Philadelphia. Und die Insel Irland (Flächeninhalt 32.000 Quadratmeilen) würde für mehr als die doppelte Zahl Menschen, die selbst nach unserer überreichlichen Schätzung je auf Erden gelebt haben, Raum zum Stehen bieten.

Diesen Einwand zu beseitigen, macht nicht viel Schwierigkeit. Und wenn wir uns ins Gedächtnis rufen, was Jesaja weissagt, dass "das Land sein Gewächs gibt", dass die Wüste wird lustig sein und das Gefilde (Steppe) wird fröhlich stehen und wird blühen wie die Lilien; dass in der Wüste werden Wasser hin und wieder fließen und Ströme in den Gefilden (Jes. 35:1-6), so sehen wir daraus, dass Gott anzeigt, er habe alles, was zu seinem Plane nötig ist, vorausgesehen und werde reichliche Vorsorge für die Bedürfnisse seiner Kreaturen treffen, und zwar auf eine ganz natürliche Weise.

Wiederherstellung wider Evolution

Hier möchte jemand den Einwand erheben, dass das Zeugnis der Schrift von einer Wiederherstellung des Menschen zu seinem vorigen Zustande mit den Ergebnissen der Wissenschaft und Philosophie unvereinbar sei. Denn diese, sagt man, bekunden augenfällig die höhere Intelligenz dieses neunzehnten Jahrhunderts und beanspruchen dies als einen entschiedenen Beweis, dass der ursprüngliche Mensch eine verhältnismäßig geringere Intelligenz gehabt habe, während Intelligenz heute, wie man behauptet, das Ergebnis einer Fortentwicklung (Evolution) sei. So betrachtet, würde eine Wiederherstellung nicht nur nicht wünschenswert, sondern das gerade Gegenteil eines Nutzens sein.

Beim ersten Blick scheint solche Schlussfolgerung ganz vernünftig zu sein, und manche sind geneigt, sie ohne weitere Untersuchung als selbstverständliche Wahrheit anzunehmen und mit einem berühmten Prediger von Brooklyn zu sagen: - Wenn Adam überhaupt fiel, so fiel er aufwärts und je mehr und je schneller wir von seinem ursprünglichen Zustand fallen, desto besser für uns und alle.

So versucht die Philosophie sogar von der Kanzel das Wort Gottes bedeutungslos zu machen und uns womöglich zu überzeugen, dass die Apostel Narren waren, als sie lehrten, dass der Tod und alles Elend durch eines (des ersten) Menschen Ungehorsam entstand, und dass solches nur durch ein Lösegeld und durch eine Wiederherstellung aller Dinge beseitigt und der Mensch zur göttlichen Gnade wiederhergestellt werden könnte (Röm. 5:10, 12, 17-19, 21; Apg. 3:21; Offb. 21:3-5). Aber lasst uns nicht zu voreilig annehmen, dass diese Philosophie unantastbar sei; denn müssten wir die Lehre der Apostel in Bezug auf den Ursprung der Sünde und des Todes usw. und über die Wiederherstellung zur ursprünglichen Vollkommenheit fallen lassen, so müssten wir auch ehrlicherweise ihr Zeugnis als nicht göttlich eingegeben und folglich als ohne jegliches Gewicht und jegliche Autorität oder Bedeutung gänzlich und über jeden Gegenstand verwerfen. Lasst uns denn diese zunehmend populäre Ansicht im Lichte der Tatsachen prüfen und sehen, wie tief ihre Philosophie ist.

Ein Vertreter und Verteidiger dieser Theorie sagt: "Der Mensch war zuerst auf einer Stufe des Daseins, auf der seine tierische Natur vorherrschte und das beinahe rein Sinnliche ihn beherrschte. Dann wuchs er langsam von einer Stufe zur andern, so dass nun der Durchschnittsmensch eine solche Stellung erreicht hat, dass man von ihm sagen kann, er ist im Begriff, unter die Herrschaft des Verstandes zu kommen. Daher kann man dieses Zeitalter als das des Verstandes ansehen und benennen. Verstand ergreift die Zügel der Regierung; und die Elemente der Erde, der Luft, des Wassers werden in Unterwürfigkeit gebracht. Der Mensch legt seine Hand auf alle physischen Kräfte und langsam, aber sicher erreicht er so Gewalt über das Gebiet der Natur, so dass Gewissheit vorhanden ist, er werde schließlich mit den Worten Alexander Selkirks ausrufen können: "Ich bin Monarch von all dem, das ich überblicke."

Der Umstand, dass eine Anschauung auf den ersten Blick vernünftig erscheint, sollte uns nicht bewegen, sie schnell anzunehmen und zu versuchen, die Bibel zur Übereinstimmung zu zwingen. Tausendfach haben wir die Bibel erprobt und wissen über allen Zweifel hinaus, dass sie mehr als menschliche Weisheit enthält, dass ihre Aussagen irrtumsfrei sind. Wenn wissenschaftliche Forschung auch wohl zu empfehlen ist, und ihre Vermutungen beachtet werden müssen, so sollte man doch bedenken, dass ihre Schlüsse bei weitem nicht unfehlbar sind. Was Wunder auch, dass sie ihre eigenen Lehren tausendmal als falsch nachgewiesen hat, wenn wir bedenken, dass der echte Gelehrte, der die Geschichte und die Bestimmung des Menschen und seines Wohnortes zu erkennen versucht, das alles unter vielen ungünstigen Umständen und im Kampfe gegen fast unüberwindliche Schwierigkeiten aus dem großen Buch der Natur erforschen muss.

Wir wollen daher wissenschaftlicher Forschung nicht entgegen sein, noch sie hindern; aber hören wir von Vermutungen der Erforscher des Buches der Natur, so lasst uns ihre oft zum Teil, oft ganz als irrtümlich erwiesenen Schlussfolgerungen sorgfältig mit dem Buch der göttlichen Offenbarung vergleichen und die Vermutungen der Gelehrten erproben oder widerlegen - "zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht nach diesem Worte sprechen, so gibt es für sie keine Morgenröte" (des anbrechenden Tausendjahrtages) (Jes. 8:20). Bei genauer Erkenntnis werden sich beide Bücher als übereinstimmend herausstellen; aber bis solche vorhanden, muss für die Kinder Gottes Jehovas Offenbarung den Vorrang haben und die Richtschnur bilden, nach welcher die angeblichen Funde fehlbarer Mitmenschen beurteilt werden.

Aber wenn wir auch diesen Grundsatz festhalten, so lasst uns doch zusehen, ob nicht eine andere, vernünftige Lösung der Frage, warum heutzutage das Wissen, die Geschicklichkeit und das Vermögen des Menschen so zunehmen, sich finden lässt, als die Lehre der Evolution, dass nämlich der Mensch, obwohl anfänglich aus einem sehr niederen Zustand des Seins hervorgegangen, jetzt das höhere, das "Zeitalter des Verstandes" erreicht habe. Vielleicht finden wir nach allem, dass Erfindungen, Verfeinerung des Lebens, allgemeinere Bildung, weitere Verbreitung und Vermehrung von Wissen keiner größeren Leistungsfähigkeit des Verstandes zuzuschreiben sind, sondern günstigeren Verhältnissen für dessen Gebrauch. Dass das heutige Fassungsvermögen des Verstandes größer sei, als in vergangenen Zeiten, bestreiten wir; während wir gern zugestehen, dass, dank günstigerer Umstände, der Gebrauch des dem Menschen heutzutage zu Gebote stehenden Verstandesvermögens allgemeiner ist, als zu irgendeiner früheren Periode, und folglich viel mehr in die Augen fällt. Gehen nicht die Forscher dieses "Zeitalters des Verstandes" beim Studium der Malerei und Bildhauerei zu den großen Meistern der Vergangenheit zurück? Geben sie nicht damit bei jenen ein Verstandesvermögen und eine Ursprünglichkeit der Auffassung, wie auch eine Fertigkeit, ihre Entwürfe auszuführen, zu, die nachahmenswert ist? Zehrt nicht das gegenwärtige "Zeitalter des Verstandes" für seine Baukunst in großem Maßstab von den ursprünglichen Plänen vergangener Zeitalter? Studieren und ahmen nicht die Redner und Logiker dieses "Zeitalters des Verstandes" die Methoden und die Art, logische Schlüsse zu ziehen, einen Plato, Aristoteles, Demosthenes und andere der Vergangenheit nach? Könnte sich nicht mancher öffentliche Redner des heutigen Tages gar wohl die Sprache eines Demosthenes oder eines Apollo wünschen, und noch viel mehr das wunderbare Urteilsvermögen des Apostels Paulus?

Um noch weiter zurückzugehen: während wir die Philosophen dieses "Zeitalters des Verstandes" gar wohl auf den rhetorischen Schwung manch eines Propheten und auf die durch die Psalmen hindurchgehenden erhabenen poetischen Gemälde verweisen könnten, genüge es, auf die Weisheit und Logik sowie auf das feine, moralische Empfinden eines Hiobs und seiner Tröster hinzuweisen. Und was sollen wir von Mose sagen, "gelehrt in aller Weisheit der Ägypter"? Die durch ihn gegebenen Gesetze bilden die Grundlage der Gesetze aller zivilisierten Nationen und werden noch jetzt als die Verkörperung bewundernswerter Weisheit anerkannt.

Die Ausgrabungen alter begrabener Städte zeigen eine Kenntnis der Künste und Wissenschaften, die für manchen Philosophen dieses sogenannten "Zeitalters des Verstandes" überwältigend ist. Und der alte Gebrauch der Einbalsamierung der Toten, das Verfertigen von biegsamem Glas und damaszenischem Stahl (*) gehören zu den Errungenschaften fernen Vergangenheit, die zu begreifen und nachzumachen für den Verstand des gegenwärtigen Zeitalters mit all seinen günstigen Verhältnissen unmöglich ist.

(*) (Dieser zu Damaskus, im Morgenland, verfertigte Stahl soll biegsam gewesen sein wie Fischbein, so dass man mit der Spitze eines Schwertes dessen Griff berühren konnte, ohne es zu zerbrechen.)

Gehen wir viertausend Jahre zurück, zur Zeit Abrahams etwa, so finden wir in der großen ägyptischen Pyramide (siehe Schriftstudien, Serie 3) einen Gegenstand des Wunderns und Staunens für die gelehrtesten Forscher heutigen Tages. Ihre Bauart ist in vollständiger Übereinstimmung mit den fortgeschrittenen Errungenschaften dieses "Zeitalters des Verstandes" auf dem Gebiet der Mathematik und Astronomie. Sie lehrt positiv Wahrheiten, die mit Hilfe moderner Instrumente nur annähernd erkannt werden können. So schlagend und klar sind ihre Lehren, dass einige der ersten Astronomen der Welt ohne Bedenken erklärt haben, sie sei von göttlichem Ursprung. Und wenn nun auch die Anhänger der Evolutionstheorie in unserem "Zeitalter des Verstandes" zugeben sollten, dass sie von göttlicher Anordnung und ihre Weisheit übermenschlich ist, so müssen sie doch ebenfalls zugeben, dass sie von Menschen gebaut ist. Und die Tatsache, dass in jenen längst vergangenen Tagen eine Anzahl Menschen die geistige Fähigkeit besaß, solche göttliche Anordnung auszuführen, was heute sehr wenig Menschen, trotz des Vorbildes vor ihren Augen und mit all den modernen wissenschaftlichen Hilfsmitteln zur Hand, zu tun imstande wären - beweist, dass unser "Zeitalter des Verstandes" mehr Eigendünkel entwickelt, als Verhältnisse und Tatsachen rechtfertigen.

Wenn hiermit bewiesen ist, dass die geistige Fähigkeit der Jetztzeit nicht größer ist, als die vergangener Zeitalter, sondern eher geringer, wie kann man dann die Zunahme allgemeiner Bildung, die modernen Erfindungen usw. erklären? Wir denken, dies tun zu können, und zwar sowohl vernunft- als auch schriftgemäß. Die Entdeckungen und Erfindungen, die sich jetzt als so wertvoll erweisen, und die als Beweis, dass dies das "Zeitalter des Verstandes" ist, gelten sollen, sind in der Tat sehr modern, fast alle gehören den letzten hundert Jahren an, und zu den wichtigsten gehören die der letzten sechzig Jahre; unter anderen die Benutzung des Dampfes und der Elektrizität beim Eisenbahnbau, in der Telegraphie und bei anderweitiger Verwendung dieser Kräfte in der Maschinenindustrie. Wenn dies den Beweis für vermehrte Verstandeskraft liefert, so muss das "Zeitalter des Verstandes" erst begonnen haben, und die logische Schlussfolgerung wäre, dass ein weiteres Jahrhundert alle erdenklichen Wunder als alltägliche Vorkommnisse sehen würde; und wo sollte es hinaus, wenn es in gleichem Verhältnis fortginge?

Doch überlegen wir weiter: Sind alle Menschen Erfinder? Wie ungeheuer klein ist die Zahl derjenigen, deren Erfindungen wirklich nützlich und praktisch sind, im Vergleich mit denen, die eine Erfindung benutzen, wenn sie in ihre Hand gelegt wird! Wir reden auch nicht geringschätzig von jener überaus nützlichen und hochachtbaren Klasse öffentlicher Diener, wenn wir sagen, dass nur die kleinere Zahl derselben große Verstandesmenschen sind. Viele der klügsten Menschen der Welt und tiefsten Denker sind keine Erfinder in der Mechanik; und einige Erfinder sind geistig so träge, dass man sich wundert, wie sie wohl auf ihre Entdeckung geraten sind. Die großen Grundkräfte (Elektrizität, Dampfkraft usw.), an denen so viele Menschen viele Jahre lang herum probierten, sie anwandten und immer wieder verbesserten, sind gewöhnlich durch die scheinbar unbedeutendsten Zufälle, ohne Ausübung großer Verstandeskraft und verhältnismäßig unerwartet entdeckt worden.

Vom menschlichen Standpunkte aus kann man die modernen Erfindungen so erklären: Die Erfindung der Buchdruckerkunst im Jahre 1440 n.Chr. kann als Ausgangspunkt angenommen werden. Mit dem Drucken von Büchern entstanden Urkunden der Gedanken und Entdeckungen der Denker, die sonst ihren Nachfolgern nie bekannt geworden wären. Durch die Bücher entstand eine allgemeine Bildung und endlich die Volksschule. Schulen und Universitäten vermehren das menschliche Fassungsvermögen nicht, aber sie machen geistige Übung allgemeiner und helfen so, die schon vorhandene Fähigkeit weiter zu entwickeln. Da Kenntnisse allgemeiner und Bücher alltäglicher wurden, so hatte die Generation, die solches ererbte, über die vorhergehenden einen entschiedenen Vorteil nicht nur darin, dass es jetzt tausend Denker gegen einen von früher gibt, die sich durch gegenseitigen Gedankenaustausch reizen und antreiben, sondern auch darin, dass das jetzige Menschengeschlecht durch die Bücher die gesamten Erfahrungen der Vergangenheit zugleich mit seinen eigenen besitzt. Erziehung und der löbliche Ehrgeiz, der sie begleitet, Unternehmungsgeist und der Wunsch, Auszeichnung und ein gutes Auskommen zu erlangen, angespornt durch die Berichte und Beschreibungen über Erfindungen in der Tagespresse, das hat des Menschen Wahrnehmungsvermögen angeregt und verschärft und gemacht, dass jeder darauf aus ist, wenn möglich irgend etwas zum allgemeinen Besten zu finden. Wir behaupten daher, dass die modernen Erfindungen, nur vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, keine Zunahme der Verstandeskraft lehren, sondern eine durch natürliche Ursachen verschärfte Wahrnehmung.

Doch nun kommen wir zur Schrift und wollen sehen, was sie darüber lehrt; denn während wir, wie oben gesagt, glauben, dass Erfindungen und die Zunahme von Kenntnissen usw. unter den Menschen die Folge natürlicher Ursachen sind, so glauben wir doch, dass diese natürlichen Ursachen Jehova längst bewusst gewesen sind und nach seiner alles überwachenden Vorsehung, durch welche er "alle Dinge wirkt nach dem Rate seines Willens" (Eph. 1:11), zustande kamen. Nach Gottes Plan, wie er in seinem Wort geoffenbart ist, war sein Ratschluss, zuzulassen, dass Sünde und Elend sechstausend Jahre regiere und die Welt bedrücke und dann im siebenten Millennium (Jahrtausend) alle Dinge durch Jesum Christum, den er zu diesem Werk zuvor verordnet hatte, wiederherzustellen und das Böse und seine Folgen auszurotten. Als daher die sechstausend Jahre der Herrschaft des Bösen sich ihrem Ende zuneigten, hat Gott den Verhältnissen gestattet, Entdeckungen zu begünstigen, sowohl beim Studium des Buches der Offenbarung als seines Buches der Natur, wie auch bei der Bereitung mechanischer und chemischer Hilfsmittel, dienlich zur Segnung und Aufrichtung der Menschheit während des Millenniums. Dass das Gottes Plan war, ist durch prophetische Aussprüche klar angezeigt. "Und du, Daniel, verschließe die Worte und versiegele das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden es durchforschen (wörtlich hin und herlaufen) und die Erkenntnis (nicht Verstandesfähigkeit) wird sich mehren"; "und keine der Gottlosen werden es (Gottes Plan und Weg) verstehen, die Verständigen aber werden es verstehen"; "und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht, bis zu jener Zeit." - Dan. 12:1, 4, 10

Es möchte jemandem sonderbar scheinen, dass Gott es nicht so eingerichtet hat, dass die gegenwärtigen Erfindungen und Segnungen früher kamen, um den auf den Menschen lastenden Fluch zu mindern. Man sollte aber bedenken, dass es Gottes Plan gewesen ist, die Menschheit den Fluch voll auskosten zu lassen, damit, wenn der Segen über alle käme, sie sich für immer über die Schädlichkeit der Sünde im klaren seien. Ferner, Gott hat vorausgesehen und vorausgesagt, was die Welt noch nicht sieht und weiß, nämlich, dass seine auserlesensten Segnungen nur zu größerem Übel führen und größeres Übel erzeugen würden, wenn sie denen zuteil würden, deren Herzen mit den gerechten Gesetzen des Weltalls nicht in Einklang stehen. Schließlich wird man erkennen, dass Gottes gegenwärtige Zulassung vermehrter Segnungen eine praktische Lektion in dieser Hinsicht gewesen ist, die dann in alle Ewigkeit, sowohl den Engeln, als auch den wiederhergestellten Menschen, als Beispiel für die Wahrheit dieses Grundsatzes dienen wird. Wie dies möglich ist, wollen wir andeuten. -

1. So lange die Menschheit in ihrem gegenwärtigen gefallenen oder verderbten Zustand ist, ohne zwingende Gesetze und Strafen und ohne eine Regierung, stark genug, ihre Ausführung zu erzwingen, wird der Hang zur Selbstsucht mehr oder weniger über alle die Herrschaft behalten. Und bei der ungleichen Fähigkeit der einzelnen ist es unmöglich, dass der Erfolg der Erfindung von arbeitssparender Maschinerie, nachdem der durch die Verfertigung derselben hervorgerufene Aufschwung und Reiz sich gelegt hat, zu etwas anderem diene, als den Reichen reicher und den Armen ärmer zu machen. Die Neigung der Zeit geht auf das Monopol, die Selbstvergrößerung hin, was den Gewinn direkt in die Hände derjenigen liefert, deren Fähigkeit und natürliche Lage am günstigsten sind.

2. Wenn es möglich wäre, ein Gesetz zu erlassen, wodurch der gegenwärtige Reichtum und tägliche Verdienst unter alle Klassen gleichmäßig verteilt würde, was nicht möglich ist, so würde der Erfolg ohne menschliche Vollkommenheit oder ein übernatürliches Regiment zur Leitung der menschlichen Angelegenheiten, verderbenbringender sein als der gegenwärtige Zustand. Wenn die Vorteile von arbeitssparender Maschinerie und allen modernen Hilfsmitteln gleichmäßig verteilt würden, so fände gar bald eine große Verminderung der Arbeitszeit und eine große Zunahme der freien Zeit statt. Müßiggang ist eines der schädlichsten Dinge für gefallene Wesen. Hätte nicht die Notwendigkeit der Arbeit und des Schweißes des Angesichts bestanden, die Entartung unseres Geschlechtes wäre viel schneller vor sich gegangen, als es der Fall ist. Müßiggang ist aller Laster Anfang; und geistige, moralische und physische Entartung sind in seinem Gefolge. Gottes Weisheit und Güte ist es daher, dass diese Segnungen zurückgehalten wurden, bis es in seinem Plane an der Zeit war, dass sie als Vorbereitung für die Segensherrschaft im Millennium eintreten sollten. Unter der Aufsicht der übernatürlichen Herrschaft des Reiches Gottes werden nicht nur alle Segnungen in gerechter Weise unter alle Menschen verteilt werden, sondern auch die freie Zeit wird durch dasselbe übernatürliche Regiment so geordnet und gelenkt werden, dass die Tugend gefördert und die Menschheit zur moralischen, geistigen und physischen Vollkommenheit hingeführt wird. Die gegenwärtige Zunahme von Erfindungen und anderen Vorteilen und von vermehrtem Wissen wird an diesem "Tage der Vorbereitung" (Nah. 2:3 nach engl. Übers.) allmählich und in einer so natürlichen Weise zugelassen, dass die Menschen sich damit schmeicheln, als sei dies eine Errungenschaft dieses "Zeitalters des Verstandes"; aber es wird zugelassen werden, dass dieses Zeitalter sich auf solche Weise auswirkt, dass diese klugen Philosophen ohne Zweifel im höchsten Grade enttäuscht sein werden. Gerade die Zunahme dieser Segnungen ist es, die jetzt schon anfängt, die Zeit der Drangsal über die Welt heraufzuführen, die eine solche werden wird, als nicht gewesen ist, seitdem es Völker gegeben hat.

Der Prophet Daniel bringt, wie oben angeführt, das Zunehmen von Erkenntnis und die Zeit der Drangsal in Zusammenhang. Um der Verderbtheit des Geschlechtes willen verursacht die Erkenntnis die Drangsal. Der Segen zunehmenden Wissens hat der Welt nicht nur wunderbare, arbeitssparende Maschinen und Annehmlichkeiten gebracht, sondern er hat zu einem Fortschritt in medizinischer Geschicklichkeit geführt, wodurch Tausende von Leben verlängert werden und hat die Menschheit so weit erleuchtet, dass Menschenschlächterei, Krieg, weniger volkstümlich geworden ist, und so gleichfalls Tausende von Leben erhalten werden. Das alles trägt zur weiteren Vermehrung des Geschlechtes bei, das jetzt schneller zunimmt, als vielleicht zu irgendeiner Zeit der Geschichte. Während nun die Menschheit in solcher Weise sich vermehrt, nimmt der Bedarf an Arbeitskraft dementsprechend ab, und die Philosophen des Verstandeszeitalters haben das Problem vor sich, wie für diese große Klasse, deren Dienste vielfach durch Maschinen ersetzt werden, und deren Bedürfnisse und Forderungen keine Grenzen kennen, gesorgt werden soll? Dass die Lösung dieses Problems über ihr Verstandesvermögen geht, werden diese Philosophen schließlich eingestehen müssen.

Die Reichen, welche die Macht und den Vorteil in Händen haben, werden fortfahren, sich von Selbstsucht beherrschen zu lassen, und dieselbe wird sie sowohl gegen vernünftige Überlegung, wie auch gegen Gerechtigkeit verblenden, während die gleiche Selbstsucht, verbunden mit dem Triebe der Selbsterhaltung und der wachsenden Erkenntnis über ihre Rechte, etliche der armen Klassen verhärten, andere aber zur Wut entflammen wird, und das Ergebnis wird sein, dass die oben besprochenen Segnungen sich für eine Zeitlang als schrecklich erweisen und eine Zeit der Drangsal hervorrufen werden, wahrlich, als nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht. Und dies, weil der Mensch in seinem gefallenen Zustand, ungeleitet und unbeaufsichtigt, diese Segnungen nicht richtig gebrauchen kann. Erst dann, wenn das tausendjährige Königreich das Gesetz Gottes aufs neue in das wiederhergestellte menschliche Herz eingeschrieben hat, können die Menschen ohne Gefahr volle Freiheit genießen.

Die "Zeit der Drangsal" wird zur festgesetzten Zeit enden. Wenn der Fürst des Friedens sich zur Herrschaft erhebt und das wütende Meer menschlicher Leidenschaften (wie einst das galiläische Meer) bedroht und spricht: "Schweig und verstumme!" da wird eine große Stille werden. Dann werden die wilden und widerstrebenden Elemente der Menschheit die Herrschaft von "Jehovas Gesalbten" anerkennen, "und die Herrlichkeit Jehovas wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund Jehovas hat geredet", und in der hiermit begonnenen Herrschaft Christi "werden alle Geschlechter der Erde gesegnet werden".

Dann werden die Menschen sehen, dass das, was sie der Evolution, der natürlichen Entwicklung und der Klugheit des "Zeitalters des Verstandes" zuschrieben, nichts anderes als "die Blitze" Jehovas waren (Psalm 77:18), die am "Tage seines Rüstens" (seiner Vorbereitung) auf dem Erdboden leuchten, um die Menschheit zu segnen. Doch für jetzt können es nur die Heiligen sehen, denn "das Geheimnis Jehovas ist für die, welche ihn fürchten und sein Bund, um ihnen denselben kundzutun" (Psalm 25:14). Gott sei Dank, dass er es so geordnet hat, dass, während allgemeine Erkenntnis zugenommen hat, seine Kinder "nicht unfruchtbar in der Erkenntnis des Herrn" und in dem Verständnis seiner Pläne geblieben sind. Und durch dieses Verständnis seines Wortes und seines Planes sind wir in den Stand gesetzt, die lose Philosophie und törichte Tradition der Menschen, die dem Worte Gottes widersprechen, zu unterscheiden und zu meiden.

Der biblische Bericht über die Erschaffung des Menschen, als ein irdisches Ebenbild Gottes, ist, dass er ihn vollkommen und aufrichtig erschaffen habe. Der Mensch aber suchte "viele Künste" und verderbte sich selbst. Da alle Sünder geworden sind, und das ganze Geschlecht unfähig ist, sich zu helfen - "kann doch ein Bruder niemand erlösen noch Gott jemand versöhnen" (Psalm 49:7) - so sorgte Gott selbst in Liebe und Erbarmen dafür. Deshalb wurde der Sohn Gottes Mensch und zahlte den Preis für die Erlösung des Menschen. Zum Lohn für dieses Opfer wurde er hoch erhöht, zur göttlichen Natur; und zu bestimmter Zeit wird er eine Wiederherstellung des Geschlechtes zu der ursprünglichen Vollkommenheit und zu jedem Segen herbeiführen. All dies wird klar und deutlich in der Schrift gelehrt und steht in direktem und unversöhnlichen Gegensatz zur Evolutionstheorie, der sogenannten Wissenschaft.

Warten

Immer wart ich, warte immer.
Auf den hellern, bessern Tag,
Grade hinterm Wolkenschatten.
Der auf meinem Pfade lag;
Einen Tag voll Licht und Freude,
Wie die Welt sah keinen froh'n,
Da gerecht und unparteiisch
Christus herrscht auf Davids Thron.

Jetzt die Welt füllt Leid und Schmerzen;
Klagetöne treffen's Ohr.
Elend, Kummer, hüll'n voll Mitleid
Oft das Aug in Tränenflor.
Jetzt auf Erd'n ist Nacht des Weinens;
Bös und Unrecht triumphiert:
Ich kann warten, denn schon strahlet
Morgens Glührot dort herfür.

Immer wart ich, hoff ich, bet ich,
Für Messias herrlich Reich;
Denn ich weiß, er herrschet richtig;
Recht und Wahrheit siegt dann gleich.
Freud' der Welt kann mich nicht locken,
Da ich wart auf jenen Tag.
Pracht der Welt kann mich nicht zaubern,
Da sein Licht mir an schon brach.

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Studie 10

Geistige und menschliche Naturen verschieden und auseinander zu halten

Gewöhnlich vorkommende falsche Auffassungen. - Irdische oder menschliche und himmlische oder geistige Naturen. - Irdische und himmlische Herrlichkeit. - Was lehrt die Bibel über Geistwesen? - Sterblichkeit und Unsterblichkeit. - Können sterbliche Wesen ewiges Leben haben? - Gerechtigkeit bei der Verleihung von Gnaden. - Ein vermeintlicher Grundsatz untersucht. - Mannigfaltigkeit bei Vollkommenheit. - Gottes unbestreitbares Recht. - Was Gott für den Menschen bereitet hat: "Ein schönes Erbteil." - Die Auswahl Leibes Christi. - Wie die Verwandlung ihrer Natur bewirkt wird.

Es wird von den meisten Christen zu erkennen verfehlt, dass in Gottes Plan der gesamten Menschheit eine Wiederherstellung zu ihrem "vorigen Zustand", nämlich zu der in Eden verlorengegangenen Vollkommenheit, zugedacht ist, und dass die christliche "Kirche" dagegen, als Ausnahme von diesem allgemeinen Plan und als Zugabe dazu, eine Verwandlung der Natur, von der menschlichen zur geistigen, erfahren soll. Dies ist der Grund, warum die Christenheit allgemein annimmt, dass niemand gerettet werden wird, außer wer zur geistigen Natur gelangt. Die Schrift dagegen, obwohl sie von Verheißungen des Segens, Lebens und einer Wiederherstellung für alle Geschlechter der Erde redet, verheißt nur der Kirche, die während dieses Evangeliums-Zeitalters ausgewählt wird, diese Verwandlung zur geistigen Natur, und nicht eine einzige Schriftstelle kann gefunden werden, die solche Hoffnung irgend für andere unterstützt.

Wenn die gesamte Menschheit von all dem Verderben: Krankheit, Schmerz, Elend und Tod, das von der Sünde herkommt, gerettet und zu dem Zustand der vor dem Falle genossenen menschlichen Vollkommenheit wiederhergestellt ist, wird sie ebenso tatsächlich und vollständig von jenem Falle geheilt sein, wie dies bei denen der Fall ist, die unter der besonderen, während des Evangeliums-Zeitalters ergangenen, "himmlischen, hohen Berufung", der "göttlichen Natur teilhaftig werden".

Missverständnisse darüber, was einen vollkommenen Menschen ausmacht, falsche Begriffe über die Ausdrücke sterblich und unsterblich und verkehrte Vorstellungen über Gerechtigkeit haben gemeinsam zu besagtem Irrtum beigetragen, und viele sonst leicht verständliche Schriftstellen sind auf diese Weise verdunkelt worden. Eine ziemlich allgemeine, doch von keiner einzigen Schriftstelle gestützte Ansicht ist, dass es auf Erden nie einen vollkommenen Menschen gegeben habe, dass alles, was man vom Menschen auf Erden sieht, nur der teilweise entwickelte Mensch ist; und dass er, um vollkommen zu werden, geistig werden müsse. Diese Ansicht bringt die ganze Schrift in Verwirrung, statt ihre Harmonie und Schönheit klarzulegen, was geschehen würde, wenn man "das Wort der Wahrheit recht teilte".

Die Schrift lehrt, dass es zwei, aber auch nur zwei vollkommene Menschen gegeben hat, Adam und Jesus. Adam war im Bilde Gottes erschaffen; ein Ebenbild in dem Sinne, dass er ähnliche Kräfte der Vernunft des Gedächtnisses, des Urteils und des Willens und die moralischen Eigenschaften der Gerechtigkeit, Liebe usw. besaß. "Von der Erde und irdisch" war er ein irdisches Ebenbild eines geistigen Wesens und besaß Eigenschaften derselben Art, jedoch weit verschieden an Grad, Umfang und Ausdehnung. In solchem Grad ist der Mensch ein Ebenbild eines geistigen Wesens und besaß Eigenschaften derselben Art, jedoch weit verschieden an Grad, Umfang und Ausdehnung. In solchem Grad ist der Mensch ein Ebenbild Gottes, dass Gott noch zu dem gefallenen Menschen sagen kann: "Kommt, lasst uns miteinander rechten." (Jes. 1:18)

Wie Jehova der Herrscher des Weltalls ist, so wurde der Mensch zum Herrscher über alle irdischen Dinge gemacht: "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis, dass sie herrschen über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt." (1. Mose 1:26). Mose sagt uns (1. Mose 1:31), dass Gott den Menschen, den er gemacht hatte (nicht nur zu machen angefangen, sondern vollendet hatte), als "sehr gut" erkannte, das heißt, als vollkommen; denn nichts weniger als Vollkommenheit ist in Gottes Augen "sehr gut".

Die Vollkommenheit, zu welcher der Mensch erschaffen war, wird in Psalm 8:4-8 zum Ausdruck gebracht:

"Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst,
und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achthast?
Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt;
und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände;
alles hast du unter seine Füße gestellt:
Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes,
das Gevögel des Himmels und die Fische des Meeres,
was die Pfade der Meere durchwandert."

Es ist von solchen, die die Bibel einer Anschauung der Evolutionstheorie anpassen möchten, die Vermutung aufgestellt worden, wie es auch die lutherische Übersetzung wiedergibt, dass die Aussage ein "wenig" in Hebr. 2:7 so verstanden werden könne, dass sie meine: eine kleine Weile niedriger, und nicht einen kleinen Grad niedriger als die Engel. Es ist aber für solche Auslegung kein Grund vorhanden. Es handelt sich nur um eine Anmerkung bei Psalm 8:5 in der Elberfelder Bibel, und ein genauer Vergleich des hebräischen und griechischen Textes kann keinen Zweifel betreffs des Sinnes übriglassen: Dem Grade nach ein wenig niedriger als Engel.

David weist in dem angeführten Psalm auf den Menschen in seinem ursprünglichen (adamitischen) Zustand hin und deutet prophetisch an, dass Gott seinen ursprünglichen Plan, den Menschen nach seinem eigenen Bild als König der Erde zu haben, nicht aufgegeben habe, sondern dass er seiner gedenken, ihn erlösen und wiederherstellen wird. Der Apostel (Hebr. 2:7) lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die gleiche Tatsache hin - dass Gottes ursprünglicher Vorsatz nicht aufgegeben sei; dass des Menschen, der ursprünglich groß und vollkommen, der König der Erde war, gedacht werden solle, dass Gott sich seiner annehmen und ihn wiederherstellen werde, und es fügt dann hinzu: Diese verheißene Wiederherstellung sehen wir noch nicht, aber was wir sehen, ist der erste Schritt, den Gott zu ihrer Erfüllung getan hat. Wir sehen Jesus mit dieser Ehre und Herrlichkeit einer vollkommenen Menschheit gekrönt, damit er als ein angemessenes Lösegeld, oder als Stellvertreter von Gottes Gnade den Tod schmeckte für jedermann und so den Weg zur Wiederherstellung des Menschen zu allem, das verloren war, eröffnete. Die genaue Wiedergabe des Grundtextes dieser Stelle in der Elberfelder Übersetzung lautet: "Denn ein wenig hast du ihn geringer gemacht als die Engel."

Auch den Schluss sollte man nicht ziehen, dass dem Grade nach ein klein wenig niedriger etwas weniger vollkommen bedeutet. Ein Geschöpf kann vollkommen und doch auf geringerer Wesensstufe als ein anderes sein. So ist z. B. ein vollkommenes Pferd niedriger als ein vollkommener Mensch usw. Es gibt eben verschiedene Naturen, belebte und unbelebte. Um dies zu verdeutlichen, verweisen wir auf die folgende Tabelle:

Stufen von himmlischen
oder geistigen Wesen
Stufen von irdischen
oder tierischen Wesen
Stufen im
Pflanzenreich
Stufen im
Mineralreich
Göttlich Mensch Bäume Gold

Tier Sträucher Silber

Vögel Gräser Kupfer
Engel Fisch Moos Eisen

Jedes der angeführten Minerale kann rein sein, doch steht das Gold am höchsten. Und wenn auch jede der Pflanzenarten bis zur Vollkommenheit gebracht wäre, so würden sie doch immer noch in Natur und Grad verschieden sein. Ebenso mit den Tieren; wenn jede Gattung vollkommen geworden wäre, würde doch noch Verschiedenheit sein; das Vervollkommnen einer Natur verändert dieselbe nicht. (Wir gebrauchen das Wort Natur oftmals in einem nicht eigentlichen oder angepassten Sinn, wie z.B. wenn wir sagen, dass ein Hund eine wilde oder ein Pferd eine sanfte oder eine bösartige Natur habe. Aber wenn es so gebraucht wird, dann dient es nur zur Bezeichnung der Anlage oder der Eigenart des Beschriebenen und bezieht sich nicht im eigentlichen Sinne auf die Natur.) So ist es auch mit den Graden unter den geistigen Wesen; obwohl vollkommen, stehen sie in der Natur oder der Art nach zueinander im Verhältnis von höher und niedriger. Die göttliche Natur ist die höchste und über alle anderen erhaben. Christus war bei seiner Auferstehung "so viel besser geworden" als vollkommene Engel, als die göttliche Natur über der Natur der Engel steht (Hebr. 1:3-5).

Wenn nun auch die in vorstehender Tabelle angeführten Klassen verschieden und auseinander zu halten sind, so ist doch zu beachten, dass folgender Vergleich zwischen ihnen angestellt werden kann: Der höchste Grad der Minerale ist geringer oder "ein wenig niedriger" als die niedrigste Form der Pflanzenwelt; denn Pflanzen haben Leben. So ist die höchste Form der Pflanzen "ein wenig niedriger" als die niedrigste Form des tierischen Lebens, weil tierisches Leben sogar in seiner niedrigsten Form Intelligenz genug hat, sich seines Daseins bewusst zu sein. Und so gleichfalls mit dem Menschen. Obgleich er das höchste der tierischen oder irdischen Wesen ist, so ist er doch "ein wenig niedriger als die Engel", weil Engel geistige oder himmlische Wesen sind.

Ein wunderbarer Unterschied besteht zwischen dem von der Sünde heruntergekommenen Menschen, wie wir ihn jetzt kennen, und dem vollkommenen Menschen, den Gott in seinem Bild erschuf. Die Sünde hat nach und nach seine ganze Erscheinung, wie auch seinen Charakter verändert. Hunderte von Geschlechtern haben durch Unwissenheit, Zügellosigkeit und allgemeine Verderbnis die Menschheit so befleckt und entstellt, dass das Ebenbild Gottes bei der großen Mehrzahl fast ausgelöscht ist. Die moralischen und geistigen Eigenschaften sind am Wachstum verhindert, und die tierischen Triebe sind so übermäßig entwickelt, dass sie nicht mehr von den höheren im Gleichgewicht gehalten werden. Der Mensch hat seine körperlichen Kräfte in solchem Grade verloren, dass seine durchschnittliche Lebensdauer trotz aller Hilfe von Seiten der medizinischen Wissenschaft nur etwa dreißig Jahre zählt, während er zuerst, unter der nämlichen Strafe stehend, neunhundert und dreißig Jahre lebte. Aber dieser durch die Sünde befleckte und durch deren in ihm wirkende Strafe, den Tod, verderbte Mensch soll während der tausendjährigen Herrschaft Christi und durch sie zu seiner ursprünglichen Vollkommenheit des Geistes und Leibes und zu seiner ehemaligen Herrlichkeit, Ehre und Herrschaft wiederhergestellt werden. Das, was durch Christum wiederhergestellt werden soll, ist das, was durch Adams Übertretung verloren ging (Röm. 5:18, 19). Der Mensch hat kein himmlisches, sondern ein irdisches Paradies verloren. Unter der Todesstrafe verlor er kein geistiges, sondern ein menschliches Dasein; und alles, was verloren war, ist durch seinen Erlöser, der erklärte, dass er gekommen sei zu suchen und zu retten, was verloren war, zurückgekauft worden ( Luk. 19:10).

Hierzu kommt noch ein anderer Beweis dafür, dass ein vollkommener Mensch kein geistiges Wesen sein kann; es wird uns berichtet, dass unser Herr, ehe er seine Herrlichkeit verließ, um Mensch zu werden, "in göttlicher Gestalt", in einer geistigen Gestalt, ein Geistwesen war, dass er aber, um für die Menschheit das Lösegeld werden zu können, die menschliche Natur des Sünders annehmen musste, dessen Stellvertreter er im Tode werden sollte. Daher war es notwendig, dass er seine Natur wechselte; und Paulus sagt uns, dass er nicht die Natur der Engel annahm, eine Stufe niedriger als seine eigene, sondern zwei Stufen herabkam und die Menschennatur annahm, ein Mensch wurde; er "ward Fleisch". - Hebr. 2:16; Phil. 2:7, 8; Joh. 1:14

Beachte, dass dies nicht nur lehrt, dass die Engel-Natur nicht die einzige Ordnung unter den Geistwesen ist, sondern auch, dass sie eine niedrigere Natur ist, als die unseres Herrn, ehe er Mensch wurde. Und zu jener Zeit war er noch nicht so hoch, wie er jetzt ist; denn Gott hat ihn "erhöht", "hoch erhoben" (Phil. 2:8, 9), weil er in freiwilligem Gehorsam des Menschen Lösegeld wurde; er ist jetzt von der höchsten Ordnung der Geistwesen; ein Teilhaber der göttlichen Natur, der Natur Jehovas.

Aber hiermit ist uns nicht nur bewiesen, dass die göttlichen, die engelischen und die menschlichen Naturen verschieden und auseinander zuhalten sind, sondern auch, dass ein vollkommener Mensch sein nicht bedeutet, ein Engel zu sein, so wenig wie ein vollkommener Engel sein voraussetzt, dass Engel Jehova gleich werden müssten; denn Jesus nahm nicht die Natur der Engel an, sondern eine davon verschiedene Natur, die Menschennatur; nicht die unvollkommene menschliche Natur, wie wir sie jetzt besitzen, sondern die vollkommene. Er wurde ein Mensch: nicht ein verderbtes und nahezu totes Wesen, wie es bei jedem Menschen jetzt der Fall ist, sondern ein Mensch in voller Kraft der Vollkommenheit.

Ferner, Jesus musste ein vollkommener Mensch gewesen sein, sonst hätte er kein vollkommenes Gesetz halten können, welches das volle Maß der Leistungsfähigkeit eines vollkommenen Menschen erfordert. Und er musste ein vollkommener Mensch gewesen sein, sonst hätte er kein Lösegeld (griechisch Antilytron, d.h. entsprechender Preis) (1. Tim. 2:6) für das verwirkte Leben des vollkommenen Menschen, Adam, geben können: "Wie durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten." (1. Kor. 15:21) Wäre er im geringsten Grade unvollkommen gewesen, so hätte das den Beweis geliefert, dass er der Verurteilung unterworfen war, und dann hätte er kein annehmbares Opfer sein, noch Gottes vollkommenes Gesetz vollkommen halten können. Ein vollkommener Mensch war auf die Probe gestellt, hatte sie nicht bestanden und wurde verurteilt; und nur ein vollkommener Mensch konnte als der Erlöser den entsprechenden Kaufpreis zahlen.

Nun steht die Frage in anderer Form klar vor uns, nämlich: Wenn Jesus im Fleische ein vollkommener Mensch war, wie die Schrift es lehrt, beweist das nicht, dass ein vollkommener Mensch ein menschliches, fleischliches Wesen ist und nicht ein Engel, sondern ein wenig niedriger als die Engel? Die logische Schlussfolgerung ist unverkennbar; und außerdem haben wir die inspirierte Aussage des Psalmisten (Ps. 8:4-8) und die Bezugnahme des Apostel Paulus darauf in Hebr. 2:7-9.

Auch war Jesus nicht etwa eine Mischung der beiden Naturen, der menschlichen und der geistigen. Das Vermengen zweier Naturen bringt weder die eine noch die andere hervor, sondern ein unvollkommenes, bastardartiges Ding, welches der göttlichen Einrichtung zuwider ist. Als Jesus im Fleische war, war er ein vollkommenes, menschliches Wesen; vorher war er ein vollkommenes, geistiges Wesen; und seit seiner Auferstehung ist er ein vollkommenes, geistiges Wesen der höchsten oder göttlichen Ordnung. Nicht vor dem Zeitpunkt seiner Weihung, bis in den Tod, wie sie in seiner Taufe versinnbildet wurde, mit dem dreißigsten Jahre (das volle, gesetzliche Mannesalter und daher die rechte Zeit, sich selbst als Mensch darzubringen, zu weihen), empfing er das Pfand seines Erbteils der göttlichen Natur (Matth. 3:16-17). Die menschliche Natur musste dem Tod geweiht sein, ehe er auch nur das "Pfand" der göttlichen Natur erhalten konnte. Und nicht ehe er diese Weihung tatsächlich durchgeführt und die menschliche Natur tatsächlich in den Tod geopfert hatte, wurde unser Herr völlig der göttlichen Natur teilhaftig. Nachdem er Mensch geworden war, war er gehorsam bis zum Tode: Darum hat ihn auch Gott zur göttlichen Natur erhöht (Phil. 2:8, 9). Wenn diese Schriftstelle wahr ist, dann folgt, dass er nicht eher zur göttlichen Natur erhöht wurde, als bis die menschliche Natur tatsächlich geopfert, tot war.

Daraus sehen wir, dass keine Mischung der Naturen in Jesu vorhanden war, sondern dass er einen zweimaligen Wechsel der Natur erfuhr; erst von der geistigen zur menschlichen, dann von der menschlichen zur höchsten Stufe der geistigen, zur göttlichen Natur. Und in beiden Fällen war die eine für die andere aufgegeben worden.

An diesem erhabenen Beispiel vollkommener Menschennatur, welche vor der Welt tadellos dastand, bis sie um der Erlösung der Welt willen geopfert wurde, sehen wir die Vollkommenheit, von der unser Geschlecht in Adam fiel, und zu welcher es wiederhergestellt werden soll. Indem der Herr Jesus des Menschen Lösegeld wurde, gab er den Gleichwert dessen, was der Mensch verloren hatte; und die ganze Menschheit soll durch den Glauben an Christus und durch Gehorsam gegen die Bedingungen nicht eine geistige, sondern eine herrliche vollkommene menschliche Natur, d.h. das wiedererhalten, "was verloren war".

Die vollkommenen Fähigkeiten und Kräfte eines vollkommenen menschlichen Wesens mögen unbegrenzt ausgeübt werden und auf immer neue und verschiedene Gegenstände des Interesses sich richten, und Wissen und Geschicklichkeit mögen unermesslich zunehmen; aber solch ein Wachstum des Wissens oder Vermögens wird nie einen Wechsel der Natur bewirken oder sie mehr als vollkommen machen. Es wird nur eine Erweiterung und Entwicklung der schon vollkommenen, menschlichen Kräfte sein. Zunahme von Wissen und Geschicklichkeit wird zweifellos in alle Ewigkeit des Menschen seliges Vorrecht sein; doch wird er stets Mensch bleiben und nur mehr und mehr den vollen Gebrauch der Kräfte lernen, welche die menschliche Natur schon in sich trägt. Über ihre weitgesteckten Grenzen kann er nicht fortzuschreiten hoffen, noch wird er es begehren. Sein Streben bleibt auf das Gebiet seiner Macht beschränkt.

Während Jesus, als Mensch, eine Darstellung der vollkommenen, menschlichen Natur war, zu welcher die Masse der Menschheit wiederhergestellt werden wird, so ist er jetzt, seit seiner Auferstehung, eine Darstellung der glorreichen, göttlichen Natur, welche die Überwinder in ihrer Auferstehung mit ihm teilen werden.

Weil das gegenwärtige Zeitalter hauptsächlich der Entwicklung dieser Klasse, die ihre Natur wechseln soll, gewidmet ist, und weil die apostolischen Briefe zur Unterweisung dieser "kleinen Herde" dienen, sollte nicht geschlossen werden, dass Gottes Plan mit der Vollendung dieser erwählten Schar am Ende sei. Auch sollten wir auf der anderen Seite nicht zu der entgegengesetzten Übertreibung kommen und annehmen, dass die besonderen Verheißungen der göttlichen Natur, der geistigen Leiber usw., die jener erwählten Schar gegeben werden, nach Gottes Absicht für die ganze Menschheit sein sollten. Für jene sind die "teuren und allergrößten Verheißungen" - über die anderen köstlichen Verheißungen hinaus, die die ganze Menschheit angehen - bestimmt. Um das Wort der Wahrheit recht zu teilen, sollten wir erkennen, dass die Schrift die Vollkommenheit der göttlichen Natur der "kleinen Herde" und diejenige der menschlichen Natur der wiederhergestellten Welt als zwei ganz verschiedene Dinge ansieht.

Lasst uns nun noch genauer nachforschen, was Geistwesen sind, was für Kräfte sie haben, und von welchen Gesetzen sie regiert werden. Viele scheinen in ihrem Unvermögen, die Natur eines Geistwesens zu begreifen, zu denken, dass es sich nur um Schatten handle; und gar viel Aberglauben herrscht in dieser Sache. Paulus aber macht nicht den Eindruck, als ob er solche Vorstellungen habe. Obwohl er zugibt, dass es einem menschlichen Wesen nicht möglich ist, die höhere geistige Natur zu begreifen (1. Kor. 2:14), so erklärt er doch deutlich, um fabelhafte oder abergläubische Vorstellungen zu verhüten, dass es einen geistigen Leib gibt, wie es einen natürlichen (menschlichen) Leib gibt, dass es einen himmlischen wie einen irdischen und eine Herrlichkeit des irdischen wie eine solche des himmlischen Leibes gibt. Die Herrlichkeit des irdischen war, wie wir gesehen haben, durch des ersten Adam Sünde verlorengegangen und soll während des tausendjährigen Reiches für das Menschengeschlecht durch den Herrn Jesus und seine Braut (den Christus, Haupt und Leib) wiederhergestellt werden. Die Herrlichkeit des himmlischen Leibes ist für jetzt noch unbekannt, außer insofern, als sie dem Auge des Glaubens durch den Geist mittels des Wortes geoffenbart ist. Zwischen der Herrlichkeit beider ist ein großer Unterschied (1. Kor. 15:38-49). Wir wissen in einem gewissen Grade, was der natürliche, irdische Leib ist, denn wir haben jetzt einen solchen, können uns aber nur annähernd von seiner Herrlichkeit im vollkommenen Zustand einen Begriff machen. Er besteht aus Fleisch, Blut und Knochen; denn "was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch". Da sich aber diese beiden Leiber in ihrer Art unterscheiden, so wissen wir, dass der geistige Leib, was immer er auch sein mag, nicht aus Fleisch, Blut und Knochen zusammengesetzt ist; er ist himmlisch, geistig. - "Was vom Geist geboren ist, das ist Geist." Was aber ein geistiger Leib ist, wissen wir nicht, denn "es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; aber ... wir werden ihm gleich sein" - unserem Herrn Jesus. - Joh. 3:6; 1. Joh. 3:2

Den Sohn Gottes ausgenommen, besitzen wir kein Zeugnis darüber, dass irgendein Wesen, sei es ein geistiges oder ein menschliches, von einer Natur zur anderen verwandelt worden ist; und jenes war ein Ausnahmefall für einen Ausnahmezweck. Als Gott Engel machte, hatte er zweifellos im Sinn, dass sie für immer Engel bleiben sollten, und so mit den Menschen; jedes Wesen soll auf seiner eigenen Stufe vollkommen sein. Die Schrift wenigstens gibt keine Andeutung von irgendeiner anderen Absicht. Wie in der empfindungslosen Schöpfung eine nahezu endlose und schöne Mannigfaltigkeit obwaltet, so ist auch in der lebendigen und vernünftigen Schöpfung eben solche Mannigfaltigkeit bei aller Vollkommenheit möglich. Jede Schöpfung ist in ihrem vollkommenen Zustande herrlich, aber wie Paulus sagt: "Eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen." Der Natur nach sind sie voneinander verschieden.

Eine Untersuchung der Tatsachen, die über unseren Herrn Jesus nach seiner Auferstehung und über Engel, die auch Geistwesen sind, berichtet werden, kann uns, wenn wir geistige Dinge geistig beurteilen (1. Kor. 2:13), dazu verhelfen, dass wir uns einen allgemeinen Begriff von Geistwesen zu machen vermögen.

1. Zunächst sehen wir, dass Engel unsichtbar gegenwärtig sein können und es häufig sind. "Der Engel des Herrn lagert sich um die her, welche ihn fürchten"; und "sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen?" (Psalm 34:7; Hebr. 1:4) Haben sie sichtbar oder unsichtbar gedient? Ohne Zweifel das letztere. Elisa war von einer Schar Assyurer umringt; sein Diener fürchtete sich; da betete Elisa zum Herrn, und die Augen des Knaben wurden geöffnet, und er sah die Berge um Elisa her voll feuriger Wagen und Reiter. Ferner, während der Engel dem Bileam unsichtbar war, wurden des Esels Augen geöffnet, dass er ihn sah.

2. Engel können als Menschen erscheinen und sind so erschienen: Der Herr und zwei Engel erschienen so dem Abraham, der ein Mahl für sie bereitete, von welchem sie aßen. Zuerst glaubte Abraham, es seien drei Männer, und erst als sie im Begriff waren, fortzugehen, merkte er, dass einer derselben der Herr sei, und die beiden anderen jene Engel, die dann nach Sodom gingen und Lot befreiten (1. Mose 18:1-2). Ein Engel erschien dem Gideon als Mensch und gab sich später zu erkennen. Und ein Engel erschien dem Vater und der Mutter des Simson; sie meinten, er sei ein Mann, bis er in der Flamme des Altars gen Himmel fuhr. Richt. 6:11-22; 13:20

3. Geistwesen sind in ihrem normalen Zustande herrlich und werden häufig als glänzend und prächtig beschrieben. Das Antlitz des Engels, der den Stein von des Grabes Tor wälzte, war "wie der Blitz." Daniel sah einen Augenblick einen geistigen Leib, den er folgendermaßen beschreibt: "Sein Angesicht war wie das Aussehen des Blitzes und seine Augen wie Feuerfackeln und seine Arme und seine Füße wie der Anblick von leuchtendem Erz; und die Stimme seiner Worte war wie die Stimme einer Menge." Vor ihm fiel Daniel wie tot nieder (Dan. 10:6, 9, 15, 17). Saulus von Tarsus hatte einen ähnlichen Blick von Christi herrlichem Leibe, heller leuchtend denn der Sonne Glanz am Mittag. Saul verlor sein Augenlicht und fiel zu Boden.

Wir haben soweit gefunden, dass geistige Leiber in Wirklichkeit herrlich sind; doch ohne das Auftun der menschlichen Augen, um sie sehen zu können oder ohne ihr Erscheinen im Fleische als Menschen sind sie für Menschen unsichtbar. Diese Auffassung wird noch weiter bestätigt, wenn wir die besonderen Einzelheiten dieser Offenbarmachungen untersuchen. Der Herr wurde von Saul allein gesehen; die mit ihm reisenden Männer hörten die Stimme, sahen aber niemand (Apg. 9:7). Die Männer, die bei Daniel waren, sahen das herrliche Wesen, das er beschreibt, nicht, aber ein großer Schrecken fiel über sie, so dass sie flohen und sich verbargen." Ferner, dies herrliche Wesen erklärt: "Der Fürst des Königreichs Persien hat mir einundzwanzig Tage widerstanden." (Dan. 10:7, 13). Fiel Daniel, der sehr Geliebte des Herrn, wie tot vor dem nieder, dem Persiens Fürst einundzwanzig Tage widerstand? Wie verhält es sich hiermit? Sicherlich erschien er dem Fürsten nicht in seiner Herrlichkeit. Nein; entweder war er bei ihm unsichtbar gegenwärtig, oder er erschien als ein Mensch.

Seit seiner Auferstehung ist unser Herr ein geistiges Wesen; folglich sollte er auch die gleiche Machtfülle besitzen, die wir von Engeln (geistigen Wesen) ausgeübt finden. Und dass dies so ist, werden wir eingehender in einem folgenden Kapitel sehen.

So finden wir also, dass die Schrift geistige und menschliche Naturen als getrennt und verschieden darstellt und keinen Anhaltspunkt dafür bietet, dass die eine in die andere übergehen oder zu ihr sich fortentwickeln werde, sondern nur, dass eine kleine Anzahl von der menschlichen zur göttlichen Natur, zu der Jesus, ihr Haupt schon erhöht worden ist, verwandelt werden wird. Und dieser außerordentliche und sonderliche Teil in Jehovas Plan ist für den außerordentlichen und besonderen Zweck angeordnet, diese Erwählten als Gottes Werkzeuge der Wiederherstellung aller Dinge zuzubereiten. Betrachten wir nun die Ausdrücke.

Sterblichkeit und Unsterblichkeit

Ihre wahre Bedeutung werden wir mit dem in genauer Übereinstimmung finden, was wir bei unserer Vergleichung von Aussprüchen der Bibel über menschliche und geistige Wesen und über irdische und himmlische Verheißungen gelernt haben. Man gibt diesen Worten gewöhnlich einen sehr undeutlichen Sinn; und falsche Ansichten über deren Bedeutung rufen irrige Anschauungen über das hervor, was mit ihnen in Verbindung steht. Dies ist sowohl im allgemeinen als auch beim Gebrauch der Schrift der Fall.

"Sterblichkeit" bezeichnet einen Zustand, da man dem Tod verfallen kann; nicht einen Todeszustand, sondern einen Zustand, bei dem der Tod möglich ist.

"Unsterblichkeit" bezeichnet einen Zustand, da man dem Tode nicht verfallen kann; nicht nur einen Zustand des Freiseins vom Tode, sondern einen Zustand, bei dem der Tod unmöglich ist.

Die gewöhnliche, aber irrige Meinung über Sterblichkeit ist die, dass sie ein Zustand sei, bei dem der Tod unvermeidlich ist, während die gewöhnliche Ansicht über die Bedeutung der Unsterblichkeit im ganzen richtiger ist.

Das Wort Unsterblichkeit bedeutet nicht sterblich; schon die Wortbildung zeigt dessen richtige Definition an. Wegen des Vorherrschens einer falschen Auffassung über das Wort sterblich kommt es, dass so viele verwirrt werden, wenn sie zu entscheiden versuchen, ob Adam vor dem Fall sterblich oder unsterblich war. Man schließt, wenn er unsterblich war, so würde Gott nicht gesagt haben: "Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben"; denn für ein unsterbliches Wesen ist es unmöglich, zu sterben. Das ist ein logischer Schluss. Andererseits sagt man: Wenn er sterblich war, worin bestand dann die Drohung oder Strafe bei dem Ausspruch: "Du wirst sterbend sterben", da er, wenn sterblich (nach ihrer irrigen Definition), ohnehin dem Tod nicht hätte entgegen können?

Die Schwierigkeit liegt, wie man bemerken wird, in der falschen Bedeutung, die dem Worte sterblich beigelegt wird. Wende die richtige Definition an, und alles ist klar. Adam war sterblich; das heißt, er war in einer Lage, da der Tod eine Möglichkeit war. Er hatte Leben in ganzem und vollem Maße, jedoch nicht innewohnendes Leben (Leben in sich selbst). Sein Leben wurde "von jedem Baum des Gartens" unterhalten, mit Ausnahme des einen verbotenen, und so lange er im Gehorsam und im Einklang mit seinem Schöpfer verharrte, war sein Leben gesichert. Die Mittel zur Erhaltung desselben würden ihm nicht entzogen worden sein. So sehen wir, Adam hatte Leben und konnte dem Tode ganz und gar ausweichen; dennoch war sein Zustand ein solcher, dass der Tod möglich war; er war sterblich.

Die Frage entsteht nun: Wenn Adam sterblich war und auf die Probe gestellt wurde, wurde er auf die Probe gestellt, um "Unsterblichkeit" zu erlangen? Die gewöhnliche Antwort wäre ja. Wir antworten nein. Seine Prüfung fand statt, um zu sehen, ob er der Fortdauer und der Segnungen des Lebens würdig oder unwürdig sei. Da nirgends verheißen war, dass er "unsterblich" werden sollte, wenn er gehorsam blieb, so sind wir genötigt, alle solche Spekulationen außer Frage zu lassen. Ihm war die Fortdauer der damals genossenen Segnungen verheißen, so lange er gehorsam blieb und der Verlust von allem, der Tod, angedroht, wenn er ungehorsam würde. Die falsche Ansicht über die Bedeutung des Wortes sterblich lässt die Leute im allgemeinen den Schluss ziehen, dass alle Wesen, die nicht sterben, unsterblich sind. Hierunter rechnet man unseren himmlischen Vater, unseren Herrn Jesus, die Engel und die ganze Menschheit. Das ist jedoch ein Irrtum; die große Zahl der vom Fall erlösten Menschheit, sowie auch die Engel im Himmel werden stets sterblich sein. Obgleich im Zustand der Vollkommenheit und des Glückes, werden sie doch immer die sterbliche Natur, die den Sold der Sünde (den Tod) erleiden könnte, wenn sie Sünde begehen würden, besitzen. Die Gewissheit ihres Fortlebens wird, wie es bei Adam war, durch den Gehorsam gegen den allweisen Gott bedingt sein. Seine Gerechtigkeit, Liebe, Weisheit und Macht, durch die er allen denen, die ihn lieben und ihm gehorchen, alle Dinge zum Besten dienen lässt, werden dann, durch sein Walten in Hinsicht auf die Sünde in der gegenwärtigen Zeit, offen vor aller Augen liegen.

Nirgends in der Schrift wird gelehrt, dass Engel unsterblich seien, noch auch, dass die wiederhergestellte Menschheit unsterblich sein werde. Im Gegenteil, Unsterblichkeit wird nur der göttlichen Natur zugeschrieben - ursprünglich Jehova, dann unserem Herrn Jesus in seinem gegenwärtigen hoch erhöhten Stand, und endlich durch Verheißung der Kirche, dem Leibe Christi, wenn er mit ihm verherrlicht sein wird. - 1. Tim. 6:16; Joh. 5:26; 2. Petr. 1:4; 1. Kor. 15:53, 54

In der Tatsache; dass Satan, der einst ein Mächtiger unter ihnen war, vernichtet werden soll haben wir nicht nur einen Beweis dafür, dass Unsterblichkeit allein der göttlichen Natur eigen ist, sondern auch dafür, dass Engel sterblich sind. Die Tatsache, dass der Satan vernichtet werden kann, beweist, dass Engel sterblich sind (Hebr. 2:14). (Diese Stelle wird in der Elberfelder Übersetzung im Einklang mit der englischen und anderen wie folgt wiedergegeben: "Auf dass er durch den Tod den zunichte mache, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel.")

So sehen wir, dass, wenn einst die unverbesserlichen Sünder vernichtet sind, sowohl unsterbliche wie sterbliche Wesen für immer in Freude, Glück und Liebe leben werden; die Ersten, im Besitze einer Natur, die des Todes nicht fähig ist, innewohnendes Leben habend, Leben in sich selbst (Joh. 5:26); die Letzten, weil sie (obwohl sie eine für den Tod empfängliche Natur haben, doch wegen der Vollkommenheit ihres Wesens und der Erkenntnis des Bösen und der Sündigkeit der Sünde) keine Ursache des Todes geben. Da sie von Gottes Gesetz als erprobt erfunden wurden, werden ihnen die Elemente, die nötig sind, um sie in Vollkommenheit zu erhalten, ewig zuteil werden, und so werden sie niemals sterben.

Das rechte Verständnis der Bedeutung der Ausdrücke sterblich und unsterblich und ihres Gebrauches in der Schrift zerstört jegliche Grundlage der Lehre von der ewigen Qual. Diese gründet sich auf die schriftwidrige Anschauung, dass Gott den Menschen "unsterblich" erschuf, da dieser nicht aufhören kann, zu existieren, und dass Gott ihn nicht vernichten kann. Daher schließt man, dass die Unverbesserlichen irgendwo und irgendwie fortleben müssen und dass die Ewigkeit für sie, weil sie außer Harmonie mit Gott sind, in Qual sein müsse. Aber Gottes Wort versichert uns, dass er gegen solchen Fortbestand der Sünde und der Sünder Vorkehrungen getroffen hat, dass der Mensch sterblich ist und dass die volle Strafe böswilliger Sünde gegen volles Licht und Erkenntnis nicht ewiges Leben in Qual, sondern ein zweiter Tod sein wird. "Die Seele, welche sündigt, die soll sterben."

"Wer bist du, der du das Wort nimmst wider Gott?" - Röm. 9:20

Manche hegen die irrige Meinung, dass Gerechtigkeit erfordere, dass Gott bei der Verleihung seiner Gnaden für seine Geschöpfe keinen Unterschied mache; dass, wenn er eins zu einer hohen Stellung erhebt, er gerechterweise dasselbe mit allen tun müsse, es sei denn erwiesen, dass etliche ihr Recht verwirkt haben. Dann sei es recht, ihnen eine niedrigere Stellung zu geben.

Wenn der erwähnte Grundsatz richtig wäre, so würde er beweisen, dass Gott kein Recht hatte, Jesus höher als die Engel zu erschaffen und ihn dann zur göttlichen Natur zu erhöhen, er habe denn die gleiche Absicht mit allen Engeln und allen Menschen. Und um den Grundsatz weiter anzuwenden, wenn einige Menschen bis zur Teilhaberschaft an der göttlichen Natur erhöht werden sollen, dann müssten schließlich alle Menschen zur gleichen Stellung erhoben werden. Und warum den Grundsatz nicht zum äußersten ausdehnen und dasselbe Gesetz des Fortschrittes auf die Tier- und Insekten-Schöpfung anwenden und sagen, dass, da sie alle Geschöpfe Gottes sind, auch endlich alle die höchste Stufe des Daseins, die göttliche Natur, erreichen müssten? Das ist ein offenkundiger Unsinn, aber eine ebenso vernünftige Schlussfolgerung wie irgendeine andere, die von diesem vermeintlichen Grundsatz ausgeht.

Niemand wird wohl diese irrige Annahme so weit ausdehnen wollen. Doch wenn es ein in einfacher Gerechtigkeit gegründeter Grundsatz wäre, wo könnte er stillstehen und noch richtig sein? Und wenn dies wirklich der Plan Gottes wäre, was würde aus der erfrischenden Mannigfaltigkeit in allen seinen Werken? Aber Gottes Plan ist das nicht. Die ganze Natur, die belebte wie unbelebte, stellt die Herrlichkeit und Vielseitigkeit der göttlichen Macht und Weisheit dar. Und wenn "die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Feste verkündigt seiner Hände Werk" in wunderbarer Verschiedenartigkeit und Pracht, wie vielmehr wird seine intelligente Schöpfung in ihrer Vielfältigkeit die erhabene Herrlichkeit seiner Macht dartun. Das schließen wir aus der ausdrücklichen Lehre des Wortes Gottes, aus der Vernunft und aus dem Vergleiche mit der Natur.

Es ist sehr wichtig, dass man eine richtige Ansicht über Gerechtigkeit hat. Eine Gnade oder Gunst sollte nie als ein mit Recht verdienter Lohn angesehen werden. Eine Handlung einfacher Gerechtigkeit gibt keinen Grund zu besonderer Dankbarkeit, noch ist sie ein Beweis von Liebe. Gott aber preist seinen Geschöpfen seine große Liebe in einer endlosen Reihe unverdienter Gnaden an, die wiederum ihre Liebe und ihren Dank hervorrufen sollten.

Gott hatte ein Recht, wenn er wollte, uns nur für eine kurze Zeit zu erschaffen, selbst wenn wir nie gesündigt hätten. So hat er etliche seiner niedrigeren Geschöpfe gemacht. Er hätte uns ohne die geringste Ungerechtigkeit seine Segnungen eine kurze Zeit genießen lassen und uns dann aus diesem Dasein wieder wegnehmen können. In der Tat, selbst solch ein kurzes Dasein wäre eine Gnade gewesen. Nur seine Gnade ist es, dass wir überhaupt sind, aber eine wie viel größere Gnade ist die Erlösung des einst durch die Sünde verwirkten Daseins. Und mehr noch, Gottes Gnade ist es, dass wir Menschen keine Tiere sind; es ist lauter Gnade, dass die Engel von Natur ein wenig höher als die Menschen sind; und es ist auch Gottes Gnade, dass der Herr Jesus und seine Braut Teilhaber der göttlichen Natur werden. Es gebührt daher allen intelligenten Geschöpfen, mit Dankbarkeit zu empfangen, was auch immer Gott verleihen mag. Jede andere Gesinnung verdient gerechterweise Verurteilung, und wenn man darin beharrt, wird das Ende Erniedrigung und Vernichtung sein. Ein Mensch hat kein Recht, ein Engel werden zu wollen, da er nie dazu aufgefordert worden ist: noch hat ein Engel ein Recht, nach der göttlichen Natur zu streben, da ihm diese nie angeboten worden ist.

Es waren die Begierde und der Hochmut Satans, die ihm Erniedrigung eintrugen und in seiner Vernichtung enden werden (Jes. 14:14). "Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt; der soll erhöht werden." (Luk. 14:11), aber nicht notwendigerweise zur höchsten Stellung.

Teilweise durch falsche Ansicht über Gerechtigkeit und teilweise aus anderen Gründen hat die Lehre der Schrift von der Wahl oder Erwählung zu vielem Streit und zu vielen Missverständnissen Veranlassung gegeben. Dass die Schrift eine Erwählung lehrt, werden nur wenige leugnen, aber auf welches Prinzip dieses Wählen oder Auswählen sich gründet, ist ein Gegenstand beträchtlicher Meinungsverschiedenheit. Die einen behaupten, dass die Auswahl eine willkürliche, bedingungslose sei; die anderen, dass sie eine bedingte sei. Etwas Wahrheit ist, glauben wir, in beiden Ansichten enthalten. Eine Erwählung auf Seiten Gottes ist der Ausdruck seiner Wahl zu einem gewissen Zweck, Amt oder Stellung. Gott hat erwählt oder gewählt, dass einige seiner Geschöpfe Engel sein sollten, dass einige Tiere, Vögel, Insekten usw. sein sollten und dass einige seiner eigenen göttlichen Natur teilhaftig werden sollten. Und wenn Gott auch alle, die er zur göttlichen Natur zulässt, nach gewissen Regeln auserwählt, so kann doch nicht gesagt werden, dass diese mehr als andere eine solche Gnade verdient hätten; allein aus Gnaden hat jegliches Geschöpf sein Dasein, auf welcher Stufe es auch stehe.

"Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott" - Gunst oder Gnade (Röm. 9:16). Gott berief die Gewählten nicht zur göttlichen Natur, weil sie etwa besser waren als andere, nein, denn er ging an den Engeln, die nicht gesündigt hatten, vorüber und berief etliche der erlösten Sünder zu göttlichen Ehren. Gott hat ein Recht, mit dem Seinen zu tun, was er will; und er will dieses Recht zur Hinausführung seiner Pläne gebrauchen. Da es nun ganz und gar in seiner Gnade steht, "wer bist du, der du das Wort nimmst wider Gott? Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich also gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse ein Gefäß zur Ehre und ein anderes zur Unehre (oder weniger Ehre) zu machen?" (Röm. 9:20, 21). Alle sind durch die gleiche göttliche Macht erschaffen worden; einige, um eine höhere Natur und größere Ehre und einige, um eine etwas geringere Ehre zu haben.

"So spricht der Herr, der Heilige Israels und der es gebildet hat: Über das Zukünftige fraget mich; meine Kinder und das Werk meiner Hände lasset mir anbefohlen sein! Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben die Himmel ausgespannt, und all ihr Heer habe ich bestellt. Denn so spricht Jehova, der die Himmel geschaffen (er ist Gott), der die Erde gebildet und sie gemacht hat (er hat sie bereitet; nicht als eine Öde hat er sie geschaffen; um bewohnt zu werden, hat er sie gebildet): Ich bin Jehova, und sonst keiner!" (Jes. 45:11-12, 18). Niemand hat ein Recht, Gott zu befehlen. Wenn Jehova die Erde vollendet und nicht zur Öde hergestellt hat, sondern sie gebildet hat, um von wiederhergestellten, vollkommenen Menschen bewohnt zu werden, wer sind wir, dass wir mit Gott rechten wollen und sagen, er sei ungerecht, nicht auch die Natur aller zu verwandeln und nicht auch alle zu Teilhabern einer geistigen Natur, wie die der Engel oder wie seiner eigenen, der göttlichen Natur, zu machen? Wie viel geziemender ist es, bescheiden zum Worte Gottes zu kommen uni ihn über das Zukünftige zu fragen, als ihm vorschreiben zu wollen oder zu behaupten, er müsse unsere Ideen ausführen? Herr, bewahre deine Knechte vor der Sünde der Anmaßung; lass dieselbe nicht über uns herrschen. Kein Kind Gottes, glauben wir, wird wissentlich dem Herrn vorschreiben wollen; doch wie leicht und fast unbewusst fallen viele in diesen Irrtum.

Die Menschen sind durch die Schöpfung - das Werk seiner Hände - Gottes Kinder, und was Gott mit ihnen vor hat, ist deutlich in seinem Worte geoffenbart. Paulus sagt, dass der erste Mensch (der ein Beispiel von dem war, was das Geschlecht in seiner Vollkommenheit sein wird) "von der Erde, irdisch war; und seine Nachkommenschaft wird (mit Ausnahme der Kirche Christi) nach der Auferstehung gleichfalls irdisch, menschlich, der Erde angepasst sein (1. Kor. 15:38, 44). Der Vers 44 lautet richtig: "Wenn es einen natürlichen (seelischen) Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen." (Elberfelder Übersetzung). David erklärt, dass der Mensch ein wenig geringer als die Engel gemacht und mit Herrlichkeit, Ehre und Herrscherwürde gekrönt worden war (Psalm 8:4-8). Und Petrus, unser Herr und alle die heiligen Propheten der erklären, dass das menschliche Geschlecht zu jener glorreichen Vollkommenheit wiederhergestellt werden wird und die einst durch seinen Vertreter, Adam, verlorengegangene Herrschaft über die Erde wieder erhalten soll. - Apg. 3:19-21; Hes. 16:53, 55

Dazu hat Gott das menschliche Geschlecht erkoren und auserwählt. Und was für ein herrliches Erbteil! Schließe deine Augen einen Augenblick vor dem Elend und dem Weh, vor der Entartung und den Mühsalen, die jetzt um der Sünde willen herrschen und male vor dein Geistesauge die Herrlichkeit der vollkommenen Erde. Kein Flecken der Sünde stört die Eintracht und den Frieden eines vollkommenen Gemeinwesens; kein bitterer Gedanke, kein unfreundlicher Blick, kein hartes Wort; Liebe, aus jedem Herzen quellend, begegnet gleicher Erwiderung in jedem anderen Herzen; Wohlwollen kennzeichnet jede Tat. Da wird keine Krankheit mehr sein; kein Weh, kein Schmerz, noch irgendein Anzeichen von Verfall - nicht einmal die Befürchtung solcher Dinge. Denke an alle Bilder verhältnismäßiger Gesundheit und Schönheit der menschlichen Gestalt und Gesichtszüge, die du je gesehen hast und wisse, dass die vollkommene Menschheit von noch weit überragenderer Liebenswürdigkeit sein wird. Innere Reinheit und geistige und moralische Vollkommenheit werden jedes strahlende Antlitz kennzeichnen und verklären. So werden die Bewohner der Erde sein. Da werden den Weinenden und Trauernden alle Tränen abgetrocknet sein, wenn so das vollständige Werk der Auferstehung vor ihren Augen steht. - Offb. 21:4

Und das ist nur die Veränderung, die mit dem menschlichen Geschlecht vor sich geht. Wir bringen in Erinnerung, dass auch die Erde, die gebildet ist, um von solchen Wesen "bewohnt zu werden", eine geeignete und passende Wohnstätte für den Menschen sein soll, wie es im Paradies in Eden dargestellt war. Das Paradies soll wiederhergestellt werden. Die Erde soll nicht mehr Dornen und Disteln hervorbringen und den Schweiß des Angesichts des Menschen fordern, um sein Brot zu geben, sondern "das Land soll (leicht und natürlich) sein Gewächs geben." "Die Wüste und das dürre Land werden sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse." (Jes. 35:1) Die niedrigere, tierische Schöpfung wird ein vollkommener, williger und gehorsamer Diener sein; und die Natur wird mit ihrer erquickenden Mannigfaltigkeit dem Menschen von allen Seiten zurufen: siehe und erkenne die Herrlichkeit und Macht und Liebe Gottes! Ja, Herz und Sinn wird sich erfreuen "in dem Herrn". Das ruhelose Verlangen nach etwas Neuem, das jetzt herrscht, ist kein natürlicher, sondern ein unnatürlicher Zustand, der unserer Unvollkommenheit und unserer gegenwärtigen ungünstigen Umgebung zuzuschreiben ist. Es ist nicht Gott ähnlich, ruhelos nach Neuem zu begehren. Für Gott sind die meisten Dinge alt; und am Alten und Vollkommenen hat er seine größte Freude. So wird es auch mit dem Menschen sein, wenn er zum Bilde Gottes wiederhergestellt ist. Die Herrlichkeit geistiger Wesen wird der vollkommene Mensch nicht vollständig erkennen und begreifen, weil er von verschiedener Natur ist, und wird sie deshalb nicht vorziehen, gerade wie Fische und Vögel, von denen jeder aus demselben Grunde sein eigenes Element und seine eigene Natur allein vorzieht und genießt. Der Mensch wird von der Herrlichkeit, die ihn auf der menschlichen Stufe umgibt, so eingenommen und entzückt sein, dass er eine andere Natur oder andere Lebensverhältnisse, als die, welche er besitzt, weder wünschen noch vorziehen wird. Ein Blick auf die gegenwärtige Erfahrung der Kirche wird das verdeutlichen. "Wie schwerlich", mit welcher Schwierigkeit, werden diejenigen, die reich sind an Gütern dieser Welt, ins Reich Gottes (in die Kirche, die Herauswahl) kommen. Das wenige Gute, das wir jetzt hienieden besitzen, nimmt die menschliche Natur selbst unter der gegenwärtigen Herrschaft des Bösen und des Todes so ein, dass wir des besonderen Beistandes Gottes bedürfen, um unser Auge und Verlangen auf die geistigen Verheißungen gerichtet zu halten.

Dass in diesem, die gesamte Menschheit betreffenden Plan Gottes die christliche Kirche, die Herauswahl, der Leib Christi, eine Ausnahme bildet, geht aus der Aussage hervor, dass ihre Erwählung schon vor Grundlegung der Welt im göttlichen Plan beschlossen war (Eph. 1:4, 5), da Gott nicht nur den Fall des Menschengeschlechtes in Sünde vorhersah, sondern auch die Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung dieser Schar zuvor festsetzte. Diese hat er während des Evangeliums-Zeitalters aus der Welt heraus berufen, dass sie sollten, gleich werden dem Ebenbild seines Sohnes", "Teilhaber der göttlichen Natur" und Miterben Christi im tausendjährigen Reich zur Herstellung von Gerechtigkeit und Frieden auf der ganzen Erde. - Röm. 8:28-31; 2. Petr. 1:4; Offb. 20:6; 1. Kor. 6:2

Das beweist, dass die Erwählung oder Wahl der Kirche bei Gott eine zuvor beschlossene Sache war; aber merke wohl, es ist keine bedingungslose Auswahl der einzelnen Glieder der Kirche. Vor Grundlegung der Welt bestimmte Gott, dass sie innerhalb eines besonderen Zeitraumes, des Evangeliums-Zeitalters, und zu einem besonderen Zwecke ausgewählt werden sollte. Wenn wir auch nicht zweifeln können dass Gott die Handlungsweise jedes einzelnen Gliedes der Kirche vorhergesehen haben könnte und dass er genau vorher gewusst haben könnte, wer würdig sein würde, ein Glied dieser "kleinen Herde" zu sein, so ist das doch nicht die Art und Weise, wie Gottes Wort die Lehre von der Erwählung darstellt. Der Apostel wollte nicht den Gedanken einer Vorherbestimmung der Personen aussprechen, sondern den Umstand, dass in Gottes Vorsatz eine Klasse zuvor bestimmt war, jene ehrenvolle Stellung einzunehmen, und dass deren Auswahl unter schweren Prüfungen des Glaubens und Gehorsams und der Aufopferung irdischer Rechte usw., selbst bis zum Tode, stattfinden sollte. So, durch persönliche Prüfung und durch persönliches "Überwinden", werden die einzelnen Glieder dieser zuvor bestimmten Klasse erwählt oder angenommen zu den für dieselbe von Gott zuvor bestimmten Gnadengütern und Segnungen.

Die Worte "herrlich gemacht" in Römer 8:30 kommen von dem griechischen doxazo und bezeichnen geehrt. Die Stellung, zu der die Kirche auserkoren ist, ist eine große Ehre. Kein Mensch könnte nur im entferntesten daran denken, nach solcher Ehre zu streben; selbst unser Herr Jesus wurde dazu aufgefordert, ehe er danach strebte, wie wir lesen: "Also hat auch Christus sich selbst nicht verherrlicht (doxazo: geehrt), ein Hohepriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm gesagt hat: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt." Der himmlische Vater ehrte unseren Herrn Jesus also. Und so müssen auch alle, die Miterben mit Jesu sein und zu seinem auserwählten Leibe gehören sollen, gleicherweise durch Jehovas Gnade geehrt werden. Der Kirche wird, wie ihrem Haupte, ein Anfang dieser "Ehre" zuteil, wenn sie von Gott durch das Wort der Wahrheit zur göttlichen Natur "gezeugt" wird (Jak. 1:18), und sie wird voll und ganz in die Ehre eingeführt werden, wenn sie vom Geist im Bilde des verherrlichten Hauptes, geboren ist. Diejenigen, die Gott also ehren will, müssen vollkommen und rein sein. Da wir aber durch Erbsünde Sünder sind, so hat er uns zu dieser Ehre nicht nur berufen oder eingeladen, sondern auch durch den Tod seines Sohnes die Rechtfertigung von der Sünde vorgesehen, um uns zu ermöglichen, die Ehre, zu der er beruft, zu empfangen.

Gott lässt, um die kleine Herde auszuwählen, den Ruf sehr allgemein ergehen, "viele sind berufen", nicht alle. Zuerst, während unseres Herrn Amtstätigkeit war der Ruf auf Israel nach dem Fleisch beschränkt; seitdem aber werden so viele, wie die Knechte Gottes finden, aufgefordert, nicht gezwungen (Luk. 14:23), zu diesem besonderen Festmahl der Gnade zu kommen. Allein selbst die, welche hören und kommen, sind nicht alle würdig. Ein Hochzeitskleid - Christi zugerechnete Gerechtigkeit - ist für jeden bereit, einige aber wollen dasselbe nicht tragen und müssen zurückgewiesen werden; und sogar von denen, die das Kleid der Gerechtigkeit anziehen und die Ehre, zur "neuen Natur" gezeugt zu werden, empfangen, verfehlen manche, durch Treue in ihrem Bund ihre Berufung und Erwählung festzumachen (2. Petr. 1:10). Von denen, welche würdig sind, mit dem Lamm in der Herrlichkeit zu erscheinen, heißt es: "Die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Getreue." - Offb. 14:1; 17:14

Der Ruf ist wahr. Der Beschluss Gottes, eine Kirche auszuwählen und zu erhöhen, ist unveränderlich; wer aber zu dieser erwählten Schar gehören soll, das ist an Bedingungen geknüpft. Alle, die diese zuvor bestimmten Ehren teilen wollen, müssen die Bedingungen des Rufes erfüllen. "Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa, da eine Verheißung, in seine Ruhe einzugehen, hinterlassen ist, jemand von euch zurückgeblieben zu sein scheine." (Hebr. 4:1) Während die große Gnade nicht von dem ist, der da will, auch nicht von dem, der da läuft, so ist sie doch für den, der will, und für den, der läuft, nachdem er berufen ist.

Nachdem wir so, wie wir hoffen, Gottes absolutes Recht und Vorsatz, mit dem Seinen zu tun, was er will, dargelegt haben, machen wir noch darauf aufmerksam, dass das Prinzip, welches alle Gnadenerweisungen Gottes kennzeichnet, das allgemeine Beste aller ist.

Da wir es also auf Grund der Heiligen Schrift für eine erwiesene Sache halten, dass die menschlichen und geistigen Naturen getrennt und verschieden sind - dass die Vermischung der zwei Naturen in keiner Weise in Gottes Absicht liegt, vielmehr eine Unvollkommenheit wäre, und dass der Wechsel von einer Natur zur anderen nicht die Regel, sondern nur eine bei der Entwicklung des Christus statt gefundene Ausnahme ist, so entsteht die tief interessante Frage: Wie wird der Wechsel zustande gebracht, unter welchen Bedingungen kann er erreicht werden, und auf welche Weise wird er bewerkstelligt?

Die Bedingungen, unter welchen die Kirche mit ihrem Herrn zur göttlichen Natur (2. Petr. 1:4) erhöht werden soll, sind genau dieselben, wie die Bedingungen, unter denen er sie empfing; nämlich durch Nachfolge in seinen Fußstapfen (1. Petr. 2:21), indem sie, wie er getan, sich selbst als lebendiges Opfer darbringt (Röm. 12:1), und dann dieses Gelöbnis der Selbstdarbringung getreulich ausführt, bis das Opfer mit dem Tode endigt. Dieser Wechsel von der menschlichen zur göttlichen Natur wird denen als Lohn zuteil, die innerhalb des Evangeliums-Zeitalters die menschliche Natur mit allen ihren gegenwärtigen und zukünftigen Interessen, Hoffnungen und Zielen selbst bis zum Tode opfern, wie unser Herr Jesus es tat. In der Auferstehung werden solche erwachen, nicht um mit der übrigen Menschheit die beglückende Wiederherstellung zur menschlichen Vollkommenheit und zu allen dieselbe begleitenden Segnungen zu erhalten, sondern um das unendlich größere Glück zu genießen, als Teilhaber mit dem Herrn an der göttlichen Natur sein Wesen, seine Herrlichkeit und seine Freude zu teilen (Röm. 8:17; 2. Tim. 2:12).

Der Anfang und die Entwicklung der neuen Natur ist dem Anfang und der Entwicklung des menschlichen Lebens ähnlich. Wie bei diesem eine Zeugung und dann eine Geburt stattfindet, so auch bei jener. Es heißt von den Heiligen: Sie sind von Gott durch das Wort der Wahrheit gezeugt (Jak. 1:18; 1. Petr. 1:3; 1. Joh. 5:18; 1. Kor. 4:15). Das bedeutet, sie empfangen den ersten Antrieb im göttlichen Leben von Gott durch sein Wort. Wenn sie durch den Glauben an das aus freier Gnade geschenkte Lösegeld gerecht geworden sind, dann vernehmen sie den Ruf: "Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges (erlöstes, gerechtfertigtes und daher) Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist." (Röm. 12:1). Und wenn sie, diesem Ruf gehorchend, ihr gerechtfertigtes menschliches Leben zusammen mit demjenigen Jesu weihen, so wird es von Gott angenommen; und mit dieser Handlung beginnt das geistige Leben. Wer das an sich erfährt, der findet, dass er von dem Augenblick an denkt und handelt, wie der neue Geist oder erneuerte Sinn (Röm. 12:2) ihn treibt, selbst bis zur Kreuzigung von menschlichen Wünschen. Vom Augenblick der Weihung an betrachtet uns Gott als "Neue Schöpfungen".

So schwindet in diesen noch im ungeborenen Zustande befindlichen "Neuen Schöpfungen" "das Alte" (menschliche Wünsche, Hoffnungen, Pläne usw.), und alles wird neu. Diese noch ungeborene "Neue Schöpfung" fährt nun in dem Maße fort zu wachsen und sich zu entwickeln, als die alte menschliche Natur mit ihren Hoffnungen, Bestrebungen, Wünschen usw. gekreuzigt wird. Diese beiden Vorgänge gehen von dem Zeitpunkte der Weihung an gleichzeitig nebeneinander her, bis der Tod der menschlichen und die Geburt der geistigen Natur erfolgt. Sowie der Geist Gottes fortfährt, durch sein Wort mehr und mehr seinen Plan zu entfalten, so belebt das selbst unsere sterblichen Leiber, d.h. macht sie lebendig, flößt ihnen neues Leben ein (Röm. 8:11), damit sie ihm dienstbar werden können. Zu seiner Zeit aber werden wir neue, geistige, himmlische Leiber erhalten, die in jeder Hinsicht der neuen göttlichen Gesinnung entsprechen.

Die Geburt der "Neuen Schöpfung" geschieht in der Auferstehung (Kol. 1:18), und die Auferstehung dieser Klasse wird die erste oder vorzügliche Auferstehung genannt (Offb. 20:6). Es sollte nicht aus dem Auge gelassen werden, dass wir erst von der Auferstehung an tatsächlich Geistwesen sein werden, wenn wir auch von der Zeit an, da wir den Geist der Kindschaft empfingen, als solche gerechnet wurden (Röm. 8:23-25; Eph. 1:13, 14; Röm. 6:10, 11). Wenn wir in Wirklichkeit Geistwesen geworden sind, wenn wir aus dem Geist geboren sind, dann sind wir nicht länger fleischliche Wesen; denn "was aus dem Geist geboren ist, ist Geist" (Joh. 3:6).

Dieser Geburt zur geistigen Natur bei der Auferstehung muss ein Gezeugt werden vom Geiste bei der Weihung vorangehen, wie auch der Geburt vom Fleische ein Gezeugt werden vom Fleische vorhergeht. Alle, die vom Fleische im Bilde des ersten Adam, des irdischen, geboren waren, waren zuvor vom Fleische gezeugt; und einige davon sind vom Geiste Gottes durch das Wort der Wahrheit wieder gezeugt; auf dass sie zur festgesetzten Zeit, bei der ersten Auferstehung, im Bilde "des Herrn vom Himmel" wiedergeboren werden mögen: "Wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir (die Kirche, Herauswahl) auch das Bild des Himmlischen tragen" (1. Kor. 15:49) es sei denn, dass wir "abfallen". - Hebr. 6:6

Wenn nun auch die Annahme des himmlischen Rufes und unsere im Gehorsam gegen denselben erfolgte Weihung an einem bestimmten Zeitpunkte zur Entscheidung kam, so ist doch das in Einklang bringen jedes Gedankens mit dem Geiste Gottes ein allmähliches Werk. Es ist ein allmähliches Himmelwärts richten dessen, was der Natur nach zur Erde neigt. Der Apostel nennt diesen Vorgang ein Werk der Erneuerung, wenn er sagt: "Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt (zur himmlischen Natur) durch die Erneuerung (eures) Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist." (Röm. 12:2)

Der Apostel richtet diese Worte nicht an die ungläubige Welt, sondern an die, welche er als "Brüder anerkennt, wie der vorhergehende Vers anzeigt: "Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer."

Man nimmt gewöhnlich an, dass Paulus hier jene Umwandlung gemeint habe, die bei der Bekehrung oder der Abkehr von der Sünde, vom Unglauben und von der Opposition gegen Gott und der Hinkehr zu ihm stattfindet. Es ist wahr, dies ist ein großer Wechsel - eine Erneuerung, aber nicht die Erneuerung, von der Paulus hier redet. Das ist eine Erneuerung des Charakters. Paulus aber bezieht sich hier auf eine Erneuerung der Natur, die während des Evangeliums-Zeitalters unter gewissen Bedingungen den Gläubigen verheißen ist, und er ermahnte die Gläubigen, diese Bedingungen zu erfüllen. Hätte eine solche Erneuerung des Charakters nicht schon bei denen, die er anredete, stattgefunden, so hätte er sie nicht Brüder nennen können - Brüder sogar, die etwas Heiliges und Gott gefälliges als Opfer darbringen könnten; denn nur die, die durch den Glauben an das Lösegeld gerecht geworden sind, werden von Gott als lebendig, heilig und annehmbar betrachtet. Erneuerung der Natur wird denen zuteil, die während des Evangeliums-Zeitalters ihr gerechtfertigtes menschliches Leben als lebendiges Opfer darbringen, wie Jesus sein vollkommenes menschliches Leben zum Opfer brachte, indem sie alle Rechte und Ansprüche auf ein zukünftiges menschliches Dasein niederlegen, sowie auch gegenwärtige menschliche Befriedigung und Vorrechte unbeachtet lassen. Das erste, was dabei geopfert werden muss, ist der menschliche Wille; und von da an dürfen wir weder von unserem eigenen noch von irgendeinem anderen menschlichen Willen, sondern nur vom göttlichen Willen regiert werden. Der göttliche Wille wird unser Wille, und wir rechnen den menschlichen Willen nicht als den unseren, sondern als den Willen eines anderen, der ignoriert und geopfert werden wird. Wenn der göttliche Wille unser Wille geworden ist, so fangen wir an, vom göttlichen Standpunkt aus zu überlegen, zu urteilen und zu denken. Gottes Plan wird unser Plan, und Gottes Wege werden unsere Wege. Wer nicht in wahrem Glauben sich selbst zum Opfer dargebracht und folglich jene Umwandlung erfahren hat, der kann letztere auch nicht völlig verstehen. Früher konnten wir uns an irgend etwas, das nicht tatsächlich sündig war, erfreuen, denn die Erde mit allen ihren Gütern ist zur Freude des Menschen erschaffen worden, und die einzige Schwierigkeit dabei war nur, die sündigen Neigungen zu unterdrücken. Die Gottgeweihten, die Erneuerten aber haben noch außer der Bemühung, die Sünde zu bekämpfen, die Aufgabe, gegenwärtige Güter und Genüsse zu opfern und ihre ganze Kraft und Energie dem Dienste Gottes zu widmen. Durch solche Treue im Dienste und Opfer erfahren wir täglich, dass diese Welt nicht unser Ruheplatz ist, dass wir hier keine bleibende Stätte haben. Unsere Herzen und Hoffnungen werden aber vielmehr zu der "Ruhe, die vorhanden ist dem Volke Gottes", hingezogen. Und diese gesegnete Hoffnung ist es, die zu neuem und fortgesetztem Opfer antreibt.

So, durch Weihung, wird der Sinn erneuert oder umgewandelt, und die Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungen fangen an, nach den geistigen, unsichtbaren, verheißenen Dingen sich zu erheben, während die menschlichen Hoffnungen usw. sterben. Wer so umgewandelt oder im Vorgange der Veränderung ist, wird als "Neue Schöpfung" betrachtet, als von Gott gezeugt, und ist in dem Maße ein Teilhaber der göttlichen Natur. Beachte den Unterschied wohl, der zwischen diesen "neuen Schöpfungen" und den gläubigen "Brüdern", die nur gerechtfertigt sind, besteht. Diese sind noch "von der Erde und irdisch" und, abgesehen von sündigen Lüsten, sind ihre Hoffnungen, ihre Bestrebungen und Ziele solcher Art, wie sie in der verheißenen Wiederherstellung aller Dinge voll und ganz werden gewährt werden. Jene dagegen sind "nicht von dieser Welt", gleichwie Christus nicht von dieser Welt ist, und ihre Hoffnung beruht auf dem Unsichtbaren, dem "was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes". Die Aussicht irdischer Herrlichkeit, so bezaubernd für den natürlichen Menschen, hat für die zu dieser himmlischen Hoffnung Gezeugten, für die, welche die Herrlichkeit der himmlischen Verheißungen sehen und das ihnen im göttlichen Plan zugewiesene Erbteil würdigen, keinen Reiz mehr. Dieser neue göttliche Geist oder Sinn ist "das Pfand unseres Erbes" der vollständigen göttlichen Natur - Geist und Leib. Ein göttlicher Leib! möchte hier jemand erstaunt ausrufen. Aber wird nicht von Jesu gesagt, er sei "der Abglanz seiner (des Vaters) Herrlichkeit und der Abdruck (ausdrückliche Nachformung) seines Wesens" (Hebr. 1:3), und dass die Überwinder, ihm gleich sein werden, ... ihn sehen, wie er ist"? (1. Joh. 3:2) "Wenn es einen natürlichen (menschliche) Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen." (1. Kor. 15:44) Wir könnten uns unseren göttlichen Vater ebenso wenig wie unseren Herrn Jesus nur als große Geister ohne Körper vorstellen. Ihre Leiber sind herrliche geistige Leiber; doch noch ist nicht erschienen, wie groß die Herrlichkeit ist, und dies soll auch nicht erscheinen, bis auch wir die göttliche Natur teilen werden.

Während diese Umformung der Gesinnung (des inwendigen Menschen) ein allmähliches Werk ist, wird dagegen die Verwandlung aus einem menschlichen in einen geistigen Leib keine allmähliche, sondern eine augenblickliche sein (1. Kor. 15:52). Jetzt haben wir, wie Paulus sagt, diesen Schatz (die göttliche Gesinnung) in irdenen Gefäßen, zu seiner Zeit, aber wird er in dem herrlichen, ihm entsprechenden Gefäß, dem geistigen Leibe, wohnhaft sein.

Wir haben gesehen, dass die menschliche Natur ein Abbild der geistigen ist (1. Mose 5:1). Zum Beispiel, wie Gott einen Willen hat, so haben ihn auch Menschen und Engel; wie Gott Vernunft und Gedächtnis hat, so sind seine intelligenten Geschöpfe - Engel und Menschen - ebenfalls damit ausgestattet. Der Charakter der geistigen Verrichtungen beider ist der gleiche. Von den gleichen Voraussetzungen ausgehend, und unter denselben Verhältnissen, vermögen diese verschiedenen Naturen zu den gleichen Schlüssen zu gelangen. Obwohl die geistigen Fähigkeiten der Naturen ähnlich sind, so wissen wir doch, dass die geistigen Naturen Kräfte besitzen, die der menschlichen weit überlegen sind und die nach unserer Meinung nicht von verschiedenen Fähig sondern, sondern von dem weiteren Wirkungskreis derselben Fähigkeiten und von der Verschiedenheit der Verhältnisse, unter denen sie wirken, herrühren. Die menschliche Natur, die ein vollständiges irdisches Abbild der geistigen Natur ist, besitzt auch die Fähigkeiten der letzteren, nur sind dieselben auf das irdische Gebiet beschränkt. Über das Irdische hinaus vermag die menschliche Natur nur soviel zu erkennen, als Gott für des Menschen Wohl und Freude zu offenbaren für gut achtet.

Die göttliche ist die höchste Ordnung der geistigen Natur; und wie unermesslich ist der Abstand zwischen Gott und seinen Geschöpfen! Nur einen Schimmer der Herrlichkeit der göttlichen Weisheit, Macht und Güte vermögen wir zu erfassen, gleich als ob er seine mächtigen Werke in einem Panorama an uns vorübergehen ließe. Aber die Herrlichkeit einer vollkommenen Menschennatur können wir annähernd ermessen und begreifen.

Diese Gedanken klar erfassend, ist es möglich, uns einen Begriff davon zu machen, wie die Umwandlung von der menschlichen zur geistigen Natur bewirkt wird, nämlich durch Übertragung derselben geistigen Kräfte auf die höheren Verhältnisse. Wenn wir mit dem himmlischen Leib bekleidet sind, dann besitzen wir auch die himmlischen Kräfte, die dem herrlichen Leib eigen sind, und haben den Gedankenkreis und die Machtausdehnung, die dazugehören.

Die Veränderung oder Umwandlung des Sinnes vom irdischen zum himmlischen, welche der Geweihte hier an sich erfährt, ist der Anfang jener Verwandlung der Natur. Es ist keine Verwandlung des Verstandes, noch irgendein Wunder in seiner veränderten Tätigkeit, sondern die Richtung des Geistes und der Wille sind es, die verändert werden. Unser Wille und unsere Gesinnung vertreten unsere Persönlichkeit; folglich werden wir als umgewandelt und als zur göttlichen, himmlischen Natur gehörig gerechnet, wenn unser Wille und unsere Gesinnung verändert sind. Wohl wahr, das ist nur ein sehr geringer Anfang; allein die Zeugung, wie es bezeichnet wird, ist stets nur ein kleiner Anfang; und doch ist es das Unterpfand oder die Zusicherung des vollendeten Werkes (Eph. 1:13, 14).

Man hat die Frage aufgeworfen: Wie werden uns selbst wiedererkennen können, wenn wir verwandelt sind? Wie sollen wir dann wissen, dass wir dieselben Wesen sind, die vormals lebten, litten und sich aufopferten, um Teilhaber dieser Herrlichkeit zu werden? Werden wir dieselben selbstbewussten Wesen sein? Ganz gewiss! Sind wir mit Christo gestorben, so werden wir ihm leben (Röm. 6:8). Veränderungen, die täglich mit unseren menschlichen Leibern vor sich gehen, bewirken nicht, dass wir das Vergangene vergessen oder unsere Identität verlieren.

(Unsere menschlichen Leiber verändern sich fortwährend. Die Wissenschaft erklärt, dass alle sieben Jahre ein vollständiger Wechsel der uns ausmachenden Bestandteile (Atome) stattfindet. Somit wird auch der verheißene Wechsel von menschlichen zu geistigen Leibern weder Gedächtnis noch Identität zerstören, sondern vielmehr deren Stärke und Wirkungskreis vergrößern. Derselbe göttliche Geist (Sinn), der jetzt unser Eigen ist, mit demselben Gedächtnis, denselben Urteilskräften usw. wird sein Vermögen dann zu unermesslichen Höhen und Tiefen erweitert finden, seinem neuen Leib angemessen. Unsere ganze Laufbahn, von der frühesten Kindheit an, wird unser Gedächtnis verfolgen können, und durch die so ermöglichte Vergleichung sind wir in den Stand gesetzt, den glorreichen Lohn unseres Opfers voll und ganz zu würdigen. Das wäre aber nicht möglich, wenn das Menschliche kein Ebenbild des Geistigen wäre.)

Diese Gedanken können uns auch zu einer Vorstellung darüber verhelfen, wie der Sohn Gottes (als er vom geistigen zum menschlichen Zustand, zur menschlichen Natur, verwandelt und irdischen Beschränkungen unterworfen wurde) Mensch werden konnte. Er blieb dasselbe Wesen, dieselbe Person, im ersten Zustand ein geistiges im zweiten ein menschliches Wesen. Weil die beiden Naturen getrennt und verschieden sind, und doch die eine ein Ebenbild der anderen ist, sie also dieselben geistigen Fähigkeiten (Gedächtnis usw.) gemein haben, darum konnte Jesus sich seiner früheren Herrlichkeit erinnern, die er hatte, ehe er Mensch geworden war, wie seine Worte beweisen: - "Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war" (Joh. 17:5) - mit der Herrlichkeit der geistigen Natur. Und dieses Gebet ist in der gegenwärtigen Erhöhung zur höchsten Form geistiger Wesen, zur göttlichen Natur, mehr wie erhört worden.

Wiederum auf des Apostels Paulus Worte Bezug nehmend, bemerken wir, dass er nicht sagt: Gestaltet euch selbst nicht gleich dieser Welt, sondern verändert euch selbst in das göttliche Ebenbild, sondern er sagt: "Seid nicht gleichförmig ... sondern werdet verwandelt." Das ist klar ausgedrückt, denn wir bilden uns weder selbst, noch können wir uns selbst verändern, umgestalten (Luther: verklären),. aber wir unterwerfen uns, dass wir entweder durch weltliche Einflüsse, durch den Geist der Welt um uns her, der Welt gleichgebildet werden, oder wir unterwerfen uns dem Willen Gottes, dem heiligen Willen oder Geist, dass wir durch die vermittelst seines Wortes ausgeübten himmlischen Einflüsse verändert werden. Du, der du Gott geweiht bist, welchen Einflüssen gibst du dich hin? Die umgestaltenden Einflüsse führen zu gegenwärtiger Aufopferung und zum Erdulden von Leiden; aber wie herrlich ist das Ende! Wenn du dich unter diesen umbildenden Einflüssen entwickelst, dann prüfst du täglich, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille.

Dass doch die, welche ihr alles auf den Opferaltar gelegt haben, beständig im Auge behalten möchten, dass von den in Gottes Wort enthaltenen irdischen und himmlischen Verheißungen nur die Letzteren uns gehören. Unser Schatz ist im Himmel, lasst auch unsere Herzen jederzeit da sein. Unsere Berufung ist nicht nur zur geistigen Natur, sondern zur höchsten Stufe derselben, der göttlichen Natur - "so viel besser ... als die Engel" (2. Petr. 1:4; Hebr. 1:4). Dieser himmlische Ruf ist auf das Evangeliums-Zeitalter beschränkt; er war vordem nie ergangen, und mit dem Ende des Evangeliums-Zeitalters wird er aufhören. Ein irdischer Ruf, jedoch nur unvollkommen verstanden, erging vor dem himmlischen Ruf und wird wie uns bezeugt ist, nach dem Evangeliums-Zeitalter fortgehen. "Leben (für die als menschliche Wesen Wiederhergestellten) und Unsterblichkeit" (der Preis, das Kleinod, zu dem der Leib Christi berufen ist) sind beide während dieses Zeitalters an das Licht gebracht worden (2. Tim. 1:10). Beide Naturen, die menschliche wie die geistige, werden in ihrer Vollkommenheit herrlich und doch voneinander verschieden sein, dabei aber beide im Einklang mit dem Willen des Schöpfers. Keinen zu unterschätzenden Teil der Herrlichkeit des vollendeten Werkes Gottes wird einst die schöne Mannigfaltigkeit und doch wunderbare Einheit aller Dinge, der belebten und unbelebten, bilden - im Einklang untereinander und im Einklang mit Gott.

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Studie 11

Die drei Wege:
Der breite Weg, der schmale Weg, der Hoch-Weg

Der breite Weg zum Verderben. - Der schmale Weg zum Leben. - Was ist Leben? - Die göttliche Natur. - Verhältnis der göttlichen zur menschlichen Natur. - Der Lohn am Ende des schmalen Weges. - Die hohe Berufung auf das Evangeliums-Zeitalter beschränkt. - Hindernisse und Gefahren auf dem schmalen Wege. - Der Hoch-Weg der Heiligung.

"Weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben (zum Untergang) führt, und viele sind, die durch dieselbe (Pforte) eingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden." - Matth. 7:13, 14

"Und es entsteht daselbst ein Hoch-Weg und eine (hochaufgeworfene, gebahnte Verkehrsstraße) und die heilige Straße wird sie heißen: nicht wird ein Unreiner darüber hinziehen, da sie bestimmt ist ihnen; wer die Straße wandelt, selbst Einfältige irren nicht. Nicht wird da sein ein Löwe, und das reißendste Raubtier wird nicht hinankommen, wird da nicht getroffen, und es wallen Erlöste (daselbst)." - Jes. 35:8, 9 (nach Dr. Frz. Delitzsch)

Hiermit lenkt die Heilige Schrift unsere Aufmerksamkeit auf drei Wege hin, auf den "breiten Weg", den "schmalen Weg" und den "Hoch-Weg".

Der breite Weg zum Verderben

Dieser Weg wird so benannt, weil er für das gefallene menschliche Geschlecht der bequemste ist. Vor 6000 Jahren, als Adam und das in seinen Lenden vertretene Geschlecht als Sünder zum Verderben (Untergang) verurteilt worden war, betrat er diese Straße und nach 930 Jahren erreichte er das Ende derselben - Vernichtung. Wie Jahre und Jahrhunderte dahin zogen, wurde der abwärts führende Pfad mehr und mehr ausgetreten, schlüpfriger; und schneller und schneller eilte das Geschlecht dem Untergang entgegen; ja täglich wird der Weg noch mehr geglättet und von der Sünde schlüpfriger. Aber das nicht allein; die Menschheit verliert auch täglich an Widerstandskraft, so dass heutzutage die durchschnittliche Lebensdauer ungefähr fünfunddreißig Jahre beträgt. Die Menschen erreichen jetzt das Ende des Weges, den Untergang, 900 Jahre schneller als der erste Mensch.

Sechstausend Jahre lang ist das Geschlecht auf der breiten, abwärts führenden Straße dahin gezogen. Nur verhältnismäßig wenige haben versucht, ihren Lauf zu ändern und ihre Schritte zurück zu lenken. In der Tat alle Schritte zurück zutun und die ursprüngliche Vollkommenheit wieder zu erreichen, ist unmöglich gewesen, wiewohl der darin von einigen bewiesene Eifer lobenswert und nicht ohne heilsame Folgen war. Sechstausend Jahre lang haben Sünde und Tod unbarmherzig unter den Menschenkindern geherrscht und sie auf dieser breiten Straße dem Untergang entgegen getrieben; und vor dem Evangeliums-Zeitalter war kein Ausweg ans Licht gebracht. Wenn in den vorhergehenden Zeitaltern auch etliche Hoffnungsstrahlen in Vorbildern und Schatten dunkel erkannt und von einigen wenigen, auf deren Wandel sie Einfluss hatten, mit Freuden begrüßt wurden, so wurde doch vor der Erscheinung unseres Herrn und Heilandes, Jesu Christi, und vor der Verkündigung der frohen Botschaft von einem Loskaufen der Sünder und einer Vergebung der Sünde und darauffolgender Auferstehung aus dem Verderben keineswegs Leben und Unsterblichkeit an das Licht gebracht (2. Tim. 1:10). Erst die Lehren Jesu und der Apostel brachten Leben, eine Wiederherstellung des Lebens für die gesamte Menschheit, auf das Verdienst und Opfer des Erlösers gegründet, an das Licht; und sie erst zeigten, dass dies die Bedeutung vieler alttestamentlicher Vorbilder sei. Und gleichfalls brachten sie erst Unsterblichkeit, den Kampfpreis der hohen Berufung der Kirche des Evangeliums, ans Licht.

Obwohl ein Ausweg aus dem zum Untergang führenden Wege durch das Evangelium ans Licht gebracht worden ist, so beachtet die durch die Sünde verderbte und vom Widersacher verblendete große Masse der Menschheit diese frohe Botschaft nicht. Denjenigen, die jetzt die Verheißung des Lebens, d.h. die Wiederherstellung zu menschlichem Dasein durch Christum dankbar annehmen, wird ein "neuer Weg" eröffnet und gezeigt, auf dem geweihte Gläubige über die menschliche Natur hinaus zu einer höheren Natur der geistigen - gelangen und verwandelt werden können. Diesen "neuen und lebendigen Weg", welchen er uns, "dem königlichen Priestertum", "eingeweiht hat" (Hebr. 10:20), bezeichnet unser Herr mit den Worten:

"Der schmale Weg zum Leben"

Unser Meister sagt uns, es sei die Enge dieses Weges, weswegen die vielen vorzögen, auf der breiten Straße zu verbleiben. "Eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden." (Matth. 7:14)

Ehe wir jedoch diesen Weg und seine Gefahren ins Auge fassen, lasst uns erst auf das Ende blicken, wohin er führt - das Leben. Wie wir schon gesehen haben, kann auf verschiedenen Stufen des Daseins Leben vorhanden sein, sowohl höheres als auch niedrigeres wie menschliches Leben. Leben ist ein weiter und umfassender Begriff, doch hier wendet ihn unser Herr auf die höchste Form des Lebens, welche der göttlichen Natur zugehört - Unsterblichkeit - an; auf den Preis, nach welchem zu laufen er uns einladet, die Krone des Lebens. Was ist Leben? Wir gewahren es nicht nur in uns selbst, sondern sehen auch seine Wirksamkeit in der niedrigeren Tierwelt, ja sogar in der Pflanzenwelt, und sind über dessen Vorhandensein in höheren Formen, der der Engel und der göttlichen, unterrichtet. Wie sollen wir einen so umfangreichen Begriff definieren oder bestimmen?

Wenn wir auch die geheimen Quellen des Lebens nicht in allem zu entdecken vermögen, so können wir doch mit Sicherheit annehmen, dass das göttliche Wesen, Jehova, der große Urquell alles Lebens ist, aus dem diese Quellen gespeist werden. Alles Lebendige stammt von ihm und ist von ihm abhängig. Alles Leben, ob in Gott oder in seinen Geschöpfen, ist das gleiche. Es ist ein wirksames, Kraft äußerndes Prinzip, nicht eine Substanz oder ein Stoff. Es ist ein Prinzip, das Gott in sich selbst besitzt, das aber in seinen Geschöpfen aus gewissen von Gott geordneten Ursachen, deren Bewirker, Hervorbringer oder Urquell er demnach ist, entsteht. Das Geschöpf ist daher in keiner Weise ein Teil oder ein Sprössling aus dem Wesen oder der Natur des Schöpfers, wie einige sich vorstellen, sondern seiner Hände Werk, ausgestattet mit Leben.

Die Tatsache erkennend, dass nur in der göttlichen Natur das Leben unabhängig, unbegrenzt, unerschöpflich, immer dauernd und durch Umstände weder hervorgerufen noch bedingt ist, sehen wir, dass Jehova notwendigerweise über die physischen Gesetze und die Leben erhaltenden Mittel, die er für die Erhaltung seiner Geschöpfe angeordnet hat, erhaben ist. Diese Eigenschaft, die der göttlichen Natur allein zukommt, wird mit dem Ausdruck Unsterblichkeit bezeichnet. Wie im vorhergehenden Kapitel gezeigt wurde, bedeutet Unsterblichkeit, vor dem Tod unbedingt gesichert sein, und folglich auch vor Krankheit und jeglichem Schmerz. Unsterblichkeit mag in der Tat als gleichbedeutend mit Göttlichkeit gelten. Aus diesem göttlichen, unsterblichen Urquell entspringt alles Leben und aller Segen, kommt alle gute und vollkommene Gabe, gleichwie die Erde ihr Licht und ihre Lebenskräfte von der Sonne empfängt.

Die Sonne ist der große Lichtquell für die Erde. Sie erleuchtet alles und erzeugt, ja nach der Beschaffenheit der Gegenstände, auf die sie scheint, jene reiche Mannigfaltigkeit der Farbe und Schattierung. Dasselbe Sonnenlicht bringt die verschiedensten Wirkungen hervor, wenn es z.B. auf einen Diamanten, auf einen Ziegelstein und auf verschiedene Arten Glas fällt. Das Licht ist dasselbe, aber die Gegenstände, auf die es fällt, unterscheiden sich in der Fähigkeit, es zu empfangen und zu übermitteln. So ist es auch mit dem Leben. Alles strömt aus einem unerschöpflichen Quell. Die Auster hat Leben, aber ihr Organismus ist ein solcher, dass sie nicht viel Leben verwenden kann, gerade wie der Ziegelstein nur wenig Sonnenlicht auffangen und zurückwerfen kann. So verhält es sich auch bei jeder höheren Kundgebung von Leben bei Tieren, Fischen und Vögeln. Wie verschiedene Glassorten unter dem Sonnenlicht verschiedenes Licht zurückwerfen, so zeigen diese verschiedenartigen Geschöpfe auf verschiedene Weise die unterschiedlichen Kräfte, welche sie als Organe besitzen, sobald Leben dieselben durchströmt.

Der polierte Diamant ist dem Licht so angepasst, dass es scheint, als ob er es in sich selbst besäße und selbst eine kleine Sonne wäre. So verhält es sich auch mit dem Menschen, einem der Meisterstücke der Schöpfung Gottes, nur "ein wenig geringer gemacht als die Engel". So meisterhaft war der Mensch gebildet, dass er Leben zu empfangen und dasselbe durch den Gebrauch der von Gott dargebotenen Mittel zu erhalten vermochte, ohne jemals seine Kraft einzubüßen. So war Adam, ehe er fiel, nicht vermöge eines Unterschiedes im eingepflanzten Lebensprinzip über jedes andere irdische Geschöpf erhaben, sondern vermöge eines höheren Organismus. Doch lasst uns dabei nicht vergessen, dass, gleichwie der Diamant kein Licht zurückstrahlen kann, es sei denn, dass die Sonne ihn bescheine, so kann auch der Mensch nur so lange Leben besitzen und genießen, als der Lebenszufluss sich fortsetzt. Der Mensch hat kein innewohnendes Leben (Leben in sich selbst); er ist so wenig ein Lebensquell, als der Diamant ein Lichtquell ist. Und einer der schlagendsten Beweise dafür, dass wir keinen unerschöpflichen Lebensvorrat in uns selbst besitzen, oder in anderen Worten, dass wir nicht unsterblich sind, ist der, dass, seit die Sünde in die Welt gekommen, der Tod zu unserem ganzen Geschlecht hindurch gedrungen ist.

Gott hatte es so angeordnet, dass der Mensch im Garten Eden zu den lebenderhaltenden Bäumen (1. Mose 2:9) Zutritt haben sollte, und das Paradies, in das er gesetzt worden war, war reichlich mit "allerlei (Arten von) Bäumen, lieblich anzusehen und gut zur Speise", versehen (1. Mose 2:9, 16, 17). Unter den Lebensbäumen, die gut zur Speise waren, war einer verboten. Während dem Menschen nun damals von dem Baum der Erkenntnis zu essen verboten war, durfte er doch von den Bäumen, welche das Leben vollkommen erhielten, ungehindert genießen, und erst nach der Übertretung wurde er davon abgeschnitten, damit dadurch die Todesstrafe bewirkt werde. - 1. Mose 3:22

Daraus sieht man, dass die Herrlichkeit und Schönheit der Menschheit von dem fortgesetzten Lebenszufluss abhängt, gerade wie die Schönheit des Diamanten durch den fortgesetzten Lichtzufluss bedingt ist. Als die Sünde der Menschheit das Recht zum Leben raubte und der Zufluss vorenthalten wurde, da begann der Edelstein sofort seinen Glanz und seine Schönheit einzubüßen, und schließlich raubte das Grab ihm seine letzte Spur. "Gleich der Motte, seine Schönheit zergehen." (Psalm 39:11) Wie der Diamant seine Schönheit und seinen Glanz verliert, sobald das Licht entzogen wird, so verliert der Mensch das Leben, wenn ihm Gott den Lebenszufluss vorenthält: "Der Mensch verscheidet, und wo ist er?" (Hiob 14:10) "Seine Kinder kommen zu Ehren, und er weiß es nicht; und sie werden gering, und er achtet nicht auf sie." (Vers 21) "Denn es gibt weder Tun noch Überlegung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol, wohin du gehst." (Pred. 9:10). Da aber ein Lösegeld gefunden, da die Todesstrafe von dem Erlöser bezahlt worden ist, soll auch der Edelstein seine Schönheit wieder erhalten und das Bild seines Schöpfers wieder vollkommen zurückstrahlen, wenn die Sonne der Gerechtigkeit mit Heil unter ihren Flügeln aufgehen wird (Mal. 4:2). Um des Sündopfers, um des Opfers Christi willen geschieht es, dass "alle, die in den Gräbern sind, werden hervorgehen". Eine "Wiederherstellung aller Dinge" wird stattfinden; erst eine Gelegenheit der Wiederherstellung für alle, und schließlich die Erlangung menschlicher Vollkommenheit von allen, die dem Erlöser gehorchen wollen.

Dies ist jedoch nicht der Lohn, auf den Jesus als das Ende des schmalen Weges Bezug nimmt. Aus anderen Schriftstellen erfahren wir, dass der Lohn, welcher denen verheißen ist, die den schmalen Weg gehen, "die göttliche Natur", die Unsterblichkeit ist. Dies bedeutet, Leben in sich selbst haben, Leben in jenem höchsten Grad, wie ihn nur die göttliche Natur besitzen kann. Welche Hoffnung! Dürfen wir solche Höhe der Herrlichkeit zu erreichen wagen? Ohne positive und ausdrückliche Aufforderung dazu hätten wir gewiss kein Recht, danach zu streben.

Aus Joh. 5:26 lernen wir, dass Jehova, der ursprünglich allein Unsterblichkeit besaß, seinen Sohn, unseren Herrn Jesus, zu derselben göttlichen, unsterblichen Natur hoch erhöht hat, so dass er jetzt das Ebenbild seines Wesens, der genaue Abdruck der Person des Vaters ist (Hebr. 1:3). So lesen wir: "Denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat (Gottes Umschreibung von Unsterblichkeit - Leben in sich selbst, nicht aus anderen Quellen geschöpft, oder von Umständen abhängig, sondern unabhängiges, innewohnendes Leben), also hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst." Seit der Auferstehung des Herrn Jesu gibt es also zwei Wesen, die unsterblich sind. Alle anderen Wesen, Engel, Menschen, Tiere, Vögel, Fische usw. sind nur Gefäße, deren jedes das seinige voll Leben hält; und alle unterscheiden sich, was Natur, Fähigkeiten und Eigenschaften betrifft, je nach dem Organismus, den für jeden zu bereiten es dem Schöpfer wohl gefiel.

Aus 1. Tim. 6:15, 16 lernen wir ebenfalls, dass Unsterblichkeit oder die göttliche Natur zur Zeit, als der Apostel schrieb, nur Jehova und Christo eigen war. Wir lesen: "Welche (Erscheinung Christi) zu seiner Zeit wird zeigen der selige und alleinige Machthaber, der König der Könige und Herr der Herren - (Christus), der allein (außer dem Vater - 1. Kor. 15:27) Unsterblichkeit hat."

Diese gleiche göttliche Natur, Unsterblichkeit, ist jedoch der Braut des Lammes angeboten, die während dieses Evangeliums-Zeitalters ausgewählt wird. Welch erstaunliche Gnade! Doch nicht die ganze große Schar, die dem Namen nach zur Kirche gehört, soll diesen großen Preis erlangen, sondern nur die "kleine Herde" der Überwinder, die also laufen, dass sie es ergreifen, die getreulich in des Meisters Fußstapfen nachfolgen, die wie er, selbst bis zum Tod, den schmalen Weg des Opferns wandeln. Wenn diese in der Auferstehung aus den Toten geboren sind, dann werden sie göttliche Natur und Gestalt an sich tragen. Diese Unsterblichkeit, die unabhängige, in sich selbst bestehende, göttliche Natur, ist das Leben, zu dem der schmale Weg führt.

Die Glieder dieser Klasse werden nicht als menschliche Wesen aus dem Grabe erweckt werden. Der Apostel versichert uns vielmehr, dass, obwohl sie als natürliche Leiber in das Grab gesäet wurden, sie doch als geistige Leiber auferweckt werden sollen. Sie werden alle "verwandelt" werden, und wie sie einst das Bild des Irdischen, die menschliche Natur, an sich trugen, so werden sie das Bild des Himmlischen tragen. "Es ist aber noch nicht erschienen, was wir sein werden" - was ein geistiger Leib ist: "wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, dass wir ihm gleich sein werden" und die "Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll", "die unverwelkliche Krone der Ehre", mit ihm teilen sollen. - 1. Joh. 3:2; Kol 1:27; 2. Kor. 4:17; Joh. 17:22; 1. Petr. 5:1, 4, 10; 2. Thess. 2:14

Diese hohe Berufung zu einem Wechsel der Natur ist nicht nur ausschließlich auf dieses Evangeliums-Zeitalter beschränkt, sondern er ist auch der einzige Preis, der jetzt angeboten wird. Somit schließen die am Anfang des Kapitels angeführten Worte des Herrn alle diejenigen als auf dem breiten Weg zum Untergang befindlich ein, die nicht auf dem Wege nach dem einzigen jetzt angebotenen Preise sind. Diese allein sind bis jetzt der Verurteilung, die auf der Welt ruht, entronnen. Alle anderen sind noch auf dem breiten Weg. Dieser jetzt allein offenstehende Weg zum Leben wird seiner Hindernisse wegen nur von wenigen erwählt. Die Masse der Menschheit zieht in ihrer Schwachheit den breiten, bequemen Weg der Selbstbefriedigung vor.

Der schmale Weg mag wohl auch, obwohl er im Leben, in Unsterblichkeit, endet, ein Weg des Todes genannt werden, da sein Preis durch die Aufopferung der menschlichen Natur bis zum Tode errungen wird. Es ist der schmale Weg des Todes zum Leben. Nachdem sie gerechneterweise von der adamitischen Schuld und Todesstrafe befreit sind, übergeben oder opfern diese Gläubigen freiwillig die als ihr Eigentum angesehenen zugerechneten menschlichen Rechte, welche sie zu seiner Zeit mitsamt der Welt tatsächlich empfangen haben würden. Wie "der Mensch Christus Jesus" für die Welt sein Leben ließ und opferte, so werden diese zu Mitopferern mit ihm. Nicht dass sein Opfer ungenügend und das anderer nötig gewesen wäre, sondern so: während das seine voll genügsam war, wurde diesen doch gestattet, mit ihm zu dienen und zu leiden, um seine Braut und Miterben zu werden. Während also die Welt unter der Verurteilung des Todes steht und mit Adam stirbt, heißt es von dieser "kleinen Herde", nach der oben beschriebenen, fortschreitenden Glaubensanrechnung und Aufopferung, sie stirbt mit Christo. Die Glieder der "kleinen Herde" weihen sich und sterben mit ihm als menschliche Wesen, um mit ihm Teilhaber der göttlichen Natur und Herrlichkeit zu werden; denn sterben wir mit ihm, so werden wir mit ihm leben, leiden wir mit ihm, so werden wir mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden. - Röm. 8:17; 2. Tim. 2:11, 12

Am Anfang des tausendjährigen Zeitalters werden diejenigen, die jetzt den schmalen Weg wandeln, den hohen Preis, für den sie liefen, Unsterblichkeit oder unvergängliches Wesen (Röm. 2:7) errungen haben, und so mit der göttlichen Natur und Macht bekleidet, sind sie imstande, das große Werk während jenes Zeitalters, die Welt wiederherzustellen und zu segnen, in Angriff zu nehmen. Mit dem Ende des Evangeliums-Zeitalters wird der schmale Weg zur Unsterblichkeit geschlossen sein, weil die ausgewählte "kleine Herde", die zu prüfen und zu erproben eingerichtet und bestimmt war, vollendet sein wird. "Jetzt ist die angenehme Zeit" - die Zeit, in der Opferer, die in dem Verdienst Jesu kommen und mit ihm in den Tod gehen, vor Gott annehmbar sind - ein Opfer von süßem Geruch. Der Tod wird nicht für immer zugelassen. Als adamitische Strafe wird er während des tausendjährigen Zeitalters abgetan, zerstört werden; als Opfer ist er nur während des Evangeliums-Zeitalters annehmbar und hat einen Lohn in Aussicht.

Nur als "Neue Schöpfungen" sind die Heiligen dieses Zeitalters auf dem Weg zum Leben; und nur als menschliche Wesen sind wir als Opfer der Vernichtung geweiht. Wenn wir als menschliche Geschöpfe mit Christo gestorben sind, dann werden wir als neue, geistige Wesen mit ihm leben (Röm. 6:8). Der Geist oder Sinn Gottes in uns, die umgewandelte Gesinnung, ist der Keim der neuen Natur.

Das neue Leben kann sehr leicht erstickt werden, und Paulus versichert uns, dass, wenn wir nach dem Fleisch leben, nachdem wir vom Geist durch die Wahrheit gezeugt sind, wir sterben, unser neuerzeugtes Leben verlieren müssen; wenn wir aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte (die menschliche Natur) töten, so werden wir (als Neue Schöpfungen) leben; "denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes" (Röm. 8:13, 14). Und dieser Gedanke ist für alle Geweihten von höchster Wichtigkeit, denn wenn wir mit Gott den Bund, unsere Menschennatur zu opfern, geschlossen haben, und dies Opfer von ihm angenommen worden ist, so ist der Versuch, es zurückzunehmen, nutzlos. "Verleugnen wir, er bleibt getreu." Das Menschliche ist von Gott schon als tot gerechnet und muss unweigerlich sterben, um nie wiederhergestellt zu werden. Alles, was man vom Zurückweichen, um wieder nach dem Fleisch zu leben, gewinnen kann, ist der kurze gegenwärtige Genuss auf Kosten der neuen geistigen Natur.

Es gibt jedoch manche Geweihte, die wohl ein Verlangen nach dem Kleinod, dem Kampfpreis, in sich tragen und vom Geist gezeugt worden sind, die aber von den Lockungen der Welt, von den Wünschen des Fleisches oder von der List des Teufels zum Teil überwunden werden. Sie verlieren das "vorgesteckte Ziel", das Kleinod teilweise aus den Augen und versuchen auf einer Mittelstraße einherzugehen - um die Gunst Gottes und die Gunst der Welt zu erhalten - aber sie vergessen, dass "der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft" ist (Jak. 4:4) und dass für die, welche nach dem Preise laufen, die Ermahnung gilt, nicht die Welt zu lieben und nicht Ehre voneinander zu suchen, sondern die Ehre, die von Gott allein ist. - 1. Joh. 2:15; Joh. 5:44

Diejenigen, welche die gegenwärtige Welt lieb haben, den Herrn nicht gänzlich verlassen und ihren Bund verachten, werden eine Züchtigung und Läuterung durch das Feuer der Drangsal durchzumachen haben. Wie der Apostel es ausdrückt, sie werden dem Satan übergeben "zum Verderben (Vernichtung) des Fleisches, auf dass der Geist (die neu gezeugte Natur) errettet werde am Tage des Herrn Jesu" (1. Kor. 5:5). Und wenn sie durch diese Züchtigung recht geübt worden sind, werden sie schließlich doch noch zur geistigen Existenz angenommen werden. Sie werden ewiges geistiges Leben wie die Engel haben; aber das Kleinod der Unsterblichkeit geht verloren. Sie werden Gott in seinem Tempel dienen, und mit Palmen in ihren Händen vor dem Throne stehen (Offb. 7:9-17); aber, obwohl das herrlich sein wird, so herrlich wird es nicht sein, wie die Stellung der "kleinen Herde" der Überwinder, die Könige und Priester Gottes sein, mit Jesu (als seine Braut und Miterben) auf dem Throne sitzen und wie er mit Unsterblichkeit gekrönt sein werden.

Unser Weg ist ein rauer, steiler, schmaler Weg; und würde uns nicht für jeden weiteren Schritt auf der Wanderschaft die nötige Kraft dargereicht, wir würden nie das Ziel erreichen. Aber unseres Anführers Wort gibt uns Mut: "Seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden"; "meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht" (Joh. 16:33; 2. Kor. 12:9). Die Schwierigkeiten dieses Weges sollen als ein scheidendes Mittel wirken, um ein "eigentümliches Volk" zu reinigen, damit sie "Erben Gottes und Miterben Jesu Christi" seien. Im Hinblick darauf "lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe", während wir den guten Kampf des Glaubens kämpfen und das ewige Leben - "die Krone des Lebens", Unsterblichkeit, die göttliche Natur - ergreifen. - Hebr. 4:16; 2. Tim. 4:8; 1. Petr. 5:1, 4

Der Hoch-Weg zur Heiligung

Während die besondere Hoffnung des Evangeliums-Zeitalters über alle Begriffe herrlich ist und der Weg dahin dementsprechend schwierig, schmal, eingeengt durch Beschwerden und Gefahren auf jedem Schritt, so dass nur wenige ihn finden und den großen Preis an seinem Ende erlangen, so wird hingegen die neue Ordnung der Dinge im kommenden Zeitalter davon gänzlich verschieden sein. Da eine andere Hoffnung vorgehalten wird, so führt auch ein anderer Weg dahin. Der Weg zur "Unsterblichkeit" war ein Weg, der das Aufopfern von sonst rechten und gesetzmäßigen Hoffnungen, Bestrebungen und Wünschen, das Aufopfern der menschlichen Natur für immer, erforderte. Aber der Weg zur menschlichen Vollkommenheit, zur Wiederherstellung, die Hoffnung der Welt, erfordert nur das Abtun der Sünde, nicht das Opfern der menschlichen Rechte und Privilegien, sondern deren rechtmäßigen Gebrauch. Er führt zur persönlichen Reinigung und zur Wiederherstellung des Ebenbildes Gottes, in dem sich Adam vor dem Sündenfall befand.

Der Weg zur tatsächlichen menschlichen Vollkommenheit zurück wird sehr eben und leicht gemacht werden; so leicht zu finden, dass ihn niemand zu verfehlen braucht; so einfach, dass, "wer auf dem Weg wandelt - selbst Einfältige werden nicht irregehen" (Jes. 35:8); so deutlich, dass "nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen wird: Erkennet Jehova! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht Jehova" (Jer. 31:34). Statt dass es ein schmaler Weg ist, den nur einige finden können, wird es ein "Hoch-Weg", eine öffentliche Landstraße sein - nicht ein enger, steiler, rauer, schwieriger, eingeschlossener Nebenweg, sondern ein für bequemes Reisen besonders hergerichteter Weg - ganz besonders für die Bequemlichkeit und das Wohlsein der Reisenden angelegt. Verse 8 und 9 zeigen, dass es eine öffentliche Straße ist, offen für alle Erlösten, jeden Menschen. Ein jeder, der die Gelegenheit des Segens, welche das teure Blut erkauft hat, erkennt und sich zunutze machen will, mag auf diesem Hoch-Weg der Heiligung dem großen Endziel vollständiger Wiederherstellung zu menschlicher Vollkommenheit und ewigem Leben entgegengehen.

Sie werden beim Antritt ihres Laufes auf diesem Hoch-Weg der Heiligung nicht gerechneterweise gerechtfertigt, um ihnen eine Stellung der Heiligkeit und Vollkommenheit in Gottes Augen zu schenken, sondern sie werden, als Frucht oder Erfolg ihres Strebens und ihres Gehorsams, allmählich zu tatsächlicher Vollkommenheit hinangehen. Hierzu wird von ihrem Erlöser, der dann in Macht herrscht, alles günstig eingerichtet werden. Jedem einzelnen wird von der weisen und vollkommenen Verwaltung des neuen Königreiches, je nachdem er es bedarf, geholfen werden. Das ist, wie mancher denken wird, das mit Fug und Recht zu erwartende Ergebnis des Lösegeldes. Da unser Herr, der Mensch Christus Jesus, sich selbst für alle als Lösegeld gegeben hat und will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit und dadurch zu tatsächlicher Vollkommenheit kommen, warum hat er nicht gleich für alle einen guten, breiten Hoch-Weg der Heiligung eingerichtet? Warum räumt er nicht die Hindernisse, die Steine des Anstoßes, die Fallen und Schlingen aus dem Weg? Warum hilft er dem Sünder nicht zu voller Harmonie mit Gott zurück, anstatt den Weg schmal, rau und voller Dornen zu machen, schwer zu finden und noch schwerer zu gehen? Viele sind zu so überaus verwirrten Anschauungen über diesen Gegenstand geführt worden, weil man verfehlte, das Wort der Wahrheit recht zu teilen, und nicht erkannte, dass gegenwärtige schmale Weg zu dem besonderen Preise führt und zur Prüfung und Auswahl einer kleinen Herde von Miterben, des Leibes Christi, bestimmt ist, welche, sobald sie ausgewählt und mit ihrem Haupte erhöht sind, alle Nationen segnen sollen. In Unkenntnis des Planes Gottes hat man im gegenwärtigen Zeitalter einen Hoch-Weg der Heiligung, einen leichten Weg, zu predigen versucht, da doch kein solcher Weg vorhanden ist. Man hat auf solche Weise die Sache verwirrt und sucht sie nun auszugleichen, um die Tatsachen und die Schrift diesen verkehrten Theorien anzupassen. Auf dem sich bald öffnenden Hoch-Weg werden nur sündige Dinge verboten sein, während die, welche jetzt auf dem schmalen Weg gehen, sich selbst verleugnen, viele gar nicht sündige Dinge opfern und dabei ebenso beständig gegen anhängende Sünde kämpfen müssen. Jetzt ist es ein Fußpfad des Opferns, dann, im kommenden Zeitalter, wird es ein Hoch-Weg der Gerechtigkeit sein.

Über diesen Hoch-Weg wird in bedeutungsvoller, bildlicher Sprache geredet: "Daselbst wird kein Löwe sein, und kein reißendes Tier wird ihn ersteigen noch daselbst gefunden werden." (Jes. 35:9) Wie viele schreckliche Löwen sind jetzt denen im Wege, die froh wären, sündige Wege zu meiden und der Rechtschaffenheit nachzujagen? Da ist der Löwe einer verderbten öffentlichen Meinung, der viele abhält, den Versuch zu machen, in alltäglichen Dingen, Kleidung, Haus- und Geschäfts-Einrichtungen usw. den Geboten des Gewissens zu folgen. Der Löwe der Versuchung zu starkem Getränk hindert jetzt Tausende, die froh wären, ihn entfernt zu sehen. Prohibitionisten (Männer, die für Handelssperre streben, zum Schutze des inländischen Gewerbes) und Temperenzler haben jetzt eine Herkulesarbeit vor sich, die nur die Autorität und Macht des nächsten Zeitalters bewältigen können, und das gleiche kann von anderen löblichen Bemühungen für sittliche Reform gesagt werden. "Kein reißendes Tier wird daselbst gefunden werden." Keine Riesenkorporationen, zum Zweck selbstsüchtiger persönlicher Interessen auf Kosten des allgemeinen Wohles gebildet, werden geduldet werden. "Man wird nicht übel tun noch verderbt handeln auf meinem ganzen heiligen Gebirge (Königreich), spricht der Herr." (Jes 11:9) Obwohl auch da bei der Überwindung des Hanges zum Bösen usw. Schwierigkeiten zu besiegen sein werden, so wird es doch im Vergleich mit dem schmalen Weg dieses Zeitalters ein gar leichter Weg sein. Die Steine (des Anstoßes) sind dann weggeräumt, und das Panier der Wahrheit wird über die Völker aufgeworfen worden sein. (Jes. 62:10) Unwissenheit und Aberglauben sind dann Dinge der Vergangenheit, und Gerechtigkeit empfängt ihren verdienten Lohn, während dem Bösen seine gerechte Vergeltung zugemessen wird (Mal. 3:15,18). Durch heilsame Züchtigung, geeignete Ermunterung und deutliche Belehrung wird die Menschheit, als verloren gewesene Söhne, hinauf zur hehren Vollkommenheit, von der Adam fiel, erzogen und geschult werden. "Die Befreiten Jehovas werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; sie werden Wonne und Freude erlangen und Kummer und Seufzen werden entfliehen." (Jes. 35:10) Unser Herr bezog sich nur auf zwei dieser Wege, weil die Eröffnung des dritten noch nicht an der Zeit war - gerade wie er, die frohe Botschaft verkündend, sagte: "Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt", aber beim Verlesen der betreffenden Weissagung "den Tag der Rache" wegließ, weil er damals nicht an der Zeit war. (Vergleiche Luk. 4:19 und Jes. 6:2). Jetzt dagegen, da der schmale Weg sich seinem Ende zuneigt, fängt im Licht des herauf dämmernden Tages der Hoch-Weg der Gerechtigkeit an, immer deutlicher erkannt zu werden.

So fanden wir also einen "breiten Weg", auf dem gegenwärtig die Massen, vom "Fürsten dieser Welt" betrogen und durch verderbte Neigungen gelockt, ihres Weges ziehen. Wir fanden, dass er durch "eines Menschen Ungehorsam" eröffnet wurde und unser Geschlecht so seinen sich überstürzenden Lauf auf demselben begann. Wir fanden, dass der "Hochweg der Heiligung" und der Gerechtigkeit durch unseren Herrn, der sich selbst als Lösegeld für alle gab und alle aus dem Verderben, in das der "breite Weg" führt, zurückkaufte, zur bestimmten Zeit eröffnet werden und für alle durch sein eigenes teures Blut Erkauften erreichbar und leicht zu gehen sein wird. Wir fanden ferner, dass der jetzige "schmale Weg", durch das Verdienst desselben kostbaren Blutes eröffnet, ein besonderer Weg ist, der zu einem besonderen Preise führt und besonders eng und schwierig gemacht ist, zur Prüfung und Schulung derjenigen, welche jetzt ausgewählt werden, um Teilhaber der göttlichen Natur und Miterben mit unserem Herrn Jesus in dem bald zu offenbarenden, für die Segnungen aller bestimmten Königreiche der Herrlichkeit zu werden. "Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat (diesen Preis sieht), reinigt sich selbst, gleichwie er (Christus) rein ist", und achtet alles andere, wie Paulus, für "Verlust und Unrat". - Phil. 3:8-15

Wasserströme will ich gießen,
Spricht der Herr, aufs dürre Land;
Kühlend sollen Quellen fließen
In der Wüste heißem Sand.
Wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn,
Soll ein Gottesgarten blühn.




Stärk, Himmelstaube, werter Geist,
Mit Licht und Trost uns allermeist,
Als Vormund du uns leit und führ;
All Denken, jeden Schritt regier!

Entfalte uns der Wahrheit Licht,
Dass wir vom Weg abirren nicht;
In jedes Herz pflanz Furcht des Herrn,
Dass Sünd uns nicht von Gott entfern!

Leit uns in Heiligkeit die Bahn,
Auf der man kommt zu Gott hinan;
In Christ, dem Lebenswege zeig
Uns dessen Weide, süß und reich!

Lehr warten uns, in Wachsamkeit,
Auf die von Gott bestimmte Zeit;
Durch Seine Gnad uns zubereit
Zur Teilschaft Seiner Herrlichkeit!

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Studie 12

Erklärung der Karte, die den Plan der Zeitalter darstellt.

Die Zeitalter. - Die Ernte-Zeiten. - Stufen wirklicher und gerechneter Stellung. - Die Laufbahn unseres Herrn Jesus. - Die Laufbahn seiner Nachfolger. - Drei Klassen in der Namenkirche. - Die Scheidung in der Erntezeit. - Die Schar der Gesalbten verherrlicht. - Die große Drangsals-Klasse. - Das Unkraut verbrannt. - Die Welt gesegnet. - Das Endziel herrlich.

Am Schluss dieses Bandes geben wir eine Karte, die den Plan Gottes zum Heil der Welt darstellt. Durch dieselbe versuchen wir mittels des Auges dem Geiste zu einigem Verständnis des fortschreitenden Charakters des Planes Gottes zu verhelfen, wie auch die aufeinanderfolgenden Schritte zu verdeutlichen, welche alle diejenigen durchmachen müssen, die je die vollständige "Verwandlung" von der menschlichen zur göttlichen Natur erreichen.

Plan der Zeitalter

Erstens haben wir einen Umriss von drei großen Heilszeitordnungen Gottes: A, B, C; Die erste, A, von der Erschaffung des Menschen bis zur Sintflut; die zweite, B, von der Sintflut bis zum Beginn des tausendjährigen Reiches beim zweiten Kommen Christi; und die dritte, oder "Verwaltung der Fülle der Zeiten", C, von dem Anfange der Herrschaft Christi bis in "die kommenden Zeitalter" (Eph. 1:10; 2:7). Auf diese drei großen Perioden wird in der Schrift häufig Bezug genommen: A wird die "damalige Welt" genannt; B wird von unserem Herrn Jesus "diese Welt", von Paulus "die gegenwärtige böse Welt", von Petrus "die jetzige Welt" genannt. C wird im Gegensatz zur jetzigen bösen Zeit, "die zukünftige Welt, in welcher Gerechtigkeit wohnt", genannt. Jetzt herrscht Böses, und der Gerechte leidet, während in der zukünftigen Welt dieses Verhältnis gerade umgekehrt sein wird; Gerechtigkeit wird herrschen und Übeltäter werden leiden, und schließlich wird alles Böse vertilgt werden.

In jeder dieser drei großen Heilszeitordnungen, Epochen oder Welten hat Gottes Plan in Bezug auf die Menschen einen unterschiedlichen und getrennten Umriss; jedoch jede ist nur ein Teil des einen großen Planes, der, wenn vollendet, die göttliche Wahrheit dartun wird - obwohl die einzelnen Teile, getrennt betrachtet, ihre tiefe Bedeutung zu zeigen verfehlen. Da die erste "Welt" ("Himmel und Erde") oder jene Ordnung der Dinge zur Zeit der Sintflut verging, so folgt, dass es eine von "dieser gegenwärtigen bösen Welt" verschiedene Ordnung gewesen sein muss, von welch letzterer unser Herr sagt, dass Satan ihr Fürst sei. Folglich war der Fürst dieser gegenwärtigen bösen Welt nicht der Fürst der Welt, welche vor der Sintflut war. Mehrere Schriftstellen werfen auf Gottes Verfahrensweise während jener Zeit Licht und geben so einen klaren Einblick in seinen Plan als Ganzes. Aus denselben geht hervor, dass die erste "Welt" oder Heilszeitordnung vor der Sintflut unter der Oberaufsicht und besonderen Verwaltung der Engel war. Es war ihnen gestattet zu versuchen, was sie tun konnten, um das gefallene und verderbte Geschlecht wiederherzustellen. Mit Gottes Zulassung waren sie ohne Zweifel begierig, es zu versuchen; denn ihre Teilnahme tat sich in dem Singen und Jauchzen über die Werke der Schöpfung kund (Hiob 38:7). Dass Engel die zugelassenen, wenn auch erfolglosen Regenten jener ersten Heilszeitordnung waren, wird nicht nur durch alle Bezugnahmen auf jene Zeit angedeutet, sondern kann auch begründeterweise aus der Bemerkung des Apostels geschlossen werden, wenn er, die gegenwärtige Heilszeitordnung mit der vergangenen und zukünftigen vergleichend, sagt: "Denn er hat nicht den Engeln untertan die zukünftige Welt." (Hebr. 2:5) Nein, jene Welt soll unter der Herrschaft des Herrn Jesus uns seiner Miterben stehen; und daher wird es nicht nur eine viel gerechtere Verwaltung als die der "gegenwärtigen bösen Welt" sein, sondern auch viel erfolgreicher als die erste Welt oder Heilszeitordnung unter dem "Dienst der Engel", deren Unfähigkeit, das Geschlecht emporzuheben, dadurch offenkundig wurde, dass die Gottlosigkeit des Menschen so groß wurde, dass Gott in seinem Zorn und gerechten Unwillen das ganze damals lebende Geschlecht mit Ausnahme von acht Personen durch eine Sintflut vernichtete. - 1. Mose 7:13

Während der "gegenwärtigen bösen Welt" wird dem Menschen gestattet, es mit der Selbstregierung zu versuchen; jedoch steht er durch den Fall unter dem Einfluss Satans, des "Fürsten dieser Welt", gegen dessen geheime Ränke und Intrigen er während der langen Zeit von der Flut bis zur gegenwärtigen Zeit in seinen Bemühungen der Selbstherrschaft vergeblich angekämpft hat. Diese versuchte Herrschaft des Menschen unter Satan soll in der Zeit der größten Drangsal, welche die Welt je gesehen hat, zu Ende gehen; und so wird sich die Fruchtlosigkeit nicht nur der Macht der Engel, das Geschlecht zu erretten, sondern auch der eigenen Bemühungen des Menschen, befriedigende Zustände zu erreichen, erwiesen haben.

Die zweite dieser großen Heilszeitordnungen, B, ist aus drei verschiedenen Zeitaltern zusammengesetzt, deren jedes als ein weiterer Schritt im Plan Gottes vorwärts, hinauf und entlang führt.

Zeitalter D war dasjenige, in welchem Gottes besonderes Handeln sich auf Patriarchen wie Abraham, Isaak und Jakob bezog.

Zeitalter E ist das jüdische Zeitalter oder die Zeit vom Tod Jakobs an, während welcher alle seine Nachkommen von Gott als seiner besonderen Sorge Anbefohlene, als "sein Volk" behandelt wurden. Ihnen erwies er besondere Gnade und erklärte: "Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt". (Amos 3:2) Als Volk waren sie ein Vorbild der Kirche des Evangeliums-Zeitalters, des "eigentümlichen Volkes". Die ihnen gegebenen Verheißungen waren Vorbilder der uns gemachten "besseren Verheißungen". Ihre Wanderung durch die Wüste nach dem gelobten Land war vorbildlich von unserer Wanderung durch die Sündenwüste nach dem himmlischen Kanaan. Ihre Opfer rechtfertigten sie vorbildlich, nicht wirklich, "denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegzunehmen." (Hebr. 10:4) Im Evangeliums-Zeitalter F aber haben wir die "besseren Opfer", welche die Aussöhnung für die Sünden der ganzen Welt zustande bringen. Da haben wir das "königliche Priestertum", davon Jesus der "Hohepriester unseres Bekenntnisses" (Hebr. 3:1) ist, und das aus allen denen besteht, die sich selbst Gott als "lebendige Opfer", heilig und annehmbar durch Jesum Christum, darbringen. Im Evangeliums-Zeitalter finden wir das Wesen, wovon das jüdische Zeitalter und seine Dienste und Verordnungen nur Schatten waren. - Hebr. 10:1

Das Evangeliums-Zeitalter, F, ist die Zeit, während welcher der Leib Christi aus der Welt heraus berufen wird und in welchem allen Gliedern durch den Glauben die Krone des Lebens und die größten und kostbaren Verheißungen gezeigt werden, durch welche sie (im Gehorsam gegen die Berufung und seine Erfordernisse) der göttlichen Natur teilhaftig werden können (2. Petr. 1:4). Das Böse wird noch in der Welt zugelassen, damit die Gläubigen durch Berührung mit demselben erprobt werden können, um zu sehen, ob sie willens sind, das Menschliche als lebendiges Opfer darzubringen, so seinem Tode ähnlich (gleichgestaltet) zu werden, auf dass sie würdig erachtet werden könnten, ihm auch in seiner Auferstehung gleich zu sein. - Psalm 17:15

Die dritte große Heilszeitordnung, C, wird aus vielen Zeitaltern zusammengesetzt sein, aus den "zukünftigen Zeiten", den "kommenden Zeitaltern". Das erste, das Millennium (das Wort bedeutet 1000 Jahre), G, ist das einzige, hinsichtlich dessen wir irgendwelche bestimmte Belehrung haben. Es sind die tausend Jahre, während welcher Christus über alle Geschlechter der Erde herrschen, sie segnen und die Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat, hinausführen wird (Apg. 3:19-21). Während dieses Zeitalters soll Sünde und Tod für immer ausgerottet werden, denn "er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat". Der letzte Feind, der weggetan (zunichte gemacht) wird, ist der Tod" - der adamitische Tod (1. Kor. 15:25, 26). Das wird die große Periode des Wiederaufbauens sein. In jener Regentschaft wird die Kirche, seine Braut, sein Leib, mit Christo Jesu vereinigt sein, wie er verheißt: "Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron." ( Offb. 3:21)

Die "kommenden Zeitalter", H, welche der großen Periode des Wiederaufbauens folgen, sind Zeitalter der Vollkommenheit, Glückseligkeit und des Wohlergehens. Über das, was darin vor sich gehen wird, schweigt die Schrift. Es ist bei solcher Entfernung genug, zu wissen, dass es unter der göttlichen Gnade Zeitalter der Herrlichkeit und des Segens sein werden ( Eph. 2:7).

Jede dieser Heilszeitordnungen hat ihre bestimmte Zeit für den Anfang, und jede endet mit einer Ernte, welche ihre Früchte offenbar macht. Die Erntezeit am Schluss des jüdischen Zeitalters war ein Zeitabschnitt von 40 Jahren, vom Anfang der Amtstätigkeit Jesu, als er von Gott mit seinem Geist gesalbt wurde (Apg. 10:37, 38), i.J. 29, bis zur Zerstörung Jerusalems, i.J. 70 n.Chr. In dieser Erntezeit endete das jüdische und begann das christliche oder Evangeliums-Zeitalter. Ein Übereinandergreifen dieser beiden Zeitordnungen fand da statt, wie es im Abriss dargestellt ist.

In einem gewissen Sinne endete das jüdische Zeitalter, als Jesus am Ende der dreieinhalb Jahre seiner Amtsverwaltung die Juden verwarf und sagte: "Euer Haus wird euch (jetzt) wüste gelassen." (Matth. 23:38) Doch wurde ihnen noch dreieinhalb Jahre länger Gnade erzeigt, indem die Berufung des Evangeliums so lange noch auf sie beschränkt blieb; und zwar gemäß der Erklärung des Propheten (Dan. 9:24-27) betreffs der siebzig (Jahr-) Wochen der Gnade für sie, wonach in der Mitte der letzten dieser Wochen Christus oder der Messias ausgerottet werden (sterben) sollte, doch nicht für sich selbst. "Christus ist gestorben (nicht für sich selbst, sondern) für unsere Sünden", und bewirkte so das Aufhören des Opfers und Speiseopfers mitten in der Woche - dreieinhalb Jahre vor Ablauf der siebzig Bundeswochen der Gnade für die Juden. Als das wahre Opfer gebracht worden war, konnte natürlicherweise das vorbildliche von Jehova nicht länger anerkannt werden.

Es gibt also noch einen volleren Sinn, in dem das jüdische Zeitalter zu Ende ging, nämlich mit dem Ende der siebzig Wochen oder dreieinhalb Jahre nach dem Kreuz - worauf das Evangelium auch den Heidenvölkern gepredigt wurde, beginnend mit Kornelius (Apg. 10:45). Damit endete ihr Zeitalter, soweit es Gottes Gnade für sie und die Anerkennung der jüdischen Kirche betraf; ihre nationale Existenz ging erst später in der folgenden Drangsalszeit zu Ende.

In jener jüdischen Erntezeit nahm das Evangeliums-Zeitalter seinen Anfang. Der Zweck dieses Zeitalters war die Berufung, Entwicklung und Erprobung des "Christus (Gesalbten) Gottes" - Haupt und Leib. Es ist die Haushaltung des Geistes; es ist richtig, zu sagen, das Evangeliums-Zeitalter begann mit der Salbung Jesu "mit dem Heiligen Geist und Kraft" (Apg. 10:38; Luk. 3:22; 4:1,18) zur Zeit seiner Taufe. Was aber seine Kirche, seinen Leib betrifft, fing es erst dreieinhalb Jahre später an.

Eine "Ernte-Zeit" bildet ebenfalls die Schlusszeit des Evangeliums-Zeitalters, während welcher wiederum ein Übereinandergreifen der Zeitalter vorkommt, das Evangeliums-Zeitalter endet und die Wiederherstellung oder das tausendjährige Zeitalter beginnt. Das Evangeliums-Zeitalter schließt in Abteilungen; wie sein "Vorbild" oder "Schatten", das jüdische Zeitalter. Wie dort die ersten sieben Jahre der Erntezeit in einem besonderen Sinne der Arbeit in und für "Israel nach dem Fleische" gewidmet und Jahre der Begünstigung, der Gnade waren, so finden wir hier ähnliche sieben Jahre bezeichnet, mit derselben Bedeutung und Tragweite für die Evangeliums-Kirche, denen eine Zeit der Drangsal ("des Feuers") über die Welt, als Strafe für die Gottlosigkeit und als Vorbereitung auf die Herrschaft der Gerechtigkeit, folgen soll - worüber später mehr berichtet wird.

Der Pfad zur Herrlichkeit und Ehre

K, L, M, N, P, R bezeichnen verschiedene Abstufungen. N ist die Stufe vollkommener Menschennatur. Ehe Adam sündigte, war er auf dieser Stufe, aber vom Augenblick seines Ungehorsams an fiel er auf die Stufe R, die Stufe der Verderbtheit und Sünde, auf welcher alle seine Nachkommen geboren sind. Das ist die breite Straße, die zum Untergange führt. P bezeichnet die Stufe vorbildlicher Rechtfertigung, so gerechnet, als ob die gesetzlichen Opfer sie bewirkt hätten. Es war keine wirkliche Vollkommenheit, "denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen". (Hebr. 7:19)

N ist aber nicht nur die Stufe menschlicher Vollkommenheit, wie sie im vollkommenen Menschen Adam sich darstellte, sondern es ist auch die Stufe, die von allen gerechtfertigten Personen eingenommen wird. "Christus ist gestorben für unsere Sünden nach der Schrift", und folglich werden alle an Christum Gläubigen, alle, die ihn als ihre Rechtfertigung und sein vollkommenes und vollbrachtes Werk im Glauben annehmen, von Gott als gerecht betrachtet oder gerechnet, als vollkommene Menschen, als ob sie niemals Sünder gewesen wären. In Gottes Augen sind also alle, die Christi Opfer annehmen, gerechneterweise auf N, der Stufe der menschlichen Vollkommenheit. Das ist die einzige Stellung, von der aus der Mensch sich Gott nahen oder irgendwelche Gemeinschaft mit ihm haben darf. Alle, die auf dieser Stufe sind, nennt Gott Söhne, menschliche Söhne. So war Adam, ehe er ungehorsam wurde, ein Sohn (Luk. 3:38) und hatte Gemeinschaft mit Gott. Wer immer unseres Herrn Jesus vollbrachtes Erlösungswerk annimmt, der wird als zur ursprünglichen Reinheit wiederhergestellt betrachtet und hat Gemeinschaft mit Gott.

Während dieses Evangeliums-Zeitalters hat Gott den gerechtfertigten menschlichen Wesen ein Angebot gemacht und ihnen gesagt, dass sie unter gewissen Bedingungen ihre Natur verändern, irdische, menschliche Wesen zu sein aufhören und himmlische, geistige Wesen, wie Christus, ihr Erlöser, werden könnten. Etliche Gläubige - gerechtfertigte Personen- sind mit der Freude und dem Frieden, die sie durch den Glauben an die Vergebung ihrer Sünden besitzen, zufrieden und achten nicht auf die Stimme, die ihnen zuruft: Kommt höher hinauf. Andere dagegen, ergriffen von der in ihrer Erlösung von der Sünde erzeigten Liebe Gottes, und in dem Bewusstsein, dass sie nicht sich selbst gehören, sondern dem, der sie "teuer (mit einem Preise) erkauft" hat, sprechen: "Herr, was willst du, dass ich tun soll?" Denen antwortet der Herr durch Paulus: "Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber (euch selbst) darzustellen, als ein lebendiges Schlachtopfer, heilig, Gott wohlgefällig, welches euer vernünftiger Gottesdienst ist." (Röm. 12:1) Was meint der Apostel mit dem - uns selbst als "lebendiges Opfer geben"? Er meint, dass wir jedes Vermögen und jedes Talent, das wir besitzen, dem Dienste Gottes weihen sollen, dass wir hinfort nicht uns selbst leben, noch unseren Freunden, noch Familien, noch der Welt, noch irgend etwas anderem, sondern dem, der uns mit seinem eigenen teuren Blute erkauft hat.

Zumal aber Gott schadhafte oder unvollkommene Opfer nicht annimmt und wir alle durch Adam Sünder wurden, wie können wir annehmbare Opfer sein? Paulus zeigt, dass wir deshalb annehmbare Opfer sein können, weil wir heilig sind. Wir sind nicht heilig wie Jesus, der von keiner Sünde wusste, denn wir gehören zu dem sündigen, verurteilten Geschlecht, noch auch, weil es uns gelungen ist, einen vollkommenen Wandel zu erreichen; denn wir schätzen uns selbst noch nicht, jene Vollkommenheit, zu der wir berufen sind, erreicht zu haben, sondern wir haben solchen Schatz in zerbrechlichen und lückenhaften irdischen Gefäßen, auf dass offenbar erkannt werde, dass unsere schließliche Vervollkommnung "sei Gottes und nicht von uns", sei der Gnade Gottes und nicht unserer eigenen Würdigkeit zuzuschreiben. Dagegen gründet sich unsere Heiligkeit und Annehmbarkeit als Opfer auf die Tatsache, dass Gott uns durch den Glauben an das dargebrachte Opfer Christi frei, umsonst, von aller Sünde gerechtfertigt hat.

So viele nun diesen Ruf verstehen und ihm folgen, freuen sich, dass sie würdig erachtet werden, um des Namens Christi Wil­len Schmach zu leiden, und sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare - die "Krone des Lebens" - auf "die Herrlichkeit, die an uns soll geoffenbart werden", und auf das Kleinod, "den Kampfpreis der Berufung Gottes oben in Christo Jesu". (Phil. 3:14) Diese Gottgeweihten werden von dem Augenblicke ihrer Weihung an nicht mehr als Menschen angesehen, sondern als von Gott durch das Wort der Wahrheit Gezeugte - hinfort nicht mehr menschliche, sondern geistige Kinder; sie sind jetzt dem Heil, dem Preise, einen Schritt näher, als da sie zuerst glaubten (Röm. 13:11). Ihr geistiges Wesen ist aber noch unvollkommen; sie sind vom Geiste nur gezeugt, noch nicht geboren. Sie sind geistige Kinder im Embryozustand, im Wachstum begriffen, auf Stufe M, der Stufe der geistigen Zeugung. Weil sie vom Geist gezeugt sind, werden sie nicht länger als menschliche, sondern als geistige Wesen gerechnet; denn die vormals ihnen gehörige und gerechtfertigte Menschennatur haben sie aufgegeben oder als tot gerechnet - ein lebendiges, heiliges und gottgefälliges Opfer, und es ist von ihm angenommen worden. Sie sind jetzt "eine neue Schöpfung in Christo" (neue Kreaturen); das alte (menschlicher Wille, Hoffnungen und Bestrebungen) ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden", denn "ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, wenn anders Gottes Geist in euch wohnt" (2. Kor. 5:17; Röm. 8:9). "Wenn ihr vom Geist gezeugt worden seid, so seid ihr (als menschliche Wesen) gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott." (Kol. 3:3)

Stufe L bezeichnet den Zustand vollkommener geistiger Wesen; aber ehe Stufe L erreicht wird, müssen die Bedingungen unseres Bundes ausgeführt worden sein. Es ist ein Ding, mit Gott den Bund zuschließen, dass man allem Irdischen gegenüber tot sein will, und ein anderes Ding, diesen Bund durch die ganze irdische Laufbahn hindurch auszuführen - seinen Leib zu "betäuben" (zu töten - 1. Kor. 9:27), seinen eigenen Willen außer acht zu lassen und allein den Willen des Herrn zu vollführen. Der Eintritt auf Stufe L wird Geburt oder der volle Eintritt ins Leben als geistige Wesen genannt. Die gesamte Kirche wird auf diese Stufe gelangen, sobald sie aus der Welt herausgesammelt (ausgewählt) ist, dann "werden die Toten in Christo zuerst auferstehen". Dann werden wir, die wir leben und übrigbleiben, in Augenblick verwandelt - zu vollkommenen geistigen Wesen, Christi herrlichem Leibe gleich gemacht, denn "dies Sterbliche muss anziehen Unsterblichkeit". Dann, "wenn das Vollkommene gekommen ist, wird das Stückwerk (der Zustand des Gezeugtseins mit den verschiedenen Hindernissen des Fleisches, denen wir jetzt unterworfen sind) aufhören". - 1. Kor. 13:10

Doch noch ein weiterer Schritt muss gemacht werden, über die Vollkommenheit als geistige Wesen hinaus, nämlich zu der "Herrlichkeit darnach" - Stufe K. Wir beziehen uns hier nicht auf eine Herrlichkeit der Person, sondern auf eine solche der Macht oder der Amtsstellung. Die Erreichung der Stufe L, bringt uns zu voller persönlicher Herrlichkeit, d.h. macht uns zu herrlichen Wesen, wie Christus. Aber nachdem wir so vervollkommnet und ganz und gar wie unser Herr und Haupt gemacht worden sind, sollen wir mit ihm auch an der "Herrlichkeit", "Ehre" und Machtstellung teilnehmen - mit ihm auf seinem Throne sitzen, so wie er, nachdem er bei seiner Auferstehung vollkommen gemacht worden war, zur rechten Hand der Majestät in der Höhe erhoben worden ist. So werden wir die ewige Herrlichkeit, Stufe K, antreten.

Lasst uns nun die Karte sorgfältig studieren und uns ihre Erläuterungen der verschiedenen Züge des Planes Gottes anmerken. Bei diesen Erläuterungen verwenden wir die Figur einer Pyramide, um die Vollkommenheit darzustellen, weil sie dafür geeignet ist, und auch die Schrift augenscheinlich darauf Bezug nimmt.

Adam war ein vollkommenes Wesen, Pyramide (a); beachte ihre Stellung - auf Stufe N, welche menschliche Vollkommenheit darstellt. Auf Stufe R, der Stufe der Sünde und Unvollkommenheit oder Verderbtheit, stellt die abgestumpfte Pyramide oder die unvollkommene Figur (b) den gefallenen Adam und seine Nachkommenschaft dar - verderbt, sündig und verurteilt.

Abraham und andere jenes Tages, die um Glaubens willen gerechtfertigt, d.i. für vollkommen gerechnet wurden, finden wir durch eine Pyramide (e) auf Stufe N vertreten. Abraham war ein Glied der verderbten Menschenfamilie und gehörte von Natur mit den übrigen auf Stufe R; aber Paulus sagt uns, dass Abraham durch den Glauben gerechtfertigt worden war, das heißt, Gott betrachtete ihn um seines Glaubens willen als einen sündlosen und vollkommenen Menschen. Das hob ihn in Gottes Augen, aus der Welt der verderbten, sündigen Menschen heraus auf die Stufe N; und obwohl in Wirklichkeit unvollkommen, wurde er doch in die von Adam verlorene Gnade oder Gunst, nämlich ein "Freund" Gottes zu sein und mit ihm Gemeinschaft zu haben, wieder aufgenommen (Jak. 2:23). Alle auf der Stufe N, der Stufe der Vollkommenheit (Sündlosigkeit) Befindlichen sind Gottes Freunde, und er ist ihr Freund; aber die Sünder auf Stufe R sind in Feindschaft gegen Gott, "Feinde durch böse Werke".

Die Menschenwelt (d) nach der Sintflut blieb auf Stufe R - in Feindschaft, wo sie verbleibt, bis die Kirche des Evangeliums ausgewählt ist und das Millennium begonnen hat.

"Israel nach dem Fleische" während des jüdischen Zeitalters, wo die vorbildlichen Opfer der Ochsen und Böcke es reinigten (nicht wirklich, sondern vorbildlich, "denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen" - Hebr. 7:19), war vorbildlich gerechtfertigt, daher stellen wir dasselbe (e) auf Stufe P, die Stufe der vorbildlichen Rechtfertigung, die von der Gesetzgebung am Berge Sinai bis dahin reichte, wo Jesus dem Gesetze, indem er es an sein Kreuz nagelte, ein Ende machte. Da endete die vorbildliche Rechtfertigung durch die Einführung der "besseren Opfer" als die jüdischen Vorbilder, derjenigen, die wirklich hinwegtragen "die Sünde der Welt" und "die Hinzunahenden (tatsächlich) vollkommen machen". - Hebr. 10:1

Das Feuer der Prüfung und der Drangsal, durch welches das fleischliche Israel hindurchging, als Jesus gegenwärtig war und es mit seiner Wurfschaufel sichtete und aus seiner Namenkirche den Weizen oder die "rechten Israeliten" herausnahm, und besonders als er, nach der Absonderung des Weizens, "die Spreu (den unbrauchbaren Teil jenes Systems) mit ewigem (unauslöschlichem) Feuer" verbrannte, ist durch (f)veranschaulicht. Es war eine Drangsalszeit, der sie nicht zu entgehen vermochten. (Luk. 3:17; 21:22; 1. Thess. 2:16)

Im Alter von dreißig Jahren war Jesus ein vollkommener, zum gesetzlichen Mannesalter herangereifter Mensch (g). Er hatte die Herrlichkeit des geistigen Zustandes verlassen und war Mensch geworden, auf dass er von Gottes Gnaden für alle den Tod schmeckte. Die Gerechtigkeit des Gesetzes Gottes ist eine absolute: "Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben." Es war notwendig, dass ein vollkommener Mensch für die Menschheit starb, denn die Forderungen der Gerechtigkeit konnten auf keine andere Weise erfüllt werden. Folglich konnte der Tod eines Engels so wenig die Strafe bezahlen und den Menschen freimachen, als durch den Tod von ",Ochsen und Böcken" die Sünde weggenommen werden konnte. Daher wurde der, welcher "der Anfang der Schöpfung Gottes" (Offb. 3:14) heißt, ein Mensch, "wurde Fleisch", damit er das Lösegeld, den entsprechenden Preis, der die Menschheit erlösen (zurückkaufen) würde, geben konnte. Er musste ein vollkommener Mensch sein, sonst hätte er so wenig wie irgendein anderes Glied des gefallenen Geschlechtes den Preis bezahlen können. Er war "heilig", unschuldig, unbefleckt, und von den Sündern gesondert". Er nahm die gleiche Gestalt oder das Bild der Sünder an, die "Gleichheit des Fleisches der Sünde" - die menschliche Gestalt, "doch ohne Sünde" (Hebr. 4:15; 2. Kor. 5:21). Aber er nahm die menschliche Natur in ihrer Vollkommenheit an sich. Er nahm nicht teil an der Sünde, noch an den Reizungen und Lockungen zur Sünde, die in dem Fleische der anderen Menschen wohnten, weil diese Sünder waren, noch an deren Unvollkommenheiten, außer, dass er während seiner Amtszeit die Schmerzen und Kümmernisse einiger freiwillig teilte, indem er ihre Schmerzen und Krankheiten auf sich nahm, als er ihnen seine Lebenskraft und Gesundheit mitteilte. Wie geschrieben steht: "Er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen", und "es ging Kraft von ihm, und heilte sie alle". (Jes. 53:4; Mark. 5:30; Luk. 6:19; Matth. 8:16, 17)

"An Gebärden als ein (vollkommener) Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst, und war gehorsam bis zum Tode". Er stellte sich Gott dar bei seiner Taufe: "Siehe, ich komme, im Buche steht von mir geschrieben, dass ich tun soll, Gott, deinen Willen", und versinnbildete diese Weihung durch eine Taufe im Wasser (Phil. 2:7, 8; Hebr. 10:7). Als er sich so weihte, sein Wesen seinem Gott weihte, da war sein Opfer heilig (rein) und Gott annehmbar. Dass sein Opfer angenommen war, das zeigte Gott dadurch, dass er ihn mit seinem Geist und Kraft erfüllte - als der Heilige Geist auf ihn kam, und er so gesalbt wurde.

Dieses Erfüllen mit dem Geist war seine Zeugung zur neuen Natur, der göttlichen, die ganz entwickelt oder geboren werden sollte, wenn er das "Opfer", das Aufopfern der menschlichen Natur, ganz vollbracht haben würde. Diese Zeugung war vom menschlichen Zustand eine Stufe aufwärts und ist durch die Pyramide (h) auf der Stufe M, der Stufe geistiger Zeugung, angezeigt. Auf dieser Stufe verbrachte Jesus dreieinhalb Jahre seines Lebens, bis sein menschliches Dasein am Kreuze endete. Dann, am dritten Tage nach seinem Tod wurde er zum Leben, zur Vollkommenheit geistigen Wesens, erweckt (i auf Stufe L), "vom Geist geboren" - "der Erstgeborene von den Toten". "Was vom Geist geboren ist, das ist Geist". Jesus wurde daher bei seiner Auferstehung ein Geist, ein Geistwesen und blieb in keinem Sinne mehr ein menschliches Wesen. (1. Petr. 3:18; 2. Kor. 5:16, 17)

Wohl wahr, er hatte die Macht, als Mensch zu erscheinen und tat so, um seine Jünger zu belehren und ihnen zu beweisen, dass er nicht mehr tot sei; aber er war kein Mensch mehr und nicht länger an menschliche Daseinsweise gebunden, konnte vielmehr gehen und kommen wie der Wind (selbst bei verschlossenen Türen) und niemand konnte sagen, von wo er kam, und wohin er fuhr, denn: "Also ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist." Joh. 3:8 - vergl. Joh. 20:19, 26

Von dem Augenblicke an, da er sich in seiner als Opfer weihte, wurde das Menschliche als tot gerechnet, und die neue Natur war es, die damals als begonnen gerechnet und bei seiner Auferstehung vollendet wurde, wo sie die Stufe der geistigen Vollkommenheit, L, erreichte - als geistiger Leib auferweckt wurde.

Vierzig Tage nach seiner Auferstehung fuhr Jesu auf zur Rechten der Majestät in der Höhe - der Stufe göttlicher Herrlichkeit K (Pyramide k). Während des Evangeliums-Zeitalters ist er in der Herrlichkeit (e) gewesen, "hat gesessen mit dem Vater auf seinem Thron" und ist während dieser Zeit das Haupt der Gemeinde auf Erden gewesen - ihr Lenker und Leiter. Während dieses ganzen Evangeliums-Zeitalters ist die Kirche in der Entwicklung begriffen gewesen, unter der Zucht und in der Prüfung gewesen, zu dem Zwecke, dass sie am Ende oder in der Ernte des Evangeliums-Zeitalters seine Braut und Miterbin werden möchte. Darum nimmt sie teil an seinen Leiden, auf dass sie auch zusammen mit Ihm, wenn die rechte Zeit vorhanden ist, verherrlicht werden könnte (Stufe K).

Die Stufen, welche die Kirche bis zu ihrer Verherrlichung durchlaufen muss, sind dieselben, die auch ihr Herr und Meister durchgemacht hat, "der uns ein Vorbild gelassen, dass wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen" - nur mit dem Unterschied, dass die Kirche von einer niedrigeren Stufe ausgeht. Unser Herr, so sahen wir, kam auf der Stufe der menschlichen Vollkommenheit, N, in die Welt und während wir alle die wir vom Geschlecht Adams sind, auf der niedrigeren Stufe R, der Stufe der Sünde, der Unvollkommenheit und der Feindschaft wider Gott, sind. Das erste, dessen wir bedürfen, ist, dass wir gerechtfertigt werden und so die Stufe N erreichen. Wie geschieht dies? Durch gute Werke? O, nein! Sünder können keine guten Werke tun; wir könnten uns Gott nicht empfehlen, darum "erweist Gott seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist". (Röm. 5:8) So ist also die Bedingung, unter der wir auf die Stufe der Rechtfertigung oder der vollkommenen Menschheit gelangen, die, dass Christus für unsere Sünden starb, uns erkaufte und uns, durch den Glauben an sein Blut" auf die Stufe der Vollkommenheit, von der wir in Adam fielen, zurückversetzte. "Wir sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott" (Röm. 5:1) und werden nicht länger mehr von Gott als Feinde angesehen, sondern als gerechtfertigte menschliche Söhne auf derselben Stufe, auf der Adam und unser Herr Jesus waren, nur mit dem Unterschied, dass diese tatsächlich vollkommen waren, während wir nur so von Gott gerechnet werden. Diese gerechnete Rechtfertigung eignen wir uns durch den Glauben an Gottes Wort an, welches sagt: Ihr seid "teuer erkauft", "erlöst" (wörtlich: losgekauft), "von allem gerechtfertigt", "umsonst gerechtfertigt". Wir stehen in Gottes Augen tadellos, fleckenlos und heilig in dem Kleide der Gerechtigkeit Christi, welches uns durch den Glauben zugerechnet wird. Unsere Sünden ließ er sich zurechnen, damit er die Strafe für uns trage und starb an unserer Statt, als ob er der Sünder gewesen wäre. Allen, die sein Lösegeld annehmen, wird daher seine Gerechtigkeit zugerechnet, was für sie die Segnungen und Rechte bedeutet, die vor dem Eintritt der Sünde vorhanden waren. Er bringt uns zurück zum Leben und zur Gemeinschaft mit Gott. Diese Gemeinschaft können wir sofort durch den Glauben haben und in Gottes "fest bestimmter Zeit" sind uns volles Leben und völlige Gemeinschaft und Freude gewiss.

Doch vergessen wir nicht, wenn die Rechtfertigung auch eine kostbare Sache ist, so bewirkt sie doch keine Verwandlung der Natur: wir bleiben menschliche Wesen. (Wir gebrauchen im gewöhnlichen Leben das Wort Natur in einem nicht eigentlichen, angepassten Sinne, wenn wir von einem Menschen sagen, er sei von Natur aus böse, bösartig. Genau genommen ist kein Mensch von Natur aus böse. Die menschliche Natur ist "sehr gut"; ist ein irdisches Ebenbild der göttlichen Natur. Hiernach ist Mensch von Natur aus gut, die Schwierigkeit ist aber, dass diese gute Natur verderbt worden ist. Es ist also für einen Menschen eigentlich unnatürlich, böse, tierisch usw. zu sein, hingegen aber natürlich, Gott ähnlich zu sein. In diesem ursprünglichen Sinne gebrauchten wir oben das Wort Natur. Durch Christum sind wir zu voller Wiedererlangung aller Vorrechte und Segensgüter unserer menschlichen Natur, dem irdischen Ebenbild Gottes, gerechtfertigt worden.) Vom Elend des Sündenzustandes und der Gott Entfremdung sind wir gerettet, und anstatt menschliche Sünder zu sein, sind wir nun menschliche Söhne; und weil wir Söhne sind, darum spricht Gott zu uns als solchen. Während des Evangeliums-Zeitalters berief er "die kleine Herde" der "Miterben" indem er sprach: "Mein Sohn, gib mir dein Herz" - das heißt, gib mir dich selbst, all dein Vermögen, deinen Willen, deine Talente, dein alles, wie Jesus dir ein Vorbild gelassen hat, und ich will dich zu einem Sohne auf einer höheren Stufe als der menschlichen machen. Ich will dich zu einem geistigen Sohne mit geistigem Leibe werden lassen, wie den auferstandenen Jesus - der "der genaue Abdruck der Person des Vaters" geworden ist. Wenn du alles Irdische: Hoffnungen, Bestrebungen, Ziele usw. aufgeben, es gänzlich weihen und in meinem Dienste aufbrauchen willst, dann will ich dir eine höhere Natur geben als dem übrigen Geschlecht, ich will dich zum Teilhaber "der göttlichen Natur" machen - zum Erben Gottes und Miterben Jesu Christi; so du "anders mit ihm leidest, auf dass du auch zusammen ihm zur Herrlichkeit erhoben werdest".

Wer diesen uns im Evangelium vorgesteckten Kampfpreis recht würdigt, der wirft gern jegliche "Bürde" ab und läuft mit Ausharren den vor ihm liegenden Wettlauf, damit er ihn erringe. Werke wurden nicht von uns verlangt, um uns zu rechtfertigen. Unser Herr Jesus vollbrachte alle Werke, die dazu nötig waren, und als wir durch den Glauben sein vollendetes Werk annahmen, wurden wir gerechtfertigt und auf Stufe N erhoben. Doch, wenn wir nun weiter kommen wollen, so geht es nicht ohne Werke. Wohl dürfen wir unseren Glauben nicht verlieren sonst würden wir unsere Rechtfertigung wieder einbüßen, aber wenn wir gerechtfertigt sind und im Glauben bleiben, so vermögen wir auch (durch die uns bei unserer Zeugung durch den Geist geschenkte Gnade) Werke zu tun, Gott wohlgefällige Früchte zu bringen; und Gott erwartet dies; denn es ist das Opfer, welches zu bringen wir uns verbindlich gemacht haben. Gott fordert, dass wir unsere Wertschätzung des großen Preises durch Drangabe von allem, das wir haben und sind, beweisen; nicht vor Menschen, sondern vor Gott - ein Opfer, das heilig und durch Christum ihm annehmbar ist - unser vernünftiger Gottesdienst.

Wenn wir nun alles dies darreichen, dann sagen wir: Herr, wie willst du, dass ich dies, mein Opfer, meine Zeit, mein Talent, meinen Einfluss usw. dir übergeben soll? Forschen wir dann in Gottes Wort nach seiner Antwort, so hören wir seine Stimme, die uns lehrt, ihm alles zu übergeben, wie unser Herr Jesus es tat, indem wir Gutes tun an jedermann, allermeist an des Glaubens Genossen, wie wir Gelegenheit haben, ihnen geistige oder leibliche Nahrung zu reichen, sie mit Christi Kleid der Gerechtigkeit oder mit irdischer Kleidung zu versehen, je nachdem wir vermögend oder sie bedürftig sind. Wenn wir alles geweiht haben, so sind wir vom Geist gezeugt und haben Stufe M erreicht, und nun können wir mit der uns geschenkten Kraft, wenn wir sie gebrauchen wollen, den ganzen Bund ausführen und überwinden, ja weit überwinden durch die Kraft oder den Geist dessen, der uns geliebt und mit seinem eigenen teuren Blut erkauft hat. Aber nur, wenn wir in den Fußstapfen Jesu wandeln.

Denk nie, der Sieg sei dein,
Noch ruh zufrieden schon;
Dein Werk wird nicht vollendet sein,
Bis du erkämpft die Kron.

Die Krone ist errungen, wenn wir, wie unser glaubenstreuer Bruder Paulus, den guten Kampf gekämpft und den Lauf vollendet haben, aber nicht früher. Bis dahin muss die Flamme und der Weihrauch unseres Arbeits- und Dienstopfers täglich aufsteigen - ein Opfer von süßem Geruch vor Gott, annehmbar durch Jesum Christum unseren Herrn.

Diejenigen dieser Überwinder-Klasse, die da "schlafen", werden als Geistwesen, auf Stufe L, auferweckt werden, und die (zur selben Klasse gehörigen), welche leben bis zum Kommen des Herrn und übrigbleiben, sollen zu der gleichen Stufe geistiger Wesen "verwandelt" werden und sollen nicht einen Augenblick "schlafen", obwohl die "Verwandlung" die Auflösung des irdischen Gefäßes erfordert. Nicht schwache, irdische, sterbliche, verwesliche Wesen sind diese dann mehr, sondern vom Geiste völlig geborene - himmlische, geistige, unverwesliche, unsterbliche Wesen (1. Kor. 15:44, 52).

Wir wissen nicht, wie lange nach ihrer "Verwandlung" oder Vervollkommnung zu geistigen Wesen (Stufe L) es sein wird, ehe sie als eine vollzählige und vollendete Schar mit dem Herrn (auf Stufe K) verherrlicht, mit ihm in Macht und großer Herrlichkeit vereinigt werden. Diese Vereinigung und völlige Verherrlichung des Gesamtleibes Christi dem Haupte ist nach unserem Verständnis "die Hochzeit des Lammes" mit seiner Braut, da sie ganz und voll in die Freude ihres Herrn eingehen wird.

Blicke wiederum auf die Karte: n, m, p, q, sind vier Klassen, welche zusammen die Namenkirchen darstellen, die als Gesamtheit den Anspruch erhebt, der Leib Christi zu sein. Die beiden Klassen n und m sind auf Stufe M, der Stufe der Geistgezeugten. Das ganze Evangeliums-Zeitalter hindurch haben diese Klassen gestanden; beide hatten mit Gott den geschlossen, lebendige Opfer zu werden; beide waren "angenehm gemacht in dem Geliebten" und Geiste zu "Neuen Schöpfungen" gezeugt. Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin: n stellt diejenigen dar, die ihren Bund halten und mit Christo dem irdischen Willen, Zwecken und Zielen abgestorben sind. Die m-Klasse aber stellt die größere Schar der vom Geiste gezeugten Kinder dar, die leider vor der Ausführung ihres Bundes zurückschrecken. Die n-Klasse besteht aus Überwindern - der Braut Christi, die mit Jesu auf seinem Throne in Herrlichkeit (Stufe K) sitzen wird. Das ist die "kleine Herde", welcher das Reich zu geben des Vaters Wohlgefallen ist (Luk. 12:32). Die m-Klasse schreckt vor dem Tode des menschlichen Willens zurück, Gott aber liebt sie noch und wird sie daher auf dem Weg der Drangsal und Widerwärtigkeit zur Stufe L, der Stufe geistiger Vollkommenheit, bringen. Das Recht zu Stufe K aber, zum Throne der Herrlichkeit, werden sie eingebüßt haben, weil sie keine Überwinder sind. Wenn wir unseres Vaters Liebe wertschätzen, wenn uns an unseres Herrn Beifall etwas liegt, wenn wir uns ernstlich sehnen, Glieder seines Leibes, seine Braut zu werden und auf seinem Throne zu sitzen, dann müssen wir unseren Opferbund treu und willig halten.

Die große Masse der Namenkirche wird durch den Teil p dargestellt. Beachte, dass ihre Glieder nicht auf Stufe M, sondern auf Stufe N sind; sie sind gerechtfertigt, jedoch nicht geheiligt, nicht ganz Gott geweiht, folglich nicht zu Geistwesen gezeugt. Sie stehen jedoch höher als die Welt, weil sie Jesum als ihr Lösegeld von der Sünde annehmen, aber sie haben die hohe himmlische Berufung dieses Zeitalters, Glieder der geistigen Familie Gottes zu werden, nicht angenommen. Wenn sie im Glauben bleiben sich völlig den gerechten Gesetzen Christi unterwerfen, werden sie schließlich in der Wiederherstellung das Bild des vollkommenen irdischen Menschen Adam erlangen. Alles, was durch Adam verloren ging, werden sie voll und ganz wiedererlangen; sie werden dieselbe geistige, sittliche, körperliche Vollkommenheit erreichen und wieder im Bilde Gottes sein, wie Adam; denn dazu wurden sie erkauft. Und ihre Stellung der Rechtfertigung auf Stufe N, als solche, die das durch Christum erworbene Heil vernommen und geglaubt haben, ist ein besonderer Segen, den sie durch den Glauben früher als die übrige Welt genießen, denn alle sollen im Millenniums-Zeitalter zu dieser Erkenntnis der Rechtfertigung durch den Glauben gelangen. Diese aber werden den Vorteil früheren Beginnens und einiger Fortschritte in der rechten Richtung haben. Doch den eigentlichen Nutzen der frohen Botschaft von der Rechtfertigung in der gegenwärtigen Zeit verfehlt Klasse p zu verwerten, der darin besteht, dass einer Anzahl die Möglichkeit gegeben wird, das annehmbare Opfer zu bringen und der n-Klasse als Glied des "Leibes Christi" sich anzuschließen. Die Klasse p empfängt die Gnade Gottes (die Rechtfertigung) "vergeblich" (2. Kor. 6:1), weil sie nicht weiter geht und sich nicht als Opfer darbringt in dieser Zeit, da Opfer vor Gott annehmbar sind. Die Glieder dieser Klasse werden von dem Apostel "Brüder" genannt, obwohl sie nicht "Heilige", nicht Glieder des geweihten "Leibes" sind (Röm. 12:1). In demselben Sinne werden einst alle Glieder des wiederhergestellten Menschengeschlechtes für immer Brüder des Christus und Kinder Gottes sein, jedoch von verschiedener Natur. Gott ist der Vater aller, die mit ihm in Einklang sind, auf welcher Stufe und von welcher Natur sie auch sein mögen.

Eine andere Klasse, die mit der Namenkirche verbunden ist, besteht aus solchen, die nie an Jesum als das Opfer für ihre Sünden geglaubt hatten, folglich nicht gerechtfertigt, nicht auf Stufe N, sind. Sie sind durch den Teil q unter Stufe N dargestellt. Das die "Wölfe in Schafskleidern", doch nennen sie sich Christen und werden als Glieder der Namenkirche anerkannt. Sie sind keine wahrhaft an Christum als ihren Erlöser Gläubigen und gehören auf Stufe R, sind ein Teil der Welt und nicht an ihrem Platze in der Kirche, sondern ein großer Schaden für sie. In diesem gemischten Zustande, mit diesen verschiedenen Klassen, n, m, p, q, die sich untereinander mengen und sich alle "Christen" nennen, hat die Kirche das ganze Evangeliums-Zeitalter hindurch bestanden. Wie unser Herr vorhergesagt hatte: Das Himmelreich (die Namenkirche) ist wie ein Acker mit Weizen und Unkraut besät. Und er sagte, er wolle "beides miteinander wachsen" lassen, bis zur Ernte" am Ende des Zeitalters. In der Erntezeit will er zu den Schnittern (den Engeln - Sendboten) sagen: Sammelt zuvor den Scheinweizen und bindet ihn in Bündeln, dass man ihn verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune ( Matth.13:38, 41, 49).

Diese Worte unseres Herrn zeigen uns, dass, wenn er auch haben wollte, dass beides während des Zeitalters zusammen wachsen und dem Namen nach als zur Kirche gehörig anerkannt werden sollte, er doch auch beschlossen hatte, dass eine Zeit der Sichtung und Trennung dieser verschiedenen Elemente kommen sollte, wo die, welche in Wahrheit die Kirche bilden, seine von Gott erkannten und angenommenen Heiligen (n) offenbar werden sollen (Matth. 13:38, 41, 49).

Während des Evangeliums-Zeitalters wuchs der gute Same, und der Scheinweizen auch. "Der gute Same sind die Kinder des Reiches", die geistigen Kinder, Klassen n und m; der Scheinweizen dagegen sind die "Kinder des Bösen". Die ganze Klasse q, und viele der Klasse p sind daher Scheinweizen, denn "niemand kann zwei Herren dienen", und "des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid". Da diejenigen in Klasse p ihren Dienst und ihre Talente nicht dem Herrn, der sie erkauft hat, weihen - als vernünftiger Gottesdienst - so verwenden sie zweifellos viel von ihrer Zeit und Kraft in Wirklichkeit im Widerspruch mit Gott, und somit in dem Dienst des Feindes.

Nun beachte die "Ernte" auf der Karte, oder das Ende des Evangeliums-Zeitalters; beachte die zwei Teile, in die es geteilt ist - sieben Jahre und dreiunddreißig Jahre, die genaue Parallele der Ernte des jüdischen Zeitalters. Diese ist zuerst, wie die jüdische Ernte, eine Zeit der Prüfung und Sichtung für die Kirche und dann eine Zeit des Zornes oder des Ausgießens der "sieben letzten Plagen" über die Welt, einschließlich der Namenkirche. Die jüdische Kirche war der "Schatten" oder das Vorbild auf der fleischlichen Stufe von allem, was die Evangeliums-Kirche auf geistiger Stufe genießt. Was das fleischliche Israel in der Erntezeit seines Zeitalters prüfte, war die Wahrheit, die ihm damals vorgehalten wurde. Die damals fällige, zeitgemäße Wahrheit war die Sichel und schied die "rechten Israeliten" von der jüdischen Namenkirche; und der echte Weizen war nur ein verschwindend kleiner Bruchteil oder Überrest der äußerlichen Bekenner. So ist auch die Ernte dieses Zeitalters. Die Ernte des Evangeliums-Zeitalters steht, wie die des jüdischen, unter der Oberaufsicht des Hauptschnitters, unseres Jesus, der dann gegenwärtig sein muss (Offb. 14:14). Das erste Werk des Herrn in der Ernte dieses Zeitalters wird das sein, das Wahre vom Falschen zu scheiden. Die Namenkirche nennt der Herr um ihres gemischten Zustandes willen Babylon, Verwirrung; und die Ernte ist die Zeit für die Scheidung der verschiedenen Klassen in der Namenkirche und das Ausreifen und Vervollkommnen der n-Klasse. Weizen wird vom Unkraut getrennt werden, und reifer Weizen vom unreifen usw. Diejenigen in Klasse n sind eine "Erstlingsfrucht" des Weizens. Sie werden nach der Scheidung zu seiner Zeit die Braut werden, für immer bei ihrem Herrn sein und "ihn sehen, wie er ist".

Die Trennung der kleinen Herde von Babylon wird durch Figur s angezeigt. Sie ist auf dem Weg, mit dem Herrn eins zu werden, seinen Namen zu tragen und seine Herrlichkeit zu teilen. Der verherrlichte Christus, Haupt und Leib, wird durch Figur w gezeigt. Figuren t, u und v stellen "Babylon" - die Namenkirche - dar, die während "der Zeit der Drangsal", am "Tage des Herrn", fällt und in Stücke geht. Obwohl dies schrecklich erscheinen mag, so kann man doch sagen, dass es für allen wahren Weizen von großen Nutzen sein wird. Babylon fällt, weil es das nicht ist, was es zu sein vorgibt. Die Namenkirche enthält viele "Heuchler", die sich wegen ihrer achtbaren Stellung in den Augen der Welt mit ihr verbinden und Babylon durch ihren Wandel vor der Welt, "stinkend" machen. Der Herr kannte stets ihren wahren Charakter, aber seinem Vorsatz gemäß überließ er sie bis zur Ernte sich selbst, da er "aus seinem Reiche (der wahren Kirche) alle Ärgernisse und die da unrecht tun" sammeln (in Bündel binden) und in den Feuerofen (der Drangsal, zur Zerstörung ihres nur äußerlichen Wesens und falschen Bekenntnisses) werfen will. "Dann werden die Gerechten (die n-Klasse) leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich." (Matth. 13:41-43) Die Drangsal, die über die Kirche kommt, wird zum großen Teil von dem Anwachsen des Unglaubens und des Spiritismus in verschiedenen Arten herrühren, welche schwere Anfechtungen für Babylon sein werden, weil es so viele falsche Lehren im Widerspruch mit Gottes Wort festhält. Und wie in der Ernte des jüdischen Zeitalters das Kreuz Christi dem Juden, der da Herrlichkeit und Macht erwartete, ein Stein des Anstoßes, ein Ärgernis, und dem weltweisen Griechen eine Torheit war, so wird es ohne Zweifel in der "Ernte" des Evangeliums-Zeitalters auch sein. Das Kreuz wird wieder der Stein des Anstoßes und der Fels des Ärgernisses sein.

Wer auf Christum irgend etwas anderes als Gold, und Edelsteine der Wahrheit aufgebaut hat, wird sich zur Zeit des Zornes (Feuers) schwer bedrängt finden, denn alle Irrtümer der Menschen - Holz, Heu, Stoppeln in Lehre und Praxis werden verzehrt werden. Diejenigen, die recht gebaut haben und folglich einen vom Herrn anerkannten Charakter besitzen, stellt Figur s vor, während t die "große Schar" der vom Geist Gezeugten, welche aber mit Holz, Heu und Stoppeln gebaut haben, darstellt - Weizen, doch nicht völlig reif zur Zeit des Einsammelns - der Erstlingsfrucht (s). Diese Klasse t, verlieren den Preis auf dem Thron, werden aber schließlich als Geistwesen zur Geburt kommen, jedoch von niedrigerer Ordnung als die göttliche Natur; indem sie Diener sein werden, nicht Herrscher (Offb. 7:15). Obgleich sie in Wahrheit geweiht sind, werden sie doch in solchem Maße vom Geiste der Welt überwunden, dass sie verfehlen, ihr Leben als Opfer darzubringen. Selbst in der "Erntezeit", während die noch lebenden Glieder der Braut von anderen durch die Wahrheit geschieden werden, werden die Ohren anderer, wozu auch die Klasse t gehört, träge sein zu hören. Sie werden in dieser Zeit der Trennung langsam zum Glauben und langsam zum Handeln sein. Sie werden ohne Zweifel enttäuscht sein, wenn sie hernach erkennen, dass die Braut vollendet und mit dem Herrn vereinigt worden ist, und dass sie, weil sie gleichgültig und zu beschwert waren, den großen Preis verloren haben; aber die Herrlichkeit des Planes Gottes, den sie dann als einen Plan der Liebe, nicht allein für sie, sondern für die ganze Welt, erkennen werden, wird ihren Schmerz vollkommen stillen, und jauchzend werden sie rufen: "Halleluja! denn der allmächtige Gott hat das Königreich eingenommen. Lasset uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben. Denn die Hochzeit Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet." (Offb. 19:6, 7). Merke auch hier, wie reichlich der Herr Vorsorge trifft: die Botschaft wird ihnen überbracht. - Obwohl ihr nicht zur Braut gehört, so dürft ihr doch bei dem Hochzeitsmahle zugegen sein. - "Glückselig, die geladen sind zum Hochzeitsmahle des Lammes!" (Vers 9). Diese Schar wir seiner Zeit durch die Züchtigungen des Herrn mit ihm und seinem Plan völlig in Einklang kommen und ihre Kleider waschen, so dass sie schließlich die Stellung (y) auf der geistigen Stufe L, der Braut (x) zunächst, erreichen wird. - Offb. 7:14, 15

Die Zeit der Drangsal für die Welt wird eintreten, nachdem Babylon zu fallen und sich aufzulösen begonnen hat. Es wird sich darin ein Auflösen und Umstürzen aller menschlichen Gesellschaftsordnung und aller Regierungen vollziehen, wodurch die Welt für die Herrschaft der Gerechtigkeit vorbereitet wird. Während der Zeit der Drangsal (S) wird das fleischliche Israel (e), das aus dem guten Ölbaum ausgerissen war, bis die Fülle (Vollzahl) der Heiden eingegangen sei, zu Gottes Gnade wiederhergestellt und die Kirche des Evangeliums oder das geistige Israel vollendet werden. Während des Millenniums-Zeitalters wird Israel die erste Nation der Erde sein, an der Spitze aller auf der irdischen Stufe des Daseins, und allmählich werden alle Gehorsamen zur Einheit und Harmonie mit ihr gezogen werden.

Ihre Wiederherstellung zur Vollkommenheit der menschlichen Natur, wie auch die der übrigen Welt, wird eine allmähliche sein, und wird das ganze Millenniums-Zeitalter nötig sein, um sie zu vollführen. Während jener tausendjährigen Herrschaft Christi wird der adamische Tod verschlungen oder zunichte gemacht werden. Seine verschiedenartigen Gestaltungen - Krankheit, Schmerz und Schwachheit und endlich das Grab - werden sich vor der Macht des großen Wiederherstellers beugen, bis am Ende jenes Zeitalters die große Pyramide unserer Karte vollendet sein wird. Der Christus (x) wird das Haupt über alles sein - über die große Schar, über Engel und Menschen - dem Vater zunächst; am nächsten (dem Range nach) wird die große Schar sein, Geistwesen (y), und dann die Engel; dann Israel nach dem Fleische (z), nur wahre Israeliten, an der Spitze der irdischen Nationen; dann die Menschenwelt (w), zur Vollkommenheit des Wesens wiederhergestellt, wie Adam, das Haupt des Menschengeschlechtes, vor der Sünde war. Diese Wiederherstellung wird allmählich während des Millenniums - der Zeiten der Wiederherstellung - vor sich gehen (Apg. 3:21). Etliche aber aus dem Volke vertilgt werden: Zunächst alle die, welche unter vollem Lichte und voller Gelegenheit sich hundert Jahre lang weigern, hinsichtlich Gerechtigkeit und Vollkommenheit Fortschritte zu machen (Jes. 65:20), und zweitens diejenigen, welche, nachdem sie Vollkommenheit erlangt hatten, sich in der Schlussprüfung am Ende des Millenniums als unwürdig erwiesen (Offb. 20:9). Sie erleiden den zweiten Tod, aus dem keine Auferstehung oder Wiederherstellung verheißen ist. Nur eine volle persönliche Prüfung ist vorgesehen. Nur ein Lösegeld wird je gegeben werden. Christus stirbt nicht wieder.

Wenn wir den erhabenen Plan unseres Vaters betrachten, wie er beschlossen hat, die Kirche zu erhöhen, durch sie zuerst Israel und durch dieses hinwiederum alle Geschlechter der Erde mit einer Wiederherstellung aller Dinge zu segnen, so ruft uns das den Lobgesang der Engel ins Gedächtnis: "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen". Das wird das Endziel des Planes Gottes sein - "dass alle Dinge unter ein Haupt verfasset würden in Christo". Wer wird dann sagen, dass Gottes Plan ein Fehlschlag war? Wer wird dann sagen, dass er das Böse nicht zum Guten verwendet und den Zorn der Menschen wie der Dämonen nicht dennoch zu seinem Preise gelenkt hat?

Die vollkommene Figur einer Pyramide eignet sich nicht nur zur Darstellung vollkommener Wesen, sondern dient noch dem weiteren Zweck, die Einheit der ganzen Schöpfung erläuternd darzustellen, die nach Hinausführung des hehren Planes Gottes eins sein wird, wenn die Harmonie und Vollkommenheit aller Dinge unter der Oberhoheit Christi der nicht nur das Haupt der Kirche, die da ist sein Leib, sondern aller Dinge im Himmel und auf Erden ist, erreicht sein wird. ( Eph. 1:10)

Christus Jesus war der "Anfang", das "Haupt", der "Schlussstein", der "Haupt- (an der Spitze befindliche) Eckstein" dieses großartigen Bauwerkes", welches jetzt erst begonnen ist; und jeder Unterstein muss den Linien und Winkeln des Hauptecksteines genau entsprechend eingesetzt werden. Wie viele Arten von Steinen in diesem Gebäude sein mögen, wie viele verschiedene Naturen unter den irdischen und himmlischen Söhnen Gottes sich vorfinden mögen, sie alle müssen, um ihm für immer annehmbar zu sein, nach dem Bilde seines Sohnes gestaltet werden. Alle, die zu diesem Gebäude gehören wollen, müssen denselben Geist des Gehorsams gegen Gott und denselben Geist der Liebe gegen alle seine Geschöpfe besitzen, wie es so erhaben in Jesu veranschaulicht ist, der Liebe, die da ist des Gesetzes Erfüllung: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, mit ganzem Herzen, Sinn, Wesen, Vermögen und deinen Nächsten wie dich selbst.

In dem Entwicklungsgang wie Gottes Wort das Zusammenfassen aller Dinge in eins, himmlischer wie irdischer unter ein Haupt, vorzeichnet, wurde Christus Jesus, das Haupt, zuerst ausgewählt; zweitens die Kirche, die da ist sein Leib. Engel und andere Geistklassen kommen zunächst; dann die Heiligen Israels und die Welt. Beim Höchsten beginnend, werden die Unterweisungen fortschreiten, bis alle die wollen, zur Harmonie und Einheit gebracht worden sind.

Eine Besonderheit dabei ist, dass dieser geprüfte, höchste Hauptschlussstein zuerst gelegt worden ist - und der "Grundstein" (Jes. 28:16) genannt wird. Dies veranschaulicht die Tatsache, dass der Grund aller Hoffnung auf Gott und Gerechtigkeit nicht auf Erden gelegt ist, sondern in den Himmeln. Und wer darunter eingebaut und mit diesem himmlischen Fundament vereinigt wird, der wird durch himmlische Anziehungskraft und Gesetze festgehalten. Und obwohl diese Ordnung das gerade Gegenteil derjenigen bei einem irdischen Gebäude ist, wie angemessen ist es doch, dass der Stein, in dessen Ebenbild das ganze Gebäude erscheinen soll, zuerst gelegt wurde. Und wie angemessen auch, dass unser Grund nach oben und nicht nach unten gelegt ist; und dass wir, als lebendige Steine, in ihn hinein gebaut werden in allen Dingen. Auf gleiche Weise wird das Werk im Millennium vorangehen, bis alle Kreatur, von welcher Natur sie auch sei, im Himmel und auf Erden, nach der Richtschnur vollkommenen Gehorsams, Gott preisen und ihm dienen wird. Das Weltall wird dann gereinigt sein, denn: "Es wird aber geschehen an jenem Tage, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden." ( Apg. 3:23)

Die Stiftshütte in der Wüste

Dieselbe Lehre, die auf der Karte der Zeitalter veranschaulicht wurde, wird auch hier in diesem von Gott angeordneten Vorbilde gelehrt, dessen Bedeutung später genauer geprüft werden soll. Wir stellen dasselbe daneben, damit recht beachtet und erkannt werden könne, dass die verschiedenen Stufen oder Schritte bis zum Allerheiligsten, deren Einzelheiten wir schon betrachtet haben, auch darin gelehrt werden. Außerhalb des Vorhofes der Stiftshütte liegt die ganze Welt im argen, in der Sünde, ist auf der Stufe der Verderbtheit, R. Mit dem Eintritt durch das "Tor" in den "Vorhof" gehören wir zu den Gläubigen oder Gerechtfertigten, Stufe N. Wer von diesen weiter geht, sich Gott weiht, nach der Tür der Hütte (ersten Vorhang vor dem Heiligen) dringt und durch dieselbe eingeht (Stufe M), wird ein Priester. Die Priester werden gestärkt durch die "Schaubrote", er leuchtet durch den "Leuchter", und so befähigt, am "goldenen Altar" Gott durch Jesum Christum annehmbaren Weihrauch darzubringen. Endlich betreten sie, in der ersten Auferstehung, das "Allerheiligste" (Stufe L), oder geistige Vollkommenheit, dann folgt ihre Vereinigung mit dem Herrn in der Herrlichkeit und Ehre des Königreiches, Stufe K.

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Studie 13

Die Reiche dieser Welt

Die ursprüngliche Herrschaft. - Ihre Verwirkung. - Ihr Rückkauf und ihre Wiederherstellung. - Das vorbildliche Königreich Gottes. - Der Usurpator (Machträuber). - Zwei Seiten gegenwärtiger Herrschaft. - Die bestehenden Obrigkeiten von Gott verordnet. - Wie Nebukadnezar sie sah. - Wie Daniel sie sah und auslegte. - Die Reiche dieser Welt noch von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachtet. - Das rechte Verhältnis der Kirche den jetzigen Obrigkeiten gegenüber. - Das Recht der Könige, ob göttlich, kurz untersucht. - Fälschlich erhobene Ansprüche des Christentums. - Das fünfte Universalreich eine bessere Hoffnung gewährend.

Im ersten Kapitel der göttlichen Offenbarung erklärt Gott seinen Vorsatz betreffs seiner irdischen Schöpfung und ihrer Herrscher also: "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bild nach unserem Gleichnis, auf dass sie herrschen über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich regt auf der Erde. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Weib schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan; und herrschet über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über alles Getier, das sich regt auf der Erde."

Hiermit war die Herrschaft der Erde in die Hand des menschlichen Geschlechtes gelegt, das im ersten Menschen, Adam, vertreten war. Da derselbe vollkommen war, so war er auch dazu geeignet, der Herr oder Herrscher der Erde zu sein. Der Auftrag, sich zu vermehren, die Erde zu füllen, dieselbe sich untertan zu machen und über sie zu herrschen, galt nicht Adam allein, sondern der ganzen Menschheit: "dass sie herrschen" usw. Wäre das Menschengeschlecht vollkommen und sündlos geblieben, die Herrschaft wäre nie aus seiner Hand entschlüpft.

Man wird bemerken, dass in jenem Auftrag keinem Menschen irgendwelche Herrschaft oder Macht über seine Mitmenschen verliehen wurde, sondern dass die Herrschaft über die Erde, sie zu bebauen und ihre Erzeugnisse zum allgemeinen Wohle nutzbar zu machen, dem ganzen Geschlecht gegeben wurde. Nicht allein ihr Reichtum an Pflanzen und Mineralien stand damit dem Menschen zu Gebote, sondern auch die ganze Mannigfaltigkeit der Tierwelt war zu seiner Verfügung gestellt und zu seinem Dienst bereit. Wäre das Geschlecht vollkommen geblieben, und hätte es diese ursprüngliche Absicht des Schöpfers ausgeführt, so würde seine wachsende Zahl erfordert haben, dass die Menschen untereinander berieten, wie sie ihre Kräfte systematisch verwerten könnten und Mittel und Wege für die gerechte und weise Verteilung gemeinsamer Segnungen fänden. Und da es im Laufe der Zeit um ihrer ungeheuren Anzahl willen unmöglich geworden wäre, dass alle zusammenkamen und miteinander berieten, so würden die verschiedenen Klassen der Menschheit einzelne unter sich erwählt haben, um die Gesamtheit zu vertreten, die dann ihre Ansichten darlegen und für sie handeln könnten. Und wenn alle Menschen geistig, körperlich und moralisch vollkommen wären, wenn jeder Mensch Gott und seine Anordnungen über alles und seinen Nächsten wie sich selbst liebte, so hätten bei solch einer Einrichtung keine Reibereien vorkommen können.

So betrachtet, war also die ursprüngliche Absicht des Schöpfers betreffs der Herrschaft der Erde der Form nach eine Republik, eine Regierung, an der sich alle beteiligen sollten, in der jeder Mensch ein unumschränkter Herr gewesen wäre, zur Ausübung der Pflichten seiner Stellung, sowohl für das eigene als für das allgemeine Wohl völlig geeignet.

Die Fortdauer dieser dem Menschen übertragenen Herrschaft der Erde war nur von einer Bedingung abhängig, und die bestand darin, dass die gottgegebene Herrschaft immer in Harmonie mit dem allerhöchsten Herrn, dem Lenker des Universums, verblieb, dessen einziges Gesetz, kurz zusammengefasst, "Liebe" ist. "So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung." "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." - Röm. 13:10; Matth. 22:37-40

Über diese große, dem Menschen widerfahrene Gnade sagt David, Gott preisend: "Denn ein wenig hast du ihn geringer gemacht als die Engel; und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände." (Psalm 8:5, 6) Mit dieser der Menschheit in der Person Adams übergebenen Herrschaft fand die erste Gründung des Reiches Gottes auf Erden statt; als Gottes Vertreter übte der Mensch die Herrschaft aus. Aber der Ungehorsam des Menschen gegen den allerhöchsten Herrscher verwirkte nicht nur sein Leben, sondern auch alle Rechte und Ansprüche, Gottes stellvertretender Beherrscher der Erde zu sein. Von da an war er ein Empörer, verurteilt und entthront. So hörte das Reich Gottes auf der Erde auf, und seitdem ist es nicht wiederhergestellt worden, außer nur in vorbildlicher Weise in Israel. Obwohl der Mensch in Eden sein Recht zum Leben wie zur Herrschaft verlor, so wurde doch keines von beiden plötzlich von ihm genommen; und so lange das verwirkte Leben dauert, wird dem Menschen gestattet, die Herrschaft über die Erde nach seinen eigenen Gedanken und nach seinen eigenem Vermögen auszuüben, bis Gottes bestimmte Zeit und der kommen wird, "welchem das Recht gehört", die Herrschaft, die er erkauft hat, an sich zu nehmen.

Der Tod unseres Herrn erlöste oder erkaufte nicht nur den Menschen, sondern sein ganzes ursprüngliches Erbteil, seine Herrschaft über die Erde mit eingeschlossen. Nachdem er es erkauft hat, gehört der Besitztitel ihm; er ist der rechtmäßige Erbe, und zur rechten Zeit, und das in Kürze, wird er sein erkauftes Besitztum an sich nehmen (Eph. 1:14). Doch wie er den Menschen nicht zu dem Zweck erkauft hat, ihn nun als Sklaven zu halten, sondern um ihn zu seinem "früheren Stand" wiederherzustellen so auch mit der Herrschaft über die Erde; er erkaufte sie und alle ursprünglich vorhandenen Güter zu dem Zweck, sie dem Menschen zurückzuerstatten. Folglich wird die Herrschaft des Messias über die Erde nicht von ewiger Dauer sein. Sie wird nur so lange währen bis er durch seine eiserne Herrschaft alle Empörung und Auflehnung unterdrückt und das gefallene Geschlecht zur ursprünglichen Vollkommenheit wiederhergestellt hat. Dann wird dasselbe vollständig fähig sein, die Herrschaft über die Erde, wie ursprünglich beabsichtigt, auszuüben. Wenn das geschehen ist, wird das Reich Gottes wieder auf Erden unter den Menschen als Gottes verordneten Vertretern sein.

Während des jüdischen Zeitalters organisierte Gott das Volk Israel als sein Königreich unter Mose und den Richtern eine Art Republik, aber es war nur vorbildlich. Und die darauffolgende mehr eigenmächtige Regierung, besonders unter David und Salomon war in mancher Hinsicht vorbildlich von dem verheißenen Königreich, wenn der Messias herrschen wird. Zum Unterschied von den umgebenden Völkern hatte Israel Jehova zum König, und seine Regenten dienten unter ihm, wie wir aus Psalm 78:70, 71 erfahren. Das wird ganz ausdrücklich in 2. Chron. 13:8 und 1. Chron. 29:23 ausgesagt wo es "das Königreich Jehovas" genannt und wo gesagt wird, dass "Salomon sich setzte auf den Thron Jehovas als König an seines Vaters Davids Statt", der die vierzig vorhergehenden Jahre als Nachfolger Sauls, seines ersten Königs, auf demselben Thron saß oder die Herrschaft ausübte.

Als Israel sich an dem Herrn versündigte, züchtigte er es wiederholt, und endlich nahm er das Königreich gänzlich hinweg. In den Tagen Zedekias, des letzten, der aus Davids Linie regierte, geschah es, dass das Zepter der königlichen Macht weggenommen wurde. Da wurde das vorbildliche Königreich Gottes gestürzt.

Gottes Richterspruch in dieser Sache ist in folgenden Worten niedergelegt: "Und du, Unheiliger, Gesetzloser, Fürst Israels, dessen Tag gekommen ist zur Zeit der Ungerechtigkeit des Endes, so spricht der Herr, Jehova: Hinweg mit dem Kopfbund (der königlichen Hauptzierde) und fort mit der Krone! Dies wird nicht mehr sein. ... Umgestürzt, umgestürzt, umgestürzt will ich sie machen; auch dies wird nicht mehr sein bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem werde ich es geben." (Hes. 21:30-32) In Erfüllung dieser Weissagung zog der König von Babylon gegen die Israeliten heran, setzte ihren König ab und führte das Volk in die Gefangenschaft. Obwohl sie vom medo-persischen Könige Cyrus zu nationaler Existenz wiederhergestellt wurden, blieben sie doch den aufeinanderfolgenden Weltreichen Medo-Persien, Griechenland und Rom bis zum schließlichen Untergang ihres Reiches im Jahre 70 n.Chr. unterjocht und mussten ihnen Tribut zahlen; und seitdem haben sie keine nationale Existenz gehabt, sondern waren unter alle Völker zerstreut.

Das Reich Israel ist das einzige, welches je seit dem Falle Gott als seine Obrigkeit, Gesetze usw. vertretend, anerkannte. Es gab viele Völker vor ihm, aber keines konnte mit Recht Gott als seinen Gründer beanspruchen, noch auch, dass seine Herrscher Gottes Vertreter gewesen wären. Als das Diadem von Zedekia genommen und das Königreich Israel gestürzt worden war, wurde aufs bestimmteste erklärt, dass es gestürzt bleiben sollte, bis Christus, der rechtmäßige Erbe der Welt, käme und es fordere. Daraus geht hervor, dass alle anderen zeitweilig zur Macht gelangten Reiche bis zur Wiederaufrichtung des Reiches Gottes als "Reiche dieser Welt" unter dem "Fürsten dieser Welt" stehend, gekennzeichnet werden; und dass daher alle von irgendeinem derselben gemachten Ansprüche, das Reich Christi zu sein, unecht und unwahr sind. Noch auch wurde das Königreich Gottes beim ersten Advent "aufgerichtet" (Luk. 19:12). Damals und seitdem hat Gott einige ausgewählt, welche würdig erachtet werden sollen, als Miterben seines Thrones mit Christo zu herrschen. Nicht vor dem zweiten Advent wird Christus das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit an sich nehmen und als Herr aller Herren herrschen.

Alle anderen Reiche, außer Israel, nennt die Schrift Reiche der "Heiden" oder "Nationen" - die "Reiche dieser Welt", unter Satan, dem "Fürsten dieser Welt". Seit der Hinwegnahme des Reiches Gottes in den Tagen Zedekias verblieb die Welt ohne irgendwelche Obrigkeit, die Gott gutheißen konnte oder deren Gesetze und Anordnungen er besonders überwachte. Indirekt erkannte Gott diese heidnischen Regierungen an, indem er öffentlich die Bestimmung traf (Luk. 21:24), dass in der Zwischenzeit von der Hinwegnahme der Krone von Zedekia an bis zur Übergabe derselben an den Messias, die Herrschaft über Jerusalem und die Welt von heidnischen Regierungen ausgeübt werden sollte.

Diese Zwischenzeit oder diese Zwischenregierungen zwischen der Hinwegnahme des Zepters und Regimentes Gottes und der Wiederaufrichtung desselben in größerer Macht und Herrlichkeit in Christo wird in der Schrift "die Zeiten der Heiden" genannt. Und diese "Zeiten" oder Jahre, während welcher den "Reichen dieser Welt" die Herrschaft zugelassen wird, sind genau bestimmt und begrenzt, wie auch die Wiederaufrichtung des Reiches Gottes unter dem Messias fest bestimmt und deutlich in der Schrift bezeichnet ist.

Wohl waren die heidnischen Regierungen böse, doch um eines weisen Zweckes willen zugelassen oder "von Gott verordnet" (Röm. 13:1). Ihre Unvollkommenheit und Missherrschaft bildet einen Teil der allgemeinen Lektion über die überaus große Sündigkeit der Sünde und beweist die Unfähigkeit gefallener Menschen, auch nur zur eigenen Zufriedenheit sich selbst regieren zu können. Gott erlaubt ihnen im großen und ganzen ihre eigenen Ziele nach ihrem besten Vermögen zu verfolgen, nur dass er sie für den Fall, dass sie mit seinem Plane in Widerspruch gerieten, überwaltet. Sein Ziel ist, dass schließlich alles zum besten dienen oder zusammenwirken muss und endlich gar "der Grimm des Menschen" ihn preisen soll. Was darüber hinausgeht, was nichts Gutes bezwecken kann, nicht zur Lehre taugt, das beschränkt er, hält er zurück. "Sicherlich, der Grimm des Menschen wird dich preisen; den übrigen Grimm wirst du zurückhalten." (Ps. 76:10 - engl. Übers.)

Das Unvermögen des Menschen, eine vollkommene Herrschaft herzustellen, ist der eigenen Schwachheit in seinem gefallenen oder verderbten Zustande zuzuschreiben. Diese seine Schwachheit, die schon an und für sich alle Bemühungen des Menschen, eine vollkommene Herrschaft zustande zu bringen, vereiteln würde, benutzt Satan, der am Anfange den Menschen zur Treulosigkeit gegen den allerhöchsten Herrscher verführte. Beständig hat Satan die Schwachheit des Menschen benutzt, um Gutes böse erscheinen zu lassen und Böses gut; er hat Gottes Charakter und Plan falsch dargestellt und die Menschen der Wahrheit gegenüber verblendet. Indem er so in den Herzen der "Kinder des Ungehorsams" (Eph. 2:2) wirkte, führte er sie nach seinem Willen gefangen und machte sich zu dem, was Jesus und die Apostel ihn nennen - der "Fürst" und Gott dieser Welt (Joh. 14:30; 12:31; 2. Kor. 4:4). Er ist nicht mit Recht der Fürst dieser Welt, sondern durch Usurpation, durch List und Betrug - seine Mittel zur Beherrschung der gefallenen Menschen. Weil er ein Usurpator ist, wird ihn Jesus kurz absetzen (Röm. 16:20). Hätte er als "Fürst dieser Welt" ein wirkliches Besitzrecht, so würde nicht so mit ihm verfahren werden.

Hieraus ersieht man, dass die Herrschaft über die Erde, wie sie gegenwärtig ausgeübt wird, eine unsichtbare und eine sichtbare Phase hat. Die Erstere ist die geistige, die letztere die menschliche - die sichtbaren, irdischen Reiche sind in gewissem Maße unter der Herrschaft eines geistigen Fürsten, Satans. Weil Satan solche Herrschaft besaß, konnte er unserem Herrn das Anerbieten machen, der höchste sichtbare Herrscher unter seiner Leitung zu werden (Matth. 4:9; Luk. 4:5-7). Wenn die Zeiten der Heiden abgelaufen sind, dann werden auch die beiden Phasen der gegenwärtigen Herrschaft ihr Ende erreicht haben; Satan wird gebunden, und die Reiche dieser Welt werden umgestürzt werden.

Die gefallene, verblendete, seufzende, bei jedem Schritte unterliegende Kreatur zog Jahrhunderte hindurch mühselig ihres Weges dahin, und selbst ihr bestes Streben blieb fruchtlos. Dennoch hofft sie fort und fort, dass das von ihren Philosophen erträumte goldene Zeitalter nahe sei. Sie weiß nicht, dass eine viel größere Befreiung, als die, nach welcher sie seufzt und sich sehnt, durch den verachteten Nazarener und seine Nachfolger kommen soll, welche als die Söhne Gottes in kurzem zu ihrer Befreiung in königlicher Macht geoffenbart werden sollen ( Röm. 8:22, 19).

Damit aber seine Kinder über die Zulassung der gegenwärtigen bösen Regierungen und die Endabsicht Gottes, eine bessere einzuführen, wenn diese unter seiner überwaltenden Vorsehung dem Zweck gedient haben, zu dem sie zugelassen waren, nicht in Finsternis oder Ungewissheit bleiben, hat Gott uns durch die Propheten verschiedene großartige Panoramen von den "Reichen dieser Welt gegeben und dabei jedes Mal zu unserer Stärkung gezeigt, dass sie durch die Aufrichtung seines eigenen gerechten und ewigen Reiches durch den Messias gestürzt werden sollen.

Dass der gegenwärtige Versuch des Menschen, zu herrschen, nicht im siegreichen, ertrotzten Gegensatz gegen Jehovas Willen, sondern mit seiner Zulassung geschieht, das wird durch Gottes Botschaft an Nebukadnezar gezeigt, worin Gott den vier großen Weltreichen Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom bis zur Zeit der Aufrichtung des Reiches Christi die Erlaubnis zu herrschen erteilt (Dan. 2:37-43). Das zeigt, wo die Frist ihrer Herrschaft ablaufen wird.

Wenn wir nun diese prophetischen Gesichte ins Auge fassen, so lasst uns dabei stets im Sinne behalten, dass sie mit Babylon zur Zeit des Umsturzes des Reiches Israel, des vorbildlichen Königreiches des Herrn, ihren Anfang nahmen.

Nebukadnezars Gesicht irdischer Regierungen

Zu dem, "was zu unserer Lehre zuvor geschrieben", damit wir, denen geboten ist, untertan zu sein "der Obrigkeit, die Gewalt über uns hat", "durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben" möchten (Röm. 15:4; 13:1), gehört auch der Traum Nebukadnezars und seine göttliche Deutung durch den Propheten (Dan. 2:31-45).

Daniel erklärte den Traum und sagte: "Du, O König, sahst, und siehe, ein großes Bild (Standbild); dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Aussehen war schrecklich. Dieses Bild, sein Haupt war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme von Silber; sein Bauch und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen; seine Füße teils von Eisen und teils von Ton. Du schautest, bis ein Stein sich losriss (ausge­hauen wurde), ohne Hände (Menschenhände), und das Bild an seine Füße von Eisen und Ton schlug und sie zermalmte. Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Silber und das Gold zermalmt; und sie wurden wie Spreu der Sommertennen: und der Wind führte sie hinweg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg (Königreiche) und füllte die ganze Erde."

"Das ist der Traum, und seine Deutung wollen wir vor dem König ansagen: Du, O König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat (hierdurch wurden die heidnischen Reiche oder die bestehenden Obrigkeiten von Gott verordnet); und überall wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt, - du bist das Haupt von Gold."

"Und nach dir wird ein anderes Königreich aufstehen, niedriger als du; und ein anderes, drittes Königreich von Erz, welches über die ganze Erde herrschen wird. Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen; ebenso wie das Eisen alles zermalmt und zerschlägt, so wird es, dem Eisen gleich, welches zertrümmert, all diese zermalmen und zertrümmern. Und dass du die Füße und die Zehen teils von Töpferton und teils von Eisen gesehen hast, - es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. Und die Zehen der Füße, teils von Eisen und teils von Ton: zum Teil wird das Königreich stark sein, und ein Teil wird zerbrechlich sein."

Der Geschichtsforscher vermag mit Leichtigkeit unter den vielen kleinen Reichen der Erde, die aufgekommen sind, die vier oben von Daniel beschriebenen zu erkennen. Sie werden Universal- oder Welt-Reiche genannt - das erste, Babylon, das Haupt von Gold (Vers 38); als zweites Medo-Persien, der Besieger Babylons, die Brust von Silber; das dritte, Griechenland, der Besieger von Medo-Persien, der Bauch von Erz; und das vierte, Rom - das starke Reich, die eisernen Beine und mit Ton vermischten Füße. Drei dieser Weltreiche waren untergegangen, und das vierte, das römische, hatte die Weltherrschaft zur Zeit der Geburt Jesu inne, wie wir lesen: "Ein Gebot ging aus vom Kaiser Augustus, dass alle Welt geschätzt würde." - Luk. 2:1

Das eiserne Weltreich, Rom, war bei weitem das stärkste und dauerte länger als seine Vorgänger. In der Tat, das römische Weltreich besteht noch in den Nationen Europas. Seine jetzige Zerteilung wird in den zehn Zehen des Bildes veranschaulicht. Das in den Füßen mit dem Erz vermengte Tonelement stellt die Vermischung von Kirche und Staat dar. Diese Vermischung wird in der Schrift Babylon - Verwirrung - genannt. Wie wir bald sehen werden, ist der Stein das Sinnbild des wahren Königreiches Gottes, und an dessen Stelle setzte Babylon eine Nachahmung von Stein - getrockneten Ton - welchen es mit den bruchstückartigen Überbleibseln des (eisernen) römischen Weltreiches vereinigt hat. Und dieses gemischte System - Kirche und Staat - die Namenkirche vermählt mit den Reichen dieser Welt, welche der Herr "Babylon", Verwirrung, nennt, maßt sich an, sich "Christentum", d.i. Christi Königreich, zu nennen. Daniel erklärt: "Dass du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast - sie werden sich mit dem Samen der Menschen vermischen (Kirche und Welt vermischt - Babylon), aber sie werden nicht aneinander haften: gleichwie sich Eisen mit Ton nicht vermischt." Sie können nicht vollständig ineinander aufgehen. "Und in den Tagen dieser Könige (der durch die Zehen dargestellten Reiche, der sogenannten christlichen Reiche, oder des "Christentums") wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen." (Dan. 2:43, 44)

Daniel gibt hier nicht an, wann das Ende dieser heidnischen Regierungen eintreten wird; das finden wir an anderer Stelle; aber alle vorher verkündigten Umstände lassen erkennen, dass heute das Ende nahe, ja vor der Tür ist. Der Anspruch des Papsttums ist seit langem gewesen, dass sein System das Königreich sei, das der Gott vom Himmel hier aufzurichten verheißen hat, und dass es in Erfüllung dieser Prophezeiung alle diese Reiche zermalmte und verzehrte. Die Wahrheit aber ist, dass die Namenkirche sich nur mit den irdischen Reichen wie der Ton mit dem Eisen vereinigte und dass das Papsttum niemals das wahre Königreich Gottes war, sondern nur eine Fälschung. Einer der schlagendsten Beweise, dass das Papsttum diese irdischen Reiche nicht zermalmt und verzehrt hat, ist der, dass sie noch vorhanden sind. Und nun, da der schlammige Ton trocken und "zerbrechlich" geworden ist, verliert er seine Anziehungskraft, und Ton und Eisen lassen Anzeichen der Auflösung bemerken und werden schnell zerbröckeln, wenn der "Stein", das wahre Königreich, daran schlägt.

Seine Deutung fortsetzend, gibt Daniel an: "Weil du gesehen hast, dass von dem Berge ein Stein sich losriss ohne Hände, und das Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Der große Gott hat dem Könige kundgetan, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist gewiss und seine Deutung zuverlässig." - Vers 45

Der aus dem Berge ohne Hände herausgerissene Stein, der die heidnischen Mächte zerschlägt und zerstreut, stellt die wahre Kirche, das Reich Gottes dar. Während des Evangeliums-Zeitalters wird dieses "Stein" - Königreich gebildet, ausgehauen, behauen und für seine zukünftige Stellung und Größe in Form gebracht - nicht durch Menschenhände, sondern durch die unsichtbare Kraft Jehovas. Wenn es vollendet, wenn es vollständig ausgehauen ist, dann wird es auf die irdischen Reiche stoßen und sie vernichten. Nicht Personen, sondern die Regierungen (soziale Machtformen) sind durch das Bild versinnbildlicht, und sie sind es, die zerstört werden sollen. Jesus ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern sie zu retten. - Joh. 3:17

Während der Zubereitung des Steines, während er ausgehauen wird, möchte man ihn, im Hinblick auf seine zukünftige Bestimmung, den Embryo - (im Wachstum begriffenen) Berg nennen; und so könnte die Kirche auch das Königreich Gottes genannt werden; und sie wird in der Schrift oft so genannt. Tatsächlich ist der Stein noch nicht der Berg (Königreich); erst wenn er das Bild zerschmettert hat, ist er es; und so wird auch die Kirche im vollen Sinne des Wortes das Königreich, das die ganze Erde erfüllt, erst, wenn der "Tag des Herrn", "der Tag des Zornes", über die Heiden (Völker), oder "die Zeit der Drangsal" vorüber ist und alle übrigen Herrschaftsgebiete ihm, dem das Königreich und die Herrlichkeit gebührt, unterworfen sind.

Rufe dir nun die Verheißung in den Sinn, die Jesus den Überwindern der christlichen Kirche gibt: "Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen" - und "wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe." (Offb. 3:21; 2:26, 27; Psalm 2:8-12) Wenn die eiserne Rute ihr Werk der Zerstörung vollbracht hat, dann soll die Hand, die geschlagen, sich zum Heilen wenden, und das Volk wird zum Herrn zurückkehren, und er wird es heilen (Jes. 19:22; Jer. 3:22, 23; Hos. 6:1; 14:4; Jes. 2:3). Er gibt ihnen Schmuck für Asche, Freudenöl für Traurigkeit und schöne Kleider (des Ruhmes) für einen betrübten Geist.

Daniels Gesicht irdischer Regierungen

Im Gesicht von Nebukadnezar sehen wir die Reiche der Erde vom Standpunkt der Welt aus, als eine Entfaltung menschlicher Herrlichkeit, Größe und Macht, obwohl wir darin zugleich eine Andeutung ihres Verfalles und endlichen Unterganges erblicken, wie es denn in dem geringer Werden der Metalle, vom Gold bis zum Eisen und Ton herab, sich ausdrückt.

Die Stein-Klasse, die wahre Kirche, ist während ihrer Auswahl oder Herausnahme aus den Bergen (irdischen Königreichen) ohne Hände von der Welt als wertlos geachtet worden. Die Menschen verachten und verwarfen sie; sie sahen keine Gestalt, die ihnen gefallen hätte. Die Welt liebt, bewundert, preist und verteidigt die Herrscher und Regierungen, die dieses Bild darstellt, obwohl sie durch dieselben beständig enttäuscht, betrogen, verletzt und unterdrückt worden ist. In Poesie und Prosa erhebt die Welt die großen und mit Erfolg gekrönten Helden dieses Bildes wie Alexander, Cäsar, Bonaparte und andere, deren Größe in dem Hinschlachten ihrer Mitmenschen bestand, und die in ihrer Herrschsucht Millionen zu Witwen und Waisen machten. Und das ist noch der Geist, der in den "zehn Zehen" des Bildes vorhanden ist, wie wir ihn sich in ihren Heeresmassen von mehr als zwölf Millionen Mann kundgeben sehen, die mit satanischem Erfindungsgeist und modernem Scharfsinn bis an die Zähne bewaffnet sind, um auf Befehl der "bestehenden Obrigkeiten" einander hinzuschlachten.

Die Verächter (Übermütigen) werden jetzt gepriesen; denn die Gottlosen nehmen zu (Mal. 3:15), kommen hoch zu Macht und Ansehen. Können wir da nicht sehen, dass die Zerstörung dieses großen Bildes durch das Anschlagen des Steines und die Aufrichtung des Königreiches Gottes die Befreiung der Unterdrückten und die Segnung aller bedeutet? Wenn der Wechsel auch eine Zeitlang Unheil und Drangsal hervorrufen wird, schließlich wird die friedsame Frucht der Gerechtigkeit daraus entspringen.

Doch nun lasst uns, indem wir uns der Verschiedenheit des Standpunktes erinnern, dieselben vier Universalreiche der Erde von Gottes und dem Standpunkt derer aus betrachten, die mit ihm in Harmonie sind, wie solche von dem geliebten Propheten Daniel geschaut wurden. Ihm wie uns erscheinen die vier Universalreiche unwürdig und tierisch. Ihm erscheinen diese vier Universalreiche als vier große und reißende wilde Tiere. Und das zukünftige Königreich Gottes (der Stein) ist in seinem Gesicht entsprechend großartiger, als es von Nebukadnezar gesehen wurde. Daniel sagt: "Ich schaute in meinem Gesicht bei der Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das große Meer. Und vier große Tiere stiegen herauf aus dem Meere, eines verschieden von dem anderen. - Das erste war gleich einem Löwen und hatte Adlersflügel ... Und siehe, ein anderes, zweites Tier, gleich einem Bären. ... Und siehe, ein anderes, gleich einem Pardel ... Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark und es hatte große eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und was übrig blieb zertrat es mit seinen Füßen; und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen." (Dan. 7:2-7)

Die Einzelheiten in Bezug auf die ersten drei Tiere (Babylon den Löwen, Medo-Persien den Bären und Griechenland den Leoparden) mit ihren Köpfen, Füßen usw., die alle sinnbildliche Bedeutung haben, wollen wir übergehen, da sie in unserer gegenwärtigen Untersuchung von geringerer Bedeutung sind als die Einzelheiten des vierten Tieres, Roms.

Über dieses vierte Tier sagt Daniel: "Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark...und es hatte zehn Hörner. Während ich auf die Hörner acht gab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Dinge redete." - Dan. 7:7, 8

Hier wird das römische Weltreich gezeigt, und die Teilung seiner Macht wird in den zehn Hörnern veranschaulicht. Ein Horn ist ein Sinnbild der Macht. Das kleine Horn, das zwischen ihnen aufkam, die Macht dreier unter ihnen sich aneignete und unter den anderen herrschte, stellt den kleinen Anfang und die allmähliche Zunahme der Macht der Kirche Roms, der päpstlichen Macht, vor. Sobald das Papsttum an Einfluss wuchs, wurden drei Abteilungen, Hörner oder Mächte, des römischen Reiches, (die Heruler, das östliche Exarchat und die Ostgoten) aus dem Wege getan, um für seine Aufrichtung als weltliche Macht oder Horn Platz zu machen. Dieses letzte besonders auffallende Horn, das Papsttum, zeichnet sich besonders durch seine Augen (Intelligenz bedeutend) und durch seinen Mund (seine Aussprüche, seine Ansprüche usw.) aus.

Diesem vierten Tiere, Rom darstellend, gibt Daniel keinen besonderen Namen. Während die anderen als Löwen, Bären und Leoparden ähnlich beschrieben werden, war das vierte so wild und schrecklich, dass keines der Tiere auf Erden damit verglichen werden konnte. Der Apostel Johannes, der dasselbe sinnbildliche Tier (Regierung) im Gesicht schaute, wusste auch nicht, mit welchem Namen er es beschreiben sollte und gab ihm schließlich mehrere. Unter anderem nannte er es den "Teufel" (Offb. 12:9). Er hat einen passenden Namen gewählt, denn im Licht seiner blutigen Verfolgungen betrachtet, ist Rom eine der teuflischsten, irdischen Obrigkeiten gewesen; selbst bei seiner Umwandlung aus dem heidnischen zum päpstlichen Rom tritt Satans Charaktereigentümlichkeit hervor. Denn auch er verstellt sich, um als ein Engel des Lichtes zu erscheinen (2. Kor. 11:14), so wie Rom sich verstellte, oder vom Heiden zum Christen sich umwandelte, unter Darangabe des innersten Wesens der christlichen Religion, dabei aber den Schein wahrend, christlich, das Reich Christi, zu sein. (Der Umstand, dass Rom der "Teufe" genannt wird, beweist durchaus nicht, dass es keinen persönlichen Teufel gäbe; sondern das gerade Gegenteil. Eben weil es solche Tiere wie Löwen, Bären und Leoparden mit bekannten Charaktereigentümlichkeiten gibt, darum werden jene Obrigkeiten damit verglichen; und so auch, weil es einen Teufel mit bekannter Charaktereigenschaft gibt, darum wird das vierte Weltreich mit ihm verglichen.)

Nachdem der Prophet mehrere Einzelheiten über dieses letzte oder römische Tier und besonders über sein seltsames oder päpstliches Horn gegeben hat, sagt er, dass über dieses Horn Gericht gehalten und der Verlust seiner Herrschaft beginnen wird, welche Herrschaft durch einen allmählichen Prozess, bis auch die Zeit der Vernichtung des Tieres vorhanden ist, verzehrt werden würde.

Das Tier oder das römische Weltreich ist in seinen Hörnern oder Teilen noch vorhanden und wird durch das Erheben der Volksmassen und den Sturz der Obrigkeiten am "Tage des Herrn" getötet, als notwendige Vorbereitung auf die Anerkennung der himmlischen Herrschaft. Das wird in andern noch zu untersuchenden Schriftstellen klar gezeigt. Das Verzehren des päpstlichen Hor­nes tritt jedoch zuerst ein. Der Verzehrungsprozess seiner Macht und seines Einflusses begann, als Napoleon den Papst als Gefangenen nach Frankreich führte. Denn dadurch wurde den Völkern offenbar, dass die vom Papsttum für sich beanspruchte göttliche Autorität und Macht grundlos war, da weder die Bannsprüche noch die Gebete der Päpste sie aus Bonapartes Gewalt befreiten. Seitdem schwand die weltliche Macht des Papsttums schnell dahin, bis es im September 1870 den letzten Schein weltlicher Macht durch Viktor Emanuel, König von Italien, einbüßte.

Nichtsdestoweniger fuhr es in all der Zeit, in der es verzehrt wurde, fort, seine großen, schwülstigen Worte der Lästerung zu reden. Seine letzte große Auslassung dieser Art fand im Jahre 1870 statt. Nur wenige Monate vor seinem vollständigen Sturz gab es die Erklärung der Unfehlbarkeit der Päpste ab. Alles dies steht in der Weissagung verzeichnet, die da sagt: "Ich schaute sodann (d. i. nach dem Urteilsspruch über das "Horn", nachdem seine Verzehrung begonnen hatte): - wegen der vermessenen Reden, welche das Horn redete." (Dan. 7:11)

So sind wir in der Weltgeschichte herab bis auf unsere Tage gekommen, und wir erkennen, dass wir betreffs der Reiche der Erde nur ihren gänzlichen Untergang erwarten können. Nicht die Bevölkerung soll untergehen, sondern die Einrichtungen oder Reiche, obgleich natürlich der Umsturz von Weltreichen stets mit Elend und Verlust an Leben verknüpft ist. Was dann zunächst folgen soll, wird mit den Worten beschrieben: "Ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde". Das Töten und Verbrennen sind eben sowohl Sinnbilder wie das Tier selbst und bedeuten den gänzlichen und hoffnungslosen Untergang der gegenwärtig bestehenden Regierungen. In Vers 12 bemerkt der Prophet einen Unterschied zwischen dem Ende dieses vierten Tieres und dem seiner Vorgänger. Diesen drei (Babylon, Persien und Griechenland) wurde die Herrschaft der Reihe nach entrissen; sie hörten auf, eine herrschende Macht auf Erden zu sein; aber ihr Leben als Völker hörte nicht sofort auf. Griechenland und Persien besitzen noch etwas Leben, trotzdem die Universalherrschaft längst, vor vielen Jahrhunderten, ihrer Hand entrissen wurde. Nicht so aber ergeht es dem vierten und letzten derselben, dem römischen Weltreiche. Auf einmal wird es Herrschaft und Leben verlieren und seinen gänzlichen Untergang finden; und zugleich mit ihm werden auch die anderen verschwinden. - Dan. 2:35

Welches auch die angewandten Mittel oder Werkzeuge sein mögen, die Ursache dieses Unterganges ist die Aufrichtung des fünften Universalreiches der Erde, des Königreiches Gottes, dessen Zeit herbei gekommen ist unter Christo, dem das Recht gebührt, die Herrschaft einzunehmen. Der Übergang des Reiches vom vier­ten Tier, das für seine bestimmte Zeit "von Gott verordnet" war, auf das fünfte Reich unter dem Messias, wenn seine bestimmte Zeit gekommen ist, wird vom Propheten also beschrieben: "Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam Einer, wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem Betagten, und man brachte ihn vor denselben. Und ihm (dem Christus - Haupt und Leib) ward Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, dass alle Völker und Nationen und Zungen ihm dienen; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nie vergeht, und sein Königtum wird nicht zerstört." Dieses bedeute, so legt der Engel aus: "Das Königtum und Herrschaft und Gewalt über alle Reiche unter dem Himmel wird dem Volke der Heiligen des Allerhöchsten gegeben; sein Reich ist ein ewiges Reich und alle Herrschaften werden ihm dienen und gehorchen. (Dan. 7:13, 14, 27 - engl. Übers.)

So sehen wir, dass die Herrschaft der Erde von Jehova, dem Betagten, der dazu "alle Dinge unter seine Füße getan hat", in die Hand Christi gelegt werden soll (1. Kor. 15:27). So auf den Thron des Reiches Gottes gesetzt, muss er herrschen, bis er alle Herrschaft und Gewalt, die im Widerspruch mit dem Willen und Gesetz Jehovas ist, niedergeworfen hat. Zur Vollführung dieser großen Aufgabe ist zuerst der Umsturz dieser heidnischen Regierungen notwendig, denn "die Reiche dieser Welt", wie auch "der Fürst dieser Welt", werden sich nicht gutwillig unterwerfen und müssen daher gebunden und mit Gewalt unterdrückt werden. Und so steht geschrieben: "Ihre Könige zu binden mit Ketten und ihre Edlen mit eisernen Fesseln; an ihnen auszuüben das geschriebene Gericht! Das ist die Ehre aller seine Frommen." (Psalm 149:8, 9)

Wenn wir die gegenwärtigen Regierungen vom Standpunkt unseres Herrn und des Propheten Daniel betrachten und den wilden zerstörungslustigen, tierischen und selbstsüchtigen Charakter der Reiche erkennen, müssen da nicht die Herzen aller Heiligen das Ende aller heidnischen Obrigkeiten herbeiwünschen und frohlockend der glückseligen Zeit entgegensehen, da die Überwinder des gegenwärtigen Zeitalters mit ihrem Haupt auf den Thron gesetzt werden sollen, um die seufzende Kreatur zu regieren, zu segnen und wiederherzustellen? Wahrlich, von ganzen Herzen können sie unserem Herrn nachbeten: "Dein Königreich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden."

Jede dieser in dem Bilde und durch die Tiere dargestellten Obrigkeiten bestand schon, ehe sie als Universalreich zur Macht kam. So ist es auch mit dem wahren Königreich Gottes, es besteht schon lange, getrennt von der Welt, ohne dass es zu herrschen versucht hätte, sondern seine Zeit erwartend - die vom "Alten der Tage" bestimmte Zeit. Und wie die anderen, muss es auch seine Bestimmung erreichen und zur Macht kommen oder aufgerichtet werden, ehe es jene Macht in dem Zerschmettern und Erschlagen des ihm vorangehenden Tieres oder Reiches gebrauchen kann. Wie angemessen daher die Aussage: "Und in den Tagen dieser Könige (während sie noch Macht haben) wird der Gott des Himmels ein Königreich (in tatsächlicher Macht und Autorität) aufrichten." - und nachdem es aufgerichtet ist, "wird es alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen". (Dan. 2:44). Folglich, wie wir es auch erwarten mögen, müssen wir erwarten, dass das Königreich Gottes vor dem Falle der Reiche dieser Welt hergestellt werde und dass ihr Sturz diesem Reiche und seiner Macht und Wirkung zuzuschreiben ist.

Die gegenwärtigen Regierungen von einem anderen Standpunkte aus betrachtet

Das höchste Recht und die erste Autorität, die Welt zu regieren, steht allein dem Schöpfer Jehova, zu, wen auch immer er zulassen, oder wen auch immer er berechtigen mag, eine ihm untergeordnete Herrschaft auszuüben. Infolge der Untreue Adams gegen den König aller Könige und der daraus entstandenen Unvollkommenheiten und Gebrechen wurde er bald schwach und hilflos; seine Herrschermacht, die darin bestand, dass er anfänglich mit der Kraft seines Willens der unter ihm stehenden Tierwelt gebot und sie in Untertänigkeit erhielt, fing er an, einzubüßen. Auch die Herrschaft über sich selbst verlor er, so dass, wenn er das Gute tun wollte, seine Schwachheit dazwischentrat und das Böse ihm anhing, so dass er selbst das Gute, das er wollte, nicht tat, sondern das Böse, das er nicht wollte.

Wenn wir daher auch keinen Versuch machen, unser rebellisches Geschlecht zu entschuldigen, so können wir doch mit seinen vergeblichen Bemühungen, sich selbst zu regieren und Anordnungen für die Verbesserung seiner Lage zu treffen, rechtes Mitgefühl empfinden. Und etwas kann doch auch zugunsten des Erfolges, den die Welt in dieser Richtung gehabt hat, gesagt werden. Denn wenn wir auch das wahre Wesen dieser tierischen Obrigkeiten erkennen, so waren sie doch, obwohl verderbt, bei weitem besser als keine - viel besser als Gesetzlosigkeit und Anarchie. Dem "Fürsten dieser Welt wäre freilich Anarchie ganz willkommen gewesen, aber bei seinen Untertanen war es nicht der Fall; und unbeschränkt ist seine Macht nicht. Sie beschränkt sich auf seine Fähigkeit, durch die Menschheit zu wirken und muss sich in großem Maße den Anschauungen, Leidenschaften und Vorurteilen der Menschen anpassen. Der Mensch wollte eine Selbstregierung, unabhängig von Gott; und da Gott dem Menschen gestattete, diesen Versuch zu machen, ergriff Satan die Gelegenheit, seinen Einfluss und seine Herrschaft auszudehnen. So kam es, da sie es nicht achteten, Gott zu erkennen, sondern ihn zu vergessen wünschten (Röm. 1:28), dass sie sich dem Einfluss dieses verschlagenen und mächtigen, obwohl unsichtbaren Gegners aussetzten; und seitdem arbeiten sie gegen seine Ränke wie gegen ihre persönlichen Schwachheiten.

Da die Sache so liegt, lasst uns die Reiche dieser Welt noch einmal ins Auge fassen und sie darauf ansehen, dass sie Versuche von Seiten der gefallenen Menschheit sind, sich selbst unabhängig von Gott zu regieren. Obwohl persönliche Verderbtheit und Selbstsucht den Lauf der Gerechtigkeit gehemmt haben, so dass in den Reichen dieser Welt selten jemandem volle Gerechtigkeit widerfahren ist, so ist doch der angebliche Zweck jeder von Menschen hergestellten Regierung der gewesen, Gerechtigkeit und das Wohlsein aller zu fördern.

Inwieweit dieses Ziel erreicht worden ist, ist eine andere Frage, aber dies ist das Streben jeder Regierung gewesen, und der Zweck, zu dem sich die regierten Völker denselben unterstellt und sie unterstützt haben. Und wo der Endzweck der Gerechtigkeit grob verletzt wurde, waren die Massen in Bezug darauf entweder verblendet und betrogen oder Kriege, Aufruhr und Revolution waren die Folge.

Die schwarzen Taten nichtswürdiger Tyrannen, die in der Herrschaft über die Welt zu Machtstellungen gelangten, waren kein Auswuchs der Gesetze und Einrichtungen dieser Regierungen, sondern jene Tyrannen waren es, die diesen Regierungen ihr tierisches Wesen aufprägten, indem sie die angemaßte Gewalt zu ihren niedrigen und selbstsüchtigen Zwecken missbrauchten. Jede Regierung hat überwiegend weise, gerechte und gute Gesetze gehabt - Gesetze zum Schutz von Leben und Eigentum, zum Schutze von Handel und Wandel, zur Bestrafung der Verbrecher usw. Sie haben auch höhere Gerichtshöfe für streitige Angelegenheiten gehabt, wo, bis zu einem gewissen Grade wenigstens Gerechtigkeit gehandhabt worden ist. Und wie unvollkommen auch die dabei Angestellten sein mögen, der Nutzen und die Notwendigkeit solcher Einrichtungen ist augenscheinlich. So armselig wie diese Regierungen auch gewesen sind, ohne sie würden die niedrigeren Elemente der Gesellschaft durch die Gewalt der Massen die besseren Elemente längst überwunden haben.

Während wir daher einerseits den tierischen Charakter dieser Regierungen erkennen, der durch die Machtvollkommenheit einer Mehrzahl ungerechter Herrscher durch Satans Ränke und Betrügereien, indem er die Schwächen und verdorbenen Neigungen und Meinungen der Menschen sich zunutze macht, bedingt ist, so erkennen wir in ihnen doch andererseits die bestmöglichen Versuche der armen gefallenen Menschheit, sich selbst zu regieren. Jahrhundert auf Jahrhundert hat Gott ihnen gestattet, es zu probieren und den Erfolg zu sehen. Aber nach jahrhundertlangem Versuchen ist das Ergebnis heute noch eben so weit davon entfernt, zufriedenstellend zu sein, als es zu irgendeiner Zeit der Weltgeschichte gewesen ist. In der Tat, die Unzufriedenheit ist allgemeiner und verbreiteter als je zuvor; nicht deshalb, weil es jetzt mehr Unterdrückung und Ungerechtigkeit gäbe als früher, sondern weil unter Gottes Vorsehung durch die Zunahme der Erkenntnis der Menschen Augen aufgetan werden.

Die verschiedenen Obrigkeiten, die von Zeit zu Zeit eingesetzt wurden, haben das Durchschnittsvermögen des von ihnen vertretenen Volkes, sich selbst zu regieren, dargestellt. Selbst wo willkürliche Regierungen bestanden, bewies die Tatsache, dass sie von den Massen geduldet wurden, dass das Volk keine bessere Obrigkeit einzusetzen und zu erhalten fähig war, wenn auch viele einzelne Persönlichkeiten zweifellos dem allgemeinen Standpunkte weit voraus waren.

Wenn wir den heutigen Zustand der Welt mit dem zu irgendeiner früheren Zeit vergleichen, so finden wir in den Anschauungen der Massen einen bedeutenden Unterschied. Der Geist der Unabhängigkeit ist jetzt im Schwung, und die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht die Augen verbinden und betrügen und von Machthabern und Politikern in die Irre führen und werden sich daher dem Joche früherer Tage nicht mehr unterwerfen. Dieser Umschwung der öffentlichen Meinung ist nicht etwa von da an, wo die Menschen den ersten Versuch einer Selbstregierung machten, ein allmählich vor sich gehender gewesen, sondern ist höchstens vom sechzehnten Jahrhundert an deutlicher erkennbar; und am stürmischsten ist derselbe innerhalb der letzten fünfzig Jahre gewesen. Dieser Umschwung ist daher nicht aus den Erfahrungen vergangener Zeitalter hervorgegangen, sondern ist das naturgemäße Resultat der neuesten Zunahme und allgemeinen Verbreitung von Erkenntnis unter den Massen der Menschheit.

Diese allgemeine Verbreitung von Wissen bereitete sich mit der Erfindung der Buchdruckerkunst im Jahre 1440 und der daraus folgenden Vervielfältigung von Büchern und Zeitschriften vor. Der Einfluss, den diese Erfindung in der öffentlichen Aufklärung haben sollte, fing um das sechzehnte Jahrhundert an, sich fühlbar zu machen, und die seitdem gemachten Fortschritte sind jedermann bekannt. Die allgemeine Schulbildung der Massen wurde populär, und seitdem sind Erfindungen und Entdeckungen alltägliche Ereignisse geworden. Dieses Wachstum an Erkenntnis, das nach Gottes Anordnung unter der Menschheit vor sich geht und zu seiner eigenen fest bestimmten Zeit eintrat, ist einer jener mächtigen Einflüsse, die jetzt am Werke sind, Satan zu binden, an diesem "Tage seiner (Gottes) Rüstung", "Vorbereitung", Satans Einfluss zu untergraben und seine Macht zu beschränken, um das Königreich Gottes auf Erden aufzurichten.

Das nach allen Seiten hin zunehmende Wissen erweckt unter den Menschen ein Gefühl der Selbstachtung, und diese treibt zum Erfassen ihrer naturgemäßen und unveräußerlichen Rechte, die zu übersehen oder mit Füßen zu treten sie sich nicht länger gefallen lassen werden, vielmehr werden sie zu der entgegengesetzten Übertreibung schreiten. Blicke zurück auf die Jahrhunderte und sieh, wie die Völker die Geschichte ihrer Unzufriedenheit mit Blut geschrieben haben; und der Prophet erklärt, dass vermöge der Zunahme an Erkenntnis sich schließlich eine noch allgemeinere und weit verbreitete Unzufriedenheit in einer weltumfassenden Revolution, im Umstürzen jeglichen Gesetzes und aller Ordnung Luft machen wird, und dass Anarchie und Schrecken über alle Klassen daraus entstehen werden, dass aber der Gott vom Himmel inmitten dieser Verwirrung sein Königreich aufrichten wird, welches das Verlangen aller Völker stillen wird. Ermüdet und verzagt über das Fehlschlagen ihrer Versuche und erkennend, dass auch ihr letzter Versuch in Anarchie ausging, werden die Menschen die himmlische Autorität freudig willkommen heißen, vor ihr sich beugen und ihre starke und gerechte Regierung anerkennen. So wird des Menschen Verlegenheit Gottes Gelegenheit, und "das Ersehnte aller Nationen wird kommen" - das Königreich Gottes in großer Macht und Herrlichkeit. - Hag. 2:8

Da Jesus und die Apostel wussten, dass dies der Vorsatz Gottes ist, so haben sie sich den irdischen Machthabern in keiner Weise entgegengestellt. Vielmehr lehrten sie die Kirche, sich diesen Gewalten zu unterwerfen, obgleich sie unter dem Missbrauch der Gewalt oft zu leiden hatten. Sie lehrten, die Kirche solle den Gesetzen gehorchen und die um ihres Amtes willen ehren, die dasselbe innehatten, selbst wenn sie persönlich keiner Achtung wert wären; sie sollten ihre bestimmten Abgaben zahlen und, außer wo sie mit Gottes Gesetzen im Widerspruch stünden (Apg. 4:19; 5:29), den bestehenden Gesetzen keinen Widerstand leisten (Röm. 13:1-7; Matth. 22:21). Jesus, die Apostel und die erste Kirche waren dem Gesetze untertan, obwohl sie von den Regierungen dieser Welt sich fernhielten und keinen Teil daran nahmen.

Obgleich die bestehenden Gewalten, die Obrigkeiten dieser Welt "von Gott verordnet" oder vorgesehen waren, damit die Menschheit unter ihnen die nötige Erfahrung mache, so soll die Kirche, die Herauswahl, die im kommenden Königreich Gottes eine Stelle erstrebt, weder Ehrenstellen noch Vorteile in den Reichen dieser Welt begehren, noch den Regierungen widerstehen. Sie sind Mitbürger und Erben des himmlischen Reiches (Eph. 2:19), und als solche beanspruchen sie unter den Reichen dieser Welt nur solche Rechte und Freiheiten, wie sie Fremdlingen zugestanden werden. Ihre Aufgabe ist nicht, der Welt beizustehen, ihre jetzige Lage zu verbessern, noch auch mit ihren jetzigen Angelegenheiten irgend etwas zu tun zu haben. Das zu versuchen hieße nur Kraft verschwenden, denn der Welt Lauf und Ziel ist klar und deutlich in der Schrift vorgezeichnet und steht ganz und gar unter der Leitung dessen, der uns zu seiner Zeit das Reich bringen wird. Der Einfluss der wahren Kirche ist gering und ist es immer gewesen; so gering, dass er auf politischem Gebiete wie nichts zu achten ist: aber wie wichtig er uns auch immer erscheinen möchte, so sollten wir doch dem Beispiele und der Lehre unseres Herrn und der Apostel folgen. Da die Kirche weiß, dass Gottes Plan der ist, die Welt ihre eigene Kraft, sich zu regieren, erproben zu lassen, darum sollte sie, wenn auch in der Welt, doch nicht von der Welt sein. Nur durch ihr Getrenntsein von der Welt, und indem sie so ihr Licht leuchten lassen, mögen die Heiligen einen Einfluss auf die Welt ausüben; und so, durch ihren Lebenswandel, straft der Geist der Wahrheit die Welt. Als solche, die Frieden und Ordnung lieben und darum jedes rechtmäßige Gesetz beobachten und willkommen heißen und Gesetzlosigkeit und Sünde rügen und tadeln, als solche ferner, die auf das verheißene Königreich Gottes und die unter ihm zu erwartenden Segnungen hinweisen, nicht nach der gebräuchlichen Methode sich in die Politik mischen und nicht mit der Welt nach Macht streben, wodurch sie in Kriege, Sünden und allgemeines Verderben hineingezogen werden, sollte die voraussichtliche Braut des Fürsten des Friedens sich in herrlicher Keuschheit als eine Macht zum Guten erweisen und so ihres Herrn Vertreterin in der Welt sein.

Die Kirche Gottes sollte ihre ganze Aufmerksamkeit und ganze Kraft der Predigt vom Königreich Gottes und nach dem in der Schrift niedergelegten Plan der Förderung der Interessen dieses Königreiches widmen. Wenn das treulich getan wird, so wird weder Zeit noch Neigung vorhanden sein, sich in die Staatsangelegenheiten der gegenwärtigen Regierungen zu mischen. Jesus hatte keine Zeit dazu; die Apostel hatten keine Zeit dazu, noch hat irgendeiner der Heiligen, die ihrem Beispiele folgen, Zeit dazu.

Gerade dieser Versuchung erlag die erste Kirche kurz nach dem Tode der Apostel. Die Predigt vom kommenden Königreiche Gottes, welches an die Stelle aller irdischen Reiche treten soll, und vom gekreuzigten Christus als dem Erben dieses Königreiches, war unpopulär und trug Verfolgung, Geringschätzung und Verachtung ein. Da kam etlichen der Gedanke, den Plan Gottes verbessern zu können und der Kirche statt des Leidens eine Stellung der Begünstigung vor der Welt zu erobern. Durch Verschmelzung mit der weltlichen Macht gelang es, und daraus entwickelte sich das Papsttum, das, als seine Zeit gekommen war, die Herrin und Königin der Nationen wurde. - Offb. 17:3-5; 18:7

Durch diese Staatskunst wurde alles anders; statt Leiden kam Ehre, statt Demut kam Hochmut, statt Wahrheit kam Irrtum; und statt verfolgt zu werden, wurde sie die Verfolgerin aller derer, die ihre neuen und unrechtmäßig erworbenen Ehren verurteilten. Bald begann sie durch neue Theorien und Verfälschungen der Schrift ein eigenes Lehrgebäude zu erfinden, um ihre Handlungsweise zu rechtfertigen, zuerst sich selbst, dann die Völker betrügend, dass sie zu glauben anfingen, das verheißene tausendjährige Reich Christi sei gekommen, und Christus, der König, werde durch ihre Päpste, die als seine Statthalter über die Könige der Erde herrschten, vertreten. Ihre Vermessenheit hatte den Erfolg, die ganze Welt irrezuführen. Sie machte mit ihren Irrlehren "alle Völker trunken" (Offb. 17:2), indem sie durch ihre Lehre, dass eine ewige Qual alle diejenigen erwarte, die sich ihren Behauptungen widersetzten, die Leute in Furcht jagte. Bald wurden Europas Könige durch ihre Edikte und mit ihrer vermeintlichen Vollmacht gekrönt oder entthront.

So kommt es, dass die Reiche Europas bis heute "christliche Reiche" zu sein beanspruchen und verkünden, dass ihre Herrscher "von Gottes Gnaden", d.i. auf Grund der Bestimmung und Amts­übertragung, sei es vom Papsttum oder einer der protestantischen Sekten, regieren. Denn wenn die Reformatoren auch viele der päpstlichen Ansprüche auf kirchliche Hoheitsrechte usw. abstreiften, so hielten sie doch an der Ehre fest, welche die Könige der Erde mit dem Christentum verknüpft hatten. Und so verfielen die Reformatoren in denselben Irrtum und übten die Macht von Monarchen aus, indem sie Regierungen und Könige einsetzten und sanktionierten und dieselben so als "christliche Reiche" oder Reiche Christi erklärten. Und so hören wir heutzutage so oft das rätselhafte Wort "die christliche Welt". Ein Rätselwort in der Tat, wenn man es im Lichte der wahren Grundlehren des Evangeliums ansieht, Jesus sagte von seinen Jüngern: "Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin." Und Paulus ermahnt sie und spricht: "Seid nicht gleichförmig dieser Welt." - Joh. 17:16; Röm. 12:2

Gott hat es nie gutgeheißen, dass man diese Reiche nach dem Namen "Christi" nannte. Irregeleitet durch die Namenkirche, segeln diese Nationen unter falscher Flagge und geben vor, das zu sein, was sie nicht sind. Ihr einziges Besitzrecht, abgesehen vom Volkswillen, besteht in Gottes begrenzter Bewilligung, wie er es Nebukadnezar kundgetan, bis der kommt, dem die Herrschaft gebührt.

Die Behauptung, dass diese unvollkommenen Reiche mit ihren unvollkommenen Gesetzen und nur zu oft selbstsüchtigen und lasterhaften Herrschern die "Reiche unseres Herrn und seines Christus" seien, ist eine arge Schmähung des wahren Reiches Christi, vor dem sie nun bald fallen müssen, sowie seines "Friede-Fürsten" und seiner "Fürsten, die das Recht handhaben". (Jes. 32:1)

Ein anderer schwerer Schaden, der aus diesem Irrtum erwuchs, ist der, dass die Aufmerksamkeit der Kinder Gottes von dem verheißenen himmlischen Reich abgelenkt wird und dass sie zu einer unziemlichen Anerkennung irdischer Reiche, zu ungebührlicher Vertrautheit mit denselben und zu dem fast ganz fruchtlosen Versuche, in diese wilden weltlichen Stämme die Sitten und Tugenden des Christentums einzupfropfen, verleitet wurden, zum Schaden des Evangeliums, der frohen Botschaft vom wahren Königreiche und der darin gipfelnden Hoffnungen. Unter dieser Täuschung sind in jetziger Zeit manche gar besorgt darum, dass der Name Gottes in die Verfassung der Vereinigten Staaten einverleibt werden sollte, dass diese damit eine christliche Nation werden könnten. Die "reformierten" Presbyterianer haben sich jahrelang geweigert, unter dieser Regierung zu wählen oder ein Amt zu bekleiden, weil sie nicht Christi Reich sei. Hiermit erkennen sie an, dass einem Christen nicht zukommt, sich an irgendeiner anderen Regierung zu beteiligen. Wir sind mit dieser Anschauung in voller Übereinstimmung, aber nicht mit der Schlussfolgerung, dass diese Regierung, sobald nur der Name Gottes in der Verfassung erwähnt wäre, aus einem Reiche dieser Welt ein Reich Christi würde, und sie dadurch die Freiheit erlangten, unter ihr wählen und Ämter verwalten zu können. Oh, wie töricht! Wie groß ist die Täuschung, damit "trunken (gemacht) worden sind" alle Heiden (Nationen) durch die "Mutter der Huren" (Offb. 17:2, 5), denn auf ähnliche Weise wurde behauptet, dass die Reiche Europas vom Satan auf Christum übergingen und "christliche Nationen" geworden wären.

Lasst uns erkennen, dass die besten wie die schlimmsten Völker der Erde "Reiche dieser Welt" sind, deren von Gott gegebene Machtfrist nun bald abgelaufen ist, so dass sie ihrem verordneten Nachfolger, dem Reiche des Messias, dem fünften Universal-Königreich auf Erden (Dan. 2:44; 7:14, 17, 27) Platz machen müssen; das würde viel dazu beitragen, der Wahrheit Eingang zu verschaffen und den Irrtum zu stürzen.

Aber so wie es jetzt ist, besteht das, was das Papsttum in dieser Beziehung eingeführt hat und auch von den protestantischen Reformatoren gutgeheißen wurde, unter christlichen Leuten noch widerspruchslos fort. Und da sie das Königreich Christi unterstützen sollten, fühlen sie sich gebunden, für die gegenwärtigen im Fall begriffenen Reiche, Christentum genannt, deren Zeit jetzt abläuft, in die Schranken zu treten und so werden sie durch ihre Stellung zur Sache gar oft auf die Seite der Gewalt und Unterdrückung, anstatt auf die Seite des Rechtes und der Freiheit, auf die Seite der Reiche dieser Welt, anstatt auf die Seite des wahren Reiches Christi gezogen, vor dem diese alle fallen müssen (Offb. 17:14; 19:11-19).

Die Welt erkennt mehr und mehr, dass die "Reiche dieser Welt" Christo nicht ähnlich sind und dass ihr Anspruch, von Christo bevollmächtigt zu sein, mehr wie fraglich sei. In Bezug auf diese und ähnliche Fragen fangen die Leute an, ihren Verstand zu gebrauchen; und um so energischer werden sie nach ihrer Überzeugung handeln, wenn sie zu der Einsicht kommen, dass an ihnen im Namen des Friedefürsten und des gerechten Gottes eine Täuschung verübt worden ist. In der Tat, bei gar vielen findet sich eine Hinneigung zu dem Schluss, dass das Christentum selbst eine Überlieferung ohne Fundament sei und dass im Bunde mit weltlichen Herrschern sein Zweck nur der sei, die Freiheiten der Massen in Schranken zu halten.

Oh, dass die Menschen weise wären und willig, das Werk und den Plan des Herrn zu verstehen! Dann würden die gegenwärtigen Reiche nach und nach zerschmelzen, Reform würde rasch auf Reform und Freiheit auf Freiheit folgen, und Wahrheit und Recht würden herrschen, bis Gerechtigkeit auf Erden hergestellt wäre. Aber das werden sie nicht tun, noch können sie es in ihrem gegenwärtigen gefallenen Zustand; und so wird, von Selbstsucht getrieben, jeder nach der Oberhand streben, und die Reiche dieser Welt werden vergehen in einer so großen Drangsalszeit, als nicht gewesen ist, seit es Menschen gegeben hat. Von denen, die vergeblich versuchen werden, an einer Herrschaft festzuhalten, welche vergangen ist, wenn die Herrschaft dem gegeben ist, dem sie gebührt, spricht der Herr, dass sie gegen ihn kämpfen, ein Kampf, in dem sie sicher unterliegen müssen, wenn er sagt:

"Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf die Könige der Erde, und die Fürsten ratschlagen miteinander wider Jehova und wider seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile. Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer. Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn, und in seiner Zornglut wird er sie schrecken (sagend): Habe doch ich meinen König gesalbt auf Zion, meinem heiligen Berge! ... Und nun, ihr Könige, seid verständig, lasset euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! Dienet Jehova mit Furcht, und freuet euch mit Zittern! Küsset (befreundet euch) den Sohn (Gottes Gesalbten), dass er nicht zürne, und ihr umkommet auf dem Wege, wenn nur ein wenig entbrennt sein Zorn. Glückselig alle, die auf ihn trauen!" - Psalm 2: 1-6, 10-12

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Studie 14

Das Königreich Gottes

Hervorragende Bedeutung des Gegenstandes. - Das Wesen des Reiches. - Das Königreich während des Evangeliums-Zeitalters - Falsche Ansichten von Paulus berichtigt. - Folgen falscher Vorstellungen über das Königreich Gottes. - Zwei Teile desselben. - Die geistige Stufe und ihre Aufgabe. - Die irdische Stufe und ihre Aufgabe. - Ihr einträchtiges Zusammenwirken. - Die Herrlichkeit der irdischen Stufe. - Die Herrlichkeit der himmlischen Stufe. - Die Bundeswurzel, aus der diese Zweige sprossen. - Die irdische Stufe israelitisch. - Die verlorenen Stämme. - Das himmlische Jerusalem. - Israel ein vorbildliches Volk. - Israels Verlust und Wiederherstellung. - Die auserwählten Klassen. - Die Erben des Königreiches. - Das eiserne Regiment. - Zweck der Tausendjahrreich-Herrschaft erklärt. - Die Überantwortung des Königreiches an den Vater. - Gottes ursprüngliche Absicht vollständig verwirklicht.

Wer diesen Gegenstand noch nicht, mit einer Konkordanz und Bibel zur Hand, genauer untersucht hat, würde, wenn er es täte, von der hervorragenden Bedeutung desselben überrascht sein. Das Alte Testament ist voll von Verheißungen und Prophezeiungen, in denen das Königreich Gottes und sein König, der Messias, das Zentrum bilden. Es war die Hoffnung jedes Israeliten (Luk. 3:15), dass Gott ihr Volk als Gesamtheit unter dem Messias erhöhen würde; und als Jesus zu ihnen kam, kam er als ihr König, um das lang verheißene Königreich auf Erden aufzurichten.

Der Vorläufer und Verkünder Jesu, Johannes der Täufer, eröffnete seine Sendung mit der Verkündigung: "Tut Buße (ändert euren Sinn), denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen." (Matth. 3:2) Jesus begann seine Amtsverwaltung mit genau demselben Ausspruch (Matth. 4:17), und die Apostel wurden ausgesandt, um die gleiche Botschaft zu verkündigen (Matth. 10:7; Luk. 9:2). Das Königreich Gottes war nicht nur die Lehre, mit der Jesus seine öffentliche Wirksamkeit begann, sondern es war der Hauptinhalt aller seiner Predigten (Luk. 8:1; 4:43; 19:11); andere Dinge wurden nur in Verbindung damit, oder zur Erklärung dieses einen Gegenstandes erwähnt. Seine Gleichnisse waren zum großen Teile Erläuterungen des Königreiches Gottes von verschiedenen Gesichtspunkten aus und in verschiedenen Beziehungen, oder sie sollten dazu dienen, völlige Weihung für Gott als wesentlich zur Teilnahme an dem Königreiche anzuzeigen, und sollten dem jüdischen Missverständnis entgegentreten, dass die Juden schon des Königreiches gewiss seien, weil sie natürliche Kinder Abrahams und daher Erben der Verheißungen sind.

Unser Herr bestärkte und ermutigte in seinen Gesprächen mit seinen Nachfolgern ihre Erwartungen eines zukünftigen Königreiches. Er sagt zu ihnen: "Ich verordne euch, gleichwie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, auf dass ihr esset und trinket an meinem Tische in meinem Reiche und auf Thronen sitzet, richtend die zwölf Stämme Israels." (Luk. 22:29, 30) Und wiederum: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben." (Luk. 12:32) Und als der König, anstatt gekrönt und auf den Thron gesetzt zu werden, gekreuzigt wurde, da waren die Jünger tief bekümmert und enttäuscht. Wie zwei derselben nach seiner Auferstehung auf dem Wege nach Emmaus dem Fremdling gegenüber es ausdrückten, so hatten sie "gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen", sie von dem römischen Joche befreien und aus Israel das Königreich Gottes in Macht und Herrlichkeit machen sollte. Aber durch die Ereignisse der letzten Tage seien sie aufs traurigste enttäuscht worden. Da öffnete ihnen Jesus das Verständnis, indem er ihnen aus der Schrift bewies, dass sein Opfer vor allem nötig war, ehe das Königreich aufgerichtet werden könnte. - Luk 24:21, 25-27

Gott hätte die Herrschaft der Erde Jesu geben können, ohne die Menschheit zu erlösen; denn "der Höchste hat Gewalt über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will (Dan. 4:32). Aber Gott hat ein großartigeres Ziel im Auge, als durch solch einen Plan erreicht worden wäre. Solch ein Reich hätte, wenn auch noch so große, doch nur zeitliche Segnungen gebracht, da die ganze Menschheit unter dem Todesurteile stand. Um die Segensgüter seines Königreiches ewig dauernd und vollständig zu machen, musste unser Geschlecht zuerst vom Tode losgekauft und von dem Fluche erlöst werden.

Dass Jesus durch die Erklärung der Prophezeiungen die Hoffnung der Jünger auf ein zukünftiges Königreich neu belebte, erhellt sich aus der Tatsache, dass sie später, als er im Begriff war, sie zu verlassen, ihn fragten: "Herr, stellst du in dieser Zeit dem Israel das Königreich wieder her? Seine Antwort, wenn auch keine bestimmte, widersprach ihren Erwartungen nicht. Er sagte: "Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Gewalt festgesetzt hat." - Apg. 1:6, 7

Es ist wahr, im Anfang hatten die Jünger, wie auch die ganze jüdische Nation, nur unvollkommene Begriffe von dem Königreiche Gottes, da sie annahmen, dass es ausschließlich ein irdisches Königreich sei, gerade wie heutzutage viele in der entgegengesetzten Richtung irren, indem sie meinen, dass es ausschließlich ein himmlisches Reich sei. Und viele Gleichnisse und dunkle Aussprüche Jesu wurden in der Absicht gegeben, dass sie zu seiner Zeit diese falschen Auffassungen berichtigen sollten. Aber allezeit hielt er den Gedanken an ein auf Erden zu errichtendes und über Menschen herrschendes Reich aufrecht, und nicht nur weckte er in ihnen die Hoffnung auf eine Teilnahme an diesem Königreiche, sondern er lehrte sie auch für seine Aufrichtung beten: "Dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden."

Den weltlich Weisen unter den Juden erschien Jesus als ein Betrüger und Schwärmer, und seine Jünger hielten sie für Narren. Die Weisheit Jesu und seine Wunder, seine erbarmende Liebe konnten sie nicht gut leugnen, noch auch zufriedenstellend erklären; doch schien ihnen von ihrem ungläubigen Standpunkte aus seine Behauptung, dass er der Erbe und Errichter des verheißenen, die Welt beherrschenden Königreiches sei und dass seine aus geringeren Lebensverhältnissen stammenden Nachfolger seine Mitherrscher sein sollten, zu abgeschmackt, um überhaupt der Erwägung wert gehalten zu werden. Rom mit seinen geschulten Kriegern, fähigen Generälen und ungeheueren Schätzen war der Herr der Welt, und täglich wuchs seine Macht. Wer aber war dieser Nazarener? und wer diese Fischer ohne Geld oder Einfluss und mit einem so unbedeutenden Anhang unter dem gewöhnlichen Volke? Wer waren sie, dass sie von der Aufrichtung des lang verheißenen Königreiches hätten reden dürfen, eines Reiches, das als das größte und mächtigste, das je auf Erden gewesen, verheißen war?

In der Hoffnung, die vermeintliche Schwäche der Behauptungen Jesu an den Pranger stellen zu können, und ihm so seine Nachfolger abwendig zu machen, fragten ihn die Pharisäer: Wann wird dieses Königreich, von dem du predigst, zu erscheinen anfangen? Wann kommen deine Soldaten an? Wann wird dieses Königreich Gottes erscheinen? (Luk. 17:20-30) Die Antwort unseres Herrn hätte ihren Gedanken eine neue Richtung geben können, wären sie nicht so voreingenommen und von ihrer eigenen eingebildeten Weisheit so verblendet gewesen. Er antwortete ihnen, dass sein Königreich nie in der von ihnen erwarteten Weise erscheinen würde. Das Königreich, das er verkündete und in das er seine Nachfolger zur Mitteilhaberschaft einlud, sei ein unsichtbares Reich, und sie sollten nicht erwarten, es zu sehen. "Er antwortete ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht, dass man es beobachten könnte; noch wird man sagen: Siehe hier! oder siehe dort! denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch." (Es ließe sich gewiss mit keiner Lehre vereinigen, wenn man darauf bestehen wollte, dass das Reich Gottes, welches Christus predigte und aufzurichten im Begriffe war, in den Herzen der Pharisäer gewesen sei, die Jesus selbst Heuchler und übertünchte Gräber, inwendig voller Totengebeine und voller Unflat, nannte. Wenn aber dieses Königreich aufgerichtet ist, dann wird es "mitten unter" allen sein und alle beherrschen und richten.) Kurz gesagt, er zeigte, dass, wenn sein Königreich kommen würde, es dann überall mächtig und doch nirgends sichtbar sein würde. So gab er ihnen eine Idee von dem geistigen Reiche, das er predigte; sie aber waren nicht bereit und nahmen es nicht an. In der jüdischen Erwartung des verheißenen Reiches war ein Teil Wahrheit enthalten, welche, wie wir zeigen werden, zu seiner Zeit verwirklicht werden wird; aber das, worauf der Herr hier Bezug nimmt, ist jene geistige Stufe des Reiches, die unsichtbar sein wird. Und da diese Stufe des Reiches zuerst aufgerichtet wird, so wird es unsichtbar vorhanden sein und selbst eine Zeitlang unbemerkt bleiben. Das Vorrecht, in dieser geistigen Stufe des Reiches Gottes ein Erbteil zu haben, war das einzige Anerbieten, das damals gemacht wurde, und ist die einzige Hoffnung unserer hohen Berufung während des ganzen Evangeliums-Zeitalters, das damals begann, gewesen. Folglich bezog sich Jesus ausschließlich auf dieses (Luk. 16:16). Das wird beim Weiterforschen klarer werden.

Wahrscheinlich wegen dieser mit Jesu in Widerspruch stehenden, besonders unter den Pharisäern vertretenen, öffentlichen Meinung geschah es, dass Nikodemus bei Nacht zu Jesu kam. Er war begierig, das Geheimnis zu lösen, schämte sich jedoch, es öffentlich zu bekennen, dass Jesu Behauptungen bei ihm irgendwelches Gewicht hätten. Die Unterredung zwischen Jesu und Nikodemus (Joh. Kap. 3), obwohl zweifellos nur teilweise aufgezeichnet, gibt einen weiteren Einblick in das Wesen des Königreiches Gottes. Die Hauptpunkte der Unterredung sind offenbar erwähnt, so dass wir uns damit leicht den ganzen Gang derselben vorstellen können. Wir dürfen uns wohl für berechtigt halten, dieselbe folgendermaßen zu umschreiben:

- Nikodemus: Meister, wir wissen, dass du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen (Wunder) tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jedoch, einige deiner Aussagen scheinen mir sehr ungereimt, und ich bin gekommen, um Aufklärung zu bitten. Zum Beispiel, du und deine Jünger, ihr geht umher und predigt: "Das Himmelreich ist nahe", aber ihr habt weder ein Heer noch Reichtum noch Einfluss, und allem Anscheine nach ist diese Behauptung falsch; und in dieser Hinsicht scheinst du das Volk zu täuschen. Die Pharisäer halten dich fast alle für einen Betrüger, ich aber bin sicher, dass in deiner Lehre Wahrheit sein muss, "denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm". Der Zweck meines Besuches ist, zu fragen, welcher Art, für welche Zeit und von woher das Reich ist, das ihr verkündet? Und wann und wie soll es aufgerichtet werden?

- Jesus: Deine Bitte, dir ein volles Verständnis über das Himmelreich zu geben, kann jetzt noch nicht zu deiner Zufriedenheit erfüllt werden; nicht, weil ich nicht genau Bescheid wüsste, sondern weil du es in deinem gegenwärtigen Zustande nicht verstehen oder würdigen könntest, wenn ich es dir auch erklärte: "Es sei denn, dass jemand von oben (griech.: gennao) gezeugt werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen (griech.: eidon), wissen, oder damit bekannt sein."

(Erste Anmerkung: Das griechische Wort gennao (und die davon abgeleiteten Worte), zuweilen durch gezeugt und zuweilen durch geboren übersetzt, enthält eigentlich beide Gedanken und sollte je nach dem Sinn der Stelle, in der es vorkommt, durch das eine oder andere dieser beiden deutschen Wörter übersetzt werden. Die beiden Gedanken Zeugung und Geburt sind immer in dem Worte, so dass, wenn das eine angegeben ist, das andere immer mit gemeint ist, da ja die Geburt die natürliche Folge der Zeugung ist und die Zeugung (der Natur nach) der Geburt vorhergeht. Wenn die handelnde Person, mit welcher gennao verknüpft ist, männlichen Geschlechtes ist, sollte es mit gezeugt, wenn weiblichen, mit geboren übersetzt werden. So sollte in 1. Joh. 2:29; 3:9; 4:7; 5:1, 18, gennao mit gezeugt übersetzt werden, weil Gott (männlich) die handelnde Person ist. Manchmal jedoch hängt die Übersetzung von der Natur der Handlung ab, einerlei ob männlich oder weiblich. So, wenn es in Verbindung mit ek gebraucht wird, was von oder aus bedeutet, sollte es geboren übersetzt werden. So sollte gennao in Joh. 3:5, 6 mit geboren übersetzt werden, wie durch das Wort ek angezeigt wird - "aus Wasser", "aus dem Fleisch", "aus dem Geist".)

(Zweite Anmerkung: Das griechische Wort "eidon" wird in Apg. 15:6 mit besehen oder erkennen übersetzt. Nach der Elberf. Übers. lautet die Stelle: "Die Apostel aber und die Ältesten versammelten sich, um diese Angelegenheit zu besehen", zu verstehen, erkennen. Dasselbe Wort ist in Röm. 11:22 mit schaue übersetzt. "Darum schaue (betrachte, verstehe, erkenne) die Güte und den Ernst Gottes." Ebenso in 1. Joh. 3:1: "Sehet (betrachtet, wisset, verstehet) welch eine Liebe hat der Vater erzeigt.")

Selbst meine Jünger haben bis jetzt sehr unbestimmte Vorstellungen über das Wesen des Königreiches, das sie verkünden. Aus demselben Grunde, aus dem ich es dir nicht sagen kann, kann ich es ihnen nicht sagen; und aus demselben Grunde können sie es nicht verstehen. Denn, Nikodemus, eine Eigentümlichkeit der Handlungsweise Gottes ist, dass er dem bereits empfangenen Lichte gegenüber Gehorsam fordert, ehe mehr Licht dargereicht wird; und bei der Auswahl derer, die würdig erachtet werden sollen, am Königreiche teilzuhaben, wird gefordert, dass sie ihren Glauben bekennen und ihn durch ihr Handeln bekunden. Sie müssen willens sein, Schritt für Schritt der Leitung Gottes zu folgen, wenn sie auch oft nur einen Schritt weit vor sich deutlich erkennen. Sie wandeln im Glauben und nicht im Schauen.

Nikodemus: Aber ich verstehe dich nicht. Was meinst du? "Wie kann ein Mensch gezeugt werden, wenn er alt ist? kann er etwa wiederum in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?" Oder meinst du, dass die Buße, welche Johannes der Täufer predigte und durch Wassertaufe bekundete, irgendwie eine symbolische Geburt ist? Ich bemerke, dass deine Jünger in ähnlicher Weise predigen und taufen. Ist das die neue Geburt, die für diejenigen nötig ist, welche in dein Königreich eingehen wollen?

- Jesus: Unser Volk ist ein geweihtes Volk, ein Bundesvolk. Sie wurden alle in Mose getauft, in dem Meer und der Wolke, als sie Ägypten verließen. Gott nahm sie an in Mose, dem Mittler ihres Bundes am Berge Sinai; aber sie haben ihren Bund vergessen, einige leben offenkundig als Zöllner und Sünder, und viele andere sind selbstgerechte Heuchler; darum ist Johannes Predigt und die meiner Jünger Buße - eine Rückkehr zu Gott und zu einer Anerkennung des geschlossenen Bundes; und die Taufe Johannes bekundet diese Buße und Umkehr des Herzens und nicht die neue Geburt. Aber wenn du nicht mehr hast, als das, wirst du das Königreich nie sehen. Es sei denn, dass du zu der Umkehr, die Johannes Taufe vorbildet, eine Zeugung und Geburt aus dem Geiste empfängst, so kannst du mein Königreich nicht sehen. Buße bringt dich zurück zur Rechtfertigung; in diesem Zustande wirst du fähig sein, mich als den Messias, das Gegenbild von Mose, zu erkennen; und wenn du dich mir weihst, wirst du von dem Vater zu einem neuen Leben und zur göttlichen Natur gezeugt werden, die, wenn sie sich entwickelt und lebendig wird, dir die Geburt als neue Kreatur sichert, als ein Geistwesen, in der ersten Auferstehung; und als solches wirst du das Königreich nicht nur sehen, sondern auch teilen.

Die Veränderung, die durch diese neue Geburt aus dem Geiste bewirkt wird, ist in Wirklichkeit groß, Nikodemus; denn "was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch; was aber aus dem Geiste geboren ist, ist Geist." Wundere dich darum nicht über meine erste Aussage, dass du von oben gezeugt sein musst, ehe du die Dinge, um die du mich gefragt hast, verstehen, erkennen und begreifen kannst. Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: "Ihr müsset von neuem geboren werden." Der Unterschied zwischen deinem gegenwärtigen Zustand, geboren aus dem Fleisch und dem Zustand derjenigen, die aus dem Geist geboren werden und in das von mir verkündete Königreich eingehen oder aus denen dasselbe bestehen soll, ist ein großer. Lass mich dir eine Erklärung geben, nach welcher du dir in etwa einen Begriff von den Wesen machen kannst, aus denen, wenn sie aus dem Geiste geboren sind, das Königreich bestehen wird: - "Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist ein jeder, der aus dem Geiste geboren ist." Wie der Wind bald hier, bald da weht, kannst du nicht sehen, obwohl er überall um dich her einen Einfluss ausübt; du weißt nicht, woher er kommt, noch wohin er geht. Das ist die beste Erklärung, die ich dir über die geben kann, die bei der Auferstehung aus dem Geiste geboren werden und die in das Königreich, das ich jetzt predige, "kommen" oder dasselbe bilden werden. Sie werden alle unsichtbar sein, wie der Wind, und die Menschen, die nicht aus dem Geiste geboren sind, werden weder wissen, woher sie kommen, noch wohin sie gehen.

Nikodemus: "Wie kann dies geschehen?"

Jesus: "Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?", dass Geistwesen gegenwärtig und doch unsichtbar sein können? Hast du, der du andere zu lehren unternimmst, niemals von Elisa und seinem Diener oder von Bileams Esel gelesen und von vielen Stellen in der Schrift, welche die Möglichkeit dartun, dass Geist­wesen unter Menschen gegenwärtig sein können, doch unsichtbar? Ferner, du gehörst zu den Pharisäern, die an Engel als Geistwesen zu glauben bekennen. Aber das zeigt, was ich dir zuerst sagte: Es sei denn, dass jemand von oben gezeugt werde, so kann er das Königreich Gottes und alles, was damit zusammenhängt, nicht sehen, nicht erkennen oder damit bekannt werden.

Wenn du in das Königreich, das ich verkündige, eintreten und ein Miterbe desselben mit mir werden willst, so musst du dem Licht Schritt für Schritt folgen. Wenn du das tust, so wird mehr Licht kommen, und zwar so schnell, als du dazu vorbereitet bist. Ich habe über diese jetzt zeitgemäßen Dinge, die du verstehen kannst, gepredigt und zur Bestätigung derselben Wunder getan, und du erkennst in mir einen Lehrer, von Gott gekommen, aber du hast nicht deinem Glauben gemäß gehandelt und bist nicht öffentlich mein Jünger und Nachfolger geworden. Du kannst nicht erwarten, mehr zu sehen, ehe du nicht allem, was du gesehen hast, nachgekommen bist; dann wird Gott dir für den nächsten Schritt mehr Licht und Klarheit geben. "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmet ihr (Pharisäer) nicht an. Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?" Es würde zwecklos sein, wollte ich versuchen, dir von himmlischen Dingen zu sagen, denn du würdest doch nicht überzeugt werden, und meine Predigt würde dir nur um so törichter erscheinen. Wenn das, was ich gelehrt habe, das doch von irdischer Art war, oder durch irdische Dinge, die du verstehen kannst und verstehst, erläutert wurde, dich nicht genügend überzeugt hat, um öffentlich mein Jünger und Nachfolger zu werden, so würde es noch weniger überzeugend für dich sein, wenn ich über himmlische Dinge redete, wovon du nichts weißt; denn niemand ist in den Himmel aufgefahren, so dass also auch niemand mein Zeugnis bestätigen kann. Ich, der vom Himmel niederkam, verstehe allein himmlische Dinge. "Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen". (Die Worte "der im Himmel ist" (V. 13) sind in den ältesten und zuverlässigsten Handschriften nicht zu finden.) Eine Erkenntnis der himmlischen Dinge kann man nur nach der Zeugung aus dem Geist empfangen; und die himmlischen Dinge selbst, wenn man aus dem Geist geboren, ein Geistwesen geworden ist.

Solcher Geduld bedurfte es von Seiten unseres Herrn, um denen das Wesen des Königreiches zu erklären, deren Vorurteil und Erziehung sie hinderte, über die irdische Stufe desselben etwas anderes zu sehen als nur verwirrte Ansichten. Nichtsdestoweniger ging die Auswahl einer zur Teilnahme am Königreiche des Messias geeigneten Klasse stetig voran, wenn auch aus Israel, dem es sieben Jahre lang (von Jesu Taufe bis zur Bekehrung des Kornelius, des ersten Heiden) ausschließlich angeboten wurde, nur eine kleine Zahl ausgewählt wurde. Wie Gott vorhergesehen hatte, so geschah es. Seine nicht Bereitschaft für dasselbe und sein Verfehlen, die vorgelegten Bedingungen zu erfassen und ihnen nachzukommen, ließ das Vorrecht, am Königreiche des Messias teilzunehmen, an ihm als Volk vorbeigehen. Nur ein Rest, ein Überrest, wurde ausgewählt; und das Königreich kam zu den Heiden, "um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen". (Apg. 15:14) Und auch unter diesen weiß nur ein Rest oder eine "kleine Herde" das Vorrecht zu schätzen und wird würdig erachtet, Miterben seines Königreiches und seiner Herrlichkeit zu werden.

Ein schwerer Irrtum war es, die falsche Auslegung in die Kirche einzuführen, dass das verheißene Königreich die Kirche in ihrem gegenwärtigen Zustande und sein Werk allein ein Werk der Gnade in den Herzen der Gläubigen sei. Und so weit ist dieser Irrtum gegangen, dass die gegenwärtige unheilige Vereinigung und Mitherrschaft der Namenkirche mit der Welt von vielen für die Herrschaft des Königreiches Gottes auf Erden gehalten wird. Wahr ist wohl, dass die Kirche in einem gewissen Sinne schon jetzt das Königreich Gottes ist und dass jetzt in den Herzen der Gläubigen ein Werk der Gnade vor sich geht; aber darin alles zu sehen und zu leugnen, dass ein wirkliches zukünftiges Königreich Gottes, in dem der Wille Gottes auf Erden geschieht wie im Himmel, erst noch unter dem ganzen Himmel aufgerichtet werden soll, das heißt doch, die stärksten und deutlichsten Verheißungen, wie sie aus des Herrn Jesus, der Apostel und Propheten Munde uns zur Ermutigung und zum Beistand bei der Überwindung der Welt verzeichnet sind, bedeutungslos machen.

Die Kirche wird in den Gleichnissen unseres Herrn häufig das Königreich Gottes genannt; und der Apostel redet von ihr als einem Königreiche, über welches Christus jetzt herrscht, wenn er sagt: Gott hat uns aus dem Reiche der Finsternis in das Königreich seines lieben Sohnes versetzt. Wir, die wir Christum angenommen haben, erkennen jetzt sein von ihm erkauftes Recht zur Herrschaft an und leisten ihm dankbar und freiwillig Gehorsam, ehe er seine Herrschaft in der Welt gewaltsam herstellt. Wir erkennen den bestehenden Unterschied zwischen den gerechten Gesetzen, die er erzwingen wird und dem Reiche der Finsternis, das von dem Usurpator, dem "Fürsten" und "Gott" dieser Welt, aufrechterhalten wird. Der Glaube an Gottes Verheißungen ändert unser Untertanen-Verhältnis, und so rechnen wir uns zu den Untertanen des neuen Fürsten und durch seine Gnade zu Miterben mit ihm in jenem noch zukünftigen Königreich.

Dieser Umstand macht aber in keiner Weise die Verheißung zunichte, dass Christi Königreich schließlich herrschen wird "von Meer zu Meer und vom Strome bis an die Enden der Erde" (Ps. 72:8), und dass vor ihm "sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und (jetzt noch) unter der Erde sind" (Dan. 7:27; Phil. 2:10). Im Gegenteil, die jetzt vor sich gehende Auswahl der "kleinen Herde" bestätigt diese Verheißungen.

Wenn man die Gleichnisse unseres Herrn sorgfältig betrachtet, so wird man finden, dass sie deutlich lehren, dass das Kommen oder Aufrichten des Königreiches Gottes in Macht noch in der Zukunft liegt und natürlicherweise erst dann geschieht, wenn der König kommt. So verlegt das Gleichnis von dem "Edlen", der in ein fernes Land zog, um das Königtum zu empfangen und dann zurückzukehren usw. (Luk. 19:11-15), die Aufrichtung des Königreiches auf die Zeit der Wiederkunft Christi. Und diese Botschaft, die Jesus lange Zeit nachher an seine Kirche sandte, war diese: "Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." (Offb. 2:10) Hieraus geht hervor, dass die Könige, die mit Jesu herrschen sollen, nicht in diesem Leben gekrönt werden oder herrschen sollen.

Die Kirche der Jetztzeit ist daher nicht das in äußerlicher Macht und Herrlichkeit aufgerichtete Königreich Gottes, sondern das Königreich Gottes in seinem Anfangs- oder Embryo-Zustand. Und so lehren in der Tat alle darauf Bezug nehmenden Ausdrücke des Neuen Testamentes. Das Himmelreich leidet jetzt Gewalt von Seiten der Welt; der König wurde misshandelt und gekreuzigt; und wer in seinen Fußstapfen nachfolgen will, muss in irgendeiner Weise Verfolgung und Gewalttat leiden. Dies gilt, wie man bemerken wird, nur von der wahren Kirche und nicht von der Namenkirche. Aber die Verheißung wird uns vorgehalten, dass, wenn wir (die Kirche, das Embryo-Königreich) jetzt mit Christo leiden, dann sollen wir auch zu seiner Zeit, wenn er seine große Macht an sich nehmen und herrschen wird, mit ihm verherrlicht werden und herrschen.

Jakobus 2:5 sagt uns in Übereinstimmung mit der Lehre unseres Herrn, dass Gott die Armen und vor der Welt Verachteten erwählt habe, nicht um jetzt zu herrschen, sondern als "Erben des Reiches, welches er verheißen hat". Der Herr sagt: "Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Königreich Gottes eingehen." (Mark. 10:23) Es ist augenscheinlich, dass er damit die Namenkirche, die jetzt mit der Welt herrscht, nicht meint; denn die Wohlhabenden werden geradezu in dieselbe hinein gedrängt. Petrus ermahnt die Erben des Königreiches zur Geduld, Ausdauer, Tapferkeit und zum Glauben, wenn er sagt: "Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln. Denn also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi." - 2. Petr. 1:10, 11

Die Aussage des Apostel Paulus in Röm. 14:17 soll sich, der Ansicht mancher nach, auf ein bildliches Königreich beziehen; aber wenn man es im Lichte des Zusammenhanges prüft, so wird es klar, dass die Stelle einfach das Folgende sagt: Wir, Brüder, die jetzt in das Königreich seines lieben Sohnes versetzt sind, genießen gewisse Freiheiten in Bezug auf unsere Nahrung usw., die wir als Juden unter dem Gesetze nicht hatten (Vers 14); doch lasst uns diese Freiheit lieber nicht gebrauchen, wenn ein Bruder, der es noch nicht so sehen kann, dadurch straucheln und sein Gewissen beflecken würde. Lasst uns nicht durch unsere Freiheit, die wir in Bezug auf unsere Speisen haben, unseren Bruder verderben, für den Christus gestorben ist, sondern lasst uns denken, dass die Vorrechte und Segnungen des Königreiches, sowohl jetzt als in der Zukunft, in viel größeren Gütern bestehen als in der Freiheit in Bezug auf Speise, nämlich in der Freiheit, recht zu tun, in unserem Frieden mit Gott durch Christum und in unserer Freude, dass wir an Gottes Heiligem Geiste teilhaben. Diese Freiheiten des Königreiches (jetzt und ewig) sind so groß, dass die untergeordnete Freiheit in Bezug auf Speise für jetzt zum Wohle unseres Bruders gar wohl aufgegeben werden kann.

Von welchem Standpunkt der Heiligen Schrift aus wir es auch ansehen, dem Gedanken, dass die Königreichsverheißungen geheimnisvolle Täuschungen seien oder dass unsere gegenwärtige Lage diese Verheißungen erfülle, wird durchweg widersprochen.

Die Verheißungen vom Königreiche und von der Miterbschaft mit dem Meister waren in der ersten Kirche ein mächtiger Antrieb zur Treue und Ausdauer unter den zeitlichen Prüfungen und Verfolgungen, die zu erwarten sie vorher gewarnt worden waren; und aus allen den Worten voll Trost und Ermunterung, die den "sieben Gemeinden" (Kirchen) in der Offenbarung zugerufen wurden, leuchten keine klarer und stärker hervor als die, welche erklären: "Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron" und "wer da überwindet .., dem werde ich Gewalt über die Nationen geben". - Offb. 3:21; 2:26

Das sind Verheißungen, die nicht gut so gedeutet werden können, als ob sie sich auf ein gegenwärtiges Gnadenwerk in den Herzen bezögen, noch auf eine Herrschaft über die Nationen im gegenwärtigen Leben, da die, welche überwinden, die Ehren des Königreiches durch den im Dienste Gottes erlittenen Tod erringen müssen. - Offb. 20:6

Die menschliche Natur sucht den Leiden aus dem Wege zu gehen und ist jederzeit bereit, Macht und Ehre zu ergreifen; daher finden wir, dass schon in den Tagen des Apostels etliche in der Kirche der Neigung huldigten, die Verheißungen zukünftiger Macht und Ehre dem gegenwärtigen Leben zuzuschreiben und demgemäss zu handeln, als ob die Zeit schon gekommen wäre, da die Welt die Kirche ehren oder gar ihr gehorchen müsse. Diesem Irrtum vorzubeugen, schrieb der Apostel Paulus, da er wohl wusste, welch schlimme Folgen es für die Kirche haben würde, wenn solche Gedanken den Hochmut wachrufen und die Glieder von dem Opfer ablenken würden. Er ruft ihnen ironisch zu: "Schon seid ihr gesättigt, schon seid ihr reich geworden; ihr habt ohne uns (als Könige) geherrscht." Und dann setzt er hinzu: "Und ich wollte wohl, dass ihr herrschtet, auf dass auch wir (die verfolgten Apostel) mit euch herrschen möchten." (1. Kor. 4:8) Sie freuten sich ihres Christentums, indem sie versuchten, soviel Ehre als möglich dabei zu gewinnen; und der Apostel wusste sehr wohl, dass, wenn sie treue Nachfolger des Herrn wären, sie sich in keinem solchen Zustande befinden würden. Daher erinnert er sie daran, dass, wenn die lang ersehnte Herrschaft wirklich begonnen habe, er dann auch, nicht weniger wie sie, herrschen würde; und die Tatsache, dass er durch seine Treue um der Wahrheit willen leiden musste, war Beweis genug, dass ihr Herrschen ein verfrühtes und viel eher ein Fallstrick als eine Ehre sei. Dann fügt er mit einem Anflug von Ironie hinzu: "Wir (Apostel und andere treue Diener) sind Narren um Christi willen, ihr aber klug in Christo; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet." Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dieses; ich habe einen besseren und edleren Zweck - euch zu warnen; denn nicht ein Pfad gegenwärtiger Ehre führt zu der zu offenbarenden Ehre und Herrlichkeit, sondern gegenwärtiges Leiden und Selbstverleugnung sind der schmale Weg zur Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit und zur Miterbschaft am Königreiche. Darum ermahne ich euch, seid meine Nachfolger. Leidet jetzt, und lasst euch schelten und verfolgen, dass ihr mit mir die Krone des Lebens teilen möget, "welche der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tage; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben". (1. Kor. 4:10-17; 2. Tim. 4:8)

Nachdem aber die erste Kirche ein gut Teil Verfolgung getreulich erduldet hatte, begannen in ihr unbiblische Lehren sich breit zu machen, als sei die Aufgabe der Kirche die, vor dem zweiten Kommen des Herrn die Welt zu erobern, das Himmelreich auf Erden aufzurichten und über die Völker der Welt zu herrschen. Dies legte in der Kirche den Grund zu weltlichem Ränkespiel, Prunk, Hochmut, prahlerischem Gepränge und inhaltlosen Zeremonien, die darauf berechnet waren, die Welt einzuschüchtern, zu fangen und mit Scheu zu erfüllen; und Schritt für Schritt führte dies zu der großen Anmaßung des Papsttums, dass es als Gottes Königreich auf Erden das Recht hätte, die Achtung und den Gehorsam aller Geschlechter Nationen und Völker gegen seine Gesetze und Beamten zu fordern. Unter dieser falschen Vorspiegelungen (und augenscheinlich betrogen sie sowohl sich selbst als andere) krönte und entthronte das Papsttum eine Zeitlang die Könige Europas und beansprucht noch immer diese Autorität, die zu erzwingen es jetzt jedoch ohnmächtig ist.

Dieselbe Idee hat der Protestantismus vom Papsttum übernommen. Auch er behauptet, obwohl unbestimmter, dass die Herrschaft der Kirche irgendwie im Zunehmen begriffen sei; und auch sie sind wie die Laodicäer "satt" und "reich" und herrschen wie die Korinther "als Könige", wie es deutlich von unserem Herrn beschrieben wird (Offb. 3:17, 18; 1. Kor. 4:8). So kommt es, dass die Glieder der Kirche, die nicht wirklich bekehrt, kein echter Weizen, sondern Scheinweizen, Nachahmungen des Weizens sind, die wahren Jünger Christi an Zahl bei weitem übersteigen. Von wirklicher Aufopferung und Selbstverleugnung wollen diese nichts wissen und nicht um der Gerechtigkeit (Wahrheit) willen leiden, höchstens halten sie an einer äußeren Form des Fastens usw. fest. In Wirklichkeit herrschen sie mit der Welt und sind nicht auf dem Wege der Vorbereitung zur Teilnahme an dem wahren Königreiche, das von unserem Herrn bei seiner zweiten Gegenwart aufgerichtet werden soll.

Jedem aufmerksamen Beobachter wird hier, wenn er diese Ansicht mit der Lehre Jesu und der Apostel vergleicht, eine offenbare Ungereimtheit auffallen. Sie lehrten, dass es kein Königreich geben kann, ehe der König kommt (Offb. 20:6; 3:21; 2. Tim. 2:12). Folglich muss das Himmelreich Gewalt leiden bis zu der Zeit, da es in Herrlichkeit und Macht aufgerichtet werden soll.

Zwei Teile des Königreiches Gottes

Während es wahr ist, wie unser Herr es aussprach, dass das Königreich nicht kommt - sich nicht gleich von Anfang an bemerkbar macht - mit äußerlichen Gebärden, so wird es doch zur bestimmten Zeit allen durch äußerlich sichtbare und unverkennbare Zeichen offenbar gemacht werden. Wenn das Königreich Gottes völlig aufgerichtet ist, so wird es aus zwei Teilen bestehen, aus einer geistigen oder himmlischen und einer menschlichen oder irdischen Stufe. Die geistige Stufe wird der Menschheit stets unsichtbar sein, da alle, die ihr angehören, geistige, göttliche Natur besitzen, die kein Mensch gesehen hat noch sehen kann (1. Tim. 6:16; Joh. 1:18); ihre Gegenwart und Macht aber wird sich mächtig kundtun, hauptsächlich durch ihre menschlichen Vertreter (Ps. 45:16), welche die irdische Stufe des Königreiches Gottes bilden werden.

Die geistige Stufe des Königreiches wird aus den überwindenden Heiligen des Evangeliums-Zeitalters - dem verherrlichten Christus, Haupt und Leib - gebildet. Ihre Auferweckung und Erhöhung zur Macht geht der Auferweckung aller anderen voran, weil alle anderen durch diese Klasse gesegnet werden sollen. (Hebr. 11:39, 40) "Dies ist die erste Auferstehung." (Offb. 20:5)

(In diesem Vers sind die Worte: "Die anderen Toten wurden nicht wieder lebendig, bis dass tausend Jahre vollendet wurden" - unecht. Sie finden sich nicht in den ältesten und zuverlässigsten griechischen Handschriften, weder im sinaitischen noch vatikanischen Nr. 1209 und 1160, noch auch in der syrischen Handschrift. Wir müssen bedenken, dass manche Stellen, welche sich in den neueren Abschriften vorfinden, Zusätze sind, welche nicht eigentlich zur Bibel gehören. Da uns gesagt ist, nichts zum Wort Gottes hinzuzufügen, so ist es unsere Pflicht, solche Zusätze auszumerzen, sobald ihre Unechtheit bewiesen ist. Die angegebenen Worte schlichen sich wahrscheinlich im fünften Jahrhundert durch einen Zufall in den Text ein; denn keine Handschrift älteren Datums (weder griechische noch syrische enthält diesen Satz. Es war wahrscheinlich zuerst nur eine Randbemerkung, die ein Leser machte, worin er seine Gedanken über den Text zum Ausdruck brachte und wurde später von irgendeinem Abschreiber, der zwischen dem Texte und der Anmerkung zu unterscheiden verfehlte, in den eigentlichen Text aufgenommen.

Die Verwerfung dieses Satzes ist jedoch für den hierin dargelegten "Plan" nicht wesentlich; denn "die anderen Toten", die Welt im großen und ganzen werden in dem vollkommenen Sinn, in dem Adam lebte, ehe er sündigte und unter den Urteilsspruch kam, "sterbend wirst du sterben", nicht wieder lebendig werden, bis tausend Jahre um sind. Vollkommenes Leben ohne Schwachheit oder Sterben ist der einzige Sinn, in welchem Gott das Wort Leben anerkennt. Von seinem Standpunkte aus hat die ganze Welt schon das Leben verloren, ist im Sterben begriffen und könnte jetzt eher als tot denn als lebendig bezeichnet werden. - 2. Kor. 5:14; Matth. 8:22

Das Wort Auferstehung (griechisch: Anastasis) bedeutet Aufrichtung. In Bezug auf den Menschen bedeutet es, den Menschen zu dem Zustande aufrichten, von dem er fiel, zu voller menschlicher Vollkommenheit, zu dem, was durch Adam verloren ging. Die Vollkommenheit, von der unser Geschlecht fiel, ist die Vollkommenheit, zu welcher es während des tausendjährigen Wiederherstellungs- oder Auferstehungs- (Aufrichtungs-) Zeitalters allmählich erhoben werden wird, Das tausendjährige Königreich ist nicht nur das Zeitalter der Prüfung, sondern auch das Zeitalter der Segnung, und durch eine Auferstehung oder Wiederherstellung zum Leben soll alles, was verloren war, allen denen wiedergegeben werden, die, sobald sie wissen und Gelegenheit haben, mit Freuden gehorchen. Der Vorgang der Auferstehung wird ein allmählicher sein und das ganze Zeitalter erfordern; wenn auch die bloße Erweckung zu einem teilweisen Leben und bloßem Bewusstsein, wie man es jetzt genießt, natürlich nur ein augenblickliches Werk sein wird. Folglich wird es nicht eher, bis die tausend Jahre vollendet sind, der Fall sein, dass das Geschlecht das vollständige, in Adam verlorene Maß von Leben völlig wiedererlangt haben wird, Und da alles, was nicht vollkommenes Leben ist, ein Zustand teilweisen Todes ist, so folgt, obwohl die obigen Worte kein Teil des inspirierten Wortes sind, dass es ganz richtig wäre, zu sagen, die anderen oder übrigen Toten werden nicht wieder leben (werden die verlorene Fülle des Lebens nicht wieder erlangen), bis die tausend Jahre der Wiederherstellung und Segnung zu Ende sind.)

Das große Werk dieser herrlichen gesalbten Schar - des Christus - erfordert ihre Erhöhung zur göttlichen Natur. Keine andere als göttliche Macht könnte es vollbringen. Ihr Werk erstreckt sich nicht nur auf diese Welt, sondern auf alle Dinge im Himmel und auf Erden - auf geistige, wie auch auf menschliche Wesen. - Matth. 28:18; Kol. 1:20; Eph. 1:10; Phil. 2:10; 1. Kor. 6:3

Die Aufgabe der irdischen Stufe des Königreiches Gottes wird auf diese Welt und die Menschheit beschränkt sein und diejenigen welche teil daran haben, werden unter allen Menschen die von Gott am höchsten Erhöhten und Geehrten sein. Das ist die Klasse, auf die wir in Studie 8 Bezug nahmen und deren Gerichtstag dem Evangeliums-Zeitalter voranging. Da sie geprüft und treu erfunden wurden, so werden sie bei der Auferweckung nicht wieder zum Gericht hervorgebracht werden, sondern sofort den Lohn ihrer Treue empfangen - eine augenblickliche Auferstehung zur Vollkommenheit als Menschen. (Die anderen, außer diesen und der geistigen Klasse, werden im Millenniums-Zeitalter allmählich zur Vollkommenheit aufgerichtet werden.) Somit wird diese Klasse sofort bereit sein, das große Werk der Wiederherstellung und Segnung der übrigen Menschheit als Christi Bevollmächtigte in Angriff zu nehmen. Wie die geistige Natur zur Vollführung des Werkes Christi erforderlich ist, so ist die vollkommene menschliche Natur das angemessene Werkzeug zum Vollbringen des unter den Menschen zu geschehenden Werkes. Sie werden unter den Menschen in sichtbarer Weise wirken, und die Herrlichkeit ihrer Vollkommenheit wird den anderen Menschen ein beständiges Vorbild und ein fortwährender Antrieb zum Streben nach der gleichen Vollkommenheit sein. Dass diese alten Heiligen zur menschlichen Stufe des Königreiches gehören und den Menschen sichtbar sein werden, das wird zur Genüge durch die Worte Jesu, die er den ihn verwerfenden ungläubigen Juden gegenüber aussprach, bezeugt: "Ihr werdet sehen Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Königreiche Gottes." Man beachte dabei, dass der Meister nichts davon erwähnt, dass sie ihn oder die Apostel sehen würden. Es ist eine Tatsache, dass die Menschen die irdische Stufe des Königreiches sehen und sich unter deren Glieder mischen werden, aber nicht so mit der geistigen: und schmerzlich betroffen werden manche sein, die solch große Ehre verwarfen.

Wir besitzen keine ausführliche Belehrung darüber, in welcher Weise diese beiden Teile des himmlischen Königreiches harmonisch zusammenwirken werden, doch haben wir in der Verfahrensweise Gottes mit Israel durch seine Vertreter - Mose, Aaron, Josua, die Propheten usw.- eine Illustration der Art, wie es geschehen könnte, obwohl die künftigen Kundgebungen göttlicher Macht die jenes vorbildlichen Zeitalters bei weitem übertreffen werden; denn das Werk des kommenden Zeitalters umfasst die Auferweckung aller Toten und die Wiederherstellung der Gehorsamen zur Vollkommenheit. Dieses Werk erfordert die Errichtung einer vollkommenen Regierung unter den Menschen mit vollkommenen Menschen als Herrschern, damit sie Staatsangelegenheiten richtig leiten können. Mittel und Wege jeglicher Art, für die Erziehung des Menschen geeignet, müssen da gesucht, sowie allerhand wohlwollende Maßnahmen getroffen werden. So wird unter der Leitung der unsichtbaren, geistigen Glieder desselben Königreiches durch sichere und regelmäßige Schritte das Menschengeschlecht aufgerichtet werden; und dies edle Werk ist die hohe Ehre, zu der jene alten Heiligen erkoren und geschickt gemacht worden sind. Um diese Ehre in Empfang zu nehmen, werden sie bald nach dem schließlichen Schiffbruch der Reiche dieser Welt, und nachdem deren Fürst, Satan, gebunden ist, hervorkommen. Und bald werden sie als die göttlich geehrten Vertreter des himmlischen Königreiches die Ehrfurcht und Mitwirkung aller Menschen auf ihrer Seite haben.

Auf der irdischen Stufe des Königreiches Gottes einen Platz zu erringen, wird allem Wünschen und Streben des vollkommenen Menschenherzens Befriedigung gewähren. Es wird ein herrliches und herzbeglückendes Los vom ersten Augenblick des Eintrittes in dasselbe sein; und doch wird sich mit dem Vorrücken der Zeit und Voranschreiten des Segenswerkes dessen Herrlichkeit noch vervielfältigen. Und wenn am Ende eines Jahrtausends das große Werk der Wiederherstellung von dem Christus vollbracht ist (in großem Maße durch die Mitwirkung dieser edlen, menschlichen Mitarbeiter); wenn das ganze menschliche Geschlecht (ausgenom­men die Unverbesserlichen, Matth. 25:46; Offb. 20:9) erprobt, ohne Flecken oder Runzel oder dergleichen vor Jehova dasteht, dann werden die, welche an dem Werk beteiligt waren, unter ihren Mitmenschen und vor Gott und Christo und den Engeln leuchten "wie die Sterne immer und ewiglich" (Dan. 12:3). Ihre Arbeit und ihr Dienst der Liebe werden dann von ihren dankbaren Mitmenschen nie vergessen werden. Sie werden in ewigem Andenken bleiben (Ps. 112:6).

Aber so groß auch die zunehmende Herrlichkeit dieser vollkommenen, die irdische Stufe des Königreiches bildenden Menschen sein wird, die Herrlichkeit der himmlischen Klarheit wird weit überschwenglicher sein. Während jene für immer wie die Sterne leuchten werden, sollen diese "leuchten wie des Himmels Glanz" - "wie die Sonne" (Dan. 12:3, Matth. 13:43). Die himmlischen, wie die irdischen Ehren werden dem Christus zu Füßen gelegt werden. Das menschliche Fassungsvermögen kann die Herrlichkeit, die an dem Christus in den zahllosen Zeitaltern der Ewigkeit geoffenbart werden soll, nur dunkel ahnen, aber nicht klar erkennen (Röm. 8:18, Eph. 2:7-12).

Durch diese beiden Phasen des Königreichs soll die dem Abraham gegebene Verheißung bewahrheitet werden: - "Durch dich und durch deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden". "Dein Same soll sein wie der Sand am Ufer des Meeres und wie die Sterne am Himmel" - ein irdischer und ein himmlischer Same, beide Gottes Werkzeug bei der Segnung der Welt. Beide Phasen der Verheißung waren von Anfang an von Gott beabsichtigt und deutlich vorausgesehen, von Abraham dagegen wurde allein die irdische gesehen. In der Erfüllung tat Gott noch mehr, als Abraham erwartete. Er erwählte aus dem natürlichen (fleischlichen) Samen Abrahams die Ersten der geistigen Klasse (die Apostel und andere) aus und bot den höchsten Segen, den geistigen, allen in jenem Volke an, die zu der bestimmten Zeit dieses himmlischen Rufes lebten, und das ging weit über das hinaus, was Abraham jemals von diesem Bund erkannte - Gnade um Gnade.

Paulus spricht in Röm. 11:17 von dem Abrahamitischen Bund als von einer Wurzel, aus der das fleischliche Israel auf natürliche Weise herauswuchs, in welche aber die Gläubigen aus den Nationen eingepfropft und die natürlichen Zweige um ihres Unglaubens willen abgeschnitten wurden. Dies zeigt die doppelte Erfüllung der Verheißung in der Entwicklung der beiden Samen, des irdischen (menschlichen) und himmlischen (geistigen), welche die beiden Abteilungen des Königreiches bilden werden. Diese Bundes-Wurzel trägt diese beiden verschiedenartigen Zweige, davon jeder bei der Auferstehung seine eigene bestimmte Art vollkommener Frucht trägt - die menschliche und die geistige Klasse in königlicher Machtstellung. Was die Zeitordnung ihrer Entwicklung betrifft, so war die natürliche (irdische) die erste, und dann kam die der himmlischen Herrscher; aber was die Höhe der Stellung und die Zeit der Einsetzung anbetrifft, so wird die geistige die erste sein und danach die natürliche; und so kommt es, dass "es sind Letzte, die werden die Ersten sein und sind Erste, die werden die Letzten sein". (Matth. 19:30; Mark. 10:31; Luk. 13:30)

Die dem Abraham gegebene Verheißung auf die Stephanus (Apg. 7:5) sich bezog, und auf welche Israel sich verließ, war eine irdische; sie betraf das Land. Gott "verhieß, es ihm zum Besitztum zu geben", sagte Stephanus. "Und Jehova sprach zu Abraham: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Orte, wo du bist, gen Norden und gen Süden und gen Osten und gen Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen auf ewig. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub der Erde, so dass, wenn jemand den Staub der Erde zu zählen vermag, auch dein Same gezählt werden wird. Mache dich auf und durchwandle das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite; denn dir will ich es geben." (1. Mose 13:14-17)

Stephanus zeigt, dass diese Verheißung noch erfüllt werden muss; denn er erklärt, dass Gott dem Abraham "kein Besitztum darin (in dem Land), auch nicht einen Fußbreit", gab.

Der Apostel, der von derselben Klasse der alten Heiligen, unter anderem von Abraham, spricht, stimmt der Aussage des Stephanus bei, dass die dem Abraham gegebene Verheißung noch nicht erfüllt worden sei; und er geht noch weiter und zeigt, dass diese irdischen Verheißungen nicht eher erfüllt werden, als bis die höheren und größeren Verheißungen von dem Christus (Haupt und Leib) erfüllt sind. Er sagt von ihnen: "Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die (Erfüllung der) Verheißungen nicht empfangen, da Gott für uns (den Christus) etwas Besseres vorgesehen hat, auf dass sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden." (Hebr. 11:13, 39, 40) Das zeigt wiederum, dass der Erlöser und Wiederhersteller geistig ist, da er die menschliche Natur als Lösegeld für alle aufgegeben hat, und dass von dieser hoch erhöhten geistigen Klasse alle Segnungen ausgehen müssen, wer auch die Ehre erhalten mag, hienieden als Werkzeug oder Bevollmächtigter gebraucht zu werden.

Die irdische Phase des Königreiches, so sehen wir, wird israelitisch sein, und um diese Tatsache drehen sich die vielen Prophezeiungen, die sich auf das Hervorragen jener Nation im Plane Gottes bei der künftigen Segnung der Welt beziehen, wenn ihre zu Staub zerfallene Hütte wiederhergestellt und Jerusalem zum Preise erhoben werden soll auf der ganzen Erde. Sowohl von den Propheten wie von den Aposteln finden wir Aussprüche, die klar zeigen, dass in den Zeiten der Wiederherstellung Israel das erste Volk sein wird, das mit der neuen Ordnung der Dinge in Einklang kommt; dass das irdische Jerusalem wieder auf seinen alten Trüm­mern erbaut und ihr Gemeinwesen wiederhergestellt werden wird, wie es im Anfang unter den Fürsten oder Richtern der Fall war (Jes. 1:26; Ps. 45:16; Jer. 30:18). Und was könnte man wohl mit mehr Grund erwarten, als dass Israel mit Freude allen voran die Patriarchen und Propheten, erkennen würde? Und dass sein Bekanntsein mit dem Gesetz und seine langjährige Zucht unter demselben das Volk zur Lenksamkeit und zum Gehorsam unter der Autorität des Königreiches bereitet habe? Und während Israel die erste Nation sein soll, die anerkannt und gesegnet werden wird, so steht gleichfalls von ihm geschrieben: "Und Jehova wird die Zelte Judas zuerst retten." (Sach.12:7)

Wir achten es nicht für wichtig, uns auf eine Erörterung darüber einzulassen, wo wohl die "verlorenen Stämme" Israels zu suchen seien. Es mag wahr sein oder auch nicht, dass sich diese "verlorenen Stämme" bis herab auf bestimmte zivilisierte Völker der Gegenwart nachspüren ließen. Wenn auch einige der vorgelegten Beweise nicht ganz grundlos sind, so sind es doch im ganzen nur Folgerungen und Vermutungen. Sollte es aber noch einmal bestimmt nachgewiesen werden, dass einige der zivilisierten Nationen Abkömmlinge der verlorenen Stämme sind, so würde das für sie in Bezug auf die "himmlische hohe Berufung" kein Vorteil sein, denn seit ihrer nationalen Verwerfung gilt in Bezug auf denselben kein Unterschied, ob Jude oder Grieche, Knecht oder Freier. Sollte jener Nachweis je gelingen (was noch nicht geschehen ist), so würde das mit den Prophezeiungen und Verheißungen, die sich auf dieses Volk beziehen und in und unter der irdischen Phase des Königreiches ihrer Erfüllung harren, vollkommen stimmen.

Natürliche Neigung, wie auch ein noch übriggebliebenes Maß von Vertrauen in die lange unerfüllt gebliebenen Verheißungen und alle ihre natürlichen Vorteile werden Israels allgemeiner und schneller Annahme der neuen Herrscher günstig sein; während die Gewohnheit teilweisen Gehorsams gegen das Gesetz seinem schnellen Einswerden mit den Grundsätzen der neuen Regierung ebenfalls günstig ist.

Wie Jerusalem der Herrschersitz unter dem vorbildlichen Königreiche Gottes war, so wird es dieselbe Stellung wieder einnehmen und die "Stadt des großen Königs" werden (Psalm 48:2; Matth. 5:35). Eine Stadt ist das Sinnbild eines Königreiches oder einer Herrschaft, und so wird das Königreich Gottes durch das "Neue Jerusalem" als die neue, vom Himmel auf die Erde kommende Herrschaft versinnbildet. Zuerst wird es nur aus der geistigen Klasse, der Braut Christi, bestehen, und, wie es von Johannes geschaut wurde, nach und nach auf die Erde herabkommen; das heißt, es wird nach und nach zur Macht kommen, wenn am Tage des Herrn die gegenwärtigen Reiche in Stücke gehen. Zur festgesetzten Zeit aber wird die irdische Stufe dieser Stadt oder Regierung hergestellt werden, deren Teile oder Glieder die alten Heiligen sein werden. Es wird nicht zwei Städte (Regierungen) geben, sondern nur eine Stadt, eine himmlische Regierung, die eine, auf die Abraham wartete, eine Stadt, die einen Grund hat, eine in Gerechtigkeit errichtete Regierung, gegründet auf den sicheren Felsengrund der Gerechtigkeit Christi, des Erlösers, den Preis des für die Menschheit gegebenen Lösegeldes und die Festigkeit göttlicher Gerechtigkeit, die ebenso wenig die Erlösten verurteilen kann, wie sie vorher die Schuldigen entschuldigen konnte. - Röm. 8:31-34; 1. Kor. 3:11

Herrliche Stadt des Friedens, deren Wälle Heil, Schutz und Segen bedeuten für alle, die hineingehen, und deren auf Gerechtigkeit gebauter Grund nicht erschüttert werden kann, deren Baumeister und Entwerfer Gott ist! In dem Licht, das von diesem glorreichen Königreiche (der Stadt) Gottes ausstrahlt, sollen die Nationen auf dem Hoch-Weg der Heiligung zur Vollkommenheit und zu voller Harmonie mit Gott hinanwandeln Offb. 21:24. (Die folgenden Worte dieses Verses: "Die da selig werden" fehlen in den zuverlässigsten, alten Handschriften, ebenso "und die Ehre" in Vers 21:26.)

Wenn am Ende des Millenniums-Zeitalters die Menschheit zur Vollkommenheit gelangt sein wird, wie schon gezeigt wurde, soll sie zur Mitgliedschaft im Reiche Gottes zugelassen und ihr wie ursprünglich beabsichtigt, die vollständige Beherrschung der Erde übergeben werden; jeder Mensch wird ein Herrscher, ein König sein. Dies wird deutlich in den sinnbildlichen Prophezeiungen des Johannes (Offb. 21: 24-26) gezeigt; denn in dem Gesicht sah er nicht nur das Volk in ihrem (der Stadt) Licht wandeln, sondern er sah auch die Könige in Herrlichkeit in die Stadt eintreten; doch niemand konnte hineingehen, der sie beflecken würde. Niemand kann ein Angehöriger dieses Königreiches (dieser Stadt) werden, der nicht vorher durch und durch erprobt worden ist, niemand, der Betrug und Ungerechtigkeit lieben oder üben würde, nur die, welche das Lamm als des ewig dauernden Lebens würdig ins Buch des Lebens einschreibt, und zu denen es sagen wird: "Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das (König-) Reich, das euch bereitet ist."

Es sollte daran erinnert werden, dass, obwohl die buchstäbliche Stadt Jerusalem wieder gebaut werden wird, und obwohl sie möglicherweise die Hauptstadt der Welt werden wird, doch viele Prophezeiungen, die Jerusalem und ihre künftige Herrlichkeit erwähnen, sich ihrer als eines Sinnbildes bedienen, um das in noch größerem Glanze zu errichtende Königreich Gottes zu beschreiben.

Von der künftigen Herrlichkeit der irdischen Stufe des Königreiches, welches Jerusalem repräsentiert, reden die Propheten in glühenden Ausdrücken; "Brechet in Jubel aus, jauchzet insgesamt, ihr Trümmer Jerusalems; denn Jehova hat sein Volk getröstet, hat Jerusalem erlöst." "Denn siehe, ich wandle Jerusalem in Frohlocken um und sein Volk in Freude." "Freuet euch mit Jerusalem und frohlocket über sie, ... da ihr euch ergötzet an der Fülle ihrer Herrlichkeit. Denn so spricht Jehova: Siehe, ich wende ihr Frieden zu wie einen Strom und die Herrlichkeit der Nationen wie einen überflutenden Bach. "In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Jehovas nennen, und alle Nationen werden sich zu ihr versammeln." "Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg (Königreiche) Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion (der geistigen Stufe) wird das Gesetz ausgehen und das Wort Jehovas von Jerusalem" - der irdischen Stufe. (Jes. 52:9; 65:18; 66:10-12; Jer. 3:17; Jes. 2:3)

Wenn wir die vielen kostbaren, Israel zugesprochenen Verheißungen künftigen Segens betrachten und eine genaue Erfüllung derselben für jenes Volk erwarten, so dürfen wir dabei nicht vergessen, dass es als Volk eben sowohl vorbildlich als wirklich gemeint war. In gewisser Hinsicht war es vorbildlich von der ganzen Menschheit, und sein Gesetzesbund des Gehorsams und des Lebens war vorbildlich vom Neuen Bunde, der während des Millenniums und für die kommenden Zeitalter mit der Welt aufgerichtet werden soll.

Das Blut der Versöhnung unter seinem vorbildlichen Bund und die Priesterschaft, die dasselbe für das Volk verwendete, waren Vorbilder des Blutes des neuen Bundes und der Priesterschaft, welche während des Millenniums die Reinigung und Segnung desselben der ganzen Welt zuwenden wird. So war seine Priesterschaft das Vorbild des Christus und jenes Volk das Vorbild aller, für die das wahre Opfer gebracht wurde und für welche die wahren Segnungen kommen sollen - "für alle", "für die ganze Welt".

Darum lasst uns daran erinnern, dass, wenn auch der zukünftige Segen, wie der der Vergangenheit, den Juden zuerst und dann auch anderen Nationen gehört, es doch nur eine Zeitfrage sein wird, da die Juden zu göttlicher Gnade den Vortritt haben; und dies wird, wie wir gezeigt haben, die natürliche Folge ihrer Erziehung unter dem Gesetze sein, das in bestimmter Zeit seinen Zweck an ihnen erreichen wird, sie zu Christo zu bringen. Obwohl dasselbe beim ersten Advent nur einen Überrest einbrachte, wird es sie beim zweiten Advent als Volk herbeibringen, und als Volk werden sie eine Erstlingsfrucht unter den Völkern sein. Zuletzt wird jeder Israel verheißene Segen, ausgenommen der die erwählten Klassen betreffende, nicht nur eine tatsächliche Erfüllung an jenem Volke haben, sondern auch eine gegenbildliche Erfüllung an allen Geschlechtern der Erde. Unter jener Regierung wird Gott "einem jeden vergelten nach seinen Werken: Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen; denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott". - Röm. 2:6, 10, 11

Der Apostel Paulus richtet unsere Aufmerksamkeit ganz besonders auf die Gewissheit der Israel für die Zukunft gegebenen Verheißungen Gottes und zeigt, welche Gnaden es durch Unglauben verloren und welche ihm noch gewiss sind. Er sagt, dass Israel als Volk um seines Hochmuts, seiner Herzenshärtigkeit und seines Unglaubens willen das, was es suchte, die erste Stellung in der Gnade und dem Dienste Gottes, nicht erlangt hat. Paulus bezieht sich hier nicht auf alle Geschlechter Israels, von Abraham an, sondern auf die Generation, die zur Zeit des ersten Advents lebte; und seine Worte sind auf alle seine Geschlechter anwendbar, die während des Evangeliums-Zeitalters lebten, des Zeitalters, in dem die höchste Gnade dargeboten worden ist - der hohe Ruf zur göttlichen Natur und zur Miterbschaft mit Jesu. Diese Gnade zu erkennen und zu ergreifen hat Israel verfehlt. Und obwohl Gott die Nationen heimsuchte und viele derselben durch das Evangelium berief, so werden doch auch sie, wie das fleischliche Israel, das himmlische Kleinod zu erlangen verfehlen. Doch wird eine Klasse, ein Überrest, eine kleine Herde unter den Gerufenen den Ruf annehmen und durch Gehorsam und Selbstopferung ihre Berufung und Erwählung festmachen. Was sonach Israel als Volk zu erlangen verfehlte, und was die Namenkirche der Christenheit ebenfalls zu erlangen verfehlt, das wird der erwählten oder ausgewählten Klasse, dem treuen "Leibe Christi", gegeben, der da erwählt oder erkoren ist (dem Vorherwissen Gottes gemäß) durch Heiligung des Geistes und Glauben der Wahrheit. - 2. Thess. 2:13; 1. Petr. 1:2

Obwohl aber Israel durch die Verwerfung des Messias diese besondere Gnade einbüßte, so zeigt Paulus doch, dass dies nicht beweise, dass es gänzlich von der Gnade abgeschnitten sei; denn es hatte noch das gleiche Anrecht, in Christum eingepfropft zu werden und auf die gleichen geistigen Gnaden, die auch der übrigen Menschheit offenstanden, wenn es während der Zeit, wo der Ruf erging, denselben im Glauben angenommen hätte, denn, urteilt Paulus, Gott kann es eben sowohl wieder einpfropfen, wie er die wilden Zweige einpfropfen konnte, und ist ebenso willig dazu, wenn es nicht im Unglauben verharrt. - Röm. 11:23, 24

Doch mehr noch, Paulus zeigt, dass, obwohl Israel den Hauptsegen, das "was es suchte", den ersten Platz im Königreiche Gottes, verlor, doch noch große Verheißungen an diesem Volke zu erfüllen übrig sind; denn, so schließt er, Gottes Gaben, Berufungen, Bündnisse und Verheißungen können nicht unerfüllt beiseite gelegt werden. Gott kannte das Ende vom Anfange an, er wusste, dass Israel den Messias verwerfen würde, und seine ihm mit diesem Vorherwissen gegebenen unzweideutigen Verheißungen geben uns die Gewissheit, dass Israel im Dienste des Herrn noch als sein Werkzeug bei der Segnung der Welt verwendet werden soll, obwohl Israel das, was es suchte, die höchste Gnade, nicht erlangt hat. Paulus geht dann weiter und zeigt, dass Gottes Bundesverheißungen an Israel derart waren, dass es dabei offen und unentschieden blieb, ob es als Volk der himmlische oder irdische Same sein würde - ob es den höheren oder niederen Dienst, von denen die Verheißungen reden, ererben und ausführen würde. Gott hielt die höhere, geistige Gnade oder Gabe bis zur festgesetzten Zeit geheim, und die ihm zuteil gewordenen Verheißungen erwähnten nur die irdische Gnade, und doch hat er es mit dem Anerbieten der geistigen Gnade begünstigt und ihm so mehr angeboten, als er je verheißen hatte. Mit wenig Worten, die himmlischen Verheißungen waren in den irdischen verborgen. Diese irdischen Verheißungen, sagt Paulus, können nicht fehlen, und dass die verborgene Gnade ihm zuerst angeboten wurde, und Israel in Blindheit sie verwarf, kann den anderen Teil der Verheißung in keiner Weise wertlos oder ungültig machen. Daher erklärt er, dass, obwohl Israel als Nation während der Zeit, wo die Braut Christi aus Juden sowohl als auch aus Nationen ausgewählt worden ist, von der Gnade abgeschnitten war, noch die Zeit kommen wird (wenn der Erlöser oder Befreier, der Christus, Haupt und Leib, vollzählig und vollendet sein wird), wo die göttliche Gnade zum fleischlichen Israel zurückkehren und der glorreiche Befreier "abwenden werde das gottlose Wesen von Jakob und also das ganze Israel gerettet (zur Gnade zurückgebracht) werde", wie im Propheten geschrieben steht. (Das geistige Israel wird niemals "Jakob" genannt.) Die Worte des Apostels sind: "Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, auf dass ihr nicht euch selbst klug dünket: dass Verstockung (Verblendung) Israel zum Teil widerfahren ist, bis dass die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird (bis die volle aus den Nationen ausgewählte Anzahl vorhanden ist); und also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: "Es wird aus Zion der Erretter kommen (der Christus, Haupt und Leib), er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde". Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber (noch) Geliebte, um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und Berufungen Gottes sind unbereubar. Denn gleichwie (auch) ihr (Nationen) einst Gott nicht geglaubt habt, jetzt aber unter die Begnadigung gekommen seid durch den Unglauben dieser, also haben auch jetzt diese an eure Begnadigung nicht geglaubt, auf dass auch sie (durch die verherrlichte Kirche) unter die Begnadigung kommen. Denn Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen, auf dass er alle begnadige. - (Vergleiche Röm. 5:17-19) - Oh Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes." (Röm. 11:25-33)

Die Erben des Königreiches

"Wer wird steigen auf den Berg (Sinnbild vom Königreich) Jehovas und wird stehen an seiner heiligen Stätte (Tempel)? Der unschuldiger Hände und reinen Herzens ist." (Psalm 24:3, 4)

Die Stadt Jerusalem war auf einer Bergspitze erbaut - einer doppelten Spitze, denn sie war durch das Tal Tyropäon in zwei Teile geteilt. Doch war es eine Stadt, ungetrennt, von einer Mauer umgeben und mit Brücken, die beide Teile verbanden, versehen. Auf dem höheren dieser zwei Bergspitzen wurde der Tempel Gottes erbaut. Das möchte so verstanden werden, dass es die Vereinigung der königlichen und priesterlichen Qualität in der verherrlichten Kirche symbolisiert oder das eine Königreich Gottes in seinen zwei Phasen - dem geistigen Tempel, nicht von irdischem Ursprung, sondern von einer neuen, himmlischen oder geistigen Art (Hebr. 9:11), geschieden von der irdischen Stufe, und doch mit ihr verbunden.

David nimmt auf diese beiden Orte Bezug. Es war eine Ehre, zur Stadt zu gehören und eine noch größere Ehre, in den heiligen Tempel aufzusteigen, in den heiligen Bereich, in welchen einzutreten nur den Priestern erlaubt war. Und David zeigt, dass Reinheit des Lebens und Aufrichtigkeit des Herzens von jedem gefordert werden, der zu einer dieser Ehren gelangen will. Die, welche zum königlichen Priestertum gehören möchten, werden zur Reinheit ermahnt, wie auch der Hohepriester unseres Bekenntnisses rein ist, wenn sie zur Miterbschaft mit ihm für würdig erachtet werden wollen. Und wer solche Hoffnung zu ihm hat, der reinigt sich, gleichwie er auch rein ist. Das ist, wie wir schon gezeigt haben, eine Reinheit der Gesinnung, der Absichten, die uns als vollständige oder tatsächliche Reinheit angerechnet wird, weil Christi zugerechnete Reinheit unsere unvermeidlichen Mängel ersetzt und unsere unvermeidlichen Schwachheiten ausgleicht, wenn wir nach dem Geiste und nicht nach dem Fleische wandeln.

Doch vergessen wir nicht, dass Reinheit, Aufrichtigkeit und gänzliche Weihung bei allen, die zu irgendwelcher Stufe im Königreiche Gottes kommen wollen, ein wesentliches Erfordernis ist. So war es mit jenen alten Heiligen, welche die irdische Stufe des Königreiches unter dem Christus ererben werden. Sie liebten Gerechtigkeit, hassten Gottlosigkeit und waren tief betrübt und reuevoll, wenn sie von einem Fehler übereilt worden waren und durch eine Schwachheit oder anklebende sündige Gewohnheit zu Falle kamen. So war es auch mit den Treuen des Evangeliums-Zeitalters; und so wird es auch mit "allem Fleische" sein, wenn im Millenniums-Zeitalter der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit, auf "alles Fleisch" ausgegossen sein wird. Die Überwinder jenes Zeitalters müssen ebenfalls nach Reinheit des Herzens und Lebens ringen, wenn sie nach Gottes Anordnung das Recht erlangen wollen, die Stadt zu betreten, das Königreich zu ererben, die wiederhergestellte ursprüngliche Herrschaft, bereitet für sie von Grundlegung der Welt an.

Das eiserne Regiment

Es ist ein Irrtum, den viele hegen, dass, wenn Christi tausendjähriges Königreich eingeführt sei, jedermann mit seiner Regierung gar wohl zufrieden sein werde. Doch nicht also. Der Christus wird es mit seinen Verordnungen viel genauer nehmen als irgendeine frühere Regierung und die Freiheit des Volkes wird in solchem Grade eingeschränkt werden, dass es manchem, der jetzt auf eine Vermehrung der Freiheit aus ist, recht unbequem vorkommen wird. Die Freiheit, zu betrügen, zu verleumden, zu übervorteilen und den Schwächeren zu unterdrücken, wird gänzlich abgeschnitten sein. Die Freiheit, sich selbst oder andere in Essen oder Trinken zu schädigen oder in irgendwelcher Weise gute Sitten zu verderben, wird allen gänzlich versagt sein. Keinem wird Freiheit gelassen werden, irgendwelches Unrecht zu tun. Die einzige Freiheit, die dann gestattet werden wird, ist die wahre und herrliche Freiheit der Söhne Gottes, die Freiheit, sich und anderen auf alle Weise Gutes zu tun; aber nichts wird erlaubt sein, das verletzt oder verdirbt in seinem ganzen heiligen Königreich (Jes. 11:9; Röm. 8:21). Folglich wird jene Herrschaft von gar vielen als eine strenge und harte empfunden werden, weil sie alle ihre früheren Gewohnheiten und Gebräuche, wie auch alle auf solche falschen Gewohnheiten und verkehrte Auffassung von Freiheit sich gründenden Einrichtungen der Gegenwart abbricht. Um ihrer Festigkeit und Kraft willen wird sie sinnbildlich eine eiserne Herrschaft genannt: "Er wird sie weiden mit eiserner Rute." (Offb. 2:26, 27; Ps. 2:8-12; 49:14). So wird die Aussage erfüllt werden: "Und ich werde das Recht zur Richtschnur machen und die Gerechtigkeit zum Senkblei. Und der Hagel (gerechtes Gericht) wird hinwegraffen die Zuflucht der Lüge, und die Wasser (Wahrheiten) werden den Bergungsort wegschwemmen" - und alles, was im Finstern verborgen ist, wird ans Licht gebracht werden. - Jes. 28:17; Matth. 10:26

Viele werden gegen diese vollkommene, allen gerecht werdende Herrschaft widerspenstig sein, weil sie unter der Herrschaft des gegenwärtigen Fürsten gewohnt waren, ihre Mitmenschen zu beherrschen und auf anderer Kosten zu leben, ohne entsprechenden Gegendienst zu leisten. Und viel und schwer werden die Streiche sein, die ein Leben der Selbstbefriedigung und des Eigennutzes naturgemäß fordern und empfangen wird, ehe solche gelernt haben werden, was das Königreich sie lehren will - Billigkeit, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit (Psalm 89:32; Luk. 12:47, 48). Die Lektion über diesen Gegenstand kommt zuerst der noch lebenden Generation zu und steht nahe vor der Tür. - Jak. 5:1-5

Doch, glückseliger Gedanke, wenn der Lebensfürst mit eiserner Herrschaft die Gesetze der Gerechtigkeit und Billigkeit in Kraft gesetzt hat, dann wird die Masse der Menschheit lernen, dass "Gerechtigkeit eine Nation erhöht, aber Sünde ist der Völker Schande". (Spr. 14:34) Sie werden lernen, dass am Ende Gottes Plan und Gottes Gesetz für alle Beteiligten am besten ist, und schließlich werden sie Gerechtigkeit lieben und Ungerechtigkeit hassen (Psalm 45:8; Hebr. 1:9). Alle, die während dieser Herrschaft das Recht nicht lieben gelernt haben, werden als dauernden Lebens nicht wert erachtet und aus dem Volke vertilgt werden. - Apg. 3:23; Offb. 20:9; Ps. 11:5-7

Das Königreich ewig dauernd

"Und Jehova wird König sein über die ganze Erde an jenem Tage." (Sach. 14:9) Das Reich, das er herstellen und während des Millenniums in Christi Hand legen wird, wird Jehovas Königreich sein; doch wird es sich unter der direkten Herrschaft Christi, seines Statthalters, befinden, ganz in ähnlicher Weise, wie die Regierung der Vereinigten Staaten mit den Südstaaten nach der Rebellion verfuhr. Eine Zeitlang wurde es den Südstaaten nicht gestattet, durch eigene Wahl ihrer Beamten sich selbst zu regieren, weil sonst zu befürchten war, dass sie den verfassungsmäßigen Gesetzen der Union nicht nachkämen; sondern mit voller Gewalt ausgerüstete Gouverneure wurden eingesetzt, um diese Regierungen wieder aufzubauen und sie zur vollen Harmonie mit der Zentralregierung zurückzuführen. So ist die spezielle Herrschaft Christi über die Angelegenheiten der Erde auf eine bestimmte Zeit beschränkt und für einen besonderen Zweck errichtet und wird mit der Hinausführung dieses Zweckes ihr Ende erreicht haben. Durch seine Empörung verwirkte der Mensch seine gottgegebenen Rechte, unter anderem seine Selbstregierung im Einklang mit Jehovas Gesetzen. Gott ließ durch Christum alle diese Rechte zurückkaufen und sicherte dadurch dem Menschen nicht nur seine persönliche Rückkehr zu seinem vorigen Zustande, sondern auch zu seinem vorigen Besitzrechte, ein König der Erde zu sein. Dieses Zurückbringen des Menschen aber, wie Gott es beschlossen hat, auf eine Weise, die am besten geeignet ist, die Lehren gegenwärtiger Erfahrung eindrücklich zu machen - indem die Forderung an ihn gestellt wird, bei seiner eigenen Wiederherstellung selbst mit Hand anzulegen - wird eine starke, eine vollkommene Regierung erfordern. Und diese Ehre, des Menschen Wiederherstellung zu vollbringen, ist Christo übertragen worden, der da starb, um das Recht dazu zu sichern; und "er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt habe" - bis keiner mehr da ist, der ihn nicht anerkennt und ehrt und ihm gehorcht. Dann, wenn er seine Aufgabe, den Wiederaufbau oder die Wiederherstellung der Menschheit, vollbracht hat, wird er das Königreich dem Gott und Vater übergeben, und die Menschheit wird, wie zuerst, unmittelbar mit Jehova zu tun haben, das Mittleramt des Menschen Christus Jesus hat dann das große Werk der Wiederaussöhnung voll und ganz vollbracht. - 1. Kor. 15:25-28

Wenn das Königreich dem Vater überantwortet ist, wird es noch immer das Königreich Gottes sein, und die Gesetze bleiben stets die gleichen. Die dann vollkommen hergestellte Menschheit wird fähig sein, dem Buchstaben wie dem Geist nach vollkommenen Gehorsam zu leisten; während jetzt der Geist des Gehorsams oder der Versuch, Gottes Gesetz zu halten, alles ist, was Menschen leisten können. Der volle Buchstabe dieses vollkommenen Gesetzes würde sie augenblicklich zum Tode verurteilen (2. Kor. 3:6). Unsere Annehmbarkeit beruht nur auf dem Lösegeld Christi.

Bis der Mensch tatsächlich vollkommen ist, ist es "furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebr. 10:31). Weder jetzt noch bis er tatsächlich vollkommen ist, kann irgend jemand vor dem Gesetze der unweigerlichen Gerechtigkeit bestehen. Alle bedürfen der vergebenden Gnade, die so reichlich in Christi Verdienst und Opfer vorgesehen ist. Aber wenn Christus das Königreich dem Vater überantworten wird, dann wird er sie fehlerlos vor ihm darstellen, fähig, sich der ewig dauernden Glückseligkeit unter Jehovas vollkommenem Gesetze zu erfreuen. Alle Furcht wird dann ein Ende haben, und Jehova und seine wiederhergestellten Kreaturen werden in vollkommener Harmonie sein, wie am Anfang.

Am Ende des Millenniums, wenn Christus die Herrschaft über die Erde dem Vater übergibt, tut er es, indem er sie der Menschheit, die von Anfang an als Gottes Stellvertreter zu dieser Ehre bestimmt war, überliefert (1. Kor. 15:24; Matth. 25:34). So dauert dann das Königreich Gottes ewig. Und das ist es, was wir aus dem Munde unseres Herrn vernehmen: "Dann wird der König sagen zu denen zu seiner Rechten (zu denen, die während der Millenniums-Herrschaft durch ihren Gehorsam die Stellung der Gnade erlangt haben): Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Königreich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!"

Dieses Königreich und diese Ehre, die für die Menschen bereit stehen, dürfen nicht mit dem noch höheren Königreiche und der höheren Ehre, die den Christus erwarten, verwechselt werden, denn diese sind "verordnet vor der Welt (den Zeitaltern) zu unserer Herrlichkeit" (1. Kor. 2:7), zu welcher "er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt" (Eph. 1:4). Und wenn auch die besondere Mittlerschaft und Herrschaft Christi auf Erden, wie gezeigt worden ist, zu Ende geht, so muss man daraus nicht schließen, dass Christi Herrlichkeit, Herrschaft und Macht aufhören wird. O nein! Christus ist für immer mit aller göttlichen Herrlichkeit und Macht zur rechten Hand der Gnade Jehovas verbunden; und seine Braut und Miterbin wird für immer seine zunehmende Herrlichkeit teilen. Was für erhabene wunderbare Arbeit der Macht in anderen Welten dieses hoch erhöhte Werkzeug Jehovas erwartet, wollen wir hier nicht mutmaßen, sondern nur auf die unendliche Tatkraft der göttlichen Macht und auf die Größe und Ausdehnung des Universums (Weltalls) hindeuten.

Wahrlich, welcher Stufe des Königreiches auch unser Interesse und unsere Teilnahme sich zuwenden, es ist "das Ersehnte aller Nationen"; denn unter demselben sollen alle gesegnet werden. Wohl mag jeder ernstlich nach jener glorreichen Zeit verlangen; und alle sollten beten: "Dein Königreich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden". Hiernach verlangt und seufzt so lange die ganze Schöpfung, wartend auf die Offenbarung der Söhne Gottes, des Königreiches, das alle Völker segnen und alles Böse ausrotten soll (Röm. 8:19; 16:20).

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Studie 15

Der Tag Jehovas

Der Tag Jehovas, der "Tag der Rache", der "Tag des Zorns". - Derselbe eine Zeit großer Drangsal. - Seine Ursache. - Das Zeugnis der Bibel über denselben. - Sein Feuer und Sturm, sein Erschüttern und Schmelzen sinnbildlich aufzufassen. - Davids Zeugnis. - Das Zeugnis der Offenbarung. - Die gegenwärtige Lage und Aussichten für die Zukunft, wie sie von den sich gegenüberstehenden Parteien, den Kapitalisten und den Lohnarbeitern, angesehen werden. - Ein Heilmittel, das keinen Erfolg verspricht. - Der Schleier gelüftet und Licht zugelassen gerade zu rechter Zeit. - Die Stellung der Heiligen während der Drangsal und ihr rechtes Verhalten gegenüber derselben.

"Der Tag Jehovas" ist der Name jenes Zeitabschnittes, in welchem Gottes Königreich auf Erden unter Christo allmählich "aufgerichtet" wird, während die Reiche dieser Welt "vergehen" und Satans Macht und Einfluss "gebunden" wird. Überall wird er als ein dunkler Tag großer Drangsal, Not, Unruhe und Ungewissheit für die Menschen beschrieben. Und kein Wunder, dass eine Umwälzung von solchem Umfange, bei der so große Veränderungen nötig sind, eine derartige Drangsal bewirkt. Kleinere Umwälzungen haben zu jeder Zeit Drangsal erzeugt, diese aber wird so viel größer als irgendeine vorhergegangene Umwälzung sein; denn "es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit" - nein, "noch je sein wird". - Dan. 12:1; Matth. 24:21, 22

Er wird der Tag Jehovas genannt, weil Christus, obwohl er als Jehovas Stellvertreter in königlicher Macht und Hoheit gegenwärtig sein und während dieses Tages der Drangsal alle Angelegenheiten leiten wird, es doch mehr als Jehovas Feldmarschall durch Unterwerfung aller Dinge tut, denn als der Fürst des Friedens, der alle segnet. Gleichzeitig mit dem Fall falscher, unvollkommener Systeme und aller Irrlehren wird sich die Fahne des neuen Königs erheben, und schließlich wird er von allen als der König der Könige erkannt und bekannt werden. So wird es von den Propheten als Jehovas Werk dargestellt, die Herrschaft Christi aufzurichten: "Ich will dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum." (Psalm 2:8) "In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten." (Dan. 2:44) "Der Alte an Tagen (der Ewig Seiende) setzte sich und einer, wie eines Menschen Sohn, ward vor denselben gebracht; der gab ihm Gewalt, Ehre und Königreich, dass ihm alle Königreiche dienen und gehorchen sollten." (Dan. 7:9, 13, 14, 22, 27) Hierzu kommt noch die Aussage des Apostel Paulus, dass, wenn Christus den Zweck seiner Herrschaft erreicht habe - "alsdann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem (Vater), der ihm alles untergetan hat." - 1. Kor. 15:28

Diese Zeitdauer wird der "Tag der Rache (Vergeltung) unseres Gottes", und der "Tag des Zorns" oder "Grimmes", heiligen Unwillens, genannt (Jes. 61:2; 63:1-4; Psalm 110:5). Wer dabei jedoch nur an buchstäblichen Zorn denkt oder gar göttliches Übelwollen oder Bosheit im Sinne hat, der irrt sich sehr. Gott hat gewisse Gesetze festgesetzt, nach welchen er handelt, und wer nun aus irgendeiner Ursache damit in Widerspruch gerät, erntet von seiner eigenen Handlungsweise die Strafe oder den Zorn. Gottes wohlgemeinter Rat ist von der Menschheit, mit Ausnahme der wenigen, beständig verworfen worden, und er ließ seinerseits zu, dass sie ihren eigenen Weg gingen und ihn und seinen Rat von sich wiesen (Röm. 1:28). Er beschränkte dann seine besondere Fürsorge auf Abraham und seinen Samen, welche bekannten, nach seinem Wege und Dienste zu fragen. Ihre Herzenshärtigkeit als Volk und ihre Unaufrichtigkeit gegen Gott hielten sie nicht nur naturgemäß von der Annahme des Messias ab, sondern bereiteten sie auch ebenso naturgemäß für die ihre nationale Existenz beendende Drangsal zu und führten sie in dieselbe hinein.

Und so hat das Licht, das durch die wahre Kirche Christi (die Klasse, deren Namen im Himmel angeschrieben sind), während des Evangeliums-Zeitalters in der Welt leuchtete, der zivilisierten Welt gegenüber Zeugnis abgelegt über den Unterschied von Recht und Unrecht, Gut und Böse und über eine hereinbrechende Zeit, in der das eine belohnt und das andere bestraft werden würde (Joh. 16:8-11; Apg. 24:25). Hätten die Menschen die Unterweisung des Herrn beachtet, so würde dies von weitgehendem Einfluss auf sie gewesen sein. Doch, eigenwillig wie immer, haben sie aus den Lehren der Schrift wenig Nutzen gewonnen, und die Drangsal des Tages des Herrn wird als eine Folge dieser Vernachlässigung kommen. Wiederum kann gesagt werden, es sei der Zorn Gottes, insofern, als diese Drangsal durch Missachtung seiner Ratschläge und als Lohn der Ungerechtigkeit kommt. Nichtsdestoweniger ist die über die Welt hereinbrechende Drangsal, in anderem Lichte angesehen, nur das naturgemäße oder folgerichtige Ergebnis der Sünde, welches Gott vorhersah und wovor sein Rat, wenn er befolgt worden wäre, sie hätte schützen können.

Während Gottes Botschaft an die Kirche die gewesen ist: "Stellt eure Leiber dar zu einem lebendigen Schlachtopfer." (Röm. 12:1), war seine Botschaft an die Welt: "Behüte deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht falsch reden. Weiche vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach." (Psalm 34:14, 15) Wenige nur haben die eine wie die andere Botschaft beachtet; nur eine kleine Herde opfert sich auf; und was die Welt betrifft, so hat sie wohl das Motto: "Ehrlich währt am längsten" an die Wand geschrieben, aber seine Befolgung im allgemeinen versäumt. Sie hörte vielmehr auf die Stimme des Geizes: Nimm an Reichtum, Ehre und Macht in dieser Welt, soviel du kannst; es macht nichts, auf welche Weise du es bekommst, und einerlei ist es, wer durch deinen Gewinn verliert. Mit wenigen Worten, die Drangsal dieses Tages des Herrn würde, ja könnte nicht kommen, wenn die Prinzipien des Gesetzes Gottes nur einigermaßen beobachtet worden wären. Dieses Gesetz, kurz zusammengefasst, lautet: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, mit ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst (Matth. 22:37-39). Weil der verderbte oder fleischliche Sinn diesem Gesetze Gottes zuwider und ihm nicht untertan ist, darum wird als naturgemäße Folge die Drangsal kommen, wie auf die Saat die Ernte folgt.

Der fleischliche oder verderbte Sinn, weit entfernt, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, ist stets selbstsüchtig und habsüchtig gewesen und hat oft zu Gewalttat und Mord geführt, um, was dem anderen gehört, für sich selbst zu erlangen. Wie das Prinzip oder die Neigung der Selbstsucht auch ausgeübt wird, es bleibt immer dasselbe und wird nur durch Umstände, Geburt, Erziehung und Umgebung regiert. Es ist in jedem Zeitalter der Welt dasselbe gewesen und wird es bleiben, bis durch die Gewalt der eisernen Herrschaft des Messias nicht Macht noch Gier, sondern Liebe entscheiden und erzwingen wird, was Recht ist, bis allen Gelegenheit gegeben worden ist, die Vorzüge der Herrschaft der Gerechtigkeit und Liebe im Gegensatz zu Selbstsucht und Macht kennen zulernen, bis das selbstsüchtige steinerne Menschenherz unter dem Einfluss des Sonnenlichtes der Wahrheit wiederum das werden wird, als was Gott es einst erklärte, "sehr gut" - ein Herz von Fleisch. - Hes. 36:26

Wenn wir zurückschauen, können wir ohne Schwierigkeit sehen, wie die Umwandlung von gottähnlicher Liebe und Güte zu harter Selbstsucht vor sich ging. Die Verhältnisse, welche die Selbstsucht begünstigten, traten ein, sobald der Mensch durch seinen Ungehorsam die göttliche Gnade einbüßte und aus seiner Paradieses- oder Edenheimat, in welcher für jegliches Bedürfnis reichlich gesorgt war, ausgetrieben wurde. Als unsere verurteilten Eltern auszogen, den Kampf des Lebens begannen und ihr Dasein bis zur äußerst möglichen Grenze hinaus zu verlängern suchten, da begegneten ihnen sogleich Dornen und Disteln und unfruchtbarer Boden; und der Kampf mit diesen erzeugte Müdigkeit und den Schweiß des Antlitzes, wie der Herr erklärt hatte. Nach und nach fingen die geistigen und moralischen Eigenschaften aus Mangel an Übung zu verkümmern an, während die niedrigen durch beständigen Gebrauch zu vollerer Ausbildung gelangten. Die Selbsterhaltung wurde das Hauptziel und Interesse des Lebens, und was sie an Arbeitskraft erforderte, wurde zum Maßstab, nach welchem man alle anderen Interessen austauschte; der Mammon wurde Herr der Menschen. Können wir uns wundern, dass die Menschheit unter solchen Umständen selbstsüchtig, habsüchtig und gierig wurde, dass jeder nach dem meisten strebte? - zuerst nach dem zum Leben Notwendigen, und dann nach den Ehren und Genüssen, die der Mammon zu verteilen hatte? Nur die natürliche Neigung ist es, die Satan zu seinem Vorteil ausgebeutet hat.

In verflossenen Zeitaltern war der große Reichtum der Welt aus verschiedenen Ursachen (darunter Unwissenheit, Rassen- und Standesvorurteile und Nationalstolz) meistens in den Händen weniger, der Herrscher, denen die Massen, als ihren Nationalvertretern, sklavischen Gehorsam leisteten, in deren Reichtum sie ihren Stolz setzten und ihr eigenes Interesse suchten. Doch als die Zeit herbei kam, in der Jehova beschlossen hat, die Welt durch eine Wiederherstellung durch den Messias zu segnen, da fing er an, den Schleier der Unwissenheit und des Aberglaubens durch die modernen Hilfsmittel und Erfindungen zu lüften; und im Zusammenhang damit trat ein allgemeineres Emporkommen des Volkes und eine Abnahme der Macht der Herrscher ein. Der Reichtum der Welt befindet sich nicht mehr ausschließlich in den Händen ihrer Könige, sondern hauptsächlich unter dem Volk.

Obgleich Reichtum viele Übel erzeugt, so gewährt er doch auch manche Segnungen: die Begüterten erhalten eine bessere Erziehung, werden aber dadurch geistig über das Volk emporgehoben und mehr oder weniger mit den Königen verbunden. Daher haben wir eine Aristokratie, die beides, Geld und Erziehung besitzt, sie in ihrem ehrgeizigen Streben, alles zu erlangen, was im Bereiche der Möglichkeit liegt, unterstützt und das eigene Ich um jeden Preis im Vordergrunde hält.

Nun aber, da Intelligenz sich ausbreitet, da sich das Volk die reichlichen Erziehungsmittel zunutze macht, fängt es an, für sich selbst zu denken; und mit der ihm eigenen Selbstachtung und Selbstsucht, angetrieben durch halbes Wissen - manchmal ein gefährlich Ding - meint es, Mittel und Wege gefunden zu haben, durch welche die Verhältnisse aller Menschen und besonders die eigenen, auf Kosten der kleineren Zahl, in deren Hand der Besitz jetzt liegt, gefördert werden könnten. Ohne Zweifel glauben viele, dass die sich widerstreitenden Interessen der Mammonsdiener (sie selbst auf der einen, die Reichen auf der anderen Seite) leicht und richtig ausgeglichen werden könnten; sie denken, wenn sie reich wären, so würden sie sehr wohlwollend und gern willens sein, ihren Nächsten wie sich selbst zu lieben. Aber sie täuschen sich, denn nur sehr wenige bekunden solchen Geist in ihrem gegenwärtigen Zustande, und wer beim Gebrauch der kleinen Güter dieser Welt nicht treu ist, würde auch im Großen, wenn er reicher wäre, nicht treu sein. Tatsachen bewiesen dies; denn zu den Hartherzigsten und Selbstsüchtigsten unter den Begüterten zählen die, welche sich plötzlich aus geringen Verhältnissen emporgeschwungen haben.

Im Gegenteil, während wir bei keinem und in keiner Weise Begehrlichkeit und nimmersatte Selbstsucht entschuldigen, sondern strafen, so ist es doch nur billig, anzuerkennen, dass die Versorgung Kranker, Hilfloser und Armer durch Gründung von Asylen, Hospitälern, Armenhäusern, öffentlichen Bibliotheken, Schulen und durch verschiedene andere Unternehmungen, mehr zum besten und für das Wohl der Massen, als zu dem der Wohlhabenden dienend, hauptsächlich durch Beiträge und Gaben der Reichen ermöglicht wird. Die Stiftungen verdanken ihr Sein fast immer den barmherzig und wohltätig Gesinnten unter den Reichen und sind Unternehmungen, die in erfolgreiche Wirksamkeit zu bringen, die ärmeren Klassen weder die Zeit, noch im allgemeinen die nötige Bildung oder das erforderliche Interesse haben.

Nichtsdestoweniger besteht in unserer Zeit eine wachsende Opposition der Besitzenden und der arbeitenden Klasse gegeneinander - eine wachsende Bitterkeit auf Seiten der Arbeit und ein wachsendes Gefühl unter den Besitzenden, dass nichts als der starke Arm des Gesetzes das, was sie für ihr Recht halten, beschützen kann. Folglich werden die Reichen mehr auf die Seite der Obrigkeit gezogen, und die um Lohn arbeitenden Massen fangen an zu denken, dass Gesetze und Obrigkeiten nur zu dem Zwecke da wären, den Begüterten zu helfen und die Armen im Zaume halten, und darum werden sie dem Kommunismus und der Anarchie in die Arme getrieben, in der Meinung, dass ihre Interessen dadurch am besten gefördert werden würden, wobei sie vergessen, dass die schlechteste und teuerste Regierung bei weitem besser ist als gar keine.

Viele Schriftstellen zeigen deutlich, dass dies die Eigentümlichkeit der Drangsal sein wird, in der die gegenwärtigen Staats-, Gesellschafts- und Religions-Systeme vergehen werden; dass dies wegen des Menschen geistiger, moralischer und physischer Unvollkommenheit die Folge vermehrten Wissens und vermehrter Freiheit sein wird. Auf diese Schriftstellen wird an geeigneter Stelle Bezug genommen werden; hier können wir unsere Aufmerksamkeit nur auf eine kleine Zahl unter den vielen richten. Bei vielen Prophezeiungen des Alten Testamentes, worin Ägypten, Babylon und Israel eine so große Rolle spielen, war nicht nur eine buchstäbliche, sondern auch eine zweite und breitere Erfüllung beabsichtigt. So müssten die Voraussagungen des Falles Babylons usw. über die Maßen übertrieben erscheinen, wenn wir nicht eben sowohl ein sinnbildliches und gegenbildliches, als ein buchstäbliches Babylon kennen würden. Das Buch der Offenbarung enthält Vorhersagungen, die lange, nachdem das buchstäbliche Babylon in Trümmern lag, verzeichnet wurden und folglich nur auf das sinnbildliche Babylon anzuwenden sind; und die große Ähnlichkeit der Worte der Propheten, die unleugbar an das buchstäbliche Babylon gerichtet waren, zeigen, dass dieselben in einem besonderen Sinne das sinnbildliche Babylon angehen. Bei dieser breiteren Erfüllung vertritt Ägypten die Welt; Babylon die Namenkirche, "Christen­heit" genannt; während Israel, wie schon gezeigt, die ganze Welt in ihrem gerechtfertigten Zustande darstellt, wie sie sein wird, sein königliches Priestertum, seine heiligen Leviten und sein gläubig anbetendes Volk, alle durch das Sühnopfer gerechtfertigt und in den Zustand der Versöhnung mit Gott gebracht. Israel sind die Segnungen verheißen, Ägypten die Plagen zugesprochen, und dem starken Babylon ein wunderbarer, vollständiger und ewig dauernder Sturz "wie ein ins Meer geworfener großer Mühlstein" (Offb. 18:21), um sich nie wieder zu erheben, sondern in der Erinnerung ewiglich ein Abscheu zu bleiben.

Der Apostel Jakobus weist auf diesen Tag der Drangsal hin und redet von ihm als dem Ergebnis der Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit. Er sagt: "Wohl an nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommt! Euer Reichtum ist verfault (hat seinen Wert verloren), und eure Kleider sind mottenfräßig geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein wider euch und euer Fleisch fressen wie Feuer; ihr habt Schätze gesammelt (aufgespeichert) in den letzten Tagen. Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, der von euch vorenthalten ist, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen." (Jak. 5:1-4) Er fügt hinzu, dass die von der Drangsal ereilte Klasse an Luxus gewohnt gewesen ist, der zumeist auf Kosten anderer erlangt wurde, worunter sich einige der "Gerechten" befanden, aus denen, weil sie keinen Widerstand leisteten, sogar das Leben ausgepresst wurde. Der Apostel dringt in die "Brüder", geduldig zu ertragen, was ihr Los auch sei, darüber hinaus zuschauen und ihre Befreiung vom Herrn zu erwarten. Eben diese Lage der Dinge kann man jetzt mit Riesenschritten sich nähern sehen; und in der Welt, d.i. unter den Aufgewachten derselben, fangen die Menschen an, zu "verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen" Jedermann weiß, dass der beständige Zug unserer Zeit auf niedrigeren Lohn für die Arbeit gerichtet ist, es sei denn, dass die Preise durch Arbeitsvereinigungen, "Streiks" usw. künstlich gestützt und in die Höhe geschraubt werden; und bei der gegenwärtigen Stimmung der Massen kann jedermann sehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann der niedrigste Punkt des Erträglichen erreicht und Empörung und Aufruhr folgen wird. Das wird das Kapital beunruhigen. Es wird den Kanälen des Handels und der Gewerbetätigkeit entzogen und in Gewölben und Schatzhäusern aufgespeichert werden, um sich dort, zum großen Ärger der Eigentümer, durch die Kosten für seine Aufbewahrung in der Untätigkeit selbst aufzuzehren. Dies hinwiederum wird gewiss Bankrott, finanziellen Schrecken und Geschäftssperre verursachen, weil jedes größere Geschäft heutigen Tages meistenteils auf Kredit betrieben wird. Die natürliche Folge von alledem wird sein, dass Hunderttausende, die fürs tägliche Brot auf ihren Lohn angewiesen sind, außer Arbeit kommen und die Welt mit Vagabunden und solchen Leuten, deren Not allem Gesetze spottet, füllen wird. Da wird es gehen, wie es vom Propheten (Hes. 7:10-19) beschrieben wird, dass der Käufer sich nicht zu freuen braucht, noch der Verkäufer trauern, denn Drangsal soll über die ganze Menge kommen, und keine Sicherheit für Eigentum mehr sein. Aller Hände werden dann zu schwach und hilflos sein, die Drangsal abzuwenden. Ihr Silber werden sie auf die Straße werfen und ihr Gold wird ihnen für Unflat gelten. Weder ihr Silber noch Gold wird sie zu retten vermögen am Tage der Vergeltung des Herrn.

Die letzten vierzig Jahre, da Israel als Volk bestand, waren auch ein Tag der Drangsal, ein "Tag der Rache" über jenes Volk, der mit der vollständigen Vernichtung seiner Nationalität endete. Doch dabei sollte man nicht vergessen, dass sein Tag der Vergeltung nur ein Schatten oder Vorbild einer noch viel größeren und viel ausgedehnteren Drangsal war, die über die Namenchristenheit kommen soll, so wie seine vergangene Geschichte als Volk, während des Zeitalters seiner Begünstigung, vom Evangeliums-Zeitalter vorbildlich war, wie wir im folgenden mit entscheidender Gewissheit zeigen werden. Jeder wird dann sehen können, warum diese Prophezeiungen über den Tag des Herrn mehr oder weniger direkt an Israel und Jerusalem gerichtet werden konnten und gerichtet worden sind, obwohl der Zusammenhang deutlich zeigt, dass bei der vollständigen Erfüllung die ganze Menschheit einbegriffen ist.

Nimm ein anderes prophetisches Zeugnis (Zeph. 1:7-9, 14-18): "Jehova hat ein Schlachtopfer bereitet, er hat seine Geladenen geheiligt. (Vergl. Offb. 19:17) Und es wird geschehen an dem Tage des Schlachtopfers Jehovas, da werde ich die Fürsten und die Königssöhne heimsuchen und alle, die sich mit fremder Kleidung bekleiden. Und ich werde (ferner) einen jeden heimsuchen, der über die Schwelle springt (jeden Plünderer), alle, die das Haus ihres Herrn mit Gewalt und Betrug erfüllen." Dies zeigt, dass in dieser Drangsalszeit nicht nur dem Reichtum und der Macht der Garaus gemacht werden wird, sondern dass auch die, die zur Zeit als des Himmels Werkzeuge beim Zusammenbrechen der gegenwärtigen Systeme gebraucht wurden, gleichfalls für ihre gleichermaßen ungerechte Handlungsweise gestraft werden, denn die herbei kommende Drangsal wird alle Klassen ergreifen und Elend auf die ganze große Menge bringen.

"Nahe ist der große Tag Jehovas; er ist nahe und eilt sehr. Horch, der Tag Jehovas! bitterlich schreit dort der Held (Mächtige). Ein Tage des Grimmes ist dieser Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit (Ungewissheit und Vorahnung, wie auch gegenwärtiger Not), ein Tag des Gewölks (Trübsal) und des Wolkendunkels, ein Tag der Posaune (die siebente sinnbildliche Posaune ertönt diesen ganzen Tag der Drangsal hindurch, auch die Posaune Gottes genannt, weil sie mit den Ereignissen dieses Tages Jehovas im engsten Zusammenhang steht) und des Kriegsgeschreis wider die festen Städte und wider die hohen Zinnen (hochtrabende und widerspruchsvolle Ankündigungen starker und fest gewurzelter Regierungen). Und ich werde die Menschen ängstigen, und sie werden einher gehen wie die Blinden (in Ungewissheit einher tappend, nicht wissend, welchen Weg einzuschlagen), weil sie gegen Jehova gesündigt haben; und ihr Blut wird verschüttet werden wie Staub und ihr Fleisch wie Kot; auch ihr Silber, auch ihr Gold wird sie nicht erretten können am Tage des Grimmes Jehovas (ob auch früher Reichtum jeglichen Luxus und jede Bequemlichkeit verschaffen konnte); und durch das Feuer seines Eifers wird das ganze Land verzehrt werden. Denn ein Ende, ja ein plötzliches Ende wird er machen mit allen (den reichen) Bewohnern des Landes." Dieses Garauswerden wird viele der Reichen in dem Sinne treffen, dass sie aufhören, reich zu sein, obwohl das ohne Zweifel auch den Verlust manches Lebens einschließen wird.

Wir wollen nicht unternehmen, den Propheten in allen Einzelheiten zu folgen, die von ihnen von verschiedenen Standpunkten aus über die Drangsal jenes Tages gegeben werden, sondern wollen nur kurz dem vom Propheten oben zuletzt ausgedrückten Gedanken nachgehen, nämlich: Das Verzehren des ganzen Landes im Feuer des Eifers Gottes. Derselbe Prophet nimmt auf dasselbe Feuer usw. abermals Bezug, wenn er (Zeph. 3:8, 9) sagt: "Harret auf mich, spricht Jehova, auf den Tag, da ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zornes. (Das Zusammenbringen der Volksmassen aller Nationen zu gemeinsamen Interessen und in Auflehnung gegen die gegenwärtigen Regierungen, die sogenannte "Internationale" Volksbewegung, ist im Wachsen begriffen, und infolge davon werden sich auch die Reiche um der gemeinsamen Sicherheit willen verbinden, so dass die Drangsal über alle Reiche zugleich kommen wird und sie alle fallen werden.) Denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden. Und alsdann (nach diesem Umsturz der Reiche, nach dem Untergange der jetzigen sozialen Richtung, alsdann) werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln (ihnen das reine Wort, unverfälscht durch menschliche Tradition, geben), damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.

Dieses Feuer des Eifers Gottes ist ein Symbol, ein Sinnbild, und ein sehr bezeichnendes. Es stellt den hohen Grad der Drangsal und der Verwüstung dar, welche die ganze Erde einschließen wird. Dass es kein buchstäbliches Feuer ist, wie einige annehmen, geht klar aus der Tatsache hervor, dass nach demselben die Leute, "die Völker", noch übrigbleiben und gesegnet werden. Dass die Leute, die noch übrigbleiben, nicht die Heiligen sind, wie etliche annehmen, geht daraus hervor, dass sie erst bekehrt werden müssen, um dem Herrn dienen zu können; die Heiligen aber, sind sie nicht schon bekehrt und dienen dem Herrn? (Anmerkung: Wir erwähnen dies, um es dem von einigen vorgebrachten Argumenten entgegenzustellen, dass das Feuer ein buchstäbliches oder wirkliches Feuer sei, und dass darum die buchstäbliche Erde usw. schmelzen werde. Um diese ihre Ansicht in Übereinstimmung zu bringen, behaupten sie, dass "die Völker" (die Leute), die hier erwähnt sind, die Heiligen seien, die, nachdem die Erde geschmolzen und dann abgekühlt sei, auf die Erde zurückkehren, Häuser bauen und bewohnen, Weinberge pflanzen und deren Früchte genießen und lange sich der Arbeit ihrer Hände erfreuen werden. Sie betrachten die jetzigen wenigen Jahre als eine Schulung und Vorbereitung für die Beerbung und vergessen, dass dies in den Luft-Erfahrungen von tausend oder mehr Jahren des Wartens, bis die Erde sich abkühlen würde, gänzlich verloren gehen würde - nach ihrer Theorie. Das ist ein schwerer Irrtum, der von einer zu buchstäblichen Auslegung der Bilder, Sinnbilder, Gleichnisse und dunklen Reden Jesu, der Apostel und Propheten herrührt. Denselben Irrtum weiter verfolgend, erklären diese sogar, dass es nach diesem Feuer keine Berge und Meere mehr geben wird, weil sie nicht sehen, dass diese alle, wie auch das Feuer, Sinnbilder sind.)

Das Wort Erde bezeichnet in der Schrift, wenn es sinnbildlich gebraucht wird, durchweg die Gesellschaftsordnung; Berge bezeichnen Reiche; Himmel die Mächte geistiger Herrschaft; See oder Meer die rastlosen, unruhigen, unzufriedenen Massen der Welt. Feuer versinnbildet die Zerstörung alles dessen, was verbrannt wird, nämlich Unkraut (Scheinweizen), die Erde (soziale Einrichtung) und die Werke auf ihr (vergängliches Wesen) usw. Und wenn im Sinnbild zum Feuer noch Schwefel hinzugefügt wird, so verstärkt es den Gedanken der Zerstörung; denn nichts ist todbringender für alle Lebensformen als Schwefeldampf.

Mit diesem Gedanken stimmt vollständig die sinnbildliche Weissagung des Apostel Petrus über den Tag der Vergeltung überein. Er sagt: "Durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging. (Nicht die buchstäbliche Erde und die buchstäblichen Himmel hörten da auf, sondern jene Zeitordnung oder Ordnung der Dinge, die damals, vor der Flut bestand.) Die jetzigen Himmel aber und die Erde (die gegenwärtige Ordnung der Dinge) sind durch dasselbe Wort (göttlicher Macht) aufgespart und fürs Feuer bewahrt." Der Umstand, dass das Wasser buchstäblich war, verleitet etliche zu der Annahme, das Feuer müsse auch ein buchstäbliches sein; aber das folgt nicht daraus. Der Tempel Gottes war einst aus buchstäblichen Steinen erbaut, aber das hindert nicht, dass die Kirche, die der wahre Tempel ist, tatsächlich als geistiger Bau, ein heiliger Tempel, und nicht aus irdischem Material, erbaut wird. Noahs Arche war ebenfalls eine buchstäbliche, schattete aber Christum und die in ihm vorhandene Kraft ab, durch welche er die menschliche Gesellschaft wiederherstellen und reorganisieren wird.

"Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb (unbemerkt), an welchem die Himmel (die gegenwärtigen Gewalten der Luft, deren Anführer oder Fürst Satan ist) vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brand werden aufgelöst und die Erde (gesellschaftliche Ordnung) und die Werke auf ihr (Stolz, Standesunterschiede, Aristokratie, Königswürde) verbrannt werden. Die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst, und die Elemente im Brand werden zerschmelzen. Wir erwarten aber, nach seiner Verheißung, neue Himmel (die neue geistige Macht, Christi Königreich) und eine neue Erde", irdische Gesellschaftsordnung, auf einer neuen Grundlage, der Grundlage der Liebe und Gerechtigkeit, anstatt derjenigen der Macht und Unterdrückung. - 2. Petr. 3:6, 7, 10-13

Man muss bedenken, dass einige von den Aposteln auch "Propheten" waren - vor allem Petrus, Johannes und Paulus. Und während sie als Apostel Gottes Mundstücke bei der Auslegung der Aussprüche früherer Propheten waren, um so der Kirche zu dienen, wurden sie von Gott auch als Propheten verwandt, um künftige Dinge vorherzusagen, die, sobald die Zeit ihrer Erfüllung herbeikommt, für die Hausgenossen des Glaubens zur "Speise zu seiner Zeit" werden, und welche auszuteilen, Gott zu seiner ihm gefälligen Zeit geeignete Diener oder Ausleger erweckt. (siehe Jesu Aussage darüber - Matth. 24:45, 46) Als Propheten wurden die Apostel getrieben, Dinge zu schreiben, die sie, weil sie zu ihrer Zeit noch nicht fällig waren, nur unvollkommen verstehen konnten, ebenso wie es mit den alttestamentlichen Propheten der Fall war (1. Petr. 1:12, 13), obwohl ihre Worte, wie die jener, besonders geführt und geleitet wurden, so dass sie eine Tiefe der Bedeutung enthielten, von der sie, als sie dieselben aussprachen, keine Ahnung hatten. So ist die Kirche positiv stets von Gott selbst geleitet und genährt worden, wer auch seine Mundstücke oder seine Kanäle der Mitteilung sein möchten. Je mehr man dies erkennt, desto mehr muss es zu festerem Vertrauen und größerer Zuversicht zu Gottes Wort führen, trotz der Unvollkommenheit einiger seiner Mundstücke.

Der Prophet Maleachi (4:1) redet von diesem Tage des Herrn unter dem gleichen Sinnbild. Er sagt: "Der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird." Hochmut und jede andere Ursache, aus der Hoffahrt und Unterdrückung wiederum emporkommen könnten, werden durch die große Drangsal des Tages des Herrn und durch die darauffolgenden Züchtigungen des Millenniums, deren letzte in Offb. 20:9 beschrieben ist, vollständig verzehrt werden.

Doch während Stolz oder Übermut (in allen seinen sündigen und verwerflichen Formen) gänzlich ausgerottet, und alle Stolzen und Gottlosen gänzlich vernichtet werden sollen, so folgt daraus noch nicht, dass unter dieser Klasse keine Hoffnung auf Besserung sei. Nein gottlob, während das Feuer des gerechten Unwillens Gottes brennen wird, wird der Richter Gelegenheit geben, dass etliche aus dem verzehrenden Feuer gerissen werden (Judas 23); und nur solche, welche die Hilfe ausschlagen, werden mit ihrem Stolze untergehen; denn solche haben ihn zu einem Teile ihres Wesens gemacht und weigern sich, sich zu bessern.

Derselbe Prophet gibt noch eine andere Beschreibung dieses Tages (Mal. 3:1-3), wo er wiederum unter dem Bild des Feuers zeigt, wie die Kinder des Herrn geläutert und gesegnet und zu ihm gebracht werden, indem die Schlacken des Irrtums zerstört werden: "Der Engel des Bundes, den ihr begehrt: siehe, er kommt, spricht Jehova der Heerscharen. Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird (die Prüfung) bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er wird wie das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher. Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi (vorbildlich von den Gläubigen, von denen die Höchsten oder Ersten das königliche Priestertum sind) reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber, so dass sie Opfergaben dem Jehova darbringen werden in Gerechtigkeit."

Paulus bezieht sich auf dasselbe Feuer und denselben Reinigungsvorgang am Tage des Herrn (1. Kor. 3:12-15), und zwar in solcher Weise, dass es über jede Frage erhaben bleibt, dass das Feuer das Sinnbild der Zerstörung des Irrtums sei, wodurch die Reinigung des Glaubens erfolgt. Nachdem er erklärt hat, dass er sich nur auf die bezieht, die ihren Glauben auf die allein anerkannte Grundlage, auf Christi Jesu vollendetes Werk der Versöhnung aufbauen, sagt er: "Wenn aber jemand auf diesen Grund baut (Charakter) Gold, Silber, köstliche Steine (göttliche Wahrheiten und dementsprechenden Charakter, oder) Holz, Heu, Stroh (überlieferte Irrlehren und dementsprechende unsichere Charaktere), so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klar machen, weil er in Feuer geoffenbart wird; und welcherlei das Werk eines jeden ist, wird das Feuer bewähren." (2. Petr. 1:5-11) Selbst der Voreingenommenste wird zugeben müssen, dass das Feuer, welches eines Menschen Glauben erprobt, kein "buchstäbliches" Feuer ist, dass hingegen Feuer ein treffendes Sinnbild abgibt, um die gänzliche Ausrottung von Zuständen, hier unter Holz, Heu und Stroh versinnbildet, anzudeuten. Dieses Feuer ist machtlos, das echte Glaubens- und Charaktergebäude zu zerstören, das aus Gold, Silber und köstlichen Steinen göttlicher Wahrheit erbaut und auf den Felsen des Lösegeld-Opfers gegründet ist.

Der Apostel erläutert dies, wenn er sagt: "Wenn das Werk jemandes bleiben wird, das er darauf (auf Christus) gebaut hat, so wird er Lohn empfangen." (Sein Lohn verhält sich zu seiner Treue beim Bauen: von der Wahrheit zum Aufbau eines wahren Charakters Gebrauch machend und die ganze Waffenrüstung anlegend.) "Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden (Verlust des Lohnes wegen Untreue); er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer", versengt, ausgedörrt, in Schrecken versetzt. Wer auf den Felsengrund des Lösegeldes Christi gebaut hat, ist sicher. Niemand, der sich auf seine Gerechtigkeit als schützende Decke verlässt, wird verstoßen werden. Nur diejenigen, die ihn und sein Werk wissentlich und willentlich verwerfen, nachdem sie zu einem klaren, vollen Verständnis desselben kamen, sind in Gefahr des zweiten Todes. - Hebr. 6:4-8; 10, 26-31

Noch auf eine andere Weise wird dieser Tag des Herrn sinnbildlich beschrieben. Der Apostel zeigt (Hebr. 12:26-29), dass die feierliche Einführung des Gesetzesbundes am Sinai vorbildlich sei von der Einführung des Neuen Bundes mit der Welt bei der Eröffnung des Millenniums-Zeitalters oder der Herrschaft des Königreiches Christi. Er sagt, dass Gottes Stimme im Vorbilde die buchstäbliche Erde erschütterte, "jetzt aber hat er verheißen und gesagt: Noch einmal werde ich nicht allein die Erde bewegen, sondern auch den Himmel". Dies erklärend, fügt der Apostel hinzu: "Aber das noch einmal (also zum letzten Mal) deutet die Verwandlung der Dinge an, die erschüttert werden als solche, die gemacht (falsch, erfunden, nicht wahr) sind, auf dass die, welche nicht erschüttert werden, (allein wahre, gerechte Dinge) bleiben. Deshalb, da wir ein unerschütterliches Königreich empfangen, lasst uns Gnade haben, durch welche wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Ehrfurcht. Denn (wie geschrieben steht), auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer." Hier, sehen wir, gebraucht der Apostel den Gewittersturm, um die Drangsal dieses Tages des Herrn zu versinnbilden, auf welche er und andere sonst unter dem Sinnbild des Feuers Bezug nehmen. Dieselben Ereignisse werden hier beschrieben, die auch unter dem Sinnbild des Feuers genannt werden: Das Hinwegfegen aller Falschheit, sowohl bei den Gläubigen wie bei der Welt, Irrtümer betreffs des Planes, Wesens und Wortes Gottes, sowie auch Irrtümer oder Verkehrtheiten betreffs gesellschaftlicher und bürgerlicher Angelegenheiten der Welt. Es wird in der Tat eine Wohltat für alle sein, von diesem "Gemachten" frei zu werden, das größtenteils durch der Menschen eigene, verderbte Neigungen, wie auch durch die List und Verschmitztheit Satans, des geschworenen Feindes der Gerechtigkeit, über sie kam, aber es wird jeden davon Betroffenen viel kosten, dass es hinweg gefegt wird. Es wird ein gewaltiges heißes Feuer sein, ein schrecklicher Sturm, eine dunkle Nacht der Drangsal, die dem herrlichen Glanze jenes Königreiches der Gerechtigkeit, das nie erschüttert werden kann, jenem Tausendjahrtag, an dem die Sonne der Gerechtigkeit mit Macht und Pracht hervor scheinen und die kranke und sterbende, aber zurückgekaufte Welt heilen wird, vorangeht. - vergl. Mal. 4:2; Matth. 13:43

David, der Prophet, durch dessen Psalmen es Gott gefallen hat, uns so viel von unserem Herrn bei seinem ersten Advent vorherzusagen, gibt auch einige lebensvolle Beschreibungen dieses Tages der Drangsal durch den seine glorreiche Herrschaft eingeführt werden wird; und er gebraucht dabei auch diese verschiedenen Sinnbilder, Feuer, Sturm und Dunkelheit, wieder und wieder.

So sagt er z. B. (Psalm 50:3): "Unser Gott kommt und er wird nicht schweigen; Feuer frisst vor ihm her, und rings um ihn stürmt es gewaltig." Wiederum (Psalm 97:2-6): "Gewölk und Dunkel sind um ihn her; Gerechtigkeit und Gericht sind seines Thrones Grundfeste. Feuer geht vor ihm her und entzündet seine Feinde ringsum. Seine Blitze erleuchten den Erdkreis: die Erde sah es und bebte. Die Berge zerschmolzen wie Wachs vor Jehova, vor dem Herrn der ganzen Erde. Die (neuen) Himmel verkündeten (dann) seine Gerechtigkeit, und alle Völker sahen seine Herrlichkeit". Und wiederum (Psalm 110:2-6): "Herrsche inmitten deiner Feinde! ... Der Herr zu deiner Rechten zerschmettert Könige am Tage seines Zornes. Er wird richten unter den Nationen, er füllt (alles) mit Leichen; das Haupt (den Herrscher) über ein großes Land zerschmettert er." Nochmals (Psalm 46:1-5): "Gott ist uns Zuflucht ... darum werden wir uns nicht fürchten, wenngleich gewandelt würde die Erde (Gesellschaft) und wenn die Berge (Reiche) wankten im Herzen des Meeres (von den aufgeregten Massen verschlungen würden). Wenn seine Wasser tobten und schäumten, die Berge erbebten durch sein Ungestüm ... Gott wird ihr (der Braut, der treuen kleinen Herde) helfen beim Anbruch des Morgens", des Millenniums. Und nochmals im selben Psalm, Verse 6-10, wird dieselbe Geschichte in noch andere Sinnbilder gekleidet: - "Es toben die Nationen, die Königreiche wanken; er lässt seine Stimme erschallen: die Erde zerschmilzt. Jehova der Heerscharen ist (aber) mit uns, eine hohe Feste ist uns der Gott Jakobs." Dann, beim Betrachten der Wirkungen jener nun hinter ihm liegenden Drangsalszeit setzt er hinzu: "Schauet die Großtaten Jehovas, der Verheerungen angerichtet hat auf der Erde... Lasset ab (von eueren vorigen Wegen, O Völker) und erkennet (kommt zu der Erkenntnis), dass ich Gott bin! Ich werde erhöht werden unter den Nationen, ich werde erhöht werden auf Erden." Die "neue Erde", oder die neue Ordnung und Einrichtung der Gesellschaft, wird Gott und seine Gesetze über alle und alles erheben.

Ein weiteres Zeugnis zum Beweise dafür, dass der Tag des Herrn ein Tag großer Drangsal und der Zerstörung jeglicher Form des Bösen (aber nicht eine Zeit buchstäblichen Verbrennens der Erde) ist, wird in der letzten sinnbildlichen Prophezeiung der Bibel gegeben. Bezug nehmend auf diese Zeit, da der Herr an sich nehmen wird seine große Macht und herrschen, werden Sturm und Feuer folgendermaßen beschrieben: - "Und die Nationen sind zornig gewesen, und dein Zorn ist gekommen." (Offb. 11:17, 18) Und wiederum: "Und aus seinem Munde geht hervor ein scharfes (zweischneidiges) Schwert, auf dass er damit die Nationen schlage; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. ... Und ich sah das (sinnbildliche) Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelten, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß und mit seinem Heere. Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet, der mit ihm war... Lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt". Offb. 19:15, 19

Wir können hier nicht abschweifen, um diese Sinnbilder - das "Tier", den "falschen Propheten", das "Bild", den "Feuersee", das "Pferd" usw. zu untersuchen. Dafür wird der Leser auf einen folgenden Band verwiesen. Für jetzt möchten wir, dass er bemerken würde, dass der große sinnbildliche Streit (Krieg) und das Einernten des Weines der Erde - hier als der Schluss des gegenwärtigen Zeitalters und das Eröffnen des Millenniums-Zeitalters (Offb. 20:1-3) beschrieben, nur andere Sinnbilder sind, welche dieselben großen, trübseligen Ereignisse behandeln, die an anderer Stelle in sinnbildlicher Sprache Feuer, Sturm, Erschüttern usw. genannt werden. In Verbindung mit den Bildern des Krieges und der Kelter in der Offenbarung beachte die in die Augen fallende Harmonie von Joel 2:9-16 und Jes. 13:1-11, wo dieselben Ereignisse mit ähnlichen Bildern beschrieben werden. Die Mannigfaltigkeit der symbolischen Bilder hilft uns, alle die Züge jenes großen und merkwürdigen Tages des Herrn zu verstehen.

Die gegenwärtige Lage

Wir lassen hier die prophetischen Aussagen über jenen Tag auf sich beruhen, um die gegenwärtigen Verhältnisse der Welt eingehender zu bezeichnen, wie wir sie jetzt für den herannahenden Konflikt sich gestalten sehen, einen Konflikt, der, wenn sein fürchterlicher Höhepunkt erreicht ist, notwendiger Weise ein kurzer sein muss, sonst würde das Menschengeschlecht ausgerottet werden. Die beiden in diesem Streite sich gegenüberstehenden Parteien sind bereits erkennbar. Besitz, Anmaßung und Stolz sind auf der einen Seite und weit verbreitete Armut, Unwissenheit, blinder Eifer und ein scharfer Sinn für Ungerechtigkeit auf der anderen. Beide, von selbstsüchtigen Motiven getrieben, organisieren jetzt ihre Kräfte in der ganzen zivilisierten Welt. Mit unseren von der Wahrheit gesalbten Augen können wir, wohin wir auch blicken, sehen, dass das "Meer" und die "Wogen" schon brausen und an die "Berge" anprallen und ausschäumen, was sich in den Drohungen und Bestrebungen der Anarchisten und Unzufriedenen, deren Zahl beständig wächst, kundgibt; und auch das können wir sehen, dass die Reibung zwischen den verschiedenen Parteien oder Elementen der Gesellschaft mit Sturmeseile dem von den Propheten geschilderten Punkte entgegen geht, da die Erde (Gesellschaft) im Feuer stehen und die Elemente derselben in der gegenseitig hervorgerufenen Hitze schmelzen und sich auflösen werden.

Es ist natürlich schwer für die Leute, auf welcher Seite des Streites sie auch stehen mögen, eine gegen ihre eigenen Interessen, ihre Gewohnheiten, ihre Erziehung gerichtete Ansicht zu hegen. Die Reichen haben das Gefühl, dass sie mehr als nur ihren verhältnismäßigen Anteil an den Gütern dieser Welt zu beanspruchen hätten, dass sie im Rechte wären, die Arbeit und jegliche Bequemlichkeit so niedrig als irgend möglich zu erkaufen, dass sie ein Recht auf die Frucht ihrer Bemühungen hätten und ein Recht, ihre Intelligenz zu gebrauchen, um ihr Geschäft so zu leiten, dass es ihnen etwas einträgt und ihren aufgespeicherten Besitz vermehrt, ohne fragen zu müssen, wer etwa durch die Gewalt der Umstände gezwungen sei, sich mit weniger Annehmlichkeiten zu begnügen, wenn auch das Notdürftigste für das Leben vorhanden sei. Sie denken: Es ist unvermeidlich; das Gesetz von Angebot und Nachfrage muss herrschen; Reiche und Arme sind immer in der Welt gewesen; und wenn der Besitz gleichmäßig am Morgen verteilt wäre, so würden vor dem Abend einige durch Verschwendung oder Unvorsichtigkeit wieder arm sein, während andere Behutsamere und Klügere reich sein würden. Zudem, so werden sie mit Erfolg argumentieren, darf es Menschen von größerer Verstandeskraft zugemutet werden, sich mit dem Risiko großer Verluste in weitreichende Unternehmungen einzulassen, Tausende von Menschen zu beschäftigen, ohne irgendwelche Hoffnung auf Gewinn und Vorteil?

Der Handwerker und Arbeiter hingegen wird sagen: "Wir sehen wohl, dass die Arbeiter sich heute vor irgendeiner früheren Zeit mancher Vorteile erfreuen, dass sie besser bezahlt werden und folglich sich mehr Annehmlichkeiten bereiten können. Doch darin genießen sie nur ihr Recht, aus dem sie seit langem gewissermaßen verdrängt waren und nehmen nun, wie es sich gehört, einen Teil der Vorteile der Erfindungen, Entdeckungen, des zunehmenden Wissens usw. unserer Zeit in Anspruch. Wir betrachten die Arbeit als ehrenhaft und, wenn sie mit rechtem Takte, mit Bildung, Ehrbarkeit und Prinzip Hand in Hand geht, als ebenso ehrenhaft und derselben Rechte wert, wie irgendeinen anderen Beruf. Ja, im Gegenteil, wir halten Müßiggang für eine schlechte Empfehlung und eine Schande für jeden, was auch sein Talent oder seine Beschäftigung im Leben sein möge. Jeder sollte irgendwie anderen nützlich sein, um geachtet und geschätzt zu werden. Aber obwohl wir unsere gegenseitig verbesserte Lage und unsere Fortschritte, was Bildung, gesellschaftliche und finanzielle Lage betrifft, einsehen, so merken wir doch auch, dass dies mehr den Verhältnissen als dem Willen der Menschen, weder unserem noch dem unserer Arbeitgeber, zuzuschreiben ist. Wir sehen, dass unsere wie aller Menschen verbesserte Lage das Ergebnis der großen Zunahme von Bildung, von Erfindungen usw. der letzten fünfzig Jahre ist. Dies alles kam in so rascher Folge, dass sowohl Arbeit wie Kapital von dem Impuls gleich einer Flut empor getragen und auf ein höheres Niveau gebracht wurde; und wenn wir die Aussicht hätten, dass die Flut noch fort und fort steigen und fortfahren würde, allen zu nützen, dann würden wir zufrieden sein; aber weil wir sehen, dass das nicht der Fall ist, darum sind wir beängstigt und beunruhigt. Wir sehen, die Flut fängt an, sich zu wenden, und ob auch durch dieselbe viele zu Reichtum noch emporgehoben wurden und fest und ruhig am Strande der Sicherheit, des Luxus oder der Üppigkeit geborgen sind, so ist doch die große Masse nicht so gestellt und gesichert, sondern in Gefahr, so tief oder noch tiefer als je, von dem Rückstrome der jetzigen Ebbe hinab getragen zu werden. Daher kommt es, dass wir entschlossen sind, Maßregeln zu ergreifen, um unsere gegenwärtige Lage und unser künftiges Vorwärtskommen zu sichern, ehe es zu spät ist."

Um dieselbe Sache mit anderen Worten zu sagen: "Wir (Handwerker und Arbeiter) sehen, wenn auch die Menschheit im großen und ganzen an den Segnungen unserer Tage teilgenommen hat, so haben doch die, welche vermöge größeren Geschäftstalentes oder durch Erbschaft oder durch Betrug und Unehrlichkeit Besitzer von Hunderttausenden und Millionen an Gold geworden sind, nicht nur diesen Vorteil allen anderen voraus, sondern sind auch mit Hilfe der Erfindungen von Maschinen usw. in der Lage, das Verhältnis der Zunahme ihres Reichtums im Verhältnisse zur Abnahme der Gehälter der Lohnarbeiter aufrechtzuerhalten. Wir erkennen, dass das kalte Gesetz des Angebotes und der Nachfrage uns vollständig verschlingen würde, wenn nicht Schritte getan werden zum Schutze der wachsenden Zahl der Handwerker gegen die wachsende Macht des Monopols, dem noch dazu die arbeitssparenden Maschinerien usw. zur Seite stehen. Mehr wegen dieser über unserem Haupte schwebenden Gefahr, als wegen unserer jetzigen Lage organisieren wir uns und suchen nach schützenden Vorkehrungen. Durch natürliche Vermehrung und (in Amerika) durch Einwanderung vergrößert jeder Tag unsere Zahl zusehends, und fast jeder Tag bringt weitere arbeitssparende Maschinen hervor. Jeden Tag wächst daher die Zahl der Arbeitsuchenden und vermindert sich die Nachfrage nach ihren Diensten. Das natürliche Gesetz des Angebotes und der Nachfrage würde demgemäss gar bald, wenn es so ununterbrochen fortgehen dürfte, die Arbeit auf den Standpunkt bringen, den sie vor einem Jahrhundert einnahm und würde alle Vorteile unserer Zeit in der Hand des Kapitals zurücklassen. Das ist es, was wir zu vermeiden suchen."

Seit längerer Zeit haben Weiterblickende bemerkt, dass vieles, was eigentlich Segen bringen sollte, schließlich zum Schaden gereichen werde, wenn es nicht durch weise und passende Gesetze in rechte Bahnen gelenkt würde, aber die Schnelligkeit, mit der eine Erfindung der anderen folgte, und die daraus folgende größere Nachfrage nach Arbeit zur Anfertigung dieser arbeitssparenden Maschinerien, ist so gewesen, dass das drohende Ergebnis aus den Augen verloren wurde, und die Welt statt dessen mit vollen Segeln dahin fuhr, ein Steigen aller Werte, der Löhne, des Eigentums, des Kredits (der Schulden) und der Ideen stattfand, wovon die unausbleibliche Rückwirkung und der unvermeidliche Rückschlag nun allgemein Platz zu greifen anfängt.

In den letzten paar Jahren sind Geräte für den Ackerbau aller Art in ungeheurer Menge verfertigt worden, die einen Mann befähigen, so viel zu leisten, wie früher von fünf geleistet werden musste. Das hat eine zweifache Wirkung: Erstens, dreimal so viele Äcker können bearbeitet werden. Dies setzt, da es nur dreien von den fünf Arbeitern Beschäftigung gewährt, zwei beiseite, um nach anderer Arbeit auszuschauen. Zweitens, die drei Zurückbleibenden können mit Anwendung der Maschinen eine ebenso große Ernte bewältigen als fünfzehn ohne dieselben fertiggebracht hatten. Die gleiche oder eine noch größere Umwälzung wird in anderen Tätigkeitszweigen durch ähnliche Mittel bewirkt, z.B. in der Eisen- und Stahlbereitung. Ihr Wachstum ist ein so großes gewesen, dass die Zahl der Angestellten sich sehr vermehrt hat, trotz der Tatsache, dass durch Maschinenkraft jetzt einem Menschen so viel wie vorher zwölf und noch mehr zu tun möglich ist. Eins wird daraus resultieren: Binnen kurzem wird die Leistungsfähigkeit dieser ausgedehnten Werke den gegenwärtig noch sehr großen Anforderungen mehr als genügen, die Anforderungen selbst aber, anstatt zuzunehmen, werden aller Wahrscheinlichkeit nach abnehmen, denn die Welt ist bald über den gegenwärtigen Bedarf an Eisenbahnen hinaus versorgt, und die nötigen Reparaturen können wahrscheinlich von weniger als der Hälfte der jetzigen Fabriken besorgt werden.

So finden wir die sonderbare Sachlage vor uns, dass eine Überproduktion stattfindet, die gelegentlich sowohl Kapital wie Arbeit zur Untätigkeit zwingt, während manche zu gleicher Zeit die Beschäftigung entbehren, durch die sie imstande waren, sich das Nötige zum Leben und Luxusartikel anzuschaffen, wodurch die Überproduktion verhältnismäßig ausgeglichen wurde. Und noch immer geht das Streben auf Überproduktion und Mangel an Beschäftigung hin und verlangt ein Heilmittel, das die Ärzte der Gesellschaft wohl suchen, der Patient aber nicht gebrauchen will.

"Während wir daher erkennen" (so fährt der Arbeiter fort), "dass, sowie das Angebot die Nachfrage übersteigt, der Gewinn des Kapitals und der Maschinen durch den Wettbewerb arg vermindert wird, und in aller Welt die Reichen durch dieses Beschneiden ihres Profits arg beunruhigt werden, ja in manchen Fällen wirklichen Verlust erleiden, so meinen wir doch, dass die Klassen, die von der "Flut" und dem Steigen am meisten profitiert haben, auch unter der Rückwirkung am meisten zu leiden haben sollten, statt dass die große Masse darunter leidet. Darum, aus diesen Gründen, erstreben die Lohnarbeiter die folgenden Ziele, wenn möglich auf dem Wege der Gesetzgebung, oder, wie in Ländern, da aus diesem oder jenem Grunde die Stimme der Massen nicht gehört und deren Interessen nicht gewahrt werden, durch Gewalt und Gesetzlosigkeit.

Es ist vorgeschlagen worden, dass die Arbeitszeit im Verhältnis zur Kunst oder zur Schwere der Arbeit ohne Abzug des Lohnes verkürzt werden solle, damit so eine Anzahl Leute ohne Vermehrung der Produkte beschäftigt und die künftige Überproduktion durch Verteilung der Mittel zum Kauf an eine größere Zahl ausgeglichen werden könnte. Man hat vorgeschlagen, den Zinsfuß für Geld herabzusetzen und so eine Nachgiebigkeit der Darlehensgeber gegen die Kreditnehmern oder der ärmeren Klasse zu erzwingen oder Untätigkeit oder Verrosten ihres Kapitals zu bewirken. Man hat vorgeschlagen, dass Eisenbahnen entweder Volkseigentum sein sollen, betrieben durch dessen Diener, die von der Regierung Angestellten, oder dass die Gesetzgebung ihre Vorrechte, Preisforderungen usw. beschränken und ihren Betrieb auf solche Weise regeln solle, dass sie dem Publikum besser dienen. So wie es jetzt ist, haben die Eisenbahnen, die während einer Zeit der erhöhten Werte erbaut wurden, anstatt ihr Kapital zu beschneiden, um dem allgemeinen Zusammenschrumpfen der Werte, das in jedem anderen Handelszweige wahrgenommen wurde, Rechnung zu tragen, ihr ursprünglich schon großes Aktienkapital noch zwei oder dreimal vergrößert (was gewöhnlich das Verwässern der Aktien genannt wird), ohne dass wirklicher Wert hinzugefügt wurde.

So kommt es, dass die großen Eisenbahngesellschaften Prozente und Dividenden auf Aktien und Hypotheken bezahlen wollen, die im Durchschnitt viermal so groß sind, als diese Eisenbahnen tatsächlich heute neu kosten würden. Und die Folge ist, dass das Publikum darunter leidet. Die Landleute müssen schwere Frachtpreise entrichten und finden es oft vorteilhafter, ihr Getreide als Brennmaterial zu verwenden, und der Preis der Nahrungsmittel für das Volk ist höher, ohne zum Vorteile des Landmannes zu sein. Man hat vorgeschlagen, die Sache so zu bessern, dass die Eisenbahnen ihren Aktieninhabern ungefähr vier Prozent ihres gegenwärtigen wirklichen Wertes, und nicht vier bis acht Prozent für den drei bis viermaligen gegenwärtigen Wert bezahlen sollen, wie von vielen geschieht, indem sie jeden Wettbewerb durch sogenannte "Pools" (Zusammenziehung aller an einem Geschäfte Beteiligten, resp. ihrer Kapitalanlage) ausschließen.

"Wir wissen gar wohl", sagt der Handwerker, "dass diese Herabsetzung des Profits von dem angelegten Kapital in den Augen derjenigen, die dieses verwässerte Aktienkapital besitzen, schrecklich erscheinen wird, ihnen wie Zähne ausziehen vorkommen mag, und dass sie die Empfindung haben, dass ihr Recht (?), ihre vom Volk gewährten Freibriefe zu gebrauchen (dem Volk unermessliche, auf erdichtete Wertschätzung gegründete Gewinne auszupressen), schmählich mit Füßen getreten würde, und dass sie auf alle nur denkbare Weise sich dem widersetzen werden. Aber wir meinen, dass sie dankbar sein sollten, dass das Volk so nachgiebig ist und von ihnen keinen Ersatz der auf solche Weise schon erlangten Millionen fordert. Wir meinen, die Zeit sei gekommen, dass auch die Massen des Volkes gleichmäßiger an den Gütern und Segnungen dieser segensreichen Zeit teilnehmen sollten, und um das zu erreichen, solche Gesetze zu erlassen, dass alle gierigen Körperschaften, die sich mit dem Geld und der Macht (beides aus dem Volk stammend) gemästet haben, eingeschränkt und durch Gesetze gezwungen würden, dem Volke für angemessene Preise zu dienen. Auf keine andere Weise können diese Segensgüter der Vorsehung den Volksmassen gesichert werden. So sehen wir täglich, dass das Kapital, wie es in großen Körperschaften vertreten ist (sonst in vieler Hinsicht gut und nützlich), nunmehr den Nützlichkeitspunkt überschritten hat und zum Bedrücker des Volkes geworden ist, dass es eingeschränkt werden muss, wenn es nicht die Lohnarbeiter bald zur Dürftigkeit und Sklaverei herabdrücken soll. Körperschaften, aus einer Anzahl Leuten bestehend, die alle mehr oder weniger reich sind, kommen schnell dahin, dieselbe Stellung zur großen Masse des Volkes Amerika einzunehmen, welche die "Lords" und Adligen Großbritanniens und Europas den Massen dort gegenüber einnehmen, nur dass die Körperschaften noch mächtiger sind."

"Um unseren Zweck zu erreichen", sagt der Lohnarbeiter, "bedürfen wir der Organisation"; wir müssen die Mitwirkung der Massen haben, oder wir können nie etwas gegen solche ungeheure Macht und solchen Einfluss ausrichten. Und obwohl wir in "Vereinigungen" usw. organisiert sind, so darf das nicht so verstanden werden, als begehrten wir Anarchie oder wollten irgend jemand Unrecht tun. Wir, die große Mehrzahl des Volkes, wünschen einfach unsere eigenen Rechte und die unserer Kinder zu schützen, indem wir denen vernünftige Grenzen setzen, deren Reichtum und Macht uns sonst erdrücken würden, die aber, recht gebraucht und begrenzt, zum allgemeinen Besten dienen könnten. Mit wenigen Worten, wir wollen die goldene Regel erzwingen: "Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen."

Ein Glück wäre es für alle Beteiligten, wenn solche gemäßigten und vernünftigen Mittel von Erfolg gekrönt werden würden; wenn der Reiche sich mit den bisherigen Errungenschaften zufrieden gäbe und mit der Mehrheit an der allgemeinen und beständigen Besserung der Lage aller Klassen mitwirken würde, und wenn die Lohnarbeiter bei solchen gerechten und billigen Forderungen stehen bleiben würden; wenn die goldene Regel der Liebe und Gerechtigkeit so zur Tat werden könnte. Aber in seinem gegenwärtigen Zustande wird der Mensch diese Regel ohne Zwang nicht beobachten. Obwohl es unter den Handwerkern der Welt einige gibt, die so gemäßigte und gerechte Ideen haben, die große Mehrzahl hat sie nicht, sondern wird in ihren Ideen und Forderungen extrem, ungerecht und anmaßend sein, über alle Überlegung hinaus. Und jede Nachgiebigkeit von Seiten der Kapitalisten wird solche Forderungen und Ideen noch steigern; und jeder, der Erfahrung besitzt, weiß, dass die Anmaßung und Herrschaft des unwissenden Armen doppelt schwer ist. Und so gibt es auch etliche unter den Reichen, die der Sache in voller Sympathie gegenüberstehen, ihr Mitgefühl gerne beweisen und solche Einrichtungen treffen würden, die nach und nach die nötigen Reformen bewirken; aber sie sind in der großen Minderzahl und gänzlich machtlos, die Korporationen zu beeinflussen oder in ihren Privatgeschäften viel zu ändern. Ob sie Kaufleute oder Fabrikanten sind, sie können die Arbeitszeit nicht kürzen noch den Lohn ihrer Angestellten erhöhen, denn Wettbewerber würden dann billiger verkaufen und für sie selbst, ihre Gläubiger und ihre Angestellten würde finanzieller Zusammenbruch erfolgen.

So sehen wir die natürliche Ursache der großen Drangsal dieses Tages Jehovas. Selbstsucht und Blindheit werden die Mehrheit auf beiden Seiten der Frage beherrschen. Lohnarbeiter werden sich organisieren und ihre Interessen vereinen, Selbstsucht aber wird das Band zerreißen, und jeder wird auf eigene Faust, von diesem Grundsatz getrieben, Pläne machen und auszuführen suchen. Die Majorität, unwissend und stolz, wird die Oberhand gewinnen, und die bessere Klasse wird machtlos sein, das im Zaum zu halten, was ihre Intelligenz organisierte. Die Kapitalisten werden zu der Überzeugung kommen, dass, je mehr sie nachgeben, desto mehr wird gefordert werden und werden bald zu dem Entschluss kommen, alle Forderungen zu verweigern. Aufruhr und Aufstand werden folgen. Bei der allgemeinen Unruhe und dem Misstrauen wird das Kapital aus öffentlichen und privaten Unternehmungen zurückgezogen werden, und Geschäftssperre und finanzielle Panik werden folgen. Tausende, hierdurch aus der Beschäftigung getrieben, werden schließlich in Verzweiflung geraten und tollkühn werden. Dann werden Gesetz und Ordnung hinweg gefegt und die Berge (Reiche) vom stürmischen Menschenmeere verschlungen werden. So wird die soziale Erde schmelzen, und die regierenden Himmel (Kirche und Staat) werden vergehen und alle Stolzen und alle, die da Unrecht tun, werden Stoppeln sein. Dann werden die Helden (Mächtigen) bitterlich weinen, die Reichen werden heulen, und Furcht und Schrecken wird über die ganze Menge kommen. Sogar jetzt schon verschmachten verständige, weit sehende Menschen vor Furcht und Erwarten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, wie unser Herr vorhergesagt hat (Luk. 21:26). Die Schrift belehrt uns, dass bei diesem allgemeinen Zusammenbruch die Namenkirche (alle Konfessionen) allmählich mehr und mehr auf die Seite der Regierungen und der Reichen gezogen und ihren Einfluss auf das Volk einbüßen wird, und dass sie darum schließlich mit den Regierungen zu Falle kommt. So werden sich die Elemente der Gesellschaft im Brand der Drangsal auflösen, während die Himmel (kirchliche Herrschaften) mit großem Krachen vergehen.

Diese Drangsal wird aber die Welt zubereiten, dass sie erkennt, dass, wenn die Menschen auch noch so gute Pläne machen und weise Anordnungen treffen, alle ihre Versuche so lange vergeblich bleiben werden, als Weltweisheit, Selbstsucht und Unwissenheit obwalten und die Herrschaft haben. Sie wird alle überzeugen, dass der einzig ausführbare Weg, die Schwierigkeit zu überwinden, der ist, eine starke und gerechte Regierung aufzurichten, die alle Klassen unterwerfen und die Grundsätze der Gerechtigkeit erzwingen wird, bis nach und nach die steinernen, harten Herzen der Menschen unter günstigen Einflüssen dem ursprünglichen Bilde Gottes den Platz räumen. Und das ist es, was Gott durch die Millenniums-Herrschaft Christi zum Besten aller hinaus zuführen verheißen hat, welche Herrschaft von Jehova durch die Züchtigungen und Lehren dieses Tages der Drangsal eingeführt wird. - Hes. 11:19; 36:25, 36; Jer. 31:29-34; Zeph. 3:9; Psalm 46:8-10

Weil nun dieser Tag der Drangsal als natürliche und unvermeidliche Folge des gefallenen, selbstsüchtigen Zustandes der Menschen hereinbrechen wird und vom Herrn vollständig vorausgesehen und verkündet worden ist (Gott sah voraus, dass seine Gesetze und Lehren von allen, außer von den wenigen, missachtet werden würden, bis Erfahrung und Zwang sie zum Gehorsam nötigen würden), so sollten doch alle, die den Stand der Dinge erkennen, sich selbst und ihre Angelegenheiten dementsprechend in Bereitschaft setzen. Darum sagen wir zu allen den Sanftmütigen, den Demütigen der Welt, wie auch zu dem Leibe Christi: "Suchet Jehova, alle ihr Sanftmütigen des Landes, die ihr sein Recht gewirkt habt; suchet Gerechtigkeit, suchet Demut; vielleicht werdet ihr (zum Teil) geborgen am Tage des Zornes Jehovas." (Zeph. 2:3) Niemand wird der Drangsal ganz entgehen, aber die nach Gerechtigkeit trachten und an der Demut sich ergötzen, werden vor den anderen manchen großen Vorteil voraushaben. Ihre Lebensweise, ihre Art zu denken und zu handeln sowie ihr feines Gefühl für das, was recht ist, wird sie zur Erfassung der Sachlage, wie auch zur Würdigung des biblischen Berichtes über diese Drangsal und ihren Ausgang, befähigen und dazu beitragen, dass sie weniger als andere zu leiden haben; besonders nicht von peinigender Furcht und banger Erwartung.

Der Verlauf der Ereignisse an diesem Tag Jehovas wird für alle, die nicht in der Schrift bewandert sind, sehr betrügerisch sein. Er wird plötzlich daherkommen, wie Feuer, das die Spreu verzehrt (Zeph. 2:2), im Vergleich mit den langen Zeitaltern der Vergangenheit und ihrem langsamen Gange; aber nicht urplötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wie manche irrtümlicherweise erwarten, die voraussetzen, dass alles, was über den Tag des Herrn geschrieben steht, in einem Tage von vierundzwanzig Stunden erfüllt werden wird. Er wird kommen "wie ein Dieb in der Nacht", in dem Sinn, dass sein Herannahen heimlich und von der Welt unbemerkt stattfindet. Die Drangsal dieses Tages wird wie in Krampfanfällen verlaufen; eine Reihe von Zuckungen wird stattfinden, die heftiger auftreten, je mehr der Tag voraus schreitet, bis zum letzten Krampf. Der Apostel gibt dies in seiner Beschreibung mit dem Ausdruck zu verstehen: "Gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere" (1. Thess. 5:2, 3). Die Erleichterung wird nur mit der Geburt der Neuen Ordnung der Dinge eintreten, des neuen Himmels, (der geistigen Herrschaft Christi) und der neuen Erde (neu organisierten Gesellschaft) in welchen Gerechtigkeit wohnt (2. Petr. 3:10, 13), - in welchen Gerechtigkeit und Liebe, nicht Gewalt und Selbstsucht, die Richtschnur bilden.

Jedes Mal, wenn diese Arbeitswehen der neuen Zeit den gegenwärtigen politischen Körper ergreifen, werden sie denselben an Kraft und Mut gesunken finden, und die Schmerzen werden stärker sein. Alles, was die Heilkunst politischer Ärzte zur Erleichterung der Gesellschaft tun kann, ist, dem Verlaufe der unausbleiblichen Geburt zu helfen, nach und nach dem Ereignisse den Weg zu bahnen. Vergeblich wäre es, sie hindern zu wollen, denn Gott hat beschlossen, dass es geschieht. Viele der Ärzte der Gesellschaft werden jedoch über ihr wahres Leiden und die Bedürfnisse und Dringlichkeit des Falles gänzlich in Unwissenheit sein. Sie werden Gegenmaßregeln ergreifen; und da jeder Krampfanfall wieder vorübergeht, so werden sie dies benutzen, die Rückhaltungsmaßnahmen zu verstärken und dadurch die Qual nur vergrößern. Und während ihre verkehrte Handlungsweise die Geburt nicht lange verzögern wird, wird sie vielmehr den Tod des Patienten beschleunigen; denn die alte Ordnung der Dinge wird unter den Wehen zur Geburt der neuen den Tod erleiden.

Um deutlich zu werden, lassen wir dieses zutreffende Bild des Apostels beiseite und sagen: Die Anstrengung der Massen, sich aus dem Griffe des Kapitals und der Maschinen zu befreien, wird eine zu vorzeitige sein; Pläne und Vorkehrungen werden noch unvollständig und ungenügend sein, wenn sie von Zeit zu Zeit ihren Weg erzwingen und die engen Bande von "Angebot und Nachfrage" sprengen wollen. Jeder erfolglose Versuch wird die Zuversicht des Kapitals auf seine Fähigkeit, die Ordnung der Dinge aufrechtzuerhalten, stärken, bis endlich die zurückhaltende Macht der Organisationen und Regierungen ihre äußerste Grenze erreicht hat und die Bande des gesellschaftlichen Organismus zerreißen werden. Gesetz und Ordnung sind dann dahin; und Anarchie wird weit und breit alles das herbeiführen, was die Propheten über diese Drangsal vorausgesagt haben, eine "Drangsal, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist" - und Gott sei Dank für die hinzugefügte Zusicherung - "noch je wieder sein wird".

Die Befreiung Israels aus Ägypten und die Plagen, die über Ägypten kamen, scheinen die kommende Befreiung der Welt durch die Hand dessen, der größer ist als Mose, und der von ihm vorgebildet wurde, abzuschatten. Es wird eine Befreiung von Satan und allen seinen Werkzeugen sein, die er zur Knechtung des Menschen in Sünde und Irrtum ersann. Und wie die Plagen über Ägypten eine verhärtende Wirkung ausübten, sobald sie hinweg genommen wurden, so wird auch die zeitweilige Erleichterung von den Wehen dieses Tages des Herrn dazu dienen, einige zu verhärten, und sie werden zu den Armen sagen, wie die Ägypter zu Israel: "Müßig seid ihr, und darum unzufrieden!" und werden wahrscheinlich wie jene die Last zu vermehren suchen (2. Mose 5:4-23). Aber zuletzt werden sie, wie Pharao in der Mitternacht seiner letzten Plage, wünschen, dass sie früher nachgiebiger und weiser gewesen wären (2. Mose 12:30-33). Um die Ähnlichkeit noch weiter anzudeuten, denke daran, dass die Drangsal dieses Tages des Herrn mit "sieben Zorn-Schalen" oder "sieben letzten Plagen" verglichen wird, und dass das große Erdbeben (Revolution), in dem alle Berge (Reiche) verschwinden sollen, sich nicht vor der letzten Plage ereignet. - Offb. 16:17-20

Ein weiterer Gedanke über diesen Tag der Drangsal ist der, dass er gerade zu rechter Zeit, in Gottes fest bestimmter Zeit, eintritt. In Band 2 dieses Werkes wird aus dem Zeugnisse des Gesetzes und der Propheten des Alten Testamentes sowie auch vom Herrn Jesus und den apostolischen Propheten des Neuen Testamentes der deutliche und unumstößliche Nachweis erbracht werden, dass dieser Tag der Drangsal chronologisch in den Anfang der glorreichen Millenniums-Herrschaft des Messias zu verlegen ist. Es ist die notwendige Vorbereitung für das kommende Werk der Wiederherstellung im Millennium, die die Drangsal beschleunigt.

Während der 6000-jährigen Herrschaft des Bösen, und bis zu der für die Aufrichtung der gerechten und mächtigen Regierung Christi fest bestimmten Zeit, wäre es für die gefallenen Menschen unbedingt schädlich gewesen, ihnen durch ein früheres Aufkommen der gegenwärtigen arbeitssparenden Maschinerien oder sonst wie, viel müßige Zeit zu gestatten. Erfahrung hat das Sprichwort erzeugt: "Müßiggang ist aller Laster Anfang" und hat so der Weisheit Gottes Beifall gezollt, die bestimmte: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zu Erde werdest." Wie alle seine Anordnungen, so ist auch diese eine wohltätige und weise und zum schließlichen Wohlsein seiner Geschöpfe bestimmte. Die Drangsal des Tages des Herrn, die wir schon heraufziehen sehen, bestätigt die Weisheit dieser Anordnung Gottes; denn sie kommt, wie wir gesehen haben, als Folge der Überproduktion durch arbeitssparende Maschinen und durch das Unvermögen der verschiedenen Elemente der Gesellschaft, sich in ihrer Selbstsucht den neuen Verhältnissen anzupassen.

Ein unbestreitbarer Beweisgrund dafür dass dies Gottes rechte Zeit zur Einführung der neuen Ordnung der Dinge ist, ist dies, dass er den Schleier der Unwissenheit lüftet und nach und nach das Licht der Erkenntnis und der Erfindungen über die Menschheit sich ausbreiten lässt, wie es vorhergesagt war und mit den vorhergesagten Resultaten (Dan. 12:1, 4). Wäre die Erkenntnis früher gekommen, so wäre auch die Drangsal früher gekommen; und obgleich sich nach ihrem Sturm und Zerschmelzen die Gesellschaft wieder organisiert haben könnte, so würde es doch keine neue Erde (gesellschaftliche Ordnung), in welcher Gerechtigkeit herrscht, gewesen sein, sondern eine neue Ordnung, in der die Sünde und das Laster nur um so ärger hausen würden; und zwar darum, weil die geeignete Verteilung der Vorteile der arbeitssparenden Maschinen mit der Zeit kürzere und kürzere Arbeitszeit gebracht haben würde, und so der gefallene Mensch ohne die ursprüngliche Sicherheitsmaßregel mit seinen verderbten Neigungen seine Freiheit und Zeit nicht zur Förderung seiner geistigen, moralischen und physischen Anlagen verwandt hätte, sondern, wie die Geschichte der Vergangenheit beweist, der Zügellosigkeit und dem Laster verfallen wäre.

Das teilweise Lüften des Schleiers bereitet jetzt für die Menschheit Tausende von Annehmlichkeiten vor und gewährt dadurch gleich beim Anbruch des Zeitalters der Wiederherstellung die für die Erziehung und geistige und physische Entwicklung nötige Zeit sowie auch Zeit für die Vorbereitung zur Ernährung und Kleidung der von Zeit zu Zeit aus dem Grabe zu erweckenden Scharen. Und ferner es verlegt die Zeit der Drangsal gerade dahin wo es der Menschheit von Nutzen sein wird indem sie ihr die Lektion ihrer eigenen Unfähigkeit sich selbst zu regieren, genau beim Anbruch des Millenniumstages erteilt, da nach Gottes Bestimmung er der alle erkaufte, sie mit der eisernen Rute weiden und durch Darreichen voller Erkenntnis und durch Gewährung seines Beistandes segnen soll, wodurch sie zur ursprünglichen Vollkommenheit und zum ewigen Leben wiederhergestellt werden mögen wenn sie wollen.

Pflicht und Vorrecht der Heiligen

Eine wichtige Frage erhebt sich hier. Was ist während dieser Drangsalszeit die Pflicht der Heiligen? Und was ist ihre richtige Stellung zu den beiden einander gegenüberstehenden Parteien? Dass einige der Heiligen wenigstens während eines Teiles dieser brennenden Zeit im Fleische sein werden, scheint aus vielen Schriftstellen, auf die wir später zurückkommen, hervorzugehen. Ihre Stellung in demselben wird sich jedoch von der anderer nicht so sehr dadurch unterscheiden, dass sie auf wunderbare Weise erhalten werden (obgleich bestimmt verheißen ist, dass Brot und Wasser ihnen gewiss sei), sondern dadurch, dass sie, aus dem Wort Gottes unterrichtet, nicht die gleiche Angst und hoffnungslose Furcht, welche die ganze Welt überfluten wird, fühlen werden. Sie können die Drangsal als eine dem Plan Gottes gemäße nötige Vorbereitung zur Segnung der ganzen Welt erkennen und werden darum fröhlich und getrost sein. Das wird nachdrücklich in Psalm 91 und Jes. 33:2-14,15-24 ausgesprochen.

So durch die göttliche Zusage getröstet und gesegnet. ist es die erste Pflicht der Heiligen, die Welt sehen zu lassen, dass sie inmitten aller der vorhandenen Drangsal und Unzufriedenheit, und selbst während sie die Drangsal mit durchmachen und darunter leiden, doch hoffnungsvoll, getrost und im Blick auf das herrliche, von Gott in seinem Wort vorher verkündigte Endziel allezeit fröhlich sind.

Der Apostel schreibt: "Die Gottseligkeit aber mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn" (1. Tim. 6:6), und obwohl das immer wahr gewesen ist, so wird es doch an diesem Tage des Herrn, da Unzufriedenheit ein Hauptleiden unter allen Klassen ist, doppelt wichtig sein. Im Gegensatz dazu sollten die Heiligen eine bemerkenswerte Ausnahme bilden. Nie gab es eine Zeit, da Unzufriedenheit so weit verbreitet war, und doch genossen die Menschen zu keiner Zeit so viele Wohltaten. Wohin wir auch blicken, sei es in den Palast des Reichen, ausgestattet mit Glanz und allen erdenklichen Bequemlichkeiten, von denen Salomon in aller seiner Herrlichkeit nichts wusste, sei es in das behagliche Haus des sparsamen und mäßigen Handwerkers, mit allen Anzeichen von Geschmack, Annehmlichkeit, Kunstsinn und Luxus, so gewahren wir, dass die Jetztzeit alle anderen Zeiten seit der Schöpfung in jeder Beziehung an reichlicher Versorgung mannigfach überragt; und doch sind die Leute unglücklich und unzufrieden. Tatsache ist, dass das Begehren eines selbstsüchtigen, verderbten Herzens keine Grenzen kennt. Selbstsucht hat alle so in Besitz genommen, dass wir, um uns schauend, sehen, wie die ganze Welt wild nach Reichtum rennt und jagt und hascht. Nur wenige sind erfolgreich, und die übrigen sind voller Neid und Ärger, dass sie nicht die Glücklichen sind, und alle sind unbefriedigt und elend, mehr als je zuvor.

Der Gottgeweihte aber nimmt an diesem Streben nicht teil. Sein Weihegelübde war, dass er ringen, streben und laufen wolle nach einem höheren, einem himmlischen Kleinod, und er ist daher von irdischem Begehren entwöhnt und arbeitet nicht für irdische Dinge, außer für seine und der Seinen Notdurft und Wohlanständigkeit; denn er achtet auf den Wandel und das Beispiel des Meisters und der Apostel.

Daher haben sie Genügsamkeit mitsamt ihrer Gottseligkeit, nicht, weil sie keinen Ehrgeiz hätten, sondern weil ihr Ehrgeiz gen Himmel gerichtet ist und in dem Bestreben aufgeht, sich Schätze im Himmel zu sammeln und reich in Gott zu werden; im Hinblick darauf und mit ihrer Kenntnis der in seinem Worte geoffenbarten Plan Gottes sind sie mit jedem ihnen von Gott bereiteten irdischen Lose zufrieden. Sie können freudig anstimmen:

Zufrieden, was mein Los auch sei,
Da seine Hand mich führt so treu.

Doch ach! nicht alle Kinder Gottes nehmen diese Stellung ein; viele verfallen in den Fehler des unbefriedigt Seins, der in der Welt vorherrscht, und rauben sich dadurch die rechte Freudigkeit, weil sie die Fußstapfen des Herrn verlassen, ihr Los mit der Welt ziehen und daher auch mit derselben ihr Teil nehmen. Indem sie nach irdischem trachten, ob sie es erreichen oder nicht, teilen sie die Unzufriedenheit der Welt und kosten die Genügsamkeit und den Frieden nicht, welche die Welt weder geben noch nehmen kann.

Wir ermahnen daher die Heiligen, den Kampf um Geld und Ruhm und sein Missvergnügen fahren zu lassen, und nach den höheren Reichtümern und dem Frieden, den diese gewähren, zu ringen. Wir möchten sie an des Apostels Wort erinnern:

"Die Gottseligkeit aber mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn; denn wir haben nichts in die Welt hereingebracht (so ist es offenbar), dass wir auch nichts hinaus bringen können. Wenn wir aber (nötige) Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen (ob sie Erfolg haben oder nicht), fallen in Versuchung und Fallstricke und in viele unvernünftige und schädliche Lüste, welche die Menschen versenken in Verderben und Untergang. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen (ob bei Reichen oder Armen), welcher nachtrachtend etliche von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, O Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu welchem du berufen worden bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen." - 1. Tim. 6:6-12

Wenn so von Seiten der Heiligen solch Beispiel der Genügsamkeit freudiger Hoffnung und ergebener Unterwerfung unter die gegenwärtige Prüfung im Hinblick auf die gewisse Erwartung der guten künftigen Zeit gegeben wird, so sind solche lebendige Exempel an und für sich für die Welt eine wertvolle Lektion, und als Zugabe zum Beispiele sollte auch der gute Rat der Heiligen mit ihrem Glauben harmonieren. Der Rat der Heiligen für ihre Umgebung sollte wie Öl und lindernder Balsam sein. Man sollte jede sich darbietende Gelegenheit ergreifen, die Welt auf die gute Zeit, die darnach kommt, hinzuweisen, ihnen das Kommen des Reiches Gottes predigen und die eigentliche Ursache und das einzige Heilmittel zeigen. Genügsamkeit war Gottes Rat, den er durch Johannes einigen, die ihn begehrten, erteilen ließ. - Luk. 3:14; Hebr. 13:5; Phil. 4:11

Die arme Welt seufzt nicht nur unter ihren wirklichen, sondern auch unter ihren eingebildeten Übeln, und besonders unter unbefriedigter Selbstsucht, unbefriedigtem Stolze und falschem Ehrgeiz, die an den Menschen nagen und sie hin und her zerren, weil sie dieselben nicht befriedigen können. Daher lasst uns, die wir beide Seiten der Frage sehen, allen, die uns anhören wollen, zur Zufriedenheit mit dem, was sie haben und zum geduldigen Warten raten, bis Gott zu seiner rechten Zeit und in seiner Weise ihnen die vielen Segnungen bringen wird, die seine Liebe und Weisheit bereitet haben.

Durch Aufwühlen und Entzünden, sei es wirklicher, sei es eingebildeter Wunden und Schäden, täten wir denen, welchen wir Segen und Beistand bringen sollten, nur Schaden. Wenn wir ihre Unzufriedenheit noch reizten, würden wir ihre Drangsal nur vermehren. Aber durch Erfüllung der uns gestellten Aufgabe, durch die Verkündigung der frohen Botschaft von dem für alle gegebenen Lösegeld und der daraus folgenden Segnung aller, werden wir wahre Herolde des Königreichs, seine Friedensboten, sein. So steht es geschrieben: "Wie lieblich sind auf den Bergen (in den Königreichen) die Füße (die letzten Glieder des Leibes Christi) dessen, der frohe Botschaft bringt, der Heil verkündigt." - Jes. 52:7

Die Trübsale dieses "Tages der Drangsal" werden, wie selten noch, Gelegenheit bieten, die frohe Botschaft des kommenden Heils zu predigen, und selig sind die, welche den Fußstapfen des Meisters folgen und gute Samariter sind, die Wunden verbinden und Öl und Wein des Trostes und der Freude darein gießen. Denen ist die Verheißung gegeben, dass ihre Arbeit nicht vergeblich ist; "denn wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises". - Jes. 26:9

Das Mitgefühl der Kinder des Herrn muss ja, wie die ihres Vaters, zum großen Teile mit der seufzenden Kreatur mitempfinden, die da nach Befreiung aus ihren Banden ringt; aber dabei sollten sie doch auch, wie er, derjenigen gedenken und mit ihnen fühlen, die den Gegnern angehören, deren Bestreben jedoch ist, gerecht und billig zu sein, obwohl ihre Bemühungen nicht nur von den Schwächen ihrer eigenen gefallenen Natur, sondern auch durch ihre Umgebung im täglichen Leben und ihre Verbindung und Abhängigkeit von anderen, gehemmt und gehindert werden. Aber Gottes Kinder sollten keine Sympathie oder Gemeinschaft mit den vermessenen und unersättlichen Gelüsten und Bestrebungen irgendwelcher Klasse haben. Ihre Sprache sollte ruhig und gemäßigt und stets dem Frieden dienend sein, wo es sich nicht um Grundsätze handelt. Sie müssen bedenken, dass es der Streit des Herrn ist und dass sie, was Politik oder soziale Fragen angeht, keine andere wirkliche Lösung kennen, als die im Worte Gottes vorhergesagte. Die Pflicht der Geweihten ist daher vor allem, zuzusehen, dass sie dem Wagen Jehovas nicht im Wege sind und dann "stille stehen und schauen das Heil Gottes", in dem Sinne, dass sie erkennen, es sei nicht ihre Sache, sich irgendwie an diesem Kampf zu beteiligen, sondern des Herrn, der es durch andere ausführt. Ohne sich mit solchen Sachen abzugeben, sollten sie ihrer Mission entsprechend auf der vorgezeichneten Bahn vorwärtsgehen und das herbei gekommene Königreich der Himmel als das einzige Heilmittel für alle Klassen und als die einzige Hoffnung verkünden.

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Studie 16

Schlussgedanken

Unsere Pflicht der Wahrheit gegenüber. - Was sie kostet, ihr Wert, ihr Nutzen.

In den vorhergehenden Kapiteln haben wir gesehen, dass sowohl das Licht der Natur als auch das der Offenbarung die Tatsache klar und deutlich dartun, dass ein intelligenter, allweiser, allmächtiger Gott der Schöpfer aller Dinge ist, und dass er über alles der höchste und rechtmäßige Herr ist; dass alle bewussten und alle leblosen Dinge seiner Leitung unterstehen; und dass die Bibel die Offenbarung seines Wesens und seines Planes ist, soweit es ihm gefallen hat, sie den Menschen aufzuschließen. Aus derselben haben wir gelernt, dass, obwohl Böses jetzt unter etlichen seiner Kreaturen vorherrscht, es doch nur für eine begrenzte Zeit, in beschränktem Grade und mit seiner Zulassung zu weisen Endzwecken, die er dabei im Auge hat, der Fall ist. Wir haben ebenfalls gelernt, dass, wenn auch jetzt Finsternis das Erdreich und dichte Dunkelheit die Völker bedeckt, doch zu rechter Zeit Gottes Licht alle Finsternis verscheuchen und die ganze Erde mit seiner Herrlichkeit erfüllen soll.

Wir sahen, dass dieser große Plan ein solcher ist, der bis jetzt schon mehrere Zeitalter zu seiner Vollendung erfordert, und dass während aller dunklen Zeitalter der Vergangenheit, da Gott seine Geschöpfe fast vergessen zu haben schien, sein Plan für ihr künftiges Heil still, doch herrlich vorwärts schritt, obwohl er die Geheimnisse seines Planes alle diese Zeitalter hindurch weislich vor den Menschen verborgen gehalten hat. Wir sahen auch, dass der Tag (oder das Zeitalter), der jetzt im Begriff ist, für die Welt anzubrechen, der Tag des Gerichts oder der Prüfung der Welt sein soll, und dass alle vorangegangenen Vorbereitungen zu dem Zwecke stattfanden, der ganzen Menschheit eine möglichst günstige Gelegenheit zu geben, wenn sie nun als einzelne Personen für ewiges Leben auf die Probe gestellt werden. Der lange Zeitraum von sechstausend Jahren hat das Geschlecht ungeheuer vermehrt, und die Stöße und Leiden unter der Herrschaft des Bösen haben ihm eine Erfahrung eingebracht, die sehr zu seinem Vorteile ausschlagen wird, wenn es nun ins Gericht geführt wird. Und wenn es auch zugelassen wurde, dass das Menschengeschlecht als Ganzes sechstausend Jahre leiden musste, so haben doch die einzelnen ihren Lauf in wenigen, kurzen Jahren vollendet.

Wir sahen, dass, während die Menschen diese notwendige Züchtigung durchzumachen hatten, Gott zur rechten Zeit seinen Sohn sandte, um sie zu erlösen; und dass, während die große Masse der Menschheit den Erlöser in seiner Erniedrigung nicht erkannte und nicht glauben wollte, dass der Gesalbte des Herrn auf solche Weise zu ihrer Rettung kommen würde, Gott doch aus denen, deren Herzen auf ihn gerichtet waren und die seinen Verheißungen glaubten, während dieser vergangenen Zeitalter zwei Scharen ausgewählt hat, welche die Ehren seines Königreiches empfangen sollen, die Ehren, an der Ausführung des göttlichen Planes teilzunehmen. Diese beiden ausgewählten Scharen, sahen wir, sollen die zwei Phasen oder Stufen des Königreiches Gottes bilden. Und aus den Propheten lernen wir: 1. dass dieses Königreich bald auf Erden aufgerichtet werden und sich über die ganze Erde ausbreiten wird; 2. dass alle Geschlechter der Erde unter der weisen und gerechten Verwaltung desselben gesegnet werden sollen, indem ihnen die günstigste Gelegenheit dargeboten wird, sich des ewigen Lebens, der Frucht ihrer Erlösung durch das teure Blut Christi, würdig zu erweisen; 3. dass infolge ihrer Erlösung durch das teure Blut Christi ein Hoch-Weg der Heiligung aufgeworfen wird; 4. dass die Erlösten des Herrn (die ganze Menschheit Hebr. 2:9) darauf wandeln mögen, 5. dass er eine öffentliche Landstraße sein wird, verhältnismäßig leicht für alle, die ernstlich begehren, rein und heilig zu werden; 6. dass alle Steine des Anstoßes davon weggeräumt und alle Fallstricke, Gruben und alles was jetzt die Menschen bedrängt, davon entfernt werden wird; und 7. selig werden alle sein, die darauf der Vollkommenheit und dem ewigen Leben entgegen wandeln.

Es ist klar, dass dieses Gericht oder diese Herrschaft nicht eher beginnen kann, als bis Christus, den Jehova zum Richter oder Beherrscher der Welt bestimmt hat, wiedergekommen ist; nicht abermals in Niedrigkeit, sondern in großer Macht und Herrlichkeit; nicht um die Welt wieder zu erkaufen, sondern die Welt zu richten (zu beherrschen) in Gerechtigkeit. Eine gerichtliche Verhandlung oder ein Rechtsverfahren kann in keinem Falle vor sich gehen, bis der Richter auf seinem Richterstuhl sitzt und die Gerichtssitzung zur bestimmten Zeit begonnen hat, wenn auch vorher ein großes Vorbereitungswerk stattgefunden hat. Dann wird der König auf dem Throne seiner Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden alle Völker versammelt werden, und sie sollen während dieses Zeitalters nach ihren Werken gerichtet werden, indem ihnen die Bücher der Schrift geöffnet werden und die Erde mit der Erkenntnis des Herrn erfüllt wird. Und nach ihrem Verhalten bei aller Gnade und allem Beistand wird es entschieden, wer von ihnen während der folgenden Zeitalter der Herrlichkeit und Freude des ewigen Lebens wert ist. ( Matth. 25:31; Offb. 20:11-13)

So haben wir gesehen, dass das zweite Kommen des Messias und die Aufrichtung seines Königreiches auf Erden ein Ereignis ist, worauf sich aller Menschen Hoffnung gründet, ein Ereignis, dass, wenn voll verstanden, allen Herzen Freude und Frohlocken bringen wird. Es ist der freudenreiche Tag, da die vertraute jungfräuliche Kirche die vermählte Braut des Lammes wird; da sie herauskommt aus der Wüste, auf den Arm ihres Geliebten gelehnt; da sie in sein herrliches Erbteil eintritt. Es ist der Tag, da die wahre Kirche, zu ihrem Haupte erhöht, mit göttlicher Würde und Macht angetan werden und zum Heile der Welt das große Werk in Angriff nehmen wird, dessen Ergebnis die vollständige Wiederherstellung aller Dinge, von welchen prophezeit und geredet worden ist, sein wird. Und für die Welt wird es ein froher Tag sein, wenn der große Widersacher gebunden ist und die Fesseln zerbrochen werden, die das Geschlecht sechstausend Jahre lang getragen hat, und die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllen wird, wie Wasser den Meeresgrund bedeckt.

Die Erkenntnis von alledem und die Gewissheit, dass es nahe, ja vor der Tür ist, sollte auf alle einen mächtigen Einfluss ausüben, besonders aber auf die geweihten Kinder Gottes, die nach dem Kleinod der göttlichen Natur trachten. Diese bitten wir mit ganzem Ernst, wenn sie ihre Häupter erheben und frohlocken, weil ihre Erlösung nahet, jede "Bürde" und jegliches Hindernis beiseite zu legen "und mit Standhaftigkeit den uns angewiesenen Kampf", in den sie eingetreten sind, zu bestehen. Schaue hinweg von dir selbst und deinen unvermeidlichen Schwachheiten und Unvollkommenheiten und wisse, dass alle diese Schwachheiten durch den Wert des durch Christum Jesum, unseren Herrn, gegebenen Lösegeldes vollständig gedeckt sind, und dass seine Aufopferung und Selbstverleugnung um unseres Erlösers und Herrn willen vor Gott annehmbar ist und nur so. Lasst uns bedenken, dass die uns nötige, von Gott verheißene Kraft, durch welche wir "Überwinder" werden können, in seinem Worte bereit steht. Es ist die Kraft, die aus der Erkenntnis seines Wesens und seiner Pläne und der Bedingungen, unter welchen wir an letzteren teilnehmen dürfen, erwächst. So drückt es Petrus aus, wenn er sagt: "Gnade und Friede sei euch vermehrt durch die Erkenntnis Gottes und Jesu unseres Herrn! Da seine göttliche Kraft uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat, durch Herrlichkeit und Tugend, durch welche er uns die größten und kostbaren Verheißungen geschenkt hat, auf dass ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet." (2. Petr. 1:2-4)

Aber diese Erkenntnis und diese Kraft zu erlangen, die Gott auf solche Weise jedem Wettläufer nach dem himmlischen Preise darreichen will, wird sicherlich den Ernst und die Aufrichtigkeit unseres Weihegelöbnisses auf die Probe stellen. Du hast deine ganze Zeit, alle deine Talente dem Herrn geweiht. Nun entsteht die Frage: Wie viel gibst du wirklich davon? Bist du noch willens, deinem Weihungsbund gemäß alles aufzugeben? - deine eigenen Pläne und Wege und deine und anderer Theorien, Ansichten und Anschauungen aufzugeben und Gottes Plan und Weg und Zeit, sein Werk zu tun, anzunehmen? Bist du willens, dies auf Kosten irdischer Freundschaft und geselliger, ja verwandtschaftlicher Bande zu tun? Und bist du willens, deine sonst auf andere Dinge verwandte Zeit nun zur Erforschung dieser, für den wahrhaft Geweihten so herzerquickenden Dinge zu verwerten, mit der gewissen Aussicht, dass es dich diese Selbstverleugnung kosten wird? Wenn nicht alles geweiht ist oder wenn du es nur halb meintest, als du dem Herrn alles weihtest, dann wirst du die nötige Zeit und Mühe nicht daran wenden, um in seinem Worte nach einem verborgenen Schatz zu forschen und so die Kraft zu erlangen, die besonders in der Gegenwart mehr als zu anderen Zeiten bei allen den bevorstehenden Glaubensprüfungen so nötig ist.

Doch denke nicht, dass das Geben schon mit dem Geben der zu diesem Forschen nötigen Zeit und Kraft zu Ende ist! O nein! Die Aufrichtigkeit deines Opfers wird völlig erprobt werden und dich zur Gliedschaft in jener "kleinen Herde", welche die Ehren des Königreiches empfangen soll, als würdig oder unwürdig erweisen. Wenn du Fleiß auf das Wort Gottes verwendest und seine Wahrheiten in ein gutes, aufrichtiges, Gott geweihtes Herz aufnimmst, so wird es in dir eine solche Liebe zu Gott und seinem Plane erzeugen und solch ein Verlangen, die frohe Botschaft auch anderen zu sagen, das Evangelium zu verkünden, dass dies hinfort deine alles andere verdrängende Lebensaufgabe werden wird; und das wird dich nicht nur im Geiste von der Welt und allen Namenchristen trennen, sondern auch eine vollständige, äußerliche Scheidung von ihnen herbeiführen. Sie werden dich für einen Sonderling halten und dir ihren Umgang entziehen, dich absondern; und du wirst um Christi willen verachtet und für einen Narren gehalten werden, weil sie uns nicht kennen, wie sie ihn nicht gekannt haben. - 2. Kor. 4:8-10; Luk. 6:22; 1. Joh. 3:1; 1. Kor. 3:18

Bist du willens, um den Herrn zu erkennen, "acht zu haben und fleißig zu sein", trotz böser Gerüchte und guter Gerüchte? Bist du willens, alles zu verlassen, um zu folgen, wie er dich durch sein Wort leiten mag? - deiner Freunde Wünsche wie auch deine eigenen unberücksichtigt zu lassen? Wir hoffen, dass viele der Gottgeweihten beim Lesen dieses Buches durch ein klares Verständnis des göttlichen Planes zu solch lebendigem Eifer und solcher Innigkeit des Geistes angeregt werden, dass sie zu sagen vermögen: Mit Gottes Gnade will ich, koste es, was es wolle, "darauf acht haben und fleißig sein" (Hosea 6:3), dass ich den Herrn erkenne; und ich will ihm dienen, welches Opfer es auch erfordert! Möchten sie, wie die edlen Beröer (Apg. 17:11), mit allem Fleiß prüfen, was in den vorliegenden Kapiteln dargelegt ist; prüfen, nicht an den sich widersprechenden Überlieferungen und Glaubenssätzen der Menschen, sondern an dem einzig richtigen und göttlich anerkannten Maßstab - an Gottes eigenem Worte. Um solches Prüfen zu erleichtern, haben wir so viele Schriftstellen angeführt, meist nach der sehr genauen Elberfelder Übersetzung.

Es wäre zwecklos, den Versuch machen zu wollen, den hierin dargelegten göttlichen Plan mit den vielen vorher festgehaltenen und als schriftgemäß geglaubten (doch nicht so erwiesenen) Meinungen in Einklang zu bringen. Man wird bemerkt haben, dass der göttliche Plan ein für sich allein bestehendes vollständiges Ganzes ist und in jedem Teile mit sich selbst übereinstimmt, und dass er vollkommen mit dem Wesen stimmt, das die Schrift dem großen Urheber dieses Planes zuschreibt. Er ist eine wunderbare Entfaltung von Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht. Er trägt den Beweis übermenschlichen Entwurfes in sich, geht weit über menschliche Erfindungskraft hinaus und ist fast zu hoch für menschliches Begriffsvermögen.

Zweifellos werden sich über manche Punkte Fragen erheben, die dem hierin dargelegten Plan entsprechend der Lösung harren. Ein sorgfältiges und nachdenkendes Bibelstudium wird viele derselben sofort zufriedenstellend beantworten; und zuversichtlich können wir jedem sagen: Keine Frage, die du erheben magst, braucht ohne eine genügende, in vollem Einklang mit der hierin dargelegten Anschauung stehende Antwort zu bleiben. Folgende Bände legen die verschiedenen Zweige dieses einen Planes mehr auseinander, Schritt für Schritt die unvergleichliche Harmonie enthüllend, deren sich nur die Wahrheit rühmen kann. Und das sei gesagt, dass kein theologisches System den Anspruch macht, noch auch je versucht hat, in sich selbst jede Aussage der Bibel in Einklang zu bringen; jedoch nichts Geringeres als dies können wir für diese Anschauungen beanspruchen. Diese Übereinstimmung nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit dem göttlichen Wesen und mit dem geheiligten, gesunden Menschenverstande, muss die Aufmerksamkeit des gewissenhaften Lesers schon jetzt erfasst und ihn mit Verwunderung, wie auch mit Hoffnung und Vertrauen erfüllt haben. Es ist wunderbar in der Tat, doch genau das, was wir von der Wahrheit und von Gottes unermesslich weisem und wohlmeinendem Plane erwarten sollten.

Und während die Bibel von unserem Standpunkt aus sich so weit auftut und so wunderbare Dinge (Psalm 119:18) enthüllt, beeinflusst das heute von ihr ausstrahlende Licht die verschiedenen Glaubensbekenntnisse und Überlieferungen der Menschen in entgegengesetzter Richtung. Selbst ihre Anbeter fangen an, sie als unvollkommen und missgestaltet anzusehen und lassen sie deshalb ziemlich unbeachtet liegen. Wohl werden sie noch unterschrieben, aber aus Scham nur selten hervorgezogen. Und die Schmach, die sich an diese menschlichen Glaubensbekenntnisse und Überlieferungen hängt, ist auch auf die Bibel übertragen worden, die, wie man meint, diese Gedankenverunstaltung als von göttlichem Ursprung unterstütze. Daher die Freiheit, mit der die verschiedenen sogenannten fortgeschrittenen Denker manche ihren Ansichten nicht entsprechenden Teile der Bibel zu leugnen anfangen. Wie augenfällig daher die Weisheit der Vorsehung Gottes, die gerade zu dieser Zeit seinen wahrhaft herrlichen und harmonischen Plan uns erkennen lehrt, der keinen Teil seines Wortes verwirft, wohl aber jeden Teil und Satz desselben in Einklang bringt. Wenn Wahrheit fällig, d.h. wenn die Zeit, da sie erkannt werden soll, gekommen ist, wird sie zur Speise für die Hausgenossen des Glaubens, dass diese dadurch zunehmen mögen (Matth. 24:45; 1. Petr. 2:2; 2. Petr. 3:18). Wer auch immer mit der Wahrheit in Berührung kommt und sie als solche erkennt, dem wird damit eine Verantwortlichkeit ihr gegenüber auferlegt. Sie unbeachtet zu lassen, befreit nicht von der Verantwortlichkeit. Wenn wir sie aber für uns selbst angenommen haben, dann haben wir ihr gegenüber noch eine weitere Verantwortung zu tragen, denn sie ist nicht für uns allein, sondern für alle Hausgenossen des Glaubens bestimmt und jeder, der sie empfängt, wird ihr Schuldner, und wenn er ein treuer Haushalter ist, so wird er sie gern den anderen Gliedern der Familie Gottes darreichen. Lasset euer Licht leuchten! Wenn es wiederum Finsternis wird, wie groß wird dann die Finsternis sein. Haltet hoch das Licht! Erhebet ein Panier für die Völker!

Jesu alles, ihm sei alles das, was er erlöst, geweiht:
Werke, Worte und Gedanken, Tag und Stunden meiner Zeit.

Wie wird uns sein?

Wie wird uns sein, wenn hinfort nach dem schweren,
Doch nach dem letzten ausgekämpften Streit
Wir aus der Fremde in die Heimat kehren
Und einziehen in die Stadt der Herrlichkeit!
Wenn wir den letzten Staub von unsern Füßen
Und er den Schweiß vom Angesicht uns wischt,
Und wir den Bräut'gam sehen nun und grüßen,
Der uns den Mut im Pilgertal erfrischt?

Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
Des ew'gen Lichtes übergossen stehn;
Und - o, der Wonne! - dann zum ersten Male
Uns frei und rein von aller Sünde sehn,
Wenn wir, durch keinen Makel ausgeschlossen,
Und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein,
Als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen, Eintreten
in der Söhne Gottes Reih'n?

Wie wird uns sein, wenn jeder Blick zur Erde,
Ins dunkle Tal, das uns zu Füßen liegt,
Und jeder Blick auf jegliche Beschwerde,
Die durch des Lammes Gnade wir besiegt -
Die Herrlichkeit des Königs uns verkläret
Und den Genuss des Friedens sel'ger macht,
Die Freude würzet und die Liebe nähret
Zu dem, der herrlich uns hindurchgebracht?

Wie wird uns sein, wenn durch die ober'n Räume
Wir Sel'gen uns mit Herrschermacht ergehn
Vom Strom des Lebens dann der Welt austeilen,
Und Segen triefend Geisteskräfte wehn;
Wenn die verjüngte Menschheit nimmer altert
Vergänglichkeit nie die erstand'ne nagt,
Wenn dann kein Aug' mehr bricht, kein Herz erkaltet,
Kein Leid, kein Schmerz, kein Tod die Menschheit plagt?

Wie wird uns sein? O, was kein Aug gesehen
Kein Ohr gehört, kein Menschenherz empfand
Das wird uns werden, wird an uns geschehen,
Wenn wir hineinziehn ins gelobte Land!
Wohlan, auf schmalem Pfad hinangeklommen!
Es ist der Mühe und des Schweißes wert,
Dahin zu laufen und dort anzukommen,
Wo mehr, als wir verstehn, der Herr beschert!

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