Band 3 - "Dein Königreich komme"


Inhalt:


SCHRIFTSTUDIEN

"Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht,
das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe." (Spr. 4:18)




BAND 3




DEIN KÖNIGREICH KOMME

"Und das Königreich und die Herrschaft und die Größe
der Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem
Volke der Heiligen der höchsten Örter gegeben
werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich,
und alle Herrschaften werden ihm
dienen und gehorchen."
- Dan. 7:27; Offb. 5:10 -




INTERNATIONALE VEREINIGUNG ERNSTER BIBELFORSCHER

Dem König
aller Könige und Herrn aller Herren


zum Besten
seiner ihm geweihten "Heiligen",
die da warten auf die Kindschaft,
und
"aller, die an allen Orten den Namen unseres Herrn
Jesus Christus anrufen",
"der Hausgenossen des Glaubens"
und
"der harrenden Kreatur, die zusammenseufzet
und in Geburtswehen lieget, wartend
auf die Offenbarung der Söhne Gottes",

ist dieses Werk gewidmet.




Original: "THY KINGDOM COME"

Erfasst von Charles Taze Russell im Jahr 1890




Neu bearbeitete Auflage

Mit des Herrn Hilfe wurde dieser 3. Band der Schriftstudien, "Dein Königreich komme", nach der neuen deutschen Rechtschreibung neu bearbeitet.
Damit steht dieser Band auch den Computer- und Internet-Benut­zern zur Verfügung.
Es möge der heilige Name des Ewigen verherrlicht werden.

Dortmund, Mai 2001

DAWN BIBLE STUDENTS ASSOCIATION

Band III - "Dein Königreich komme"

Vorwort des Verfassers

Dieser Band ist im Jahr 1890 geschrieben worden und hat seitdem viele Auflagen in mancherlei Sprachen erfahren, und noch weitere Auflagen stehen in Aussicht. Von Tausenden der geweihten Kinder Gottes haben wir Zeugnisse, welche bekunden, dass sie aus dem tiefen Brun­nen des Wassers des Lebens, dem Worte Gottes, getrunken haben. Wir vertrauen darauf, dass diese Segnungen weiterhin herabströmen werden, bis schließlich die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes durch das König­reich die ganze Erde erfüllen wird, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.

Obgleich wir, was diese Schriftstudien anbetrifft, auf nichts Anspruch erheben, was einer Inspiration verwandt wäre, so freuen wir uns dennoch darüber, dass, da wir im Dämmern des neuen Zeitalters leben, das Licht der Wahrheit so hell scheint, und der Plan Gottes so offenbar ist, dass es kaum ein Wortder Änderung bedürfte, wenn wir diesen Band heute, 26 Jahre später, schreiben würden.

Die Zeit des Endes hat dies mehr und mehr gezeigt, wie die Jahre vergangen sind, besonders seitdem wir der Chronologie gemäß in den großen siebten Tag eingetreten sind. Das Erntewerk istweitergegangen und geht noch weiter, wenn wir auch ehedem geglaubt hatten, dass es mit Ablauf der Zeiten der Nationen beendet sein würde. Es war dies nur eine Annahme, die sich als unverbürgt erwies, denn das Schneiden der Sichel der Wahrheit und das Einsammeln des reifen Kornes ist seitdem, seit Oktober 1914 vor sich gegangen, wie nie zuvor. Der große Weltkrieg bat in der Tat die Menschheit in einem bemerkenswerten Grade aufgeweckt, und selbstständiges Denken wird mehr als je gepflegt. Alles das trägt dazu bei, die Fesseln der Unwissenheit, des Aberglaubens und Vorurteils zu brechen, und diejenigen, welche den Willen des Herrn zu erkennen und in den Fußstapfen Jesu zu wandeln wünschen, zu befreien.

Wir freuen uns, weiterhin Gelegenheit zu haben, unserem großen König im Sammeln seiner Auserwählten zu dienen. Wir freuen uns, zu sehen, wie andere an die Wahrheit kommen und sich für die "Hochzeit" bereiten. Offenbar ist die "Tür" noch nicht geschlossen, doch wir nehmen an, dass nach nicht langer Zeit, vielleicht in einem Jahr, oder in zwei oder drei die Zahl der Auserwählten vo1lendetund hinter den Vorhang gegangen sein wird, und dass die Tür dann geschlossen wird.

Wir geben zu, dass die Wiederherstellung Israels nicht so schnell vor sich gegangen ist, wie wir vermutethatten. Dennoch scheinen die Juden in Palästina wunderbar beschirmt worden zu sein, und zweifellos würden viele ihrer Glaubensbrüder, besonders diejenigen in Polen glücklich sein, wenn sie nach Palästina gegangen wären, als sie Gelegenheit hatten. Es ist schwer zu sagen, wie die Beendigung des Krieges die Interessen Israels berühren wird. Wir sollten uns abwartend und erwartend verhalten. Es scheint, dass die Erfahrungen der Juden eine beträchtliche Anzahl schließlich veranlassen werden, in ihre Heimat zurückzukehren. Wir haben indessen nie erwartet, dass a1le Juden dies tun werden, sondern vielmehr eine sie vertretende Schar, gerade wie es bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft der Fall war, als nur 52000 zurückkehrten, ungeachtet der großen Scharen, die nach Babylon in die Gefangenschaft gegangen waren.

Die Zurückkehrenden stellen solche dar, die am festesten an den Herrn und seine Verheißungen glauben, und sicherlich werden sie als die Vertreter aller Juden angesehen werden und eine entsprechende Führung erfahren. Wir erinnern unsere Leser daran, dass zur Zeit, da dieser Band geschrieben wurde, die Juden selbst nur in geringem Maße daran dachten, nach Palästina zu gehen. Jetzt ist der Zionismus erwacht und hat einen tiefgehenden Einfluss auf das Herz der Israeliten erlangt. Obgleich er zunächst weltlich war, ist er doch allmählich der Gegenstand religiöser Gefühle und Hoffnungen geworden.

Die große Pyramide, die in diesem Bande behandelt wird, hat für den Verfasser nichts an Interesse verloren. Die abwärtsführende Passage stellt noch immer den abwärtsführenden Lauf der Menschheit unter der Herrschaft der Sünde und des Todes dar. Die erste aufsteigende Passage stellt noch immer das Gesetzes-Zeitalter, den Bund, den Gott mit Israel am Sinai schloss und den Lauf dieses Volkes unter der Herrschaft des Gesetzes dar. Die große Galerie stellt noch immer die erhabenen Höhen der Lehren Christi und seiner Nachfolger während des Evangeliumszeitalters dar, so auch die Stufe im oberen Ende der großen Galerie einen bestimmten Wechsel in den Angelegenheiten der Welt, durch den die Menschheit auf eine höhere Stufe gelangt. Die Verbindung zwischen der großen Galerie und den Räumlichkeiten über der Königskammer die geistige Gegenwart unseres Herrn in der Ernte dieses Zeitalters, die im Jahre 1874 begonnen hat.

Wir haben niemals versucht, die große Pyramide, die bisweilen auch die Bibel aus Stein genannt wird, dem Worte Gottes, wie wir dasselbe in den Schriften des Alten und Neuen Testaments finden, gleichzustellen. das letztere steht als Autorität immer höher. Wir glauben indessen noch immer, dass die Bauart dieser Pyramide, die so sehr verschieden ist von der aller anderen Pyramiden, vom Herrn entworfen war, und bestimmt, ein Zeuge inmitten und an der Grenze des Landes Ägypten zu sein. Sie erzählt gewiss eine von jeder anderen Kunst oder jedem Überrest, der von jener zurückgelegenen Zeit überliefert worden ist, sehr verschiedene Geschichte.

Ihre wunderbare Übereinstimmung mit dem göttlichen Plan der Zeitalter ist überraschend für jeden. der sie wirklich begreift. Sie so1lte mitgenau so regem Interesse gelesen werden, wie die erste Auf1age, da ihre Lektionen die gleichen geblieben sind. Wir hoffen zuversichtlich, dass neue Leser in derselben Weise reichen Segen erlangen werden durch diesen Band, wie frühere Leser ihn empfangen haben, und dass wir so zusammen Gott verherrlichen und uns freuen können in dem Lichte und in der Erquickung, welche er für uns für den Weg bis zur völligen Aufrichtung des Königreiches seines geliebten Sohnes vorgesehen hat.

Das Messianische Königreich wird bisweilen das Reich Gottes genannt, obgleich es unmittelbar unter der Regentschaft des Messias steht, so sind doch alle seine Gesetze, Einrichtungen, Gerichte usw. in genauer Übereinstimmung mit der göttlichen Anordnung, welche unveränderlich ist. Wenn wir deshalb beten: "Dein Königreich komme, dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht", so sollte unser Gedanke der sein, dass die große Vollkommenheit der Herrschaft und der Regierung unseres Himmlischen Vaters unser Wunsch ist, und dass wir auf die tausendjährige Herrschaft Christi hoffen und warten, während welcher die Überhebung der Erde unterdrückt und alle in die völlige Übereinstimmung mit Gott gebracht werden sollen, in welcher die Engel des Himmels sich befinden.

In der Aufrichtung des Messianischen Königreiches finden sich verschiedene Stufen. Zuerst, in seiner Parousia (Parousie), belebt oder weckt der verherr1ichte Jesus die sch3afenden G1ieder des Leibes Christi. Das ist die erste Handlung dessen, den Gott so hoch erhöht hat, des Erben der großen. Abraham gegebenen Verheißung. Seine Glieder müssen vollendet sein, bevor er seine Stellung als König der We1t offiziell antretenkann. Eine Versicherung dieser Art ist uns durch das inspirierte Wort: "Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit", gegeben worden. Danach handelt der Herr mit den lebenden Gliedern seines Leibes, der Kirche. Wie in dem Gleichnis von den Pfunden und Talenten gezeigt worden ist, müssen alle Geweihten dem Urteilsspruch des Meisters betreffend Würdigkeit und Unwürdigkeit unterworfen werden, und die Vollzahl der Auserwählten muss gefunden und durch die Auferstehungs-Verwandlung" verherrlicht werden, weil Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können (1. Kor. 15:50). Dann wird der Christus die Herrschaft der Welt an sich nehmen. Der Verherrlichte wird vom Vater fordern, und dieser wird ihm zum Erbteil geben die Nationen und zum Besitztum die Enden der Erde. "Er wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerschmettert werden." (Offb. 2:27; Psalm 2:9)

Augenscheinlich rückt die Zeit, da der Sohn des Menschen der Welt offenbar wird, indem er seine Macht an sich nimmt und die Prüfung der Anarchie über die Welt kommen lässt, nahe herbei. Nach dem Kriege wird das Kirchensystem eine kurze Zeit triumphieren. Sowohl Katholiken als auch Protestanten werden an diesem Triumph teilhaben und sowohl politische als auch Finanzfürsten werden sie ermutigen, indem sie auf eine Verlängerung ihrer eigenen Macht hoffen. Zu der Zeit dürfen wir starken Widerstand von Seiten der Namenkirche gegen die wahren, treuen Nachfolger Jesu erwarten, deren Ergebnis ernste Verfolgungen bis zum Tode sein werden. Der Triumph Babylons wird jedoch kurz sein. Bald wird das ausgesprochene Urteil ausgeführt werden, und Babylon wird gleich einem großen Mühlstein in das Meer, die Anarchie, Vernichtung fallen, um nie wieder aufzustehen.

Kurz darauf müssen wir der Darstellung der Bibel zufolge den vö1ligen Zerfall unserer gegenwärtigen Zivilisation erwarten. Der dunkelste Augenblick der größten Not des Menschen wird jedoch für Gott die günstige Gelegenheit sein. Der Messias, der Auserwählte Gottes, wird die Herrschaft an sich nehmen und den aufgeregten Völkern Frieden verkündigen und Ordnung bringen nach der Verwirrung, Freude nach Tränen und Lobeserhebungen nach der Verzweiflung. So wird das Königreich des Messias in einer schrecklichen Zeit der Not geboren, doch die herrlichen Ergebnisse werden die "Zeit der Trübsal, dergleichen nie gewesen ist, seitdem es Nationen gibt", mehr als ausgleichen. So wird, wie uns gesagt wird, "das Ersehnte aller Nationen kommen". - Haggai 2:7

Mögen diese Seiten weiterhin ein Segen für das Volk des Herrn sein und seinen Namen verherrlichen, das ist das Gebet des Verfassers.

Euer Diener im Herrn - Charles T. Russell
Brooklyn, N.Y., den 1. Oktober 1916

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DEIN KÖNIGREICH KOMME

Studie 1

Dein Königreich komme

Die Bedeutung dieses Ereignisses. - Welche Klassen von Leuten dabei interessiert sind. - Welche Klassen dagegen kämpfen - Nähe des Königreiches. - Seine Glorie eine himmlische. - Seine vor sich gehende Aufrichtung.

Das bedeutsamste Ereignis der Geschichte der Welt ist die Errichtung des Königreiches Gottes unter den Menschen von Seiten unseres Herrn Jesu und seiner auserwählten Miterben, der Überwinder dieses christlichen Zeitalters. Dieses große Ereignis, auf welches, wie in den vorhergehenden Bänden gezeigt wurde, alle Verheißungen und Vorbilder Gottes hinweisen, erkennen wir jetzt nicht nur als nahe bevorstehend, sondern als geradezu vor uns. Wer da soweit aufgewacht ist, dass er diese Tatsachen sieht und sie gehörig oder selbst teilweise würdigt, und wessen Herz mit Gottes großem Plan der Zeitalter in voller Sympathie ist, und wer da erkennt, dass das große Universalheilmittel gegen die Sünde, das Elend und Dahinsiechen der seufzenden Kreatur durch dieses Königreich dargereicht werden soll, der kann sicherlich nicht anders als an seiner Aufrichtung und daran, wann und wie sie vor sich gehen soll, ein ganz besonderes Interesse zu empfinden.

Wer einfältig der Erfüllung der Bitte vertraut, die unser Herr selbst in unseren Mund legte: Dein Königreich komme, Dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht - muss das lebendigste Interesse an der Erfüllung seiner Bitte empfinden, wenn sie ihm von Herzen gekommen ist.

Wir können sogar gewahren, dass die Welt, wenn sie nur das wahre Wesen dieses Königreiches erkennen könnte, dasselbe sofort (wie sie schließlich tun wird) als den lang gesuchten Segen, der die so lang gewünschten köstlichen Glücksumstände des goldenen Zeitalters mit sich bringe, mit Freuden begrüßen würde.

Nur eine größere Klasse kann es möglicherweise geben, die dieser Herrschaft der Gerechtigkeit zuwider sein wird. Sie umfasst alle, welche die goldene Regel der Liebe nicht lieben, und die, anstatt andere wie sich selbst zu lieben, lieber andere unterdrückt, gedrückt und ihrer Rechte, ihres angemessenen Lohnes und des Genusses ihrer Mühe beraubt sehen würden, damit sie sich in übermäßigem Luxus wälzen, "in Üppigkeit leben" (Jak. 5:1-9), mehr als man sich wünschen oder erwarten könnte. Diese halten an der gegenwärtigen Einrichtung der Gesellschaft mit dem Griff der Verzweiflung fest und scheinen das verheißene Königreich des Messias instinktiv zu fürchten. Und bei ihnen ist der Wunsch der Vater des Gedankens, dass es nie kommen werde. Ohne dass sie dem vielfältigen Zeugnis der Propheten über dieses Königreich Glauben schenken (obwohl es das Thema aller war - Gott hat davon geredet "durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher" - Apg. 3:21), scheinen sie es zu fürchten und fühlen ahnungsvoll die Wahrheit, dass, wenn Gott sein Königreich errichten würde, so würde es in Gerechtigkeit regieren; und wenn mit Gerechtigkeit verfahren würde, so würden viele Herrscher der Welt mit ihren Untergebenen Plätze tauschen, oder gar ins Gefängnis gesteckt werden; und viele der Großen und Erhabenen und Reichen und Geschmeichelten würden ihre übel erlangte Herrlichkeit und Ehre und ihren Reichtum einbüßen und in ihrem wahren Licht als Unedle erkannt werden. Sie fürchten das Zeugnis, wenn sie auch nicht glauben, dass "nichts verborgen, das nicht offenbar werde und nichts heimlich, das man nicht wissen werde" (Matth. 10:26). Und neben diesen Unedlen - diesen ungerechten Haushaltern von Reichtum und Macht, in deren Gebrauch sie sich schließlich als nicht "klug" herausstellen, wie der in dem Gleichnis für seine Klugheit Gelobte (Luk. 16:1-9) - steht eine noch größere Klasse, die, obwohl sie jetzt vielleicht nicht mehr als den ihnen zukommenden Anteil an Ehre, Amt, Reichtum und Wohlleben haben, doch einige, wenn auch schwache Hoffnung hegen, eines Tages sich im Luxus zu wälzen, wonach es auch der "gewöhnlichen Herde" gelüstet. O Unedle, Sklaven selbstsüchtiger Eitelkeit und Spielbälle unbeständiger Glücksgüter. Und unter diesen - leider ist es so! - gibt es solche, die den Namen Christi tragen, des Freundes des Armen, und mit ihren Lippen nur um das tägliche Brot bitten, und mit feierlichem Schein beten: Dein Königreich komme, während sie mit jedem Blick, in jeder Handlung und im Verkehr mit ihren Mitmenschen zeigen, wie sie die gegenwärtige, ungerechte Herrschaft lieben; und wie sie an Ungerechtigkeit Gefallen findend, lieber hätten, dass Christi Königreich nicht käme.

Eigentümlich aber ist es, und in bezeichnendem Gegensatz zu der Haltung mancher, angeblich Kinder Gottes, dass wir nicht selten unter "Sozialisten" und anderen, obwohl dieselben das "Kirchentum" und mit demselben nur zu häufig die Bibel und allen Glauben an eine geoffenbarte Religion verwerfen, solche finden, die trotzdem in Wirklichkeit etliche der Grundprinzipien der Gerechtigkeit erfassen, wenn sie die gemeinsame Bruderschaft der Menschen anerkennen, wie etliche ihrer Schriften überaus schön tun. Sie scheinen soziale Gleichheit und allgemein günstige Verhältnisse zu erwarten und anzustreben, wie sie wiederholt in der Schrift als das Resultat der Aufrichtung des Königreiches Christi unter den Menschen verheißen sind, da der Wille Gottes auf Erden geschehen wird. Und doch, arme Sozialisten, häufig scheint es, dass ihre Befürwortung von Freiheit und Gleichheit größtenteils aus ihrer Armut und der Empfindung entspringen, dass ihnen selbst verhältnismäßig Genüsse und Vorteile abgehen, und weniger aus prinzipiellen Rücksichten. Denn lass einen aus ihnen großen Reichtum erben oder erwerben, und es ist bei nahe gewiss, dass er seine vorigen Prinzipien fallen lässt.

Sehr vorsichtig sollten die Geweihten wandeln, die da beten: "Dein Königreich komme, Dein Wille geschehe"; sonst erweisen sich ihre Gebete als bloßer Schein - und Lippenbekenntnis, womit ihr Herz und Leben nicht übereinstimmt. "Aus deinem Munde richte ich dich," drückt einen der durchdringendsten und ernstesten Verweise aus, die der Richter etlichen geben wird, die vorgegeben haben, seine Diener zu sein, und sich nach seiner Herrschaft zu sehnen. Möchten alle, die so um die Herrschaft der Gerechtigkeit beten und daran glauben, jetzt schon, soweit es ihnen möglich, ihre Handlungen und Worte nach den gerechten Vorschriften derselben einrichten.

Wer die Bedeutung der Lehren der vorhergegangenen Bände erfasst hat, wird erkennen, dass Gottes Königreich keines von äußerlicher, sichtbarer, irdischer Herrlichkeit sein wird, sondern eins von göttlicher Macht und Herrlichkeit. Dieses Königreich hat schon die Zügel der Herrschaft ergriffen, wenn es auch die Reiche dieser Welt noch nicht besiegt und beseitigt hat. Denn deren Lehnzeit ist noch nicht abgelaufen. Folglich ist es noch nicht zu voller Ausübung seiner Gewalt gekommen. Die Aufrichtung desselben ist jedoch im Fortschritt begriffen, wie es durch die Zeichen der Zeit sowohl, wie auch durch die Prophezeiungen angezeigt ist. Von Letzteren haben wir etliche im vorhergehenden Band betrachtet und etliche werden in diesem dargelegt werden.

In den folgenden Kapiteln werden Weissagungen dargelegt werden, die verschiedene Abschnitte der Vorbereitung von Kirche und Welt für das Königreich bezeichnen. In denselben wird unsere Aufmerksamkeit auf die allerbedeutsamsten Wechsel gelenkt, die während der Zeit seiner Aufrichtung stattfinden werden. Nichts könnte für die noch lebenden Geweihten wichtiger und von tieferem Interesse sein. Denn sie sind es ja, die nach der verheißenen Miterbschaft verlangen und darnach trachten, an dem Werk, das jetzt an der Zeit und im Fortschritt begriffen ist, im Verein mit dem Meister, dem Hauptschnitter und König, beteiligt zu sein.

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Studie 2

"Die Zeit des Endes" oder "Tag seiner Rüstung" oder Vorbereitung

Die Zeit des Endes. - Ihr Anfang, im Jahre 1799. - Ihr Schluss, im Jahre 1914. - Was soll vorbereitet werden und wozu? - Die Geschichte der Welt durch die hauptsächlichen Herrscher prophetisch verfolgt. - Vom Jahre 405 vor Christi bis zu diesem Tage der Vorbereitung - Der Anfang der Zeit des Endes bestimmt bezeichnet, doch ohne Namen und Datum.

Die "Zeit des Endes", eine Periode von 115 Jahren, 1799 bis 1914, ist in der Schrift sonderlich markiert. Der "Tag seiner Rüstung", oder Vorbereitung, ist ein anderer Name, welcher derselben Periode beigelegt ist, weil in derselben eine Zunahme an Erkenntnis, die in Entdeckungen und Erfindungen, usw. sich erweist, den Weg für dies herbeikommende Gnaden-Jahrtausend ebnet. Maschinen und Mittel werden ersonnen, um Arbeit zu sparen und der Welt im allgemeinen Zeit und Bequemlichkeiten zu bereiten, was unter Christi Herrschaft der Gerechtigkeit für alle zum Segen ausschlagen und dazu beitragen wird, die Erde mit der Erkenntnis des Herrn zu erfüllen. Es ist aber auch noch in einem anderen Sinn ein Tag oder eine Zunahme der Erkenntnis unter den Menschen, die allen einen Geschmack von Freiheit und Luxus gibt, ehe Christi Herrschaft zur rechten Verwaltung der Welt hergestellt ist, werden diese Wohltaten allmählich Mittel, die Macht in die Hand einzelner Klassen zu spielen, und schließlich dahin zu führen, dass die Massen sich erheben und den Umsturz von Vereinigungen, Geschäftsverbindungen, usw. herbeiführen, mit welchen zugleich alle gegenwärtigen staatlichen und kirchlichen Herrschaften der Welt fallen werden. Auf solche Weise (durch solchen Umsturz) ist die Gegenwart ein Tag der Vorbereitung zur Herstellung der Universal-Herrschaft des Königreiches Gottes, um das so lange gebeten worden ist.

Die letzten 40 Jahre der Zeit des Endes werden "Das Ende" oder "Die Ernte" des christlichen Zeitalters genannt, wie wir lesen: "Die Ernte ist das Ende des Zeitalters." (Matth. 13:39) Wir handeln hier zunächst im allgemeinen über den Charakter und die Ereignisse und lassen die besonderen Züge der Ernte für ein späteres Kapitel.

Obwohl das Datum dieses Zeitabschnittes uns in Daniels Weissagung gegeben ist, so wissen wir doch, dass er selbst durchaus nichts davon verstand, wie er denn sagte: "Ich hörte es; aber ich verstand es nicht." (Dan. 12:8) Auf seine dringende Frage nach Auskunft wurde ihm gesagt, dass die Worte verborgen und versiegelt bleiben würden bis zur Zeit des Endes. Daraus folgt also, dass vor 1799 niemand die Prophezeiung verstehen konnte; und ehe wir den Gegenstand verlassen, werden wir zeigen, dass die Prophezeiung andeutet, dass das Verständnis derselben nicht vor 1829 anfangen, noch vor 1875 eine deutliche Entfaltung erreichen würde.

Das 11. Kapitel der Weissagung Daniels ist den bedeutsamen Ereignissen gewidmet, die herab bis auf diese Periode, die Zeit des Endes, führen, während Kapitel 12 von da an weiter bis zum Ende oder zur Ernte führt. Wer ein Forscher in der Weissagung ist, wird die besondere Weise bemerken, in der das Datum des Anfangs der Zeit des Endes gegeben ist - auffallend sowohl was Genauigkeit bei der Feststellung des Datums betrifft, als auch betreffs des Verbergens desselben, bis auf die bestimmte Zeit, da es verstanden werden sollte. Und nachdem dieser Zeitpunkt so bemerkenswert im 11. Kapitel, ohne Namen oder Datum zu geben, markiert ist, gibt Kapitel 12 drei Zeitperioden an die Hand, 1260, 1290 und 1335 prophetische Tage, welche die Aussage von Kapitel 11 bestätigen und befestigen, dass der Anfang der Zeit des Endes ins Jahr 1799 fiel.

Und obwohl Dan. 11 etliche der hervorragendsten Charaktere und Ereignisse der Geschichte berührt, wie wir zeigen werden, so ist sein Zeugnis doch noch vielen Forschern in der Weissagung versiegelt, weil die Hauptsache der Weissagung, auf die viel ankommt schon eine scheinbare Erfüllung gehabt hat. Auf solche Weise eine Weissagung bis zur rechten Zeit zuzudecken oder zu verbergen, ist gar nichts so Außergewöhnliches. Und so selbstbewusst sind Erforscher der Weissagung gewesen, dass diese Hauptsache schon erfüllt sei, dass am Rande in der gewöhnlichen englischen Bibel und in fast allen deutschen Werken der Bibelauslegung zu lesen steht: "Erfüllt 168 bis 171 vor Christo." Die Stelle (Dan. 11:31) lautet: "Und Streitkräfte von ihm werden dastehen, und sie werden das Heiligtum, die Feste, entweihen, und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Greuel aufstellen."

Die Behauptung ist, dass diese Weissagung durch Antiochus Epiphanes, einen syrischen König, erfüllt wurde, als er Jerusalem gewaltsam betrat und die Opfer zu Gott im Tempel abschaffte und in dem Tempel den Götzen des Jupiter Olympius aufstellte.

Diese scheinbare Erfüllung dieser Weissagung genügt dem gewöhnlichen Forscher, der zufrieden damit ist, was ihm gesagt wird; und dies bewirkt, dass er das Interesse verliert, nach weiterer und voller Erfüllung dieser Weissagung auszuschauen, da sie ja weit zurück in der Vergangenheit erfüllt ist. Der ernstliche Forscher aber wird bemerken, dass (Vers 14) vorhergesagt ist, dass die Abtrünnigen aus Daniels Volk in der Tat versuchen würden, die Weissagung zu erfüllen (oder würden sie scheinbar erfüllen); und ferner wird ein solcher bemerken, dass die Zeit des Endes eine fest bestimmte Zeit war (Vers 35), und dass eine volle und richtige Deutung bis dahin nicht erlangt werden könne. Ein solcher wird daher aus der Vergangenheit keine richtige Auslegung erwarten. Noch auch wird der sorgfältige Forscher die Tatsache übersehen, dass unser Herr auf diese Weissagung hinwies, und 200 Jahre nach ihrer behaupteten Erfüllung uns sagte, ihre Erfüllung in der Zukunft zu erwarten, indem er sprach: "Wenn ihr nun (in Zukunft) den Greuel der Verwüstung stehen sehet an heiligem Orte." (Matth. 24:3,15) Und der Herr fügte sogar noch eine Warnung hinzu, dass wir uns recht gewiss machen sollen betreffs des wirklichen Greuels, indem er sagt: "Wer es liest, der verstehe es!"

Wir sind der Zuversicht, dass die in dem vorhergehenden Band dargelegten Beweise die Tatsache klar gemacht haben, dass das große Papstsystem der verwüstende Greuel ist, der jahrhundertlang im Namen des Königreiches Christi sowohl die Welt wie die Kirche beraubt hat. Wahrlich, lang hat es gestanden "an heiligem Orte" - im Tempel Gottes, in der christlichen Kirche. Gott sei Dank, dass wir ihr verabscheuungswürdiges Wesen immer deutlicher sehen und so von all ihren Irrtümern fliehen können. Gott sei Dank, dass ihre Tage gezählt sind, und das gerechtfertigte (gereinigte) Heiligtum (Dan.8:14) bald erhöht und mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt werden wird.

Mit dieser Einleitung gehen wir nun der Reihenfolge nach an die Untersuchung von Daniel Kap. 11.

Vers 2 beginnt mit dem Medo-Persischen Reich, dessen vierter letzter König Darius III. Codomanus ist.

Der mächtige König von Vers 3 ist Alexander der Große von Griechenland, über welchen das folgende Bruchstück aus der Geschichte von Willard mit Interesse gelesen werden wird. Er sagt:

"Nachdem Alexander der Große in Judäa eingefallen war, schickte er ein Mandat (Befehl) nach Jerusalem, seine Armee mit Provisionen und Truppen zu versehen. Jaddus, der damalige Hohepriester, sandte die Antwort zurück, dass er dem Könige von Persien Treue geschworen, und dass er, so lange er lebe, seiner Fahne nicht untreu werden könne. Sobald die Belagerung von Tyrus beendet war, marschierte Alexander auf Jerusalem los, um für diese Weigerung Rache zu nehmen. Von seinem Vorhaben unterrichtet und gänzlich ohnmächtig, es mit ihm aufzunehmen, schrie der Hohepriester in seiner Bedrängnis zum Himmel um Hilfe. In der Nacht durch eine Vision unterrichtet, öffnete er die Tore und bestreute den Weg mit Blumen. Er selbst, in die kostbaren Gewänder der levitischen Priesterschaft gekleidet, ging hinaus dem Eroberer entgegen, gefolgt von allen Priestern in Weiß gekleidet. Alexander begegnete ihm, kniete nieder und betete an. Von seinen erstaunten Freunden gefragt, warum er, den andere verehrten, den Hohepriester verehre, erwiderte er; "Ich verehre nicht ihn, sondern den Gott, dessen Diener er ist. Ich erkannte ihn sofort, als ich sein Gewand erblickte, als denselben, den ich in meiner Vision in Mazedonien sah, als ich über die Bekriegung Persiens nachsann; und er versicherte mich damals, sein Gott werde vor mir hergehen und mir Erfolg verleihen." Alexander umarmte nun die Priester und betrat, in ihrer Mitte gehend, Jerusalem; wo selbst er in der feierlichsten Weise im Tempel Opfer darbrachte. Der Hohepriester zeigte ihm sodann die Prophezeiung Daniels und legte sie ihm dahin aus, dass sie vorher verkündige, er werde die persische Macht stürzen.

Obwohl Alexander die Welt in dem kurzen Zeitraum von 13 Jahren eroberte, so bestand doch sein Reich als einheitliche Nation nach seinem Tode in seiner Familie nicht fort, sondern wurde von seinen vier Generälen geteilt und sonst, wie Vers 4 angibt, im ganzen zerbröckelt.

Beachte hier die Übereinstimmung dieser Weissagung mit der Dan. 8:3-9 und 20-25 gegebenen. Hier wird gezeigt, wie aus einem der Teile des Reiches Alexanders (vergleiche Vers 8, 9 und 21) ein "kleines Horn", eine kleine Macht, emporkommen werde, das über die Maßen groß werden würde. Dies nimmt augenscheinlich auf Rom bezug, das sich auf den Ruinen Griechenlands zu Macht und Einfluss erhob. Zuerst ein unbedeutender Vasallenstaat, dessen Abgesandte sich beeilten, die griechische Oberhoheit anzuerkennen, und ein Teil des zu den Füßen Alexanders des Großen liegenden Reiches zu werden, erhob sich Rom allmählich zur Oberherrschaft.

Die Geschichte, Dan. 8:9, 10 in wenigen Worten erzählt, wird Kap. 11:6-19 mehr im einzelnen berichtet. In diesem Bericht wird von Ägypten als dem Könige des Südens geredet, während die Griechen und hernach die Römer, deren Nachfolger in der Macht, oder das neue Horn, das aus dem griechischen Reiche emporkam, als der König des Nordens bezeichnet werden. In die Geschichte dieser verwebt, einmal mit dem einen, ein andermal mit dem andern verknüpft, war die Geschichte des Volkes Gottes- des Volkes Daniels - in dessen schließliche Segnung nach Gottes Verheißung Daniel glaubte. Es ist etwas langweilig und unnötig, diese Geschichte in all den Einzelheiten der Kämpfe zwischen Alexanders Generälen und ihren Nachfolgern bis Vers 17, der sich auf Kleopatra, die Königin von Ägypten bezieht, zu verfolgen; und da soweit alle übereinstimmen, so brauchen wir nicht weiter in die Vergangenheit zurückgehen.

Diejenigen, welche behaupten, dass Vers 11:31 auf Antiochus Epiphanes bezug nimmt, fahren mit Vers 18 bis zum Ende des Kapitels fort, die Weissagungen auf die kleineren Zänkereien und Kämpfe zwischen Seleucius, Philopater, Antiochus Epiphanes und Ptolemäus Philometer anzuwenden. Die Juden, die diese Auslegung bis ins 12. Kapitel fortsetzten, mochten guten Grund haben, eine baldige Befreiung durch den Messias zu erwarten; und so lesen wir, dass zur Zeit der Taufe Jesu "alles Volk in Erwartung war" in betreff des Messias, und durch ihn in betreff ihrer Befreiung vom römischen Joche. Aber wir, die den eigentlichen "Greuel" sehen, trennen uns vom 18. Vers an von ihnen. Wir verstehen, dass die Weissagung von da ab, bis auf das Papsttum, bloß hervorragende Charaktere der Geschichte berührt. Nachdem sie sodann dieses berührt und gekennzeichnet, schreitet sie fort bis zum Ende seiner Macht zu verfolgen, und markiert dieses Datum durch einen eingehenden Bericht über einen der bemerkenswertesten Charaktere der Geschichte, nämlich Napoleon Bonaparte.

Doch man möchte ferner fragen: Warum dieser Wechsel in der Beschreibungsweise der vorausgehenden Verse und warum nur hervorragende Züge der Geschichte berühren? Wir antworten, dass dies ein Teil der Verfahrungsweise Gottes war, die Weissagung zu versiegeln und zu verdecken. Zudem war in der Prophetie alles so angeordnet, dass Israel am ersten Advent nicht hätte zu fallen brauchen. Wären alle Einzelheiten von zwanzig langen Jahrhunderten dargelegt worden, wie sie jene Weissagung in Vers 3-17 dieses Kapitels enthielt, so würde es so lang und schwerfällig gewesen sein, dass es über alles Verständnis hinausging. Auch würde es den Juden und ersten Christen eine Idee über die Länge der Zeit gegeben haben, ehe das Königreich Gottes kommen würde. Das aber war nicht Gottes Absicht.

Weitergehend verstehen wir also, dass Vers 17-19 auf die Zeit hinweist, da Markus Antonius und Kleopatra figurieren, da Antonius fiel und Ägypten ("der König des Südens") vom römischen Reiche verschlungen wurde. Vers 20 beziehen wir auf den Kaiser Augustus, der für sein systematisches Steuer eintreiben von allen tributpflichtigen Nationen berühmt war, und dessen Eintreibung der Steuern in Judäa und der ganzen Welt im Zusammenhang mit der Geburt unseres Herrn, (Luk. 2:1) in der Schrift angemerkt steht. Der Ausspruch, "dass ein Gebot ausging vom Kaiser Augustus, dass alle Welt geschätzet würde", stimmt vortrefflich mit der Beschreibung: "Und an seiner Statt wird einer aufstehen, welcher einen Eintreiber der Abgaben durch die Herrlichkeit des Reiches ziehen lässt". Rom stand damals in seiner größten Pracht, und Palästina war das herrliche Land; und der Kaiser Augustus war der erste Herrscher, der eine systematische Steuererhebung in der Welt einführte. Von ihm lesen wir ferner: "Aber in wenigen Tagen wird er zerschmettert werden, und zwar weder durch Zorn noch durch Krieg", etwa durch Meuchelmord, wie seine Vorgänger und seine sieben Nachfolger, die alle eines gewaltsamen Todes starben. Sein Tod trat einige Jahre, nachdem er den Höhepunkt seiner Macht erreicht und den Steuereintreiber durch das herrliche Land hatte ziehen lassen, ein.

Vers 21 beschreibt passend den Nachfolger des Augustus, den Kaiser Tiberius. "An seiner Statt wird ein Verachteter (Verächt­licher) aufstehen, auf den man nicht die Würde des Königtums legen wird; und er wird unversehens kommen und durch Schmeicheleien sich des Königtums bemächtigen." Lasst uns sehen, wie hiermit der geschichtliche Bericht über Tiberius stimmt.

Der Geschichtsschreiber White sagt: "Tiberius war 56 Jahre alt, als er den Thron bestieg, wobei er große Zurückhaltung zur Schau trug, die wichtigen Geschäfte des Thrones auf sich zu nehmen. ... Als aber alle Schranken beseitigt waren, ließ der Tyrann seinen grausamen und fleischlichen Leidenschaften freien Lauf."

So sagt Willard: "Zuerst heuchelte er und schien mit Mäßigkeit zu regieren; aber bald fiel die Maske. ... Der Senat, dem er alle politischen Rechte des Volkes übertragen hatte, war ausgeartet und sanktionierte gehorsamst seine Handlungen und streute einem Manne den Weihrauch beständiger Schmeicheleien, der ihre Straßen mit Blut erfüllte. Unter der Herrschaft dieses Niedrigsten der Menschen war es, dass unser Herr Jesus Christus in Judäa gekreuzigt wurde."

Dieses Bild stimmt genau mit der Beschreibung des Propheten und wird noch weiter durch den nächsten Vers (22) bestätigt. "Und die überschwemmenden Streitkräfte werden vor ihm überschwemmt und zertrümmert werden, und sogar ein Fürst des Bundes." Diese letztere Aussage scheint zweifellos sich auf unseren Herrn Jesum zu beziehen, der, wie oben vom Historiker angemerkt ist, unter der Herrschaft des Tiberius, von dessen Stellvertreter, dem römischen Gouverneur Pilatus in Judäa, und von römischen Soldaten gekreuzigt wurde.

"Denn seitdem er sich mit ihm verbündet (der Senat ihn als Kaiser anerkannt) hat, wird er Trug üben, und wird hinauf ziehen und mit wenig Volk Macht gewinnen." Tiberius organisierte nämlich die Prätorianische Garde, zuerst aus 10.000, später verdoppelt. Diese kleine Zahl Leute war beständig als die Leibgarde des Kaisers in Rom und unter seiner Hand. Hierdurch hielt er Volk und Senat in Unterwürfigkeit; hob Volkswahlen und Versammlungen auf, usw. "Unversehens wird er in die festesten Gegenden der Landschaft eindringen und tun, was weder seine Väter, noch die Väter seiner Väter getan haben; Raub und Beute und Gut wird er ihnen zerstreuen und wider die Festungen seine Anschläge ersinnen; und zwar eine Zeit lang." - Vers 23 und 24

Es war die Politik des Augustus wie seiner Nachfolger, auf friedlichem Wege die Herrschaft über die unterworfenen Gebiete zu erhalten, statt noch weitere Eroberungen zu machen; und um dies zu tun, schlugen sie den Weg ein, durch Ernennung von Statthaltern den Raub zu teilen. Das Verbleiben derselben in ihrem Amte hing von der Bewahrung der Ordnung, von ihrer Anhänglichkeit an die Kaiser und von der prompten Erhebung der Steuern ab. Sie verfolgten nicht mehr den Zweck wie zuerst, sich den Säckel zu füllen und die Welt zu plündern, bloß um das Geraubte als Trophäen nach Rom zu schleppen. Durch diese Diplomatie, durch solches "Anschläge vorausentwerfen" beherrschte Rom jetzt die Welt völliger und mit größerem Schein als damals, da seine Heere bald hier bald dorthin zogen.

Obwohl die Prophezeiungen Einzelheiten hervorhebt, ja im Falle von Augustus und Tiberius Individuen beschreibt, so sollte man doch nicht vergessen, dass dies nur Mittel zum Zwecke waren. Dieser Zweck ist, den Zeitpunkt zu markieren, da die Weltherrschaft Griechenlands von den vier Generälen Alexanders des Großen, welche die vier Abteilungen seines Reiches repräsentieren (die Dan. 8:8 erwähnten vier Hörner" des griechischen "Ziegen­bocks"), auf das Römerreich überging, das damals und ehedem ein Teil Griechenlands war. Diese vier Generäle und Nachfolger Alexanders werden nicht minder in der Geschichte wie in der Prophezeiung berührt. (Die Teilung des Reiches unter diese vier finden wir in Dan. 8:8 u. 11:4, 5).Der Geschichtsschreiber (Willarbs Universalgeschichte, Seite 100) sagt: "Das (griechische) Reich wurde nun in vier Teile geteilt. Ein jeder der Generäle erhielt seinen Teil. Ptolomäus wurde Beherrscher Ägyptens; Seleucius Herr Syriens und Ober-Asiens; Lysimachus gebot über Thrazien und Kleinasien bis zum Taurus-Gebirge, Kassander über Mazedonien."

Dieser Teilung gemäß gehörte Italien zu Kassanders Teil, der "König des Nordens" genannt, im Gegensatz zu dem "König des Südens" Ägypten. Allmählich siegte der Einfluss Roms, und Stück für Stück wurden die anderen ursprünglich von Seleucius, Lysimachus und Kassander beherrschten Gegenden unter die Botmäßigkeit von Rom gebracht, das selbst zu dem nördlichen Teil gehört hatte; und somit blieb nur noch der südliche Teil, Ägypten, übrig. Dieser König des Südens kam, wie oben erzählt, zur Zeit Kleopatras, Antionius und Augustus unter die Gewalt des nördlichen Teiles, zum Teil durch Schuld des Vaters der Kleopatra, welcher, da seine Kinder jung waren, diesen bei seinem Tode sein Reich unter dem Schutze des römischen Senates hinterließ, und andernteils durch die Besiegung des Mark Antonius. Wohl war der "König des Südens", Ägypten, zeitweilig ebenso mächtig wie der "König des Nordens", Rom. Geschichtsschreiber nennen es die größte Handel treibende Nation zu jener Zeit", mit "33.000 Städten" und einer Steuereinnahme von "14.800 silbernen Talenten", in amerikanischem Geld ungefähr 20.000.000 Dollar.

Zweck und Absicht der Weissagung erkennend, sollten wir nicht Einzelheiten, persönliches, über die Monarchen dieses Reiches erwarten; sondern unter "König des Nordens" verstehen wir den Vertreter des römischen, und unter "König des Südens" den Vertreter des ägyptischen Reiches. Betrachten wir nun nach dieser Erklärung die Prophezeiung weiter.

Dan. 11:25: "Und er (Rom) wird seine Macht und seinen Mut wider den König des Südens (Ägypten) erwecken mit einem großen Heere; und der König des Südens wird sich zum Kriege rüsten mit einem großen und überaus starken Heere; aber er wird nicht bestehen, denn man wird (listige) Anschläge wider ihn ersinnen."

Vom Jahre 30 v.Chr. an, als der Kaiser Augustus Ägypten zur römischen Provinz machte, ereignete sich nichts feindliches zwischen diesen beiden Mächten, nicht bis die Königin Zenobia, ein Nachkomme der Kleopatra, ums Jahr 269 n.Chr. die Herrschaft dieser Provinz beanspruchte und ausübte. Schon 272 n.Chr. wurde sie von Aurelian, dem römischen Kaiser, gefangen genommen. Der Geschichtsschreiber sagt: "Syrien, Ägypten und Klein-Asien mussten die Oberherrschaft der Zenobia, Königin von Palmyra, anerkennen. Aber sie musste es im Kampf mit der größeren Macht des Reiches und der Kriegskunst des ersten seiner Zeit aufnehmen. Doch Aurelian selbst schreibt von ihr: "Die Römer sprechen mit Verachtung von dem Krieg, den ich gegen eine Frau führe, doch sie kennen weder den Charakter noch den Ruhm der Zenobia. Es ist unmöglich, ihre Kriegsbereitschaft und ihren verzweifelten Mut zu beschreiben." Ihr Bundesgenosse, Firmus, in Ägypten, war bald unterdrückt und getötet, und mit Ehre und großem Reichtum bedeckt kehrte Aurelian nach Rom zurück, wie es Vers 28 beschrieben ist: "Und er wird mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, und sein Herz wird wider den heiligen Bund gerichtet sein; und er wird (in verschiedenen Kriegstaten) handeln und in sein Land zurückkehren."

Als Bestätigung, welche Unmassen von Reichtümern er zusammenschleppte, beachte Gibbons Beschreibung seines Triumphzuges durch die Straßen Roms. Er sagt:

"Der Reichtum Asiens, die Waffen und Fahnen der besiegten Nationen, und die prächtige Garderobe und das Silbergeschirr der syrischen Königin, alles wurde in genauer Symmetrie oder kunstvollem Durcheinander zur Schau getragen... Die schöne Gestalt Zenobias war mit goldenen Ketten gefesselt; ein Sklave trug die goldene Kette, die ihren Hals umschlang, und fast unterlag sie der übergroßen Last der auf sie gehäuften Juwelen. Zu Fuß ging sie dem herrlichen Kriegswagen voraus, auf dem sie einst selbst in die Stadt Rom einzufahren gehofft hatte."

In Bezug auf die Worte des Propheten, dass "sein Herz wider den heiligen Bund (das Christentum) steht, sagt Mosheim: (Geschichte des Christentums, Band 2, Seite 101)

"Aurelian, obschon übermäßig dem Götzendienst ergeben und voller Abneigung gegen die Christen, ergriff doch vier Jahre lang keine Maßregel, sie zu bedrängen. Im fünften Jahre seiner Regierung aber, ob durch eignen oder anderer Aberglauben angeregt, rüstete er sich, sie zu verfolgen: und hätte er länger gelebt, so roh und wild war seine Natur, und so sehr war er von den Priestern und Bewunderern der Götter beeinflusst, seine Verfolgung wäre eine noch grausamere geworden, als irgend eine zuvor. Doch noch ehe seine neuen Gebote alle Provinzen erreicht hatten, wurde er meuchlings ermordet; und nur wenige Christen hatten um ihrer Frömmigkeit willen von ihm zu leiden."

Diese seine Sucht, die Christen zu verfolgen, zeigte sich erst nach seiner Rückkehr von den Eroberungen, wie die Prophezeiung angibt. Aurelian war ein Anbeter der Sonne. wie er auch seinen Sieg über Zenobia der Sonne zuschrieb und unmittelbar nach der Schlacht in den prächtigen der Sonne geweihten Tempel ging, um seinen Dank abzustatten. Da die Christen die Sonne der Anbetung unwürdig erachteten, so nimmt man an, dass dies seine plötzliche, heftige Opposition hervorrief.

Vers 26 lautet: "Und die seine Tafelkost essen, werden ihn zerschmettern; und sein Heer wird überschwemmen und viele Erschlagene werden fallen." Aurelian wurde von seinen eigenen Generälen meuchlings ermordet; sein Heer war erfolgreich, aber viele kamen um.

Vers 27 nimmt nicht auf Rom und Ägypten Bezug, sondern auf zwei Könige oder Mächte im römischen Reich - die kaiserliche Macht sank allmählich, und die Macht der Geistlichkeit begann sich langsam zu Leben und Ehrfurcht zu entwickeln. Sie suchten sich gegenseitig zu eigennützigen Zwecken auszunützen, solche Absicht aber zu gleicher Zeit leugnend. Die Stelle heißt: "und die beiden Könige - ihre Herzen werden auf Bosheit bedacht sein, und an einem Tisch werden sie Lügen reden; aber es wird nicht gelingen, denn das Ende verzieht sich noch bis zur bestimmten Zeit." Um den Gedanken zu verdeutlichen: Eine Periode von 1260 Jahren war von Gott bestimmt als die Dauer der Verfolgungsmacht des Papsttums; daher konnte das Bündnis zwischen der Geistlichkeit und der weltlichen Macht "nicht gelingen (gedeihen)", weil die 1260 Jahre von jenem Datum an gerechnet, "das Ende" zu früh bringen würde; daher musste es (das Gelingen des Bündnisses) hinausgeschoben oder zurückgehalten, und ihm nur allmählich unter dem Verfall des Königreiches Italien zustande zu kommen erlaubt werden. Wir ersehen aus der Kirchengeschichte, wie die christlichen Bischöfe heimlich und auf möglichst schlaue Weise im römischen Reiche nach Macht ringen; und sicherlich wurde es von den Kaisern hin und her erwogen, ob es nicht zu ihrem Vorteil wäre, die neue Religion anzuerkennen. Augenscheinlich machte Konstantin zur reiferen Zeit zur Tat, was vor ihm andere schon mehr oder weniger im Sinne gehabt hatten. Doch selbst Konstantin wurde durch die öffentliche Meinung daran gehindert, sofort und so schnell als er wünschen mochte, die Vereinigung der kirchlichen und staatlichen Machtgebiete herzustellen.

Vers 29 und 30 erachten wir als Zwischensatz, der zudem Zweck eingeschoben ist, um durch Unterbrechung des Fortganges der Erzählung die Bedeutung derselben zeitweilig zu verbergen, denn wir glauben, dass dieselbe auf einen damals noch weit in der Zukunft liegenden Zusammenstoß der Repräsentanten Roms und Ägyptens hinweist. Kein weiteres Treffen zwischen ihnen werde stattfinden, außer eines, und dies gerade zu "bestimmten Zeit", der Zeit des Endes, 1799. Aus diesem Grunde überspringen wir diese Verse, bis wir zur Betrachtung des letzten Kampfes zwischen ihnen, der Vers 40-45 geschildert wird, kommen.

Vers 31 schließt an den Gedanken von Vers 27 an, und wir erkennen, dass er sich auf die erfolgreichere der beiden Mächte im römischen Kaiserreich, auf das Papsttum, bezieht. Nachdem uns die Prophezeiung durch einzelne bedeutsame Herrscher bis auf Aurelian geführt, und uns mit den beiden, bald darauf entstehenden, sich gegenseitig bekämpfenden Herrschermächten - den staatlichen und kirchlichen - bekannt gemacht hat, zeigt sie nun zunächst das Hervorwiegen des Papsttums, und sein Wesen und Werk im Verhältnis zu Gottes Wahrheit und Kirche (Herauswahl). Es wird dargestellt als ein König oder eine Macht, ohne Rücksicht auf seine verschiedenen, wechselnden Päpste oder Häupter. Wir wissen, dass im Kampf zwischen den staatlichen und religiösen Herrschern das Papsttum siegte; und die Prophezeiung lautet: "Und Streitkräfte von ihm werden dastehen (oder, "Gewaltige aus ihm emporkommen." - Youngs Übersetzung, ähnlich Luthers Randglosse) und sie werden das Heiligtum, die Feste, entweihen, und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Greuel aufstellen".

Unsere Auslegung hiervon ist, dass, obschon weder die staatliche noch kirchliche Macht einander verschlangen, wie man anfangs hätte erwarten können, so kamen doch "Gewaltige" auf, welche die Grundprinzipien beider, der staatlichen Regierung wie auch der wahren Religion verwirrten - "entweihten". Das "Heiligtum, die Feste", die von Gott geweihten staatlichen Rechte der Herrschaft und Autorität, welche Gott eine Zeitlang den Heiden, den Reichen dieser Welt, übergab, wurde unterminiert: und zwar von solchen in der Kirche, die nach gegenwärtiger Herrschaft dürsteten und durch alle nur mögliche Verfahrungsweise, zur Förderung ihrer kirchlichen Pläne, weltliche Macht zu erringen suchten. So wurde Gottes Heiligtum (seine geweihte Wohnstätte - die Kirche) durch das fortwährende Streben dieser "Gewaltigen", mit den Weltherrschern Macht, Ansehen und Einfluss beim Volk zu erlangen, verunreinigt und erniedrigt. Das war das Papsttum im Keime, geschäftig, sich zu einem priesterlichen Weltreich emporzuschwingen.

Der Plan Gottes, der uns vorschreibt, den "bestehenden Mächten" oder "der Obrigkeit, die Gewalt über uns hat", untertan zu sein, ließ man ganz aus den Augen, Nach Gottes Plan waren diese dazu bestimmt, uns zu prüfen und für die zukünftige Erhöhung zur Macht, Herrlichkeit und Herrschaft für die Welt vorzubereiten. Entschlossen, wenn möglich vor Gottes Zeit zu regieren, ist es nicht zu verwundern, dass diese ungestümen "Gewalten" von Gottes Plan soweit abkamen, dass sie das wahre Wesen, den Kern der Wahrheit, ganz verloren und nur die Form, die äußere Erscheinung beibehielten. Ein höchst entscheidender Schritt zum "Abfall" vom Glauben war die Abschaffung des "beständigen Opfers". Dies, der Höhepunkt doktrinärer Ausartung, die in der römischen Lehre von der Transubstantiation (Verwandlung von Brot und Wein in wahren Leib und Blut bei der Einsegnung vom Priester) und in dem Sakrament der Messe zum Ausdruck kam, überlassen wir, im Zusammenhang mit einer anderen Prophezeiung, zur weiteren Untersuchung einem späteren Kapitel. Vom Beginn der Einführung dieses verderblichen, gotteslästerlichen Irrtums an nennt Gott das ganze System einen "Greuel"; und auf seine endgültige Erhöhung zur Macht Bezug nehmend, wird er hier der "verwüstende Greuel aufgestellt" genannt. Wie wohl verdient von Seiten des Papsttums dieser Name ist, und wie sein verderblicher Einfluss gleichwie ein Mehltau wirkte, bezeugt die Geschichte des finsteren Mittelalters zur Genüge, wovon wir im vorhergehenden Bande einiges geschildert haben.

Vers 32: "Und diejenigen, welche gottlos handeln gegen den Bund, Frevelnden wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten." Solche in der Kirche, welche ihrem Bundesgelöbnis nicht nachkamen, verfielen schnell den Schmeicheleien; Ehren, Titeln, usw., die ihnen von der päpstlichen Hierarchie (Priesterherrschaft), als sie zur Macht kam, dargeboten wurden. Doch, obschon viele den Irrtümern erlagen, alle gaben nicht nach, denn wir lesen weiter: "Aber das Volk, welches seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen, und handeln. Und die Verständigen des Volkes werden die Vielen unterweisen." Hiermit wird also eine Teilung der Kirche in zwei ganz bestimmte Klassen deutlich angemerkt; Dan. 8:11-14 werden sie als das Heiligtum und das Heer unterschieden. Die eine Klasse durch die schmeichelhaften Ehren der Welt verderbt, bricht ihren Bund mit Gott, während die andere Klasse durch die Verfolgungen, die sie durch ihre Treue gegen Gott erleidet, um so mehr gestärkt wird. Unter diesen Letzteren gab es etliche, welche die Lage verstanden und die Treuen und Aufrichtigen unterrichteten, dass es also geschrieben stehe, der Antichrist, der Mensch der Sünde, werde aus einem großen Abfall in der Kirche hervorgehen.

Zahl und Macht war in den Händen der Bundesbrüchigen, die sich mit dem Weltreiche verbanden; und die wenigen Getreuen wurden verfolgt - gehetzt, ins Gefängnis geworfen, gefoltert, gemartert und auf hunderterlei empörende Weise getötet. Die Blätter der Geschichte bestätigen dies, und vom Propheten ist es vorher verkündigt: "Aber sie werden fallen durch Schwert und Flamme, durch Gefangenschaft und Raub, eine Zeitlang (Vers 34 und 35 als Zwischensatz unterbricht hier wieder den Zusammenhang) bis zur Zeit des Endes, denn es verzieht sich noch bis zur bestimmten (zukünftigen) Zeit." Die Länge der Verfolgungszeit ist hier nicht angegeben, außer dass sie wie festgestellt fortgesetzt werden wird, bis - zur Zeit des Endes. Aus anderen Schriftstellen lernen wir, dass sie eine Periode von 1260 Jahren umfasste, mit dem Jahre 1799 endigend, welches Datum im Daniel, in der Offenbarung, und auch in der Geschichte, bedeutsam hervortritt.

Vers 34 und 35: "Und wenn sie fallen, wird ihnen mit einer kleinen Hilfe geholfen werden." Die volle Zeit der päpstlichen Verfolgungsmacht 1260 Jahre, würde nicht endigen bis 1799; doch noch vor diesem Ende gewährte Gott eine kleine Hilfe durch die Reformation, die zwar anfangs die Verfolgung nur noch vermehrte, später aber denen, die um ihres Glaubens und um ihrer Wahrheitsliebe willen fielen, doch etwas Ruhe und Schutz brachte. Die Reformation verhinderte die gänzliche Ausrottung der Wahrheit. Leider aber kamen mit der kleinen Hilfe die "Schmeichler" und "Heuchler" wieder. Kaum dass die Verfolgung merklich nachließ, so ergriff der Betrüger dasselbe Mittel, durch welches es ihm vormals gelang, die Kirche zu verderben und zu erniedrigen, nun auch die Bewegung der Reformation zu kontrollieren Könige und Prinzen begannen des Protestanten Ehren und Titel zu geben und sich selbst mit dem Protestantismus zu vereinigen; und dies führte zu ernstlich bösen Folgen, und zum Abfall vom Bunde, wie wir lesen: "Und viele werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen. Und von den Verständigen (Führern, Verbesserern, Lehrern, welche fähig waren, die päpstlichen Irrtümern zu zeigen) werden einige fallen; um sie (die wenigen Getreuen) zu läutern und zu reinigen und weiß zu machen."

Die vorher gehenden Verse beschreiben deutlich die bedeutsamsten Charaktere, die hauptsächlich mit dem Übergang der Herrschaft auf Griechenland, dann auf Rom, und dann allmählich, heimlich und betrogener weise, auf das Papsttum, als einer aus dem weltlichen Rom emporwachsenden Macht, verknüpft waren. Dementsprechend ist es auch bei weiterer Verfolgung der Prophezeiung nur natürlich zu erwarten, dass, wenn der sehr bedeutsame Zeitpunkt des Sturzes der päpstlichen Herrschaft (Es ist richtig zu sagen, dass die Herrschaft des Papsttums mit dem Beginn des 19. Jh. aufhörte, denn seine Autorität über Herrscher und Reiche, ja sogar innerhalb seiner eigenen Grenzen, galt nach der französischen Revolution nur noch dem Namen nach, nicht aber mehr in Wirklichkeit. Man bemerkte auch, dass bis zu dieser Zeit Frankreich vor allen Nationen dem Papsttum am treuesten und ergebensten gewesen war. Frankreichs Könige, Prinzen, Edelleute und Volk waren es, die am willigsten den Vorschriften des Papstes Folge leisteten - Kreuzzüge veranstalteten, in den Krieg zogen, usw. wie der Papst ihnen gebot; ja so untertänig, so pflichtgetreu waren sie, dass sie nach dem Blutbad in der St. Bartholomäusnacht keinem Protestanten erlaubten, in ihren Grenzen zu wohnen. Keine Nation könnte daher dem Papsttum einen so betäubenden und vernichtenden Streich versetzt haben, als Frankreich.) markiert werden sollte, Napoleon, die Hauptperson in der Herbeiführung dieser Veränderung, in der Prophezeiung besonders ausgezeichnet zu finden sei; und ebenfalls nicht seiner persönlichen Erscheinung nach, sondern durch Angabe seiner besonderen Eigentümlichkeiten und Charakteranlage, wie wir solches bei den Kaisern Augustus und Tiberius fanden. Eine solche Beschreibung finden wir wirklich. In Napoleon Bonaparte haben wir das genaue Abbild derselben. Verse 31 bis 35 beschreiben das Papsttum, seine Irrlehren und Greuel, und die Reformation und ihre "kleine Hilfe" aber teilweisen durch Schmeicheleien verursachten Fehlschlag; und diese Verse bringen uns herab bis auf die "Zeit des Endes", und zeigen uns, dass trotz der dargereichten kleinen Hilfe doch etliche fallen würden, und zwar durch Verfolgung bis zu der "Zeit des Endes". So war es auch: In allen dem Papsttum untertänigen Ländern, Spanien, Frankreich, ... setzten sich durch die schreckliche Inquisition die Verfolgungen fort, bis sie von Napoleon endgültig beseitigt wurden.

Zunächst folgen die Verse, die Napoleon, das Werkzeug, das die Vorsehung beim Brechen der Macht des Papsttums und Beginn seiner Qual verwandte, beschreiben. Diese Qual wird in gänzlicher Vernichtung enden; was späterhin vor sich gehen wird, wie geschrieben steht: "Welchen der Herr vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft (Gegenwart)." - 2. Thess. 2:8

Die öffentliche Laufbahn Napoleon Bonapartes, der selbst in seiner Zeit als "der Mann des Schicksals" erkannt wurde, ist so deutlich durch die prophetische Beschreibung geschildert, dass sie positiv das Datum "der bestimmten Zeit" fixiert. Diese Art, ein Datum zu bestimmen, ist genau. Und wenn wir zeigen werden, dass die hier in der Prophezeiung erwähnten Ereignisse mit Napoleons Laufbahn in der Geschichte stimmen, so können wir dieses Datum ebenso gewiss erkennen, wie wir es bis zum Anfang der Verse 17, 20 und 21 beschriebenen Herrschaft des Kaisers Augustus, oder Tiberius, oder der Kleopatra konnten. Napoleons Laufbahn markierte im Lichte der Prophezeiung das Jahr 1799 n.Chr. als den Schluss der 1260 Jahre der päpstlichen Gewalt und den Anfang der Periode, "Die Zeit des Endes" genannt. Die prophetische Beschreibung läuft folgendermaßen:

Vers 36: "Und der König wird nach seinem Gutdünken handeln, und er wird sich erheben und groß machen über jeden Gott, und wider den Gott der Götter wird er Erstaunliches reden; und er wird Gelingen haben, bis der Zorn vollendet ist, denn das fest Beschlossene wird vollzogen." Napoleon war kein König; aber der Ausdruck König ist ein allgemeiner zur Bezeichnung eines mächtigen Herrschers. Er handelte vielleicht so sehr "nach seinem Gutdünken" als je ein Mensch getan. Er war für seine Willensenergie und Entschlossenheit bekannt, mit der er fast unüberwindbare Hindernisse beseitigte. Um das rechte Verständnis obigen Verses zu erhalten, muss man bedenken, dass das Wort Gott einen Mächtigen bezeichnet; und dass es in der Schrift häufig in Bezug auf Könige und Herrscher angewandt wird, wie z.B. in diesem Vers: "Gott der Götter". (Band 2, Studie 9). Hier bezeichnet das Götter Herrscher, Könige und Fürsten; und der Gott der Götter, oder Herrscher der Herrscher, bezieht sich auf den Papst. Die meisten Menschen haben irgend einen religiösen Höhergestellten anerkannt, aber Napoleon erkannte keinen an. Er hatte seinen eigenen Willen und seine eigenen Pläne; das war, sich über jeden anderen Herrscher zu erheben. Selbst den Gott der Götter (d.i. den Herrscher der Herrscher- den Papst) redete er in wunderbarer Weise an; befahl ihm wie einem Diener Gehorsam, und in einer Weise, die den Aberglauben der Welt jener Zeit und ebenso die Würde der päpstlichen Hierarchie vor den Kopf stieß. Und, wie hier ausgesprochen, es gelang ihm, bis er seine Mission, das Papsttum zu züchtigen und seinen Einfluss über die Gemüter der Völker zu brechen, erfüllt hatte.

Zum Beweis hierfür sagt die Geschichte: "Während die weltlichen Fürsten, die mit den Franzosen Verträge geschlossen hatten, denselben getreu nachkamen und die ausgehandelten Steuern zahlten, machte sich der höchste Priester der unklugen Verletzungen seiner Verträge schuldig. Von Priestern als einzigen Ratgebern umgeben, nahm der Papst zu seinen alten Kunstgriffen und frommen Betrügereien seine Zuflucht; und große Anstrengungen wurden gemacht, um die Gemüter des Volkes gegen die Franzosen zu erhitzen. Die Priester gaben vor, dass der Himmel sich ins Mittel gelegt, und auf das bestimmteste wurde behauptet, dass in den verschiedenen Kirchen zur Bestätigung des heiligen katholischen Glaubens der päpstlichen Unfehlbarkeit Wunder verrichtet worden seien, worin sich das Missfallen des Himmels über das Verhalten der Franzosen kundgebe. Als Bonaparte sah, dass die Verblendung des römischen Hofes der Art war, dass alle seine Bemühungen zum Frieden erfolglos sein würden, ergriff er sofort Maßregeln, "Seine Heiligkeit" zur Besinnung zu bringen.

"Er befahl dem General Victor in das päpstliche Gebiet einzudringen. Derselbe trieb das Heer des Papstes vor sich her wie Spreu vor dem Wind, und verursachte einen allgemeinen Schrecken durch den ganzen Kirchenstaat ... Da seine Heiligkeit merkte, dass der heilige Petrus ihm in dieser Not keine Hilfe brachte, ... sandte er Generalbevollmächtigte zu Bonaparte, um für Frieden zu bitten. Friede wurde erhalten, aber unter gehörig demütigenden Bedingungen: Nebst der Erfüllung des einstweiligen, früher eingegangenen und vom Papst gebrochenen Vertrages, wurde er gezwungen, einen Teil seines Gebietes abzutreten und eine Summe Geldes zu zahlen, die sich auf ungefähr 6 Millionen Dollar belief, als Sühne für seinen letzten Bundesbruch."

Dies zu der ersten Besteuerung geschlagen, machte alles in allem, was der Papst in Gold und Silber, außer anderen Wertsachen - Statuen, Gemälde, usw. - an Frankreich zahlte, über 10 Millionen Dollar aus. Ein römisch katholischer Schreiber erklärt, dass die Erfüllung dieser Bedingungen den Papst an den Rand des Ruins brachte". Dieser Vertrag wurde am 19. Februar 1797 geschlossen.

Man könnte meinen, dass dies summarische Verfahren und erfolgreiche Bezwingen der päpstlichen Macht genügend gewesen wäre um der Welt zu beweisen, dass sein Anspruch auf das göttliche Recht, Könige zu beherrschen, usw. eine falsche Annahme, ein Aberglaube, war. Doch wenn es nicht genug gewesen wäre, so erfolgte der Schlussstreich im nächsten Jahre, als der französische General Berthier in Rom einzog und daselbst am 15. Februar 1798, eine Republik organisierte und fünf Tage später den Papst als Gefangenen nach Frankreich schleppte, wo er im folgenden Jahre starb. Von da an bis heute war die päpstliche Herrschaft über die Königreiche der Welt ein bloßer Schatten ihrer selbst. Seitdem hat er sein angemaßtes Recht, Könige ein- und abzusetzen, kaum mehr erwähnt. In der Tat, der Papst, der im Jahre 1800 unter dem Namen Pius der Siebente folgte, "veröffentlichte eine Rede, in der er erklärte, dass es die Lehre des Evangeliums sei, dass alle den bestehenden Obrigkeiten untertan sein sollten"; was natürlich ihn selbst einschloss.

Vers 37: "Auf den Gott (Herrscher) seiner Väter wird er nicht achten, und weder auf die Sehnsucht der Weiber, noch auf irgend einen Gott (Herrscher) wird er achten; sondern er wird sich über alles erheben".

Nicht nur achtete Napoleon die Götter seiner Väter (die Päpste) nicht, er begünstigte ebenso wenig irgend eine der hier als Weiber dargestellten protestantischen Sekten. (Wie die wahre Kirche symbolisch die Braut genannt wird, und wie die Kirche Roms in ihrer treulosen Vereinigung mit den weltlichen Reichen eine Hure genannt wird, so werden die verschiedenen protestantischen Sekten "Weiber" genannt.) In der Tat, nichts als sein eigener, persönlicher Ehrgeiz leitete ihn.

Vers 38: "Und an dessen Statt (anstatt irgend einen dieser Götter) wird er den Gott der Festungen (Kriegskräfte) ehren, den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er ehren mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kleinodien." Andere große Kriegsmänner schrieben ihre Siege wenigstens zum Teil übernatürlichen Kräften zu. Alexander der Große besuchte die heidnischen Tempel und feierte da seine Siege; desgleichen taten die Cäsaren; und in späteren Zeiten, unter dem Papsttum, war es Sitte, dass beide Teile im Kriege Gott, die Heiligen und die Jungfrau, und die Päpste, um Segen und Sieg anriefen, und solches wenigstens scheinbar, als von Gott verliehen, annahmen. Napoleon aber tat nichts dergleichen,. Seinen Erfolg schrieb er sich selbst zu und seinem eigenen Genius. Er verließ sich auf seine Heere; auf tapfere Männer, schnelles Manövrieren und auf tüchtige Generäle setzte er sein Vertrauen; und an diese richtete er seine Gesuche. Sein Eid, den er bei seinem Antritt als Befehlshaber der französischen Heere den französischen "Rate der Ältesten" gab, zeigt deutlich, dass er sein Vertrauen auf sich selbst und seine Heere setzte. Er schwur weder bei Gott, noch bei der Bibel, noch bei dem Papst, noch bei Frankreich, sondern sagte: "Ich schwöre es! Ich schwöre es in meinem eigenen Namen, und in dem Namen meiner tapferen Kameraden!" Seinem eigenen Ehrgeiz nachhängend, behauptete er doch, dem Volk zu dienen; und die Schätze Roms und anderer Städte und Länder, die er beraubte, übergab er dem französischen Volk, von welchem er selbst und seine Soldaten einen Teil bildeten.

Vers 39: "Und er wird gegen die starken Festungen so verfahren mit dem fremden Gott: wer ihm Anerkennung zollt, dem wird er viel Ehre erweisen, und er wird ihm Herrschaft verleihen über die Vielen, und das Land austeilen zum Lohne". - Napoleon setzte unter allen Völkern Europas, die er besiegte, seine Freunde und vertrauten Generäle in Machtstellungen ein. Diese Ämter waren seine Geschenke, wurden jedoch nur unter der Bedingung der Treue ihm gegenüber verliehen.

Die Geschichte sagt hierüber: "Die ehrgeizigen Gedanken Napoleons traten noch deutlicher hervor. Holland war im vorhergehenden Jahre in ein Königreich verwandelt worden, worüber sein Bruder Louis Bonaparte als König eingesetzt wurde. Neapel wurde nun dem Joseph Bonaparte, dem älteren Bruder, gegeben, dem auch der Titel, König der beiden Sizilien, verliehen wurde. Mehrere Provinzen wurden als Herzogtümer oder Groß-Lehen des Kaiserreiches konstituiert und den Verwandten und Günstlingen des Kaisers gegeben. Seine Schwester Pauline wurde zur Fürstin Guastalla gemacht; sein Schwager Murat zum Großherzog von Berg und Kleve; während Eugen Beauharnais, der Sohn von seiner vormaligen Gemahlin Josephine, wurde als Vizekönig nach Italien gesandt. Vierzehn Fürsten im Süden und Westen Deutschlands wurden in den Rheinbund formiert. Sie waren vom deutschen Hauptteil getrennt, und erkannten Napoleon unter dem Titel eines Protektors als ihr Haupt an... Die Schweiz kam gleichfalls unter französischer Herrschaft. Napoleon erklärte sich zu ihrem Mittler".

Die Politik Napoleons trieb ihn gleichfalls verschiedene Ehren-Orden unter den Offizieren und Soldaten einzuführen, wie z.B. "die Ehrenlegion", oder "den Orden der eisernen Krone", usw.

Nachdem so genügend Grund geliefert ist, zur Kennzeichnung dieses Charakters (Napoleons), dessen Taten den Anfang der "Zeit des Endes" markieren, schreitet die Prophezeiung weiter und zeigt, welch besonderes Ereignis als dasjenige zu verstehen sei, das bestimmt das genaue Datum der "Zeit des Endes" markiert. Als dieses Ereignis wird der Einfall Napoleons in Ägypten aufgezeigt, welches einen Zeitraum von einem Jahre und nahezu fünf Monaten umschließt. Er schiffte sich im Mai 1798 ein und landete bei seiner Rückkehr nach Frankreich am 9. Oktober 1799. Dieser Feldzug wird in den Versen 40-44 in kurzen Worten ergreifend geschildert.

Vers 40: Und zur (festgesetzten) Zeit wird der König des Südens (Ägyptens) mit ihm zusammenstoßen, und der König des Nordens (England) wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern (den ägyptischen Mameluken usw.) und mit vielen Schiffen. (Die englischen Streitkräfte bestanden in einer Flotte unter Admiral Nelson). Und er (Napoleon) wird in die Länder eindringen und wird sie (siegreich) überschwemmen."

Die Geschichte berichtet uns, dass das ägyptische Heer unter Murad Bey "nach einem ganz entscheidenden Kampfe zurückgeschlagen wurde; ... Der Erfolg der Franzosen trug den Schrecken weit nach Asien und Afrika hinein; und die umliegenden Stämme unterwarfen sich dem Sieger. ... Doch das Schicksal bereitete ihm einen schrecklichen Umschlag. Seine außer Fregatten, aus dreizehn Linienschiffen (Kriegsschiffe) bestehende Flotte wurde in der Aboukir Bey von Nelson, dem englischen Admiral, der lange Zeit auf ihre Verfolgung verwendet hatte, gefunden, und am Abend des 1. August 1798, mit einem Grad von Kraft und Tätigkeit ("wie ein Sturmwind") angegriffen, wie es nie in den Seeschlachten übertroffen worden ist".

Verse 41-43: "Und er wird eindringen in das Land der Zierde (Palästina), und viele Länder werden zu Falle kommen; diese aber werden aus seiner Hand entrinnen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon (Napoleon hielt sich an die Küste und betrat diese Länder nicht). Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entrinnen. Und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen; und die Libyer und Äthiopier werden in seinem Gefolge sein."

Verse 44-45: "Und er wird sein Palastzelt aufschlagen zwischen dem Meere und dem Berge der heiligen Zierde." Diese Aussage mag sich auf je einen von zwei Bergen beziehen - dem Berge Tabor oder Sinai - welche beide herrlich und heilig genannt werden können. Am Taborberge, herrlich und heilig als der Berg der Verklärung unseres Herrn, und von Petrus "der heilige Berg" genannt, wurden Napoleons Zelte aufgeschlagen. Der Berg Sinai, heilig und herrlich als der Ort, da der Gesetzesbund zwischen Gott und Israel geschlossen wurde, wurde von Napoleon und seinem "wissenschaftlichen Beratern" und seiner Leibgarde besucht.

"Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Zorn, um viele (Nationen) zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen."

Als Napoleon Nachrichten über neue Bündnisse gegen Frankreich in Ägypten erreichten, machte er sich sofort nach Frankreich auf den Weg. In Bezug hierauf sagt die Geschichte (Willards Universalgeschichte, Seite 446):

"Nachrichten aus Europa bewogen ihn nun Ägypten zu verlassen; und seine Armee unter Kleber zurücklassend, kehrte er im Geheimen und mit Eile nach Frankreich zurück. ... Ein Glückswechsel in den französischen Angelegenheiten war eingetreten, eine zweite Vereinigung hatte sich gegen Frankreich gebildet, bestehend aus England, Russland, Neapel, der ottomanischen Pforte und Österreich."

Vergleiche diese Worte mit oben angeführten der Weissagung. Napoleons großer Zorn und seine versuchte Vernichtung aller Nationen Europas ist zu weltbekannt, um hier eine Wiederholung zu erfordern. Fast gelangen ihm seine ehrgeizigen Pläne; doch in wenig Jahren starb dieser zu seiner Zeit bedeutsamste Mann als ein Verbannter, von allen verlassen, wie der Prophet vorhergesagt.

Wie Vers 40 erklärt, dass dieser Einfall in Ägypten "zur Zeit des Endes" stattfinden werde, oder (wie die Dauan Übersetzung es auslegt) "zur vorherbestimmten Zeit", so auch die Verse 29 und 30, die sich auf das gleiche Ereignis beziehen und vordem als Zwischensatz eingeschaltet waren. Man wird sich erinnern, dass wir gefunden haben, Verse 25-28 bezögen sich auf ein früheres Einfallen in Ägypten; und in Vers 29-30 wird zu verstehen gegeben, dass der nächste große Einfall in Ägypten "zur festgesetzten Zeit, d.i. zur Zeit des Endes stattfinden werde, wie wir es in Vers 40-45 gefunden haben.

"Zur bestimmten Zeit wird er wiederkehren und gegen den Süden ziehen, aber es wird zuletzt nicht sein wie (der Einfall) im Anfang": Napoleons Einfall in Ägypten hatte nicht den gleichen Erfolg wie der zur Zeit der Kleopatra oder wie der in den Tagen der von ihr abstammenden Königin Zenobia. Obwohl Napoleon als General in Ägypten Erfolg hatte, so errang er doch nicht solche Siege wie seine Vorgänger; und der Grund hierfür ist im nächsten Vers beschrieben: "Denn (andere: römische) Schiffe von Kittim werden wider ihn kommen." Die englische Flotte bedrängte Napoleon und hinderte seinen Sieg. Da England sowohl wie Frankreich ein Teil des alten römischen Reiches gewesen war, und da Frankreich mit dem übrigen Reiche im Kriege stand, und es zu erobern trachtete, so sehen wir, wie angemessen es ist, dass diese römischen Schiffe genannt werden. "Und er (Napoleon) wird verzagen und umkehren, und er wird gegen den heiligen Bund erzürnen und handeln ("es ausrichten").

Bei seiner Rückkehr aus Ägypten ließ Napoleon seine Politik heftiger Opposition gegen das Papsttum fallen und unterzeichnete ein Konkordat oder Übereinkommen mit dem Papst, durch welches die katholische Religion in Frankreich wiederhergestellt wurde. Dies war eine Handlung gegen die Wahrheit. Doch er schien zu sehen, dass er durch solche Politik sich am besten zum Umsturz der Republik den Erfolg sichern und sich zur Kaisergewalt emporschwingen könne. Und er richtete es aus. Aber diese Politik währte nicht lange, nachdem er kaiserliche Gewalt erlangt hatte. Bald fing er an gegen das System "der Mensch der Sünde" genannt, zu arbeiten, wie die Prophezeiung es in den folgenden Worten beschreibt: "Er (Napoleon) wird umkehren und sein Augenmerk auf diejenigen richten (gegen sie wirken), welche den heiligen Bund verlassen." Das ist, er begann gegen die abgefallene Kirche Roms zu planen und zu wirken. Und auch dies gelang ihm.

So deutlich verfolgt das 11. Kapitel Daniels die Weltgeschichte an der Hand der bedeutsamsten Persönlichkeiten, vom Königreich Persien herab bis zum Sturz der päpstlichen Herrschaft. Obwohl es die lange Periode von 2400 Jahren umfasst, so erfüllt es seinen Zweck, genau das Jahr des Anfangs der Zeit des Endes - 1799 - zu markieren. Mit diesem Jahr war die Grenze der 1260 Jahre der Macht des Papsttums zu unterdrücken erreicht, und die Zeit des Endes begann. Und lasst es uns nicht übersehen, dass dies zugleich auch das letzte Jahr des päpstlichen Millenniums oder seiner Tausendjahr-Herrschaft war, welche, wie im vorhergehenden Band gezeigt war, mit dem Jahr 800 anhob. Aber 1799 war nur der Anfang des Zeitabschnittes, der als "die Zeit des Endes" bekannt ist, innerhalb welcher jegliche Spur dieses Systems verschwinden soll.

Beachte, wie in den wenigen Worten der Verse 34 und 35 die Abnahme der Reformation beschrieben ist und die Ursache derselben. Die Liebe zur Welt und das Verlangen, zu Macht, Einfluss und Gemächlichkeit zu gelangen, war die Schlinge, die zuerst die Kirche verführte und das Papsttum erzeugte; und dasselbe Verlangen und Bestreben unterbrach die Reformation. Unter anderen päpstlichen Irrtümern wiesen Luther und seine Gefährten zuerst kühn auf die Vereinigung von Kirche und Staat hin. Aber nach einigen Jahren mutigen Widerstandes gegen mächtige Opposition, als die Reformation, vermittelst der Anzahl ihrer Anhänger, anfing etwas Einfluss zu erlangen; als Könige und Fürsten den Reformtoren zu schmeicheln anfingen, und der Weg zu sozialer und politischer Beförderung sich vor ihnen auftat, da verloren sie die Übel einer Vereinigung von Kirche und Staat aus den Augen, die sie doch einst im Papsttum erkannt und bekämpft hatten; und die Kirchen der Reformation in Deutschland, der Schweiz, usw., traten geradezu in die Schuhe Roms, und standen bereit, sich mit irgendwelcher politischen Partei, Fürsten oder Obrigkeit zu vereinen und die zu begünstigen, die willens wären, auf ihre Seite zu treten und sie anzuerkennen. So würden etliche der Verständigen fallen, und aus Leitern der Reformation wurden Führer in die Versuchung. Hierdurch wurde das wohl begonnene Werk der Reformation sehr aufgehalten.

Doch all dies konnte den Plan Gottes nicht vereiteln. Durch seine Weisheit wurde es zum besten gelenkt. Es diente dazu, wie der Irrtum des Papstes getan, die wahren Heiligen noch weiter zu prüfen, zu erproben, ob sie wirklich Nachfolger der Menschen, oder Gottes wären. Die ganze Zeit her, von damals bis heute, hat es dazu gedient: "Zu läutern und zu reinigen und weiß zu machen."

Wenn wir recht haben, den Anfang des Endes auf 1799 zu verlegen, so sollten wir erwarten, dass da der Irrtum der Vereinigung von Kirche und Staat, in den die Christenheit gefallen war, teilweise wenigstens erkannt wurde, wenn es auch noch viele Jahre erforderte, um gänzlich aus dieser Schlinge des Teufels loszukommen. Wenn wir zurück blicken, so finden wir, dass die Tatsachen auch genau damit übereinstimmen. Seit jener Zeit fanden wohl Trennungen von Staaten und Kirchen statt, aber keine neuen Vereinigungen. In der Tat, dieses Datum markiert eine neue Reformation auf gehaltvoller Grundlage. Der Einfluss des Papsttums über die Reiche Europas war früher so groß, dass seine Flüche von den Völkern wie eine versengende Glut gefürchtet, und seine Segnungen zum nationalen Wohlergehen begehrt wurden. Als die Protestanten sich vom Papsttum losmachten, wurden sie von der Welt bloß als ein etwas weniger verderbter Stellvertreter des Papsttums angesehen; und ihre Gunst, ihr Rat oder ihre Billigung wurde oft in ähnlicher Weise gesucht. Doch als Napoleon verwegen sowohl die Segnungen als auch die Flüche des Papsttums verachtete und doch erstaunlichen Erfolg hatte, da schwächte sein Lauf nicht nur den Einfluss des Papsttums über die bürgerlichen Regierungen, sondern auch den Einfluss der verschiedenen protestantischen Systeme, deren Einfluss in den zwei und einem halben Jahrhundert sehr gewachsen war.

Die neue Reformation, die von Napoleons Zeit datiert, war nicht weniger durchgreifend wie die Reformation, die durch Luther und seine Kollegen bewerkstelligt wurde, wenn es auch keine religiöse Bewegung war, oder irgendwie durch religiösen Eifer ins Leben gerufen wurde. Noch auch waren sich die handelnden Personen bewusst, dass sie ein Werk vollführten, das für sie Jahrhunderte voraus vorgezeichnet war. Napoleon und seine Mitarbeiter waren gottlose Menschen, angetrieben von ihrem eigenen, selbstsüchtigen Streben nach Macht. Aber ihnen unbewusst, überwaltete Gott ihren Lauf und machte, dass es, wie es tatsächlich geschah, seine Absichten auswirkte. Wäre die von Gott in der Kirche selbst begonnene Reformation weiter fortgeschritten, hätten die Reformierer und ihre Nachkommen fortgefahren, der Wahrheit treu zu sein, so hätten Gottes hehre Absichten durch ihre geehrte Mitwirkung hinaus geführt werden können. Doch als sie den Schmeicheleien der Welt nachgaben, zeigte Gott, dass er andere Mittel und Wege habe, sein großes Werk hinaus zuführen.

Napoleons Werk, zusammen mit der französischen Revolution, brach den Zauber des religiösen Aberglaubens, demütigte den Stolz selbsterhöhter geistlicher Herrn und erweckte die Welt zu einer völligen Einsicht, was die Fähigkeiten und Rechte der Menschheit seien, und brach die päpstliche Herrschaft, gegen welche vordem die religiöse Reformation einen Todesstreich geführt, den aber ihr späterer Lauf geheilt hatte (Offb. 13:3). Der Zeitabschnitt, der mit dem Jahre 1799, das Napoleons ägyptischen Feldzug markierte schloss, besiegelte und bestimmte die Grenze päpstlicher Herrschaft über die Völker. Da lief die bestimmte Zeit (1260 Jahre der Macht) ab und begann das vorhergesagte Gericht über dieses System, welches dasselbe schließlich "vernichten" und "zerstören" muss. - Dan. 7:26

Dieses Datum markiert also deutlich den Anfang einer neuen Ära, da Freiheitsgedanken erwachten und das Bewusstsein persönlicher Rechte und Freiheit sich regte; und bisher hat sich schon durch gewaltige Fortschritte in der Vollführung des dieser Zeit des Endes zugeschriebenen Werkes ausgezeichnet. Als ein einzelnes Beispiel beachte das Aufkommen und das Werk der verschiedenen Bibelgesellschaften - "pestartige Bibelgesellschaften" nennt sie Rom; doch kann es sie nicht mehr hindern. Das heilige Buch, das es einst in Ketten schlug, unter toten Sprachen verdeckt hielt und ihren verblendeten Untergebenen zu lesen verbot, ist nun tausendfach unter allen Völkern und Sprachen verbreitet. Im Jahre 1803 wurde die Britische und Auswärtige Bibelgesellschaft gegründet; 1804 die New Yorker Bibelgesellschaft; 1805 die Berliner; 1808 die Philadelphische; und 1817 die Amerikanische. Der Umfang des von diesen Gesellschaften während dieses Jahrhunderts verrichteten Werkes ist wunderbar. Tausendfach werden jährlich Bibeln hergestellt und zu billigem Preise verkauft und viele tausend an Arme verschenkt. Es ist schwer den weitreichenden Einfluss dieses Werkes zu veranschlagen. Während ohne Zweifel viel verloren geht, so ist der Erfolg im allgemeinen der, die Bande der Sklaverei und des politischen wie religiösen Aberglaubens zu brechen. Ihre stille Predigt, dass Päpste, Priester, sowie Laien, und Könige, Generäle, sowie Bettler, alle miteinander, dem einen Herrn Rechenschaft geben müssen, ist der größte aller Gleich- und Ebenmacher.

Die religiöse Reformations-Bewegung hatte den Einfluss des Papsttums durch ganz Europa gewaltig erschüttert. Da die Kirchen der Reformation aber die päpstliche Politik und Staatsklugheit, der Verschmelzung mit irdischen Reichen, der Beanspruchung geistlicher Autorität über das Volk, (dass die "Geistlichkeit" eine besonders und göttlich bestimmte Herrscherklasse in der Welt bilde) so getreu nachahmte, darum wurde der erste Eindruck jener Reformation so ungemein abgeschwächt. Das Volk und die weltlichen Herrscher blieben zum großen Teil unter abergläubischer Scheu und Ergebenheit all und jedem gegenüber, was sich Kirchenautorität nannte. Jene Reformation verteilte so zu sagen, unter vielen Sekten ein gut Teil des Aberglaubens und der krankhaften Verehrung, die vordem Rom auf sich allein vereinigt hatte. Die politische Reform aber, die dieses neunzehnte Jahrhundert erlebte, und genau vom Jahre 1799 an datierte, diese "Zeit des Endes", ist nichtsdestoweniger eine Reformation, obwohl sie von der früheren sehr verschieden ist. Die Revolution und Unabhängigkeitserklärung der amerikanischen Kolonien, die erfolgreiche Herstellung einer gedeihenden Republik, einer Regierung, des Volkes durch das Volk, ohne Vermittlung von Königtum oder Priesterherrschaft, setzte eine neue Lehre vor die nun erwachenden Völker. Jahrhundertlang hatten sie geschlafen und ihre eignen von Gott gegebenen Rechte nicht erkannt, sondern gemeint, dass Gott die Kirche zur höchsten Herrschaft auf Erden bestimmt habe, und dass sie verbunden wären, den von der Kirche sanktionierten Königen und Kaisern zu gehorchen, wie ungerecht auch ihre Forderungen wären, nur weil die Kirche dieselben als durch sie von Gott verordnet erklärte.

Den so lange unterdrückten und von Priestern geängstigten Völkern wurde Amerika eine Quelle des Staunens. Wahrlich, es war "die Welt erleuchtende Freiheit". Niedergedrückt durch Priesterherrschaft, königliche Ausschweifung, usw., noch erhöht durch wiederholte Missernten, die das Volk Frankreichs verarmten und fast verhungerten, erhob es sich in Verzweiflung und vollbrachte jene fürchterlichste Revolution, die 14 Jahre lang, von 1789 bis 1804, währte. So schrecklich wie jene Szenen der Anarchie und der Gewalttat waren, sie waren doch nur die notwendige Frucht, der Rückschlag, des Erwachens eines lang unterdrückten Volkes, das zum Bewusstsein seiner Schmach und Erniedrigung kam. Es war des Ernten eines Sturmes von Seiten der bürgerlichen und religiösen Gewalten, die im Namen Gottes und der Wahrheit für ihre eigene Vergrößerung Leute geblendet und gebunden hatten, für die Christus starb.

Natürlich, solch ein Rückschlag von solcher Ursache konnte nur zum Unglauben sein. Frankreich wurde plötzlich unter dem Einfluss von Voltaire und seinen Genossen durch und durch ungläubig. Diese überschwemmten das Land mit ihren Schriften, schleuderten Verachtung und Lächerlichkeit auf das Christentum oder besser gesagt, auf die abgefallene Kirche Roms, die einzige Art Christentum, mit der das französische Volk bekannt war. Sie wiesen seine Verfälschungen, Absurditäten, Heuchelei, Unmoral, Grausamkeit und all seine Gottlosigkeit nach; bis das französische Volk endlich in seinem Eifer, Katholizismus und alle Religion auszurotten, ebenso entflammt wurde, wie vordem in seinem Eifer, denselben zu unterstützen. Und das arme, betrogene Frankreich, das tausend Jahre lang vollständig unter dem Einfluss des Papsttums gewesen war und meinte, dass der wahre Christus und nicht der Antichrist ihr verächtlicher Meister gewesen sei, schrie auf in den Worten Voltaires: "Nieder mit der Nichtswürdigen!" Und seine Anstrengung, den verhassten Antichrist niederzuwerfen, erfolgte in all den Schrecken der französischen Revolution, ein wunderbares Beispiel wiedervergeltender Gerechtigkeit, verglichen mit dem schrecklichen Blutbad der Bartholomäus-Nacht und ähnlicher Vorfälle, die vom Papsttum angeregt waren, und worüber es frohlockt hatte.

In seiner ganzen Macht erhob sich das ungläubige Frankreich, zerstörte die Bastille, veröffentlichte seine Erklärung der Menschenrechte, richtete König und Königin hin, und erklärte allen Königen den Krieg und allen Revolutionisten überall ihre Sympathie. Währenddem befürchteten die Herrscher der Welt mit angehaltenem Atem, die revolutionäre Ansteckung möchte auch unter ihren Untertanen ausbrechen, und aus Angst vor weltenweiter Anarchie schlossen sie untereinander Bündnisse zum gegenseitigen Schutz gegen ihre eigenen Untertanen, die in der Tat kaum in Schach zu halten waren. Die Franzosen verwarfen das Christentum, konfiszierten all die ungeheuren Besitzungen und Einkünfte der römisch-katholischen Kirche sowie auch die Besitzungen des Königs und des Adels. Die Straßen von Paris flossen wieder mit Blut, aber es war das Blut von Priestern und Adligen, statt von Protestanten. Die Zahl der Hingerichteten wird auf 1.022.000 geschätzt, die auf hunderterlei, für die Gelegenheit ersonnene Weisen umkamen. Während der Jagd und der Schlächterei wurden die Priester durch die Erinnerung an ähnliche Handlungsweisen der Papisten gegen Protestanten und an ihre eigene Lehre: "Der Zweck heiligt das Mittel," geschmäht. Die Revolutionäre behaupteten, der zu erreichende Zweck sei menschliche Freiheit, sowohl politisch wie religiös, und dass der Tod derjenigen, die dem entgegen seien, als einzig sicheres Mittel nötig sei.

Wie all solche Vorkommnisse, so war auch die französische Revolution ein großes Unglück und verursachte großes Elend für Millionen Leute. Doch wurde es, wie manch anderes auch, von Gott zum Besten gelenkt, zur Vermehrung der Erkenntnis und zur Förderung seiner Pläne, wie sie in der Prophezeiung dargetan sind. Wir fügen hier bei, dass die französische Revolution sehr erkennbar in der Offenbarung gekennzeichnet ist, was deutlich zeigt, dass die Trübsal über alle Nationen der "Christenheit" in jener Schreckensherrschaft veranschaulicht war. Jene Seuche des Unglaubens und der Anarchie, die sich von Frankreich aus über die ganze Welt verbreitete, nährte und sättigte sich an den falschen und unschriftmäßigen Lehren und Gebräuchen der "Christenheit", die nicht nur vom Papsttum, sondern auch im allgemeinen von der sogenannten "Orthodoxie" (Rechtgläubigkeit) vertreten werden. Diese können die Krankheit nicht heilen, welche die Ursache des noch größeren Ausbruches sein wird - einer Zeit "großer Drangsal, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist, noch je (wieder) sein wird".

Der Einfluss der französischen Ungläubigen wurde durch ihre unter Napoleon stehenden Heere über ganz Europa verbreitet und untergrub den Einfluss der Könige wie Priester sehr. Aber die raue Behandlung des Papsttums von Seiten Napoleons, der als Haupt und Vertreter des ungläubigen Frankreichs handelte, setzte der Sache die Krone auf und trug mehr wie irgend etwas dazu bei, die Fesseln abergläubischer Verehrung zu brechen, mit welchen die "Geistlichkeit" so lange das unter ihnen stehende, "gemeine Volk" im Zaume gehalten hatte. Doch als der unerschrockene Napoleon nicht nur die Bannsträhle des Papst Pius des Sechsten verachtete, sondern sogar für Übertretungen seiner (Napoleons) Befehle den Papst mit Strafe belegte und ihn schließlich zwang, die päpstlichen Gebiete, die vor 1000 Jahren von Karl dem Großen (dessen Nachfolger Napoleon zu sein behauptete) bewilligt waren, an Frankreich abzutreten, so öffnete dies die Augen der Völker sowohl wie der Monarchen Europas vor der Falschheit der Autoritätsansprüche des Papsttums. Die große Umwälzung der öffentlichen Meinung zu jener Zeit in betreff der päpstlichen Autorität, kann man an dem Umstand sehen, dass Napoleon, als er sich selbst als Nachfolger Karls des Großen (Napoleons große europäische Kriege waren nichts als Versuche, das Reich, wie es unter Karl dem Großen bestanden, wieder zu vereinigen.) zum römischen Kaiser erklärte, nicht nach Rom ging, um dort vom Papst gekrönt zu werden, wie Karl der Große und andere getan, sondern dem Papst befahl, nach Frankreich zu kommen, um seine Krönung zu vollziehen. Und selbst dann wollte der erfolgreiche Häuptling, der mehr wie einmal das Papsttum geplündert, verarmt und gedemütigt hatte, nicht zugeben, vom Papst gekrönt zu werden, und so die kaiserliche Würde unter irgend welcher Anerkenntnis päpstlicher Autorität annehmen. Er wollte bloß den Papst (Pius des Siebten) gegenwärtig haben, um die Zeremonie zu sanktionieren und gutzuheißen und die Krone zu segnen, die Napoleon dann vom Altar nahm und sich selbst aufs Haupt setzte. Der Geschichtsschreiber sagt: "Dann setzte er das Diadem auf das Haupt der Kaiserin, um damit zu zeigen, dass seine Autorität seinen eigenen Handlungen entsprang" - die Errungenschaften seiner eigenen bürgerlichen und militärischen Erfolge sei. Noch auch ist der Papst seitdem aufgefordert worden, die Krone des römischen Reiches zu verleihen.

Ein römisch-katholischer Schreiber sagt von dieser Krönung:

"Im Unterschied von Karl dem Großen und anderen Monarchen, die sich bei ähnlichen Gelegenheiten nach Rom begeben hatten, bestand er (Napoleon) in seiner Anmaßung darauf, dass der heilige Vater nach Paris kommen sollte, um ihn zu krönen. Der Papst empfand den äußersten Widerwillen so vom uralten Gebrauch abzuweichen. In der Tat, er betrachtete es als eine Herabwürdigung seiner erhabenen Stellung."

Betreffs der durch Napoleon auf das Papsttum gehäuften Demütigungen sagt die Geschichte:

"Am 23. Juni 1796 wurde mit Papst Pius dem Sechsten ein Waffenstillstand geschlossen, dessen Bedingungen für das Haupt der Kirche, einst der aller mächtigste Souverän in Europa, gehörig demütigend war. Der Priesterkönig, der einst auf den Hals der Könige trat, Souveräne ein- und absetzte, über Staaten und Königreiche verfügte, und als der große Hohepriester und Statthalter des Allmächtigen auf Erden eine Autorität als aller höchster Herr und Gebieter begründete und über die Häupter anderer Fürsten herrschte, wurde jetzt gezwungen, den Becher der Demütigung bis zu den Hefen auszutrinken. Wenn der Trank bitter war, es war der gleiche, den seine Vorgänger freigebig andern gereicht hatten. Er wurde genötigt, seine Häfen den französischen Fahrzeugen zu öffnen und die Flaggen aller Nationen, die mit jener Republik im Kriege waren, auszuschließen; die französische Armee im Besitze der Vermächtnisse von Bologna und Ferrara zu lassen: die Zitadelle von Ancona zu übergeben; den Franzosen 100 Gemälde, Büsten, Vasen und Statuen zu geben, die durch von Paris nach Rom zu sendende Kommissare ausgewählt werden sollten; ebenso 500 (alte und wertvolle) Manuskripte, gleicherweise auszuwählen; und um das ganze zu versüßen, musste Seine Heiligkeit 21.000.000 französische Livres meist in Münze oder in Gold- und Silber-Barren bezahlen."

Für die Nichterfüllung dieser Bußen zur rechten Zeit, wurde die Geldstrafe auf 50.000.000 Livres erhöht und mussten gewisse päpstliche Landschaften an Frankreich abgetreten werden; und schließlich wurde der Papst gefangen genommen und nach Frankreich gebracht, wo er starb.

Selbst Pius der Siebte, der wieder in die päpstlichen Ehren eingesetzt worden war, und der 1804 der Krönung Napoleons beiwohnte, wurde später durch ein Gebot Napoleons (1808-1809) jedes Brockens weltlicher Gewalt beraubt; und die Monumente und Kunstschätze Roms wurden unter französischen Schutz genommen. Die Sprache, die Napoleon gebrauchte, war, dass "dies Geschenk an Ländereien, das unser berühmter Vorgänger, Karl der Große, dem heiligen Stuhl über macht hatte, ... Urbiino, Ancona, Macerata; für immer mit dem Königreich Italien vereinigt sei".

Die Bedeutung dieser Sache wird von einem römisch katholischen Schreiber folgendermaßen erzählt:

"Hierzu wurde gefügt, dass der Papst fortfahren solle, der Bischof von Rom zu sein und seine geistlichen Funktionen ausüben, wie seine Vorgänger in den früheren Zeiten, vor Karl dem Großen, getan. Im folgenden Jahr beschloss der Kaiser, durch den Erfolg seiner Waffen kühn gemacht, der Papst solle seiner jetzt nominellen Hoheit - des bloßen Schattens weltlicher Macht, der ihm noch in seiner Hauptstadt und den angrenzenden Distrikten blieb - beraubt werden. (Dies besaß das Papsttum Jahre lang vor Karl des Großen Gabe - vom Jahre 539 an). Dem entsprechend erließ er ein neues Dekret (Gebot) vom Palast des österreichischen Kaisers aus, dass Rom eine kaiserlich freie Stadt sein solle; dass seine bürgerliche Verwaltung von einem damals vom Kaiser ernannten Rate geleitet werden sollte; dass seine Monumente und Kunstschätze unter französischen Schutz genommen werden sollten; und dass, da der Papst zu regieren aufgehört habe, für seine Heiligkeit ein Einkommen festgestellt werden sollte".

Hierauf erließ Pius der Siebte eine Exkommunikations-Bulle gegen Napoleon und wurde als Gefangener nach Frankreich geschleppt, wo er schließlich das Konkordat von Fontainebleau unterzeichnete, unter dem Datum vom 25. Januar 1813, in dem er die Ernennung der Bischöfe und Metropolitane in Napoleons Hand legte, und seine eigene Autorität tatsächlich so beschnitt, dass ihm nur noch das Veto- oder Einspruchs - Recht verblieb. So gab er dem Wesen nach Napoleon die Autorität des Papstes, und das war es, was Napoleon längst gewünscht hatte.

Noch auch haben römische Katholiken verfehlt, die Wichtigkeit der Ereignisse, die dieses Jahrhundert einführten, zu bemerken. Sie gaben nicht nur die zugefügten Verluste und Entwürdigungen zu, wie die oben angeführten, sondern sie behaupten auch, dass die Tausendjahr - Herrschaft des Papsttums (die tausend Jahre seit dem Geschenk Karls des Großen der eben erwähnten Staaten an das Papsttum - im Jahre 800) mit der Hinwegnahme seiner Besitzungen durch Napoleon endete; von welcher Zeit an es niemals mehr als ein bloßes Skelett von Macht besessen hat. Es wird vom Papsttum behauptet, dass es, als das Königreich Christi, die vorhergesagte (in Offb. 20:1-4 erwähnte) Herrschaft über die Völker erfüllt habe, und dass die gegenwärtige über ihr System gekommene Trübsal Periode, die "kleine Zeit" sei, in der Satan losgelassen sei. Nur die, welche in dem Papsttum das Scheinbild des wahren Christus sehen, und die wahre Kirche und die wahre Herrschaft erkennen, können dies völlig würdigen.

Wir haben wohl genug angeführt, um den Leser zu überzeugen, dass die Periode der französischen Revolution und der Macht Napoleons, ein sehr deutlicher markierter Zeitabschnitt in der Geschichte des Papsttums war; und der damals gebrochene päpstliche Einfluss ist nie wieder zurückgewonnen worden. Obwohl zuweilen etwas Gunst bewilligt wurde, es war nur für eine kurze Zeit und wurde von erneuerten Herab Würdigungen gefolgt, bis im Jahre 1870 alle zeitliche Autorität der Päpste wiederum aufhörte - wir glauben, um nie wieder aufzuleben. Erinnern wir uns auch daran, dass es Napoleons Soldaten waren, welche die Inquisition-Kerker erbrachen und öffentlichen Hinrichtungen und Torturen für religiöse Vergehen ein Ende machten.

Die Wirkung des teilweisen Niederreißens von Priesterkunst und Aberglauben, während es zu mehr offenen Unglauben geführt hat, hat eben sowohl, gerade durch solches Stürzen einer abergläubischen Ehrfurcht vor Menschen, zu mehr intelligentem Denken auf Seiten der Gott Geweihten geführt - von welchen früher viele kaum zu denken oder die Schrift für sich selbst zu studieren wagten. Somit war diese Revolution der Entwicklung der Wahrheit und wahren Christentums günstig, indem sie zum Bibelstudium antrieb. Sie führte in der Tat das in der Reformation zu Luthers Zeit begonnene gute Werk weiter, das durch die Unwissenheit und Dienstbereitschaft der Massen und durch die Liebe nach Macht, Würde; Gewalt und Wohlleben auf Seiten der "Geistlichkeit" ins Stocken geraten war.

Wir haben somit gezeigt, dass 1799 der Zeitabschnitt begann, der die Zeit des Endes genannt wird; dass das Papsttum in dieser Zeit stückweise verzehrt werden soll; und das Napoleon nicht nur die Gebietsverleihung Karl des Großen (1000 Jahre nachdem sie gemacht war) rückgängig machte, sondern später auch die bürgerliche Gerichtsbarkeit des Papsttums in der Stadt Rom, die dem Namen nach von dem Erlass des Dekretes Justinians an, im Jahre 539, tatsächlich anerkannt war - gerade 1260 Jahre vorher. Dies war genau die Grenze der Zeit, Zeiten und halben Zeit seiner Macht, wie es wiederholend in der Prophezeiung beschrieben wird. Und obwohl seitdem in gewissem Grade weltliche Macht wieder beansprucht wurde, heute ist das Papsttum ohne einen Schatten zeitlicher oder bürgerlicher Autorität; sie ist vollständig "verzehrt" worden. Der weltlicher Macht beraubte Mensch der Sünde brüstet und rühmt sich freilich noch; doch, bürgerlich machtlos, wartet er seiner gänzlichen Vernichtung in der nahen Zukunft von Seiten der wütenden Masse (Gottes unbewusstes Werkzeug), wie deutlich in der Offenbarung gezeigt wird.

In der Zeit des Endes, oder der Tag der Vorbereitung Jehovas, der mit dem Jahre 1799 beginnt und mit dem Jahre 1914 endet, obwohl durch große Zunahme an Erkenntnis über alle früheren Zeitalter hinaus ausgezeichnet, wird in einer Zeit der größten, je gekannten Trübsal gipfeln: doch dient dies nichtsdestoweniger zur Verbreitung und Einführung jener gesegneten, so lange verheißenen Zeit, da das wahre Königreich Gottes unter den Gehorsam des wahren Christus, eine Regierungsform und Ordnung völlig wiederherstellen wird, welche das gerade Gegenteil der des Antichristen sein wird. Da diese Periode dies vorbereitet und dahin leitet, so führt sie gleichfalls zu dem großen Konflikt zwischen der alten und der neuen Ordnung der Dinge, durch welche es eingeführt wird. Und obwohl die alte Ordnung der Dinge vergehen muss, und die neue an ihre Stelle treten, so wird dem Wechsel doch von denen heftig widerstanden werden, die durch die gegenwärtige Ordnung im Vorteil sind. Weltenweite Revolution wird das Resultat sein, und zur schließlichen und vollständigen Zerstörung der alten und zur Einführung und Herstellung der neuen Ordnung führen.

Alle Entdeckungen, Erfindungen und Vorteile, die unseren Tag über alle Tage stellen, sind nur so und so viele Elemente, die an diesem Tag der Vorbereitung für das herbeikommende Millennium - Zeitalter zusammenwirken, da wahre und gesunde Reform und tatsächlicher rascher Fortschritt in jeder Richtung bei allen und für alle die Tagesordnung sein wird.

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Studie 3

Tage des Wartens auf das Königreich
- Daniel 12 -

Das Werk des Königreiches kurz zusammengefasst. - Die Zeit des Wartens durch große Zunahme an Erkenntnis und vieles Hin- und Herreisen ausgezeichnet. - Sir Isaak Newtons Vorahnung des Eisenbahnwesens. - Die 1260 Tage. - Der Strom aus dem Maule des Drachen. - Die 1290 Tage markieren die Verbreitung eines teilweise richtigen Verständnisses des Gerichtes. - Die Enttäuschung, Prüfung und deren Folgen. - Die 1335 Tage. - Der dann auf die getreulich "Wartenden" kommende Segen. - Die Bezugnahme des Herrn auf diese Warte-Tage in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen.

Im 2. Kapitel wurde "die Zeit des Endes" nachgewiesen. Daniel, Kapitel 12, weist auf das Königreich hin und redet von einem Warten darauf, usw., das der Aufrichtung desselben während der Zeit des Endes vorhergehen werde, Die ersten drei Verse enthalten in wenigen Worten das großartige Ziel des Planes Gottes.

"Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Kinder (Söhne) deines Volkes steht, und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen, seitdem eine Nation besteht, bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, ein jeder, der im Buche des Lebens geschrieben gefunden wird. Und viele von denen, die im Staube der Erde geschlafen, werden erwachen; diese zu ewigem Leben, und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu. Und die Verständigen werden leuchten, wie der Glanz der Himmelsfeste (die Sonne, Matth. 13:43), und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen wie die Sterne immer und ewiglich.

Wenn die Zusammenfassung von 2300 Jahren der Weltgeschichte im 11. Kapitel kurz und bündig und doch deutlich war, so ist dies Zusammenfassen der Tausendjahr-Herrschaft des Messias in drei Versen es noch um so mehr. Michael ("Wer wie Gott", Stellvertreter Gottes) ist der hier auf unsern großen Erlöser angewandte Name. Er ist in der Tat der große, von Gott verordnete Fürst, der auftreten und Daniels Volk - Gottes Volk, alle die Gott in Wahrheit und Aufrichtigkeit lieben - befreien soll (Röm. 9:6, 25, 26; Gal. 6:16). Er wird von Sünde, Unwissenheit, Schmerz und Tod befreien, und von all den Verfolgungen und Widerwärtigkeiten von Seiten verblendeter Diener Satans, die sie in vergangenen Tagen fast überwältigt haben. Alle, die in dem Lebensbuche des Lammes eingeschrieben stehen, sollen für immer von allen Feinden erlöst werden, sowohl die, welche während der jüdischen und patriarchalischen Zeitalter als würdig eingetragen wurden, als auch diejenigen, die während des christlichen und des Millenniums-Zeitalters eingetragen werden. Obwohl alle, die Gottes Volk sind (alle, die ihn lieben und ihm gehorchen, sobald sie zur Erkenntnis seiner selbst gebracht wurden), errettet werden sollen, so werden doch die Ehrengrade einiger - der Überwinder - gar wohl hervorgehoben. Ebenso der Umstand, dass einige der Großen in der Vergangenheit - Alexander, Nero, Napoleon, die Cäsaren, die Päpste, usw.- die durch ihre missbrauchte Begabung die Welt drückten, während sie sie blendeten, in ihrem wahren Wesen erkannt werden und während des Millenniums-Zeitalters beschämt und entehrt sein werden. Noch auch vergisst diese kurze Zusammenfassung der Herrschaft Christi, die Zeit der großen Trübsal zu erwähnen, mit welcher sie eingeführt werden wird, - eine Zeit der Trübsal, verglichen mit welcher keine vergangene Revolution den Vergleich aushält - eine Trübsal, der gegenüber selbst die französische Revolution gering erscheinen wird - eine Zeit der Trübsal, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem ein Volk ist, noch sicher je sein wird. Denn dieser große Fürst Michael, wird nicht nur die ganze Welt erobern, sondern sein Reich wird ein ewiges Reich sein. Gerechtigkeit ist das Fundament seines Thrones; und wenn die Menschheit einmal von seinen Wohltaten gekostet hat, dann wird die große Mehrzahl nie wieder einer anderen zustimmen, denn sein Königreich wird "die köstlichen Dinge aller Nationen" sein.

Hier endet der Faden der Weissagung, nachdem er bis zum Ende gelaufen, und die übrigen Verse des Kapitels dienen dazu (nicht dem Daniel und seinen Mitdienern zu seiner Zeit, sondern den Kindern Gottes und Daniels Mitknechten, die in der Zeit des Endes leben würden), gewisse Perioden von Bezugsweise 1260, 1290 und 1335 symbolischen Tagen anzugeben, wodurch wir betreffs der Zeit, in der wir leben, gewiss werden können - dass es in der Tat die Zeit der Ernte oder des "Endes" des christlichen Zeitalters ist.

Daniel, der den langen Bericht über die Kämpfe zwischen den Reichen dieser Welt und nun schließlich über den Triumph des Königreiches Gottes in der Hand Michaels, des großen Fürsten, gehört hatte, war begierig zu erfahren, wann es das Volk des Herrn befreien werde. Aber ihm wird gesagt (Vers 12:4): "Und du aber, Daniel, verschließe die Worte und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden es durchforschen (wörtlich: hin und herstreiten, oder laufen - dasselbe Wort hier wie Amos 8:12) und die Erkenntnis wird sich mehren."

Nicht nur bestätigt die allgemeine Zunahme an Erkenntnis, wie wir sie gewahren, was Dan. 11 lehrt, dass die Zeit des Endes in 1799 begann, sondern das Vorhergesagte Hin-und-Herlaufen - vieles und schnelles Reisen - bestätigt es auch. All dies gehört zur Zeit des Endes. Das erste Dampfboot wurde 1807 erbaut; der erste Dampfwagen 1831; der erste Telegraph 1844. Und heutzutage tragen Tausende von Riesen-Wagen und Schiffen Mengen "hin und her".

Sir Isaak Newton, der berühmte Astronom des 17. Jahrhunderts, interessierte sich sehr für diesen Ausspruch durch den Propheten Daniel und gab seinem Glauben dahin Ausdruck, dass, als Erfüllung desselben, menschliches Wissen so zunehmen werde, dass man möglicherweise fünfzig (englische) Meilen per Stunde reisen werde. Voltaire, der berühmte französische Ungläubige, kam über diesen Ausspruch und bemerkte verächtlich:

"Nun sieh einmal den großen Geist Newton, den großen Philosophen, der das Gesetz der Schwere entdeckte! Als er alt und gebrechlich wurde, fing er an das Buch, die Bibel genannt, zu studieren, und um ihren fabelhaften Unsinn zu erheben, will er uns glauben machen, dass die Erkenntnis der Menschheit sich noch so sehr vermehren werde, dass wir nach und nach in der Lage sein werden, fünfzig Meilen per Stunde zu reisen. Armer Greis!"

Diese beiden Männer starben längst, ehe die Zeit des Endes seine wunderbare Zunahme an Erkenntnis gebracht hatte, die auf der göttlichen Offenbarung beruhend, mehr als die Vorhersagungen dieses christlichen Philosophen erfüllte.

Nicht für Daniel, sondern für Gottes Kinder, die während der Zeit des Endes leben, ist das Gespräch, usw., in Vers 12:5-7 erzählt: "Und ich, Daniel, sah und siehe, zwei andere standen da, einer hier am Ufer des Stromes (der Flut) und einer dort am Ufer des Stromes (der Flut). Und (einer von ihnen) sprach zu dem in Linnen gekleideten Manne, welcher oben über dem Wasser des Stromes war: Wie lange wird dauern der Zeitabschnitt des Endes dieser wunderbaren Dinge? Und ich hörte den in Linnen gekleideten Mann, welcher oben über dem Wasser des Stromes war, und er hob seine Rechte und seine Linke zum Himmel und schwor bei dem, der ewig lebt: Eine Zeit (zwei) Zeiten und eine halbe Zeit, ... dann werden alle diese Dinge vollendet sein."

Die Sache, nach der Daniel so besonders forschte, war der "Greuel der Verwüstung" von Kap. 11:31-33, den er mit Recht mit dem schrecklichen Charakterbild in Verbindung brachte, das er in seinen früheren Visionen (Kap. 7:8-11, 21, 24-26; und 8:10-12, 24-26) gesehen hatte.

Die hier erwähnte eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit, oder drei und eine halbe Zeit, 3½ Jahre (360 x 3½ = 1260 Tage symbolischer Zeit - 1260 buchstäbliche Jahre), werden sonstwo als die Periode der Macht des Papsttums aufgezeigt. Vergleiche Dan. 7:25 und 12:7 und Offb. 12:14 mit Offb. 12:6 und 13:5. Die "Flut", in oder während welcher diese 1260 Jahre päpstlicher Macht abliefen - wie es durch den über der Flut stehenden Engel angezeigt wird - versinnbildet den Zustand der Dinge während der schon erwähnten französischen Revolution. Dies ist dieselbe "Flut"; die in Offb. 12:15, 16 erwähnt ist, wo es genauer als ein Kommen aus dem Rachen der Schlange oder des Drachen erklärt wird, und wo sein eigentlicher Zweck von Satans Standpunkt aus angegeben ist, das "Weib" (die protestierende Kirche Gottes) hinweg zu schwemmen, als ihre 3½ Zeiten (1260 Jahre) des Verbergens in der Wüste zu Ende liefen und sie zu größerer Bedeutung gelangend, auf den Arm "ihres Geliebten (das Wort Gottes) sich lehnend" hervortrat. - Hohelied 8:5

Im Symbol stellt Wasser Wahrheit vor; und das Symbol behält seine Bedeutung, selbst wenn es heißt, dass sie aus dem Schlund des Drachen und der Schlange hervorgehe. Der Gedanke, der durch dieses Symbol beigebracht werden soll, ist der, dass durch böse Werkzeuge Wahrheit hervorgebracht werden würde, und zwar mit böser Absicht. Und geradeso verhält es sich. Die Kraft der französischen Revolution lag in dem Umstand, dass sie durch viele ernste Wahrheiten betreffs der persönlichen Rechte und Freiheiten aller Menschen angeregt worden war. "Menschenrechte" war in der Tat das Stichwort jener Auflehnung gegen bürgerliche und kirchliche Bedrückung. Wahrheiten über Menschenrechte erkannte man da und sprach sie aus, die uns überraschen, wenn wir die Unwissenheit, den Aberglauben und die Kriecherei jener Zeit bedenken, worunter die Massen so lange geschlummert hatten. Viele der Wahrheiten, die damals über Frankreich wie eine "Flut" daher schwemmten, es mit Blut tränkend, werden heute unter allen zivilisierten Völkern allgemein angenommen; aber damals waren sie zu stark und zu plötzlich vorgetragen.

Wahrlich, die Prophezeiung zeigt deutlich, dass die Schlange, Satan, nicht beabsichtigt hat, was unter Gottes Vorsehung eintrat, sondern das Gegenteil. Hierin hat er sich selbst betrogen, wie er auch bei anderer Gelegenheit getan. Satan wird die Wasser der Wahrheit nie hervorsenden, um zu segnen und zu erfrischen und von Knechtschaft zu befreien. Im Gegenteil, seine Bemühungen sind je und je gewesen, die Menschheit sicher unter Unwissenheit und Aberglauben zu blenden und zu binden; und diese plötzliche Flut von Wassern (Wahrheiten) sollte wie ein Brechmittel wirken, um die Nahrung der Freiheit, die vom Volke schon als Resultat der Reformation eingenommen war, wieder auszuspeien, und so die Herrscher und Lehrer zu nötigen, aus Furcht vor Anarchie der Wahrheit zu opponieren.

Satans Absicht bei der Erregung der französischen Revolution war, einen der Freiheit ungünstigen Alarmruf durch ganz Europa tönen zu lassen, besonders unter den einflussreichen Klassen, und an Frankreich ein Beispiel zu geben, dass, wo der Freiheit voller Schwung gegeben werde und der Aberglaube Roms gestürzt würde, bald Gesetz und Ordnung ganz und gar enden würden. Das war ein Meisterstreich politischer Kunst, wert seines Urhebers und beabsichtigt, wie der Prophet zeigt, das "Weib" (die Kirche der Reformation) zu ersäufen und alle Konservativen und Friedliebenden, Herrscher wie Beherrschte, zurück zur Vereinigung und Harmonie mit dem Papsttum zu treiben. Dass dieser Plan misslang, lag nicht am Mangel an Licht von Seiten seines Urhebers, sondern an der überwaltenden Macht Gottes, durch welche er fähig ist, alles zum Besten zusammenwirken zu lassen.

In diesem Falle kann der Plan Gottes zum Schutze des "Weibes" (der Kirche) vor Satans Tücke und zur Auswirkung von Gutem aus dem, was zum Bösen ausgesonnen war, deutlich als Erfüllung der siebzehn Jahrhunderte vorher gemachten Vorhersagung nach nachgespürt werden, nämlich: "Und die Erde half dem Weibe, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Maule warf." (Offb. 12:16). Die "Erde" stellt im Symbol, wie schon erklärt, die Gesellschaft vor, das Ordnung liebende Volk, und es ist eine geschichtliche Tatsache, dass die Flut der Wahrheit, die sich über Frankreich ergoss, und das Papsttum mitsamt seinen Priesterkunstgriffen und die Monarchie mitsamt seiner blutsaugerischen Aristokratie als die zum großen Teil verantwortlichen Urheber der Unwissenheit, Armut und des Aberglaubens des Volkes angriff, von dem Volke Europas im großen und ganzen (der römischen "Erde") aufgesaugt wurde. Bis zu einem solchen Grade war dies der Fall, dass, obgleich das Papsttum und die königliche Aristokratie sehr beunruhigt worden waren, so wurden sie doch durch den Fall des Papsttums sowohl wie durch Napoleons Heere ebenso völlig von einander getrennt. Und als der "Mann der Bestimmung" (Napoleon) schließlich unterging, und die Herrschaft Europas sich, wie sie es nannten, zur "Heiligen Allianz" zur Unterdrückung der Freiheiten des Volkes und der Verewigung ihrer eigenen Throne verbanden, da war es zu spät zur Fesselung des Volkes, denn, nachdem sie die Wasserflut verschlungen, wollten sie sich nicht mehr unterwerfen. Es war auch zu spät, daran zu denken, das Papsttum wiederherzustellen, das so schrecklich gedemütigt worden war, und dessen Bannsträhle gegen die Freiheit und die Franzosen auf sein eigenes Haupt zurückgefallen waren; so dass der Papst nicht einmal eingeladen wurde, sich der "Heiligen Allianz" anzuschließen, deren anerkanntes Haupt er vordem gewesen sein würde. So wurde dem "Weibe", der reformierten und fortschreitenden Kirche Gottes geholfen, vor dem Überschwemmt werden bewahrt, und Freiheit und Wahrheit schritten hervor zu Ansehen vor den Menschen; und von der Zeit an hat der Geist der Freiheit und Gottes Wort alle die in mehr und mehr Licht geführt, welche willig waren zu folgen.

Hier also war die "Flut", die sowohl das Ende der Papstmacht als auch den Anfang des "Tages der Vorbereitung" oder die "Zeit des Endes" markierte. Auf dieser Flut stand, prophetisch geschaut, der Sendbote des Herrn, um den Schluss der einen Zeit, der zwei Zeiten und der halben Zeit anzukündigen. Und diese Ankündigung wurde als Antwort auf die Frage gemacht: Wie lange wird dauern der Zeitabschnitt des Endes dieser wunderbaren Dinge?" Die "wunderbaren Dinge" oder "Wunder", auf die da Bezug genommen wurde, waren nicht jene (Kap. 12:1-3) das Königreich Gottes betreffenden. Jene waren nicht seltsam, sondern erwartet: Die "seltsamen Dinge" waren die dazwischenkommenden Trübsale, Verfolgungen und Prüfungen des heiligen Volkes Gottes, besonders über das sonderbare "Horn" (Macht), das Papsttum, weswegen Daniel (7:19-22) vorher besonders angefragt hatte. Die Frage war: "Wie lange wird Gott diese wunderbaren Verdrehungen seiner Kinder und der Völker zulassen? Die Antwort, die gegeben wird, misst die päpstliche Macht und gibt bestimmt die Zeit ihres Schlusses an und fügt hinzu (welche Worte wir oben ausließen): "Wenn die Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes vollbracht sein wird, dann werden alle diese (wunderbaren) Dinge vollendet sein".

In Vers 5 wird dem Daniel eine Person auf jeder Seite des "Stromes" gezeigt, die zusammen fragen, wann diese seltsamen Dinge enden würden. Dies scheint anzudeuten, dass selbst, wenn die päpstliche Macht zu Ende sein würde, man doch noch wie zuvor in Zweifel darüber sein würde, ob seine Macht zu verfolgen und zu unterdrücken zu Ende sei. Und kein Wunder, wenn wir bedenken, dass selbst nachdem seine Macht gebrochen war, nachdem seine "Herrschaft hinweg genommen war", und sogar während es verzehrt wurde, dieses "Horn" große Worte hervorbrachte betreffs seiner Unfehlbarkeit, noch bis zum Jahre 1870. Daniel, der die Heiligen repräsentierte, sagt (Dan. 7:11): "Dann schaute ich (nachdem seine Herrschaft dahin war und es machtlos war, noch länger die Wahrheit, die Macht des heiligen Volkes zu unterdrücken), wegen der Stimme der großen (vermessenen) Worte, welche das Horn redete: ich schaute, bis dass das Tier getötet, und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde". Die großen Worte hatten also nicht die gewünschte Wirkung. Allgemeine Anarchie - die Zerstörung der Überreste der Obrigkeiten im alten römischen Reiche war die Folge, verursacht durch den irreleitenden Einfluss der fortgesetzten prahlerischen Aussprüche des Papsttums, sogar nachdem seine Herrschaft vergangen war.

Da der Schluss der Zeiten päpstlicher Macht hiermit nicht nur deutlich festgesetzt ist, dass er nämlich in die französische Revolution falle, sondern da er auch durch das Kapitel 11:40-44 beschriebenen Ereignisse angezeigt ist, die das gleiche Jahr 1799 markieren, so können wir leicht 1260 Jahre rückwärts messen, um herauszufinden, ob die päpstliche Macht da ihren Anfang nahm. Wenn wir finden, dass dies der Fall war, so haben wir unseren Beweis so klar und stark, wie der Glaube es nur erwarten könnte. Lasst es uns bewahrheiten.

Wenn wir 1260 Jahre vom Jahre 1799 zurück rechnen, so erhalten wir das Jahr 539, wo, wie wir zeigen werden, die päpstliche Macht begann. Aber das Papstsystem war solch eine Mischung von Staatskunst und Priesterschlauheit und sein Anfang wie sein Ende war so klein und unscheinbar und so allmählich, dass es nur natürlich ist, dass eine Verschiedenheit der Meinung darüber herrscht, bis wir die von Gott bestimmten Daten erhalten und sehen, wie richtig sie sind. Das Papsttum beanspruchte Oberhoheit in Kirchen- und Staatsangelegenheiten und mischte sich in die Politik, ehe es von Gegnern erkannt wurde; gerade so wie es auch weltliche Macht auszuüben suchte, und sein Haupt als unfehlbar erklärt hat, seit der Zeit, in welcher, gemäß der Prophezeiung, seine Macht gebrochen war und seine Auflösung begann. Aber seit der Zauber der Unwissenheit und abergläubischen Verehrung während der französischen Revolution gebrochen war, ist das Papsttum von dem italienischen Volk der römischen Provinz nicht mehr anerkannt worden. Obwohl der Papst zuweilen, zwischen Revolutionen, dem Namen nach als Herrscher der päpstlichen Staaten gegolten hat, war es mehr als ein fremder Eindringlich, als Vertreter Österreichs oder Frankreichs, deren Truppen ihn abwechselnd in seinem Amte schützen.

Seitdem wir nun wissen, dass die 1260 Jahre im Jahre 539 anfingen, sind wir imstande, das zu finden, was wir vorher noch nicht erkannt haben würden. Die Papisten selbst neigen mehr dahin, den Anfang ihrer Macht entweder auf die Bekehrung Konstantins und die nominelle Christianisierung des römischen Reiches im Jahre 328 zu verlegen, oder von der Verleihung der päpstlichen Staaten an die Kirche durch Karl den Großen, im Jahre 800, zu rechnen. Die Tatsache besteht jedoch, dass Konstantin in keiner Weise weltliche Macht als ein Recht oder Besitz der Kirche anerkannte. Im Gegenteil, obwohl er das Christentum begünstigte, so war es doch mehr die Kirche, die den Kaiser wenigstens zu ihrem Mithaupte machte, so dass der Kaiser Kirchenkonzilien berief und sich in Kirchenangelegenheiten mischte, während der Kirche nicht gestattet wurde, sich in Staatsangelegenheiten zu mischen. Das Datum, 539 nach Christo, welches die prophetische Messschnur uns zeigt, liegt beinahe in der Mitte zwischen der Vereinigung von Kirche und Staat im Jahre 328 und ihrer vollen und ganzen Anerkennung durch Karl den Großen, als Haupt aller Obrigkeit, als Verleiher bürgerlicher wie kirchlicher Hoheit und Ämter i.J. 800.

Seit der Zeit Konstantins nahm der Bischof von Rom eine ungemein hervorragende Stellung vor der Welt ein, und bald fing er an, über alle anderen, in der Kirche sowohl wie in der Welt, Oberhoheit zu beanspruchen. Man sagte, irgend jemand sollte in der Kirche als Haupt oder Autorität anerkannt werden, und der Bischof von Rom sollte derjenige sein. Man behauptete, Petrus sowohl wie Paulus hätten in Rom gelebt, und dass Rom hierdurch zum Sitz apostolischer Autorität bestimmt worden sei. Sodann sagte man, weil es so lange der Sitz der Kaiser und der bürgerlichen Obrigkeit gewesen sei, nehme es einen hohen Autoritätsrang in der Meinung der Menschen ein.

Diese Ansprüche auf Oberhoheit wurden jedoch nicht sogleich zugegeben. Der Geist der Ebenbuhlerei war geschäftig, und auch in anderen großen Städten beanspruchten andere Bischöfe die höchste Stellung, einige auf diesen, andere auf jenen Grund hin. Erst im Jahre 533 war es, dass der Bischof von Rom durch den Kaiser Justinian den Ersten so anerkannt wurde. Das geschah in Verbindung mit einer heißen religiösen Debatte, in welcher der Kaiser die Partei des Bischofs von Rom nahm. Es betraf die Verehrung der Jungfrau Maria und die Eutychianischen und Nestorianischen Streitigkeiten über die Unterschiede und Vermischungen der Naturen in unserem Herrn Jesus. Der Kaiser befürchtete, die Diskussion möchte die Kirche trennen und so das Reich in Stücke gehen, welches, immer fester zu vereinigen, ihm besonders anlag, denn selbst in jener frühen Zeit war die nominelle Kirche und das Kaiserreich ein und dasselbe - "Christentum". Es war zunächst der Wunsch, eine maßgebende Autorität zu haben, die den Streit beilegen und dem Volk sagen könne, was sie glauben, und was sie nicht glauben sollten, sodann der Umstand, dass der Bischof von Rom schon der populärste Bewerber um das Primat (höchste Stellung) war, sowie auch der am meisten "orthodoxe" (d.i. am genauesten in Harmonie mit den Ansichten des Kaisers über diese Fragen), dass Justinian durch ein Schreiben nicht nur die Lehre der Eutychianer und Nestorianer verdammte, sondern auch den Bischof von Rom als das Haupt aller der heiligen Kirchen und aller der heiligen Priester Gottes anredete, und ihn so anerkannte und den Papst in der Unterdrückung der Ketzerei und in der Herstellung der Einigkeit der Kirche zu unterstützen wünschte.

Im Zusammenhang mit diesem Edikt (Erlass) redete der Kaiser den Papst Johann, den Patriarchen von Rom, folgendermaßen an:

"Der siegreiche Justinian, der fromme, der glückliche, der berühmte, der triumphierende, der immer erhabene, dem allerheiligsten Erzbischof und Patriarchen Johannes von der tonangebenden Stadt Rom. Dem apostolischen Sitz und Eurer Heiligkeit Ehre erzeigend (wie es stets unser Streben ist und war) und Eure Glückseligkeit verehrend, wie es sich einem Vater gegenüber gebührt, eilten wir, Eurer Heiligkeit alles kundzutun, was des Zustand der Kirchen betrifft, da es stets unser ernster Wunsch war, die Einigkeit Eures Apostolischen Sitzes und den Beistand der heiligen Kirchen zu bewahren, der sich noch selbst erhält und unerschüttert bleibt, so dass nichts gegen ihn aufzukommen vermag. Und so haben wir uns beeilt, dem Sitze Eurer Heiligkeit alle Priester des östlichen Distriktes zu unterstellen und mit ihm zu vereinigen. Gegenwärtig haben wir es für nötig erachtet, dass die Dinge, die obwohl sie noch so deutlich und gewiss sind, und noch so bestimmt von allen Priestern gemäß der Lehre eures Apostolischen Sitzes bewacht und verkündet wurden, dennoch in Bewegung sind, Eurer Heiligkeit zur Kenntnis gebracht würden. Denn wir gestatten nicht, dass irgend welche Fragen über irgend etwas, das den Stand der Kirchen betrifft, wie deutlich und gewiss es auch sei, aufgeworfen werde, die nicht ebenfalls Eurer Heiligkeit, die das Haupt aller heiligen Kirchen ist, kundgetan werde. Denn in jeder Hinsicht sind wir (wie gesagt) bemüht, die Ehre und das Ansehen Eures Stuhles zu erhöhen.

Der folgende Brief bezieht sich auf gewisse als ketzerisch bezeichnete Ansichten, welche die Bewegung verursachten und bekundet, dass der Glaube des Kaisers im Einklang mit der Kirche Roms stand. Er schließt wie folgt:

"Wir geben nun (die Rechtmäßigkeit) von vier heiligen Konzilien zu. Diese sind: Das der 318 in Nizäa versammelten heiligen Väter (Konzil von Nizäa), das der 140 in dieser königlichen Stadt versammelten heiligen Väter (Konzil von Konstantinopel), das der heiligen Väter, die sich zuerst in Ephesus versammelten (Konzil von Ephesus) und das der in Chalcedon versammelten heiligen Väter (Konzil von Chalcedon), wie Euer Apostolischer Stuhl lehrt und bestätigt. Alle Priester daher, die der Lehre Eures Apostolischen Stuhles folgen, glauben und bekennen und bestätigen dies. Daher haben wir uns beeilt, durch die allergesegnetsten Bischöfe Hyypatius und Demetrius, Eurer Heiligkeit zur Kenntnisnahme zu bringen, damit es Eurer Heiligkeit nicht verborgen bleibe, was für Lehren von etlichen Mönchen nach jüdischer Weise gemäß der Häresie(Ketzerei) von Nestorius böswillig geleugnet worden sind. Wir suchen daher eure väterliche Rücksicht (und bitten), dass Ihr durch einen an uns und die allerheiligsten Bischöfe dieser schönen Stadt und an den Patriarchen, Euren Bruder (da er selbst auch über dasselbe an Eure Heiligkeit geschrieben hat, sich beeilend in allen Stücken dem Apostolischen Stuhl Eurer Glückseligkeit zu folgen), gerichteten Brief uns kundtut, dass Eure Heiligkeit alle annimmt, die pflichtgemäß bekennen, was verordnet ist, und die Häresie derer verdammt, die es gewagt haben, nach jüdischer Weise den wahren Glauben zu verleugnen. Denn so wird die Liebe aller zu Euch und das Ansehen Eures Stuhles desto mehr zunehmen; und die Einheit der heiligen Kirchen, die gestört worden ist, wird für Euch bewahrt werden, da all die allerglücklichsten Bischöfe durch Euch die eigentliche Lehre Eurer Heiligkeit in Bezug auf die Euch mitgeteilten Punkte gelernt haben werden. Nun ersuchen wir Eure Glückseligkeit für uns zu beten und den Schutz des Himmels für uns zu erlangen."

Der Papst Johann antwortete auf obiges unter dem Datum, den 24. März des Jahres unseres Herrn 534.

Bei derselben Gelegenheit schrieb der Kaiser an den Patriarchen von Konstantinopel. Den ersten Paragraphen seines Briefes führen wir an, wie folgt:

"Epiphanius, der allerheiligste und glücklichste Erzbischof der königlichen Stadt und Ecumenischer Patriarch: - Mit dem Wunsche, dass Eurer Heiligkeit alles, was den Zustand der Kirche betrifft, bekannt sei, hielten wir es für nötig, diese kirchlichen Kompendien (Auszüge) zu gebrauchen und durch dieselben kundzumachen, welcherlei Vorgehen schon im Gange sei, obwohl wir überzeugt sind, dass Ihr auch darum wisset. Und da wir uns vergewissert hatten, dass gewisse, der heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Entfremdete, der Häresie des gottlosen Nestorius und Eutychus folgen, erließen wir ein kirchliches Edikt (wie Eure Heiligkeit gleichfalls wissen), in welcher wir die Tollheit der Häretiker (Ketzer) rügten. In keiner Weise haben wir verändern, noch werden wir verändern, oder haben wir (wie Eure Heiligkeit auch wissen) die Stellung der Kirche überschritten, die durch die Gnade Gottes bis jetzt erhalten ist; in jeder Hinsicht dagegen ist die Einheit der allerheiligsten Kirchen mit seiner erhabenen Heiligkeit, dem Papst des uralten Roms (dem wir in gleicher Weise geschrieben haben) aufrecht erhalten worden. Denn wir dulden es nicht, dass irgend welche der Angelegenheiten, die auf den Bestand der Kirche Bezug haben, nicht auch seiner Glückseligkeit unterbreitet werden, zumal er das Haupt aller allerheiligsten Kirchen Gottes ist; besonders aus dem Grunde, dass, so oft in jenen Teilen Häretiker aufgestanden sind, sie durch die Weisheit und gerechten Entscheidungen jenes ehrwürdigen Stuhles unterdrückt worden sind."

Die Briefe, aus denen wir die angeführten Auszüge gegeben haben, kann man vollständig mit all dem Edikt Justinians, auf das wir Bezug nahmen, in dem Band des Zivil-Gesetzes finden. - Codicis lib. I. tit. i.

Diese erste offizielle Anerkennung der päpstlichen Ansprüche wurde später immer deutlicher durch Phocus und nachfolgende Kaiser zugegeben. Doch selbst, nachdem das Papsttum als Herrscher, als kirchlicher Kaiser anerkannt war; eine Zeitlang war es von keinem besonderen Belang, nur der bloße Name, denn Justinian mit seiner Hauptstadt in Konstantinopel war weit weg von Rom. Rom und Italien überhaupt waren unter der Gewalt eines anderen Königreiches - das der Ostgoten - die den Bischof von Rom nicht als höchsten Bischof anerkannten, denn sie waren meistenteils den Glauben nach Arianer. Das Papsttum war daher durch die Anerkennung des Kaisers bis zum Fall der ostgotischen Monarchie nur dem Namen nach erhöht und bevorzugt. Dann erst wurde seine Erhöhung eine Tatsache. In der Tat, wie durch ein zuvor bereitetes Übereinkommen, sandte der Kaiser auf einmal Belisarius mit einem Heere nach Italien (im Jahre 534) und in sechs Jahren nach der Anerkennung des Papstes wurde die ostgotische Macht besiegt, ihr König Vitiges und die Blüte ihrer Armee wurden mit anderen Trophäen Justinian zu Füßen gelegt. Das geschah im Jahre 539, welches daher der Zeitpunkt ist, von welchem an wir "den verwüstenden Greuel aufgestellt" rechnen sollten. Da hatte das Papsttum seinen kleinen Anfang. Grade da war es, dass das kleine, sonderbare, in Daniels Prophezeiung angedeutete "Horn" auf dem römischen Tiere hervor drang. Zwei Jahrhunderte vorher fing es an, sich zu bilden oder Wurzeln zu fassen; und zwei Jahrhunderte seit seinem kleinen Anfang war "sein Aussehen größer als das seiner Genossen" (Dan. 7:8, 20-22, 25 - die anderen Hörner oder Mächte im Gebiete des alten Kaiserreiches); und seine Augen und sein Mund, der Vermessenes (große, schwülstige Worte) redete, fingen an sich zu entwickeln, und über die anderen Hörner auf Grund des beanspruchten göttlichen Rechtes die Herrschaft auszuüben.

Der Prophet hatte gesagt, dass drei Hörner ausgerissen oder entwurzelt werden würden, um dieser sonderbaren Macht (oder diesem "Horn") Platz zu machen. Und so finden wir es: Konstantin erbaute Konstantinopel und verlegte seine Hauptstadt dahin. Dies, obwohl es der Entwicklung des Papsttums im alten Kaisersitz Rom günstig war, war dem Reiche schädlich, und Italien war von da ab als das westliche Reich bekannt. Dies war eins der "Hörner". Es fiel im Jahre 476 durch die Heruler, ein zweites der Hörner, das sich auf dessen Trümmern aufrichtete. Zunächst kam das ostgotische Königreich, ein anderes "Horn", das die Heruler stürzte und sich als Beherrscher Italiens einsetzte. Und, wie wir soeben gesehen haben, es war während der Herrschaft dieses "Hornes" (des dritten, das entwurzelt wurde, um dem päpstlichen Horn Platz zu machen), dass Justinian die päpstliche Oberhoheit anerkannte; und auf seinen Befehl und durch seinen General und sein Heer wurde es ausgerissen. Dies Ausreißen war nötig, wie wir gesehen haben, zur Beförderung des Papsttums in die Machtstellung als eine Art Mischung politischer und religiöser Macht - als das sonderbare, von seinen Genossen unterschiedliche "Horn". In der Tat, es scheint nicht unwahrscheinlich, dass das Papsttum im Geheimen dem Fall jedes dieser "Hörner" oder Mächte Vorschub leistete, mit der Hoffnung, so den Weg zur eigenen Erhöhung geöffnet zu sehen, gerade wie es schließlich eintraf.

Mit dem Sturz der Ostgoten wurde der römische Kaiser für einige Zeit als Herrscher Italiens anerkannt und durch Exarchen vertreten. Aber da diese ihren Sitz in Ravenna und nicht in Rom hatten, und da sie gekommen waren, in oben erwähnter Weise das Papsttum anzuerkennen, in oben erwähnter Weise das Papsttum seit dem Jahre 539 als höchste Obrigkeit in der Stadt Rom anerkannt wurde; und dass es von diesem Datum an (da es "aufgestellt" wurde) als ein "Horn" oder eine Macht unter anderen "Hörnern" oder Mächten, welche die frühere, vereinte Macht Roms vertraten, zu wachsen und sich auszubreiten begann. Der Umstand, dass die Lage Italiens und besonders Roms um diese Zeit herum eine so sehr zerrüttete war, den Plünderungen vom Norden sowie schweren Abgaben an solche Herrn ausgesetzt, die gerade am nächsten waren, trug viel dazu bei, politische Anhänglichkeit an die kaiserliche Macht in Konstantinopel zu brechen, so dass die kirchlichen Herrscher, die stets in ihrer Mitte waren, dieselbe Sprache sprachen, und ihr Wohl und Wehe mit trugen, bereitwillig als Berater, Beschützer und Herrscher der Stadt Rom und ihrer Umgebungen angenommen wurden. Ja, ohne Zweifel war das Ziel, das Justinian durch seine Anerkennung der Ansprüche des Bischofs von Rom auf Vorrang über andere erstrebte, zum Teil dies, seine Mitwirkung in dem Kriege zu gewinnen, den er im Begriff war, gegen die Ostgoten zu führen, um Italien als einen Teil des oströmischen Reiches zurückzugewinnen. Denn der Einfluss des Papstes und der Kirche war damals schon bei weitem nicht unbeträchtlich; und sie auf seiner Seite zu haben, hieß von vorne herein den Kampf halb gewonnen zu haben.

Obwohl die Goten gegen das Kaiserreich rebellierten und die Stadt Rom erstürmten, so stellten sie doch ihre Herrschaft nicht wieder her, und die einzige Regierung, die Rom hatte, war die der Kirche. Und obwohl das lombardische Königreich bald aufkam und seine Herrschaft über den größten Teil Italiens herstellte und selbst die durch Justinian vermittelst der Exarchen eingerichtete Herrschaft des östlichen Reiches umstürzte, so nehme man doch sorgfältig in Obacht, dass die Lombarden die Oberhoheit des Papsttums in Rom anerkannten. Erst gegen Ende dieses Königreiches geschah es, im achten Jahrhundert, dass irgend welche ernstliche Versuche gegen die Obrigkeit des Papstes gemacht wurden. Die Geschichte derselben dient nur dazu, die Tatsache zu bestätigen, dass die Päpste der Reihe nach Roms wirkliche Herrscher, wie behauptet wird, die "Nachfolger der Cäsaren"- waren, obwohl sie, so lange es ihnen nützlich erschien, den Schutz der Regierung zu Konstantinopel beanspruchten. Als die Lombarden Rom schließlich in Besitz nehmen wollten, wandte sich der Papst an den französischen König um Schutz für die Kirche (das Papsttum) und bat, sie in ihrer lang ungestörten Herrschaft über das zu erhalten, was sie "Das Patrimonium St. Petri" nannten, und von dem sie behaupteten, dass dasselbe der Kirche durch Konstantin übertragen worden sei. (Dass diese Ansprüche falsch waren und sich auf Fälschungen stützten, wird jetzt selbst von römischen Katholiken frei zugegeben. Konstantin verlieh kein solches Geschenk. Das Papsttum wuchs hinein in seine Macht und Herrschaft über Rom, wie wir es hier beschrieben haben.)

Die französischen Könige Pipin und Karl der Große, jeder zu seiner Zeit, brachten ihre Heere zum Schutze der päpstlichen Herrschaft herbei und besiegten die Lombarden. Der letztere war es, der etliche Staaten, jetzt als "die päpstliche Staaten" bekannt, im Jahre 800 formell dem Papsttum zum Geschenk machte, worauf wir schon Bezug nahmen; und zwar außer der Stadt Rom und ihrer Umgebung, die das Papsttum schon seit 539 besaß. So hinderte also das lombardische Königreich oder "Horn" das päpstliche "Horn" nicht, noch nahm es dessen Stelle ein, wie etliche angenommen haben, selbst wenn es dasselbe manchmal bedrängte.

Von einigen dieser Angriffe der Lombarden sagt Gibbon:

"Ein merkwürdiges Beispiel von Bußfertigkeit und Frömmigkeit wurde von Lutiprand, dem König der Lombarden, gegeben. Mit den Waffen in der Hand vor dem Vatikan stehend, horchte der Eroberer auf die Stimme Gregors des Ersten, zog seine Truppen zurück, stand von seinem Kampfe ab, besuchte respektvoll die St. Peters Kirche, und nachdem er seine Ehrfurcht bezeugt, legte er sein Schwert und seinen Dolch, seinen Küraß (Brust- und Rückenschild) und Mantel, sein silbernes Kreuz und seine goldene Krone auf das Grabmahl des Apostels nieder". "Sein Nachfolger Astolphus (jedoch) erklärte, er sei der Feind des Kaisers wie des Papstes. ... Rom wurde aufgefordert, die siegreichen Lombarden als seine rechtmäßigen Herren anzuerkennen. ... Die Römer zögerten; sie baten; sie klagten; und die drängenden Barbaren wurden bald mit den Waffen, bald durch Unterhandlungen zurückgehalten, bis der Papst die Freundschaft eines Bundesgenossen und Rächers jenseits der Alpen gewonnen hatte". Der Papst (Stephan der Dritte) besuchte Frankreich, und es gelang ihm, den nötigen Beistand zu gewinnen, und kehrte zurück, wie Gibbon sagt, "wie ein Eroberer an der Spitze eines französischen Heeres, in Person vom Könige (Pipin) angeführt. Die Lombarden schlossen nach einem schwachen Widerstand einen schmachvollen Frieden und schworen, die Besitzungen der römischen Kirche wiederherzustellen und ihre Heiligkeit zu respektieren."

Als ein Beispiel der Ansprüche der Päpste und der Machtmittel, durch welche sie die Herrschaft erstrebten und errangen, führen wir aus Gibbons Werk einen Brief Stephan des Dritten an, den er um diese Zeit an den König von Frankreich schrieb. Die Lombarden hatten, kurz nachdem sich das französische Heer zurückgezogen hatte, Rom wiederum angegriffen, und der Papst begehrte neuen Beistand. Er schrieb in St. Petri Namen folgendermaßen:

"Der Apostel gibt seinen Adoptivsöhnen, dem Könige, der Geistlichkeit und den Adligen Frankreichs zu bedenken, dass er, obwohl tot dem Fleische nach, dennoch dem Geiste nach lebe: dass sie jetzt die Stimme des Gründers und Wächters der römischen Kirche hören und ihr gehorchen müssen, dass die Jungfrau, die Engel, die Heiligen, die Märtyrer und die ganze himmlische Schar einmütig die Forderung unterstützen und der Verpflichtung beistimmen; dass Reichtum, Sieg und Paradies ihr frommes Unternehmen krönen wird, und dass ewige Verdammnis die Strafe ihrer Nachlässigkeit sein werde, wenn sie litten, dass sein Grab, sein Tempel und sein Volk in die Hände der treulosen Lombarden falle". Und Gibbon fügt hinzu: "Die zweite Expedition Pipins war nicht weniger rasch und glücklich als die erste; St. Petrus wurde zufriedengestellt; Rom wurde wieder gerettet."

Da dieser Anfang ihrer Herrschaft dunkel war, und doch es wichtig ist, dass er deutlich erkannt werde, so schien es uns nötig, es so deutlich, wie eben geschehen, anzugeben; und als Schlussstein des Beweises dafür, dass das Jahr 539 das prophetisch angedeutete Datum war, führen wir folgendes bestätigende Zeugnis aus römisch katholischen Schriften an:

"Seit dem Fall des weströmischen Reiches wurde der politische Einfluss der Päpste noch bedeutender. Der Umstand bewirkte das, dass die Päpste das unglückliche Land, und besonders Rom und seine Umgebung, das beständig seine Herren wechselte, und fortwährend den Einfällen roher und brutaler Eroberer ausgesetzt war, in ihren Schutz nehmen mussten. Während die Nachfolger St. Peters sich so energisch für die Wohlfahrt der Einwohner Italiens interessierten, wurden dieselben von den oströmischen Kaisern, die immer noch behaupteten, das Land zu beherrschen, gänzlich vernachlässigt. Selbst nachdem Justinian der Erste einen Teil Italiens erobert hatte (im Jahre 539) und in eine griechische Provinz verwandelte, war das Los der Bewohner nicht besser, denn die byzantinischen (oströmischen) Kaiser konnten die Untertanen des Exarchates von Ravenna wohl durch Abgaben erschöpfen, aber ihnen in keiner Weise den nötigen Schutz verleihen."

Unter diesen Umständen geschah es, dass die ... Kaiser ... alle tatsächliche Macht verloren und nur dem Namen nach die Herren der Regierung blieben, während die Päpste kraft der Bedürfnisse des Augenblicks praktisch in den Besitz der Oberhoheit über das römische Gebiet kamen.... Dieses sich von selbst ergebende Resultat großmütiger Bemühungen wurden später (durch Pipin und Karl den Großen) eine gesetzliche Erwerbung". ... "Pipin erstattete, wie ein Zeitgenosse es ausdrückt, die eroberten Landschaften dem apostolischen Stuhl zurück. Dieses Geschenk oder diese Zurückerstattung Pipins wurde von seinem Sohne, Karl dem Großen, bestätigt und erweitert. Im Jahre 774 machte er der lombardischen Herrschaft in Italien ein Ende. Auf solche berechtigte Weise wurde die zeitliche Gewalt und Herrschaft der Päpste unter göttlicher Vorsehung allmählich hergestellt."

Die obigen Auszüge sind aus der "Geschichte der katholischen Kirche" von H. Brück, Dr. Theol., Band 1, Seite 250, 251. Dies ist ein unter römischen Katholiken anerkanntes und in ihren Seminaren gebrauchtes Werk, und von päpstlichen Würdenträgern gutgeheißen. Sein Zeugnis in betreff des allmählichen Aufsteigens der zeitlichen Gewalt des Papsttums und in Bezug auf die Zeit, da ihr Anfang durch die Umstände begünstigt war, ist daher von Wert. Es beweist, dass der Fall des ostgotischen Königreiches im Jahre 539, wie es deutlich durch das prophetische Maß (1260 Jahre) angezeigt ist, der genaue Zeitpunkt war, da dieses verwüstende und in Gottes Augen greuliche System "aufgestellt" wurde.

In Übereinstimmung mit demselben Gedankengang und in dem Versuch, deutlich zu beweisen, dass die päpstliche Autorität vor den Tagen Karls des Großen begann, sagt ein anderes katholisches Werk, Der Stuhl St. Petri, in einem Kapitel über "Das Wachstum zeitlicher Gewalt" (Seite 173): "Rom wurde nur dem Namen nach durch einen ernannten Patrizier vom Kaiser regiert, in Wirklichkeit aber, durch die Gewalt der Umstände wurden die Päpste die obersten Herren der Stadt". Als Beweis für diese Autorität und Herrschaft fährt der Schreiber fort, historische Beweise über die Macht der Päpste und die Machtlosigkeit der nominellen Herrscher anzuführen. Er bezieht sich auf den Papst Gregor den Großen (im Jahre 590 - nur fünfzig Jahre, nachdem es "aufgestellt" war) als Beispiel dafür, dass sie schon Macht besessen hätten, und sagt: "Wir finden, wie er Leontius als Gouverneur nach Nepos in Etrurien abordnet und den Einwohnern bedeutet, dass sie demselben gehorchen sollten, wie sie ihm selbst gehorchen würden. Wiederum nennt er Konstantius zu dem wichtigen Posten des Gouverneurs von Neapel. Zunächst schreibt er an die Bischöfe über die Verteidigung und Verproviantierung ihrer respektiven Städte, erlässt Befehle an militärische Befehlshaber. ... Mit einem Worte, er wird der tatsächliche Herrscher und Beschützer Italiens; so dass er völlig berechtigt war, zu sagen: "Wer meine Stelle als Pastor einnimmt, ist schwer überbürdet mit äußerlichen Sorgen, so dass es häufig ungewiss ist, ob er die Funktionen eines Hirten oder eines zeitlichen Fürsten ausübt."

So gewaltig war das Wachstum der zeitlichen Gewalt in dem kurzen Zeitraum von fünfzig Jahren, von ihrem kleinen Anfang im Jahre 539. Wir dürfen daher sicher sein, dass die 1260 Jahre oder 3½ Zeiten päpstlicher Herrschaft an beiden Enden wohl markiert sind.

Daniel, der gehört hatte, wie der Macht des Greuels, der die Kirche verwüsten und die Wahrheit, die Macht des Volkes Gottes, unterdrücken würde, die Grenze gesteckt wurde, sah, dass dies immer noch nicht das Königreich Michaels und die Erhöhung der Heiligen zur Macht herbeiführen würde, sondern dass es ihnen nur eine Freilassung von dem Unterdrücker gewähren werde. Dies war also auch nicht das Verständnis, das er sich wünschte: "Und ich hörte es, aber ich verstand es nicht und ich sprach: Mein Herr! was wird der Ausgang von diesem sein?(was folgt auf dieses?) Und er sprach: "Gehe hin, Daniel (es ist umsonst, dass du die Sache zu verstehen suchst), denn die Worte sollen verschlossen und versiegelt sein bis zur Zeit des Endes. ... Von der Zeit an, da das beständige (ein für allemal gültige, auf Golgatha dargebrachte) Opfer abgeschafft wird und zwar um den verwüstenden Greuel aufzustellen (im Jahre 539), sind 1290 Tage (Jahre)". "Viele werden sich reinigen und weiß machen und läutern (sich trennen); und die Gottlosen werden gottlos handeln und keine der Gottlosen werden es verstehen; die Verständigen aber werden es (dann) verstehen". "Glücklich der, welcher harrt und 1335 Tage erreicht! Du aber gehe hin (deines Weges) bis zum Ende; und du wirst ruhen und aufstehen zu deinem Lose (Teil oder Lohn) am Ende der Tage", nachdem oben genannte Tage zu Ende sind.

Der sorgfältige Forscher wird bemerken, dass diese 1290 und 1335 prophetischen Tage, buchstäblich Jahre, denselben Ausgangspunkt haben, wie die 1260 Jahre der päpstlichen Unterdrückungsmacht, nämlich von der Zeit an, da der Greuel der Verwüstung, im Jahre 539, "aufgestellt" war. Wo zwei Dinge erwähnt werden, die zu verschiedenen Zeiten geschehen, wie hier, - das Entfernen des "Beständigen" und das Aufrichten des Greuels - muss man stets von der Zeit an rechnen, da beide wahr waren. Das Entfernen des "Beständigen" geschah, so werden wir im nächsten Kapitel zeigen, etliche Jahre vor der Aufrichtung des Greuels im Jahre 539. Wir sollten daher von dem letzten dieser beiden Ereignisse, von der "Aufrichtung" des Greuels, an rechnen.

Und beachte ferner, dass diese beiden Maße als Antwort auf Daniels Frage gegeben wurden, was mit Gottes Heiligen geschehen würde, nachdem ihre Macht (die Wahrheit) von der päpstlichen Unterdrückung befreit worden sei, nach 1799, vor der Aufrichtung des Königreiches des Messias - Michaels. Im Wesentlichen ist die Erwiderung die folgende, dass Daniel nicht zu hoffen brauche, noch mehr zu verstehen, als dass dreißig Jahre nach dem Anfang der Zeit des Endes (1260+30=1290) eine Absonderung, Reinigung und Läuterung des heiligen Volkes seinen Anfang nehmen werde, und in Verbindung damit werde ein Verständnis der Weissagungen von Seiten der verständigen unter dieser geprüften, gereinigten und abgesonderten Klasse verliehen werden. Doch werde die Erkenntnis so mitgeteilt werden, dass die Gottlosen und Unverständigen sie weder empfangen noch glauben würden. Ferner hieß es, dass dies rechte Verständnis des Gesichts bei weitem nicht vollkommen und ganz sein würde; vielmehr würde es in einigen Hauptsachen noch mangelhaft sein, bis 45 Jahre später (1290+45=1335) oder 75 Jahre nach dem Anfang der Zeit des Endes, 1799 (1260+75=1335). Dies zeigt der hebräische Text deutlich an. Er stellt die Sache so dar, als ob die Wächter, die schon etwas gesehen haben und geduldig warten, plötzlich (wenn die "1335" Tage vorbei) eine volle, deutliche, alle Erwartung übersteigende Erkenntnis erlangen würden: "Glückselig der, welcher harrt!"

Vom Jahre 539 an rechnend, würden die 1260 symbolischen Tage im Jahre 1829 enden (und die 1335 Tage am Schluss von 1874). Der Leser überlege sorgfältig, wie genau diese Daten das Verständnis des Gesichts und all die Prophezeiungen betreffs der Zeit des Endes markieren, sowie auch betreffs der Trennung, Reinigung und Läuterung als wie durch Feuer, um die Kinder Gottes zu einer kindlichen, demütigen und vertrauensvollen Geistes- und Herzen- Stellung zu bringen, damit sie bereit sein möchten, Gottes Weg und Zeit zu empfangen und zu würdigen.

Im Jahre 1844 gipfelte eine religiöse Bewegung. Die Teilnehmer daran waren damals und seitdem allgemein als "Adventisten" und "Milleriten" bekannt, weil ein William Miller der Führer in der Sache war. Die Bewegung, die etwa 1829 begann, hatte im Jahre 1844 (da sie die Wiederkunft des Herrn erwarteten) allgemein die Aufmerksamkeit aller Christen auf sich gezogen, besonders in den östlichen und mittleren Staaten, wo es zu einer wirklichen Aufregung stieg. Ungefähr um dieselbe Zeit war auch in Deutschland eine ähnliche Bewegung im Gange, hervorgerufen durch die Schriften des 1751 verstorbenen württembergischen Theologen Johann Albrecht Bengel, der auch die Aufmerksamkeit auf die Weissagungen und das kommende Königreich des Messias gelenkt hatte; und ein Gleiches tat der berühmte Missionar Wolff in Asien. Der Mittelpunkt der Bewegung war jedoch in Amerika, wo soziale, politische und religiöse Zustände mehr wie irgendwo ein unabhängiges Bibelstudium, wie auch andere Dinge, beförderten, gerade wie die Bewegung beim ersten Advent auf Judäa beschränkt war, von woher alle frommen Israeliten überall mehr oder weniger hörten. - Apg. 2:5

Jedermann weiß wohl, dass Bruder Millers Erwartungen fehlschlugen. Der Herr kam nicht im Jahre 1844, und die Welt wurde nicht im Feuer verbrannt, wie er erwartet und andere zu erwarten gelehrt: und dies war eine große Enttäuschung für jenes "heilige Volk", dass so vertrauensvoll erwartet hatte, Christus ("Michael") werde damals erscheinen und sie mit ihm in Herrlichkeit und Macht erhöhen. Doch trotz der Enttäuschung hatte die Bewegung ihre beabsichtigte Wirkung, nämlich ein Interesse für die Wiederkunft des Herrn zu wecken und auf die Sache selbst vermöge der verfehlten Erwartungen Schmach zu bringen. Wir sagen beabsichtigte Wirkung, weil die Hand des Herrn ohne Zweifel im Spiele war. Es verrichtete nicht nur ein Werk, das der Bewegung am ersten Advent entsprach, als unser Herr geboren war, da die Weisen aus dem Morgenland kamen und alles "Volk in Erwartung war" (Matth. 2:1, 2; Luk. 3:15), sondern es entsprach auch derselben der Zeit nach. Es war gerade 30 Jahre vor der Salbung unseres Herrn, im Alter von 30 Jahren, beim Antritt seines Messias-Amtes. Jene "Miller-Bewegung", wie sie wegwerfend genannt wird, brachte auch persönlichen Segen auf das "heilige Volk", das daran teilnahm. Es führte zu einem sorgfältigen Forschen in der Schrift und zu Vertrauen auf Gottes Wort statt auf Menschen - Traditionen; und es erwärmte und nährte und reinigte die Herzen der Kinder Gottes in sektenfreier Gemeinschaft, denn die darin Interessierten waren aus allen Benennungen, wenn auch hauptsächlich Baptisten. Erst seit jene Bewegung sich verlief, geschah es, dass etliche derselben sich organisiert und als neue Sekten gebunden haben.

Während wir, wie der Leser bemerkt haben wird, über fast jeden Punkt mit Millers Auslegung und Schlüssen differieren - den Zweck, sowie die Art und Weise und die Zeit der Wiederkunft unseres Herrn in einem ganz verschiedenen Lichte sehen, - so erkennen wir doch, dass jene Bewegung nach Gottes Anordnung war und ein sehr wichtiges Werk vollbrachte in der Trennung, Reinigung, Läuterung eines wartenden Volkes, das es so dem Herrn bereitete. Und nicht nur zu jener Zeit verrichtete es ein Läuterungswerk, sondern hat seitdem immerfort, abgesehen von irgendwelcher Verbindung mit Millers Ansichten und Erwartungen, indem es auf das Studium der Weissagung und das zweite Kommen des Herrn eine gewisse Schmach brachte, dazu gedient, die Geweihten zu prüfen und zu erproben. Das bloße Erwähnen des Gegenstandes, der Prophezeiung und der Wiederkunft und des Königreiches des Herrn erregt jetzt die Verachtung der Weisen nach der Welt Lauf, besonders unter nominellen Kirchengliedern. Dies geschah ohne Zweifel nach der Vorsehung des Herrn und zu einem ähnlichen Zweck, wie die zeitweilige Sendung des Kindes Jesus nach Nazareth, damit er "der Nazarener genannt werde" (obwohl in Wirklichkeit in der ehrbaren Stadt Bethlehem geboren). Das war augenscheinlich in Ordnung, damit die Wahrheit die "wahren Israeliten" des erwählten Volkes Gottes von der Spreu trennen möchte. Die Spreu wurde durch die Aussage, dass unser Herr ein Nazarener sei, vertrieben, denn sie dachten: "Was kann aus Nazareth Gutes kommen?", gerade wie jetzt etliche verächtlich fragen: "Was kann aus dem Adventismus Gutes kommen?" und dem Zeugnis des Herrn, der Apostel und Propheten unbeachtet den Laufpass geben. Nicht so aber die Demütigen, die Heiligen, die Weisen nach Gottes Ansicht, obwohl töricht nach der Welt Meinung.

Doch die "Miller-Bewegung" war mehr als dies. Es war der Anfang des rechten Verständnisses der Vision von Daniels und die Prophezeiung zur rechten Zeit anzupassen. Millers Anwendung der 3½ Zeiten (1260 Jahre) war praktisch dieselbe, welche wir soeben gaben, aber er machte den Fehler, die Perioden von 1290 und 1335 Jahren nicht von demselben Punkt aus zu rechnen. Hätte er dies getan, so hätte er Recht gehabt. Er datierte sie aber 30 Jahre früher, ungefähr 509 statt 539, was die 1335 Tage 1844 statt 1874 zu Ende brachten. Nichtsdestoweniger war es der Anfang des rechten Verständnisses der Weissagung, denn alles in allem genommen, war die Periode von 1260 Jahren, die er richtig erkannt, der Schlüssel; und die Verkündung dieser Wahrheit (obwohl in Verbindung mit Irrtümern und falschen Anwendungen und irrigen Schlüssen) hatte die Wirkung, "viele zu reinigen und zu läutern", und dazu zur rechten vom Herrn vorhergesagten Zeit.

Da er die Art und Weise der Wiederkunft des Herrn nicht verstand, und eine plötzliche und sichtbare Erscheinung an einem Zeitpunkt erwartete, an dem er meinte, dass alle Zeitprophezeiung enden müsse, so war es sein Ziel und Streben, alle in einen gemeinsamen Endpunkt zusammen zu zwängen. Daher sein Fehlschlag - worüber hinaus Gott niemand weiteres Licht verlieh, da weiteres Licht noch nicht an der Zeit war.

William Miller war ein ernstes und geachtetes Glied der Baptisten-Gemeinschaft, und da er ein sorgfältiger Forscher in der Schrift war, fingen die Weissagungen an, sich ihm zu öffnen. Nachdem er selbst in sich völlig überzeugt war, dass seine Anwendungen richtig seien, fing er an, seine Ansichten unter den Predigern, zuerst besonders unter den Baptisten, zu verbreiten, später jedoch unter allen Klassen und in allen Benennungen. Als das Werk sich ausbreitete, reiste und predigte er mit vielen Mitarbeitern in ausgedehntem Maße. Der Anfang dieses Werkes unter den baptistischen Predigern fand, so nahe wie es aus dem Gedächtnis festgestellt werden kann, im Jahre 1829 statt. Der Älteste Fuller von der Baptisten - Gemeinde in Poultey, Vermont, war der erste Bekehrte, der öffentlich predigte. In einem etwa drei Jahre später geschriebenen Brief sagt Miller:

"Der Herr streut den Samen aus. Ich kann jetzt 8 Prediger zusammen zählen, die diese Lehre predigen, außer mir selbst. Ich kenne mehr als 100 einzelne Brüder, die sagen, sie hätten meine Ansicht angenommen. Doch dies mag sein, wie es will. "Die Wahrheit ist mächtig und wird siegen".

Hieraus ist zu ersehen, dass das Trennungswerk der "Miller-Bewegung" zur vorhergesagten Zeit - am Ende der 1290 Tage, im Jahre 1829 - seinen Anfang nahm.

Nun, was in Bezug auf die, die da ernstlich warten, bis die 1335 Tage erreicht sind? Wer hat so gewartet?

Etliche der Kinder Gottes, das "heilige Volk", der Schreiber unter ihrer Zahl, obwohl nicht mit der "Miller-Bewegung" verbunden, noch auch mit der später organisierten religiösen Gemeinschaft, die sich die "Zweite Advent-Gemeinschaft" nennt, warteten und "harrten ernstlich" auf Michaels Königreich; und mit Freuden legten wir Zeugnis ab von der "Glückseligkeit über die wunderbar klaren Entfaltungen des Planes unseres Vaters in und seit dem Herbst des Jahres 1874 - dem Ende der 1335 Tage.

Worte vermögen unser Glück und unsere Seligkeit nicht zu beschreiben! Nur wer im Geist durch diesen neuen Wein des Königreiches erfrischt worden ist, könnte es fassen, wenn wir es beschreiben könnten. Es ist daher etwas, das man mehr fühlen als sagen kann. Mit und seit dem Ende dieser prophetischen, symbolischen Tage war es, dass die köstlichen Erkenntnisse der Gegenwart des Herrn der "Ernte" dieses christlichen Zeitalters leben, und in der Zeit, da Michaels Königreich in der Aufrichtung begriffen, um die sterbende Welt wiederherzustellen und zu segnen und seine treue Braut zu erhöhen, zum Bewusstsein kamen.

O, der Seligkeit der gnadenreichen Zeit! O, die Harmonie, die Schönheit, die Großartigkeit des göttlichen Planes, als er sich auftat, da die 1335 Tage "erreicht" waren! Dieser "Glückseligkeit" Ausdruck zu verleihen, soweit es in unserem Vermögen liegt, und die vollere Entfaltung des göttlichen Planes, dessen Verständnis von Seiten des ganzen, jetzt lebenden "Heiligen Volkes" nunmehr fällig oder an der Zeit ist, darzutun, erscheinen diese Bände vom Millenniums-Tagesanbruch. Niemand, als nur das "heilige Volk" wird es verstehen. Es ist eine Gnadengabe. Kein Gottloser wird es verstehen: und diejenigen des "heiligen Volkes", die mit der Welt Gemeinschaft haben, die törichter Weise in der Versammlung der Gottlosen stehen und sitzen, da die Spötter sitzen, werden es nicht verstehen und nicht imstande sein, die Glückseligkeit zu kosten, die jetzt nur für die "Heiligen" und wahrhaft "Klugen" ist, die Lust haben am Gesetz des Herrn und reden von ihm (ihm nachsinnen) Tag und Nacht. - Ps. 1:1, 2.

Dieses allmähliche, vom Jahre 1829 an vor sich gehende Auftun der Botschaft betreffs des Königreiches Michaels, ist in der Offenbarung (Kap. 10:2, 8-10) symbolisch als ein "Büchlein" dargestellt, das die "Klugen" des "heiligen Volkes", die Johannes darstellt, zu essen angewiesen werden. Und die Erfahrung des Johannes ist, wie es Vers 10 ausdrückt, die Erfahrung aller, die diese Wahrheit empfangen. Es bringt wunderbare Süßigkeit: O, die Seligkeit! Doch die Nachwirkungen sind stets mehr oder weniger Beimischen der Bitterkeit der Verfolgung in die Süßigkeit. Die Wirkung aber an denen, die geduldig ausharren bis ans Ende, ist, sie zu reinigen und zu läutern, und so die Braut Christi zur Hochzeit und Erhöhung zu bereiten, welche gegen den Schluss des Tages der Vorbereitung hin vor sich gehen sollen.

In Bezug auf diese Enttäuschung, die, wie wir zeigten, trotzdem ein Segen und ein Anfang der rechten Auslegung des Gesichtes war, wurde der Prophet Habakuk gebraucht, ein Wort der Ermutigung zu schreiben. Er sagt (Kap. 2:2) "Schreibe das Gesicht, und grabe es in Tafeln (Karten) ein, damit (wer will) man es geläufig lesen könne... Wenn es verzieht, so harre sein (O, des Glückes für den, der da wartet bis zu den 1335 Tagen!), denn kommen wird es, und wird nicht ausbleiben": Der scheinbare Verzug war wirklich keiner, sondern zum Teil ein Fehler auf Seiten Millers, vom Herrn vorausgesehen und für die Prüfung seines "heiligen Volkes" zugelassen.

Als Beweis für die Hingebung, das Bibelstudium, den Glauben, welche durch diese Bewegung entzündet wurden, führen wir einige Auszüge an aus Millers Schreiben, nach der Enttäuschung von 1844, an diejenigen, die mit ihm enttäuscht wurden:

"Wir danken Gott allezeit eurethalben, wenn wir hören, wie wir schon haben, dass Eure und unsere jüngste Enttäuschung in euch, und wir hoffen auch in uns, eine tiefe Demütigung und sorgfältige Prüfung unserer Herzen bewirkt hat. Und obgleich wir durch den Spott eines gottlosen und verkehrten Geschlechtes gedemütigt werden und bis zu einem gewissen Grade Schmerz empfingen, so sind wir doch nicht in Schrecken versetzt und niedergeworfen. Ihr alle könnt, wenn Ihr nach dem Grund Eurer Hoffnung gefragt, Eure Bibeln aufschlagen und mit Demut und Furcht dem Fragenden zeigen, warum Ihr an "die herrliche Erscheinung des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christi glaubt". Ihr braucht in keinem einzigen Falle für den Grund Eures Glaubens den Fragenden an Euren Prediger zu verweisen. Euer Glaubensbekenntnis ist die Schrift;... Eure Philosophie ist die Weisheit, die von oben, von Gott, kommt; Euer Band der Einigkeit ist die Liebe und Gemeinschaft der Heiligen; Euer Lehrer ist der heilige Geist; und Euer Professor ist der Herr Jesus Christus... Wir ermahnen Euch bei aller Liebe und Gemeinschaft der Heiligen an dieser Hoffnung festzuhalten. Es ist von jeder Verheißung im Worte Gottes verbürgt. Es ist Euch durch zwei unwandelbare Tatsachen zugesichert - den Rat und Eid Gottes, denn es ist unmöglich, dass Gott lüge. Es ist verbrieft und versiegelt durch den Tod, das Blut, die Auferstehung und das Leben Jesu Christi... Nie fürchtet Euch, Brüder; Gott hat Euch gesagt, was Ihr sagen sollt. Tut, was er Euch sagt, und er wird nach den Folgen sehen. Gott sagt: Sagt ihnen: "Die Zeit ist herbeigekommen und alles, was geweissagt ist". (siehe Hesekiel 12:22-23) ... Es kommt mir fast wie augenfälliger Beweis vor, dass Gottes Hand in dieser Sache ist. Viele Tausende sind durch das Predigen der Zeit angetrieben worden, in der Schrift zu forschen. ... Gottes Weisheit hat zum großen Teil unseren Pfad vorgezeichnet, den er zu solchem Nutzen wie er in seiner Zeit und Weise hinausführen wird, erdacht hat."

Eins der Gleichnisse unseres Herrn ist ausdrücklich dazu gegeben, diese Wartezeit, von der Enttäuschung im Jahre 1844 an bis zum Aufgehen der Erkenntnis am Schluss der "1335 Tage", zu verdeutlichen. Es ist:

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen
- Matth. 25:1-12 -

Dieses Gleichnis beginnt mit "Alsdann". Dies zeigt an, dass es nicht zur Zeit des Herrn, sondern einmal in der Zukunft anwendbar sein werde. "Alsdann wird das (König-)Reich der Himmel (in seinem Embryo-Zustand in diesem Zeitalter - durch einige oder auch alle des heiligen Volkes, durch die, welche für die Erbschaft in jenem Königreich auf der Probe stehen, repräsentiert) gleich geworden sein zehn Jungfrauen, welche ihre Lampen nahmen und ausgingen dem Bräutigam entgegen. Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht."

Die Zahlen sind nicht bedeutsam; noch auch das Verhältnis. Das Gleichnis lehrt, dass da unter den Erben des Königreichs in der Erwartung, dem Bräutigam zu begegnen, eine Bewegung im Gange sein werde, in welcher zwei hier als "klug" und "töricht" beschriebene Klassen sich offenbaren würden. Das Wort Jungfrau bedeutet rein. So stellen in dem Gleichnis die Klugen wie die Törichten "heiliges Volk" vor. Ja wahrlich, wer den Bräutigam liebt und ihm zu begegnen wünscht, kann die Sünde nicht lieben; wenn auch viele von ihnen "töricht" sind.

Die in diesem Gleichnis vom Herrn vermerkte Bewegung entspricht genau einer, die noch im Fortschreiten begriffen, und die mit der "Miller-Bewegung" begann. Obwohl dieselbe von einem Baptisten angefangen wurde, so war sie dennoch eine sektenfreie Bewegung, an der die Frömmsten und Gläubigsten aller religiösen Gemeinschaften sich beteiligten. Berichte aus jener Zeit über ihren glühenden Eifer, usw., erfüllen unsere Herzen mit Bewunderung für Männer und Frauen, die ehrlich nach ihrer Überzeugung handelten - selbst wenn wir den Überzeugungen nicht beistimmen können. Geld wurde wie Wasser gespendet, um Traktate und Blätter in verschiedenen Sprachen zu drucken und die Botschaft in alle Welt auszusenden. Es heißt, dass in den Gemeinden aller religiösen Gemeinschaften ein lebendigerer Geist um sich griff, und dass in etlichen Gemeinden, in denen alle unter dem Einfluss dieser Lehren waren, diejenigen, welche Geld übrig hatten, es vor der Kanzel auf einen Tisch aufhäuften, wo es allen, die etwas bedurften, frei zur Verfügung lag; und die Feierlichkeit und die Überzeugung der Zeit war so groß, dass, so heißt es, das so dem Herrn geweihte Geld keines Wächters bedurfte, da, wer es nicht nötig hatte, es nicht anrührte.

Die Jungfrauen im Gleichnis haben alle zugerichtete und ihnen leuchtende Lampen. Diese Lampen stellen die heilige Schrift vor ("Dein Wort ist meines Fußes Leuchte" - Lampe); und solch ein allgemeines Zurichten der Lampen - Suchen in der Schrift - von Seiten aller Christen fand wohl nie zuvor statt. Das Öl stellt den Geist der Wahrheit vor. Der war damals in den Lampen aller offenbar. Aber nicht alle hatten den Geist der Wahrheit in sich selbst - in den Gefäßen."

Die Enttäuschung des Jahres 1844 ist im Gleichnis kurz durch die Aussage: "Der Bräutigam verzog" erzählt. Er schien den Wartenden zu zögern. Die Verwirrung und Dunkelheit, die über alle kamen, und die mannigfachen, verkehrten und auf eingebildete Visionen sich stützenden Ansichten, die bei manchen, welche die damalige Enttäuschung erlebten, Platz griffen, wird in dem Gleichnis mit den Worten dargestellt: "Als aber der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein." Ja, und in ihrer Finsternis und in ihrem Schlaf träumten viele davon sonderbare, unvernünftige Sachen.

Doch das Gleichnis zeigt noch eine zweite Bewegung unter denselben Jungfrauen, derselben ähnlich und doch verschieden von ihr. Dieselbe allgemeine Klasse ist gemeint, aber nicht notwendigerweise dieselben Persönlichkeiten. Wie die erste Bewegung dadurch entstand, dass sich über die Prophezeiung betreffs der Zeit des zweiten Advents des Messias, als der Bräutigam der Ekklesia (Herauswahl), Licht verbreitete, so ist es auch mit der zweiten Bewegung. Doch da ist auch mancher Unterschied vorhanden: Bei der ersten brannten die Lampen aller Jungfrauen gleichmäßig und die Schar, die den Bräutigam erwartete, war gemischt; während die zweite, wenn sie auch alle aufrüttelt, doch nur die hinaus führt, die den Geist der Wahrheit in ihren Herzen haben, sowie auch ein Verständnis der Bibel- eine zubereitete Lampe. Bei der ersten Bewegung war eine Enttäuschung vorhergesagt und ein Warten auf die 1335 prophetischen Tage nötig; aber die zweite war keine Enttäuschung, und kein längeres Warten nötig, denn es kam genau am Schluss der 1335 prophetischen Tage - im Oktober 1874. Gerade nach Ablauf der 1335 Tage "Wartezeit" war es, dass die Tatsache der Gegenwart unseres Herrn, wie es die schon besprochenen Prophezeiungen lehren, anfing, erkannt zu werden. Es war noch sehr früh am Morgen des neuen Zeitalters, es war sogar noch "Mitternacht", soweit es den tiefen Schlaf der Jungfrauen betraf, als der Ruf erscholl: "Siehe der Bräutigam!" - nicht: Siehe, der Bräutigam kommt, (Die ältesten griechischen Handschriften - sinaitische und vatikanische - lassen kommt aus, und lesen: "Siehe, der Bräutigam!" - Siehe Elb. Übers.) sondern: Siehe, er ist gekommen, und wir leben jetzt "in der (Parousia) Gegenwart des Sohnes des Menschen". Und dies war die Eigentümlichkeit der gegenwärtigen Bewegung, von damals bis heute, - es war eine Verkündigung der Gegenwart des Herrn und des jetzt im Fortschritt begriffenen Werkes des Königreiches. Der Schreiber und seine damaligen Mitarbeiter verkündigten die Tatsache der Gegenwart des Herrn, wiesen sie nach aus der Prophezeiung und verdeutlichten es auf Karten oder Tafeln (wie solche in diesem Buch gebraucht werden), bis zum Herbst des Jahres 1878, da Anstalten getroffen wurden zur Herausgabe des "Zions Wacht Turm, Verkünder der Gegenwart Christi", in englischer Sprache. Mit dem Beistand des Herrn trugen Millionen Exemplare dieser Zeitschrift die Botschaft, dass die Zeit erfüllt sei, und dass das Königreich Christi gerade jetzt in der Aufrichtung begriffen sei, während die menschlichen Reiche und Systeme bis zu ihrer gänzlichen Vernichtung zerbröckeln würden, in die weitesten Kreise.

Das Gleichnis warnt uns im Voraus, dass nicht alle Jungfrauen sehen können, wenn sie auch alle ihre Lampen herrichten. Nur wer Öl in seinem Gefäß hat (nur die völlig Geweihten und Treuen) können von ihren Lampen Licht empfangen und die Tatsachen würdigen. Die anderen (alle die da rein sind, die Jungfrauen) werden noch Öl und Licht bekommen und reichlich dadurch gesegnet werden; aber nur wer mit Öl, mit dem Geiste der Wahrheit, gefüllt ist, wird zur Zeit das Licht haben und den großen Segen empfangen. Nur diese gehen hinein mit dem Bräutigam zur Hochzeit. Das Öl, oder der Geist der Weihung (Gott - Ergebenheit) und sein begleitendes Licht kann von keiner Jungfrau einer anderen mitgeteilt werden. Jede muss für sich selbst vom Geist erfüllt sein; jede muss ihren eigenen Vorrat selbst holen; und der Preis in Gestalt von Selbstverleugnung, Verleumdung, Verkennung und Prüfungshitze ist beträchtlich. Die Erfahrung in der großen Zeit der Trübsal wird der Markt sein, auf dem die törichten Jungfrauen ihr Öl kaufen und suchen. Aber dann wird es zu spät sein, noch als Glieder der Braut, des Weibes des Lammes, zur Hochzeit einzugehen. Die Schrift zeigt uns aber, dass diese, die ihre Torheit bereuen, nicht verloren gehen sollen, sondern als "Gefäße zu geringeren Ehren", noch zu Ehren dem Hausherrn gebräuchlich gemacht, ihm in seinem Tempel dienen sollen.

In dem wir zu den Worten des Engels an Daniel zurückkehren, lesen wir Vers 12:13: "Du aber (Daniel) gehe hin bis zum Ende; und du wirst ruhen, und wirst auferstehen zu deinem Lose (Teil, Lohn) an (nach) dem Ende der (1335) Tage" - während der dann beginnenden Erntezeit.

"Bei dem Ausspruch: Gehe hin bis zum Ende, sollte beachtet werden, dass das Ende ganz etwas anderes bedeutet als die Zeit des Endes. "Die Ernte ist das Ende es Zeitalters, und die Ernte ist, wie wir schon gezeigt haben, die Periode von vierzig Jahren, vom Herbst des Jahres 1874, dem Endpunkt der "1335 Tage" an, bis zum Herbst des Jahres 1914. Daniel mitsamt aller heiligen Propheten, sowie auch mitsamt aller Heiligen des christlichen Zeitalters soll in diesem "Ende" oder in dieser "Ernte" - Zeit seinen Lohn oder sein Los im Königreiche Michael empfangen. Die Heiligen dieses Zeitalters jedoch kommen zuerst, sowohl der Zeit als auch dem Range nach (Heb.11:40).

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Studie 4

Die Reinigung des Heiligtums
2300 Tage - Daniel 8:10-26

Das wahre Heiligtum. - Die Verunreinigung. - Das Fundament. - Wie "niedergerissen". - Beweise hierfür aus römisch-katholischen Schriften angeführt. - Das Reinigen wird nicht vor 2300 Jahren nach der Vision geschehen. - Wie und wo begonnen, und wann es vollendet sein soll. - Die "goldenen Gefäße", Wahrheiten, müssen zurückgebracht werden.

In den vorhergehenden Kapiteln sahen wir, dass das anmaßende, eigentümliche "kleine Horn" von Dan. 7:8, 11, 20-26 und der Mensch der Sünde von 2. Thess. 2:3 und der von unserem Herrn vorhergesagte "Greuel der Verwüstung" (Matth. 24:15) ein und dasselbe sei; und ebenso, dass Dan. 8:9, 10, 23-25 auf dieselbe päpstliche Macht Bezug genommen ist. Wir haben zur Genüge für unseren gegenwärtigen Zweck und begrenzten Raum ihr Emporkommen, ihr Wesen, das Brechen ihrer erdrückenden Macht und ihre schließlich vollständige, noch in der Zukunft liegende Vernichtung untersucht.

Jetzt wollen wir eine andere Prophezeiung betrachten, welche die eine besondere, falsche Lehre oder den Fundamental- oder Haupt- Irrtum nachweist, der zur völligen Verwerfung jenes Systems von Seiten unseres Herrn führte und es in seinen Augen zu dem verwüstenden Greuel machte. Die jetzt zu untersuchende Prophezeiung zeigt ferner auch die Zeit, in welcher die wahre Ekklesia, die geweihte Klasse - das Heiligtum - von der durch das Papsttum bewirkten, greulichen Verunreinigung gereinigt werden würde.

Während das vorhergehende Kapitel uns gewisse Tage des Wartens und eine Läuterung dieser heiligen oder Heiligtums-Klasse vorführte, gibt uns diese Prophezeiung das Datum an, an dem ein Kern heiliger Gläubiger gänzlich von der päpstlichen Verunreinigung, von Irrtümern, usw., frei werden würden, und da die missbrauchten "goldenen Gefäße" oder köstlichen Wahrheiten wieder anfingen, dieser heiligen oder Heiligtums-Klasse anvertraut zu werden

Wir führen Dan. 8:10-26 wie folgt an:

"Und es ward groß bis zum Heere des Himmels (die Gesamtkirche beherrschend) und warf (etliche) von dem Heere und von den Sternen zur Erde nieder und zertrat sie. Selbst bis zu dem Fürsten des Heeres tat es groß. (Es maßt sich Ehre und Würde, und wandte auf sich Prophezeiungen und Titel an, die Jesum Christum, dem wahren Fürsten oder Oberhaupte der Ekklesia, Herauswahl, gehören).Und es nahm ihm (Christum) das beständige Opfer weg und die Stätte seines Heiligtums wurde niedergeworfen. Und das Heer (Volk) wurde dahin gegeben samt dem beständigen Opfer, um des Abfalles willen: und es warf die Wahrheit zu Boden und handelte und hatte Gelingen.

"Und ich hörte einen Heiligen reden; und ein Heiliger sprach zu jenem, der da redete: Bis wann geht das Gesicht von dem beständigen Opfer und von dem verwüstenden Abfall, dass sowohl Heiligtum als auch das Heer zur Zertretung hingegeben ist? Und er sprach zu mir: Bis auf 2300 Abenden und Morgen (Tagen), dann wird das Heiligtum (gereinigt) gerechtfertigt sein.

"Und es geschah, als ich, Daniel, das Gesicht sah, da suchte ich Verständnis darüber, und siehe, da stand vor mir, wie die Gestalt eines Mannes. Und ich hörte eine Menschenstimme zwischen den Ufern des Ulia, welche rief und sprach: Gabriel, gib diesem das Gesicht zu verstehen! Und er trat an den Ort, da ich stand; und als er herzu trat, erschrak ich und fiel nieder auf mein Angesicht. Und er sprach zu mir: Merke auf, Menschensohn! Denn auf die Zeit des Endes geht das Gesicht. Und als er mit mir redete, sank ich betäubt auf mein Angesicht zur Erde. Er aber rührte mich an und stellte mich auf meinen früheren Standort. Und er sprach: Siehe, ich will dir kundtun, was in der letzten Zeit des Zornes geschehen wird, denn es geht auf die bestimmte Zeit des Endes.

"Der Widder mit den zwei Hörnern, welchen du gesehen hast, sind die Könige von Medien und Persien. Und der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland; und das große Horn, das zwischen seinen Augen war, ist der erste König. Und dass es zerbrach und vier an seiner Statt aufkamen: vier Königreiche werden aus dieser Nation aufstehen, aber nicht mit seiner Macht. Und am Ende ihres Königtums, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben werden (vergl. 1. Mose 15:16), wird ein König (das Papsttum) aufstehen frechen Angesichts und der Ränke kundig. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht seine eigene Macht (das Papsttum benutzte die Macht der verschiedenen Nationen Europas, um sich zu stärken); und er wird erstaunliches Verderben anrichten, und Gelingen haben und handeln; und er wird Starke und das Volk der Heiligen verderben. Und durch seine Klugheit wird der Trug in seiner Hand gelingen; und er wird in seinem Herzen grosstun, und unversehens viele verderben. Und gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich (als Antichrist) auflehnen, aber ohne Menschenhand zerschmettert werden. Und das Gesicht (der Teil desselben) von den Abenden und von den Morgen, wovon gesprochen worden (dass da bis zur Reinigung 2300 Tage sein würden), ist Wahrheit; und du verschließe das Gesicht, denn es sind noch viele Tage bis dahin."

Wir lassen uns nicht auf eine ins Einzelne gehende Erklärung des Widders, des Ziegenbocks, der Hörner, usw., die in diesen und den vorhergehenden Versen erwähnt werden, ein, da wir glauben, dass dies schon deutlich gemacht worden ist. (siehe Studie 2). Wir haben schon gesehen, dass Rom, welches in Kapitel 7 als ein besonderes Tier mit seinen eigenen Hörnern, und in Kapitel 2 als die Beine und Füße des Standbildes behandelt wurde, hier (Kap. 7) als eins der Hörner des griechischen "Ziegenbocks" behandelt wird, das, nachdem es gegen Süden und Osten als bürgerliches oder kaiserliches Rom groß geworden war, einem Wechsel unterworfen wurde und als päpstliches Rom "groß ward bis zum Heer des Himmels". Das heißt, es wurde eine kirchliche Macht oder ein Reich über das Heer oder Volk. Und das selbe Verfahren, das römische Reich als einen Zweig oder Schössling aus einem der Teile des griechischen Reiches zu behandeln, wird in der geschichtlichen Prophezeiung von Kapitel 11 innegehalten.

Das hier erwähnte beständige Opfer, meint man gewöhnlich, beziehe sich auf das tägliche oder beständige Brandopfer der Juden zu Jerusalem; und das Hinweg nehmen dieses beständigen Opfers ist, wie schon erzählt, dem Antiochus Epiphanes zur Last gelegt worden. Die Weissagung geht jedoch an dem vorbildlichen Tempel oder Heiligtum und an den vorbildlichen Brandopfern vorbei und handelt von dem gegen bildlichen Heiligtum oder Tempel Gottes, der christlichen Ekklesia (2. Kor. 6:16), und von dem gegen bildlichen Brandopfer, dem ein für alle mal und für alle gegebenen, verdienstvollen Opfer Christi, das da das beständige, ewig gültige Opfer für die Sünden der ganzen Welt ist.

Christi beständiges Opfer war nicht eigentlich vom Papsttum abgetan oder beseitigt, aber es war durch die falsche, von demselben vorgetragene Lehre verdrängt, - was nach und nach, und schließlich vollständig, den Wert des Opfers Christi, als des beständigen und stets wirksamen, auf die Seite schob. Diese falsche Lehre ist bekannt als die Messe oder das Mess-Opfer.

Im Allgemeinen missverstehen Protestanten dieses sogenannte Sakrament gänzlich. Sie meinen, es sei bloß eine verschiedene Art das Abendmahl zu feiern. Andere haben die Idee, es sei irgend ein besonderes Gebet. Aber diese Ideen sind ganz irrtümlich. Die römisch-katholische Lehre von der Messe ist diese: Der Tod Christi, behaupten sie, beseitigte die adamische oder Erbsünde, ist aber auf unsere täglichen Fehler, Schwächen, Sünden und Unterlassungen nicht anwendbar; er ist kein beständiges, stets für alle Sünden gültiges Opfer, stets genügend und wirksam, wie ein Kleid jegliche Sünden aller Sünder zu bedecken, so dass der Reumütige zur Vereinigung und Gemeinschaft mit Gott zurückkommen kann. Für alle solche Sünden ist das Messopfer eingesetzt, das man als eine weitere Entwicklung des Opfers auf Golgatha zu betrachten hat. Jedes Mal, wenn die Messe als Opfer dargebracht wird, ist es ein frisches Opfer Christi für die besonderen Personen und Sünden, für welche der Priester es darbringt und in seinem Sinne es anwendet.

Der so aufs neue zu opfernde Christus wird zuerst von dem handelnden Priester aus Weizenbrot und Wein "erschaffen". Es ist gewöhnliches Brot und Wein, bis es auf den Altar gelegt wird, da, wie behauptet wird, gewisse Weih-Worte das Brot und den in das wirkliche Fleisch und Blut Christi verwandeln. Dann sind sie nicht länger mehr Brot und Wein, wenn sie es auch noch zu sein scheinen. Diese Verwandlung wird Transubstantiation-Umwandlung der Substanz- genannt. Die fünf magischen, lateinischen Worte, welche, wie man vorgibt, diese Verwandlung des Brotes und Weines in tatsächliches Fleisch und Blut bewirken, sind: "Hoc est autem corpus meum". Irgend ein Priester, behauptet man, kann so Christus aufs neue im Fleisch erschaffen, damit er aufs neue geopfert werde. Nachdem nun Christus so erschaffen ist, ertönt eine Schelle, und Priester und Leute fallen nieder und beten an und verehren das Brot und den Wein, die sie nun für den wahrhaftigen Christus halten. Nachdem dies geschehen, wird das Brot (in Wirklichkeit, so sagen sie, das den Sinnen verborgene Fleisch Christi) gebrochen. So wird Christus für die besonderen Sünden, die man dadurch beseitigen will, wiederholt geschlachtet oder aufs neue geopfert.

Um diese ungereimte Theorie auszuführen und zu versuchen, sie mit sich selbst in Einklang zu setzen, haben römisch-katholische Konzilien zahlreiche und lange Dekrete und Erklärungen erlassen und kluge(?) Theologen theologische Werke geschrieben. Darin wird gelehrt, dass, wenn ein Tropfen des "Blutes" (Weines) vergossen wird, derselbe sorgfältig aufbewahrt und verbrannt werden müsse; und die Asche in heiliger Erde begraben werden müsse; und ebenso darf vom Brot-" dem Fleisch Christi" - nicht eine Krume verloren gehen. Man muss sorgfältig verhüten, dass ja keine Fliege in das "Blut" (den Wein) gerate, oder dass eine Maus oder ein Hund etwa eine Krume des gebrochenen "Fleisches" (Brotes) erhasche. Und Dr. Dens, einer ihrer leitenden Theologen, erklärt, dass "Wenn eine Maus oder ein Hund die sakramentalen Bestandteile verzehre, so verzehren sie dieselben nicht auf sakramentale Weise. Dies beweist jedoch nicht, dass der Leib Christi dann unter den Bestandteilen zu existieren aufhöre". (Traktat von Dr. Dens über die Eucharistie, Seite 314)

Der amerikanische römisch-katholische Katechismus stellt die Lehre folgendermaßen dar:

"Frage: Was ist die heilige Eucharistie?

Antwort: Es ist ein Sakrament, welches unter der Gestalt und Erscheinung von Brot und Wein den Leib und das Blut, die Seele und Gottheit Jesu Christi enthält.

Frage: Ist es nicht Brot und Wein, was zuerst zur Feier der Messe auf den Altar gelegt wird?

Antwort: Ja, es ist so lange Brot und Wein, bis der Priester während der Messe die Weihungsworte darüber spricht.

Frage: Was geschieht bei diesen Worten?

Antwort: Das Brot wird in den Leib Jesu Christi, und der Wein in sein Blut verwandelt.

Frage: Wie nennt man diese Verwandlung?

Antwort: Es wird Transubstantiation genannt; das heißt, ein Wechsel aus einer Substanz in eine andere. ...

Frage: Was ist die Messe?

Antwort: Die Messe ist das "beständige" (oder tägliche) Opfer des neuen Gesetzes, worin Christus unser Herr sich in einer unblutigen Weise unter der Erscheinungsform von Brot und Wein seinem Vater durch die Hand des Priesters opfert, wie er sich einst auf blutige Weise am Kreuze aufopferte.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen dem Messopfer und dem Opfer am Kreuze?

Antwort: Das Messopfer ist dem Wesen nach dasselbe, wie das am Kreuze, der einige Unterschied ist nur die Art und Weise des Opferns.

Frage: Welche Wirkung hat die Messe als Versöhnungs- (Genugtuungs-) Opfer?

Antwort: Durch dasselbe erlangen wir von der göttlichen Barmherzigkeit, zuerst die Gnaden der Reue und Buße zur Vergebung der Sünden; und zweitens, Erlassung zeitlicher, durch Sünden verdienter Strafen.

Frage: Wem kommen die Früchte (Wohltaten) der Messe zu gut?

Antwort: Die allgemeinen Früchte der ganzen Kirche, sowohl den Lebenden als den Toten, zu gut. Die besonderen Früchte kommen zu gut, erstens und hauptsächlich dem Priester, der die Messe feiert; sodann denen, für die er die Insonderheit darbringt; und drittens denen, die ehrerbietig beiwohnen."

Die gleiche Autorität sagt: "Der Opfernde ist ein Priester: das sichtbare Ding, das geopfert wird, heißt das Victim (zu Opfernde); der Ort, da es geopfert wird, wird der Altar genannt. Diese vier - Priester, Victim, Altar und Opfer - sind unzertrennlich. Ein jedes derselben erfordert die anderen".

Wiederum sagt sie bei der Erklärung der Zeremonie vom Priester: "Dann spricht er die mysteriösen Weih-Worte, betet an, macht eine Kniebeugung und erhebt den heiligen Leib und das heilige Blut über sein Haupt. Beim Ertönen der Schelle beten die Leute auf den Knien an und schlagen an ihre Brust als Zeichen der Reue für ihre Sünden. Der Priester bittet Gott, gnädiglich das Opfer anzunehmen."

Wir beschließen das Zeugnis über diesen Gegenstand durch eine kurze Anführung aus den Kanons (den Regeln) des Konzils von Trent:

Kanon 3. "Wenn jemand sagen wird, dass die Messe nur ein Lob- und Dank-Gottesdienst sei, oder eine bloße Gedächtnisfeier des am Kreuz gebrachten Opfers und kein Versöhnungsopfer (d.i. ein Opfer, das für sich selbst Sünden versühnt); oder dass es nur dem zu gute kommt, der es empfängt, und nicht für die Lebenden und die Toten, für Sünden, Strafen, Genugtuung und anderem, was nötig, geopfert werden sollte: (wer so die Macht dieses Opfers leugnet) der sei verflucht."

So sehen wir deutlich, dass das Papsttum an Stelle des einen beständigen, vollständigen, nie zu wiederholenden, ein für allemal geschehenen Opfers auf Golgatha ein falsches oder Schein-Opfer eingeführt hat. So entzog das Papsttum dem Werk Christi, was ihm gebührte, dass es als das beständige Opfer recht gewürdigt wurde, indem es an dessen Stelle eine von ihren eigenen Priestern gemachte Erfindung setzte. Es ist unnötig, hier im Einzelnen den Grund anzugeben, warum das Papsttum das wahre, beständige Opfer verleugnete und auf die Seite und dafür den "Greuel", die Messe, an dessen Stelle setzte, denn die meisten unserer Leser wissen, dass diese Lehre, dass der Priester in der Messe ein Opfer für die Sünden darbringt, ohne welches sie nicht beseitigt werden können, all den verschiedenen Schachzügen der Kirche Roms, um für alle ihre Extravaganzen und ihren Luxus den Leuten das Geld zu entziehen, zu Grunde liegt. Die "Absolutionen", der "Ablass", oder Sündenerlassung, und all die verschiedenen, vorgeblichen Wohltaten, Gnaden, Vorzüge und Gerechtsamen für dieses oder jenes Leben, für die Lebenden oder die Toten, sind auf diese gotteslästerliche Lehre der Messe, die Grundirrlehre des großen Abfalls, gegründet. Vermöge der Macht und Autorität, welche dieselbe auf den Priester legt, geschieht es, dass er gotteslästerlich behauptet, die verschiedenen Befugnisse auszuüben, die Christus allein zukommen.

Als Beweis dafür, dass dieser Irrtum ein so gründlicher ist, beachte man, dass die Reformation in Deutschland und in der Schweiz, obwohl sie mit der Opposition gegen den Ablass anfing, gar bald eine Frage betreffs der Transubstantiation und des Messopfers wurde. Die Stellung Luthers, Zwinglis, Melanchthons und ihrer Mitarbeiter war, dass wir durch den Glauben an das auf Golgatha vollbrachte Opfer und nicht durch das Messopfer, Ablässe, usw., die in Anbetracht dessen bewilligt wurden, gerechtfertigt werden. Und in der Tat, diese Frage betreffs der Messe lag fast allen Protesten gegen den Romanismus und fast allen Verfolgungen Roms zu Grunde. Bischof Tilotson bemerkte: "Dies (die Transubstantiation - die Messe) war in der Kirche Roms die große brennende Frage; und so absurd und unvernünftig sie ist, um ihrer Verneinung willen sind mehr Christen ermordet worden als vielleicht für alle anderen Glaubensartikel."

Natürlich behaupten die Römischen, dass die Messe von Christo und den Aposteln eingeführt worden sei; die früheste Erwähnung derselben aber, die sich finden lässt, war bei dem Konzil von Konstantinopel, im Jahre 381. Auf den Zeitpunkt der Einführung dieses verderblichen Irrtums nimmt die Weissagung jedoch nicht besonders Bezug, außer, dass das Papsttum vermöge dieses allem zu Grunde liegenden Irrtums "der Greuel der Verwüstung" wurde, ehe es als solcher in Macht "aufgestellt" wurde, was, wie wir gesehen haben, im Jahre 539 stattfand.

Die Prophezeiung lautet: "Es nahm ihm (Christum) das beständige Opfer weg" und fügt dann hinzu: "Und die Stätte (das Fundament) seines Heiligtums wurde niedergeworfen." Das Fundament, auf dem die wahrhaft geweihte Klasse aufgebaut ist, ist dass unser Herr Jesus durch das eine Opfer seiner selbst für immer all die geheiligt und annehmbar gemacht, die durch ihn zu Gott kommen, ohne irgend welchen anderen Mittler, ohne Priester oder Bischof oder Papst, und ohne irgend ein anderes Opfer. Jedes andere ist ein Greuel in Gottes Augen, weil es stillschweigend die Ungenügsamkeit des großen Lösegeldes Christi lehrt. - Heb. 7:25; 10:14

Diese Lehre vom Lösegeld ist das Fundament des Heiligtums oder des heiligen Tempels- der geweihten Herauswahl. Und als dieses "Beständige" beseitigt, bedeutungslos gemacht oder umgestoßen worden war, da traten die vom Propheten vorhergesagten üblen Folgen ein: Das Heer (die professionellen Christen), leicht geführt durch das falsche System, das sich (in der Person ihres Hauptes, des Papstes) selbst erhöhte, sogar bis zum Fürsten oder Herrscher über das Heer, verfiel dem Irrtum. "Und es warf die Wahrheit zu Boden", zusammen mit solchen aus dem Heere, und unter den Lichtern oder Lehrern, die an der Wahrheit festhielten und in dessen Bahn der Übertretung nicht eintreten wollten. Und wie wir in vorhergehenden Kapiteln gesehen haben, es glückte ihm all sein Tun wunderbar.

Wenn das eigentliche Fundament wahren christlichen Glaubens so beiseite geworfen ist, ist es da ein Wunder, dass der große Abfall in solche Tiefen der Gottlosigkeit führte, wie er tat? Ein Irrtum führte zu dem anderen, bis nur eine äußere Form von Wahrheit und Gottseligkeit übrig blieb, und der verwüstende Greuel sich in den Tempel Gottes setzte und sowohl das Heiligtum als auch das Heer entweihte, und sein Haupt sich als der Vikar oder Stellvertreter Christi selbst erhöhte.

Inmitten dieser Szenen des Erfolges des Greuels der Verwüstung, hört Daniel die Heiligen, die Geweihten, fragen: "Bis wann geht das Gesicht vom beständigen Opfer und von dem verwüstenden Frevel (Abfall), dass sowohl Heiligtum als auch das Heer zur Zerstreuung hingegeben ist? Die ganze Zeit hindurch, seit der Greuel aufgerichtet war, hat es Heilige gegeben, die sein wahres Wesen und seine Verunreinigungen mehr oder weniger bestimmt erkannten und ernstlich zu erkennen suchten und zu Gott riefen: Wie lange, O Herr! soll die Wahrheit in den Staub getreten werden und dem Irrtum, der Gotteslästerung und dem Greuel erlaubt sein, Erfolg zu haben? - Wie lange soll der Antichrist "trunken mit dem Blute der Heiligen und Märtyrer Jesu" und mit seinem erstaunlichen Erfolg fortfahren, die Völker trunken zu machen und zu verführen? (Offb. 17:2, 6, 14:8, 18:3). Und ihre Frage und die Daniels und unsere im Voraus stellend, gab Gott durch seinen Boten auch die Antwort im Voraus; und obwohl die Ausdrücke noch nicht einmal anfänglich vor der Zeit des Endes verstanden werden konnten, so gab das Bestimmen oder Begrenzen der Zeit anderen sowie auch Daniel die Gewissheit, dass Gott die Umstände völlig beherrscht, so dass nichts geschehen kann. was er nicht lenkt und schließlich zum Guten überwaltet. Diese Antwort bezeichnet nicht den Anfang des Reinigungswerkes, sondern eine Periode, da es bis zu einem gewissen Grade vollendet sein würde. Es lautet:

"Bis auf 2300 Tage, da wird das Heiligtum gereinigt sein."

Bei der Untersuchung dieser Zeitperiode wird dem Forschenden sofort der Umstand auffallen, dass hier nicht buchstäbliche Tage gemeint sein können. Denn 2300 Tage würden weniger als acht Jahre sein, und doch deckt die Weissagung augenscheinlich die ganze lange Periode der Entweihung des Heiligtums und der Übertretung der Wahrheit. Wiederum bemerken wir, dass es vorhergesagt ist, dass diese 2300 Tage irgend wann in dem Zeitraum enden würden, der "Die Zeit des Endes" genannt wird, denn Gabriel sagt: "Merke auf, Menschensohn! Denn das Gesicht geht auf die Zeit des Endes"; und ferner: "Siehe, ich will dir kundtun, was in der letzten Zeit des Zornes gesehen wird, denn es (das Verständnis) geht auf die bestimmte Zeit des Endes."

In seiner Erklärung durchschreitet Gabriel die ganze Erscheinung teilweise die verschiedenen Sinnbilder erklärend, und schließt mit der Versicherung ab, dass 2300 Tage das genaue Maß von allem sei. Daniel, der besonders an Israel dachte, und an die Erfüllung der Verheißungen Gottes an die Väter, verstand, dass all das, was er gehört, nicht in 2300 buchstäblichen Tagen geschehen könnte, besonders als Gabriel zu ihm sagte: "Und du, verschließe das Gesicht", denn es sind noch viele Tage bis dahin (zu seiner Erfüllung)" (Dan. 8:26). Und obwohl er nicht wusste, wie lang jeder symbolische Tag sein würde, war er doch von Herzen betrübt bei dem Gedanken an so vieles Böse, das über Gottes Volk kommen sollte - auch sah er den Wechsel dieses Namens vom fleischlichen zum geistlichen Israel nicht. Wir lesen: "Ich, Daniel, war dahin und war einige Tage krank" und "war entsetzt über das Gesicht, und niemand verstand es". Es war gut für Daniel, und für Gottes Kinder alle, von damals an bis zur Zeit des Endes, dass die schreckliche Bedeutung jener Erscheinung über die päpstliche Macht und Verfolgung und über das Leiden der Geweihten, nicht im Voraus deutlicher geoffenbart war. Unser barmherziger, himmlischer Vater, obwohl er sein Volk in dem Feuerofen des Leidens und der Verfolgung prüfen will, um es für die verheißene, über alle Maßen wichtige Herrlichkeit zuzubereiten, handelt doch mit uns nach dem Grundsatz: "Jeder Tag soll seine eigene Plage haben."

Daniel, der sich mehr für Israel als für den persischen "Widder" oder für den griechischen "Ziegenbock" interessierte, wusste aus Jeremias Weissagung, dass die 70 Jahre der Gefangenschaft in Babylon eine über Israel für seine Sünden verhängte Strafe war, und so schloss er nun von dem Gesicht über zukünftige Verfolgungen (statt über Erhöhung und Herrlichkeit, wie er erwartet hatte), dass es Israels Sünde und Gottes Zorn bedeute. Daher betete er ernstlich um Vergebung der Sünden Israels und um die Erfüllung der den Vätern gemachten Verheißung. Dies wird in Dan. 9: 2-19 in wenigen Worten erzählt. Daniel sah nicht den vollen Umfang des göttlichen Planes, wie es uns gestattet ist; nichts desto weniger gefiel Gott sein Ernst und sein Glaube an die Verheißungen, und daher offenbarte er ihm noch etwas mehr betreffs dieser Erscheinung, im Zuwachs oder weiteren Ausbau derselben in den Zügen, die sich besonders auf das fleischliche Israel bezogen. Daniel meinte, dass das Ende der siebzigjährigen Verwüstung des Landes Israel, während dessen Volk in Babylon war, sich noch viele (2300) Tage hinauszöge. Gott korrigierte diesen Irrtum, indem er Gabriel sendet, um ihm zu berichten, dass die Gefangenschaft mit dem Ablauf der 70 Jahre enden würde, und dass die Stadt Jerusalem und der Tempel, wenn auch in trübseliger Zeit, wieder erbaut werden würde.

Als Daniel über dieses Gesicht von 2300 Tagen betete, und weil er es so missverstand, als ob es eine Verlängerung der 70-jährigen Gefangenschaft in Babylon bedeute, wurde Gabriel zu ihm gesandt, um diese missverstandene Vision des weiteren folgendermaßen zu erklären:

"Und er gab mir Verständnis und redete mit mir und sprach: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, dich Verständnis zu lehren. Im Anfang deines Flehens ist ein (weiteres) Wort (der Erklärung über Gottes Plan) ausgegangen, und ich bin gekommen, um es dir kundzutun, denn du bist ein Vielgeliebter. So merke nun auf das Wort und verstehe das Gesicht (von den 2300 Tagen): 70 Wochen (70 x 7 = 490 Tage) sind über dein Volk (Israel) und über deine heilige Stadt (Jerusalem) bestimmt, usw." - Dan. 9:21-27

Der Punkt, der hier besonders zu beachten ist, ist der, dass die 490 Tage ein Teil der 2300 Tage sind - ein Teil, der in Erhörung des Flehens Daniels um die Wiederherstellung Israels aus Babylon, als für denselben von besonderem Interesse bezeichnet wurde. (siehe Verse 12:16-18). Da diese siebzig Wochen oder 490 Tage der erste Teil der 2300 Tage waren, so dient ihre Erfüllung nicht nur dazu, uns zu zeigen, wann die 2300 Tage anfingen, sondern auch welcherlei Zeit (ob buchstäbliche oder symbolische) gemeint war. (siehe 1. Petr. 1:11). Und noch mehr als dies; die Erfüllung dieser Weissagung von den "siebzig Wochen" musste dazu dienen, Daniel als einen wahren Propheten zu besiegeln und ebenso all seine Weissagungen: und besonders musste es dieses "Gesicht" von den 2300 Tagen besiegeln. So war es vorhergesagt, dass die siebzig Wochen unter anderem dazu dienen sollten, "zu versiegeln Gesicht und Prophet".

Wohl an denn, in Anerkenntnis, dass die symbolischen siebzig Wochen oder 490 Tage als in Jahren erfüllt ein Siegel der 2300 Tage sein sollten, fangen wir da zu messen an, um zu sehen, wo der ganze Abschnitt erfüllt sein wird. Von den 2300 die 490 am ersten Advent erfüllten abziehend, erhalten wir als Rest 1810. So müssen also 1810 Jahre (prophetische, symbolische Tage) das Maß vom Schluss der siebzig Wochen bis zu der Zeit sein, da die Heiligtum Klasse von den verschiedenen Verunreinigungen des Papsttums - des verwüstenden Greuels, der so lange Jahrhunderte den Tempel Gottes verunstaltet hatte - gereinigt sein werde.

Der Tod des Messias fand, wie gezeigt, im Frühjahr des Jahres 33 statt, und dies war die Mitte oder in Mitten der letzten der siebzig Wochen. Das volle Ende derselben war daher eine halbe Woche oder 3½ Jahre später - im Herbst des Jahres 36. So markiert also der Herbst des Jahres 1846 (1810 Jahre seit dem Herbst 36) das Ende des Gesichts von den 2300 Tagen und das Datum, da das Heiligtum gereinigt werden sollte.

Da diese Prophezeiung erfüllt ist, so sollten wir in dieser, wie in anderen Fällen erfüllter Prophezeiung, erwarten, die Tatsachen, die ihre Erfüllung beweisen, deutlich auf den Blättern der Geschichte verzeichnet zu finden, denn obwohl Geschichtsschreiber häufig der Bibel und Gott gegenüber ungläubig sind, so hat doch Gott ihnen unbewusst, ihr Werk überwaltet, so dass wo immer eine Weissagung erfüllt worden ist, die Tatsachen unfehlbar in der Geschichte eingefügt worden sind, und stets auf gute und zuverlässige Autorität hin. So war es auch in diesem Falle, bei der Reinigung des Heiligtums.

Von allen neueren Historikern, ausgenommen römisch katholischen Schriftstellern, die es den großen Abfall nennen, finden wir es beglaubigt, dass das, was sie alle die große Reformation nennen, im 16. Jahrhundert seinen Anfang nahm; und mit dieser Reformation kann die Reinigung des Heiligtums als anfangend gerechnet werden. Lasst uns im Sinn behalten, dass das Heiligtum durch das Hereinbringen verschiedener Irrtümer mit ihren entsprechenden üblen Wirkungen verderbt wurde, und dass der Höhepunkt derselben in der Einführung der Messe erreicht war, und dass im Gefolge dieses Irrtums die tiefste Degradation (Gesunkenheit) des "Heeres" (der Masse der nominellen Kirche) eintrat, die, wie gezeigt, in dem schamlosen Feilbieten von "Ablass" gipfelte, was zum Teil die Reformbewegung hervorrief. Obwohl die Heiligtums-Klasse auch in einem gewissen Grade verunreinigt, d.i. in diesen Irrtum verführt war, so öffneten doch die schrecklichen Folgen ihre Augen ihm gegenüber; und dem entsprechend finden wir, dass der Grundton der großen Reformation die Rechtfertigung durch den Glauben an das "beständige Opfer" Christi war, das keiner Wiederholung bedurfte und einer Vergebung widerspricht, die vermeintlich durch Büßungen und Messen an den beschmutzten Altären des Antichristen erlangt werde.

Das war die rechte Stelle, wo Reformation (Verbesserung) ihren Anfang nehmen sollte: Am Fundament - bei der Rechtfertigung (Reinigung) durch den Glauben an "Das Beständige". Doch beachte, die Prophezeiung deutet keine Reinigung des Heeres (der Masse) zu dieser Zeit an, sondern nur der Heiligtum Klasse. Noch auch ist das Heer gereinigt worden. Es hielt den Irrtum noch fest, und tut es bis auf diesen Tag; aber die geweihte Klasse, das Heiligtum, entsagte dem Irrtum und litt um der Wahrheit willen, viele davon selbst bis zum Tode.

Doch dies war nur der Anfang des Reinigungswerkes, denn die jetzt erwachende Klasse entdeckte bald, dass die verunreinigenden Irrtümer sich sehr vervielfältigt hatten, während das Papsttum am Ruder war. Luther, der leitende Geist der Reformation, machte nicht bei einem Irrtum halt, sondern versuchte viele an­dere auszufegen und nagelte am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg fünfundneunzig Thesen gegen die Lehren des Papsttums, (und drei Jahre später veröffentlichte er eine Verteidigungsschrift, wovon Artikel 27 die Unsterblichkeit des Menschen leugnete). Als diese Sätze von Papst Leo X. als Ketzerei verworfen worden waren, verwarf Luther in seiner Antwort in rückhaltlosen Ausdrücken die Lehren der Transubstantiation, der menschlichen Unsterblichkeit, und die Behauptung der Päpste "der Kaiser der Welt, der König des Himmels, und der Gott auf Erden" zu sein, und bezeichnet sie als "monströse Meinungen, die in dem römischen Misthaufen von Dekretalien (päpstlichen Entscheidungen) zu finden" seien.

Doch ach! Das so edel und mutig begonnene Reinigungswerk war zu gründlich, um populär zu sein, und die Freunde und Bewunderer Luthers und seiner Gehilfen bekämpften und beschwichtigten sie in einem gewissen Grade durch Politik, Klugheit, "Schmeicheleien" und Verheißung von Hilfe und Erfolg, vorausgesetzt ihr Verfahren richte sich mehr nach den Eingebungen der Weisheit dieser Welt. (siehe Dan. 11:34, 35). Mehrere deutsche Fürsten wurden glühende Bewunderer der kühnen Reformatoren, die sowohl das Vermögen als auch den Mut hatten, das System anzugreifen, vor dem jahrhundertlang Könige gezittert hatten. Diese Fürsten unterstützten die Reformatoren und deren Hilfe erschien den letzteren zum Erfolg der Bewegung unentbehrlich zu sein; und als Gegendienst empfingen jene von Seiten der Reformation die Anerkennung ihrer königlichen Rechte(?).

Wir sollten auch bedenken, dass die Reform-Bewegung nicht nur eine Erhebung gegen religiöse Tyrannen war, sondern zugleich auch gegen politische; und diese beiden Arten von Verbesserern wurden mehr oder weniger durch Sympathie und Zusammenwirken einander näher gebracht. Betreffs dieser Reformations-Aera sagt Professor Fischer (Fischers Universalgeschichte, Seite 402-412):

Von der Schweiz: "Zwinglis Anstrengungen als Kirchenverbesserer waren gemischt mit patriotischem Eifer für die sittliche und politische Wiedergeburt der Schweiz."

Von Calvins Zeit und der Genfer Regierung sagt er: "Auf die bürgerliche Revolution folgte eine kirchliche. Der Protestantismus wurde (1535) gesetzlich eingeführt. Calvin wurde tatsächlicher Gesetzgeber der Stadt. Es war ein kirchlicher Staat."

Von Skandinavien: "In den skandinavischen Ländern wurde vermittelst der Reformation königliche Macht aufgebaut."

Von Dänemark: "Die neue (protestantische) Lehre war ins Land gekommen und breitete sich aus. Der Adel, nach den Besitzungen der (römisch-katholischen) Kirche lüstern, schlug sich auf ihre Seite."

Von Schweden: "Eine große politische Revolution erfolgte, die auch eine religiöse Umwälzung in sich schloss."

Von Deutschland: "Die Drohungen gegen die protestantischen Fürsten bewogen sie, zum gegenseitigen Schutze, den Schmalkaldischen Bund zu schließen. Man fand es unmöglich, die Maßnahmen der Unterdrückung gegen die Lutheraner auszuführen." "Auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1555 wurde der religiöse Friede geschlossen. Jedem Fürsten sollte gestattet sein, zwischen der katholischen Religion und der Augsburger Konfession (dem Bekenntnis der Reformatoren) zu wählen; und die Religion des Fürsten sollte die des Landes sein, das er beherrschte: Das heißt, jede Regierung sollte für ihre Untertanen ihr Glaubensbekenntnis wählen."

In der Tat, die politischen Verhältnisse der Zeit, zusammen mit dem Umstand, dass selbst die Führer der Reformation nur eben anfingen, den moralischen und einigen wenigen der doktrinären Irrtümern des Papsttums gegenüber auf zu wachen, erfüllt uns mit Wunder über die raschen Fortschritte dem Rechten zu, die gemacht wurden, statt dass wir sie scharf verurteilen möchten, weil sie die Reinigung nicht gründlicher vornahmen. Doch als die protestantischen Kirchen sich mit dem Staate verbanden, da war Fortschritt und Reform zum Stillstand gekommen. Bald wurden Glaubenssätze gebildet, die fast ebenso unnachgiebig und dem Wachstum in der Erkenntnis zuwider waren, wie die Dekrete Roms, obwohl der Wahrheit näher und eine Fessel von größerem Spielraum.

So war dieselbe Art der Vereinigung von Kirche und Staat, die zuvor im Papsttum der Wahrheit solchen Schaden getan hatte, die Falle, durch welche der Feind das so nobel angefangene "Reinigen des Heiligtums" erschwerte und hintertrieb. Reformation und Reinigung kam für eine Zeitlang zum Stillstand, und statt mit der Reinigung fortzufahren, wandten die Verbesserer ihre Aufmerksamkeit darauf, sich zu organisieren und manche der alten päpstlichen Dogmas, die zuerst so laut verworfen wurden, wieder zu flicken und zu polieren. So köderte Satan die Reformatoren in gerade dieselbe "Hurerei" (Vereinigung von Kirche und Staat), die sie an der Kirche Roms verworfen hatten. So wurde die Todeswunde, die das Papsttum empfangen hatte, für eine Zeitlang geheilt. - Offb. 13:3

Aber die so begonnene und so unterbrochene "Reinigung" muss aufs neue einsetzen und vorwärts gehen, denn am Ende der 2300 Jahre muss das Heiligtum gereinigt sein. Und so ist es geschehen. Das Zurückgehen zur Bibel als der einzigen Autorität für den Glauben, mit dem die Reformation anfing, hat tiefen Samen gesät, der seitdem ab und zu wieder emporgeschossen ist und eine Reform nach der anderen hervorbrachte, trotzdem dass die Führer eiligst versuchten, die Ausbreitung der Reform über ihr eigenes Maß hinaus zu hindern, indem sie Glaubensbekenntnisse und Glaubenswälle aufrichteten, über welche hinaus, einerlei, was die Bibel lehre, niemandem zu gehen erlaubt wurde, ohne das Anathema (den Bannstrahl) eines "Häretikers", oder Ketzers, auf sich zu ziehen.

Den Pfad der Kirche, von Luthers Zeit bis jetzt, entlang blickend, können wir sehen, wie Schritt für Schritt Verbesserung oder Reinigung voranschritt; und doch zeigt sich bei jedem Schritt die gleiche Neigung, denn jede Abteilung von Reformatoren hielt inne, sobald ein kleines Stück Reinigung von ihr zuwege gebracht war, und schloss sich den anderen in der Opposition gegen jegliche weitere Reform oder Reinigung an.

So behauptete die Kirche Englands und behauptet es noch, während sie etliche der gröberen Lehren und Gebräuche der Kirche Roms beiseite warf, dass sie die einzige wahre Kirche sei, und dass ihre Bischöfe apostolische Nachfolge und daher höchste Oberhoheit über Gottes Erbe hätten. Diese "Tochter" Roms, ihre Mutter verlassend, nahm den dargebotenen Arm Englands und machte das Oberhaupt dieses Reiches zum Haupte der Kirche. Doch dies war, gerade wie mit der lutherischen Tochter, eine Reform, und zwar in der rechten Richtung - eine teilweise Reinigung. Calvin, Knox und andere entdeckten, dass Gottes Vorauswissen der sich abspiegelnden Ereignissen fast gänzlich unter dem päpstlichen Schutt aus dem Auge verloren worden war; und den Gedanken hinwerfend, dass der Erfolg der Pläne Gottes gänzlich von den Bemühungen fehlbarer Menschen abhängig gemacht worden sei, halfen ihre Lehren, zu zeigen, dass die Kirche nicht auf den Arm des Staates angewiesen sei, um ihr mit Hilfe fleischlicher Waffen den Erfolg zu sichern. Diese Männer verrichteten ein großes und wertvolles Werk, das seither mehr Frucht getragen hat, als manche zu sehen scheinen. Nichtsdestoweniger wurden sie durch andere, nicht als solche erkannte verunreinigende Irrtümer dazu verleitet, den Irrtum zu vertreten, dass alle nicht zum himmlischen Zustand Erwählten zur ewigen Qual verworfen seien. Bald kristallisierten sich ihre Lehren unter dem Namen Presbyterianismus; und über die erste Verkündigung der Unabänderlichkeit der göttlichen Dekrete ist von ihm wenig zur Reformation oder Reinigung beigetragen worden; und wie seine Schwester Sekten, hat er ebenfalls viel getan, das Reinigungswerk zu erschweren und zu hindern.

Die Wesleys und ihre Mitarbeiter, niedergedrückt durch die obwaltende Kälte und Formalität ihrer Zeit, versuchten, etwas von diesem kalten Formalismus auszufegen, der naturgemäß aus der Vereinigung von Kirche und Staat erfolgte, und die Notwendigkeit persönlicher Heiligung durch persönlichen Glauben an und persönliche Vereinigung mit Christus zu zeigen, - indem sie lehrten, dass der Umstand, dass man unter einer sogenannt christlichen Regierung geboren und von Geburt an als Glied solcher kirchlich staatlicher Organisation betrachtet worden sei, nicht wahres Christentum sei. Dies war soweit ausgezeichnet, und ein notwendiger Teil des "Reinigungs"-Werkes; doch statt in der Einfalt der Ur-Kirche der Vollkommenheit entgegen vorwärts zu schreiten, dachte Wesley ebenfalls bald, das Reinigen und Verbessern sei vollendet, und schritt dazu, in Gemeinschaft mit anderen den Methodismus zu organisieren, und durch methodistische Glaubenssätze und Regeln so zu umzäunen, dass es weiteren Fortschritt und weitere Reinigung wirkungsvoll verhinderte. Unitarianismus und Universalismus, obwohl gleicherweise Irrtümer in sich enthaltend, sind auch Versuche gewesen, verunreinigende Irrtümer auszustoßen, und waren vielleicht verhältnismäßig ebenso erfolgreich und erfolglos wie die anderen.

Diejenigen, die sich Baptisten nennen, vertreten einen anderen Reinigungsversuch des Heiligtums. Sie suchten einen anderen Irrtum, den das Papsttum eingeführt hatte, auszufegen. Es betraf die Taufe. Sie leugneten, dass Besprengung eines nicht glaubenden Kindes die Taufe eines Gläubigen sei, oder dass Besprengung irgendwie das Begraben werden in den Tod Christi versinnbilde. Doch über die Lehre einer richtigeren äußerlichen Form hinaus haben die Baptisten wenig Fortschritte gemacht, und jetzt finden sie sich unter der Zahl derer, die irgend welche weitere Reinigung erschweren und hindern.

Eine spätere Reform-Bewegung ist unter dem Namen, Disciples (Jünger) oder Christian Church ("Die Christliche Kirche") bekannt. Diese Sekte wurde im Jahre 1827 von Alexander Campbell gegründet. Die Verbesserung, welche diese bei ihrer Organisation besonders erstrebten, war apostolische Einfachheit im Kirchenregiment; die Bibel als alleiniges Glaubensbekenntnis; die Gleichheit aller Glieder Christi unter ihm als dem Haupte aller; und folglich die Beseitigung kirchlicher Titel, wie Ehrwürdiger, Doktor der Theologie usw., als römisch und im Gegensatz zum Geiste Christi und zu lauterem Christentum, das da sagt: "Ihr seid alle Brüder und einer ist euer Meister, Christus". Soweit dieses Streben und diese Reinigung ging, war es gut und hat in den Gemütern und zur Freiheit mancher in allen religiösen Gemeinschaften gute Frucht getragen; aber auch diese Benennung hat, wie die anderen, aufgehört, noch nach weiterer Reform zu ringen, und ihr Reform Geist ist schon tot, denn während er die Bibel als alleiniges Glaubensbekenntnis beansprucht, ist er im Geleise stecken geblieben und dreht sich da um sich selbst herum, ohne in der Wahrheit Fortschritte zu machen. Er behauptet, von den Glaubenssatzungen und den Fesseln menschlicher Traditionen frei zu sein, verfehlt aber diese Freiheit zu gebrauchen, ist daher in Wirklichkeit geistig gebunden und wächst folglich auch nicht an Gnade und Erkenntnis. Obwohl von keinem geschriebenen Glaubensbekenntnis gebunden, geschah es doch, dass sie durch ihren Respekt vor den Überlieferungen und der Ehre der Menschen, sowie auch durch Selbstgefälligkeit, sich ein solches festsetzen und somit aller weiteren Reinigungsarbeit gegenüber in Schlaf gerieten.

Während wir nur einige der Reformatoren und der Reform Bewegungen erwähnt haben, müssen wir nicht so verstanden werden als verwürfen oder ignorierten wir andere. Weit davon entfernt! Die Reform ist allgemein gewesen, und alle wahren, ernsten Christen haben etwas Anteil an dem Reinigungswerk gehabt. Die große Schwierigkeit liegt in dem Umstand, dass nur wenige, durch ihre Erziehung mit Vorurteil erfüllt und durch das laute und anspruchsvolle Auftreten des Irrtums mit Scheu erfüllt, den großen Haufen Irrtum sehen und die daraus folgende Notwendigkeit, mit der Reinigung voranzuschreiten, erkennen können. Und unser großer Feind ist nicht langsam gewesen, diesen Vorteil auszunützen und zum Binden der Heiligen und zum Hintertreiben des Reinigungswerkes zu benutzen.

Eine andere Reform, und eine, die in mancher Hinsicht am durchgreifendsten war, begann bald nach der letzt genannten, worauf wir kurz im vorigen Kapitel Bezug nahmen. William Miller von Massachusetts, ein Glied der Baptisten Gemeinschaft, der das Werkzeug war, das zum einsetzen dieser Reform verwendet wurde, lenkte die Aufmerksamkeit der Kirche auf den Umstand, dass die Bibel eben sowohl etwas über die Zeit wie über die Ordnung des Planes Gottes enthalte. Er sah Perioden von den Propheten verzeichnet, denen die Aussage zur Seite stand, dass zur rechten Zeit die wahrhaft Weisen dieselben verstehen würden, und er suchte, einer der so beschriebenen Klasse zu sein. Er forschte und fand manches sehr Interessante das unter den Traditionen Roms lange Zeit aus dem Auge verloren worden war, nämlich, dass die Wiederkunft unseres Herrn zur Mitteilung des Segens Gottes stattfinden solle, wie das erste Kommen geschah, um die Welt zu erlösen, dass das Lösegeld und die Wiederherstellung in der Tat zwei Teile des einen Erlösungsplanes seien.

Solches erkennen und solches verkünden, ist für ein aufrichtiges, ehrliches Herz ein und dasselbe; und so tat er. Das Aufdecken dieser Weisheit führte zur Verwerfung gewisser Irrtümer und verrichtete daher in allen, die unter ihren Einfluss kamen, ein Reinigungswerk. Angenommen, wenn Jesus zum zweiten Male kommen sollte, um sein Königreich "aufzurichten" und seine Herauswahl zu erhöhen, so ist klar, dass die Behauptung der mit der weltlichen Macht verbundenen Kirchen, die alle Königreiche Gottes zu sein beanspruchen, bloß leeres Gerede ist. Denn wenn das Königreich Christi noch nicht "aufgerichtet" ist, so müssen die, welche jetzt "aufgerichtet" sind, vom "Fürsten dieser Welt" erhöht worden sein, und müssen in seinem (Satans) Interesse wirken, wenn ihre Obersten auch noch so wenig davon wissen.

Ein anderer Irrtum, zu dessen Beseitigung Millers Predigen führte, war der, der menschlichen Unsterblichkeit. Lang hat die Meinung geherrscht, als ob der Mensch ein unsterbliches Wesen sei; d.h., dass er, einmal erschaffen, nie wieder sterben könne, und dass der Tod nichts weiter als trügerischer Schein sei; dass der Mensch nur zu sterben scheine, er wechsele nur die Form und tue einen weiteren Schritt in der "Fortentwicklung". Miller glaubte darüber zuerst, was andere auch glaubten; doch die Wahrheiten, auf die er die Aufmerksamkeit lenkte, besonders die Lehren über die Wiederkunft des Herrn und die Auferstehung der Toten, legten diesen schädlichen Irrtum zuerst bloß. Derselbe leugnet die Auferstehung, indem er lehrt, dass niemand tot sei und also keiner Wiederkunft noch Auferstehung bedürfe. Doch wir sparen die genauere Untersuchung über diese Sache für einen späteren Band dieses Werkes auf, in welchem wir zeigen werden, dass Unsterblichkeit und ewiges Leben Gnadengaben sind, die nur durch Christum erlangt werden können und den Gottlosen weder verheißen sind noch verliehen werden. Auf dieser Idee der menschlichen Unsterblichkeit gründet sich die römische Lehre vom Fegefeuer und geht aus ihr hervor, und ebenso die noch schrecklichere, protestantische Lehre ewigen Elends an einem Ort endloser Qual, denn so schließt man: Wenn der Mensch für immer leben muss (und wenn er unsterblich ist, kann ihn doch Gott selbst nicht vertilgen), so muss er entweder in ewigem Glück oder in ewigem Leid leben. Und da man sagt, dass mit dem Tod sein Schicksal besiegelt ist, so muss für die große Mehrzahl die ewige Qual dann eintreten, weil sie in den wenigen Jahren des gegenwärtigen Lebens entweder die Erkenntnis des rechten Weges zu erlangen verfehlten, oder, wenn sie auch diese Erkenntnis erhielten, doch um ihrer angeerbten Schwachheit willen unfähig waren, danach zu wandeln.

Diese große Wurzel verderblicher Irrtümer fing an, durch die Predigt von der Wiederkunft Christi und der dann fälligen Auferstehung ausgerauft und beiseite geworfen zu werden. Verständige und nachdenkende Leute fingen an, sich zu verwundern, warum Jesus die Toten auferwecken würde, wenn sie entweder im Himmel oder in der Hölle wären, und ihr Los für immer unwandelbar festgestellt sei. Dann verwunderten sie sich, warum die Toten doch tot genannt würden, wenn sie doch eigentlich lebten. Dann verwunderten sie sich, warum Jesus und die Apostel gar nichts darüber gesagt haben, dass die Toten noch lebendig seien, sondern im Gegenteil stets auf die Auferstehung als die einzige Hoffnung hingewiesen haben, ja selbst erklärt haben, wenn es keine Auferstehung gäbe, dann seien alle "verloren" (1. Kor. 15:13-18). Da begannen die Worte des Herrn, die "allen, die in den Gräbern sind", eine Auferstehung verheißen, eine Bedeutung zu erhalten; und allmählich sah man ein, dass die Toten nicht lebendig sind, sondern dass Tod das Gegenteil von Leben bedeutet. Und wer da suchte, fand, dass die Schrift mit sich selbst hierüber in vollkommener Übereinstimmung ist, aber in direktem Gegensatz zu den gewöhnlichen Traditionen des heutigen Tages, die vom Papsttum herabkamen.

Sobald die Wurzel des Irrtums entfernt war, fingen die verschiedenen Zweige zu verdorren an; und bald sah man, statt dass ewiges Leben (in Qual) die Strafe für die Gottlosen sei, die Bibel das Gegenteil über Gottes Plan aussage, dass ewiges Leben der Lohn der Gerechtigkeit sei, und dass der Tod, ein Abschneiden vom Leben, die Strafe des böswilligen Sünders ist.

Dann sah man, was unter dem Fluch des Todes gemeint war, der durch Adams Ungehorsam über das ganze Geschlecht kam, dass nämlich das ganze Geschlecht zur Vernichtung verurteilt war. Dann fing auch der Schleier sich zu lüften an und zeigte den Zweck und den Wert des Todes Jesu als Bezahlung jener über das Geschlecht gekommenen Strafe, damit eine Auferstehung, eine Wiederherstellung zum Leben und seinen Rechten stattfinden könne. Ah! und dann fing man an, die Bedeutung des Lösegeldes zu erfassen, da man sah, dass der, der von keiner Sünde wusste, als der Verurteilte behandelt wurde, dass er, freiwillig an unsere Stelle tretend, für uns zum Fluch gemacht, für uns als Sünder behandelt wurde und als der Gerechte für die Ungerechten starb.

So wurde schließlich das große System und Netzwerk verunreinigenden Irrtums, das mit dem Hinwegnehmen des beständigen Opfers seinen Anfang nahm, entfernt; und nachdem das Heiligtum davon befreit oder gereinigt war, wurde das "beständige Opfer" Jesu in erneuerter Frische und Schönheit gesehen.

Wenn wir sagen, dass das Heiligtum von dieser Verunreinigung gereinigt wurde, so muss man bedenken, dass in der Schrift häufig ein Teil der Kirche für das Ganze steht. Nur eine kleine Schar, einige Wenige, sind von diesem verunreinigenden Irrtum befreit worden; und zu diesen wenigen hat Gott täglich solche hinzu getan, die sich seiner Führung völlig überließen und von ihm gelehrt worden waren.

In seiner Annahme, was sich ereignen würde, war Miller weit ab vom Richtigen. Er meinte, dass die Reinigung des Heiligtums eine Reinigung der Erde von allem Bösen durch ein buchstäbliches Feuer sei, wodurch die Erde ausgebrannt werde. Das Nichteintreffen seiner Vorhersagungen war eine schwere Prüfung für die, die unter seiner Unterweisung den Herrn vom Himmel zu erwarten gelernt hatten und damals auf die Erfüllung des Gebets: Dein Königreich komme - harrten. Doch obgleich durch das Verziehen des Bräutigams enttäuscht, wurden sie trotzdem reich gesegnet. Die Erfahrungen, die sie bei ihrem Erforschen der Schrift machten, waren wertvoll; und sie selbst hatten Gottes Wort über die Menschentraditionen zu stellen gelernt. Sie waren bis zu einem gewissen Grade frei geworden von dem knechtischen Wesen der Ehre und dem Ansehen der Menschen gegenüber, wie es in den verschiedenen Denominationen (religiösen Gemeinschaften), von denen sie losgelöst worden waren, sich breit machte, denn um ihres Gehorsams willen ihrer Überzeugung betreffs der Wiederkunft des Herrn gegenüber waren sie von denselben getrennt worden. Ehrlichkeit der Überzeugung gegenüber hat stets etwas Segen im Gefolge: selbst wenn man wie Paulus nach Damaskus geht, trifft man den Herrn auf dem Wege.

Dem entsprechend finden wir denn auch, dass etliche unter ihnen in dem Reinigungs- oder Reformationswerk einen geförderten Standpunkt einnahmen als irgendeiner, der ihnen voranging. So fand sich Anno 1846, am Ende der 2300 Tage, wie oben angezeigt, eine kleine Schar von Christen vor, die nicht nur mit den "Disciples" (Jünger) betreffs der Einfachheit des Kirchenregiments, der Beseitigung aller Glaubensbekenntnisse, ausgenommen die Bibel, und des Abtuns aller Titel bei ihren Predigern stimmten, und mit den "Baptisten" betreffs der Erkenntnis, dass das Papstsystem der Mensch der Sünde und die entartete Kirche die Mutter der Huren und aller Greuel sei und die, fern von jeglicher Anbequemung an die Welt und furchtsamer Nachgiebigkeit ihr gegenüber, lebendige Frömmigkeit und einfältiges Vertrauen auf den allmächtigen Gott und Glauben an seine unabänderlichen Bestimmungen lehrte; sondern noch mehr. Während sie Jesum Christum als den Herrn anerkannten und als den, der jetzt der göttlichen Natur teilhaftig ist, vermochten sie die sinnlose Lehre der Dreieinigkeit, als ohne jeglichen Schriftgrund, zu verwerfen und nachzuweisen. (Die einzige Stelle, die der Lehre einer göttlichen Dreieinigkeit eine scheinbare Stütze bietet, ist 1. Joh. 5:7, 8 und diese ist ein Einschiebsel und als solches von allen Sachverständigen anerkannt. Siehe Prof. Tischendorfs Griech.Testament und Dekann Schmollers Parallelbibel. Ebenso Prof. Gebhardts Neues Testament. Auch hat Luther diese Worte nicht übersetzt. Sie sind erst später in die lutherische Bibel aufgenommen worden. Auch die Elberfelder Übersetzung lässt die betreffenden Worte aus.) Und zu all diesen Reformen kam noch die Verwerfung der Lehre der menschlichen Unsterblichkeit.

Und als ob Gott es so einrichten wollte, dass von da an stets eine Klasse vorhanden sein sollte, die sein gereinigtes Heiligtum vertrete und von den verschiedenen Sekten getrennt bliebe, geschah es in diesem selben Jahr 1846, dass die Organisation der protestantischen Sekten in ein großes System, "Die Evangelische Allianz" genannt, stattfand. Die Organisation erklärte, diese neuen Ansichten des gereinigten Heiligtums im Auge habend, bestimmt die menschliche Unsterblichkeit als ihren Glauben und fügte dies als neunten Artikel ihrem Glaubensbekenntnis bei. So trennten sie eine kleine Schar von Kindern Gottes - das gereinigte Heiligtum des Herrn, ein Heiligtum der Wahrheit - von anderen Christen, und haben sie seitdem getrennt gehalten. Zu dieser gereinigten Heiligtums Klasse wurden dann andere demütige und treue Kinder Gottes täglich hinzu getan während sich all die von ihnen entfernt haben, die den Geist der Demut und die Liebe zur Wahrheit verloren. Ihren Standpunkt als das gereinigte Heiligtum gegen organisierte Opposition und große Zahlen zu verteidigen und aufrecht zu erhalten, war eine ernste Probe ihres Glaubensmutes, welche zu bestehen nur wenige fähig zu sein schienen. Die Mehrzahl folgt dem Lauf ihrer Vorgänger und versucht, sich in den Augen der Welt ansehnlich zu machen. Etliche von diesen, als sie etwas zahlreicher wurden und strebten weniger üblen Nachreden ausgesetzt zu sein, organisierten sich zu einem anderen System, bildeten ein Glaubensbekenntnis und nahmen einen anderen Sektennamen an und nannten sich Adventisten; und da sie sich bei dem Glauben beruhigten, dass, was sie gelernt hatten, alles sei, was gelernt werden könne, haben sie seitdem keinen Fortschritt gemacht; und gleichwie andere, die auf dem Pfade nicht voranschritten, der heller und heller leuchtet bis zur vollen Tages Höhe, sind sie in manch törichte Irrtümer gefallen.

Doch, wenn auch viele von denen, die zuerst das gereinigte Heiligtum vertreten hatten, auf solche Weise wieder unter das Joch der Knechtschaft verwickelt wurden, wer von ihnen dennoch frei blieb und fleißig war, dass er den Herrn erkenne (Hosea 6:3), vertrat auch ferner sein gereinigtes Heiligtum und war sein Eigentum und ist seitdem durch seine Führung gesegnet worden.

Wenn das Gerümpel und die verunreinigenden Greuel im Jahr 1846 gänzlich beseitigt waren, so muss die Zeit seitdem eine Zeit des In-Ordnung-Bringens und der Aufdeckung und Entfaltung des glorreichen Planes Gottes gewesen sein; welche Wahrheiten die Stelle einnehmen mussten, welche durch die entfernten Irrtümer leer geworden war.

Dieses Werk, die Wahrheit zu eröffnen und ihre Schönheit zu prüfen und würdigen zu lernen, ist jetzt eigentlich an der Zeit und ist im Begriff des Vollzuges. Wir danken Gott für das Vorrecht, mit anderen in dem gesegneten Werk begriffen zu sein, die goldenen Gefäße des Hauses des Herrn (die köstlichen Wahrheiten) aus der Gefangenschaft des (symbolischen) großen Babylon (Esra 1:7-11; 5:14; 6:5) zurückzubringen, und sie wieder im Heiligtum niederzulegen. In diesem großen Werk bieten wir brüderlichen Gruß an alle Mitarbeiter und Glieder des gesalbten Leibes. Glückselig diese Knechte, die, wenn ihr Herr kommt, er also tun findet, dass sie den Hausgenossen des Glaubens die Speise zur rechten Zeit bringen.




Die Reinigung des Heiligtums

Der Eifer des Herrn einst die Geisel schwang
Und die Händler vom Tempel zu weichen zwang,
Welche Tauben ins Heiligtum brachten
Und das Bethaus zum Kaufhaus machten.
Als den Wechslern er gleichfalls die Türe wies,
Er die Tische derselben dar nieder stieß,
So, dass Münze des Tempels und fremdes Geld
Verschüttet zusammen zu Boden fällt.

Was Wunder, wenn auch seines Mundes Schwert
Auf die Krämer und Wechsler hernieder fährt,
Die vom Fürst dieser Weltzeit verblendet
Seinen geistigen Tempel geschändet,
Wo Vergebung der Sünden und ew'ges Heil
Gegen Geld man dem Volke geboten feil,
Und ein Handel, weit schlimmer wie Taubenkram,
Im Heiligtum Gottes zu Ehren kam !

Das Tempelgeld Christi - das Lösegeld -
Das er selber geprägt, da er sich der Welt
Als ihr Opferlamm willig ließ schlachten:
Das umwechselten sie und erdachten
Sich "verdienstliche Werke" an dessen Statt.-
Der die Wechsler und Krämer vertrieben hat
Lässt Gemeines in's Heiligtum nicht mehr ein;
Nachdem er's gefeget, behält er's rein.

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Studie 5

Die Ernte-Zeit

Die chronologische Lage der Ernte. - Ihr Zweck und große Bedeutung. - Der Brennpunkt der Weissagungen. - Vorbereitung für die Ernte. - Bedeutsamkeit des Zusammenlaufens des prophetischen Zeugnisses. - Die Gegenwart des Herrn. - Vernünftige Einwände beantwortet. - Der Eintritt in die Freude unseres Herrn.

"Die Ernte ist die Vollendung (das Ende) des Zeitalters."
- Matth.13:39 -

Der sorgfältige Forscher wird bemerkt haben, dass die als "Die Zeit des Endes" benannte Periode sehr zutreffend bezeichnet ist. Sie beschließt nicht nur das christliche Zeitalter, sondern in ihr laufen auch alle Zeit Prophezeiungen aus und erreichen ihre Erfüllung. Auch werden solche Leser die besondere Bedeutung der letzten 40 Jahre dieser 115 Jahre (1874-1914) bemerkt haben, die "Das Ende", oder "Die Ernte", genannt werden.

Diese kurze Periode ist die bedeutungs- und ereignisreichste des ganzen Zeitalters. Denn in ihr muss alle Frucht des Zeitalters gesammelt und verwendet werden, und das Feld, welches die Welt ist (Matth. 13:38), muss gereinigt, gepflügt und für eine andere Saat- und Ernte-Zeit - das Tausendjahr-Zeitalter - bereitet werden; und doch wird die Welt es nicht gewahr werden, bis die mächtigen, wenn auch geheimen Gewalten ihr bestimmtes Werk vollbracht haben. In der Tat, man tut wohl, im Auge zu behalten, dass es kein Einernten der ganzen Welt, sondern der christlichen Kirche ist, und nicht die Mohamedaner, Brahminen, Buddhisten, usw., betrifft, sondern nur die wahre Kirche (Ekklesia) Christi, und solche, die mehr oder weniger mit ihr verbunden sind, nämlich "Die Christenheit".

Während dieser ganzen Periode wird die Welt über deren Bedeutung in gänzlicher Unwissenheit, und doch über das Endresultat ihrer befremdenden Ereignisse in Furcht und Schrecken sein (Jes. 28:21). Die jetzt lebende kleine Herde der geweihten Nachfolger des Herrn aber erfreut sich größeren Lichtes als je irgend einer ihrer Vorläufer. Denn in dieser Periode vereinigen sich alle Strahlen des prophetischen Zeugnisses in einem großen Brennpunkt und erhellen dem Glaubensauge den ganzen Plan Gottes und seine vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklung.

Seit dem Anfang der Zeit des Endes - 1799 - hat Gott sein geweihtes, "heiliges Volk", sein "Heiligtum", für die großen Segnungen zubereitet, die er in diesen vierzig Jahren Erntezeit über sie zu ergießen vorhatte; welche Segnungen gleichfalls als besondere Zubereitung für ihren Eintritt mit Christus in die völlige Freude und Miterbschaft mit ihm, als seiner Braut, dienen sollten. Genau zur "fest bestimmten Zeit", 1799, am Ende der 1260 Tage, war die Macht des Menschen der Sünde, des großen Unterdrückers der Kirche, gebrochen und seine Herrschaft ihm abgenommen. Mit einem Schlag seiner mächtigen Hand schlug Gott da die Fesseln Zions ab und gewährte der Unterdrückten freien Ausgang. Und hervor kam die ganze Klasse des "Heiligtums", das "heilige Volk", schwach und unsicher und lahm und fast nackend und blind von der Dunkelheit des Gefängnisses und vom Schmutz und Elend der päpstlichen Knechtschaft. Arme Seelen! Sie hatten versucht, Gott inmitten der verzehrenden Flammen der Verfolgung treu zu dienen, indem sie an das Kreuz Christo sich anklammerten, als fast jede andere Wahrheit weggeschwemmt war, und mutig Gottes "Zwei Zeugen" (das Alte und Neue Testament) zu befreien versuchten, die so lange gebunden gewesen waren und nur in den Säcken toter Sprachen geweissagt hatten. - Offb. 11:3

In seiner Weisheit hat Gott sie nicht durch die große Lichtflut überwältigt, die er jetzt den Heiligen gegeben hat. Sanft führte er sie Schritt für Schritt, sie zuerst von den päpstlichen Verunreinigungen reinigend, die ihnen noch an hingen. Und wie Gott sie zog, so folgte die Heiligtums Klasse nach. Sie erkannte die Stimme des guten Hirten in den Klängen der Wahrheit, welche die alten Irrtümer ans Licht zogen, bis 1846, welches Jahr die Prophezeiung als das Datum markiert, da ein kleiner Kreis des "heiligen Volkes", des "Heiligtum", von den Irrtümern des Papsttums frei geworden, von den Verunreinigungen gereinigt und bereit sein sollte, das Unreine durch die reinen und köstlichen Grundsätze der Wahrheit zu ersetzen, worauf der Herr und die Apostel die Kirche einst gegründet hatten. Nach und nach wurden sie angeleitet, das große Endziel der Segnungen zu erwarten, da der Herr selbst kommen sollte, in der Ernte des Zeitalters. Ihr fleißiges Forschen und lobenswerter Eifer, zu erkennen, in was selbst die Engel gelüstete zu schauen (1. Petr. 1:12), wurde reichlich gesegnet, obwohl ihr Wunsch nicht voll gewährt wurde.

Einige wenige Treue wurden so im Worte der Wahrheit unterwiesen und mit ihrem Geiste erfüllt, gereinigt und völliger von der Welt getrennt, vom Hochmut geläutert und zu demütigerem Vertrauen auf Gott geleitet, durch die Zuchtschule der Enttäuschung des Jahres 1844; und das vorhergesagte Verziehen von dreißig Jahren entwickelte Geduld, Demut und liebende Unterwerfung in den Geheiligten; bis die Wächter am Ende der 1335 Tage (1874, die Ernte Zeit) die frohe Botschaft empfingen und ausgesandt wurden, der ganzen Heiligtum Klasse zu verkünden: "Siehe da, der Bräutigam!" Und diese für die Heiligen bestimmte Erntebotschaft fährt fort, hinauszugehen und wird erschallen, bis es alle Geweihten und Treuen erreicht hat. Diese Botschaft ist jetzt nicht für die Welt, sondern besonders für die der einstigen Braut. Unser Herr ist für keine andere Klasse der Bräutigam. Die Erkenntnis seiner Gegenwart wird der Welt auf eine andere Weise und später zuteil werden. Nur die Geweihten, die Heiligtum Klasse, sind imstande, diese Wahrheit zu empfangen. Dem "Heere" der Namenchristen sowie der Welt ist es Torheit, noch auch sind sie willens, die in diesen Werken dargelegten Beweise zu prüfen.

Nicht nur hat der Herr auf solche Weise die Herzen seines Volkes zu bereitet und sie auf Wegen geführt, die sie nicht kannten, sondern er hat auch für diese Zeit, da besondere Hilfe Not tat, wunderbare Hilfsmittel zum Bibelstudium beschaffen, wie z.B., Konkordanzen und verschiedene und wertvolle Übersetzungen der heiligen Schrift, sowie auch wunderbare Förderungsmittel zum Drucken, Herausgeben und Verbreiten der Wahrheit und die Vorteile einer allgemeinen Erziehung, so dass alle für sich selbst lesen und forschen und so die vorgetragenen Wahrheiten zu ihrer eigenen Befriedigung prüfen können; und dies unter friedlichen Verhältnissen, so dass niemand sie stören oder in Schrecken setzen kann, wenn sie dabei volle Gewissensfreiheit ausüben.

Nach sorgfältiger Durchsicht der vorhergegangenen Kapitel dieses wie des vorigen Bandes wird der nachdenkende Leser bemerkt haben, dass alle Zeit Prophezeiungen, während jede einzelne einem besonderen und bestimmten Zwecke dient, mit ihrem vereinten und harmonischen Zeugnis den einen Hauptzweck verfolgen, durch direkten oder indirekten Beweis oder durch ihr sich gegenseitig bestätigendes Zeugnis, das Datum des zweiten Advents unseres Herrn und der Aufrichtung seines Königreiches auf Erden mit Bestimmtheit und Genauigkeit zu markieren; und ebenso die verschiedenen Entwicklungsstufen und Mittel seiner Aufrichtung, während der Ernte-Periode.

Damit wir nun die Stärke dieser mancherlei prophetischen Linien in ihrer Tragweite in Bezug auf diese Haupt Wahrheiten recht erkennen, lasst uns dieselben in einen Brennpunkt zusammenziehen und beachten, wie diese Zeugnis Strahlen sich vereinigen und harmonisch zusammenfallen und die köstliche Tatsache deutlich offenbaren - nicht, dass der Herr kommt, oder dass er bald kommen wird, sondern dass er gekommen ist, dass er jetzt, in der Ernte oder in dem Ende des christlichen Zeitalters, das über das jetzt anbrechende Millennium Zeitalter übergreift, als geistiger König gegenwärtig ist und sein geistiges Reich aufgerichtet. Wir haben gesehen, dass da "Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge" - "Zeiten der Erquickung (Apg. 3:19) - kommen sollen. Wir haben auch gesehen, dass der Herr Jehova einen Tag bestimmt hat (das Tausendjahr-Zeitalter), an welchem er richten will den Erdkreis in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er bestimmt, allen Glauben anbietend, dadurch, dass er ihn von den Toten auferweckt hat. (Apg. 17:31). Wir haben gesehen, dass das christliche Zeitalter die Prüfungszeit oder der Gerichtstag der Kirche war, und dass es mit einem Einernten und Verherrlichen derjenigen schließt, die mit Christo - während des Gerichtstages der Welt, während der Zeiten der Wiederherstellung - ein Tausend Jahre leben und herrschen sollen. Und gleichfalls haben wir gesehen, dass die Reiche dieser Welt unter dem Fürsten dieser Welt, Satan, dem Königreiche Gottes unter dem König der Herrlichkeit Platz machen müssen. All diese großen Ereignisse mussten sich hinausziehen auf den zweiten Advent unseres Herrn, des Königs, des Bräutigams und Schnitters, dessen Gegenwart und Werk sie, wie vorhersagt, vollbringen soll.

Der vorbildliche Jubeljahr-Zyklus wies auf das Jahr 1874 hin als Datum der Wiederkunft unseres Herrn; und doch war drinnen der Zeitpunkt so kunstvoll verborgen, dass es unmöglich war, denselben vor der "Zeit des Endes" zu entdecken. Und dies Zeugnis wurde durch Beweise von zwei Standpunkten aus - vom Standpunkt des Gesetzes und dem der Propheten aus - doppelt stark gemacht, da die beiden von einander gänzlich unabhängig und doch gleich deutlich und überzeugend sind.

Der wunderbare Parallelismus der jüdischen und christlichen Heilszeitordnung lehrte uns dieselbe Wahrheit mit neu hinzugefügten Zügen. Der zweite Advent (Ankunft) unseres Herrn am Ende oder in der Ernte des christlichen Zeitalters, der in den Herbst des Jahres 1874 fiel, weist sich aus, auf einen Zeitpunkt zu fallen, der genau der Zeit seines ersten Advents, am Ende des jüdischen Zeitalters parallel liegt. (vergleiche die Tafeln, die dieses entsprechende Verhältnis aufzeichnen, Band 2, Kap./Studie 7). Wie jeder hervorstechende Zug der christlichen Heilszeitordnung durch eine entsprechende Parallele in jener vorbildlichen Heilszeitordnung markiert ist, so finden wir auch, dass dieses allerbemerkenswerteste Ereignis, das durch das Jubeljahr gelehrt wird, seine entsprechende Parallele hat. Die Gegenwart unseres Herrn wird in beiden Heilszeitordnungen als die des Bräutigams, des Schnitters und des Königs nachgewiesen. Selbst die Bewegung von Seiten der Jungfrauen, die ausgehen, dem Bräutigam zu begegnen, ihre Enttäuschung, und die dreißigjährige Wartezeit, findet sowohl der Zeit als den Umständen nach ihre Parallele. Und der Parallelismus setzt sich bis zum vollen Ende der Ernte dieser Heilszeitordnung fort, bis zum Sturz der namenchristlichen Reiche, die in Wirklichkeit "Reiche dieser Welt" sind, und bis zur vollen Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden im Jahre 1914, dem Schlusstermin der Zeiten der Nationen. (siehe Band 2, Kap. 4) Dieser bevorstehende Trubel und Umsturz, so sahen wir, hatte in der Zerstörung Jerusalems und in dem vollständigen Umsturz des jüdischen Gemeinwesens, im Jahre 70, eine weitere Parallele, die sowohl nach Zeit wie Umständen entspricht.

Wiederum haben wir gefunden, dass der zweite Advent unseres Herrn vom Propheten Daniel (12:1) angezeigt ist, jedoch in solcher Weise, dass es verdeckt blieb, bis die Ereignisse, die ihm voranzugehen vorhergesagt waren, in die Geschichte übergegangen wären, da wir geleitet wurden, zu sehen, dass derjenige, der unter dem Namen Michael verschleiert war, in der Tat das ist, was der Name anzeigt - Einer wie Gott - der "große Fürst". Ja, wir erkennen ihn - "Den Fürsten des Lebens", den "starken Gott" (Herrscher), "Ewig Vater" (Lebensgeber) (Dan. 11:22; Jes. 9:6), der "auferstehen" soll mit Macht und Autorität, die große Wiederherstellung aller Dinge zu vollbringen und den toten und sterbenden Millionen der Menschheit, die er mit seinem eigenen teuren Blut erkauft hat, ewiges Leben darzubieten. Und da wir die 1335 Tage von Dan. 12 bis herab zu ihrem Ende am gleichen Datum verfolgt haben, so können wir jetzt verstehen, warum der Engel, der dort auf dieses Datum hinwies, in solch erhobenem Tone darauf Bezug nahm: "O, des Glückes dessen, der da wartet (der in wartendem oder wachendem Zustand ist) und erreicht die 1335 Tage!" - das Jahr 1874. (Das von den Juden gerechnete Jahr beginnt im Oktober; folglich war der Oktober 1874 in Wirklichkeit der Anfang von 1875.) Und lasst uns nicht übersehen, dass wir in der Berechnung der hier gegebenen symbolischen Zeiten den Schlüssel gebrauchten, der uns in der Art und Weise, wie der erste Advent angezeigt war, gegeben war, nämlich, dass ein symbolischer Tag ein buchstäbliches Jahr vorstellt. So fanden wir deutlich aus der Schrift nachgewiesen, dass die Zeit des zweiten Advents unseres Herrn das Jahr 1874 sei, und zwar im Oktober jenes Jahres, wie Band 2, Kap. 6 gezeigt wurde.

Doch dies ist nicht alles. Es möchten selbst sorgfältigen Forschern noch gewisse vernünftige Hindernisse zum Glauben an seine Gegenwart zurückgeblieben sein, und wir wünschen, all solche beseitigt zu sehen. Man möchte z.B. mit Grund fragen: Wie kommt es, dass die genaueste Bibel Chronologie auf 1873 als den Anfang des siebenten Jahrtausends, oder des Millenniums, hinweist, während der Jubeljahr-Zyklus zeigen, dass 1874 das Datum der Wiederkunft unseres Herrn und der Anfang der Zeiten der Wiederherstellung ist?

Dieser auffallende Unterschied zwischen dem Datum des zweiten Advents und dem Anfang des siebenten Jahrtausends schien beim ersten Blick anzuzeigen, dass da irgendwo in der chronologischen Berechnung eine Schraube los sei, und führte zu einer wiederholten, sorgfältigen Untersuchung der Sache, doch stets mit dem gleichen Resultat. Genauere Überlegung jedoch beweist, dass Gott seine Zeit genau einzuhalten weiß, und dass dieser Punkt keine Ausnahme in seiner mathematischen Genauigkeit bildet. Man wird sich erinnern, das die Berechnung der Chronologie mit Adams Erschaffung begann, und dass Adam und Eva einige Zeit zubrachten, ehe die Sünde hereinkam. Gerade wie lange dies war, wird uns nicht gesagt, doch ein Jahr würde keine unwahrscheinliche Veranschlagung sein. Vor der Erschaffung der Eva durfte Adam lange genug leben, um das Fehlen einer Gehilfin (1. Mose 2:20) zu empfinden. Er hat alle Tiere kennen gelernt und sie benannt. Er lernte all die verschiedenen Bäume und Pflanzen Edens kennen. Dann folgte die Erschaffung der Eva; und etwas Zeit muss doch in dem Genuss ihrer ergötzlichen Umgebung verflossen sein, ehe die sengende Glut der Sünde eintrat.

All diese Umstände uns ins Gedächtnis rufend, können wir schwerlich denken, dass in jenem sündlosen Zustand eine kürzere Zeit als ein Jahr verfloss; und der Zwischenraum zwischen dem Ende der 6000 Jahre und dem Anfang der Zeiten der Wiederherstellung, führt zu dem Schluss, dass der Zeitraum zwischen der Erschaffung Adams und den Eintritt der Sünde, da Gottes Königreich, in Adam repräsentiert, auf Erden war, nicht als ein Teil der sechs Tage des Bösen gerechnet worden ist. Die sechs tausend Jahre, in welchen Gott die Herrschaft des Bösen zugelassen hat, vor dem Eintritt des großen siebenten oder Sabbath Jahrtausends, den Zeiten der Wiederherstellung, datieren vom Eintritt der Sünde in die Welt. Und da die Zeiten der Wiederherstellung mit Oktober 1874 begannen, so muss dies das Ende der 6000 Jahre der Sünde sein; und der Unterschied zwischen diesem Datum und dem in der Chronologie seit Adams Erschaffung aufgezeichneten, stellt die Periode der Sündlosigkeit in Eden vor, welche eigentlich zur Herrschaft der Gerechtigkeit gehört.

Ferner, was beim ersten Gedanken als eine Ungenauigkeit erscheinen möchte - dass der Herr am Ende des Jahres 1874 gegenwärtig sein würde, und dass die Zeiten der Heiden nicht vor 1914 enden - erweist sich im Gegenteil als in vollster Harmonie mit den Entfaltungen des Planes Gottes für die "Schlacht des großen Tages", und stimmt genau mit dem, was Daniel (2:44) vorhersagte: "In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten; ... es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten". Es muss daher geradeso sein, wie wir es gefunden haben: Unser Herr muss gegenwärtig sein, muss die lebenden Glieder seiner Kirche prüfen, muss sie erhöhen, verherrlichen und sie an seiner während des Millenniums auszuübenden Macht und Autorität teilnehmen lassen (Offb. 5:10; 20:6), und muss die Mittel und Werkzeuge in Bewegung setzen, die (wenn auch ihnen unbewusst) seine Befehle ausführen - indem sie all die gegenwärtigen sogenannt "christlichen Nationen" untergraben und endlich stürzen. Die "Reiche dieser Welt" werden, selbst während sie von dem Königreiche Gottes zertrümmert werden, über die eigentliche Ursache ihres Falles gänzlich im Dunkeln sein - bis am Ende dieses "Tages des Zornes" die Augen ihres Verständnisses sich auftun werden, so dass sie sehen, dass eine neue Heilszeitordnung angebrochen ist, und lernen, dass Immanuel seine große Gewalt an sich genommen und seine glorreiche gerechte Herrschaft begonnen hat.

Während die Zeitprophezeiungen so darauf hinweisen und darin eins sind, dass 1874 das Datum der zweiten Gegenwart unseres Herrn ist, und uns dies mit mathematischer Genauigkeit sicher stellen, finden wir uns durch Beweise anderer Art überwältigt. Denn gewisse, eigentümliche, vom Herrn, den Aposteln und Propheten vorhergesagte Zeichen, die seiner Wiederkunft vorhergehen sollten, werden jetzt deutlich als tatsächlich erfüllt erkannt. Wir sehen, dass der verheißene Elias in der Tat gekommen ist; dass seine Lehre, gerade wie vorhergesagt, verworfen worden ist; und dass daher die Zeit der großen Trübsal folgen muss. Der vorhergesagte Mensch der Sünde, der Antichrist, hat auch seine Erscheinung gemacht und seine lange und schreckliche Herrschaft erfüllt, und genau zur "fest bestimmten Zeit" (1799) wurde seine Herrschaft ihm genommen. Die Reinigung des Heiligtums ist auch geschehen, wie vorhergesagt, und zwar eine genügende Zeit vor 1874, um "ein Volk zubereitet dem Herr" bereit zu machen - ein Volk, das in frommer Erwartung seiner Wiederkunft wäre - gerade wie ein ähnliches Werk vor dem ersten Advent ein Volk zu seinem Empfang bereit machte.

Wir finden, dass das Datum 1874 gleichfalls mit der Weissagung Daniels (Kap. 12:1) in Harmonie ist, welches den Advent "Michaels" in die "Zeit des Endes" verlegt - das ist etwas zwischen 1799 und 1914 und als die Ursache und Auswirkung der großen Trübsal als 75 Jahre dieses "Tages der Vorbereitung" die rechten Zustände für den Anfang seines großen Werkes entwickelt hatten, da trat der Meister auf den Plan - ruhig, "ohne äußerliches Aufsehen- so, wie er hinging, unsichtbar. Und die übrigen 40 Jahre dieses "Tages der Vorbereitung", wovon 14 schon in der Vergangenheit liegen, wird die Aufrichtung oder Herstellung seines Königreiches in Macht und großer Herrlichkeit hinausführen.

Der auf die Ernte, die Gegenwart des Herrn und die Herstellung des Königreichs gerichtete Brennpunkt der Zeit Prophezeiung wird sich durch ein genaues Studium der begleitenden Entwürfe dem Sinne recht eindrücklich machen. Das eine zeigt die Parallelen zwischen dem christlichen Zeitalter und seinem Vorbilde, dem jüdischen Zeitalter, und wie die verschiedenen hervorstechenden Züge in dieser Ernte durch die großen Prophezeiungen angezeigt sind, während das andere in gedrängter Form die Weltgeschichte neben der der vorbildlichen und wirklichen Kirche Gottes (der jüdischen und christlichen) zeigt und dieselben sie betreffenden prophetischen Maße aufweist.

So fließen alle Strahlen der Prophezeiung in dieser "Zeit des Endes" zusammen, und deren Brennpunkt ist die "Ernte" - die Zeit der Gegenwart unseres Herrn und der Aufrichtung seines lang verheißenen Königreiches. Und da wir die große Wichtigkeit dieser Ereignisse erkennen und den gewaltigen Wechsel der Heilszeit­ordnung, den sie herbeiführen, und die große Anzahl und Art prophetischer Zeugnisse, die denselben andeuten, und da wir sehen, wie sorgfältig wir über die Art und Weise seines Offenbar werden unterwiesen worden sind, so dass kein Stein des Anstoßes für unseren Glauben der Erkenntnis seiner Gegenwart in unserem Wege stehen sollte, so freuen sich unsere Herzen mit unaussprechlicher Freude. Völlig zehnfach größeres Zeugnis ist der Tatsache seiner zweiten Gegenwart jetzt gewidmet, als den ersten Jüngern beim ersten Advent dargeboten war, obgleich das damals für den "wahren Israeliten", der auf den Trost Israels wartete, vollständig genügend war.

Fast 2000 Jahre lang haben die leidenden, verfolgten, sich aufopfernden Geweihten sehnsüchtig auf die Wiederkunft des Meisters gewartet. Treue Paulusse, feurige Petrusse, liebeglühende Johannesse, hingebende Stephanusse, sanfte Marien und zarte und mitteilsame Marthas, eine lange Linie leidender Märtyrer und mutiger Bekenner der Wahrheit unter der Gefahr von Qual und Tod, und etliche treue Väter und Mütter, Brüder und Schwestern in Israel, die in weniger stürmischen Zeiten demütig vor Gott wandelten, sich weder schämten noch fürchteten, Christum zu bekennen und seine Schmach zu tragen, noch die Gefährten - Mitgenossen - Heb. 10:33) derer zu sein, die um der Wahrheit willen geschmäht wurden all diese, legten ihre Waffenrüstung nieder, nachdem sie den guten Kampf des Glaubens gekämpft hatten, um bei der Erscheinung des Meisters ihren verheißenen Lohn zu erwarten (2. Tim. 4:8).

Und nun ist er da! Der Herr ist wahrlich gegenwärtig! Und die Zeit zur Aufrichtung seines Königreiches und für die Erhöhung und Verherrlichung seiner treuen Braut ist vorhanden. Die Tage des Wartens auf seine Gegenwart sind jetzt vorbei, und das lang vorhergesagte Glück der Wartenden ist uns zu teil geworden. Dem Auge des Glaubens ist jetzt durch das prophetische Licht (2. Petr. 1:19) geoffenbart; und ehe die Ernte völlig zu Ende ist (im Jahre 1915), wird der Glaube und die gegenwärtige Freude des Glaubens der hinreißenden Freude der vollen Verwirklichung unserer Hoffnung Platz machen, dass diejenigen, welche würdig erfunden wurden, ihm gleich geworden sind und ihn sehen, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht.

Wie in dem dies verdeutlichenden Gleichnis (Matth. 25:14-30) gezeigt wird, ruft der Herr bei seiner Wiederkunft zuerst seine Knechte und rechnet mit ihnen. Bei der Abrechnung mit den Knechten, die ihre Pfunde treulich verwendet und den Willen ihres Herrn zu erkennen und zu tun suchten, zeigt das Gleichnis, dass ein jeder, sobald er geprüft ist, in "die Freude seines Herrn" eingelassen wird, ehe er die verheißene Herrschaft empfängt. Nun sehen wir dieses Gleichnis sich vor uns erfüllen, und zwar ehe unsere Teilnahme am Reiche beginnt. Selbst ehe noch die Feinde besiegt sind, wird jedem Treuen gestattet, eine klare Erkenntnis über das kommende Königreich und seine Herrlichkeit und über das großartige Werk des herauf dämmernden Tausendjahr-Tages zu gewinnen; und dieser Einblick in die große, bald durch die Wirksamkeit Christi und seiner verherrlichten Kirche für die ganze Menschheit zu vollbringende Restitution ist die Freude des Herrn, an der teilzunehmen ihnen gestattet wird.

Während wir so, so zu sagen, auf Pisgahs Höhen stehen und die herrliche Aussicht gerade vor uns schauen, freuen sich unsere Herzen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude; und obwohl wir wissen, dass die Kirche noch in der Wüste ihrer Erniedrigung ist, und dass die Stunde ihres tatsächlichen Triumphes noch nicht völlig angebrochen ist, dennoch heben wir unsere Häupter auf und freuen uns, darum, dass unsere Erlösung nahet, denn wir sehen die Anzeichen ihrer raschen Annäherung und gewahren durch den Glauben die Gegenwart des Bräutigams. O, welche Fülle von Segen und wie viel Ursache zur Freude und Dankbarkeit diese Wahrheit enthält. Wahrlich, der Herr hat ein neues Lied in unseren Mund gegeben. Es ist der große Lobgesang, dessen erster Ton durch den Engel Chor bei der Geburt des Kindleins Jesus erklang: "Siehe, ich bringe euch frohe Botschaft großer Freude, die allem Volke widerfahren soll". Gott sei Dank, seine harmonischen Töne sollen noch Himmel und Erde mit ewigem Wohlklang erfüllen, wenn das segensreiche Werk des Heils - die Restitution - die er zu vollbringen kommt, seinem Höhepunkt entgegen schreitet.

Der Herr ist gekommen! O, Freude der Welt!
Du Erd' deinen König empfang.
Lass jedes Herz Ihm öffnen sich,
Füll Himmel und Erde mit Sang.
Die Welt Er beherrscht bald mit Wahrheit und Gnad;
Die Völker erfahren: Es blieb.
Der Gurt seiner Lenden Gerechtigkeit
Beim höchsten Wunder der Lieb.

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Studie 6

Das Ernte Werk

Was das Ernte Werk ist. - Das Sammeln des Weizens. - Das in Bündeln Binden und Verbrennen des Unkrautes (Scheinweizens). - Sein Ursprung und fruchtbares Wachstum. - Wird verzehrt, ähnlich wie die Spreu der jüdischen Ernte. - Anmerkung der übereinstimmenden Zeitverhältnisse. - Die Verwerfung, der allmähliche Fall und schließliche Untergang Babylons. - Das Versiegeln der Knechte Gottes, ehe die Plagen über Babylon hereinbrechen. - Gericht oder Prüfung sowohl des ganzen Systems, als auch der einzelnen. - Die Prüfung des jüdischen Systems verbildlich. - Das Prüfen und Sichten des Weizens. - Die klugen, von den törichten Jungfrauen getrennt, gehen allein zu dem Hochzeitsmahl hinein. - "Und die Tür ward verschlossen." - Eine weitere Musterung und das Hinauswerfen einiger. - Warum? und wie? - Der Schluss des "hohen Berufes". - Die Zeit ist kurz. - "Lasst niemand deine Krone nehmen." - Die Knechte der ersten Stunde und die Überwinder.

"Die Ernte" ist ein Ausdruck, der im Allgemeinen eine Idee gibt, was für ein Werk zwischen den Daten 1874 und 1914, sich zu vollziehen, zu erwarten ist. Es ist eine Zeit des Erntens und nicht etwa des Säens, eine Zeit der Prüfung, des Abrechnens, des Lohnausteilens. Da die Ernte des jüdischen Zeitalters ein Vorbild der Ernte dieses Zeitalters ist, so gewährt die Betrachtung und Vergleichung der verschiedenen Züge jener Ernte sehr deutliche Ideen betreffs des in der gegenwärtigen Ernte zu vollführenden Werkes. In jener war die besondere Lehrmethode unseres Herrn so eingerichtet, dass dadurch der Weizen, der schon solcher war, gesammelt werde, und die Spreu des jüdischen Volkes von demselben getrennt werde. Und seine Lehre wurde zugleich der Same für die neue Heilszeitordnung, die an Pfingsten begann - kurz nachdem Israel als Volk verworfen war.

Betreffs der Worte unseres Herrn, die er während seines Berufes in jener Nationalkirche, als er seine Jünger aussandte, an dieselben richtete, sollte man sorgfältig beachten, dass sie den Beweis liefern: Ihr ihnen damals besonders obliegendes Werk war, zu ernten, und nicht zu säen. Er sagte zu ihnen: "Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte. Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben." (Joh. 4:35, 36). Als der Hauptschnitter in jener Ernte, wie er es auch in dieser ist, sagte der Herr zu den Unterschnittern: "Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere(die Patriarchen und Propheten und andere Fromme)haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten" - die Früchte jener jahrhundertlangen Arbeit einzuernten und jenes Volk durch die Botschaft zu prüfen: "Das (König)Reich der Himmel ist nahe gekommen;" der König ist da - "Siehe, dein König kommt zu dir." - Matth.10:7; Joh. 12:15; Sach. 9:9

In der Ernte suchte der Herr die geblendeten und zerstreuten Schafe Israels; alle die rufend, die seine Schafe schon waren, dass sie seine Stimme hören und ihm folgen möchten, statt dass er aus Böcken Schafe machen wollte. Diese Beobachtungen an dem Vorbilde geben eine Andeutung über das jetzt in der gegenwärtigen Ernte zu vollbringende Werk. Ein anderes und großartigeres Säen unter den günstigeren Verhältnissen des Tausendjährigen Königreiches wird bald seinen Anfang nehmen. In der Tat, der Same der Wahrheit über Wiederherstellung, usw., der die zukünftige Ernte hervorbringen wird, fällt jetzt schon hier und da in verlangende, wahrheitshungrige Herzen. Doch dies ist bloß ein zufälliges Werk jetzt, denn, wie ihr jüdisches Vorbild, ist die gegenwärtige Ernte eine Zeit für das Einernten der sich als solche bekennenden Kirche (genannt Christenheit),damit die aus ihr gesammelten wahren Heiligen erhöht und mit ihrem Herrn vereinigt werden möchten, nicht nur um die Wahrheit zu predigen, sondern auch um das große Werk der Wiederherstellung für die Welt in Bewegung zu setzen.

In dieser Ernte sollen Weizen und Scheinweizen getrennt werden; doch vor der Trennung bilden diese beiden Klassen die nominelle Kirche. Der Weizen sind die wahren Kinder des Reiches, die wahrhaft Geweihten, die Erben; während der Scheinweizen nur nominell und nicht wirklich Christi Kirche oder voraussichtliche Braut ist. Der Scheinweizen ist die vom Herrn erwähnte Klasse derer, die ihn Herr, Herr heißen, aber ihm nicht gehorchen. (Luk. 6:46). In äußerer Erscheinung sind die beiden Klassen sich oft so sehr gleich, dass es genaue Untersuchung fordert, um sie zu unterscheiden. "Der Acker ist die Welt" im Gleichnis, und diese, Weizen und Scheinweizen (der Scheinweizen am zahlreichsten), bilden, was oft "die christliche Welt" und "Christenheit" genannt wird. Durch gelegentlichen oder regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes, dadurch dass sie sich Christen nennen, durch Befolgung gewisser Gebräuche Zeremonien; und dadurch, dass sie mehr oder weniger direkt mit einem religiösen System eins sind, sieht der Scheinweizen manchmal wie von Herzen Gott geweihte Kinder aus und gilt für solche. In sogenannt "christlichen Ländern" werden alle, ausgenommen ausgesprochene Ungläubige und Juden, auf solche Weise als Christen gezählt; und ihre Zahl - einschließlich der wenigen völlig Geweihten (der Heiligen) - wird auf ungefähr 180 Millionen Griechisch und Römisch Katholischer und 120 Millionen Protestanten geschätzt.

Während des christlichen Zeitalters, lehrte unser Herr, sollte man keinen Versuch zur Trennung der wahren von den nachgeahmten Kindern des Reiches machen, denn dies zu bewirken, hieße, eine allgemeine Umwälzung der Welt (des Feldes) hervorrufen - ein allgemeines Losreißen des Weizens sowohl wie des Scheinweizens. Daher sagte er: "Lasst es beides zusammen wachsen bis zur Ernte." Dann fügt er aber hinzu: "Zur Zeit der Ernte werde ich zu den Schnittern (Engeln oder Sendboten) sagen: Leset zuerst das Unkraut (Scheinweizen) zusammen und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen, den Weizen aber sammelt in meine Scheune." (Matth. 13:30). Folglich müssen wir in der Zeit der Ernte ein allgemeines Trennungswerk erwarten, das bis dahin weislich untersagt war. Während der wahre Weizen stets ermuntert worden ist, festzustehen in der Freiheit, womit Christus sie befreit hatte, und sich vor umgarnenden Verbindungen mit offenbaren Übertretern und Wölfen in Schafskleidern zu hüten, sollten sie doch nicht unternehmen, zwischen der völlig geweihten Klasse, dem Weizen, den Heiligen, und dem Scheinweizen, der da Christi Namen und Lehre bekennt, und der bis zu einem gewissen Grad seinen äußerlichen Wandel durch diese Lehren beeinflussen lässt, dessen Herz jedoch weit vom Herrn und seinem Dienst entfernt ist, zu unterscheiden. Dieses Richten der Herzen, der Beweggründe, usw., das über unsere Macht geht, und das der Herr uns gänzlich zu meiden anbefahl, ist gerade das, was die verschiedenen Sekten die ganze Zeit zu vollbringen versucht haben. Sie versuchten den Weizen zu trennen, zu prüfen, und als Scheinweizen oder Ketzer durch starre Glaubenssätze menschlicher Bildung alle Bekenner des Christentums, deren Glaube mit ihren verschiedenen falschen Maßen nicht genau stimmte, abzutrennen. Doch wie erfolglos all diese gewesen sind! Sie haben falsche, unschriftgemäße Glaubensfahnen und Lehren aufgestellt, die in Wirklichkeit vielen Scheinweizen hervorgerufen und den Weizen erstickt oder getrennt haben; wie z.B. die Lehre der ewigen Qual für alle, die nicht Glieder der Kirche seien. Obwohl dies unter dem jetzt zunehmenden Licht sehr gemildert wird, was für eine Masse Scheinweizen hat dieser Irrtum hervorgerufen, und wie hat er den Weizen erstickt, geblendet und an einer rechten Erkenntnis des Wesens und Planes Gottes verhindert. Heute sehen wir, welch großen Missgriff die verschiedenen Sekten gemacht haben, dass sie seinen Rat nicht befolgten, Weizen und Scheinweizen, Heilige und bloße Bekenner, zusammen wachsen zu lassen, ohne eine Trennung zu versuchen. Aufrichtige Leute jeder Sekte werden zugegeben, dass in ihren Sekten viel Scheinweizen ist, bloße Bekenner und nicht Heilige, und dass es außerhalb ihres Sektenzaunes gar manche Heilige gibt. So kann heutzutage keine Sekte behaupten, noch tut dies irgend eine, ganz Weizen und frei von Scheinweizen zu sein; - noch weniger würde irgend eine irdische Organisation (außer "Christadelphians", d.i. Brüder Christi, und Mormonen) kühn genug sein, zu behaupten, dass sie allen Weizen enthielte. Folglich haben sie keine Entschuldigung für ihre Organisationen, theologischen Zäune, usw. Sie trennen keinen Weizen vom Scheinweizen, noch kann irgend etwas anderes diese Trennung der Herzen vollständig und durch und durch bewirken, als die Methode, die der Herr dazu verordnet hat, und die in der Zeit der Ernte in Ausführung gebracht werden soll. Dies zeigt, dass es notwendig ist, zu wissen, dass die Zeit vorhanden ist und das Erntewerk der Trennung zu beginnen hat. Und treu seiner Verheißung hat uns der Herr nicht im Dunkeln gelassen, sondern gibt allen, deren Herzen dazu bereit sind, den jetzt zeitgemäßen Bescheid. "Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis (noch im Schlaf), dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife." - 1. Thess. 5:4

Die Sichel in dieser Ernte ist die jetzt fällige Wahrheit, gerade wie eine ähnliche Sichel in der jüdischen Ernte gebraucht wurde. Die Schnitter, die Engel (Das Wort Engel, angelos, bedeutet Sendbote.) oder Sendboten, sind die Nachfolger des Herrn, gerade wie eine ähnliche Klasse in der jüdischen Ernte die Schnitter waren. Und obwohl das ganze Zeitalter hindurch die Regel galt, keine Trennung des Weizens vom Scheinweizen zu versuchen, so wird doch denen, die bereit, würdig und gehorsam sind, der Plan und die Anordnung des Herrn so deutlich gezeigt werden, dass sie seine Stimme in der Zeit der Ernte hören, die da sagt: "Schlage an mit der Sichel" der gegenwärtigen Wahrheit und: "Sammelt mir meine Frommen, die meinen Bund geschlossen haben beim Opfer." "Sie werden mir, spricht Jehova der Heerscharen, zum Eigentum sein, an dem Tage, den ich machen werde." - Psalm 50:5, Mal. 3:17

Nicht allein aber ist dies eine Zeit des Einsammelns der Frommen, der Heiligen, durch die Wahrheit (in die Einheit mit dem Herrn und untereinander und aus der Gemeinschaft mit bloßen Bekennern, den Scheinweizen), sondern es ist auch eine Zeit des Reinigens des Feldes durch Verbrennen des Scheinweizens, der Stoppeln, des Unkrautes, usw. als Vorbereitung für ein neues Säen. In einem Sinne wird der "Weizen" aus dem Scheinweizen heraus gesammelt - wegen der größeren Anzahl des Scheinweizens - wie wenn der Herr sagt: "Gehet aus von ihr, mein Volk". Doch in einem anderen Sinne wird die Trennung richtig dargestellt als eine Trennung des Scheinweizens vom Weizen. Eigentlich ist der Weizen an seinem Platze. Es ist ein Weizenfeld, nicht ein Lolchfeld. (Die Menschenwelt wird als Ackerboden gerechnet, aus dem der Weizen wie der Scheinweizen emporwächst). So ist also der Scheinweizen nicht am Platz und muss entfernt werden. Der Herr begann das Weizenfeld, und der Weizen stellt die Kinder des Königreiches dar (Matth. 13:38). Und da der Acker oder die Welt diesen Kindern übergeben werden soll, und ihnen schon durch Verheißung gehört, so zeigt das Gleichnis, dass es eigentlich der Scheinweizen ist, der gesammelt und verbrannt wird, und der Acker, mit allem in und auf ihm, dem Weizen überlassen wird. Der Scheinweizen kehrt zum Ackergrund (zur Welt), aus dem er kam. zurück, und die Erstlingsfrucht des Weizens ist in die Scheuer zu sammeln, damit die Erde eine weitere Ernte hervorbringen könne.

Der Weizen soll nicht gebündelt werden. Die Körner wurden ursprünglich getrennt und unabhängig von einander gepflanzt, um nur als eine Art unter gleichen Bedingungen sich zusammenzutun. Das Gleichnis aber erklärt, dass eine der Wirkungen der Ernte die sein werde, den Scheinweizen vor dem "Verbrennen" oder vor "der Zeit der Trübsal" zu sammeln und in Bündel zu binden. Und dies Werk ist rings um uns her im Fortschritt begriffen. Nie gab es eine Zeit, wie diese, für Arbeitervereinigungen, kapitalistische "Trusts" und Gesellschaften jeder Sorte zum gegenseitigen Schutz.

Die zivilisierte Welt ist der "Acker" des Gleichnisses. Die in ihr während der Reformation bald von dieser bald von jener Seite sich erhebenden Winde der Kämpfe über Meinungsverschiedenheit in der Lehre warfen Weizen und Scheinweizen in große Schläge (religiöse Gemeinschaften)zusammen, einige in dieser Lehrrichtung, andere in jener. Dies trieb Weizen und Scheinweizen näher zusammen und raubte allen viel von ihrer Persönlichkeit oder Selbstständigkeit. Die Lehrstürme haben längst ausgetobt, doch die Trennungen bleiben durch die Gewalt der Gewohnheit bestehen, und nur hier und da hat eine Weizenähre versucht, sich aus dem Gewicht der Masse gerade empor zu richten.

Doch mit der Erntezeit kommt die Befreiung des Weizens von der Beschwerung und Hinderung durch den Scheinweizen. Die Sichel der Wahrheit bereitet diese Klasse zu für die Freiheit, mit der Christus ursprünglich alle frei gemacht hatte, obwohl die selbe Sichel eine entgegengesetzte Wirkung auf den Scheinweizen hat. Der Geist des Scheinweizens ist auf sektiererische Größe und Ansehen mehr wie auf persönlichen Gehorsam und Treue gegen Gott gerichtet. Folglich verwirft er die gegenwärtige Wahrheit und widersetzt sich ihr stark, weil er sofort erkennt, dass dieselbe all und jedes Sektenwesen verurteilt und jeden Einzelnen prüft. Und wenn auch nicht geneigt, sich mit einander zu vereinigen, so vereinigen sie sich doch im Ankämpfen gegen die trennende Wirkung der gegenwärtigen Wahrheit bis zu einem solchen Grade, dass sie langsam, vorsichtig und doch fest um alles selbstständige Denken und Studium religiöser Gegenstände die Seile ziehen, sonst möchten ihre Organisationen in Stücke fallen, aller Weizen entkommen und nichts als Scheinweizen zurück bleiben.

Ein jeder in der Scheinweizen-Klasse scheint zu merken, dass, wenn er als Person geprüft werden würde, er keinen Anspruch auf das den genauen Nachfolgern des Lammes verheißene Königreich machen könne. Der Scheinweizen würde vorziehen, dass die verschiedenen Sekten als so und so viele Körperschaften gerichtet würden, und im Vergleich mit einander; auf diese Weise hoffte er, auf Grund des Verdienstes des Weizens, mit dem er verbunden ist, in die Herrlichkeit des Königreiches hinein zu gleiten. Doch dies ist nicht möglich. Die Probe der Würdigkeit für die Ehre des Königreichs wird eine persönliche sein - eine über persönliche Treue gegen Gott und seine Wahrheit - keine Prüfung von Sekten, um zu sehen, welche die wahre sei. Und an diesem Tage größeren Lichtes, das die Dünste von Scheinheiligkeit und Aberglauben zerstreut, scheint jede Sekte zu merken, dass andere Sekten ebenso gut (und ebenso wenig) ein Recht haben, zu behaupten, die eine und einzig wahre Kirche zu sein. Gezwungen, dies zuzugeben, suchen sie alle dadurch zu fesseln, dass sie den Eindruck geben, es sei zum Heile wesentlich, zu irgend einer ihrer Sekten zu gehören - einerlei zu welcher. So vereinigen sie persönliche Verantwortlichkeit mit Sektenknechtschaft.

Als Beispiel eines allgemein bekannten Bandes, das kürzlich vom Sektentum fester um seine Anhänger gezogen wurde, führen wir die scheinbar unschädlichen und für viele dem Anschein nach vorteilhaften "Internationalen Sonntagsschuleaufgaben" an. Diese geben den Eindruck von unparteiischem Gemeinwirken im Bibelstudium unter allen Christen. So scheinen sie einen großen Schritt hinweg von, und hinaus über, den alten Methoden, nach sektiererischen Katechismen zu studieren, getan zu haben. Diese gemeinsamen Aufgaben oder Themen haben den Anschein von einem Fallenlassen des Sektentums und des Zusammenkommens aller Christen, die Bibel in ihrem eigenen Lichte zu betrachten; - ein Ding, das alle als den einzig richtigen Weg anerkennen, aber alle Sekterianer sich weigern zu tun, denn, man beachte wohl, diese internationalen Sonntagsschuleaufgaben scheinen nur unparteiisch zu sein: sie scheinen nur große Freiheit im Bibelstudium zu gewähren. In Wirklichkeit bereitet jede religiöse Gemeinschaft ihre eigenen Bemerkungen über die Schriftstellen der Aufgabe. Und das Komitee, welches diese Aufgaben auswählt, nach äußerem Schein von Harmonie strebend, wählt solche Stellen, über die wenig Meinungsverschiedenheit herrscht. Die Stellen und Lehren, in denen sie differieren, die gerade am meisten besprochen zu werden bedürfen, damit die Wahrheiten und Irrtümer einer jeden Sekte offenbar werden möchten und eine wirkliche Vereinigung auf Grund des "einen Herrn, ein Glaube, eine Taufe" zustande kommen würde - diese werden in den Aufgaben übergangen, aber wie zuvor in jeder Sekte festgehalten.

Die Folge dieser und ähnlicher "Vereinigungs-Methoden ist, den Protestantismus mehr eindrucksvoll im Aussehen zu machen und dem Volke in der Tat, wenn nicht in Worten zu sagen: Ihr müsst euch einer dieser Sekten anschließen, oder ihr seid überhaupt gar kein Kind Gottes. In Wirklichkeit ist gar keine Vereinigung als Kirche vorhanden, sondern eine Zusammenfassung getrennter und wohl unterschiedener Organisationen, jede so begierig wie je, seine eigene Organisation als Sekte oder als Bündel zu behalten, aber jede willens, sich mit anderen zu verbinden, um einen größeren Achtung fordernden Eindruck auf die Welt zu machen. Es verhält sich wie mit dem Zusammenstellen der Garben in einen Haufen. Jede Garbe behält ihre eigenen Bande und Einrichtung und wird noch fester gebunden, indem sie mit anderen Bündeln zusammengepfercht und befestigt wird - in einem größeren und stattlicheren Stapel.

Das International Aufgaben System, zusammen mit der neueren Methode, wie Sonntagsschulen "betrieben" werden, fördert das Sektentum sehr und hindert wirkliches Wachstum in Erkenntnis der Wahrheit auf noch einem anderen Wege. So eine allgemeine Aufgabe wird der Sonntagsschule in Verbindung mit "Übungen" vorgelegt, so dass kaum Zeit erübrigt, die vorbereiteten gedruckten Fragen und Antworten zu berücksichtigen; und gar keine Zeit bleibt daher übrig für den wahrheitshungrigen Bibelforscher oder einen (zufällig) ernsten Lehrer, andere Fragen von größerer Wichtigkeit hervorzurufen, die Speise zum Denken und nützlichen Besprechen enthalten. Ehemals versammelten sich Bibelklassen, solche Abschnitte der Bibel zu studieren, die man wünschte. Sie wurden nur durch die Bande ihres eigenen Vorurteils und Aberglaubens daran gehindert, die Wahrheit zu erlangen; und die Ernsten und Wahrheitshungrigen waren immer imstande, etwas Fortschritt zu machen. Aber jetzt, da zunehmendes Licht jeden Gegenstand erleuchtet und die Dünste des Aberglaubens und Vorurteils verscheucht, wird es durch die Internationalen Aufgaben daran gehindert, auf den Bibelforscher der Bibelklassen zu scheinen, obschon sie behaupten, ihm zu helfen. Mit Gewandtheit wird seine Zeit zum Forschen so gelenkt, dass er keine neuen Gedanken bekommt, sondern fortwährend beschäftigt ist, die "Milch des Wortes" (von Aufsätzen der Menschen sehr abgeschwächt) zu gebrauchen, so dass ihm sein Appetit nach "fester Speise", vollerer Wahrheit, ganz genommen wird (Hebr. 5:14). In solchen Klassen (oder Bibelstunden) wird alle Zeit und Gelegenheit, Speise zu schmecken und wertzuschätzen, geopfert - im Gehorsam der Worte: "Wir müssen uns an die Aufgabe halten, denn die Stunde wird bald um sein". Wohl sagt der Prophet, sowie auch der Apostel, dass wir, um die großen Lehren Gottes wertschätzen zu können, die zu unserem Wachstum in Gnade und Erkenntnis und der Liebe Gottes so nötig sind, - dass wir das Wort vom Anfang, die ersten Bedingungen, lassen und zum volleren Wuchse fortfahren müssen - "von der Milch entwöhnt und von den Brüsten entfernt." - Hebr. 6:1; Jes. 28:9

Als eine Folge der gegenwärtigen Sonntagsschulemethode (einschließlich den Gebrauch der Internationalen Aufgaben mit denselben immer wiederkehrenden Fragen, die persönliches Studium und persönlichen Gebrauch des Gehirnes entmutigen) ist eine Bibelklasse der Erwachsenen, um durch Verständnis der Schrift Gnade zu erlangen, ein Ding der Vergangenheit. Reifere Köpfe werden entweder gezügelt und gespannt, als Lehrer das International System mitzuschleppen, oder sie bleiben zu Hause und lesen die Zeitung. Junge Männer und junge Frauen, dagegen, finden die kurzen Versammlungen und die maschinenmäßig gestellten Fragen und die "Übungen" angenehmer als Bibelstudium. Sie werden in dem Gefühl angeleitet, dass sie eine Pflicht erfüllt haben; und das Opfer der paar Minuten wird bei der Gelegenheit durch den Verkehr und geselliges Plaudern zurückerstattet. Die Kleinen, ebenfalls, lieben die "Übungen", das Singen, Geschichtsbücher, Ausflüchte, Geschenke und allgemeine Unterhaltung, am besten; und sie und ihre Mütter fühlen ihre Mühe des Ankleidens von der Gelegenheit, ihre feinen Kleider zu zeigen, wohl belohnt. Und die elterliche Pflicht einer religiösen Erziehung wird oft dem Schein- und Maschinenwesen der Sonntagsschule überlassen. Die Sonntagsschule ist mit Recht die Baumschule der Kirche genannt worden, und die Kleinen, die so in der Furcht und Vermahnung des weltlichen Geistes erzogen werden, sind die jungen Schösslinge der so reichen Ernte von Unkraut, mit dem Groß-Babylon gänzlich überfüllt ist.

Wo immer, hier und da, eine Bibelklasse für Erwachsene besteht, und der Lehrer frei und offen genug ist, anstatt der vorgeschriebenen Aufgaben wichtigere Themen zu verfolgen, und Freiheit gebend, dass die Wahrheit klar gelegt wird, sei sie dem Bekenntnis der Sekten günstig oder ungünstig, so wird er von dem weltlich kluge Pastor oder Superintendenten als unsicher bezeichnet. Solche Lehrer sind dem Sektentum in der Tat gefährlich und sehr bald ohne eine Schüler-Klasse. Solche Lehrer und die Wahrheiten, die sie für offene Prüfung würden zulassen, würden bald die Schnur zerschneiden und die Bündel des Sektentums zerstreuen; und folglich sind sie nicht lange gewünscht. Andere werden daher vorgezogen, welche die Gedanken der Klasse fesseln, von "Fester Speise" ablenken und sie so als nicht entwöhnte Kinder erhalten können - Kinder, die zu schwach sind, allein zu stehen, an das System festgebunden, dasselbe zu lieben und zu glauben lernen, dass sie ohne dasselbe sterben würden. Des wahren Lehrers und des wahren Bibelforschers Platz ist außerhalb aller menschlichen Fesseln, wo er frei ist, alle Teile des guten Wortes Gottes zu prüfen und davon zu genießen, frei, dem Lamm zu folgen, wo immer es hinführen mag. - Joh. 8:36; Gal. 5:1

Während jetzt persönliche Freiheit, wie früher nie, äußerlich anerkannt werden muss, so sehen wir doch, dass es in Wirklichkeit nie eine Zeit gab, da die Bande so trefflich fest gezogen wurden, um allen Weizen und Scheinweizen in den vielen Bündeln zu binden. Nie gab es eine Zeit, da die Einrichtungen für jede persönliche Freiheit so eng und so hindernd waren, wie jetzt. Jede freie Stunde eines aufrichtigen Sektierers wird von einer der vielen Versammlungen und Vorhaben ausgefüllt, so dass ihm keine Zeit für ungestörtes Denken und Bibelstudium erübrigt. Der Hauptzweck dieser Versammlungen, Unterhaltungen, usw. ist: Wachstum und Stärke der Sekte; und die Folge ist das genannte Gebunden sein, das so schädlich, vernichtend auf ein wirkliches Wachstum des geweihten Kindes Gottes, des Weizens, einwirkt. Diese Bande werden immer fester werden, wie der Prophet andeutet (Jes. 28:22). Ein wenig Weizen und viel Scheinweizen bilden diese Bündel, aus denen es täglich schwerer wird, zu entkommen.

Aus dem, was wir von der kleinen Anzahl wahrhaft geweihten Weizens und von der großen Masse des "getauften Bekenntnisses" (wie ein methodistischer Bischof die Scheinweizen-Klasse zutreffend beschrieben hat) gesehen haben, ist klar, dass das Verbrennen des Scheinweizens ein gewaltiges Ereignis sein wird. Es ist jedoch ein Missgriff, den viele machen, anzunehmen, dass das Verbrennen des Scheinweizens in einem Schmelzofen, wo da Heulen und Zähneknirschen sein wird (Matth.13:42), entweder auf ein buchstäbliches Feuer Bezug nehme, oder auf Trübsal jenseits des Grabes. Das ganze Gleichnis gehört in das gegenwärtige Zeitalter. Nicht nur Weizen und Scheinweizen sind Symbole, sondern auch das Feuer. Es symbolisiert die Vernichtung des Scheinweizens in der großen Trübsalzeit mit der dieses Zeitalter schließt, und welcher zu entgehen der Weizen-Klasse verheißen ist. (Mal. 3:17; Luk. 21:36). Der große Feuerofen symbolisiert die "große Trübsalzeit", die über die unwürdige Scheinweizen-Klasse der "Christenheit" am Schluss dieser Ernte kommen wird.

Noch deutet die Vernichtung des Scheinweizens entweder gegenwärtig oder zukünftig eine Vernichtung der Personen an, aus welchen die Scheinweizen-Klasse besteht. Es bedeutet vielmehr eine Vernichtung dieser Klasse als Scheinweizen - der falschen Vorwände, Ansprüche oder Behauptungen solcher, als seien sie Christen. Wenn sie als Scheinweizen aufgebrannt sind, werden sie sein, was sie stets waren, und als was sie sich immer hätten ansehen und ausgeben sollen - nämlich Glieder der Welt und nicht mehr nachgeahmte Christen oder nominelle Glieder der Kirche Christi.

Unser Herr erklärt, dass er den guten Samen des Königreiches, die Wahrheit, säte, von dem die ganze wahre vom Geiste der Wahrheit gezeugte Weizenklasse stammt. Später, während der Nacht, den dunkeln Zeiten, säte Satan den Scheinweizen (Unkraut): Ohne Zweifel wurde der Scheinweizen in derselben Weise wie der Weizen gesät. Er wurde durch Irrtümer erzeugt. Wir haben gesehen, wie schrecklich das Heiligtum und das Heer durch den Widersacher und seine verblendeten Diener verunreinigt worden ist, und wie die kostbaren Gefäße (Lehren) vom Papsttum entweiht und missbraucht wurden; und dies beweist dieselbe Sache aufs neue. Falsche Lehren erzeugten falsche Ziele und Bestrebungen im Weizenfeld des Herrn und führten viele in den Dienst Satans, Irrtümer in der Lehre zu säen, die reichlichen Scheinweizen hervorbrachten.

Das Feld sieht für viele schön und blühend aus wenn sie die Christen bei Hunderten von Millionen zählen können. Doch tatsächlich ist der Weizenbestandteil sehr klein, und es wäre für denselben viel besser gewesen, wenn der weltlich gesinnte Scheinweizen nicht in der Kirche, sondern an seinem Platze in der Welt geblieben wäre und die geweihte "kleine Herde", die alleinigen Vertreter des Geistes und der Lehre Christi, im Feld gelassen hätte, denn er hat den Weizen sehr am Wachstum gehindert und nahezu erstickt. Dann würde der Unterschied zwischen der Kirche und der Welt sehr bezeichnet gewesen sein, und ihr Wachstum, obwohl augenfällig weniger rasch, würde ein gesundes gewesen sein. Der große, scheinbare Erfolg, der sich in Zahlen und Reichtum und gesellschaftlicher Stellung kundtut, womit so viele sich brüsten, ist in Wirklichkeit ein großer Schaden und weder für die Kirche noch für die Welt irgendwie ein Segen.

Wenn wir die Sache untersuchen, finden wir, dass viele dieser Scheinklasse für ihre falsche Stellung als nachgeahmter Weizen wenig zu beschuldigen sind; noch auch wissen viele von ihnen, dass der Scheinweizen nicht die wahre Kirche (Herauswahl) ist, denn sie halten die kleine Herde der Geweihten für Extremisten und Fanatiker. Und verglichen mit der Schein-Masse, erscheinen der Herr und die Apostel und aller Weizen ganz gewiss als Extremisten und Fanatiker, wenn die Mehrheit, der Scheinweizen, im Recht ist.

Dem Scheinweizen ist so gründlich und so oft versichert worden, dass sie Christen sind, dass alle Christen sind, außer die Juden, die Ungläubigen und Heiden, dass man kaum erwarten kann, dass sie etwas anderes wissen. Falsche Lehren zeigen ihnen, dass es nur zwei Klassen gibt, und dass alle, die der ewigen Qual entgehen, Miterben mit Christo sein sollen. Jede Leichenpredigt, außer im Falle von tief gesunkenen und offenbar Gottlosen und Unsittlichen, versichert die Freunde von dem Frieden, der Freude und der himmlischen Herrlichkeit des Gestorbenen; und um es zu beweisen, werden Schriftstellen angeführt, die dem Zusammenhang nach als nur auf die völlig Geweihten, die Heiligen, anwendbar erkannt werden sollten.

Von sich selbst aus geneigt, sich zu tadeln, und gewissenhaft zu verneinen, dass sie Heilige sind, und die reichen Verheißungen der Schrift solchen abzusprechen, werden sie von ihren eben nicht besser unterrichteten Scheinweizen-Genossen, auf der Kanzel wie im Kirchenstuhl, überredet, sich für Christen zu halten. Sie empfinden in ihrem Gewissen - ja sie sind gewiss - dass sie nichts getan haben, das gerechterweise ewige Qual verdient hätte; und ihr Glaube an die falschen Lehren der Christenheit veranlasst sie, zu hoffen und zu behaupten, dass sie und alle moralischen Leute Glieder der Kirche sind, der all die irdischen Verheißungen gehören. So sind sie kraft falscher Lehren Scheinweizen und nehmen nicht nur selbst eine falsche Stellung ein, sondern Missrepräsentieren und erniedrigen auch den wahrhaft hohen Standpunkt der Heiligkeit. Unter der Täuschung dieses Irrtums haben sie ein Gefühl der Sicherheit und Selbstbefriedigung. Denn wenn sie sich und ihr Leben mit dem der Mehrzahl in der nominellen Kirche und mit ihren verstorbenen Freunden, deren Leichenreden sie zugehört haben, vergleichen, so finden sie, dass sie selbst wenigstens mittelmäßig sind - und selbst mehr in Übereinstimmung mit ihrem Bekenntnis als viele, die großes Wesen von sich machen. Doch sie sind sich bewusst, dass sie nie wirklich ihr Herz und Leben, Zeit und Geld, Pfunde und Gaben Gott und seinem Dienste geweiht haben.

So wie die "Spreu-Klasse" der jüdischen Nation am Schluss ihrer Ernte (Luk. 3:17) verzehrt wurde, so wird auch diese "Scheinweizen"-Klasse in dieser Ernte verzehrt werden. Wie die Spreu aufhörte als das triumphierende Königreich Gottes noch weitere vergebliche Ansprüche auf die göttliche Gunst zu machen, ehe jene Ernte mit dem großen Feuer religiöser und politischer Kämpfe schloss, die jenes System verzehrten, so wird es mit der Scheinweizen-Klasse der sogenannten Christenheit sein. Sie wird verzehrt; sie wird aufhören, eine Scheinweizen-Klasse zu sein; sie wird aufhören, sich selbst sowie andere zu verführen; sie wird aufhören, auf sich selbst die über alle Maßen großen und köstlichen Verheißungen anzuwenden, die nur den überwindenden Heiligen gebühren; und sie wird aufhören, für ihre weltlichen Systeme den Namen "Christenheit" zu beanspruchen, - wenn ihre verschiedenen religiösen Organisationen, durch Zwiespalt, der durch das zunehmende Licht entsteht, zerrissen, in dem schon entzündeten "Feuereifer Gottes" - der großen Trübsalzeit, mit der dieses Zeitalter zu Ende geht - verzehrt sein werden. - Zeph. 3:8

Nachdem das Gleichnis das Verbrennen des Scheinweizens berichtet, erklärt es weiter: "Dann werden die Gerechten(der Weizen) leuchten wie die Sonne in dem (König)- Reiche ihres Vaters". (Welch besseres Zeugnis als dies können wir haben, dass die wahre Kirche noch nicht als Gottes Königreich in Macht eingesetzt worden ist, und dass sie nicht vor dem Ende dieser Ernte so erhöht werden wird)? Dann soll die Sonne der Gerechtigkeit (deren Mittel- und Glanzpunkt Christus Jesus stets sein wird) mit Heil unter ihren Flügeln aufgehen, um die ganze Menschheit zu segnen, wiederherzustellen und von Sünde und Irrtum zu reinigen und zu läutern.

Man vergesse den Umstand nicht, dass die wahren Israeliten ebenso wohl wie alle Scheinisraeliten das jüdische oder fleischliche Haus Israel ausmachten, und dass nur die wahren Israeliten ausgewählt und in die Scheune des Evangeliums gesammelt und mit den zum christlichen Zeitalter gehörigen Wahrheiten beehrt wurden, und dass der übrige Teil jener Nation (die "Spreu") nicht leiblich vernichtet wurde (obwohl in ihrer Trübsal viele Leben verloren gingen), sondern nur von allen Königreichsgnaden, auf die sie früher vertrauten und pochten, abgeschnitten wurden. Dann suche die Parallele und das Gegenstück hierzu in dem Verfahren mit dem "Scheinweizen" in dieser brennenden Zeit.

Unser Herr hat uns gezeigt, was wir in dieser "Ernte" zu erwarten haben, und was unser Anteil darin ist, dass wir nicht nur selbst getrennt sein, sondern auch als "Schnitter" die Sichel der Wahrheit gebrauchen sollen, um anderen zur Freiheit in Christo und zur Trennung von falschen, menschlichen Systemen und Banden zu verhelfen. Aber nicht dies allein, sondern, um uns doppelt zu vergewissern, dass wir richtig sind, und dass die Trennungszeit der Ernte gekommen ist, hat er uns auch mit Beweisen versehen, selbst über das Jahr, mit dem das Erntewerk begann; über seine Dauer und wann es zu Ende geht. Diese schon untersuchten Beweise zeigen, dass der Schluss des Jahres 1874 den Anfang und der Schluss des Jahres 1914 das Ende dieser 40-jährigen Ernte bildet, während alle Einzelheiten, die Reihenfolge und das Werk dieser Ernte in ihrem Vorbilde, der jüdischen Ernte, abgebildet sind. Wir wollen nun etliche der hervortretenden Zeitverhältnisse jener vorbildlichen Ernte untersuchen und die Lehren, welche sie geben, und welche jetzt anwendbar sind, und die unser Herr augenscheinlich dazu bestimmt hat, dass wir nicht in Zweifel oder Ungewissheit wären, sondern seinen Plan wüssten und kräftig darnach handeln könnten als Mitarbeiter mit ihm in der Hinausführung seines geoffenbarten Willens.

Alle mit der jüdischen Ernte verbundenen Zeitverhältnisse (obwohl sie sich öfters indirekt auf die Treuen bezogen) bezogen sich direkt auf die große nominelle Masse und bezeichneten Perioden ihrer Prüfung, ihrer Verwerfung, ihres Sturzes und ihrer Zerstörung als System oder Nationalkirche. So kam der Herr als Bräutigam und Schnitter (i.J. 29) nicht zu den wahren Israeliten allein, sondern zur ganzen Masse (Joh. 1:11). Dort offenbarte der Vollzug des Erntewerkes die Tatsache, dass die reifen, für die Scheuer (die christliche Heilszeitordnung) tauglichen Weizenkörner in der Minderheit, ihrer nur wenige, die große Masse dagegen bloß dem äußeren Schein nach Weizen waren. In Wirklichkeit war die Masse nur "Spreu", des wirklichen inneren Weizenprinzips bar. Als unser Herr 3½ Jahre später (i.J. 33) das königliche Amt an sich nahm und zuließ (was er vordem verweigert hatte Joh. 6:15), dass das Volk ihn auf ein Eselfüllen setzte und ihn als König begrüßte, bezeichnet dies einen Punkt in dieser gegenbildlichen christlichen Ernte, der bei weitem bedeutsamer ist als der des Vorbildes. Die Parallele hierzu deutet, wie wir gesehen haben, auf 1874 hin, als die Zeit der zweiten Gegenwart unseres Herrn als Bräutigam und Schnitter, und auf April 1878 als die Zeit, da er begann, sein Amt als König und Herr der Herren - jetzt ein geistlicher König, mit all seiner Macht gegenwärtig, obwohl unsichtbar für Menschen - tatsächlich auszuüben.

Was der Herr da tat, während er wenige Stunden als König Israels vorbildlich handelte, ist für uns tief bedeutsam. Es zeigt unzweifelhaft an und schattet ab, was hier zu erwarten ist. Was man ihn damals vorbildlicherweise tun sah, dass er auf einen Eselfüllen als König in Jerusalem eintritt, dass er die Geldwechsler aus dem Tempel geiselte, das erkennen wir als jetzt auf einer höheren Stufe geschehend; obwohl der König und die aus Stricken verfertigte Geisel und die Verkündigung königlicher Autorität jetzt auf sehr verschiedene Weise und nur dem Glaubensauge kund gemacht werden. Aber das jüdische Vorbild dient dazu, auf diese Erfüllung die Aufmerksamkeit zu lenken. Sonst wären wir nicht imstande sie zu erkennen. Das erste Werk des vorbildlichen Königs war, die ganze Nationalkirche Israels zu verwerfen, als nicht wert, sein Königreich ferner zu sein oder länger als sein besonderes Erbteil behandelt zu werden. Dies ist in folgenden Worten ausgedrückt: "Jerusalem¸ Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Kücklein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus wird euch (jetzt) wüste gelassen." - Matth. 23:37-39

Auf die gegenwärtige Ernte angewendet, lehrt dies, dass, wie das vorbildliche Israel im Jahre 33, nachdem es 1845 Jahre lang als Gottes Volk durch Erweise von Gnade und Züchtigung, usw., anerkannt worden war, von dem König verworfen wurde, weil er es nach einer 3½-jährigen Prüfung und Heimsuchung (Episcope, Inspektion) für unwürdig erfand - so würde in der gegenwärtigen Ernte nach einer ähnlichen 3½-jährigen Inspektion und am Schluss einer ähnlichen Periode von 1845 Jahren der Gnade und Züchtigung die nominelle Christenheit von dem Könige verworfen werden, als nicht wert, noch länger von ihm anerkannt zu werden.

Doch wie die Verwerfung des nominellen fleischlichen Israel nicht die persönliche Verwerfung irgend eines "wahren Israeliten, in dem kein Falsch ist", einschloss sondern vielmehr für diese (die von den "blinden Leitern" frei gemacht und mehr direkt und besser durch neue geistige Kanäle - die Apostel - belehrt worden waren) eine noch größere Gnade bedeutete, so müssen wir hier das gleiche erwarten: Die geistigen Segnungen, die vordem der nominellen Masse galten, gehören hinfort nur den Treuen und Gehorsamen. Hinfort darf man das Licht, das fällig wird, und "die Speise zur rechten Zeit" für die "Hausgenossen des Glaubens", in keiner Weise durch die alten Kanäle erwarten, sondern durch außerhalb der gefallenen, verworfenen Systeme stehende treue Diener.

Während seines Amtes auf Erden und bis zu der Zeit, da er als König das jüdische System verwarf, erkannte unser Herr in gewissem Grade die Schriftgelehrten und Pharisäer als Lehrer des Volkes an. Dies geht aus den Worten des Herrn hervor, wenn er sagt: "Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf Moses Stuhl gesetzt. Alles nun, was irgend sie euch sagen, tut und haltet." (Matth. 23:2). So ähnlich saßen die großen religiösen Herrn des nominellen Christentums - in Synoden, Konferenzen, Konzilien, usw. - in einer Weise und zum Teil als Lehrer des Volkes auf Christi Stuhl, wie einst der jüdische Sanhedrin Moses Stuhl innehatten. Aber wie der Herr nach dem Jahre 33 die Schriftgelehrten und Pharisäer in keiner Weise mehr anerkannte, und die wahren Israeliten nicht mehr durch sie sondern durch demütige, unbetitelte und würdigere Werkzeuge gelehrt wurden, die Gott aus dem Volke erweckte, und die besonders von ihm gelehrt waren, so müssen wir es hier, in dieser Ernteparallele, erwarten.

Das Ansichnehmen des königlichen Amtes von Seiten unseres Herrn im Jahre 33 und sein erster offizieller Akt in der Verwerfung der Nationalkirche des fleischlichen Israel, im Zusammenhang genommen mit all den auffallenden Parallelen der beiden Zeitalter, deutet sehr deutlich an, dass das mystische Babylon, sonst Christenheit genannt das Gegenbild des Judentums, am parallelen Zeitpunkt in der gegenwärtigen Ernte, i.J. 1878, verworfen worden ist; und da ging die Botschaft aus: "Gefallen, gefallen ist Babylon, die große, und eine Behausung von Teufeln geworden und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten Vogels." - Offb. 18:2

Der Fall, die Plagen, die Zerstörung, usw. die, wie vorausgesagt, über das mystische Babylon kommen sollten, wurden in der großen Trübsal und dem nationalen Untergang vorgeschattet, die über das fleischliche Israel kamen, und die mit seinem gänzlichen Sturz im Jahre 70 endeten. Und die Dauer des Fallens ist gleichfalls dementsprechend, denn von der Zeit an, da unser Herr sagte: "Euer Haus wird euch wüste gelassen", im Jahre 33, bis zum Jahre 70 waren 36½ Jahre; und so sind vom Jahre 1878 bis zum Ende des Jahres 1914 ebenfalls 36½ Jahre. Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde.

Das Judentum war ein von Gott bestimmtes Vorbild des tausendjährigen Königreiches Christi, das alles beherrschen und regeln wird, folglich war damals eine Vereinigung von Kirche und Staat - von kirchlicher und bürgerlicher Obrigkeit - ganz am Platze. Doch die christliche Kirche, sollte, wie wir schon gezeigt haben, in keinem Sinne mit der nationalen Obrigkeit vermengt sein, oder etwas damit zu tun haben, bis ihr Herr, der König der Könige, kommt, die Herrschaft an sich nimmt, und sie als seine Braut erhöht, um an jener gerechten Regierung teilzunehmen. Die Worte des Herrn missachtend und menschlicher Weisheit, menschlichen Theorien und Plänen folgend, wurde das große Christenheit genannte System, das alle Reiche und Glaubensbekenntnisse umfasst, die vergeben Christo anzugehören (aber eine erbärmliche Nachahmung des wahren Königreiches Christi sind), vor der Zeit organisiert, und zwar ohne den Herrn und aus gänzlich untauglichen Elementen. Der Fall Babylons als eines untauglichen staatskirchlichen Systems und das Heraussammeln des würdigen Weizens kann daher wohl durch den Fall des Judentums veranschaulicht werden und ist dadurch vorgeschattet worden.

Der Name Babylon bedeutet ursprünglich Gottes Torweg; doch spottweise erhielt er später die Bedeutung: Mischung oder Verwirrung. Im Buch der Offenbarung wird dieser Name ganz besonders auf die nominelle Kirche angewandt, die aus einem Tor zur Herrlichkeit ein Tor zum Irrtum und zur Verwirrung wurde, eine armselige Mischung, die hauptsächlich aus Scheinweizen und Heuchlern bestand, eine verwirrte Masse weltlicher Herr-Herr-Sager, unter welcher die Edelsteine des Herrn begraben lagen, und in welcher ihre wahre Schönheit und ihr Glanz verborgen war. In der symbolischen Prophezeiung wird der Ausdruck Babylon oft nur auf die Kirche Roms angewandt, Babylon, die Große, die Mutter der Huren genannt. Jahrhundertlang konnte der Name sich nur auf sie beziehen, weil sie das einzige gemischte System war und kein anderes neben sich dulden wollte; doch andere kirchliche Systeme, nicht so groß wie die "Mutter", noch auch so gottlos, noch so durch und durch schlecht, gingen durch verschiedene versuchte, jedoch unvollkommene Reformen aus ihr hervor. In diesen hatten Irrtum, Scheinweizen und Weltförmigkeit die bedeutende Oberhand, und so wurde der Name Babylon als allgemeiner oder Familienname für all die nominell christlichen Systeme gebraucht und schließt nun nicht nur die Kirche Roms ein, sondern eben sowohl auch alle protestantischen Sekten. Denn da das Papsttum als das Muttersystem bezeichnet ist, so müssen wir die verschiedenen protestantischen Systeme, die von ihr abstammen, als die Töchter betrachten - ein Umstand, der sehr allgemein zugegeben wird und von Protestanten selbst oft mit Stolz.

Schon vor der Erntezeit entdeckten manche Kinder Gottes in Großbabylon, dass ihr eigentlicher, hervorstechender Charakterzug ein grob antichristlicher sei, besonders sahen dies die Waldenser, die Hugenotten und Reformatoren des 16. Jahrhunderts. Sie lenkten die Aufmerksamkeit auf diese Tatsache und trennten sich von dem Muttersystem und führten andere mit sich, wovon viele Scheinweizen waren; wie der Prophet vorhergesagt: "Und viele werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen." (Dan. 11:34). Hier fand das Auseinanderscheiden der politisch kirchlichen Stürme vor der Erntezeit statt. Unter diesen herrschte der Scheinweizen noch vor und bildete andere, wenn auch weniger verwerfliche, babylonische Systeme.

Obwohl der Weizen von Zeit zu Zeit den Versuch machte, sich von dem Übergewicht des Scheinweizens zu befreien und besonders von den gröberen Irrtümern, die letztere pflegte und hervorbrachte; und obwohl jener durch solche Bemühungen gesegnet wurde, dennoch blieb die Weizenklasse immer noch mit hervorherrschenden Schein-Elementen vermischt. Doch um des Weizens willen erstreckte sich Gottes Gnade selbst bis zu diesen gemischten Bündeln oder babylonischen Systemen; und nicht bis Gottes Zeit herbeikam, eine vollständige und schließliche Trennung zu vollziehen - in der Erntezeit, im Jahre 1878 - wurde das System vollständig und für immer von aller Gnade abgeschnitten und zur schleunigen Zerstörung verurteilt, und alle Kinder Gottes ausdrücklich und dringend herausgerufen. Gleich am Anfang des Zeitalters wurde Gottes Volk vor der Verführung des Antichristen gewarnt und belehrt, sich von ihm getrennt zu halten; und doch wurde zugelassen, dass es in gewissem Grade durch denselben verführt und zu seiner Prüfung und Erprobung mehr oder weniger mit ihm verwoben wurde. Jedes Aufwachen zur Erkenntnis unchristlicher Grundsätze, Lehren und Handlungen, die zu Reformmaßnahmen führten, prüfte und erprobte die Weizenklasse und half, sie mehr und mehr von den Verunreinigungen des Antichristen zu reinigen. Doch diese letzte Prüfung und dieser bestimmte Ruf, zusammen mit der gänzlichen Verwerfung jener Systeme, die nicht länger mehr göttliche Gunst empfangen (wie früher um des in ihnen befindlichen Weizens willen der Fall war), soll die endliche Trennung der Weizenklasse von allen antichristlichen Systemen und Grundsätzen bewirken. Die Wahrheiten, welche diese Systeme früher festhielten, werden jetzt schneller und schneller von ihnen weggeschwemmt und durch Menschentheorien ersetzt, die jedes Element göttlicher Wahrheit zerstören; und lebendige Frömmigkeit und Heiligkeit werden rasch durch Vergnügungssucht und den Geist der Welt verdrängt.

Mit der Erklärung, dass Babylon gefallen ist, kommt auch der Befehl an alle Kinder Gottes, die noch darin sind, herauszukommen: "Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Gehet aus ihr hinaus, mein Volk! auf dass ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, und ihr nicht empfanget von ihren Plagen." (Offb. 18:4) Der Ausdruck: "Babylon ist gefallen", "Gehet aus ihr hinaus", hebt zwei Gedanken hervor, die recht im Auge behalten werden sollten. Er zeigt an, dass Babylon zu einer Zeit nicht von der göttlichen Gnade gefallen war, dass sie trotz ihres gemischten Charakters eine Zeitlang ein Maß von Gnade behielt, dass sie, wie groß auch der Teil des von ihr gelehrten Irrtums war, und wie wenig sie vom Geiste Christi besaß, dennoch nicht gänzlich von Gottes Gnade verworfen war, bis die Erntezeit der Trennung kam. Es zeigt zum anderen an, dass einmal eine plötzliche und gänzliche Verwerfung über Babylon kommen soll, da alle Gnade für immer aufhört, und da die Gerichte folgen werden - grade solch eine Verwerfung, wie sie von uns, als im Jahre 1878 fällig, nachgewiesen worden ist. Es zeigt ebenfalls an, dass zur Zeit der Verwerfung Babylons viele Kinder Gottes in Babylon und mit ihr verknüpft sein würden. Denn erst nach Babylons Verwerfung oder Fall von der Gnade geschieht es, dass diesen zugerufen wird, herauszukommen.

Der Unterschied zwischen den mancherlei allmählichen Reformbewegungen der letzten vierhundert Jahre und dieser schließlichen, vollständigen Trennung, sollte deutlich erkannt werden: Jene waren zugelassene Versuche, Babylon zu reformieren, während diese für sie alle Hoffnung auf Besserung aufgibt: - "Babel war ein goldener Becher in der Hand Jehovas, der die ganze Erde berauschte; von seinem Weine haben die Nationen getrunken, darum sind die Nationen rasend (von ihren Irrtümern berauscht) geworden. Plötzlich ist Babylon gefallen und zertrümmert. Jammert über dasselbe! holet Balsam für seinen Schmerz; vielleicht wird es geheilt werden! Wir haben Babylon heilen wollen, aber es ist nicht genesen. Verlasst es und lasst uns ein jeder in sein Land ziehen (zur wahren Kirche oder zur Welt, je nachdem jeder sich als Weizen oder Scheinweizen ausweist), denn sein Gericht reicht bis an den Himmel." - Jer. 51:7-9 - vergleiche Offb. 17:4; 14:8; 18:2, 3, 5, 19

Das ungeheilte Babylon ist jetzt zum Untergang verurteilt. Das ganze System - ein System von Systemen - ist verworfen, und allen Kindern Gottes, die da nicht in Einklang stehen mit ihren falschen Lehren und ihrer falschen Praxis, wird jetzt zugerufen, sich von ihr zu trennen. Der Prophet gibt den Grund zu diesem Urteilsspruch an, sowie warum etliche das zu erkennen verfehlen, wenn er sagt:

"Selbst der Storch am Himmel kennt seine bestimmten Zeiten, und Turteltaube und Schwalbe und Kranich halten die Zeit ihres Kommens ein; aber mein Volk kennt das Recht (die Anordnung) Jehovas nicht." (Es erkennt nicht, dass eine Zeit vollständiger Trennung des Weizens von Spreu und Scheinweizen kommen muss. Hierin zeigen sie weniger Unterscheidungsgabe als die Zugvögel.) "Wie möget ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz Jehovas ist bei uns" (wenn ihr die Erntezeit und den Wechsel der Zeitordnung, der dann fällig ist, nicht erkennt)? "Siehe, fürwahr, zur Lüge hat es (das Gesetz) gemacht der Lügengriff der Schriftgelehrten;" (Denn das Wort Gottes durch seine Propheten und Apostel ist bedeutungslos gemacht und ohne Beachtung beiseite geworfen worden; und Glaubensformulare, die in dem vergangenen "dunklen Zeitalter" gebildet wurden, sind die lichtlosen Leuchten derer, die in der Finsternis wandeln.) "Die Weisen (?) werden beschämt, bestürzt (durch die Vereitlung ihrer menschlichen Lieblingspläne) und gefangen werden; siehe, das Wort Jehovas haben sie verschmäht, und welcherlei Weisheit haben sie (nun)?" (Vergleiche Jes. 29:10) "Darum werde ich ihre Weiber (Kirchen) anderen geben, ihre (Arbeits-) Felder anderen Besitzern. Denn vom Kleinsten bis zum Größten sind sie allesamt der Gewinnsucht ergeben; vom Propheten (Redner) bis zum Priester (weniger begabten Prediger) üben sie allesamt Falschheit (vergl. Jes. 56:10-12; 28:14-20), und sie heilen die Wunde der Tochter meines Volkes (das nominelle Zion - Babylon) leichthin und sprechen: Friede, Friede, und da ist doch kein Friede." (Da ihr ganzes System krank ist und einer gründlichen Reinigung durch die Arznei des Wortes Gottes, die Wahrheit, bedarf.) "Sie werden beschämt werden, weil sie Greuel verübt haben. Ja, sie schämen sich keineswegs, ja Beschämung kennen sie nicht. Darum werden sie (die Lehrer) fallen unter den Fallenden; zur Zeit ihrer Heimsuchung (oder Inspektion in der "Ernte") werden sie straucheln, spricht Jehova. Wegraffen werde ich sie, spricht Jehova. Keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum (sollen bleiben), und das Blatt ist verwelkt: so will ich ihnen solche (Trübsale) bestellen, die sie verheeren werden." - Jer. 8:7-13

Die folgenden Verse zeigen, dass viele der so Verworfenen die über sie kommende Trübsal erkennen und doch über deren eigentliche Ursache im Dunkeln sein werden. Sie werden sagen: "Wozu bleiben wir sitzen? Versammelt euch, und lasst uns in die festen Städte (Obrigkeiten) ziehen und dort umkommen (als Denomination and. überf.: stille sein)". Sie merken irgendwie, dass weder Vernunft noch Schrift ihre falschen Lehren unterstützen, und dass es das Klügste ist, unter dem Schatten des alten Aberglaubens und unter dem Schutze der sogenannten christlichen Obrigkeit zu schweigen. Hier werden sie mit Recht dargestellt als sagend: "Jehova, unser Gott, hat uns zum ("Schweigen" wie im) Untergang bestimmt und uns mit bitterem Wasser getränkt." Der einzige Labetrunk, den sie haben können, ist der Trank, den sie selbst gemischt haben. (Das Gift bitteren Irrtums, die "Lehren der Teufel", mit etwas purem Lebenswasser, der Wahrheit des göttlichen Wortes, vermengt.) Sollten die, welche zu Babylon gehören und es lieb haben, und darum nicht bereit sind, dem Aufruf: "Gehet aus ihr hinaus", zu folgen, nicht gezwungen werden, den Kelch ihrer eigenen Mischung zu trinken? Sollten sie nicht gezwungen werden, die Verkehrtheit ihrer Lehren einzusehen? Sicherlich sollen sie; und sie werden alle davon durch und durch mit Ekel erfüllt werden. Der nächste Vers redet von der Enttäuschung ihrer Erwartungen, dass ihre bitteren (Gift-Wasser) Lehren die Welt bekehrt und das Millennium herbeigeführt haben würden. Sie sagen: "Man hofft auf Frieden, und da ist nichts Gutes; auf die Zeit der Heilung, und siehe da, Schrecken." Die Krankheit des nominellen Zion wird sich von der Zeit ihrer Heimsuchung und Verwerfung an rasch verschlimmern, da die "wahren Israeliten", dem göttlichen Ruf gehorsam, anfangen, aus den nominellen Systemen herauszukommen.

Etliche wundern sich, warum der Herr keine noch größere Reform, wie die der Vergangenheit, eintreten lässt, die sich als so fruchtlos und kurzlebig erwiesen hat. Sie fragen: Warum gießt er nicht auf all die großen Sekten einen Segen aus und schmilzt sie alle in eine zusammen; oder warum gießt er ihn nicht auf eine derselben aus und reinigt sie von den Schlacken und zieht alle anderen in sie hinein. Und warum nicht alle Reiche der Welt in eins verschmelzen, und es reinigen?

Es sollte für alle Kinder Gottes genügen, zu wissen, dass dies nicht das ist, was er als seinen Plan geoffenbart hat; und ein wenig Überlegung vom Standpunkte Gottes aus, zeigt uns die Unvernünftigkeit solcher Vorschläge. Bedenke die Zahl der Namenkirche (400 Millionen) und frage dich: Wie viele davon würden für sich selbst behaupten, nach Leib und Seele dem Herrn und dem Dienste seines Planes völlig geweiht zu sein? Deine eigene Beobachtung muss dich zu dem Schluss führen, diese durch Entfernung der anderen von denselben zu trennen, hieße in fast jedem Fall, selbst in den größten Kirchengebäuden oder Kathedralen, nur eine kleine Handvoll übrig lassen.

Der Grund, warum man nicht unternehmen sollte, die nominellen Systeme zu reinigen, ist der, dass kein noch so gründliches Reinigen die ungeweihte Masse der "Christenheit" und ihre staatlichen und kirchlichen Organisationen für das jetzt auf Erden anzufangende Werk des Herrn tauglich machen würde. Während der vergangenen 18 Jahrhunderte hat er die wahrhaft Geweihten, die Würdigen, ausgewählt, und was jetzt zu tun übrig ist, ist, diejenigen derselben Klasse aus der lebenden Generation auszusuchen - und dies sind nur wenige - und nur wenige fehlen noch, um die vorher verordnete Anzahl Glieder im Leibe Christi voll zu machen.

Der Grund, warum jetzt alle menschlichen Organisationen beiseite geschoben werden, und nicht einmal die am wenigsten zu beanstandende reformiert wird, und alle anderen zu ihr gerufen werden, ist durch die Behandlung der verschiedenen jüdischen Sekten in der Ernte oder am Schluss ihrer Heilszeitordnung von Seiten des Herrn dargelegt worden. Denn damals wurden, wie jetzt, alle verworfen und die "wahren Israeliten" aus allen in die Freiheit herausgerufen; und durch verschiedene von Gott selbst gewählte Gefäße wurde ihnen der Wille und Plan Gottes gelehrt. Diese Sache erläuternd, erklärte der Herr den Juden in zwei Gleichnissen die Weisheit seiner Verfahrungsweise: Erstens, dass ein Flicken von neuem Tuch auf ein sehr altes Gewand die Schwachheit nur um so auffälliger machen, und der Riss vermöge der Ungleichheit der Stärke nur um so größer werden würde. Zweitens, dass neuer Wein, in alte Schläuche getan, aus welchen alle Dehnungsfähigkeit und Nachgiebigkeit gewichen, sicher Schaden anstatt Vorteil bringen würde, denn das Resultat würde nicht nur das sein, dass die alten Schläuche bersten und zu Nichte würden, sondern auch, dass der wertvolle neue Wein verloren gehen würde.

Die neuen Lehren unseres Herrn waren der Wein, während die jüdischen Sekten die alten Schläuche waren. Angenommen nun, dass unser Herr sich einer dieser Sekten angeschlossen und in derselben eine Reform begonnen hätte; was würde der Erfolg gewesen sein? Kein Zweifel kann bestehen, dass die neuen Wahrheiten, wenn sie angenommen worden wären, jene Sekten vollständig zerbröckelt hätten. Die Macht ihrer größtenteils auf sektiererischen Stolz aufgebauten, und durch Irrtümer, Aberglauben und menschliche Traditionen verkitteten Organisationen würden sofort vernichtet worden sein; die neuen Lehren dagegen würden Schiffbruch gelitten haben, und durch die Irrtümer und Traditionen jener Sekte gehindert, und von der Welt für das vergangene Tun und Treiben der Sekten verantwortlich gehalten worden sein.

Aus demselben Grunde verfährt der Herr hier, in der gegenwärtigen Ernte, bei der Einführung des volleren Lichtes der Wahrheit beim Tagesanbruch des Millenniums ebenso. Er flickt die alten Systeme nicht, noch tut er neuen Wein in alte Schläuche. Weil zuerst keines derselben in einem zum Flicken tauglichen Zustande ist oder neue Lehren annehmen kann. Zweitens, weil die neuen Wahrheiten, wenn sie angenommen würden, bald zur Gärung kommen und eine Macht entwickeln würden, die irgendwelche Sekte in Stücke reißen würde, wie durch und durch fest organisiert und gebunden sie auch sein möchte. Wenn der Versuch gemacht würde, bei einer wie der anderen würde das Resultat das gleiche sein, und am Ende würde der neue Wein (Lehren) keinen Schlauch haben, der ihn fassen und aufbewahren könnte.

Der geeignete und beste Weg war der von unserem Herrn beim ersten Advent eingeschlagene. Er machte ein ganz neues Kleid aus dem neuen Stoff und tat den neuen Wein in neue Schläuche, d.h. er berief die wahren (unsektierischen) Israeliten und übertrug ihnen die damals fälligen Wahrheiten. Und so geschieht es jetzt; und aus dem gleichen Grunde; und es gebührt allen Wahrheitshungrigen, die Wahrheit so anzunehmen, wie es dem Herrn gefällt, sie mitzuteilen, und von Herzen auf seinen Plan einzugehen und mitzuwirken, einerlei welche oder wie viele Schläuche übergangen und als zur Aufnahme der selben untauglich verworfen worden sind. Freuet euch lieber, dass ihr würdig erachtet wurdet, dass dieser neue Wein gegenwärtiger Wahrheit euch bezeugt wurde, und, sobald geprüft, nehmt die Wahrheit an und handelt freudig daraufhin. Wer am ersten Advent darauf wartete, die Meinung hervorragender Sektenführer zu erfahren und ihrer Leitung zu folgen, und etwa fragte: "Glauben auch die Schriftgelehrten und Pharisäer an ihn?" - nahm die Wahrheit nicht an, weil er vielmehr ein Nachfolger der Menschen als ein Nachfolger Christi war. Denn hervorragende Sektenführer nahmen Christi Lehre nicht an, und diese gleiche Klasse sind immer die blindesten Leiter der Blinden gewesen, und sind es noch. Anstatt die Wahrheit anzunehmen und gesegnet zu werden, "fallen" sie in der Zeit der Prüfung ab. Das alte Kleid und die alten Weinschläuche sind in solchem Zustande, dass sie für ferneren Gebrauch völlig untauglich sind.

Da es der Herr ist, der sein Volk aus Babylon herausruft, so können wir keinen Zweifel haben, dass, was auch immer seine Werkzeuge dabei sind, alle, die in Wahrheit sein Volk sind, den Ruf hören werden; und durch den Ruf wird nicht nur ihr Gehorsam, sondern auch ihre Hinneigung und Liebe zu Babylon und deren Irrtümer geprüft werden. Heißen sie deren Methode gut, usw. so dass es ihnen schwer ankommt, sie zu verlassen, so beweisen sie, dass sie wert sind, an den hereinbrechenden Plagen Babylons teilzunehmen und unwürdig, die gegenwärtige Wahrheit zu empfangen. Doch die bei dem Ruf gebrauchten Worte zeigen an, dass Gottes wahre Kinder in Babylon nicht so angesehen werden sollen, als ob sie in deren Sünden der Verweltlichung und Verachtung der göttlichen Wahrheit mit verwickelt seien, bis zu dem Zeitpunkt, da sie erfahren, dass Babylon gefallen - verworfen ist. Dann, wenn sie fortfahren, in ihr zu verbleiben, werden sie in dem Sinne zu ihr gehörig betrachtet, als ob sie ihre unrechten Taten und Lehren in der Vergangenheit und Gegenwart guthießen, und werden als ihrer Sünden teilhaftig gerechnet und wert, an ihrer Strafe, an den über sie kommenden Plagen, teilzunehmen. - siehe Offb. 18:4

Wie stark ist der Ausdruck: Sie "ist eine Behausung von Teufeln geworden, und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis (Käfig) jedes unreinen und gehassten Vogels (Offb. 18:2). Wie wahr ist es, dass die verwerflichsten Glieder der Gesellschaft in etlichen der verschiedenen Vierteln (Sekten) Babylons das Gewand christlichen Bekenntnisses und Formendienstes suchen und tragen. Jeder unlautere Grundsatz und jede unreine Lehre findet in ihr irgendwie und irgendwo Vertretung; und sie ist der "Käfig", der sicher die sanftmütigen Tauben des Herrn, aber auch viele unreine und verhasste Vögel verwahrt. Wie viele von den Verfälschern und von den Männer und Weiber betrügenden Menschen sind dem äußerlichen Bekenntnis nach Glieder der Kirche Christi! Und wie viele benutzen selbst ihr Bekenntnis als einen Mantel, unter dem sie verwerfliche Ziele verfolgen! Selbst von den brutalsten, hingerichteten Verbrechern, wie wohlbekannt ist, sterben die meisten in der römisch katholischen Gemeinschaft.

Babylon enthielt sowohl das Mark wie auch den Abschaum der Bevölkerung der zivilisierten Welt. Das Mark ist die kleine Klasse wahrhaft Geweihter, trauriger weise mit der großen Masse bloßer Bekenner und dem gemeinen, verbrecherischen Abschaum vermischt. Jedoch unter günstigen Verhältnissen wird das Mark, als Vorstufe der Verherrlichung, in der gegenwärtigen Ernte davon getrennt werden.

Die Ursache dieses gemischten Zustandes wird in den Worten angegeben: "Denn von dem Wein (Geist, Einfluss) der Wut ihrer (Babylons) Hurerei (Verweltlichung) haben alle Nationen getrunken." (Offb. 18:3) Falsche Lehren über Wesen und Aufgabe der Kirche und die Behauptung, dass die Zeit ihrer Erhöhung und Herrschaft schon gekommen sei, (und besonders nach dem großen Erfolg, den ihr weltlicher Ehrgeiz in den Tagen Konstantins errang, da sie behauptete, das in Macht und großer Herrlichkeit aufgerichtete Königreich Gottes zu sein), führten viele nach Babylon hinein, die sonst, wenn sie auf dem schmalen Weg der Aufopferung verharrt hätte, sich nie mit ihr verbunden hätten. Stolz und Ehrgeiz führte in der damaligen Kirche zum an sich reißen von weltlicher Gewalt. Um Gewalt zu erlangen, waren Zahlen und weltlicher Einfluss nötig; und um die Zahlen zu bekommen, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Wahrheit nie gezogen haben würde, wurden falsche Lehren verbreitet, die schließlich über alles andere die Oberhand erlangten; und selbst beibehaltene Wahrheiten wurden entstellt und verdreht. Die Zahlen kamen herbei, selbst bis zu Hunderten von Millionen, und die wahre Kirche, der Weizen, immer noch eine "kleine Herde" wurde unter den Millionen von Scheinweizen verborgen. Hier, wie Schafe, inmitten reißender Wölfe, litt das Embryo - (Keim) Königreich Gottes Gewalt, und die Gewalt - Anwendenden nahmen es mit Gewalt; und wie ihr Herr, in dessen Fußstapfen sie wandelten, wurden seine Nachfolger verachtet und von den Menschen verworfen, waren Schmerzensleute und mit Trübsal vertraut.

Doch jetzt, da der Millenniumsmorgen dämmert und die Lehrirrtümer der dunklen vergangenen Nacht entdeckt werden, und die wirklichen Edelsteine der Wahrheit aufblinken, muss die Wirkung die sein, dass der Weizen, wie beabsichtigt, gänzlich vom Scheinweizen getrennt wird. Und da falsche Lehren die unstatthafte Entwicklung hervorriefen, so wird in dem Erntelicht die entfaltende Wahrheit die Trennung herbeiführen. Der ganze Scheinweizen und etlicher Weizen ist jedoch furchtsam. Ihnen erscheint es, als ob die Auflösung Babylons die Vernichtung des Werkes Gottes hieße. Doch nicht so; der Scheinweizen war niemals Weizen, und Gott sagte niemals, dass er sie als solchen anerkennen wolle. Er gestattete es nur, "ließ" beide zusammen wachsen bis zur Ernte. Von Babylons "Käfig" oder "Gefängnis" der unreinen Vögel werden Gottes Kinder herausgerufen, damit sie sowohl die Freiheit genießen, als auch am Erntelicht und an der Erntearbeit teilnehmen, und sich als solche ausweisen, die nicht in Einklang stehen mit den Irrtümern in Lehre und Praxis Babylons und so diesen Irrtümern und ihrem Lohne - den über alle in ihr Bleibenden hereinbrechenden Plagen - entgehen.

Diese Plagen oder Trübsale, die in den über das verworfene jüdische Haus gekommenen Trübsalen vorgeschattet wurden, werden in solch feurigen Symbolen in der Offenbarung Johannes geschildert, dass viele Forscher über diesen Gegenstand sehr übertriebene und wilde Ideen haben und daher unvorbereitet sind für die Wirklichkeit, die so nahe bevorsteht. Sie legen die Symbole oft buchstäblich aus und sind folglich nicht imstande, sie so erfüllt zu sehen, wie sie erfüllt werden sollen - durch religiöse, soziale und politische Störungen, Streitigkeiten, Umwälzungen, Gegenwallungen, Revolutionen usw.

Doch beachte einen anderen Punkt hier. Zwischen der Zeit, da Babylon verworfen ist, oder von der Gnade fällt (1878) und der Zeit, da die Plagen oder Trübsale über sie kommen, ist ein kurzer Zwischenraum, während welchem die Treuen des Volkes Gottes alle hierüber in Kenntnis gesetzt und aus Babylon gesammelt werden sollen. Dies zeigt auch deutlich derselbe Vers. Denn mit der Botschaft: "Babylon ist gefallen", ist der Ruf verbunden: "Gehet aus ihr hinaus, mein Volk, auf dass ihr nicht ... empfanget von ihren (hereinbrechenden) Plagen." Auf diesen gleichen Zeitraum und auf das gleiche darin zu vollbringende Werk wird gleichfalls in symbolischer Sprache (Offb. 7:3) Bezug genommen. Den Zornengeln wird da der Befehl gegeben: "Beschädiget nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben." Die Versiegelung der Stirne bedeutet, dass ein geistiges Verständnis der Wahrheit, das Zeichen oder Siegel sein soll, welches die Knechte Gottes von den Knechten und Unterstützern Babylons trennen und unterscheiden wird. Und dies stimmt mit Daniels Zeugnis: "Die Verständigen (deines Volkes) aber werden es verstehen; aber keine der Gottlosen (ihrem Gelübde Untreuen) werden es verstehen." (Dan. 12:10). Somit sollen die Klassen versiegelt und getrennt werden. ehe die Plagen über das verworfene Babylon kommen.

Und, dass diese Erkenntnis sowohl die Versiegelung als auch die Scheidung bewirken soll, ist deutlich in dem vorher betrachteten Verse enthalten, denn die Erklärung, dass "Babylon gefallen" ist, und dass gewisse Plagen über sie kommen werden, wird vordem gemacht, ehe vom Volk des Herrn erwartet wird, dem Befehle, "Gehet aus", nachzukommen; welcher Befehl sich auf diese Erkenntnis gründet. Jawohl, wir wissen, dass alle wohl "an ihren Stirnen versiegelt" - in Bezug auf den Plan Gottes mit Verständnis ausgerüstet sein müssen - ehe sie diesen Befehl recht würdigen und ihm nachkommen können.

Und ist es nicht augenscheinlich, dass dieses Werk, die Knechte Gottes zu versiegeln, gerade jetzt im Fortschritt begriffen ist? Sind wir nicht an unseren Stirnen versiegelt worden? und noch dazu gerade zur geeigneten Zeit? Werden wir nicht Schritt für Schritt wie von des Herrn eigener Hand - durch sein Wort - zu einem Verständnis der Wahrheit und der allgemeinen Angelegenheiten von seinem Standpunkt aus geführt, - wodurch unsere aus anderen Quellen stammenden Ansichten über viele Dinge umgestoßen werden? Ist es nicht wahr, dass die verschiedenen Abteilungen oder Sekten Babylons nicht die Kanäle waren, durch welche die Versiegelung zu uns gekommen ist, sondern dass sie Hindernisse waren, die ein schnelleres Ausführen derselben verhinderten? Und sehen wir nicht sowohl die Angemessenheit derselben, wie die der Erklärung des Herrn, dass in der Ernte eine Trennung vom Weizen und Scheinweizen stattfinden muss? Und sehen wir nicht, dass es sein Plan ist, diese Tatsache seinen Getreuen zu offenbaren und dann zu erwarten, dass sie ihre Herzenssympathie mit diesem Plan durch prompten Gehorsam beweisen? Wenn Gehorchen und Herauskommen uns zwingt, das Lob der Menschen hinter uns zu lassen, oder einen angenehmes Gehalt, oder ein pastorales Heim, oder finanzielle Hilfe im Geschäft, oder häuslichen Frieden, oder was nicht alles? - lasst es uns nicht anfechten. Er, der uns sagt: "Komm!" ist derselbe, der zu Petrus sagte: "Komm!" als er auf dem Meere wandelte. Petrus gehorchte und würde freilich gesunken sein, wenn nicht des Herrn ausgestreckter Arm ihn gehalten hätte. Aber derselbe Arm hält auch heute gar wohl diejenigen empor, die jetzt auf seinen Befehl hin aus Babylon kommen. Schaue nicht auf das wogende Meer der Schwierigkeiten, die dazwischen liegen, sondern blicke direkt auf den Herrn und sei fröhlichen Mutes.

Der Befehl ist: Komm; nicht Gehe, denn beim Herauskommen aus der Knechtschaft der Traditionen und Glaubensbekenntnisse und Systeme und Irrtümer der Menschen, kommen wir direkt zu unserm Herrn, um von ihm gelehrt und genährt zu werden, um zum Tun seines ganzen Wohlgefallens gestärkt und vervollkommnet zu werden, und nicht mit Babylon zu fallen.

Gottes Wort offenbart den Umstand, dass die Namenkirche nach ihrem Fall von seiner Gnade und von der Ehre, sein Mundstück zu sein (Offb. 3:16), nach und nach in einen Zustand des Unglaubens sinken wird, in dem die Bibel schließlich tatsächlich unbeachtet gelassen, obwohl dem Namen nach noch beibehalten werden wird, und in welchem Zustand philosophische Spekulationen verschiedenster Schattierungen die eigentlichen Glaubensbekenntnisse bilden werden. Diesem Fallen sollen die treuen Versiegelten entgehen, denn sie sollen "imstande sein", würdig geachtet werden, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll, und ... zu stehen" - nicht zu fallen in der Zeit der Gegenwart des Herrn (Luk. 21:36). In der Tat, viele sinken bereits schon - behalten wohl die Form der Gottesfurcht und des Glaubens an einen Schöpfer und an ein zukünftiges Leben bei, betrachten diese aber hauptsächlich durch ihre eigenen Philosophien und Theorien oder durch die anderer Leute, und übergehen die Bibel als einen unfehlbaren Unterweiser über den göttlichen Vorsatz. Trotzdem, dass sie die Bibel beibehalten, glauben sie doch ihren Berichten nicht; besonders die von Eden und dem Falle. Sie behalten den Namen Jesu bei und nennen ihn den Christus und den Heiland, aber sie betrachten ihn nur als ein ausgezeichnetes, jedoch nicht unfehlbares Beispiel und verwerfen gänzlich sein Lösegeld - sein Kreuz. Sie behaupten, die Vaterschaft Gottes erstrecke sich zu den Sündern, und verwerfen sowohl den Fluch als auch den Mittler.

Es ist noch nicht allgemein beachtet worden, dass die 3½ Jahre des irdischen Amtes unseres Herrn, zur Zeit des ersten Adventes, bis zur Verwerfung der jüdischen Nation (ihre Kirche und ihr Staat war eins) eine Prüfung jenes kirchenpolitischen Körpers oder Systems als eines Ganzen und nicht eine Prüfung der einzelnen Glieder war. Die klerikale Klasse - Priester, Schriftgelehrte und Pharisäer - vertreten jenes System als Ganzes. Sie selbst behaupteten, das Judentum zu vertreten (Joh. 7:48, 49) und das Volk betrachtete sie so; daher die Bedeutung der Frage: "Glaubt denn auch irgend ein Oberster oder Pharisäer an ihn?" Und unser Herr betrachtete sie so. Selten tadelte er das Volk dafür, dass es ihn nicht annahm, wiederholt aber machte er die "blinden Leiter" verantwortlich, die weder selbst in das Königreich eingingen, noch auch dem Volke, welches sonst Jesum als Messias und König angenommen hätte, gestatten wollten, einzugehen.

Unser Herr war beständig darauf aus, Öffentlichkeit zu vermeiden, - zu vermeiden, dass seine Wunder und Lehren das Volk erregen würden, damit sie ihn nicht mit Gewalt nähmen und zum König machten (Joh. 6:15) und doch brachte er diese Zeugnisse oder Beweise seiner Autorität und Messiaswürde zur Beachtung der jüdischen Geistlichkeit, bis zu der Zeit, da, weil ihre Prüfungszeit als Nationalkirche abgelaufen war, ihr Haus oder System verworfen, "verlassen", "Wüste gelassen" wurde. Von da ab wurden unter seiner Leitung und der Belehrung der Apostel alle Bemühungen auf das Volk als einzelne gerichtet, und die verworfene Kirchenorganisation und ihre Vorsteher wurden als solche gänzlich und absichtlich übersehen.

Als Beweis dafür, dass während seines Amtes, und bis ihr System verworfen worden war, die Lehrer und Priester das Volk vertraten, beachte das Verfahren des Herrn mit dem geheilten Aussätzigen, wie Matth. 8:4 es berichtet. Jesus sagte ihm: "Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem Zeugnis für sie." Der Beweis oder das Zeugnis sollte eine Zeitlang dem Volke verborgen bleiben, aber seinen "Oberen", welche die jüdische Kirche als Ganzes in der damals vor sich gehenden Prüfung vertraten, sollte es unverzüglich gegeben werden.

Wir sollten ganz besonders den Zweck und die Resultate der Prüfung der jüdischen Kirche als ein System bemerken, und zwar um der vorbildlichen Bedeutung willen in Bezug auf ihr Verhältnis dem Gesamtplane Gottes gegenüber. Sie gaben gemäß jener Verheißung vor, das für den kommenden Messias bereite Volk zu sein, das Volk, das er zubereiten, mit Macht ausrüsten, leiten und als sein "eigentümliches Volk" gebrauchen würde, um alle anderen Nationen der Erde zu segnen, indem sie alle zum Zustand der Harmonie mit Gott und seien gerechten Gesetzen gebracht würden. Obwohl vermöge seines Vorherwissens es Gott nicht verborgen war, dass das fleischliche Israel für die Hauptstelle in seinem großen Werke untauglich sein würde, gab er ihnen doch jegliche Gelegenheit und jeglichen Vorteil gerade so, als ob er über die Resultate im Ungewissen wäre. Mittlerweile schloss er sein Vorherwissen in prophetische Aussagen ein, welche sie nicht verstehen konnten, damit wir nicht meinen möchten, er habe in seiner Verfahrensweise mit dem jüdischen Volke nur Versuche gemacht, und es sei fehlgeschlagen.

So lange Israel als Nationalkirche behauptete, bereit zu sein, und vorgab, nur darauf zu warten und begierig zu sein, seinen Teil des Programms auszuführen, war es nur recht, dass sie geprüft wurden, ehe Gottes weiterer Plan in Kraft treten sollte. Dieser weitere Plan war, dass, wenn der natürliche Same Abrahams bei seiner Prüfung sich als ungeeignet für die verheißene und gesuchte Hauptehre ausweisen würde, sodann während des christlichen Zeitalters eine Wahl oder Auswahl von einzelnen gemacht werden sollte, die der hohen Ehre würdig seien, der verheißene Same Abrahams und Miterben mit dem Messias im verheißenen Königreiche zu sein, welches alle Geschlechter der Erde aufrichten und segnen würde. - Gal. 3:16, 27-29, 14

Die dem Volke verheißenen "siebzig Wochen" (490 Jahre) göttlicher Gnade konnten der Erfüllung nicht ermangeln. Folglich konnten weder die Heiden (Nationen), noch auch die Samariter, eingeladen werden, Jünger zu werden, noch in irgend einem Sinne mit dem Königreich verknüpft sein, welches Christus und die Apostel verkündigten (Apg. 3:26). "Zu euch musste notwendig das Wort Gottes (die Einladung, das Königreich zu teilen) zuerst geredet werden." (Apg. 13:46) "Gehet nicht auf einen Weg der Nationen, und ziehet nicht in eine Stadt der Samariter; gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels;" und wiederum: "Ich bin nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel", sagte der Meister, als er seine Jünger aussandte. - Matth. 10:5; 15:24

Die ganze "siebzigste Woche", in deren Mitte Christus starb - die sieben Jahre vom Anfang des irdischen Amtes unseres Herrn bis zur Sendung des Petrus zu Kornelius, dem ersten Bekehrten aus den Nationen - war nach Gottes Anordnung für die jüdische Prüfung bestimmt worden. Doch statt sie als Ganzes (als Nationalkirche) all diese sieben Jahre zu prüfen, wurde jene Prüfung "in Gerechtigkeit abgekürzt" (Röm. 9:28 - Lutherübersetzung ungenau) - das bedeutet, nicht zu ihrem Nachteil, sondern zu ihrem Vorteil. Weil es nicht bloß vor Gott, sondern auch vor Menschen offenbar war, dass die Pharisäer, Priester und Schriftgelehrten den Herrn Jesus nicht nur verwarfen, sondern gegen das Ende hin ihn sogar hassten und zu töten suchten, daher verwarf er als König unverzüglich jenes System, als die Zeit gekommen war, da er sich öffentlich als solcher anbieten sollte, und auf dem Eselfüllen einritt, aber von den Vertretern jener Nationalkirche nicht aufgenommen wurde; obwohl das gewöhnliche Volk ihn freudig empfing und auf seine Anerkennung als König drang (Mark. 12:37). So kürzte unser Herr die weitere nutzlose Prüfung ab, damit der Rest jener "siebzigsten Woche" besonders und ausschließlich auf das Volk, die Einzelnen jenes verworfenen Systems, verwendet werden möchte, - ehe die Bemühungen der Diener jener neuen Zeitordnung weithin allen Nationen zu teil werden sollten. Und so geschah es, denn als unser Herr nach seiner Auferstehung seinen Jüngern sagte, dass ihre Arbeit sich nicht mehr auf die Juden allein zu beschränken habe, sondern sich auf "alle Nationen" erstrecken dürfe, fügte er sorgsam hinzu: "Anfangend von Jerusalem." (Luk. 24:47). Er wusste auch gar wohl, dass ihre jüdischen Ideen sie hindern würden, über die Juden hinauszugehen, bis er zu seiner Zeit den Weg öffnen werde, - wie er denn am Ende ihrer Gnadenzeit tat, als er Petrus zum Kornelius sandte. Seitdem haben einzelne Juden und Heiden gleichermaßen das Vorrecht der Gnade Gottes genossen; in und durch Christum war ein jeder gleich annehmbar. Soweit es Gott betrifft, ist in dem gegenwärtigen Ruf "kein Unterschied". Der Unterschied zu Ungunsten der Juden war ihr eigenes Vorurteil, die ihnen einst unter der Bedingung tatsächlicher und völliger Erfüllung des Gesetzes Gottes, nach Buchstaben wie Geist (was kein gefallener Mensch vermag), angebotenen Segnungen nun als Gabe durch Christum anzunehmen.

Jene "siebzigste Woche", und all die Einzelheiten der Prüfung des fleischlichen Israel erfüllten nicht nur den Vorsatz, jenes System zu prüfen, sondern lieferte auch, und ganz besonders, eine vorbildliche Darstellung einer ähnlichen Prüfung der nominellen christlichen Kirche des geistlichen Israel ("Christentum" (Reich) und "Babylon" genannt) während sieben entsprechenden Jahren; mit welcher Prüfung die Ernte des christlichen Zeitalters begann. Es ist die Periode vom Oktober 1874 bis Oktober 1881. "Christentum" (Reich Christi), "Babylon", behauptet zu sehen, worin sein Vorbild, das fleischliche Israel, gefehlt hat und beansprucht, der wahre geistliche Same Abrahams zu sein und dazu bereit, in Erwartung und begierig, die Welt der Heiden zu bekehren und alle Völker in Gerechtigkeit zu regieren, zu lehren und zu segnen, gerade was das jüdische System behauptete. Das gegenwärtige Zeitalter ist auch in dem Umstand dem vorbildlichen ähnlich, dass die Führer, dort wie jetzt, dazu verleitet waren, die Verheißungen eines zukünftigen Messias bloß als figürliche Ausdrücke zu fassen; und nur die gewöhnlichere Klasse Leute erwartete einen persönlichen Messias. Die Gelehrten unter den Juden damals verachteten einen persönlichen Messias und erwarteten, dass ihr nationalkirchliches System vermöge ihrer vorzüglichen Gesetze über andere triumphieren und so das erfüllen würden, wozu das gewöhnliche Volk meinte, es bedürfe eines persönlichen Messias. (Und diese Ansicht wird noch heute von "gelehrten" jüdischen Lehrern oder Rabbinern vertreten, welche die messianischen Prophezeiungen als auf ihr Nationalkirchen-System und nicht auf einen persönlichen Heiland der Welt anwendbar, auslegen). Um ihre Theorie auszuführen, sandten sie Missionare in die Welt, um die Welt zum Gesetze Moses zu bekehren, und so mit Beiseitelassung eines persönlichen Messias "alle Geschlechter der Erde" zu erreichen und zu segnen. Bis zu einem solchen Grade war das der Fall, dass unser Herr sagte: "Ihr umziehet Land und Meer, um einen Proselyten zu machen."

Wie ähnlich ist hiermit die Theorie des heutigen nominellen "Christentums". Wenn man die gewöhnlichen Leute darauf aufmerksam macht, dass der Herr verheißen habe, wiederzukommen, und dass die Apostel und Propheten vorhergesagt haben, dass die Wiederkunft des Herrn das Millennium oder die Zeiten der Wiederherstellung herbeiführen würde (Apg. 3:19-21), so sind sie gern bereit, die Wahrheit anzunehmen und sich derselben zu erfreuen, gerade wie eine ähnliche Klasse am ersten Advent. Aber die vornehmen Priester und Oberen heutigen Tages haben, gerade wie vor 1800 Jahren, fortgeschrittenere(?) Gedanken. Sie behaupten, dass die Verheißungen der Millenniumsglückseligkeit, des Friedens auf Erden, des Wohlgefallens bei den Menschen, durch ihre Arbeit, ihre Missionen, usw. zuwege gebracht werden müssen, ohne die persönliche Wiederkunft des Herrn Jesus; und so machen sie die Verheißung des zweiten Adventes und des zukünftigen Königreiches bedeutungslos.

Die gegenwärtigen vornehmen Priester und Oberen, die "Geistlichkeit" des "Christentums (Reiches), betrügen sich selbst sowohl wie auch das Volk, wenn sie behaupten und augenscheinlich glauben, dass ihre Missionsunternehmungen gerade ungefähr auf dem Punkte sind, mit Erfolg gekrönt zu werden, dass sie ohne den Herrn nahe daran seien, der Welt all die in der Schrift vorgemalten Millenniumssegnungen zuzuführen. Die Stütze dieses Selbstbetruges liegt teilweise in dem Umstand, dass die Vermehrung von Wissen und das Hin- und Her- Reisen auf Erden, das mit diesem "Tage der Vorbereitung" eintreten sollte, der Ausbreitung des Handels der zivilisierten Völker und der daraus erwachsenden Zunahme weltlichen Gedeihens besonders günstig war. All dies schreibt Babylon sich selbst in kühler Weise zu, und weist auf all die Errungenschaften hin als Erfolge ihres christianisierenden und kräftigenden Einflusses. Stolz weist man auf die "christliche Nation" Großbritanniens hin und auf ihren Reichtum und ihr Wohlergehen als Ergebnisse ihrer christlichen Grundsätze. Doch was sind die Tatsachen? Jeder Fortschritt, den dieses Volk oder irgend ein anderes gemacht hat, fand nur in dem Maße statt, als es den Druck Babylons von sich abschüttelte. In dem Maße als Großbritannien die Ketten päpstlichen Druckes von sich warf, ist ihr Wohlstand zugeflossen; und in dem Masse, als es fortfuhr, an der päpstlichen Lehre einer Vereinigung von Kirche und Staat, an einer gottverordneten, königlichen und priesterlichen Oberhoheit und Bedrückung festzuhalten und sich der Tyrannei des Geizes und der Selbstsucht zu unterwerfen, in dem Maße ist es noch erniedrigt.

Geldgeiz und Sucht nach Macht waren die Triebfedern, welche die Häfen heidnischer Länder widerwillig dem Handel der sogenannt christlichen Nationen, dem englischen und deutschen Schnaps und dem amerikanischen Whiskey und Tabak eröffneten. Die Liebe Gottes und die Segnungen heidnischer Völker hatte keinen Raum in diesen Unternehmungen. Hier liegt ein augenscheinlich geringer Zug der Zeitgeschichte vor, der das Gewissen der sogenannt christlichen Nationen, wenn sie ein solches hätten, mit Schrecken erfüllen müsste. Der mohammedanische Emir von Nupien in West Afrika sandte vor kurzem folgende Botschaft an den Bischof Crowther von der Negermission:

"Es ist keine lange Geschichte; es betrifft Barasa (Schnaps). Barasa, Barasa, Barasa! Es hat unser Land ruiniert; es hat unser Volk sehr verderbt; es hat unser Volk toll gemacht. Ich bitte dich, Malam Kip, vergiss dieses Schreiben nicht, denn wir alle flehen, dass er (Crowther) die großen Priester (das Komitee der anglikanischen Kirchenmissionsgesellschaft) ersuchen möchte, dass sie die englische Königin (das Haupt der Kirche Englands) bitten sollen, zu verhindern, dass Barasa in dies Land gebracht wird.

"Um Gottes und des Propheten willen! Um Gottes und des Propheten, seines Sendboten, willen, muss er uns in dieser Sache - in der betreffs Barasa - helfen. Sage ihm, möchte Gott ihn in seinem Werke segnen. Das ist das Wort vom Munde Malikas, des Emirs von Nupien.

Dies erläuternd, macht ein baptistisches Journal folgende Bemerkungen: "Dieser einfache Negerfürst offenbart in diesem Brief eine Teilnahme an dem Wohle seines Volkes, die christliche Monarchen und Obrigkeiten noch nicht erreicht haben, denn noch kein europäischer, christlicher Herrscher und kein Präsident der Vereinigten Staaten hat je so sich für sein Volk verwendet. In keiner die Parlamente eröffnenden Ansprache, in keiner Präsidentenbotschaft ist je solche Sprache gefunden worden. Schade für unsere christlichen Herrscher. Gewinn, die verwünschte Goldgier, ist das Gesetz bei den Kaufleuten; und sie sind die Lieblinge und Herrn der Obrigkeiten."

Nun, im Namen der Wahrheit fragen wir: Warum diese Obrigkeiten christliche Obrigkeiten nennen? Und die Obrigkeit der Vereinigten Staaten ist hierin keine Ausnahme, obwohl so viele darauf bestehen, es eine christliche Regierung zu nennen, während sie selbst, wie es sich gehört, diesen unverdienten Titel nicht annimmt, obwohl sie von eifrigen Vertretern der Sekten dazu gedrängt werden. Von Boston werden beständig ungeheure Schiffsladungen Schnaps nach Afrika gesandt, ungehindert von der Obrigkeit und mit ihrer vollen Zulassung, während sie vielen Zehntausenden zur Herstellung des schrecklichen "Feuerwassers" und zum Ausschank desselben an ihre, eigenen Untertanen Lizenzen (Erlaubnisscheine) gewährt, welches Feuerwasser noch doppelt verderblicher und verführerischer gemacht wird durch das, was man Rektifizieren (Läuterung) nennt, das heißt, durch vom Gesetz erlaubte Beimischung des reinsten Giftes. All dies und noch viel mehr wird von "christlichen" Staatsmännern und Oberen der sogenannten christlichen Nationen gerechtfertigt und vereidigt, um der Steuererhebung willen - als das leichteste Mittel, vom Volke einen Teil der notwendigen Regierungsausgaben zu erheben. Gewiss, das ist Prostitution (gewerbsmäßige Unzucht)der niedrigsten und schlechtesten Sorte. Jeder denkende Mensch muss sehen, wie ungereimt die Bezeichnung "christlich" ist, wenn sie selbst auf die allerbesten, gegenwärtigen Obrigkeiten angewandt wird. Der Versuch, den christlichen Namen dem Wesen der vom "Fürsten dieser Welt" - von Satan - beherrschten und mit dem "Geiste der Welt" getränkten "Reiche dieser Welt" anzupassen, hat alle wahrhaft christlichen Herzen in Verlegenheit gebracht, da sie in dem Irrtum befangenen waren, dass die gegenwärtigen Obrigkeiten der Welt in irgend einem Sinne Christi Königreich seien.

So sagt Cannon Farrar, der Erzbischof Englands:

"Die alte Raubgier des Sklavenhandels hat der gierigeren und verderblicheren Raubgier des Schnapsverkäufers Platz gemacht. Unsere Väter rissen vom Nacken von Afrika das Joch der Peitsche; wir haben die eingeborene Rasse einem Joche der Skorpionen unterworfen. Wir haben die Flüsse von Afrika dem Handel eröffnet, bloß um die verderbende Flut des Alkohols ihnen entlang zu gießen, im Vergleich mit welcher kein Fluss der Hölle mehr blutgerötet oder fluchwürdiger ist, als diese. Ist das Gewissen des Volkes tot?"

Wir antworten, Nein! Das Volk war nie ein christliches und hatte folglich nie ein christliches Gewissen oder einen christlichen Geist. Das meiste, was man von ihm sagen kann, ist, dass das Licht von Gottes wahrhaft geweihten Kindern die öffentliche Meinung dieser Völker, unter denen sie "scheinen wie Lichter", etwas erleuchtet und veredelt und in einen gewissen Grad von moralischer Reform hineingeschämt haben.

Auf gleiche Weise wurde von denselben christlichen(?) Obrigkeiten ein ähnlich fürchterlicher Handel China und Japan trotz ihres ernsten Protestes aufgezwungen. Im Jahre 1840 begann Großbritannien einen Krieg mit China, der "Opium-Krieg" genannt, um die chinesische Regierung, die ihr Volk vor diesem schrecklichen Fluche schützen wollte, zu zwingen, diesen Artikel zuzulassen. Der Krieg schlug für des Teufels Seite der Frage günstig aus. Britische Kriegsschiffe vernichteten tausende von Leben und Heimstätten und zwangen den chinesischen Kaiser, das Reich dem langsameren Opiumtode - dem Berauschungsmittel für China - zu öffnen. Die Bareinnahme der britischen Regierung von diesem Gifte, nach Abzug großer Auslagen für die Einnahme der Steuer, betrug gemäß öffentlicher Berichte im Jahre 1872 über US$ 37.000.000 für das vorhergehende Jahr. Diese US$ 37.000.000 per Jahr waren die Triebfeder zu jenem Krieg, das gerade Gegenteil von Liebe beides für das gegenwärtige und zukünftige Wohlergehen der Chinesen. Die Klausel in dem Vertrag, die Schutz für christliche Missionare vorsah, war bloß ein schlau hingeworfener Bissen, um die Gewissen von Gerechtigkeit liebenden Leuten zufrieden zu stellen - um ein großes Verbrechen als Barmherzigkeit, als aus Wohlwollen getan, erscheinen zu lassen. In den Vertrag am Ende des Krieges, wurden gewisse Häfen dem englischen Handel geöffnet, und ähnliche Verträge mit anderen Völkern folgten, und einige gute Resultate wurden hierdurch erzielt. Eins derselben war, dass China dem Einfluss der Zivilisation geöffnet wurde. Aber der Umstand, dass etliche christliche Männer und Frauen in den Vordergrund traten, um dem Volk etwas von den Prinzipien und Gesetzen der Gerechtigkeit zu verkünden, darf nicht dem Volke Englands zu gut geschrieben werden. Sein Zweck war Handel, und aus Goldgier und nicht um des Wohles des Chinesen willen, noch zur Ehre Gottes, wälzte es einen unheiligen und ungerechten Krieg auf ein Volk, das in der teuflischen Kunst nicht so geübt war.

Neben anderen Lastern hat das "Christentum (Reich) die Völker die schlimmste Form des Götzendienstes, den Götzendienst des Ich und der Macht und des Reichtums gelehrt, wofür christlich sein wollende Männer und Völker willens sind, einander zu betrügen, zu schädigen und selbst zu töten. Es hat ihnen auch Gotteslästerung und Entweihung des Heiligen in jeglicher Sprache gelehrt. Denn jede Schiffsmannschaft aus allen professionell christlichen Nationen, lästert den Namen Christi. Aber, während dies der Einfluss der sogenannt christlichen Nationen war, so sind doch auch aus ihrer Mitte etliche edle Missionare des Kreuzes, etliche wahrhaftige Diener Gottes ausgegangen, und gleichfalls auch etliche weniger edle, die bloß Menschendiener waren. Alles in allem war es jedoch nur eine bloße Handvoll, die den Heiden von Christo und wahrer Zivilisation Kunde gaben.

Es sind nicht die ernsten Missionare, sondern die sanguinischen Beamten der Missionsgesellschaften in der Heimat, die wenig Begriff und oft auch wenig tatsächliches Interesse an der wahren Sachlage in den fremden Ländern haben, und deren Ansichten sich hauptsächlich auf die großen jährlich gesammelten und verausgabten Summen gründen, die da denken, die heidnische Welt sei beinahe bekehrt, und ihre Bemühungen auf dem Punkt, in das verheißene Tausendjahr-Zeitalter des Segens ohne das zweite Kommen unseres Herrn überzulenken. Missionare, die in der ersten Reihe gestanden haben, bekennen gewöhnlich, sehr entmutigt zu sein, außer wenn sie ihre Hoffnung über alles Verhältnis zur tatsächlichen Erfahrung hinaus und gegen gesundes Urteil anzuregen vermögen. So hielt kürzlich ein solcher - J.C.R. Ewing. Dr. Th. - der 9 Jahre im Missionswerk in Indien zugebracht hatte, vor dem Verein junger christlicher Männer in Pittsburg, Pa., einen Vortrag, in dem er zugab, dass die gegenwärtige Wirkung der Zivilisation und Missionsbemühungen nicht nur die wäre, die heidnischen Religionen niederzureißen, sondern alle Religion und allen Glauben zu vernichten und das Volk ungläubig zu machen. Seine starke Hoffnung aber ist, dass der nächste Schritt vom Unglauben zum christlichen Glauben sein werde - sicherlich eine unvernünftige Hoffnung, wie jede Erfahrung hier, in zivilisierten Landen, aufs gewisseste beweist. Wir machen aus dem Bericht in den Tagesblättern über seinen Vortrag folgenden Auszugs:

"Indien schuldet dem direkten und indirekten Einfluss der Christenheit mehr als irgend einem anderen Ding. Es hat viel getan, um die alten Ideen materieller Götter Niederzubrechen und an ihrer Stelle den Gedanken an einen einzigen, allerhöchsten Gott gesetzt, welchen die Völker des Westens (Europa und Amerika) unterhalten. (Ein deutlicheres Darstellen der Sache wäre; dass sie dem Atheismus geläufige Ideen bekommen, dass die Natur der höchste und einzige Gott sei.)

"Unter den 263.000.000 Einwohnern in jenem Lande gibt es 10.000.000 junge Männer, welche die englische Sprache sprechen und in den westlichen Ideen, in denen wir erzogen wurden, unterrichtet sind. Die höheren Kasten sind in der Literatur, in der Religion und in den Wissenschaften, welche die Grundlage der Erziehung des Volkes hierzulande bilden, durch und durch bewandert. Die alte Meinung eines rachsüchtigen Gottes, der durch zahlreiche Gaben und viele Gebete versöhnt werden muss, hat dem neueren Geist des Unglaubens Platz gemacht. Der Gebildete des Ostens glaubt nicht mehr an die Götter seiner Väter. Sie haben dieselben für immer beiseite geworfen und an ihre Stelle die Lehren eines Oberst Robert G. Ingersoll, Paine, Voltaire, Bradlaugh und aller anderen atheistischen Lehrer gestellt. Dieses skeptische Zeitalter wird bald vergehen und der Westen, wie er Indien seine Ideen gegeben, wird ihm auch die Religion des christlichen Gottes geben.

"Die jungen Leute Indiens sind wohlgebildete, genaue Beobachter, intelligent, gut vertraut mit allen Angelegenheiten anderer Nationen außer der ihren, und, obgleich es sonderbar scheinen mag, gut mit unserer Bibel bekannt. In der Tat, sie kennen sie so gut, dass niemand als nur ein mit ihrer Lehre völlig vertrauter Mann hoffen kann, fähig zu sein, all die Einwände, welche sie gegen dieselben vorbringen, mit Erfolg zu beantworten. Die volkstümliche Meinung, dass ein Missionar im Schatten eines Baumes sitzt und nackte Wilde, die sich um ihn sammeln, belehrt, ist explodiert. Neben ihrer Intelligenz, ihrer Einsicht, sind sie ein hübsch aussehendes Volk, liebenswürdig, höflich, edelmütig; und alle Ausländer behandeln sie mit der größten Zuvorkommendheit und Ehrerbietung."

Die widersprechenden Tatsachen, die er anführt, rechtfertigen die unvernünftigen Hoffnungen dieses Herrn durchaus nicht. Erfahrung hat sicher erwiesen, dass die stümperhaften Argumente des Sektentums, dessen Irrtum das, was es noch an Wahrheit besitzt, verdrehen und verderben, selten aus ehrlichen oder spottenden Zweiflern Proselyten macht. Gewiss alle, außer Blinde, können sehen, dass wenn die zehn hundert Millionen des Heidentums zu dem Zustand der vierhundert Millionen des sogenannten Christentums bekehrt würden, die Frage gar wohl noch als offen betrachtet werden müsste, wie es im jüdischen Zeitalter (Matth. 23:15) der Fall war, ob sie nicht zwiefältig der Vernichtung wert wären, als wenn sie in ihrem ursprünglichen, heidnischen Aberglauben verblieben wären. Sicherlich, kein klarer Kopf kann behaupten, dass eine Bekehrung zu solch einem Zustande, in dem sich das sogenannte Christentum befindet, mit der Beschreibung passen würde, die von dem Frieden und Wohlgefallen des Millenniums entworfen wird, wie es die Propheten vorher verkündigt haben und in den Worten des Gebetes unseres Herrn kurz zusammengefasst ist: "Dein Königreich komme; Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel."

Soll es uns überhaupt Wunder nehmen, dass diese Masse von 400.000.000, die dem Namen nach die Kirche Christi ausmachen und sich selbst sein Königreich - "Christentum" (Reich) - nennen, vom Herrn nicht anerkannt wird, und er ihr vielmehr den viel angebrachteren Namen Babylon (Mischung, Verwirrung) beilegt? Und ist es ein Wunder, dass diese, mit ihren Ideen vom Königreich Christi und über die Art und die Erfolge seiner Ausbreitung in der Welt, für das wahre Königreich unvorbereitet, und nicht willens sind, den neuen König zu empfangen; wie um ähnlicher Gründe willen die Oberen des vorbildlichen Hauses beim ersten Advent unvorbereitet waren? Noch kann bezweifelt werden, dass die Kaiser, Könige und Fürsten, die jetzt ihren Einfluss und ihre Macht hauptsächlich zur Selbstvergrößerung verwenden und Millionen bewaffneter Männer unterhalten und ausrüsten, um sie in ihren Ausschweifungen und herrschaftlichen Stellungen zu erhalten, lieber Millionen dahingeschlachtet und andere Millionen zu Witwen und Waisen gemacht sehen würden, wie es in der Vergangenheit geschah, als dass sie ihren gegenwärtigen Vorteilen entsagen würden. Ist es zu verwundern, dass diese ein solches Königreich, wie die Schrift es verheißt, weder begehren, noch erwarten, noch daran glauben? - ein Königreich, in dem der Niedrige zur allgemeinen rechten und beabsichtigten Höhe emporgehoben werden soll? Ist es zu verwundern, dass alle, die irgendwie Bedrückung, Aussaugung, oder zermalmende Monopole befürworten, wodurch sie ungerechte Vorteile über ihre Mitmenschen erlangen oder zu erlangen suchen, langsam sind an ein Königreich der Gerechtigkeit zu glauben, in dem keine Ungerechtigkeit und Übervorteilung gestattet wird? Besonders, kann es uns wundern, dass sie nicht glauben mögen, dass dieses Königreich nahe, ja vor der Tür ist?

Noch auch können wir uns wundern, dass die Großen, die vornehmen Priester und Oberen des "Christentum" (da ein jeder auf Gewinn aus seinem eigenen Viertel oder seiner Sekte aus ist (Jes. 56:11) verfehlen, den geistigen König als jetzt gegenwärtig zu erkennen und ihn daher verwerfen, wie die Lehrer des fleischlichen Israels ihn verwarfen, als er im Fleische gegenwärtig war. Und wie der Herr viele der "natürlichen Zweige" des Ölbaumes verwarf, abschnitt und aus seiner Gnade weg in ein Feuer der Trübsal gehen ließ und nur die wahren Israeliten als Zweige bewahrte, sehen wir nicht, wie dieselbe Weisheit in der Ernte dieses Zeitalters die "wilden Zweige" auch prüft (Röm. 11:21, 22), und die große Masse nomineller Zweige, deren Charakter und Ziel und Anlage in der Tat gar fremdartig und wild ist, - sehr verschieden von der Verheißung und dem Plane Gottes, wie die Wurzel es uns vorstellt - von der Gnade und dem Saft der Wurzel (der abrahamischen Verheißung) abschneidet?

Es ist kein fremdartiger Gedanke, dass die gegenwärtige Ernte Zeuge sein sollte von der Trennung treuer Christen von bloßen Bekennern, gerade wie in der jüdischen Ernte eine Scheidung von wahren Israeliten von bloßen Bekennern vollbracht wurde. Es ist nur, was wir vernünftigerweise hätten erwarten können, selbst wenn uns hierüber keine Offenbarung in Gottes Worte gemacht worden wäre, welche die Tatsache der Verwerfung der Masse, als Babylon, aufweist. - vergleiche Röm. 11:20-22 mit Offb. 3:16 und 18:4

Babylons, "des Christen-Reiches"; Verwerfung und Fall von der Gnade im Jahre 1878 war die Verwerfung der Masse der bloßen Bekenner, des "Heeres", wie sie Daniel bezeichnet, um sie von der Heiligtums- oder Tempelklasse zu unterscheiden. Die Heiligtumsklasse wird nicht aufgeben noch verlassen werden. Nein, Gott sei Dank, das Heiligtum soll verherrlicht werden. Die Herrlichkeit des Herrn soll seinen Tempel erfüllen, wenn sein letzter lebendiger Stein poliert und angenommen worden ist (1. Petr. 2:5, 6). Wir haben gesehen, dass solch eine Heiligtumsklasse durch das ganze Zeitalter hindurch bestanden hat, wie sie verunreinigt und ihre köstlichen Gefäße (Lehren) entweiht wurden, und wie ihre Reinigung vom Irrtum nach und nach bewirkt worden ist. Diese Klasse ist immer die wahre Kirche gewesen, selbst während die nominellen Systeme noch in einem Maße anerkannt und bis zu einem gewissen Grade gebraucht wurden. Nach der Verwerfung der nominellen Systeme jedoch wird jetzt, wie in der jüdischen Ernte, die wahre Kirche oder Heiligtumsklasse allein anerkannt und als Gottes Mundstück gebraucht. Kaiphas, ein Hohepriester des fleischlichen Israel, wurde von Gott als Werkzeug gebraucht, um nur wenige Tage, ehe jenes System verworfen wurde, eine wichtige Lehre und Weissagung zu geben. (siehe Joh. 11:50, 51, 55 und 18:14) Aber wir haben keine Andeutung in der Schrift, noch irgend welchen Grund anzunehmen, dass Gott jenes Nationalkirchenwesen, seine Oberen und seine Vertreter je wieder gebrauchte oder anerkannte, nachdem sie verworfen waren. Und diese selbe Lehre sollte man hier in Verbindung mit Babylon erkennen. Sie ist aus dem Munde des Herrn "ausgespieen" worden; und weder die Stimme des Bräutigams noch der Braut soll in ihr je wieder gehört werden. - Offb. 18:23

Es ist vergeblich, dass sich etliche für ihre Viertel Babylons verwenden, und während sie die Richtigkeit des prophetischen Bildes im allgemeinen zugeben, doch behaupten, dass ihre Sekte oder ihre besondere Benennung eine Ausnahme zu dem allgemeinen Charakter und Wesen Babylons bilde, und dass der Herr darum nicht von ihnen fordern könne, sich förmlich und öffentlich von ihr zurückzuziehen, wie sie sich derselben einst angeschlossen haben.

Möchten solche bedenken, dass wir jetzt in der Erntezeit der Trennung sind, und sich des Grundes erinnern, den unser Herr für seinen Ruf aus Babylon heraus angegeben hat, nämlich: -"dass ihr nicht teilnehmet an ihren Sünden." Überlege abermals, warum Babylon so genannt wird. Augenscheinlich wegen ihrer vielen Lehr-Irrtümer, welche mit einigen Elementen göttlicher Wahrheit gemischt, eine große Konfusion oder Verwirrung verursachen, und wegen der durch die gemischten Wahrheiten und Irrtümer zusammengebrachten gemischten Schar. Und da sie die Irrtümer auf Kosten irgend welcher Wahrheit festhalten wollen, so wird die letzte­re bedeutungslos und oft mehr als nichtssagend gemacht. Die Sünde, Irrtum auf Kosten der Wahrheit zu hegen und zu lehren, ist eine Sünde, deren sich jede Sekte der nominellen Kirche, ohne Ausnahme, schuldig gemacht hat. Wo ist die Sekte, die dir beisteht, fleißig die Schrift zu durchforschen, um dadurch an Gnade und in Erkenntnis der Wahrheit zu wachsen? Wo ist die Sekte, die dein Wachstum durch ihre Lehren und Gebräuche nicht hinderte? Wo ist die Sekte, in der du dem Worte des Meisters gehorchen und dein Licht leuchten lassen kannst? Wir wissen von keiner.

Wenn Kinder Gottes in diesen Organisationen ihre Knechtschaft nicht erkennen, so ist es, weil sie ihre Freiheit nicht zu gebrauchen versuchen, weil sie auf ihrem Posten eingeschlafen sind, wo sie tätige Verwalter und treue Wächter hätten sein sollen (1. Thess. 5:5, 6). Möchten sie aufwachen, und die Freiheit, die sie zu haben meinen, gebrauchen; möchten sie ihren Mitanbetern zeigen, worin ihre Glaubensbekenntnisse hinter dem Plane Gottes zurückbleiben, worin sie von ihm abweichen und in direktem Gegensatz dazu stehen; möchten sie zeigen, dass Jesus Christus von Gottes Gnaden den Tod schmeckte für jedermann; wie diese Tatsache und die daraus fließenden Segnungen "zu seiner Zeit" jedermann verkündigt werden, wie in "den Zeiten der Erquickung" die Segnungen der Wiederherstellung auf das ganze menschliche Geschlecht strömen sollen. Möchten sie ferner der hohen Berufung der christlichen Kirche, die strengen Bedingungen der Gliedschaft in jenem Körper und die besondere Aufgabe des christlichen Zeitalters erkennen, dieses eigentümliche "Volk zu seinem Namen" herauszunehmen, welches Volk zu seiner Zeit mit Christo erhöht werden, und mit ihm herrschen soll. Wer so versucht, seine Freiheit, die frohe Botschaft in den heutigen Synagogen (Schulen) zu verkündigen, zu gebrauchen, wird entweder ganze Gemeinden bekehren oder aber einen Sturm des Anstoßes erregen. Sie werden dich sicherlich aus ihrer Synagoge stoßen und dich von ihrer Gemeinschaft ausschließen und allerhand Übles gegen dich sagen, fälschlich, um Christi willen; und bei solchem Tun werden zweifellos manche fühlen, als ob sie Gott einen Dienst erwiesen. Doch wenn du so treu bist, wirst du mehr wie getröstet werden mit den kostbaren Verheißungen Jes. 66:5 und Luk. 6: 22: "Höret das Wort Jehovas, die ihr zittert vor seinem Wort! Es sagen eure Brüder, die euch hassen, euch verstoßen um meines Namens willen: Jehova erzeige sich herrlich, dass wir eure Freude sehen mögen! Aber sie werden beschämt werden." "Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen werden, und wenn sie euch absondern und schmähen und eure Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen; freuet euch an selbigem Tage und hüpfet, denn siehe, euer Lohn ist groß in dem Himmel, denn desgleichen taten ihre Väter den Propheten. ... Aber wehe euch, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn desgleichen taten ihre Väter den falschen Propheten."

Wenn alle, mit denen du als Gemeinde Gottesdienst hältst, Heilige sind - wenn sie alle Weizen sind, und kein Scheinweizen unter ihnen ist - so hast du das merkwürdigste Völklein getroffen, welches die Erntewahrheiten auch mit Freuden annehmen wird. Doch wenn das nicht der Fall ist, so musst du erwarten, dass die gegenwärtige Arbeit den Scheinweizen vom Weizen trennen wird. Und noch mehr, du musst dein Teil tun, gerade diese Wahrheiten, welche die Trennung bewirken werden, darzulegen. Wenn du einer der überwindenden Heiligen sein willst, so musst du jetzt einer der "Erntearbeiter" sein, der die Sichel der Wahrheit einschlägt. Wenn du dem Herrn gegenüber treu, der Wahrheit würdig und der Miterbschaft mit ihm in der Herrlichkeit wert bist, so wirst du auch mit Freuden mit dem Hauptschnitter in dem gegenwärtigen Erntewerk dein Teil tun, wie sehr du auch von Natur geneigt wärest, glatt durch die Welt zu gleiten.

Wenn in der Gemeinde, zu der du gehörst, wie es immer der Fall ist, Scheinweizen unter dem Weizen ist, dann kommt viel darauf an, welcher am zahlreichsten ist. Wenn der Weizen vorherrscht, so wird die weislich und freundlich dargelegte Wahrheit sie günstig stimmen, und der Scheinweizen wird nicht lange bleiben mögen. Aber wenn die Mehrzahl Scheinweizen ist - wie neun Zehntel in der Regel sind - dann wird die Wirkung auch der sorgsamsten und freundlichsten Darlegung der Erntewahrheiten die sein, Bitterkeit und Widerspruch hervorzurufen; und wenn du darauf bestehst, die gute Botschaft zu verkünden und die lang gehegten Irrtümer bloßzulegen, dann wirst du bald um des Wohles der Sekte willen "hinausgetan", oder deine Freiheit wird so beschränkt werden, dass du in dieser Gemeinschaft dein Licht nicht mehr leuchten lassen kannst. Deine Pflicht ist dann klar: Lege dein Zeugnis der Herrlichkeit und Weisheit des großen Planes der Zeitalter in liebevoller Weise ab, und, indem du freundlich und sanftmütig deine Gründe dafür angibst, ziehe dich öffentlich von ihnen zurück.

Es gibt unter den verschiedenen Sekten Babylons - des "Christentums" - verschiedene Grade der Knechtschaft. Manche, die totale und absolute Sklaverei des persönlichen Gewissens und Urteils, wie es der Romanismus erfordert, mit Unwillen von sich weisen, sind gleichwohl ganz zufrieden, durch die Glaubenssätze und Dogmas der einen oder der anderen der protestantischen Sekten gebunden zu sein, und begierig, andere zu binden. Es ist wahr, ihre Ketten sind leichter und länger als die Roms und des dunklen Zeitalters. Soweit dies reicht, ist es in der Tat gut; in Wirklichkeit eine Reformation; ein Schritt in der rechten Richtung; voller Freiheit dem Zustand der apostolischen Kirche entgegen. Doch warum will man überhaupt menschliche Fesseln tragen? Warum überhaupt unsere Gewissen knechten? Warum nicht in der Freiheit, damit Christus uns befreit hat, fest stehen? Warum nicht alle versuche fehlbarer Mitmenschen, unser Gewissen zu knechten, und Untersuchung zu hindern, verwerfen? - nicht nur die Versuche ferner Vergangenheit, des dunklen Zeitalters, sondern auch dergleichen Versuche der verschiedenen Reformer der jüngeren Vergangenheit? Warum nicht beschließen, so frei zu sein, wie die apostolische Kirche war? - frei, sowohl an Erkenntnis, als auch an Gnade und Liebe zu wachsen, je nachdem der Herr zu "seiner Zeit" seinen köstlichen Plan immer völliger und völliger offenbart?

Gewiss, jedermann, der sich irgend einer dieser menschlichen Organisationen anschließt und ihr Glaubensbekenntnis als das seine annimmt, weiß, dass er sich damit verbindet, weder mehr noch weniger zu glauben, als jenes Glaubensbekenntnis über die Sache ausspricht. Wenn sie trotz solcher freiwillig eingegangener Knechtschaft für sich selbst denken und aus anderen Quellen Licht empfangen, über das Licht hinaus, das die Sekte genoss, als sie sich ihr anschlossen, so müssen sie entweder der Sekte und ihrem Versprechen derselben gegenüber, nichts ihrem Glaubensbekenntnis Widersprechendes zu glauben, untreu sein, oder das Bekenntnis, dem sie entwachsen sind, ehrlich beiseite werfen und ihm entsagen und aus solcher Sekte austreten. Das zu tun, erfordert Gnade und kostet einige Anstrengungen und zerreißt oft angenehme Verhältnisse und setzt den ehrlichen Wahrheitssucher den einfältigen Beschuldigungen aus, als ob er ein "Verräter" an seiner Sekte, ein "Wetterwendischer", ein "Unbeständiger" sei, usw. Wenn man sich einer Sekte anschließt, so wird erwartet, dass man sich der Sekte gänzlich ergibt und nicht und nicht mehr sich selbst gehört. Die Sekte entscheidet nun für ihn, was Wahrheit und was Irrtum sei; und er muss, um ein wahres, zuverlässiges, treues Glied der Sekte zu sein, deren spätere sowohl wie frühere Entscheidungen über alle religiösen Fragen annehmen, seine eigene Meinung übersehen und persönliche Nachforschungen vermeiden, da er sonst an Erkenntnis wachsen und als Glied solcher Sekte verloren gehen könnte. Diese Sklaverei einer Sekte und einem Glaubensbekenntnis gegenüber wird oft mit so und so vielen Worten bezeichnet, wenn man sagt, dass ein solcher zu einer Sekte "gehört".

Diese Bande des Sektentums, weit davon entfernt, als das, was sie sind, als Fesseln und Ketten, angesehen zu werden, werden als ein Schmuck, als Ehrenzeichen und Ausweis von Charakterstärke betrachtet und getragen. Soweit ist der Selbstbetrug gegangen, dass viele Kinder Gottes sich schämen würden, als solche bekannt zu sein, die ohne solche Ketten wären, seien dieselben nun leicht oder schwer an Gewicht, lang oder kurz betreffs der gebilligten, persönlichen Freiheit. Sie schämen sich zu sagen, dass sie in keiner Sekte oder Glaubenssatzung in Knechtschaft seien, sondern Christo allein "angehören".

Daher kommt es, dass wir manchmal ein ehrliches, wahrheitshungriges, allmählich voranschreitendes Kind Gottes von einer Benennung zur anderen fortschreiten sehen, gleichwie ein Kind in der Schule von einer Klasse zur andern übergeht. Wenn es in der Kirche Roms ist, und seine Augen öffnen sich, so geht es heraus und fällt wahrscheinlich einem Zweig der methodistischen oder presbyterianischen Systeme zu. Wenn sein Verlangen nach Wahrheit hier nicht gänzlich unterdrückt und sein geistiges Gefühl betäubt wird vom Geiste der Welt, so kann man dasselbe ein paar Jahre später in einer der Verzweigungen des baptistischen Systems finden; und wenn es noch fortfährt, an Gnade und Erkenntnis und Liebe zur Wahrheit zu wachsen und in ein Verständnis der Freiheit, damit uns Christus befreit, so mag man es nach einiger Zeit außerhalb aller menschlichen Organisationen finden, nur noch mit dem Herrn und seinen Heiligen verbunden, nur noch mit dem Herrn und seinen Heiligen verbunden, nur durch die zarten aber starken Seile der Liebe und Wahrheit gefesselt, wie es mit der ersten Kirche der Fall war. - 1. Kor. 6:15, 17; Eph. 4: 15, 16

Das Gefühl der Unbehaglichkeit und Unsicherheit, wenn manche nicht durch die Ketten irgend einer Sekte gebunden sind, ist ziemlich allgemein. Es wird durch die verkehrte Idee erzeugt, die vom Papsttum zuerst verkündigt wurde, dass Gliedschaft in einer menschlichen Organisation wesentlich, dem Herrn wohlgefällig und zum ewigen Leben nötig sei. Diese irdischen, menschlich organisierten Systeme, die so verschieden sind von den einfachen, ungebundenen Vereinigungen zur Apostelzeit, werden von christlichen Leuten unwillkürlich, ja fast unbewusst, als so und so viele Himmel-Versicherungsgesellschaften gehalten, an die oder deren etliche Geld, Zeit, Ehrfurcht, usw. regelmäßig entrichtet werden müsse, um himmlische Ruhe und Frieden nach dem Tode zu sichern. Nach dieser falschen Meinung handelnd, sind die Leute fast geradeso nervös ängstlich, durch eine andere Sekte gebunden zu werden, wenn sie aus einer austreten, als sie sind, wenn ihr Versicherungsschein ausgelaufen ist, denselben in irgend einer angesehenen und sicheren Gesellschaft erneuert zu haben.

Allein keine irdische Organisation kann einen Pass zur himmlischen Herrlichkeit ausstellen. Selbst der engherzigste Anhänger einer Sekte (ausgenommen Romanisten) wird nicht behaupten, dass Gliedschaft in seiner Sekte himmlische Herrlichkeit sichert. Alle sind gezwungen, zuzugeben, dass die wahre Kirche die ist, deren Eintragungen im Himmel und nicht auf Erden geschehen. Man betrügt das Volk durch die Behauptung, dass es nötig sei, ein Glied irgend eines Sektenkörpers zu werden, um ein Glied des "Leibes Christi", der wahren Kirche, zu sein. Im Gegenteil, obwohl der Herr niemandem die Aufnahme verweigert hat, wenn er auch durch das Sektenwesen zu ihm kam, und einen aufrichtigen Wahrheitssucher nie leer abgewiesen hat, so sagt er uns doch, dass wir solcher Hindernisse nicht bedürfen, sondern viel besser direkt zu ihm kommen können. Er ruft: "Kommt her zu mir"; "Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir;" "Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen." Hätten wir doch schon früher auf diese Stimme gehört; gar mancher schweren Last des Sektentums, gar manchem Sumpf der Verzweiflung, gar mancher Verlockung zur Eitelkeit und zu weltlichem Sinn wären wir entgangen.

Viele jedoch, die in den verschiedenen Sekten geboren oder in ihrer Kindheit, ohne die Systeme zu untersuchen, hinein gepflanzt wurden, sind im Herzen frei geworden und, ohne es sich bewusst geworden zu sein, den Grenzen und Banden der Glaubensbekenntnisse, die sie durch ihr Bekenntnis und ihre Unterstützung durch Mittel und Einfluss als die ihrigen anerkannten, entwachsen. Wenige davon haben den Vorteil voller Freiheit oder den Schaden der Sektenknechtschaft empfunden. Noch war auch bis jetzt, in der Erntezeit, völlige Trennung geboten. Jetzt erst vernimmt man das Wort des Herrn: Gehet aus von ihnen: Seid rein (frei, sowohl von verkehrter Praxis als auch von falschen Lehren) ihr, die ihr Jehovas Geräte (Wahrheiten - Lehren) traget. - Jes. 52:11

Nun ist die Axt an die Wurzel des nominell christlichen Systems - Babylon, "des Christentums"- gelegt, gleichwie es mit dem nominell jüdischen System beim ersten Advent der Fall war; und das große System, in dem die "Vögel des Himmels" (Luk. 13:18, 19) so gerne nisten, und das sie so gründlich besudelt haben, und welches in der Tat "ein Gefängnis (Käfig) jedes unreinen und verhassten Vogels" (Offb. 18:2) geworden ist, soll nieder gehauen werden und die Welt nicht weiter betrügen. Statt dessen soll man erkennen, dass der wahre Ölbaum, dessen Wurzel die wahren Verheißungen Gottes und dessen Zweige die wahrhaft und völlig Geweihten und Treuen dieses christlichen Zeitalters sind, "deren Namen im Himmel angeschrieben" sind, der wahre und einzige Miterbe, die Braut des Lammes, ist. - Offb. 17:14

Die Prüfung und Sichtung der Heiligtumsklasse

Obwohl das Herauskommen aus Babylon ein Schritt ist, und zwar ein großer, in der Richtung des Überwindens, so ist es doch bei weitem noch nicht der letzte, und wir müssen uns sehr vor der Neigung hüten, nach jedem Fortschritt auf dem Wege auszuruhen.

Denk nie, der Sieg sei dein, Noch ruh zufrieden schon;
Dein Werk wird nicht vollendet sein, Bis du erkämpft die Kron',

Der Zeugen viel umher Dich halt'n in voller Wacht!
Gedenk des Wegs nicht mehr, Nur mutig vorwärts tracht!

Dem Schritte aus Babylon heraus sind gewöhnlich andere Schritte des Gehorsams vorausgegangen, die an ihrem Teil den Charakter für folgende Kämpfe und Siege geübt und gehärtet haben; und nun werden ihm wieder verschiedene andere Proben und Gelegenheiten zum Überwinden folgen, in Bezug auf welche Paulus (Gal. 5:1) schrieb: "Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum unter einen Joch der Knechtschaft halten!" Wer dazu kommt, die Freiheit der Söhne Gottes und volle Befreiung von Babylons Knechtschaft zu erlangen, der muss von Seiten des großen Widersachers noch andere Versuche erwarten, ihn in andere Knechtschaft oder gar ganz zu falle zu bringen. Der Herr gestattet diese ernsten Prüfungen, damit die jetzt zu suchende Klasse offenbar und zu seinem Dienste in dem Königreich der Herrlichkeit zubereitet werde.

Eine Veranschaulichung dieser Prüfung und Sichtung fand in der jüdischen Ernte statt und schattete voraus ab, was wir jetzt erwarten müssen. Der Tempel oder die Heiligtumsklasse war in den Jüngern des Herrn vertreten, von denen er sagte: "Ihr seid rein, aber nicht alle" (von euch); und nach dem Verwerfen des nominellen Israel (im Jahre 33) kam eine schwere Prüfung über die, welche Gottes Tempel darstellten, die Reinen und die Unreinen, um sie zu trennen. Petrus wurde gesichtet und ging fast verloren (Luk. 22:31; Matth. 26:74, 75; Joh. 21:15-17), doch da er "rein", von Herzen treu, war, konnte er siegreich daraus hervorgehen. Judas wurde auch gesichtet und erwies sich als unrein, willig, die Wahrheit für irdischen Vorteil daranzugeben, den Herrn für Geld zu verkaufen, selbst während er ihn als Zeichen seiner Liebe küsste.

Geradeso gibt es in dieser Ernte hier ein gereinigtes Heiligtum und eng damit verbunden etliche, die nicht rein sind; und seit der Verwerfung Babylons im Jahre 1878 und seit dem da ergangenen Ruf, herauszukommen, ist ein Prüfungs- und Sichtungswerk unter denen vor sich gegangen, die herauskamen. Ohne Zweifel waren Petrus und Judas Beispiele ähnlicher Klassen unter denen, die aus Babylon herausgekommen sind, und die von ihren mannigfachen Verunreinigungen in Lehrmeinungen gereinigt worden waren - eine Klasse, die dem Herrn und der Wahrheit treu bleibt und eine andere Klasse die sich untreu erweist, die nicht "fleißig" ist, oder "trachtet, Jehova zu erkennen" (Hosea 6:3), sondern sich beiseite wendet zu bösen und falschen Lehren, oft schlimmeren als die, denen sie entging.

Dieses Prüfen und Sichten der Tempelklasse in dieser Ernte seit 1878 war durch den vorbildlichen Akt der Reinigung des vorbildlichen Tempels von Seiten unseres Herrn vorausgeschattet, nachdem er sein königliches Amt an sich genommen und sein Urteil gegen die nominell jüdische Kirche abgegeben hatte. Nachdem er erklärt hatte, dass ihr Haus verlassen sein werde, wandte er sich zum Tempel, dem Vorbilde des wahren Tempels oder Heiligtums, machte eine Geisel aus kleinen Stricken und gebrauchte sie, um die Geldwechsler auszutreiben und die Tische der Taubenkrämer umzustoßen. Die Geisel, aus kleinen Stricken, die er bei jenem vorbildlichen Akt gebrauchte, stellt die verschiedenen Wahrheiten dar, die er in der gegenwärtigen Ernte unter der Tempelklasse gebraucht, um zu strafen, zu prüfen und die Unreinen zu trennen. Die jetzt offenbar gemachten Wahrheiten legen den vollkommenen Willen Gottes, die Bedeutsamkeit voller Weihung in seinem Dienste und die Schmalheit des Weges, der von den begangen werden muss, die in des Meisters Fußstapfen gehen, so klar dar, dass diejenigen, die sich durch irgend welche unlautere Beweggründe an diese Klasse angeschlossen haben, beständig von der Wahrheit versengt werden, bis sie gezwungen werden, sich selbst von der Heiligtumsklasse zu trennen.

Obwohl mehrere Gleichnisse unseres Herrn die allgemeine Scheidung der Heiligtumsklasse von dem "Heere", oder der Gesamtmasse bekennender Christen, zeigen, so gibt es doch zwei, die noch weiter gehen und das darauf folgende Prüfen und Sichten der Heiligtumsklasse aufzeigen - die Scheidung der Überwinder, die das Königreich ererben sollen (Offb. 3:21), von anderen, die zwar auch aufrichtig geweiht waren, aber, vom Geiste der Welt überwunden, versäumen, gegenwärtige irdische Vorteile und Ehre vor den Menschen für die Ehre vor Gott aufzuopfern.

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, während es die ganze jungfräuliche oder geweihte Klasse als von Babylon getrennt darstellt, gibt deutlich eine auch in dieser Klasse vorzugehende Prüfung und Scheidung an - eine Scheidung weiser Jungfrauen, die voll Glauben, voll brennender Liebe und voll vom Geiste, schnellen Gehorsams sind, von den törichten Jungfrauen, die ihre erste Liebe und die Glut des Geistes abkühlen und ihren Glauben und schnellen Gehorsam herabsinken lassen. Die weisen Jungfrauen, die in vollem Einklang mit ihrem Bunde völliger Weihung zu Gott leben und ernstlich auf die verheißene Wiederkunft ihres Herrn warten, sind bereit, die frohe Erntebotschaft zu erfassen und die vorhergesagten Anzeichen der Gegenwart des Meisters zu erkennen und alle Proben, die er etwa zur Prüfung ihrer Ergebenheit und Treue anzuwenden für nötig erachtet, zu bestehen. Sie, die da wach sind und wachsam, hören das Anklopfen des Meisters durch die Worte der Propheten, die seine Gegenwart ankünden; und ihnen sind die gegenwärtigen, um der Wahrheit willen demütig ertragenen Verluste und Kreuze als Vorboten dauerhafteren Friedens und Segens und größerer Freude und Herrlichkeit willkommen.

Als das Anklopfen der Prophezeiung, welche die Gegenwart des Herrn ankündigte, im Herbst des Jahres 1874 vernommen wurde, wurde dieselbe fast augenblicklich verstanden; und sofort erscholl der Ruf: "Siehe da, der Bräutigam! Gehet aus ihm entgegen". Und der Ruf erschallt noch und wird weiter erschallen, bis die ganze jungfräuliche Klasse ihn gehört und ihr Glaube und ihre Treue dadurch geprüft worden ist. Die weisen Jungfrauen, die ihre Lampen (das Wort Gottes) beschnitten und brennen und ihre Gefäße (Herzen) mit dem Öl (des heiligen Geistes) gefüllt haben, werden alle die Gegenwart des Herrn erkennen, und indem sie ihren Wandel und ihre Angelegenheiten ihrem Glauben entsprechend einrichten, gehen sie "aus", dem geliebten Bräutigam zu begegnen und mit ihm zum Hochzeitsmahl sich niederzulassen.

Der jüdische Brauch bei Hochzeiten bildet eine schöne Illustration oder Vorbild der Verlobung und der Hochzeit der Kirche mit Christo ihrem Herrn. Die Verlobung war ein formelles Übereinkommen, das mit feierlichen Gelöbnissen der Treue von beiden Seiten geschlossen wurde. Die Braut verblieb in ihres Vaters Haus bis sie, ungefähr ein Jahr nach der Verlobung, in das Haus ihres Mannes geholt wurde. Der Vollzug der Hochzeit bestand in dem Empfang des Weibes in das für sie vom Ehegemahl bereitete Heim und wurde mit einem großen mehrere Tage dauernden Feste gefeiert. Zur bestimmten Stunde ging der Bräutigam nach seiner Braut aus, die bereit war und auf ihn wartete, um ihn zu empfangen und zu ihrem zukünftigen Heim und zu dem Festmahl, das er bereitet, zu folgen, begleitet von ihren jungfräulichen mit Lampen und all den nötigen Vorbereitungen versehenen Gefährtinnen.

Im Gleichnis wird die Braut nicht erwähnt, sondern alle "klugen Jungfrauen" werden als die bezeichnet, für die der Bräutigam kommt; die ihn dann begleiten und zu den bereiteten Festfreuden mit ihm eintreten. Und dies ist sowohl richtig als auch notwendig, denn die Braut Christi ist aus vielen Gliedern oder Personen zusammengesetzt und aufs prächtigste in den klugen Jungfrauen dargestellt. Die törichten Jungfrauen, die erst später Licht und Erfahrung erhalten, die aber die hohe Erhöhung der "klugen" treuen Brautklasse zu erlangen verfehlen, sind ohne Zweifel die Verse Psalm 45:14, 15 als die "Jungfrauen hinter ihr her, ihre Gefährtinnen" erwähnte Klasse, die zu seiner Zeit vom König auch begnadigt werden, jedoch nicht so hoch.

Die klugen Jungfrauen, bereit, wachsam und nach der Ankunft des Bräutigams verlangend, stellen passend die einzig richtige Haltung der Vertrauten des Herrn, der wahrhaft geweihten Kirche, dar. Denn wenn eine Braut dieses bedeutungsreichste Ereignis ihres Leben vernachlässigen oder darauf unvorbereitet sein würde, so würde sie damit ihre Untauglichkeit für die Ehre beweisen; und so ist es mit der Kirche: Wer solche Hoffnung zu ihm, dem Herrn, hat, der reinigt sich und sucht, in einer Herzens - und Lebensstellung zu sein, die dem Bräutigam wohl gefällt, und sehnt sich und wartet auf die selige Vereinigung und das Fest, das er verheißen, der da sagt: "Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten ... und komme wieder und werde euch zu mir nehmen."

Zweierlei erhellt aus diesem Gleichnis: Erstens, dass dieser spezielle Zug der Wahrheit (die Erkenntnis der Gegenwart des Bräutigams) nicht für die Welt, noch auch für die nominelle Kirche im allgemeinen bestimmt ist, sondern nur für die jungfräuliche oder geweihte Klasse. Zweitens erhellt daraus, dass diese Botschaft von der Gegenwart des Bräutigams die Scheidung bewirken wird, und jede einzelne Person der Jungfrauen-Klasse prüfen und erproben, und die klugen, treuen und würdigen von den ungetreuen und törichten Jungfrauen deutlich unterscheidbar machen wird.

O, welcher Reichtum von Gnade ist also in dieser glorreichen Botschaft enthalten: "Siehe da, der Bräutigam!" Für jetzt ist es ein großes Geheimnis, nur unter den Heiligen bekannt, denn die Welt kann es nicht empfangen. Es ist ihr eine Torheit und wird ihr eine solche sein, bis die Jungfrauen alle es gehört und die klugen gänzlich eingegangen sind; bis "die Türe verschlossen" wird und "die Feuerflammen" der großen Trübsal, die dann anbricht, aller Augen öffnen wird, dass sie die Gegenwart des Herrn und seine begonnene Herrschaft "sehen", erkennen.

Mit welch königlicher Huld kommt die Botschaft Jehovas zu seinen demütigen Knechten und Mägden - "Höre, Tochter, und siehe und neige dein Ohr; und vergiss deines Volkes und deines Vaters (Adams) Hauses (der menschlichen Verwandten, Hoffnungen, Ziele und Bestrebungen)! Und der König (der Herr Jesus) wird deine Schönheit begehren, denn er ist dein Herr: so huldige ihm." (Ps. 45:10, 11) Und wer sind die, welche solche Gnade empfangen sollen? Es sind "die Berufenen und (zum Dienste hier) Auserwählten und (dann in solchem Dienste) Treuen." Ganz herrlich ist des Königs Tochter (Jehovas Tochter, denn als solche wird die Braut Christi angenommen) drinnen - inwendig. Ihre Schönheit ist die Schönheit der Heiligkeit. Äußerlich, vor der Welt, ist sie nicht herrlich; und wie ihr Herr in seiner Erniedrigung, ist sie verachtet und von Menschen verworfen. Doch so soll es nicht immer bleiben. Wenn sie ihm in seiner Niedrigkeit nachgefolgt ist, so soll sie auch seine Herrlichkeit teilen. Als neue Kreatur soll sie zu seiner Zeit mit seiner Natur, der göttlichen, bekleidet werden - "Von Goldwirkerei ihr Gewand (wenn sie verherrlicht ist). Gold ist ein Symbol der göttlichen Natur. "In buntgewirkten Kleidern wird sie geführt werden zum König" - in dem einfachen weißen Kleide, das ihr Herr selbst ihr gegeben, das Kleid seiner Gerechtigkeit, in welches sie aber mit großer Sorgfalt den schönen Schmuck der christlichen Tugenden eingewirkt hat. Und groß wird die Freude im Himmel und auf Erden sein bei ihrem reichlichen Eingang in des Königs Palast (2. Petr. 1:5-8, 11). Viele werden sagen: "Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet." (Offb. 19:7) "Und die Tochter Tyrus (die Starken der Erde) die Reichen der Völker werden deine Gunst suchen mit Geschenken... Ich will deines Namens gedenken lassen alle Geschlechter hindurch; darum werden Völker dich preisen immer und ewiglich. - Ps. 45:10-17

In Wahrheit "klug" werden sich die Geweihten erweisen, die den Zauber der Welt und irdische Hoffnungen und Wünsche beiseite lassen und mit verlangenden und nach dem Geliebten sich sehnenden Herzen bereitstehen, und also der großen, verheißenen Erhöhung als die Braut, des Lammes Weib, würdig erfunden werden.

Da das Nehmen der Lampen, um dem Bräutigam zu folgen, alles andere verlassen und in dieser Zeit seiner Gegenwart Christo folgen heißt, so ist es dasselbe wie Babylon verlassen, wo die Jungfrauen hauptsächlich gewesen sind, weil die offenbarte Wahrheit im Lichte der Ernte deutlich diese Trennung von Weizen und Scheinweizen anzeigt. Sorgfältiges Beschneiden der Lampen macht diese Tatsache den klugen Jungfrauen offenbar, die den heiligen Geist der Weihung und des Gehorsams besitzen. Wer dieses "Öl" hat, wird auch das Licht haben; und wer das Vorrecht erfasst, wird froh ohne Zögern "dem Lamme nachfolgen, wohin es auch geht".

Die törichten Jungfrauen dagegen, welchen das genügende Öl fehlt, verfehlen in Bezug auf die Gegenwart des Bräutigams das rechte Licht zu erhalten; und da sie mit den Sorgen, Plänen, usw. dieses Lebens überbürdet sind, ermangeln sie, die Sache genau zu untersuchen, und sind infolgedessen in Bezug auf den Austritt aus Babylon zögernd und unentschlossen, und auch verhältnismäßig gleichgültig und ungläubig in betreff der ganzen Sache. Und selbst wenn sie von anderen angetrieben ihren Austritt zögernd antreten, so haben sie beständig die Neigung wie Lots Weib, zurückzublicken. Solchen hinterließ der Herr die Warnung: "Gedenket an Lots Weib!" (Luk. 17:32) Und wiederum sagt er: "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, ist nicht geschickt für das Königreich Gottes."

Nichts in dem Gleichnis zeigt an, dass die törichten Jungfrauen ihre Torheit einsehen werden, bis die Gelegenheit, zum Hochzeitsmahle einzugehen, vorüber ist. Dann werden sie erkennen, wie töricht sie waren, dass sie meinten, der Herr nähme sie als seine Braut und als Miterben an, während sie doch höchstens laue und entfernte Nachfolger waren. Viele von denen, die "von den Menschen hoch geachtet" sind, und um ihrer wunderbaren Werke wegen berühmt waren, werden unter den Enttäuschten sein.

Und die Tür ward verschlossen.

Die Verkündigung der Gegenwart des Bräutigams, das Ausgehen, ihm zu begegnen, und der Eintritt mit ihm zum Hochzeitsfest, geht noch vor sich und wird noch vor sich gehen, bis all die klugen Jungfrauen "an ihren Stirnen versiegelt" sind mit einer Erkenntnis der Erntewahrheit, wie sie notwendig ist, um sie von Babylon zu scheiden, und es ihnen möglich zu machen, mit dem Bräutigam zu dem bereiteten Mahle einzutreten. Dann, wenn alle Jungfrauen durch die gegenwärtige Wahrheit geprüft worden sind, wird die Türe der Gelegenheit geschlossen, und niemand mehr zum Festmahl zugelassen werden. Denn so sagt der Meister: Ich bin der, "der öffnet und niemand wird schließen, und schließt, und niemand wird öffnen". (Offb. 3:7) Und wenn die törichten Jungfrauen kommen und anklopfen und um Einlass begehren, nachdem die Tür verschlossen ist, und sagen: "Herr, Herr, tue uns auf", wird er ihnen antworten: "Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht." Wer sich jetzt seiner und seiner Worte schämt und ihnen gegenüber gleichgültig ist, des wird er sich dann schämen, wenn er im Begriff steht, mit all seinen heiligen, treuen Sendboten - den zu ihm erhöhten und mit ihm verherrlichten klugen Jungfrauen - in Herrlichkeit und Macht zu erscheinen.

Die verschlossene Tür hat, wie man sehen wird, durchaus nichts mit den Weltkindern zu tun. Es ist die Tür zum Hochzeitsfest, und stand nie für andere als Geweihte die jungfräuliche Klasse, offen. Keine andere Klasse ist je eingeladen worden, durch sie einzutreten; und sie wird geschlossen, wenn die Erntewahrheiten all die Warmen, Ernsten, Bund und Treue Haltenden von den Kalten, Lauwarmen und von weltlichen Sorgen Überbürdeten, die ihr Bundesgelöbnis zu erfüllen versäumen, gesichtet und getrennt haben. Gott sei Dank, dass es nicht die Tür aller Barmherzigkeit ist, die hier sich verschließt; noch auch die Tür aller Gnade; aber es ist die Tür zu der einen Hauptgnade der Miterbschaft mit Christo als seiner Braut. Doch wenn sie sich vor den törichten Jungfrauen schließt und auf ihr Anklopfen sich nie wieder öffnet, und er sie draußen, der großen Trübsal des "bösen Tages" ausgesetzt, stehen lässt, wo Weinen und Zähneknirschen stattfindet, so verbleiben sie doch in den Armen der Liebe und Barmherzigkeit Gottes und sogar noch unter seiner Gnade und besonderen Fürsorge. Denn die großen Trübsale, durch welche sie gehen werden, sind dazu bestimmt, die dann reumütigen Jungfrauen zu reinigen und zu läutern und sie so zu Gefäßen der Ehre dem Hausherrn gebräuchlich herzustellen, obwohl nicht zu der höchsten Ehre, zu der sie ursprünglich berufen waren, der sie sich aber unwürdig erwiesen. In gewissem Grade am Geiste Babylons teilnehmend, der sie das Gewicht ihres, wenn auch noch so kleinen, Einflusses zuwandten, werden sie von Gott als Teilhaber ihrer Sünden gerechnet und als nicht wert, den über sie kommenden Plagen zu entgehen, die da nicht nur zu Babylons Untergang nötig sind, sondern auch zur Züchtigung, Reinigung und Trennung des noch in ihr verbliebenen, bis dahin noch unreifen Weizens - der teilweise vom Weine Babylons betrunken gewordenen und überwundenen, törichten Jungfrauen.

Das Hineingehen mit dem Herrn zur Hochzeit war aufs prächtigste durch den fröhlichen Brautzug illustriert, der die jüdische Braut zum Hause ihres Gemahles mit Musik, brennenden Lampen und jeglicher Freudenkundgebung geleitete. So ging sie ein in die Freude ihres Herrn und zum Festmahl, das er bereitet. So gehen die klugen Jungfrauen jetzt ein. Die Freude beginnt, wenn sie zuerst von der Gegenwart des Bräutigams hören. Froh verlassen sie alles andere um seiner Gesellschaft und des bereiteten Festmahles willen. Durch den Glauben genießen sie schon das zukünftige Festmahl, da der gegenwärtige Bräutigam ihnen die über alle Maßen großen und köstlichen Dinge mitteilt, die für seine auserwählte Braut aufbewahrt sind, und ihnen sein großes Werk der Segnung und Wiederherstellung der Welt kundtut, an dem teilzunehmen das Vorrecht seiner Braut sein soll. Gewiss, sowie wir das Empfangszimmer betreten und die Anzeichen des bevorstehenden Festmahles der Gnaden des Königreiches sehen, treten wir auch schon in die Freuden unseres Herrn ein. Da schon haben wir einen Vorgeschmack der herrlichen Dinge, die da kommen sollen. Da schon schmausen wir geistlicherweise von der reichen Großmut seiner Gnade. Da schon sitzen wir durch den Glauben an dem Tisch des Herrn, und er selbst tritt herzu nach seiner Verheißung und wartet uns auf. - Luk. 12:37

Der Festgenuss durch den Glauben an den während dieser Erntezeit erschlossenen, köstlichen Wahrheiten begann im Jahre 1875 am Schluss der 1335 Tage (Dan. 12:12), am Anfang der Ernte, und ist die vom Propheten vorhergesagte Glückseligkeit: "O, das Glück dessen, der da ernstlich wartet und erreicht 1335 Tage!"

Die Prüfung des Hochzeitskleides

Ein anderes Gleichnis unseres Herrn (Matth. 22:1-14) zeigt noch eine weitere Prüfung der Heiligtumsklasse - eine Prüfung und Sichtung selbst unter denen, welche die Erntebotschaft vernommen und verstanden haben. Die "klugen Jungfrauen" des einen Gleichnisses, die mit dem Bräutigam zur Hochzeit eingehen, und die "Gäste" dieses Gleichnisses sind dieselbe Klasse der Geweihten, die soweit sich als treu und gehorsam erwiesen haben. In der Tat, diese Klasse wird unter manch verschiedenen Bildern dargestellt, deren jedes seine besondere Kraft als Illustration besitzt. Sie werden als kluge Jungfrauen, als Diener, die auf die Rückkehr ihres Herrn von einer Hochzeit warten, als Gäste bei einer Hochzeit, und als Braut dargestellt. Sie sind der Leib Christi, die voraussichtliche Braut Christi, Soldaten unter ihrem Herzog, Christus; sind Zweige an Christo dem Weinstock, Ölzweige in Christo, lebendige Steine in einem Tempel, dessen Haupteckstein Christus ist; Schüler unter Christo, ihrem Lehrer, Schafe, deren Hirte er ist, usw. Bei der Betrachtung dieser Bilder müssen wir bedenken, dass sie bestimmte und getrennte und ganz von einander unabhängige Illustrationen sind, und müssen versuchen, von jeder die Lektion zu lernen, die sie zu erteilen beabsichtigt war. Wenn wir die Illustrationen untereinander mischen und verwundert fragen wollten, wie ein Stein in einem Tempel ein Zweig an einem Weinstock, wie Schafe Soldaten oder Hochzeitsgäste Knechte oder die Braut sein könnten, so würden wir das Verständnis ganz verfehlen. Tatsächlich sind wir nicht berufen, um Gäste bei dem Hochzeitsmahl des Lammes zu sein, noch auch Diener, die auf seine Rückkehr von der Hochzeit warten, sondern wir sind berufen, die Braut zu sein, obgleich wir in etlicher Hinsicht Dienern und Gästen gleich sein müssen - gleich treuen Dienern was Wachsamkeit betrifft und gleich Gästen in anderer Hinsicht.

Dieses Gleichnis dient dazu, zu zeigen, was nicht unter dem Bilde der Braut verdeutlicht werden konnte, welche die auserwählte Kirche (die Herauswahl) als Gesamtheit, als Christi Miterbin, darstellt. Dasselbe zeigt sowohl die Eigenschaft der erforderlichen Bereitschaft als auch die Inspektion oder Prüfung jedes einzelnen, in der etliche verworfen und andere angenommen werden. Diejenigen, die so geprüft werden, werden dargestellt, als ob sie schon in dem Gastzimmer wären. Sie sind der aus dem Scheinweizen geerntete oder gesammelte Weizen, die von den törichten Jungfrauen getrennten Klugen. Sie haben die Erntewahrheiten gehört und frohlocken in Voraussicht der Herrlichkeit und des Segens, die auf ihre volle Vereinigung mit dem Herrn folgen sollen. Bis hierher haben alle den Lauf recht zurückgelegt. Doch bis jemand das Ende seines Laufes erreicht hat, soll er sich sagen: "Wer zu stehen sich dünket, sehe zu, dass er nicht falle." - 1. Kor. 10:12

Die Bedingung der Annehmbarkeit und Bereitschaft zur Hochzeit wird in diesem Gleichnis unter dem Bilde eines Hochzeitskleides dargestellt. Bei jüdischen Hochzeiten war es Brauch, dass der Gastgeber alle Gäste mit einem weißleinenen Kleide für die Zeremonie versorgte; und wenn ein Gast das vom Gastgeber geschenkte Hochzeitskleid ausschlagen und bei solch einer Gelegenheit in seiner eigenen Kleidung erscheinen würde, das würde als eine schändliche Unanständigkeit, als ein Zeichen von Hochmut und Unehrerbietung gegen den Hauswirt angesehen worden sein.

Als Sinnbild stellt das Hochzeitskleid deutlich die Gerechtigkeit Christi dar, die von Jehova, unserem Gastgeber, vorgesehen ist (Röm. 8: 32) und jedem Gläubigen und ihm Vertrauenden zugerechnet wird. Ohne dasselbe ist niemand beim Hochzeitsmahl des Lammes zulässig. Die Einladung sowohl wie das Hochzeitskleid sind notwendig, und das Gleichnis zeigt, dass nur die so Angetanen zum Vorzimmer besonderer Vorbereitung - in das Licht gegenwärtiger Wahrheit, wo die Braut sich ganz fertig macht (Offb. 19:7) - zugelassen werden. Nachdem die Einladung und das Kleid empfangen und angenommen sind, verwenden diese Gäste die kurze Zeit gerade vor dem Hochzeitsfeste (die Erntezeit) dazu, ihre Kleider anzupassen und an sich selbst und aneinander die letzten Striche der Vorbereitung zu machen. Und während sie damit beschäftigt sind, schmausen sie schon miteinander durch den Glauben in Vorausname dessen, was bevorsteht. Der Bräutigam, das großartige Werk der Zukunft, das herrliche Erbteil und das gegenwärtige Werk der Vorbereitung sind die beständigen Gegenstände ihrer Gedanken und Unterhaltung.

In diesem Vorzimmer (dieser begünstigten Zeit und Lage), herrlich erleuchtet mit der klaren Entfaltung der jetzt fälligen göttlichen Wahrheit, wird sowohl die Möglichkeit als auch der Antrieb zur endlichen Schmückung und vollständigen Bereitschaft zum Hochzeitsfeste dargeboten. Doch nichtsdestoweniger zeigt das Gleichnis, dass unter diesen besonders günstigen Umständen etliche (hier durch "einen" dargestellt) den Gastgeber, den König, durch Verachtung und Ausziehen des Hochzeitskleides beleidigen.

Die unmissverständliche Lehre dieses Gleichnisses ist daher die, dass die schließliche, allgemeine Probe derjenigen "klugen Jungfrauen", die soweit bereit und würdig erfunden worden waren und daher viel von dem Erntelicht sehen durften, eine Probe ihrer Wertschätzung der oft in der Schrift bezeugten Tatsache ist, dass sie nicht einzig und allein nur auf ihr eigenes Verdienst hin zum Hochzeitsmahl angenommen wurden, sondern ursprünglich und hauptsächlich, weil ihre Blöße und vielen Unvollkommenheiten durch das Verdienst dessen bedeckt wurden, der sein Leben als ihren Kaufpreis gegeben, und dessen zugerechnete Gerechtigkeit (als ein Kleid) sie allein vor dem König darstellbar und annehmbar machte. Alle müssen das Kleid anhaben. Ein jeder mag dann sein eignes mit guten Werken besticken.

Wie bemerkenswert und bedeutsam, dass dies die große, allgemeine Schlussprobe sein sollte. Unser himmlischer Vater ist augenscheinlich fest entschlossen, dass niemand zur Brautschar gehören soll, außer wer deutlich seine eigene Nichtigkeit erkennt, und dass der große Bräutigam ihr Erlöser sowie ihr Herr und Lehrer ist.

Es scheint auffallend zu sein, dass einer, der soweit den Lauf wohl vollbracht hat, noch fallen sollte, da er der Verwirklichung seiner Hoffnung so nahe. Doch wenn wir vor einer solchen Möglichkeit gewarnt werden, so gebührt es sich für alle Geweihten, zu wachen und zu beten, damit wir nicht in Versuchung fallen, denn in diesen letzten Tagen kommen die vom Apostel vorhergesagten gräulichen, besser gefährlichen, schwierigen Zeiten (1. Tim. 4:1; 2. Tim. 3:1; 4:3-5). Doch aber sind die Zeiten nicht so gefährlich, dass die göttliche Gnade unfähig wäre, die aufrecht zu erhalten, die sich vertrauensvoll auf den allmächtigen Arm stützen. Jawohl, wer demütig auf dem schmalen Weg der Aufopferung verbleibt, war nie zuvor so wohl gestützt oder so völlig mit der ganzen Waffenrüstung Gottes ausgerüstet. Doch, so sonderbar es erscheinen mag, gerade die Fülle der Gnade Gottes, gerade die Klarheit der Entfaltung der gnadenreichen Pläne des Herrn (dass er die Herauswahl während des Millenniums gebrauchen will, alle Geschlechter der Erde zu segnen), anstatt zur Demut zu leiten und zu größerer Wertschätzung des wunderbaren Lösegeldes, durch welches die Befreiung von der Verurteilung bewirkt und unser Ruf zur göttlichen Natur und Miterbschaft mit Christo gesichert wurde, scheint es bei etlichen die entgegengesetzte Wirkung zu haben. Sie scheinen ihre eigene Unwürdigkeit sowohl wie auch die makellose Vollkommenheit des Herrn aus dem Auge zu verlieren; und statt zu bedenken, dass sie aufs höchste "unnütze Knechte" sind, scheinen sie in ihren eigenen kleinen Selbstentsagungen um der Wahrheit willen etwas Wunderbares zu erblicken - etwas, das dem, was unser Herr Jesus tat, gleichkomme - und empfinden, dass zur Hinausführung des in der Schrift geoffenbarten Planes der Zeitalter niemand so unentbehrlich sei wie sie. Wer so tut, ist schuldig, dass er sich nicht "an das Haupt hält" oder dasselbe und sein großes Versöhnungswerk nicht in gehörigem Respekt hält (Kol. 2:19). Solche fallen unter das Urteil, "das Blut des Bundes, durch welches sie geheiligt worden", und das sie angenommen hatten, "gemein geachtet" zu haben (Hebr. 10:29). Sie verhöhnen geradezu den Geist der Gnade Gottes, wenn sie den "Weg" - den einzigen Weg - und den Namen - den einzigen Namen - unter dem Himmel und unter den Menschen, durch welchen wir aus der adamitischen Verdammnis gerettet und völlig mit Gott versöhnt werden können, verwerfen.

Sie werden in dem Gleichnis durch den einen, der gebunden wird, dargestellt. Er wird verhindert, noch weitere Schritte nach dem Festmahle zu tun, ja selbst dessen Segen und Freude weiter zu empfinden; und schließlich wird er gänzlich aus dem Licht hinausgeworfen in die "äußere Finsternis" der Welt hinaus, um sein Teil zu haben an der Angst und den Beschwerden der Zeit der großen Trübsal. Für solche gereichen daher gerade die sich jetzt entfaltenden Wahrheiten, die zu unserem Wohlsein und zu unserer Weiterentfaltung beabsichtigt waren, zu einem Fallstrick, weil sie durch dieselben nicht recht getrieben werden. Wie Israel, das so lange besonders von Gott begnadet war, stolz wurde und zu meinen anfing, an sich selbst tatsächlich jener Gnaden wert und für den göttlichen Plan unentbehrlich zu sein, so dass Gott sie von aller Gnade verstieß, so ist es jetzt mit denen, die wohl bis hierher recht gelaufen waren, doch nun verfehlen, demütig zu bleiben, und zu denken anfangen, an sich selbst würdig zu sein, in ihrer eigenen Gerechtigkeit vor Gott stehen; und die so das Recht beanspruchen, ohne das Hochzeitskleid der zugerechneten Gerechtigkeit Christi an dem Festmahle teilzunehmen.

So traurig es auch ist, dieser Zug der Weissagung, der in dem vor uns liegenden Gleichnis dargestellt ist, erfüllt sich vor unseren Augen und bildet so ein weiteres Glied in der Kette der Beweise, dass wir jetzt in der "Ernte" sind. Etliche, welche die gegenwärtigen, geistlichen Gnaden genossen haben, befleckten so das Hochzeitskleid und warfen es beiseite; und obwohl sie noch von Christo als dem Herrn reden, verachten sie doch und verleugnen sie die Wichtigkeit und Wirksamkeit gerade der Handlung, durch welche er der Herr wurde und um welcher willen sie einer Einladung zur Hochzeit wert geachtet wurden (Röm. 14:9; 5:2). Sie behaupten kühn, keinen Erlöser zu bedürfen; und mit schlauer Sophisterei und Verdrehung der Schrift überzeugen sie sich selbst und andere, dass sie auf einem anderen Wege in den Schafstall kamen, ohne erkauft zu sein - in ihrer eigenen Gerechtigkeit, die der Prophet ein "unflätig Kleid" nannte; und etliche behaupten, sie bedürften keines Mittlers oder Lösegeldes, sondern wären unabänderlich von Gott zur himmlischen Herrschaft erwählt.

Dieses Ausziehen des Hochzeitskleides durch Verwerfung des Wertes des Lösegeldopfers Christi fand unter denen, die in dem Licht gegenwärtiger Wahrheit standen, zum erstenmal im Sommer 1878 statt; und seitdem sind alle auf diese Weise geprüft worden, die in das Licht des Gastzimmers, in das Erntelicht, traten. Geradezu in der Gegenwart des Bräutigams hat der Irrtum Fuß gefasst, und manche werfen das unentbehrliche Hochzeitskleid von sich. Und welche Bewegung hat es unter den Gästen hervorgerufen, was für Trennung, was für eine Sichtung! Denen, welche das Kleid beiseite werfen, scheint sehr daran zu liegen, dass auch andere es tun. Sie fangen an zu streiten, während die Treuen Gegenvorstellungen machen, und das Werk der Scheidung geht sogar mitten in dem Gastzimmer voran, und wird ohne Zweifel bis zur allerletzten Stunde vor der Hochzeit vorangehen.

Mittelweile hat der unsichtbare gegenwärtige Bräutigam auf die Treuen und Würdigen, die sein Abendmahl schmecken sollen, Acht und lässt diese Schlussprüfung, wie in dem Gleichnis vorhergesagt ist, zu. Die, welche das Kleid abgelegt haben, fragt er: "Freund" (Geselle), wie bist du hier herein gekommen, da du kein Hochzeitskleid anhast?" - eine milde aber sehr deutliche Hinweisung auf den Umstand, dass das Tragen des Kleides die Bedingung seiner Zulassung zu den genossenen Gnaden gewesen war, und dass ihm ein solches umsonst dargereicht worden war. Und wir fordern alle die auf, welche jetzt den Wert des Todes Christi als ihres Lösegeldpreises leugnen, zu behaupten, dass sie in das gegenwärtige Licht kamen - in die Erkenntnis der Gegenwart des Herrn und anderen Tiefen der Gottheit, die jetzt so deutlich gesehen werden - ohne zur Zeit ihres Eintrittes in diesem Kleide gekleidet gewesen zu sein. Niemand kam je herein ohne das Kleid; keiner sonst kann die Tiefen der Gottheit sehen (1. Kor. 2:7-14). Gerade wie es im Gleichnis ist, so ist es jetzt, wenn diese Frage an die gestellt wird, welche das Kleid von sich geworfen haben, sie "verstummen". Sie können nicht leugnen, dass sie eingelassen wurden, während sie das Kleid anhatten, und mögen es doch nicht eingestehen.

"Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände, nehmet ihn und werfet ihn in die äußere Finsternis." Die "äußere Finsternis" oder "Finsternis draußen" ist die Finsternis, welche die Weisen der Welt umgibt, die Finsternis menschlicher Vernunft, die nicht durch Gottes Wort regiert und durch seinen geoffenbarten Plan des Lösegeldes und der Wiederherstellung in die rechte Richtung geleitet ist. Durch das Binden oder Fesseln wird an denselben vor der Schar der Geweihten ein Exempel statuiert und hilft so allen wahrhaft Treuen aufs deutlichste die Notwendigkeit und den Wert zu erkennen, den das Kleid in den Augen des Königs hat. Die Diener, denen befohlen wird, das Binden zu verrichten, sind die, welche über die Sache die Wahrheit besitzen und so durch Beweis aus der Schrift über den Wert und die Notwendigkeit des teuren Blutes und des Kleides der Gerechtigkeit, das es uns erkaufte, den Einfluss solcher binden können. Beim Ankämpfen gegen diese Schriftargumente wird der Entkleidete durch seine eigenen Argumente und Bemühungen, sich zu rechtfertigen, aus dem Lichte in die "Finsternis draußen" genötigt. Für sie, wie für die Welt, ist das Kreuz Christi nur ein Stein des Anlaufens und eine Torheit, den Treuen, Geweihten aber ist es immer noch "göttliche Kraft und göttliche Weisheit".

Doch lasst uns nicht übersehen, dass diejenigen des Gleichnisses, die "gebunden" und "in die Finsternis draußen" geworfen werden, zuerst in dem Licht der Erntewahrheit gewesen sein müssen, und dass folglich ihre Verantwortlichkeit und Strafe größer ist, als die derjenigen, welche nie solche Gnade genossen haben. Tausende in der nominellen Kirche werden zweifelsohne der Lehre hervorragender Leiter unter ihnen folgen und den Glauben an die Wirksamkeit des teuren Blutes Christi als des Lösegeldes des Sünders beiseite werfen, aber sie werden für diesen Schritt nicht im vollsten Maße verantwortlich gehalten werden, weil sie in Bezug darauf noch nicht genügend erleuchtet worden waren. Tausende nomineller Christen haben nie an Christus als ihr Lösegeld oder ihren Stellvertreter im Tode geglaubt und haben nie das Kleid seiner zugerechneten Gerechtigkeit getragen. Auf die ist natürlich im Gleichnis kein Bezug genommen worden. Das Gleichnis hat es nur mit einer begrenzten Klasse zu tun, von der alle einst das Lösegeld deutlich verstanden; und während sie es erkannten, traten sie unter der Gnade, die es sicherte, in das besondere Licht der Erntezeit ein - in das Licht der Zeit der Gegenwart des Königs, gerade vor dem Festmahle. Mit welcher Seligkeit sollten die, welche einmal erleuchtete waren, und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters schmeckten, sich vor dem bloßen Gedanken an einen solch treulosen, ungerechten und verderblichen Schritt hüten. - Hebr. 10:26-31, 6:4-8

Bei der Betrachtung dieser Gleichnisse müssen wir nicht den Fehler machen, anzunehmen, dass alle klugen Jungfrauen schon zum Hochzeitsfeste - in das Gastzimmer besonderer und schließlicher Vorbereitung - eingegangen sind, und dass die Tür vor der erwähnten Prüfung geschlossen wurde. Die Tür der Gelegenheit steht noch für alle Geweihten offen, die durch den Glauben in das Hochzeitskleid der Gerechtigkeit Christi gekleidet sind. Die Botschaft: "Siehe da, der Bräutigam!" geht noch aus. Die klugen Jungfrauen gehen noch aus, ihm entgegen, und gehen mit ihm ein zur Hochzeit; und die törichten sind noch nicht mit Öl in ihren Gefäßen zurückgekehrt. Aber, seit "der König hereinkam" (seit 1878, die Parallele, der Zeit nach, zu der vorbildlichen Ansichnahme des Amtes als König der Juden von Seiten unseres Herrn - Matth. 21:1-13), ist die Besichtigung der Gäste und die Prüfung betreffs ihrer Wertschätzung des Hochzeitskleides im Fortschritt begriffen. Und während noch mehr der klugen Jungfrauen von der Gegenwart des Bräutigams hören und voll Freude hereinkommen zum Feste, erweisen sich etliche, die schon darin sind, des Dableibens unwürdig, und werden an Händen und Füßen gebunden, und ihre Wertschätzung und ihr Verständnis der gegenwärtigen Wahrheit - der Wahrheit der Gegenwart des Herrn und der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeit - fängt an, dunkler und dunkler zu werden, so wie sie von falschen Schlüssen auf falsche Voraussetzungen getragen, je nach ihrem Temperament, langsamer oder rascher, sich hinneigen nach der weltlichen Ansicht der Dinge, nach der "Finsternis draußen" - so genannt im Vergleich mit dem, den gebührend gekleideten Heiligen jetzt zugänglichen Lichte drinnen. Und ohne Zweifel, alle Jungfrauen, die hereinkommen, müssen über diese Sache geprüft werden. Glücklich und ohne Furcht werden in dieser Prüfung alle die sein, die von Herzen singen können:

Auf Christ, dem Felsen, ist mein Stand;
All andrer Grund ist loser Sand.

Das Ende der hohen Berufung nicht das Schließen der Tür

Die Schrift gibt nicht genau die Zeit an, da die Tür zum Hochzeitsfeste geschlossen wird, wenn sie auch deutlich zeigt, dass sie nicht geschlossen wird, ehe alle Jungfrauen Gelegenheit hatten, einzutreten, und nachdem alle "klugen" oder bereiten es getan haben.

Eine offene "Tür" versinnbildlicht eine Gelegenheit zum Eintritt in gewisse Zustände oder Vorrechte. Eine verschlossene Tür stellt den Schluss solcher Vorrechte oder Gelegenheit vor. Das Vorrecht, die Einladung oder Gelegenheit des christlichen Zeitalters, das unter einschränkenden Bedingungen an Christus Gläubigen den Eintritt in die Miterbschaft mit ihm in das himmlische Königreich und zur göttlichen Natur darbietet, ist die "Tür", durch welche wir "Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen", nämlich in der Hoffnung, die Herrlichkeit Gottes zu teilen (Röm. 5:2). Diese Tür, welche das ganze Zeitalter hindurch offen gestanden hat, wird einmal geschlossen werden; und die Tür in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen bezeichnet dieses Zuschließen - das völlige Zuende gehen all solcher Gelegenheiten und Vorrechte. Dieses Gleichnis von den Jungfrauen malt bloß die Ereignisse am Schluss dieses Zeitalters unter den Gliedern der wahren Kirche, die zu dieser Zeit leben. Die "Tür" dieses Gleichnisses stellt vor, dass den "klugen Jungfrauen" in der Zeit der Ernte gewisse, besondere Vorrechte, die Erfüllung und das Ziel aller Gnaden des christlichen Zeitalters, offen stehen werden; und das Schließen der Tür, wenn alle einzelnen dieser Klasse von solchen Vorrechten Gebrauch gemacht haben, stellt das Aufhören all der Gnaden und Vorrechte des christlichen Zeitalters vor, denn das Festmahl vertritt im ganzen alle christlichen Vorteile und Vorrechte, indem es eine Darstellung der großen Vollendung ist, zu der alle anderen Gnaden führen - die Herrlichkeit des verheißenen Königreiches.

Betrachte diese "Tür" der Gelegenheit und des Vorrechtes, die bald geschlossen wird. Unser Herr nannte es eine Pforte und sagte, dieselbe zu finden und durch dieselbe einzutreten würde während des christlichen Zeitalters schwer sein, und ermahnte uns, ernstliche Anstrengungen zu machen, einzutreten, wenn wir die Unsterblichkeit und die Ehre des Königreiches teilen wollten, zu welchen diese und keine andere Tür führe. Er sagte daher: "Ringet darnach, durch die enge Pforte einzugehen: denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und werden es nicht vermögen. Von da an, wenn der Hausherr aufgestanden ist, und die Tür verschlossen hat" (Luk. 13:25). Dieser schmale Weg ist, wie wir schon (Band 1, Kapitel 9) sahen, der Weg der Selbstaufopferung im Interesse des Planes und Werkes des Herrn. Der Weg ist durch die Umstände der gegenwärtigen Zeit, durch den Widerstand des Weltgeistes gegen Wahrheit und Gerechtigkeit so schmal gemacht, so dass, wer in den Fußstapfen unseres Führers und Vorläufers wandelt, finden wird, dass der Weg schmal und schwierig ist, und dass er Verfolgungen leiden muss. Um in diesem Wege zu wandeln, wie uns unser Herr ein Beispiel gegeben, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollten, heißt nicht nur, dass wir uns in seinem Sinn oder Geist umformen lassen, sondern auch, dass wir auf jede Gefahr hin einen tätigen, energischen Eifer in der Verbreitung seiner Wahrheit entwickeln. Und alle, die so getreulich wie er, treu bis in den Tod, in diesem schmalen Wege wandeln, haben Gemeinschaft mit seinen Leiden und werden auch zu seiner Zeit an seiner Herrlichkeit beim Hochzeitsfeste teilnehmen - in der Herrlichkeit, die bei seiner Erscheinung und in seinem Königreiche geoffenbart werden wird (Phil. 3:10; 1. Petr. 4:13).

In Anbetracht des herrlichen Zieles ist das Vorrecht, in diesem schmalen Weg der Selbstaufopferung um der Wahrheit willen zu wandeln, das größte Vorrecht, das je irgend einer Kreatur dargeboten wurde. Das Vorrecht, mit Christo für seine Sache zu leiden, nachdem man ihn zuerst als seinen Erlöser erkannt hat, ist daher die Tür und die einzige Tür der Gelegenheit, durch die man in die "Herrlichkeit darnach" als Braut und Miterbin Christi eintreten kann.

Drei Wege gibt es, in welchen das Schließen dieser Tür angezeigt werden konnte: Erstens, durch eine bestimmte Aussage der Bibel über das genaue Datum; oder zweitens, durch solch eine Wendung der öffentlichen Meinung in Bezug auf die Wahrheit, so dass Treue und Eifer in ihrem Dienst nicht länger mehr auf Widerstand stieße, und da mit Christo um der Wahrheit willen zu leiden, nicht länger mehr möglich wäre; oder drittens, durch solch einen Zustand der Verhältnisse in der Welt, wodurch alle Möglichkeit zu solchem Dienste wirksam abgeschnitten würde, so dass keine Gelegenheit mehr vorhanden wäre, dass Bewerber in die Arbeit eintreten und durch ihre Tätigkeit und Ausdauer ihre Liebe und Treue entwickeln und beweisen könnten.

Obwohl uns nun bestimmt gesagt wird, dass die Tür einmal in dieser Erntezeit oder in diesem Ende des Zeitalters geschlossen werden wird, so gibt doch die Bibel das genaue Datum nicht an; und obwohl nach der Zeit der großen Trübsal ein großer Umschwung der öffentlichen Meinung zu Gunsten von Wahrheit und Gerechtigkeit stattfinden wird, so haben wir doch durchaus keine Andeutung, dass solcher Zustand der Verhältnisse eintreten wird, ehe die Erntezeit völlig zu Ende gelaufen ist. Aber wir haben eine deutliche Andeutung, dass die Tür in der zuletzt genannten Weise geschlossen werden wird, denn, ehe der Tausendjahrtag anbricht, sind wir im Voraus gewarnt vor einer Nacht, in der niemand wirken kann - "Es kommt ein Morgen und auch eine Nacht." - Jes. 21:12 (siehe Band 2, Kapitel 8)

Wenn also der uns eröffnete schmale Weg das Vorrecht und die Gelegenheit ist, jetzt mit unserem Herrn zusammenzuwirken, während dies, seinen Geist der Demut, des Eifers und der Treue gegen Gott und seine Wahrheit zu offenbaren, uns irdischen Nachteil bringt; und wenn seine Sache und die Wahrheiten, die er vortrug, zu vertreten, uns, das geringste zu sagen, allgemein sehr unbeliebt macht; und wenn unsere Versuche, seinen Namen zu ehren und unsere Mitmenschen mit der Wahrheit zu segnen, indem wir unser Licht leuchten lassen, Schmach, Verdächtigung und Verfolgung irgend welcher Art auf uns bringt; wenn, wie wir gesehen haben, die geöffnete enge Pforte bedeutet, das Gesagte, was es auch koste, treu bis in den Tod zu tun, so folgt, dass das Aufhören all solche Möglichkeit zu solchem Teilnehmen am Dienste und am Leiden das Zuschließen der Tür, das Versperren des schmalen Weges zur zukünftigen Herrlichkeit und Miterbschaft ist. Unsere Miterbschaft mit Christo ist durch unsere Treue in seinem Dienste bedingt, was jetzt mit ihm leiden heißt. - Röm. 8:17, 6:8

Mit Christo leiden ist aber, wie wir sahen, nicht das gewöhnliche Leiden, wie es allen in dem gefallenen Zustand zustößt, sondern nur solches Leiden, das sich mehr oder weniger direkt von der Nachfolge Christi herleitet, vom Vertreten unpopulärer Wahrheiten und Aufdecken populärer Irrtümer. Das war die Ursache des Leidens Christi; und das wird die Ursache der Verfolgung, des Leidens und Verlustes all derer sein, die in seinen Fußstapfen nachfolgen. Sie haben Gemeinschaft an seinem Leiden jetzt, am Ende aber werden sie würdig geachtet werden, den Lohn solcher Treue zuteilen. Dies hat während des ganzen christlichen Zeitalters hindurch beim Säen und Wässern des Samens der Lehre Christi selbstverleugnende Arbeit und Erdulden von Schmach gekostet; und jetzt am Ende des Zeitalters bedeutet es eine ähnliche Treue und eine ähnliche Ausdauer in dem jetzt vor sich gehenden Erntewerke - selbst bis zur Daniederlegung des Lebens, sei es nun, dass dies den allmählichen Prozess des sich Abarbeitens im Dienste des Meisters, durch tägliches Sterben, oder dass es mehr plötzlich durch einen Märtyrertod geschehe.

Die Würdigkeit der vertrauten, jungfräulichen Kirche, einst die Braut, des Lammes Weib zu sein, besteht nicht nur in Sündlosigkeit; obgleich sie heilig und "ohne Makel" sein wird - "ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen" (Eph. 5:27), "weißer als Schnee" gemacht in dem großen Brunnen erlösender Liebe, dem Verdienste ihres Erlösers. So viel ist für jeden nötig, der je dauernden Lebens würdig erachtet werden will. Doch um die Braut des Lammes zu werden, muss sie nicht nur rein wie eine Jungfrau sein, und dazu frei von sündiger Verbindung und Liebäugelei mit der Welt, sondern sie muss mehr sein, viel mehr als das. Sie muss ihrem Herrn sehr ähnlich sein, und so genau seinen Fußstapfen und seinem Rate folgen, dass sie um seinetwillen eine Dulderin, eine Märtyrerin ist, wie er war und um derselben Grundsätze der Wahrheit und Gerechtigkeit willen. Sie muss beweisen, dass sie eine brennende Liebe für den Bräutigam besitzt und eine unermüdliche Hingebung an seinen Namen und an seine Grundsätze, so dass sie willens ist, von den Weltkindern wie er verachtet und verworfen zu werden, um des Gehorsams willen gegen seine Lehren.

Diesen Charakter zu bilden und darzutun, muss sie geprüft und erprobt werden. Ihr Vertrauen, ihre Ausdauer, ihre Treue zu ihrem Herrn, durch Böses wie durch Gutes hindurch, muss entwickelt und geprüft werden. Und nur solche, die so entwickelt und geprüft worden sind, und durch die Prüfung treu erfunden wurden, werden vom Herrn und Erben aller Dinge je als Braut und Miterben anerkannt werden. Wie geschrieben steht: "Glückselig ist der Mann, welcher Versuchung besteht, denn nachdem er (so) bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der Herr verheißen hat denen, die ihn (so innig) lieben." So, recht verstanden, sollten wir also jeder Prüfung unserer treue freudig begegnen, als einer neuen Gelegenheit, dem Bräutigam die Tiefe und Stärke unserer Liebe zu zeigen, und als einen weiteren Beweis, seiner Liebe, seines Vertrauens und der verheißenen Erhöhung wert zu sein. Wer mit dem Herrn die zukünftige Herrlichkeit teilt, ist nicht nur berufen und erwählt (angenommen), sondern auch treu, ja bis zum Tode. - Offb. 17:14

So wird also die Tür der Gerechtigkeit, mit Christo unserem Herrn an dem Werke des christlichen Zeitalters teilzunehmen, geschlossen sein, wenn "die Nacht kommt, da niemand wirken kann." Und wer dann die notwendigen Eigenschaften nicht durch treuen Dienst entwickelt hat und seine Ergebenheit und Liebe und seinen Eifer für den Herrn und seine Wahrheit (Matth. 10:37, Mark. 8:38) nicht bewiesen hat, für den ist es dann zu spät, es noch tun zu wollen. Wie es in dem Gleichnis dargestellt ist, erweisen sie sich als "törichte Jungfrauen", weil sie die große und herrliche Gelegenheit fahren ließen, mit ihm um seinetwillen zu leiden, mit dem sie doch so gerne herrschen möchten. Zu der Zeit wird die von Gott vorherbestimmte Zahl derer, welche die Herauswahl bilden soll und vollzählig macht, berufen, erwählt und durch Prüfungen treu erfunden worden sein - "Abbilder des Ebenbildes seines Sohnes." (Röm. 8:29) Die Ernte wird vergangen, die Sommerzeit der Gnade zu Ende sein; und nur das Verbrennen des Scheinweizens erübrigt noch, um das Feld (die Menschenwelt) zu reinigen und völlig für die umfangreichere Aussaat des tausendjährigen Zeitalters zuzubereiten.

Das Eintreten dieser Nacht wird augenscheinlich weiterer Arbeit, die Wahrheit zu verbreiten, Halt gebieten. Von der Öffentlichkeit wird dieselbe im allgemeinen missverstanden, und ihr wahrscheinlich zum großen Teile die Schuld beigemessen werden für die beginnende Anarchie und Verwirrung, statt dass man es im rechten Lichte sieht, dass es ein Vorausschatten göttlichen Geistes und göttlicher Offenbarung betreffs der über die Welt kommenden Trübsal und ihrer wahren Ursache ist. Noch auch dürfen wir erwarten, dass das Eintreten der Nacht und das Schließen der Tür plötzlich gesehen wird, sondern vielmehr, dass es ein allmähliches Hemmen und Unterdrücken der Erntearbeit sein wird.

Die Gegenwart ist die Zeit für das Versiegeln der Knechte Gottes an ihren Stirnen, ehe der Trübsalsturm ausbricht (Offb. 7:2, 3), und jede kluge Jungfrau sollte das gegenwärtige Vorrecht sowohl für ihr eigenes geistiges Versiegeln mit der gegenwärtigen Wahrheit ausnützen, als auch um die in die Erntearbeit des Versiegeln anderer der Weizenklasse einzutreten und sie in die Scheune der Sicherheit zu bringen, ehe die Nacht kommt, und die Tür der Gelegenheit zur Arbeit geschlossen ist.

Dass die gegenwärtige, überaus günstige Gelegenheit nur kurz ist, geht deutlich daraus hervor, dass nur noch 24 Jahre der Ernteperiode übrig sind, deren Schluss Zeuge des Endes der Herrschaft des Bösen und der Herbeiführung des glorreichen Millenniumstages sein wird; und in diese Periode fällt noch die dunkle Nacht der größten Trübsal, welche die Welt je gesehen. Wahrlich, wir leben in der elften Stunde. Die große Finsternis, die dem herrlichen Tag vorhergehen muss, zieht heran. "Der Morgen kommt und auch die Nacht."

Und beachte: Wenn diese Nacht kommt, wenn die Schnitter mit ihrer Arbeit aufhören müssen, so ist das ein Beweis, dass dies letzte Werk des christlichen Zeitalters vollbracht ist, das die auserlesene Zahl der Braut Christi ganz "versiegelt" und in den Zustand des Getrenntseins von den Weltlichen - in den Scheunenzustand - "gesammelt" sind (Matth. 13:30), denn Gott wird nicht zulassen, dass irgend etwas sein Werk verhindert, bis es geschehen ist. Dann werden alle wahren und treuen Knechte Gottes an ihren Stirnen versiegelt und das Werk des christlichen Zeitalters beendet sein. Niemand kann nunmehr in das Werk eintreten oder den reichen Lohn ernten, der in den "größten und kostbaren Verheißungen" als Lohn der Treuen, die eintreten, während die "Tür" offen steht, vorhergesagt ist. (2. Petr. 1:4)

Aber hieraus dürfen wir nicht entnehmen, dass alle, so schnell als sie treu erwiesen sind, sogleich ihren Lohn antreten. Möglich ist es, dass etliche noch weiter leben, weit in die dunkle Nacht der Trübsal hinein; obwohl unsere Erwartung das Gegenteil ist. "Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus. Nachdem sie die ganze Waffenrüstung Gottes angelegt haben und kühn durch klare und furchtlose Darlegung und Verteidigung der Wahrheit während dieses bösen Tages, da Riesenirrtümer so kühn und herausfordernd überall ihr Haupt erheben, dem Irrtum widerstanden haben, werden die Heiligen ermahnt, nachdem sie alles ausgerichtet, "zu stehen", gekleidet in der vollen Rüstung, mit dem Schwerte des Geistes stets zur Verteidigung bereit und mit Wachsamkeit und Ausdauer im Gebet für alle Heiligen. Alle werden Geduld von Nöten haben, damit sie, nachdem sie den Willen Gottes getan haben, die Verheißung empfangen. (Offb. 14:12; Eph. 6:13; Hebr. 10:36)

Das Ende der hohen Berufung zur Miterbschaft mit unserem Herrn Jesus im Königreiche Gottes, das sollte deutlich verstanden werden, ist nicht das Schließen der Tür im Gleichnis von den Jungfrauen. Obwohl der allgemeine "Ruf" zu dieser Gnade im Jahre 1881 aufhörte, so ist die Tür noch offen. Der Ruf ist die allgemeine Einladung Gottes an alle gerechtfertigten Gläubigen, in den Fußstapfen der Selbstverleugnung, selbst bis zum Tode, Jesu nachzufolgen und hierdurch ihre Würdigkeit, mit ihm in seiner Herrlichkeit zu herrschen, zu beweisen. Diese Gnade hatte einen bestimmten Ausgangspunkt. Sie begann am Pfingstfeste, im Jahre 33, und sie hatten einen bestimmten Endpunkt, nämlich Oktober 1881, wie wir schon gezeigt haben.

Das Schließen der "Tür" im Gleichnis von Matth. 25 dagegen bezeichnet das Ende aller Gelegenheit für irgend jemand. Selbst die "Berufenen" können dann nicht mehr das Kleinod des hohen Berufes erreichen. Es bezeichnet das Ende aller Gelegenheit, sich durch Treue im Dienste des Preises würdig zu erweisen. Alle Gelegenheit zum Dienst wird in der "Nacht", da niemand wirken kann, zu Ende gehen (Joh. 9:4). Es ist daher klar, dass die Tür oder Gelegenheit, unsere Berufung und Erwählung auf solche Weise fest zu machen, nicht notwendigerweise schließt, wenn der Ruf, einzutreten, oder die allgemeine Einladung an alle Gläubigen, auszugehen, aufhört. Und während das Tor offen steht, zeigt dies an, dass irgend ein Gläubiger, der begierig ist, einzutreten, und bereit steht, die Bedingungen zu erfüllen, noch so tun mag, obschon der allgemeine "Ruf" oder die Einladung, einzutreten, nicht mehr ausgesandt wird. Tatsächlich ist die Tür der Gelegenheit zu arbeiten und zu opfern noch nicht geschlossen, obwohl der allgemeine Ruf seit 1881 aufgehört hat. (siehe Band 1, Kapitel 7)

Das christliche Zeitalter war die Zeit der Berufung. Zuerst für die Berufung von Sündern zu Buße und Glauben an Christus, den Erlöser; und dann für die Berufung dieser Gerechtigkeit zu den hohen Vorrecht der Miterbschaft mit Christo in seinem Königreich, unter der Bedingung, dass sie jetzt in seinen Fußstapfen der Selbstaufopferung, selbst bis zum Tode, nach wandeln. Das ist die Bedingung der Annahme in die Arbeit und in die Ehren des zukünftigen Millenniums-Zeitalters. Wenn der Herr uns daher sagt, dass die Schlussperiode des Zeitalters eine Ernte sein wird, so zeigt das deutlich einen vollständigen Wechsel an - einen Wechsel vom Säen zum ernten, vom Berufen zum Prüfen der Berufenen und zum Abschluss der durch die Berufung begonnenen Arbeit.

Als eine Verdeutlichung des Wechsels in der Art der Arbeit am Ende des christlichen Zeitalters gab unser Herr das Gleichnis von dem Zugnetz (Matth. 13:47-50). "Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Netze, das ins Meer geworfen wurde, und von jeder Gattung zusammenbrachte, welches sie, als es voll war, ans Ufer heraufgezogen hatten, und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen, die Faulen warfen sie aus. Also wird es in der Vollendung (am Ende) des Zeitalters (in der Ernte - Vers 39) sein. Die Engel (Sendboten, Diener Gottes) werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern, und sie in den Feuerofen werfen (die Zeit der großen Trübsal): da wird sein das Heulen und das Zähneknirschen."

Dies Gleichnis stellt die nominell-christliche Kirche als das nominell in Aussicht stehende Königreich Gottes dar - das Netz, das in das Meer (die Welt) geworfen und Fische (Menschen) "von jeder Gattung" (wahre Christen, halb verführte und geblendete Christen und Haufen von Heuchlern) fing und, da es voll war, in der Fülle der Zeit Gottes, an das Ufer gezogen wird. Dies zeigt, dass die "von jeder Gattung", die in die nominelle Kirche gesammelt wurden, für das Königreich nicht taugten, wofür sonst sie auch taugen mögen, und dass am Ende des Zeitalters - in der Erntezeit - der Ruf oder die Einladung zu einer Stellung im Königreich nach Gottes Anordnung aufhören würde. Dies ist durch das ans Ufer Ziehen des Netzes dargestellt. Dann würde ein anderes Werk von den Fischern vorgenommen werden, nämlich ein Trennungs- ein Scheidungswerk, das des Einsammelns der gewünschten Sorte und des Wegwerfens anderer, die der Gnade, zu der sie berufen sind, nicht wert waren. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Das Trennungswerk dieses Gleichnisses ist das gleiche wie das in dem Gleichnis vom Weizen und Scheinweizen. Letzteres lehrte uns, dass wir ein Aufhören des Säens (des Berufen) und einen Wechsel der Arbeit vom Säen zum Ernten zu erwarten haben. Die Diener des Herrn, die unter seiner Anleitung die Arbeit vertauschen, werden in beiden Gleichnissen Engel - besondere Sendboten Gottes - genannt. Es sind seine treuen Jünger. Weil sie sehr demütig und nahe bei dem Herrn wandeln und sehr ernstlich trachten, seinen Plan zu erkennen, und in seiner Arbeit mitzuwirken, darum werden sie in Bezug auf seine Zeiten und Zeitläufe nicht in Finsternis gelassen (Matth. 13:11; 1. Thess. 5:4; Jer. 8:7-12). Dieses Ernten und Einsammeln bezieht sich natürlich nur auf die in der Erntezeit Lebenden und nicht auf die schon Verstorbenen. Ein jedes von diesen war, so wie es seinen Lauf vollendet hatte, ausgelesen und getrennt worden, um auf seine ihm zukommende Stellung innerhalb oder außerhalb der verherrlichten kleinen Herde, des eigentlichen Königreichs, zu warten. (2. Tim. 4:8)

Das Netz sollte nicht alle Fische des Meeres fangen. Unser Herr, der große Hauptfischer, beabsichtigte, nur eine besondere Anzahl Fische von einer besonderen Gattung zu fangen, unbeirrt, wie viele von anderen Sorten mit ihnen ins Netz gingen; und sobald die volle Anzahl der begehrten besonderen Art gefangen ist, wird das Netz ans Ufer zu ziehen befohlen, damit das Sortieren und Scheiden anhebe. Und wenn das Netz so ans Ufer entboten ist, so sollte man verstehen, dass der Auftrag, welcher am Anfang des Zeitalters gegeben wurde, nun nicht mehr gelte. Wer nun noch ein Mitarbeiter mit dem Herrn sein will, muss auf seine Anweisungen Acht geben und nicht länger mehr auf allgemeines Fischen Zeit verwenden, sondern auf das gegenwärtige Werk des Absondern und Sammeln. Und wie die Wahrheit das Mittel zum Berufen war, so ist es Wahrheit, "gegenwärtige Wahrheit", Erntewahrheit, die der Herr zum Prüfen und Scheiden gebraucht.

Wenn daher die Diener des Herrn durch sein Wort seine Stimme hören, die da sagt, dass die Zeit herbeigekommen, da das Säen aufzuhören und das Ernten zu beginnen hat, da das Fangen aufzuhören und das Auslesen zu beginnen hat, da das Berufen aufzuhören und die Predigt der jetzt fälligen Erntebotschaft zu beginnen hat, so werden sie, wenn sie treu sind, froh und pünktlich gehorchen. Wer daher vom Meister über seinen Plan der Zeitalter unterrichtet und in Bezug auf die Zeiten und Zeitläufe, in denen wir leben, nicht in Finsternis ist, der sollte nicht länger ausgehen, um den guten Samen des Königreiches (den Ruf zur Miterbschaft) in das Feld oder die Menschenwelt zu säen, sondern sollte "den Hausgenossen des Glaubens" "die Speise zur rechten Zeit" geben und unter den nominellen Kindern Gottes die frohe Botschaft vom vorhandenen Königreiche und von der großen Freude und Segnung, die es bald allem Volk bringen soll, ausstreuen.

Und eigentümlich, es ist die Botschaft über Gottes liebreiche Vorkehrung in dem Lösegeld für die Wiederherstellung aller Dinge, durch und vermittelst Christus Jesus und seines verherrlichten Leibes, der Kirche, des Königreiches Gottes (die Botschaft, die alle liebenden, christlichen Herzen erfreuen, erfrischen und vereinigen sollte), die nur die wahre Klasse entwickelt und zu innerer Einigung zusammen zieht, die nominelle Klasse dagegen prüft und von ihnen scheidet und trennt.

Bald wird die Ernte zu Ende sein, und dann sollen sich beide miteinander freuen, der Säer und der Ernter. Jetzt sollten die Schnitter das Werk beeilen und so auf die Hinausführung desselben bedacht sein, dass sie den Herrn der Ernte, den Hauptschnitter, bitten, Arbeiter in seine Ernte zu senden. Nicht lange wird's dauern, so wird der Pflüger der nächsten Heilszeitordnung (die vorhergesagte große Trübsal, welche die Welt für die Aussaat des Millenniums vorbereitet) die Schnitter dieser Heilszeitordnung überholen. - Amos 9:13

Israels siebzigste Woche ein Vorbild des Schlusses der Gnade dieses christlichen Zeitalters

Man wird sich erinnern, dass Israels "70. Woche" - die letzten sieben Jahre ihrer Gnade - an ihrem Anfang, in ihrer Mitte und an ihrem Ende sehr deutlich angezeigt war; und wir glauben gerade zu dem Zweck, um uns am Ende der Gnade des christlichen Zeitalters für das geistliche Israel fest bestimmte Daten zu geben. Wir sehen, dass der Anfang jener Woche für das fleischliche Israel das Datum des Anfangs ihrer Ernteprüfung, im Jahre 29 n.Chr., war. Er wurde durch die Taufe unseres Herrn und seine Anerkennung als Messias am Jordan angezeigt. Da begann das Erntewerk, dessen Parallele hier das Erkennen der Gegenwart des Herrn im Jahre 1874 und der Anfang dieser Ernte ist.

Die Mitte dieser Bundeswoche, im Jahre 33, war das Datum der Verwerfung Israels als eines Systems oder einer Nationalkirche, und wurde durch den Tod unseres Herrn am Kreuze und durch seine kurz vor seinem Tode gesprochenen Worte: "Euer Haus wird euch wüste gelassen", angegeben. Und die Parallele hierzu ist die Verwerfung und der Fall der Sektensysteme, Babylon genannt, von der Gnade, im Jahre 1878.

Die letzte Hälfte der Bundeswoche Israels (3½ Jahre, von 33 bis 36 n.Chr.) war keine Periode nationaler, sondern nur persönlicher Gnade. Nicht mehr wie vordem, durch die Vermittlung der nominellen Kirche, wurden ihnen all die Gnaden und besonderen Vorrechte des abrahamischen Bundes gewährt, sondern persönlich, und zwar bis herab zum vollen Ende der siebzig symbolischen Wochen, der Grenze ihrer Gnadenzeit - bezeichnet durch die Sendung der Gnade zu Kornelius und den Heiden (Nationen) im allgemeinen. So ist es in der Parallele hier: Die 3½ Jahre von April 1878, wo das sogenannte Christentum (Reich) oder "Babylon" verworfen wurde und von der Gnade fiel, bis Oktober 1881 war die Schlussperiode der Gnade der hohen Berufung des christlichen Zeitalters an persönliche Gläubige hier. So hörte mit dem Oktober des Jahres 1881 der allgemeine "Ruf" (die Gnade des christlichen Zeitalters) auf, gerade wie das entsprechende Datum, der Oktober 36 n.Chr., Zeuge des vollen Endes der jüdischen Gnade war.

Die jüdische Gnade bestand in dem ihnen (ausschließlich) geltenden Anerbieten des Königreiches - der Berufung der natürlichen Kinder Abrahams, sich der ihnen unter ihrem Gesetzesbund zugebilligten Begünstigungen und Gelegenheit zu bedienen. Dieser Ruf, diese Gnade oder dieses Vorrecht, hörte mit dem Ende ihrer Bundeswoche gänzlich und für immer auf. Die Gnade des Evangeliums bestand in dem allgemeinen (jedoch ausschließlichen) Anerbieten des Königreiches an alle an Christum Gläubigen - der "Berufung" aller unter dem Neuen Bund mit Gott Versöhnten, sich der damit dargebotenen Gelegenheit (der Same Abrahams zu werden, um die Welt zu segnen) zu bedienen, indem sie sich Jesu Christo, ihrem Erlöser, in seinem Bund der Selbstaufopferung anschießen. Denn dies ist der Prüfstein, der ihre Würdigkeit, jenes zukünftige Werk und jene Herrlichkeit zu teilen, dartun soll. Und diese Gnade, dieser "Ruf" oder diese Einladung ist es, die, wie wir sahen, gänzlich und für immer im Oktober 1881, dem parallelen Zeitpunkt mit dem Ende der jüdischen Berufung oder Gnade, aufhörte.

Beachte man, dass auf das Aufhören der jüdischen Gnade oder Berufung ein anderer, allgemeiner Ruf erging, der, obwohl er sie und ihre vergangene Gnade beiseite ließ, trotzdem irgend einen von ihnen, der später dann würdig wurde, mit in den noch weiteren allgemeinen Ruf zu derselben Ehre - zum Königreich - einschloss. Das Aufhören ihrer vergangenen Gnade war gerade so tatsächlich, als ob sie nachher zu einer geringeren Gnade eingeladen worden wären; aber es ist nicht so bemerkbar, weil der allgemeine Ruf des Evangeliums, der sie nicht ausschloss, derselbe Ruf war, nur erweitert und vertieft - auf alle Gläubigen in Christo anwendbar.

Auf das Aufhören der Gnade oder des "Rufes" hier, im Jahre 1881, folgt (oder besser gesagt, greift über) der allgemeine Ruf der ganzen Welt zu den Segnungen und Gnaden des Millenniums unter der Bedingung der Gerechtigkeit, des Gehorsams (nicht der Selbstaufopferung). Dies ist jedoch ein niedrigerer Ruf, eine geringere Gnade, als die, welche aufhörte - ein Ruf, die Segnungen des Königreiches zu genießen, aber nicht ein Teil der gesalbten Königreichsklasse zu sein. Und dieser Wechsel - dies Aufhören der höheren Gnade und dieser Anfang der geringeren Gnade - wird hier wenig bemerkt werden, weil der große Preis des Königreiches und der Miterbschaft mit Christo als Teilhaber der göttlichen Natur, in der Kirche fast ganz und gar aus dem Auge verloren wurde. Der höchste Begriff eines Lohnes, wie er seit Jahrhunderten von Christen gehalten wurde, ist, dass ihnen bei ihrer Auferstehung vollkommene Leiber gegeben werden sollen und dass sie, frei von Krankheit, Schmerz und Kummer, Gottes Gnade genießen und ewiges Leben haben werden. Und diese Ansicht, obwohl vor den eigentlichen Vorrechten unter der "hohen Berufung" des Evangeliums-Zeitalters weit zurück stehend, ist doch ein recht guter Begriff des Segens, der während des Millenniums der Welt im allgemeinen dargeboten werden wird - nämlich allen, die dann Gehorsam leisten und mit Gott in Einklang kommen.

Es ist nun eben so, dass die einzigen, welche die eigentümlich hohen und großartigen Züge des christlichen Zeitalters deutlich sehen - die einzigen daher, welche diesen Ruf verkündigen oder erklären können, gerade diejenigen sind, denen ebenfalls aus dem Worte Gottes gezeigt wird, dass die auf diesen Ruf beschränkte Zeit im Oktober 1881 abgelaufen ist. Andere, wenn sie die Worte des Apostel betreffs eines "hohen Rufes in Christo" anführen, erklären in Wirklichkeit den niederen Ruf, der zu dem Millennium gehört. Folglich hat der allgemeine Ruf dieses Zeitalters, der wahre Ruf, geendet. Niemand kann ihn ergehen lassen. Etliche können nicht, weil sie ihn nicht verstehen und ihn nicht erschallen lassen könnten, und etliche, weil sie wissen, dass er zu Ende gelaufen ist.

Doch obgleich der allgemeine "Ruf" aufgehört hat, so ist doch die "Tür" noch nicht geschlossen. Das Ende des "Rufes" und das Schließen der "Tür" sind getrennt und verschieden. Die "Tür" steht noch offen für etliche, den Lauf für den großen Preis der Miterbschaft im Königreich zu betreten, nachdem der allgemeine "Ruf" aufgehört hat. Da Gott eine fest bestimmte Zahl vorherbestimmt hat, welche die Kirche, "den Leib Christi", ausmachen soll (und da kein Glied zu viel noch eins zu wenig sein darf - siehe, wie dies 3. Mose 21:17-23 vorbildlich gelehrt ist), so folgt, dass er zu dieser Ehre nicht mehr rufen oder einladen konnte, als die von ihm vorherbestimmte Zahl voll machen würde. Und dies, so zeigt sein Wort, war im Jahre 1881 geschehen. Doch da etliche derjenigen, welche unter dem allgemeinen Ruf gehört und den Bund geschlossen hatten, ihren Bund zu halten verfehlen, verfehlen also zu laufen, dass sie den Preis erringen, so steht die "Tür" nach dem Aufhören des allgemeinen Rufes noch offen, um einigen den Eintritt in den Lauf des Selbstaufopferns im Dienste der Wahrheit zu gestatten, welche die Stelle solcher einnehmen, die während der Besichtigung das Hochzeitskleid der Gerechtigkeit Christi beiseite werfen und anderer, die den Bund der Aufopferung im Dienste gemacht haben, aber die Welt lieb gewinnen und, von den Sorgen oder Genüssen dieser Welt überbürdet, ihr Bundesgelübde nicht erfüllen.

Und weiter sollte man beachten, dass das Ende des Rufes im Jahre 1881 in keiner Weise die Vorrechte der Tausende verkümmerte, die den Ruf schon angenommen und Gottes geweihte Diener geworden waren. Es tat niemand hinaus, der schon drinnen war; noch heißt es, dass niemand mehr hereinkommen kann. Es war bloß das Ende der allgemeinen Einladung Gottes.

Der Umstand, dass du erst kürzlich zu einer deutlichen Erkenntnis der über alle Maßen großen und köstlichen Verheißungen der Dinge gekommen bist, die Gott für die aufgespart hat, die ihn lieben, beweist nicht, dass du nicht als Läufer nach diesem Kleinod berufen oder angenommen bist, lange ehe du verstandest, wie groß und herrlich dieser Preis sein wird. Jawohl, keiner, der diesen Ruf annimmt, ist zuerst imstande, zu sehen, wie rau und schmal der Weg, noch auch wie groß der an seinem Ende zu erreichende Preis ist. Darin besteht für uns die Kraft Gottes, die in uns wirkt und uns stärkt und befähigt, die gegenwärtigen Hindernisse und Prüfungen zu überwinden, dass wir die Verheißungen immer deutlicher erkennen. Nach und nach werden die über alle Maßen großen und köstlichen Verheißungen uns entfaltet, je nachdem wir uns treu erweisen und voran schreiten, damit wir durch dieselben - durch die Kraft und den Mut, welchen sie uns einflößen, befähigt werden, so zu laufen, dass wir den Preis erringen (2. Petr. 1:4).

Die Klasse, die den Preis empfängt, ist nicht bloß berufen und auserwählt (zum Dienst), sondern auch treu. Und obwohl der allgemeine Ruf aufgehört hat, so ist doch klar, dass die Prüfung der Treuen der Berufenen noch nicht zu Ende ist. Die Treuen werden jetzt versiegelt und von denen getrennt, die gegen ihren Bund der Selbstaufopferung untreu sind; die klugen Jungfrauen werden jetzt von den törichten getrennt. Der letzteren Torheit besteht darin, dass sie meinen, sie könnten nach den Preisen weltlicher Ehren, Reichtum, usw. streben und zugleich treu den Lauf nach dem großen Preis der Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit zurücklegen - während die Bedingungen desselben solches geradezu unmöglich machen.

Wenn alle treuen "klugen Jungfrauen" als solche erwiesen und in die Freuden des Herrn eingetreten sind, wird die "Tür" der Gelegenheit, zu jener Klasse zu gehören, geschlossen sein, und niemand kann mehr eintreten. Wenn alle Klugen eingegangen sind, wird die vorherbestimmte Zahl voll sein; und dann wird der Meister aufstehen und die Tür zuschließen (Luk. 13:24, 25; Matth. 25:10). Unser Herr selbst sagt uns, dass dann viele anfangen werden, die Sache anders anzusehen. Sie werden sehen, welcher Vorrechte und Gelegenheiten sie sich einst erfreuten und verloren gingen. Doch wenn sie suchen und anklopfen werden, wird der Meister ihnen antworten, ich kenne euch nicht, als eine Braut - sie ist vollständig und ich habe nur eine. Doch gottlob, andere Schriftstellen zeigen, dass die törichten Jungfrauen, obwohl so von der hohen Berufung verworfen, dessen sie sich in ihrer Prüfung durch ihr Benehmen unwürdig erwiesen haben, nichtsdestoweniger eine geringere Gnade erhalten werden. Man wird sie in einer niedrigeren Stellung im Haushalte des Herrn finden.

Ehe also die Tür sich schließt, ehe die volle Zahl die volle Zahl der Treuen vorhanden, möchte ein jeder darnach ringen, seine Berufung und Erwählung fest zu machen; und darum lasst den Herrn durch diese so köstlichen Verheißungen und so deutlichen Gleichnisse in uns wirken, zu wollen und zu tun nach seinem Wohlgefallen.

Doch jemand möchte sagen, ich fürchte, ich bin nicht einer, der vor dem Schluss der allgemeinen Berufung im Jahre 1881 Berufenen, weil ich damals noch gänzlich unwissend war über die Tiefen der Verheißungen Gottes, ja noch mehr, ich war ganz und gar ein Fremdling Gott gegenüber und selbst sein Feind, weit entfernt davon, in einem Bunde mit ihm zu stehen, mit ihm zu dienen, und weit davon entfernt, solches zu begehren. Erst unlängst kam ich dazu, Gott überhaupt kennen zu lernen. Erst kürzlich nahm ich Christi Joch auf mich, um von ihm zu lernen; und noch später hörte ich erst von dem Vorrecht, jetzt durch Selbstverleugnung in seinem Dienste mit ihm zu leiden, und dass solche, die mit opfern, auch einst mit ihm in dem glorreichen Werk des Millenniums erben werden. Und nun, nachdem ich diese Herrlichkeit gesehen, nachdem ich diese köstlichen Dinge bewundert, und nachdem ich mich darauf gerichtet, den Lauf nach diesem wunderbaren Kleinod zu laufen, muss ich nun annehmen, dass er nicht für mich offen steht, weil schon genügend berufen worden sind, um die Zahl voll zu machen? Es würde mir nicht einfallen, die göttliche Anordnung ändern zu wollen; oder zu verlangen, dass noch einer über die Grenze hinaus, welche die göttliche Weisheit festsetzte, hinzu getan werde, aber ich werde mein Unglück schmerzlich fühlen.

Solchen antworten wir: Laufe ruhig weiter! Deine Stellung ist nicht so dunkel, als sie dir erscheint; die elfte Stunde ist noch nicht vorüber. Beachte, wenn alle, die den Ruf angenommen hatten, als er schloss, sich ihrem Gelöbnis gegenüber treu erweisen würden, so würden keine zu viel, sondern gerade genug sein. Bedenke auch, dass deine Beobachtung sowohl als auch die Schrift anzeigt, dass von den vielen, die den Ruf annehmen, nur wenige erwählt werden, weil in der Prüfung nur wenige sich ihrem Gelöbnis gegenüber treu erweisen. So wie einer nach dem anderen der Berufenen sich untreu erweist, so wird ihre Stelle in der Arbeit und ihre Krone, ihr Lohn, anderen übertragen. Eine dieser Stellen in der Arbeit und eine dieser Kronen mag dir übertragen, und dein Name auf die Buchrolle des Lebens als ein auf der Probe stehendes Glied der Braut Christi eingetragen worden sein, an Stelle eines anderen, dessen Name als unwürdig ausgelöscht worden ist. - Offb. 3:5; Hebr. 12:23

Wer diese kostbaren Verheißungen fassen kann und ein Verlangen hat, in dem Weinberge zu arbeiten, hat einen starken Beweis, dass er vom Geiste gezeugt worden ist (siehe Band 1, Kapitel 12), denn der menschliche Verstand, sogar nach der Rechtfertigung, ist unfähig, die Tiefen der Wahrheit zu fassen, die von Gott nur für solche bestimmt sind, die sich ihm geweiht haben und von ihm angenommen worden sind (1. Kor. 2:6-16). Und der Herr ist zu sehr die Liebe und die Gerechtigkeit, um irgend einem Herzen Hoffnungen hegen zu lassen, die niemals verwirklicht werden könnten. Von dem Geiste durch das Wort der Wahrheit gezeugt zu sein, bedeutet einschließliches Geborenwerden zu geistigen Zuständen, es sei denn, dass der als Gezeugte sich unwürdig - untreu - erweise. Darum "Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat." (Hebr. 10:36)

Die elfte Stunde
- Matth. 20:1-16 -

Dieses Gleichnis scheint gegeben worden zu sein, insbesondere etwas für unsere Zeit zu lehren. Die Arbeiter sind die ernsten, geweihten Kinder Gottes, die durch dieses christliche Zeitalter hindurch - der "Tag" dieses Gleichnisses - ihre Zeit und Kraft nicht im Dienste des Ich oder des Mammons, sondern im Dienste Gottes treu verwenden. Nur die Treuen sind hier dargestellt; daher empfangen alle den gleichen Lohn, den "Groschen", die Ehren des Königreiches.

Die Allgemeinheit des Rufes und das Bedürfnis für Arbeiter ist durch die vier Rufe dargestellt - früh am Morgen, um neun Uhr, um Mittag und um drei Uhr Nachmittags. Jedoch das genaue und deutliche Verständnis, was der Lohn sein sollte, wurde nur am Anfang gegeben. Der Hausherr wurde damals "eins" mit ihnen, ihnen für ihren Dienst einen Groschen (Denar) zu geben. So war es auch. Die Verheißung vom Königreich war von der ersten Kirche deutlich verstanden worden, später aber wurde sie aus dem Auge verloren und nicht mehr deutlich verkündet. Die lebenden Glieder der Kirche Christi, welche zu irgend einer Zeit während dieses christlichen Zeitalters in seinem Weinberge gearbeitet haben, repräsentieren oder vertreten alle Arbeiter. Und als einen besonders eigentümlichen Zug zeigt das Gleichnis eine Klasse, die in den Dienst des Herrn tritt, wenn die Tagesarbeit beinahe getan ist, um die "elfte (die letzte) Stunde": Sie werden als solche dargestellt, die begierig sind, in den Dienst des Herrn zu treten, aber zu spät; der allgemeine Ruf ist vorbei. Sie sagen: "Es hat uns niemand in den Dienst genommen", wir waren zu spät.

Der Meister erwidert durch Hinweisen auf die noch offene Tür, auf die noch übrige Gelegenheit, in seinem Dienste zu arbeiten und zu leiden, ehe die Nacht kommt, da niemand wirken kann. Aber er sagt nichts vom Lohn; obgleich er beim Anstellen der anderen unter dem allgemeinen Rufe gesagt hat: "Was recht ist, will ich euch geben" (Die ältesten Manuskripte, das sinaitische und das vatikanische, lassen die Worte Matth. 20:7: "Was recht sein wird, soll euch werden" aus.) einen Teil des Lohnes, um den man zuerst "eins" geworden war.

So hat unser Herr während des christlichen Zeitalters beständig durch seine Mundstücke in der Kirche alle Gläubigen eingeladen, in seinen Dienst zu treten. Der volle Lohn, die göttliche Natur und die Herrlichkeit des Königreiches, wurde zuerst deutlich angegeben und beständig wiederholt, aber während des Zeitalters nicht immer deutlich verstanden. Doch wir sind ans Ende des christlichen Arbeitstages gekommen - zur "elften Stunde". Die Zeit ist vorbei, noch Arbeiter für diesen Tag zu rufen. Doch etliche stehen müßig und sagen: Wir sind nicht in die Arbeit gerufen worden. "Es hat uns niemand in den Dienst gerufen". Uns ist keine Arbeit versprochen, noch auch ein Lohn, wenn wir Arbeit fänden. Der Ruf ist zu Ende, das Tagewerk beinahe vollbracht; es sind genug Arbeiter ohne uns da. Doch zu diesen sollen wir als Mundstücke unseres Herrn sagen: "Gehet auch ihr hin in den Weinberg." Ich verspreche nichts; der allgemeine Ruf ist beendet; die Zeit ist kurz; die Arbeitszeit nahezu beendet; "die Nacht kommt, da niemand wirken kann"; aber geht hinein, zeigt eure Liebe und euren Eifer und überlasst den Lohn meiner Großmut.

Und dies ist alles, was wir sagen können. Die einzige Hoffnung, die wir vorhalten können, ist, dass noch nie einer für unsern Meister gearbeitet hat, der nicht überreichlich mehr empfangen wird, als er erbeten oder erwartet hat. Und dann wissen wir, dass etliche der Stellungen in dem Werke werden frei werden, weil einige nicht fortfahren, treu zu sein, und dass die Krone oder der Lohn, der für solche beigelegt war, anderen gegeben werden wird, die sich durch Treue und Selbstaufopferung der Arbeit und des Lohnes würdig erweisen.

Also, wenn jemand auch erst kürzlich unseren Herrn hat kennen und lieben gelernt und ihm und seiner Wahrheit dienen möchte, sei er ja nicht entmutigt, weil der allgemeine Ruf im Jahre 1881 geendet hat. Wenn du die "Tür" der Gelegenheit zum Opfern und Dienen vor dir offen siehst, trete ein. Doch trete schnell ein, denn die Nacht der Finsternis und heftigen Anstoßes gegen die Wahrheit wird bald hereinbrechen und am Eintritt in den Dienst verhindern. "Der Morgen kommt und auch die Nacht", "die Nacht, da niemand wirken kann." Wenn das der Fall ist, dann kannst du gewiss sein, dass die "Tür verschlossen" ist, dass alle klugen Jungfrauen eingegangen sind, dass alle erprobt sind, und dass alle freien Stellen auf geeignete Weise gefüllt sind. Alle besonderen "Diener Gottes" sind um die Zeit herum "an ihren Stirnen versiegelt" worden (haben ein rechtes, klares Verständnis des Planes Gottes empfangen), und nun werden die vier Winde (Offb. 7:1-3) losgelassen; und diese bewirken den großen Wirbelwind oder "Sturm" der Trübsal, inmitten dessen der Rest der Elias-Klasse "verwandelt" und zur Herrlichkeit des Königreiches erhöht werden wird.

Welch ernste Lehre ist hierin enthalten für alle, die dem Herrn gelobt haben, ihm zuerst und hauptsächlich zu dienen, und die sein Werk vernachlässigen, und Zeit, Gedanken und Mittel daran wenden, um die vergänglichen Freuden und Belohnungen, welche die Welt bietet, zu erringen. In sie dringt der Herr und sagt: "Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." "Wer überwindet (der Geist der Welt in sich selbst besiegt), der soll mit weißen Kleidern angelegt werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Heiligen (Dienern)". "Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme." - Offb. 2:10; 3:5, 11

Ermuntre dich, mein' Seel, und streb'
Mit Eifer nach dem Lohn,
Wer Sieger in dem Wettlauf bleibt,
Erlangt des Lebens Kron'.

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Studie 7

Die Befreiung und Erhöhung der Kirche

Die Befreiung der Kirche nahe. - Sie wird der Vorbote der Befreiung der ganzen Menschheit sein. - Ihr Datum annähernd angegeben. - Wie die Heiligen dem entgehen werden, was über die Welt kommen wird. - Die Art und Weise und die Umstände ihrer schließlichen Befreiung. - Zuerst die Befreiung derer, die in Jesus schließen. - Die Verwandlung der lebenden Glieder der Kirche. - Ob sie sterben? - Glückselig die Toten, die im Herrn sterben, von nun an.

"Blicket auf und Hebet eure Häupter empor, weil eure Erlösung (Befreiung) nahet." - Luk. 21:28

Durch die Leuchte der Weissagung haben wir den wunderbaren Ereignissen der "Ernte" bis zu ihrem Gipfelpunkt in der Zeit der großen Trübsal nachgespürt; und wenn wir daran denken, dass innerhalb dieser ereignisreichen Periode die verheißene Befreiung und Erhöhung der Kirche (der Herauswahl aus der Welt) fällig ist, so sind jetzt die Zeit, die Art und Weise und die Umstände der Erlösung derselben vom aller größten Interesse für Gottes Kinder.

Unser Herr lehrte uns, sobald wir anfingen, die Ereignisse der Ernte vor sich gehen zu sehen, sollten wir eine rasche Verwirklichung unserer glorreichen Hoffnung erwarten. Und daher, weil wir jetzt diese Anzeichen sich anhäufen sehen, erheben wir unsere Häupter und freuen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit, die da folgen soll. Denn der Morgen kommt, wenn auch eine kurze; finstere Nacht noch dazwischen fällt. Noch auch ist diese Freude selbstsüchtiger Art, denn die Befreiung und Erhöhung der Kirche, des Christus, soll der Vorbote einer schnellen Befreiung des ganzen Menschengeschlechtes sein, von der Tyrannei und Unterdrü­ckung des großen Sklaventreibers, der Sünde, von Schmerz und Krankheit und vom Gefängnis des Todes. "Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt... erwartend die Erlösung (Befreiung) unseres Leibes" - des "Leibes Christi" (Röm. 8:22, 23), weil nach Jehovas Anordnung die neue Ordnung der Dinge nicht eingeführt werden kann, bis der große Regent, der vollständige Christus (Gesalbte), Haupt und Leib, völlig zur Macht gekommen ist.

Dass die Befreiung der Heiligen etwas vor 1914 stattfinden wird, ist offenbar, da, wie wir sehen werden, die Befreiung des fleischlichen Israel um jene Zeit herum stattfinden soll und den zornigen Nationen mit Macht Stille geboten werden wird, und sie dazu gebracht werden, den Gesalbten Jehovas anzuerkennen. Wie lange gerade vor 1914 die letzten lebenden Glieder des Leibes Christi werden verherrlicht werden, ist uns nicht direkt gesagt; aber sicher wird es nicht sein, bis ihr Werk im Fleische getan ist; noch können wir vernünftigerweise annehmen, dass sie noch lange bleiben werden, nachdem dies Werk vollbracht ist. Mit diesen Gedanken im Sinn können wir die Zeit der Befreiung annähernd veranschlagen.

Während deutliche Anzeichen vorhanden sind, dass etliche der lebenden Glieder des Leibes das Zusammen ziehen des Gewittersturmes erleben und in etwas an seinen Trübsalen teilnehmen werden, so sind doch auch Andeutungen vorhanden, dass keines derselben gänzlich hindurch gehen, noch selbst weit hineingehen wird. Die Worte des Herrn: "Wachet, dass ihr würdig geachtet werdet, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll" (Luk. 21:36), scheinen dies anzudeuten. Und doch wissen wir, dass wir schon durch den Anfang dieser Trübsale (die Trübsale, die mit der Prüfung der nominellen Kirche zusammenhängen) hindurch gehen, und dass wir dem entgehen, während auf allen Seiten viele in Irrtum und Unglauben fallen. Wir entgehen nicht so, dass wir von dem Ort der Trübsal genommen werden, sondern so, dass wir gestützt, gestärkt und inmitten von all dem durch das Wort des Herrn, unser Schild und Harnisch, bewahrt werden. Während wir zugeben, dass etliche Glieder des Leibes in ähnlicher Weise ganz bis ans Ende der Zeit der Trübsal bleiben und durch alles hindurch gehen könnten, und doch, wie angegeben, all der hereinbrechenden Trübsal entgehen könnten, so ist es doch klar, meinen wir, dass alle Glieder des Leibes völlig befreit - zum Zustand der Herrlichkeit erhöht - sein werden, ehe der schwerste Teil der Trübsal kommt - nachdem der Leib vollzählig und die Tür verschlossen ist.

Seit Jahren schon haben wir das Gewitter sich zusammenziehen sehen. Die mächtigen Heerscharen werden gemustert und zur Schlacht vorbereitet und jedes folgende Jahr gewahrt gewaltigere Fortschritte dem vorhergesagten Zusammentreffen entgegen. Doch fürchten wir uns nicht, obwohl wir wissen, dass bald unvergleichliches Unheil alles Gesetz und alle Ordnung in den Abgrund von Anarchie und Wirrwarr zerschmettern muss: "Gott ist uns Zuflucht und Stärke, eine Hilfe, reichlich gefunden in Drangsalen. Darum werden wir uns nicht fürchten, wenngleich gewandelt würde die Erde (die gegenwärtige Einrichtung der Gesellschaft sich wandelt und aus den Fugen geht), und wenn die Berge (Königreiche) wankten im Herzen des Meeres (des gesetzlosen und ungezäumten Volkes). Wenn seine Wasser tobten und schäumten (von dem Streit der sich bekämpfenden Parteien), die Berge (Reiche) erbebten (vor Furcht und Unsicherheit zittern) durch sein (des Meeres) Ungestüm (dem Drohen der sich erhebenden Volksmacht)." - Psalm 46:1-3

"Ein Strom (Gottes Wort, das Wasser der Wahrheit) - seine Bäche erfreuen die Stadt Gottes (das Königreich Gottes, die Kirche - selbst in ihrem gegenwärtigen, unentwickelten Zustand, vor ihrer Erlösung zur Macht und Herrlichkeit), das Heiligtum der Wohnungen des Höchsten (das Heiligtum - die Herauswahl, in der es dem Höchsten zu wohnen gefällt). Gott ist in ihrer Mitte; sie wird nicht wanken. Gott wird ihr helfen beim Anbruch des Morgens." - Psalm 46:4, 5

In der gegenwärtigen Zeit erfahren wir im vollsten Maße diese verheißene Hilfe, so, wie wir es bedürfen. Wir werden in das Vertrauen unseres himmlischen Vaters genommen, mit seinen Plänen vertraut gemacht, seiner Gnade und seiner aufrichtenden Hilfe versichert und selbst zu seinen Mitarbeitern gemacht. Diese Hilfe werden wir bis an das volle Ende unseres Laufes erfahren; und dann wird uns noch mehr geholfen werden, wenn wir hingenommen, "verwandelt" werden zur höheren Daseinsstufe, zu der wir berufen sind, und der entgegen wir unsern Weg mit Fleiß erzwingen.

Obwohl wir gewiss sein können, dass dieser "Wechsel" der letzten lebenden Glieder des Leibes Christi nicht stattfinden wird, bis das ihnen im Fleische übertragene Werk vollendet ist, so wird uns doch gesagt, dass in nicht langer Zeit unsere Arbeit abgeschnitten werden wird - zuerst allmählich, und dann vollständig und endgültig, wenn "die Nacht kommt, da niemand wirken kann." Und die Dunkelheit dieser "Nacht" wird erst durch den Sonnenaufgang des Tausendjahrtages vertrieben werden. Wenn unsere Arbeit getan ist, und jene Nacht über uns hereinbricht, so mögen wir nicht nur erwarten, dass die Sturmwolken viel dunkler werden, sondern auch die sich erhebenden "Winde" zu hören und fühlen, die in einem wilden Orkan menschlicher Leidenschaft - einem Wirbelwind der Trübsal - gipfeln werden. Wenn wir so das uns zugewiesene Werk getan haben, wird es unser Teil sein, geduldig zu "stehen", bis unsere Verwandlung kommt. - Eph. 6:13

Wie lange es dem Herrn gefallen mag, seine Geweihten, soweit es sein Werk betrifft, in erzwungener Müßigkeit stehen zu lassen, wissen wir nicht, doch wahrscheinlich nur lange genug, damit Glaube und Geduld sich völlig auswirken können. Da werden diese Tugenden aufs Völlige entwickelt, erprobt und kundgemacht werden. Diese Geduldsprobe wird die Schlussprüfung der Kirche sein. Dann wird Gott ihr helfen "mit dem Anbruch (ihres) Morgens" (Psalm 46:5), - nicht des Morgens, der bei dem Glanze ihres Aufgangs mit ihrem Herrn als der Sonne der Gerechtigkeit über die Welt anbrechen wird, sondern beim Anbruch ihres Morgens, wenn sie zur Natur und zum Ebenbild ihres göttlichen Herrn verwandelt werden soll. Ihr Morgen wird dem Millenniumsmorgen vorangehen.

Dass diese finstere Nacht schon herannaht, merken wir nicht nur aus der Schrift, sondern auch aus den Schlimmes vorbedeutenden Zeichen der Zeit; und das Los der Kirche dann scheint, soweit es ihre irdische Laufbahn betrifft, in den schon besprochenen Schlussszenen des Lebens des Elias und Johannes des Täufers dargelegt zu sein. (siehe Band 2, Studie 8). Die Enthauptung des einen und der Wettersturm und der feurige Wagen, der den anderen hinweg nahm, deutet wahrscheinlich auf Gewalttat gegen die letzten Glieder des Leibes Christi hin. Doch Zion braucht sich nicht zu fürchten, denn Gott ist in ihrer Mitte und wird ihr helfen. Sie hat sich zum Tode geweiht, und ihr Vorrecht ist es, jetzt ihre Treue zu beweisen: "Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herr. Es ist dem Jünger genug, dass er sei, wie sein Meister, und der Knecht, wie sein Herr." - Matth. 10:24, 25

Es wird wahrscheinlich ein Selbsterhaltungsversuch von Seiten "Groß-Babylons" - des "Christentums" - sein, wenn sie sieht, wie ihre Macht in Politik, Priesterherrschaft und Aberglauben dahinschwindet, dass das Werk der Vorbereitung der Wahrheit als ihrem System verderblich verhindert werden wird. Und hier wird es wahrscheinlich so sein, dass die Elias-Klasse bis zum äußersten Ende darauf bestehen wird, die Wahrheit zu verbreiten und darum Gewalt erleiden und so zur Herrlichkeit eingehen und den schwersten Teilen der Zeit der bevorstehenden großen Trübsal entgehen wird - gerade in dem Drang der Dinge, da man zu fühlen anfängt, dass verzweifelte Maßregeln ergriffen werden müssen, um das wankende Gebäude des Christenreiches zu erhalten.

Obwohl die Zeit der Befreiung oder der "Verwandlung" der letzten Glieder des Leibes Christi nicht genau angegeben ist, so ist dieselbe doch annäherungsweise deutlich kundgetan, nämlich als kurz nachdem die "Tür" geschlossen ist (Matth. 25:10), nachdem die Wahrheit, die Babylon jetzt als ihren Feind zu betrachten anfängt und als darauf angelegt, ihren Sturz herbeizuführen, weiter und allgemeiner bekannt und verbreitet worden ist, wenn "der Hagel" zum beträchtlichen Teil das Lügenobdach hinweg geschwemmt hat, und wenn der jetzt glimmende und drohende Hass gegen die Wahrheit dadurch zu einem so heftigen und so allgemeinem Widerstand aufgestachelt ist, dass er das weitere Voranschreiten des großen Werkes, an dem die Geweihten jetzt arbeiten, wirksam hindert. Und Gott wird dies zulassen, sobald alle Erwählten "versiegelt" sind. Doch was auch immer an Trübsal oder scheinbarem Unglück die Geweihten erwartet, während sie noch im Fleische sind, und was auch immer das Werk verhindert, welches ihr zu verrichten jetzt Speise und Trank ist, lasst uns getrost sein in dem Gedanken, dass nichts ohne unseres Vaters Beachtung und Zulassung uns zustoßen kann, und dass seine Gnade in jeder Glaubens- und Geduldsprobe für die genügen wird, die in ihm bleiben, und in denen sein Wort verbleibt. Lasst uns jenseits des Vorhangs schauen und das Auge des Glaubens auf das Kleinod unserer hohen Berufung gerichtet halten, das Gott für die in Bereitschaft hat, die ihn lieben, - für die nach seinem Vorsatz Berufenen, Erwählten und Treu- Erfundenen. - Offb. 17:14; Röm. 8:28

Während wir so vernünftiger - und schriftgemäßerweise die Zeit und Umstände der vollen Befreiung der Kirche annähernd bezeichnen können, wird die Frage nach der Art und Weise ihrer Verherrlichung eine von um so tieferem Interesse. Und wieder gehen wir zum göttlichen Orakel, den Aussprüchen Gottes um nachzuforschen.

Erstens erklärt Paulus: "Wir (die lebenden sowohl wie die verstorbenen Geweihten) werden alle verwandelt werden." "Dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen;" denn "Fleisch und Blut kann das Reich Gottes nicht ererben, auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit." Und diese "Verwandlung" von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit, versichert er uns, wird nicht durch eine allmähliche Entwicklung zustande kommen, sondern eine augenblickliche sein - "im Nu, in einem Augenblick" beim Schall der letzten Posaune - die bereits ertönt. (1. Kor. 15:50-53 / Band 2, Kap. 5)

Ferner, eine gewisse Ordnung wird eingehalten werden. Etliche werden zuerst verherrlicht oder "verwandelt" werden, und die anderen nachher. Wertgeachtet war in den Augen des Herrn der Tod seiner Geweihten (Psalm 116:15), und wenn auch viele von ihnen lange geschlafen haben, so sind sie nicht vergessen worden. Ihre Namen sind als annehmbare Glieder der Kirche der Erstgeborenen im Himmel angeschrieben. Und der Apostel erklärt, dass die Lebenden, die noch in der Gegenwart des Herrn übrig bleiben, durchaus denen nicht zuvorkommen werden, die da schlafen gingen (1. Thess. 4:15). Die, welche in Jesus schlafen, brauchen nicht im Schlaf darauf zu warten, bis die lebenden Glieder ihren Lauf vollendet haben, sondern werden sofort auferweckt, als erste Hand­lung unseres Herrn, wenn er seine große Gewalt an sich nimmt. Und so werden die Glieder des Christus, die geschlafen haben, im voraus in die Herrlichkeit eingehen.

Das genaue Datum der Erweckung der schlafenden Geweihten ist nicht direkt angegeben, doch mag es deutlich aus dem Gleichnis vom Edelmann entnommen werden. Nachdem er das Königreich empfangen hatte und zurückgekommen war, war das erste Werk des Edelmannes (der unseren Herrn Jesus vorstellt), dass er mit seinen Dienern (seiner Kirche), denen er während seiner Abwesenheit seinen Weinberg anvertraut hatte, rechnete und sie belohnte. Und da der Apostel uns sagt, dass mit den Toten in Christo zuerst gerechnet werden soll, so können wir mit Grund annehmen, dass das Belohnen derselben sofort stattfand, als unser Herr nach seiner Rückkehr seine große Macht an sich nahm.

Das Datum herauszufinden, an dem unser Herr den Gebrauch seiner Macht anhob, hieße, die Zeit zu entdecken, da die schlafenden Geweihten zu Leben und Herrlichkeit erweckt wurden. Und um die zu tun, müssen wir uns nur den Parallelismus der jüdischen und christlichen Heilszeitordnung ins Gedächtnis rufen. Auf das Vorbild blickend, sehen wir, dass unser Herr im Frühjahr Anno 33, 3½ Jahre nach dem Anfang der jüdischen Ernte (29 n.Chr.) vorbildlicherweise seine Gewalt an sich nahm und königliche Autorität ausübte (Matth. 21:5-15). Und der einzige Zweck dieser Handlung war, einen parallelen Zeitpunkt in dieser Ernte zu bestimmen, da er in Wirklichkeit das königliche Amt, Gewalt, usw. an sich nehmen werde, nämlich im Frühjahr des Jahres 1878, 3½ Jahre nach seiner Wiederkunft, die am Anfang der Ernteperiode, im Herbst 1874, stattfand. Da das Jahr 1878 so als das Datum angezeigt wurde, da der Herr seine große Gewalt an sich zu nehmen anfing, so ist es vernünftig zu schließen, dass da die Aufrichtung seines Königreiches begann. Der erste Schritt in derselben würde die Befreiung seines Leibes, der Kirche, sein, unter welchen die schlafenden Glieder den Vorgang nehmen.

Und da die Auferweckung der Kirche irgendwann während dieses "Ende" oder dieser "Ernte" - Periode (Offb. 11:18) stattfinden muss, so halten wir es für eine sehr vernünftige Schlussfolgerung und in völliger Harmonie mit dem ganzen Plan des Herrn, dass im Frühjahr des Jahres 1878 alle heiligen Apostel und alle "Überwinder" des christlichen Zeitalters, die in Jesus schliefen, zu Geistwesen gleichwie ihr Herr und Meister auferweckt wurden. Und während wir aus diesem Grunde annehmen, dass ihre Auferstehung jetzt eine vollendete Tatsache ist, und dass sie folglich ebenso wohl wie ihr Herr auf Erden gegenwärtig sind, ist der Umstand, dass wir sie nicht sehen, kein Hindernis für unsern Glauben, wenn wir bedenken, dass sie jetzt, gleichwie ihr Herr, Geistwesen und den Menschen unsichtbar sind. Der Umstand, dass sie unsichtbar sind, dass die Gräber nicht offen und leer gefunden wurden, und dass man niemandem vom Totenhof gehen sah, sind keine Einwände für die, welche gelernt haben, was zu erwarten ist, - für die, welche erkennen, dass unser Herr kein Loch in der Stubenwand zurückließ, als er eintrat und austrat, während die Türen geschlossen waren. Wer daran denkt, dass niemand als nur die wenigen den auferstandenen Erlöser sahen, denen er sich auf besondere und wunderbare Weise offenbarte, damit sie Zeugen seiner Auferstehung sein könnten; wer daran denkt, dass er in verschiedenen Fleisches - Gestalten erschien, um zu verhindern, dass diese Zeugen annahmen, er sei noch Fleisch, oder dass irgend eine dieser Gestalten sein herrlicher, geistiger Leib sei, der weiß sei, der weiß, was zu erwarten ist. Wer sich erinnert, dass nur Saul von Tarsus Christi geistigen Leib sah, und zwar durch ein Wunder, während andere um ihn her ihn nicht sahen, und auf Kosten seines Augenlichtes, der wird leicht erkennen, dass ihr Nichtsehen der auferstandenen Heiligen mit ihren natürlichen Augen ebenso wenig einen Einwand gegen die Auferstehung derselben bildet, als dass sie den Herrn während dieser Ernte noch nicht gesehen haben, noch auch je Engel gesehen haben, die das ganze christliche Zeitalter hindurch "dienstbare Geister" waren, "ausgesandt zum Dienst, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit". - siehe Band 2, Kapitel 5

Unser Glaube, dass das Königreich im April 1878 anfing aufgerichtet zu werden oder zur Macht zu kommen, sei bemerkt, ruht genau auf derselben Grundlage, wie unser Glaube, dass der Herr im Oktober 1874 gegenwärtig wurde, und daselbst die Ernte begann. Und da die Kirche das Königreich ist, so folgt, dass die Kirche daselbst erhöht wurde - "Der Berg (Königreich) des Hauses des Herrn" wurde da "erhöht über die Berge (Königreiche) der Erde", und da begann das Werk des Richten und Stürzen von Babylon, dem Christenreiche, und all der Nationen der ganzen Erde.

Noch auch ist es außer Harmonie, dass die Mehrzahl erhöht ist, während einige wenige der letzten Glieder jener königlichen Priesterschaft "leben und übrig bleiben", denn, wie wir gesehen haben, der Apostel hat gerade diese Ordnung vorhergesagt. Und zu denen zu gehören, die da übrig bleiben, ist keine Unehre; der allerletzte derselben zu sein, ist kein Nachteil. Verschiedene Schriftstellen zeigen, dass für diese letzten Glieder des Leibes auf dieser Seite des Vorhangs ein besonderes Werk zu verrichten ist, so wichtig und so gewiss ein Teil der Arbeit des Königreiches, wie das der verherrlichten Glieder jenseits des Vorhangs. Während das verherrlichte Haupt und die auf der anderen Seite des Vorhangs befindlichen Glieder des Leibes über die großen, jetzt im Fortschritt und in der Einführung in die Welt begriffenen Wechsel volle Aufsicht haben, sind die Mitglieder, die noch im Fleische sind, Werkzeuge des Königreiches, indem sie durch Wort, Feder, Bücher und Traktate, die "frohe Botschaft großer Freude, die allem Volk widerfahren wird", verbreiten, indem sie der Welt die Segensbotschaft von Gottes Plan der Zeitalter sagen: dass die Zahl der glorreichen Hinausführung dieses Planes herbeigekommen ist; und indem sie nicht nur auf die drohende Zeit der großen Trübsal hinweisen, sondern auch auf die Segnungen, die darauf folgen werden, als Ergebnis der Aufrichtung des Königreiches Gottes in der Welt. Ein großes und wichtiges Werk, also, ist den zurückbleibenden Gliedern aufgetragen: Das Werk des Königreiches ist es in der Tat und begleitet ebenfalls von den Freuden und Segnungen des Königreiches. Obwohl jetzt noch im Fleische und auf Kosten von Selbstaufopferung und angesichts vielen Widerspruchs ihrem verordneten Werke obliegend, treten diese allerdings in die Freude ihres Herrn ein - in die Freude einer vollen Würdigung des göttlichen Planes und des Vorrechtes, diesen Plan mit auszuführen, und in Verbindung mit ihrem Herrn und Erlöser, allen Geschlechtern der Erde ewiges Leben anzubieten.

Von ihnen samt ihrer Botschaft wurde vom Propheten Jesaja (52:7) deutlich geweissagt als von den "Füßen" oder letzten Gliedern des Leibes Christi im Fleische, wenn er sagt: "Wie lieblich sind auf den Bergen (Königreichen) die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Friede verkündigt, der Botschaft des guten bringt, der Heil (Befreiung) verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König. (Die Herrschaft Christi, die zuerst Zion und schließlich der ganzen seufzenden Kreatur Befreiung bringen wird, hat angefangen.) Stimme deiner Wächter! Sie erheben die Stimme, sie jauchzen insgesamt, denn Auge in Auge sehen sie, wie Jehova Zion wiederbringt."

Doch arme, zerstoßene "Füße", die ihr jetzt von den Menschen verachtet seid, niemand als nur ihr allein erkennt völlig euer Vorrecht. Niemand sonst kann die Freude verstehen, die ihr habt bei der Verkündigung gegenwärtiger Wahrheit, indem ihr zu Zion sagt, dass die Zeit zur Aufrichtung des Königreiches herbeigekommen ist, und erklärt dass Immanuels gerechte Herrschaft, die alle Geschlechter der Erde segnen soll. Doch wenn sie auch von den Menschen verachtet sind, "die Füße" Christi und ihre gegenwärtige Aufgabe sind auf der anderen Seite des Vorhangs sehr hoch geachtet - hoch geachtet von den verherrlichten Mitgliedern des Leibes und von ihrem glorreichen Haupte, der bereit ist, solch Treue vor dem Vater und den heiligen Sendboten zu bekennen.

Die Aufgabe der Füße, welche kein unbedeutender Teil des Werkes des Königreiches ist, wird erfüllt werden. Obwohl ihre Botschaft von den meisten gehasst und unterschätzt wird, und sie selbst von der Welt um Christi willen als Narren verachtet werden - wie es all seinen treuen Dienern durch das ganze Zeitalter hindurch erging - dennoch, ehe sie alle "verwandelt" und mit den verherrlichten Gliedern jenseits des Vorhangs vereinigt sind, werden sie als Beauftragte des Königreiches über dasselbe und über seine gegenwärtige und zukünftige Arbeit solche Kunde gegeben haben, wie sie für die Welt und die unentwickelten und überbürdeten Gläubigen höchst wertvoll sein wird. Die letzteren werden eben um ihres Zustandes willen einer Stelle in dem nur aus "Überwindern" bestehenden "Leibe" unwürdig erachtet werden.

Und vergesse man nicht, dass alle, die zu den "Füßen" gehören, auf solche Weise an der Verbreitung dieser frohen Botschaft beteiligt sein und zu Zion sagen werden: "Dein Gott herrscht als König!" Das Königreich Christi hat begonnen! Und alle, die wahre Wächter (Wachsame) sind, können dann deutlich, wie ein Mann, sehen, und harmonisch zusammen das neue Lied Moses und des Lammes singen - das Lied der Wiederherstellung, das nicht nur im Gesetz Moses, das "ein Schatten der zukünftigen Güter" war, so deutlich gelehrt ist, sondern noch deutlicher in den Offenbarungen des Lammes, wie es in den Schriften des Neuen Testamentes enthalten ist, also lautend: "Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege." "Alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten." - Offb. 15:3, 4

Einer nach dem anderen der "Fuß" -Klasse wird aus dem gegenwärtigen Zustande, in dem sie, obwohl oft müde und verwundet, allezeit fröhlich sind, auf die andere Seite des Vorhangs gehen - "im Nu, in einem Augenblick" von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit, von Schwachheit zur Macht, von Unehre zur Herrlichkeit, vom menschlichen zum himmlischen Zustand, von animalischen zu geistigen Leibern "verwandelt" werden. Ihr Werk wird mit dieser Verwandlung nicht aufhören, denn alle, die dieser Verwandlung wert geachtet werden, sind ja schon auf dieser Seite des Vorhangs eingereiht im Dienste des Königreiches. Nur die Beschwerlichkeit, das Mühevolle wird mit dem Wechsel aufhören: - "Sie ruhen von ihren Arbeiten (ihren Mühen), denn (aber) ihre Werke (ihr Wirken) folgen mit ihnen."

Die Verwandlung dieser "Fuß" - Glieder wird sie in dieselbe Gemeinschaft, Herrlichkeit und Macht versetzen, die von den geschlafen habenden Gliedern schon angetreten ist. Sie werden "entrückt" werden von irdischen Zuständen, um "zusammen", mit dem Herrn "in der Luft" zu sein - in dem geistigen Herrschergebiete der Welt. Wie schon gezeigt (siehe Band 1, Studie 15), die hier erwähnte "Luft" versinnbildet geistige Herrschaft oder Macht. Satan hat lange die Stellung des "Fürsten der Gewalt der Luft" eingenommen (Eph. 2:2) und hat als seine Mitarbeiter und Mitherrscher viele der Großen Babylons gebraucht, die unter Satans blendenden Irrtümern wahrlich dachten, sie dienten Gott. Doch zu seiner Zeit soll der "Fürst der Luft" gebunden werden und nicht mehr verführen; und die gegenwärtigen Himmel, das große Antichrist - System soll "vergehen mit großem Krachen", während der neue Fürst der Luft, der wahre geistige Herrscher, Jesus Christus, die Herrschaft übernehmen und den "neuen Himmel" herstellen wird. In dieser Macht oder "Luft" wird er seine Braut, die "Überwinder" des christlichen Zeitalters, mit sich vereinen. So werden die "neuen Himmel" die gegenwärtigen Gewalten "der Luft" beiseite setzen.

Doch müssen sie alle sterben? - die nämlich, die von den "Füßen" sind, die da leben und übrigbleiben bis zur Gegenwart des Herrn? Ja; sie alle haben sich "selbst bis zum Tode" geweiht; und von ihnen steht ausdrücklich geschrieben, dass sie alle sterben müssen, und keine Schriftstelle widerspricht diesem Gedanken. Gott erklärt durch den Propheten: - "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter, (Mächtige), und Söhne des Höchsten (Gottes). Doch wie ein Mensch werdet ihr sterben, und wie einer der Fürsten werdet ihr fallen." - Psalm 82:6-7

Das hier mit Fürst übersetzte Wort bedeutet Anführer oder Haupt. Adam und Jesus waren die beiden Fürsten oder Häupter, auf die hier Bezug genommen ist. Beide starben, aber aus verschiedenen Ursachen: Adam für seine eigene Sünde, Jesus als williges Opfer für die Sünden der Welt. Alle Glieder der Kirche Christi aber sind durch sein Opfer gerechtfertigt, von der Sünde Adams und ebenso von der über diese Sünde verhängten Todesstrafe frei gerechnet, damit sie sich mit Christo aufopfern könnten. Als solche Mitopferer mit Christo ist es, dass der Tod der Heiligen vor Gott wert geachtet ist (Psalm 116:15). Die Glieder des Leibes Christi werden, wenn sie sterben, als "mit Christo gestorben", als "seinem Tode ähnlich" gemacht, betrachtet. Sie fallen wie einer der Fürsten - nicht wie der erste, sondern wie der zweite Adam, wie Glieder des Leibes Christi, indem sie ergänzen, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus." - Kol. 1:24

Dass die Bezeichnung "Götter", Mächtige, in dieser Stelle auf alle Söhne des Höchsten angewandt wird, die Miterben Jesu Christi werden, dem Erben aller Dinge, wird deutlich von unserem Herrn durch die Bezugnahme hierauf gezeigt. - Joh. 10:34-36

"Wie Menschen werdet ihr (alle) sterben", doch, "siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen (d.h. um zu schlafen)". Sterben ist ein Ding, "schlafen" oder unbewusst, tot, verbleiben, ist ganz etwas anderes. Gottes Zeugnis ist also, dass alle Heiligen sterben müssen, aber dass sie nicht alle schlafen sollen. Unser Herr starb und schlief dann bis zum dritten Tag, an dem der Vater ihn auferweckte. Paulus und die anderen Apostel starben und "entschliefen" so, um von ihrer Arbeit und Mühsal, usw., auszuruhen, um "in Jesus zu schlafen", und auf die verheißene Auferstehung und das versprochene Anteil im Königreich bei der Wiederkunft des Herrn zu warten. Folglich, als die Aufrichtung des Königreiches fällig war, war auch ihre Auferweckung aus dem Todesschlaf fällig. Warum sollte ihr Warten und Schlafen noch fortdauern, nachdem der Herr gegenwärtig und die Zeit seines Königreiches gekommen ist? Kein Grund dazu ist vorhanden, und darum glauben wir, dass sie nicht mehr "schlafen", sondern nun auferstanden und bei ihrem Herrn und "wie er" sind. Und wenn ihr Verbleiben im Todesschlafe nicht mehr nötig ist, so ist es auch nicht mehr nötig, dass irgend einer der Heiligen, die jetzt in dieser Zeit der Gegenwart des Herrn und der Aufrichtung seines Königreiches sterben, noch "entschlafen" (d.h. um zu schlafen) oder auf eine in späterer Zeit zu erfolgende Auferstehung im Tode warten sollte. Nein, Gottlob, der Leben - Geber ist da; und, seit 1878, da er seine große Gewalt an sich nahm und die Ausübung seiner Oberhoheit begann, braucht keines seiner Glieder mehr zu schlafen. Daher ist für alle, die zu den "Füßen" gehören und seit jenem Datum sterben, der Augenblick des Todes der Augenblick der Verwandlung. Sie sterben als Menschen, aber in demselben Augenblick werden sie wie ihr Herr, herrliche Geistwesen. Sie werden vom irdischen Zustande entrückt, um für immer bei dem Herrn zu sein - "in der Luft" - in königlicher Macht und Herrlichkeit.

Erst nachdem unser Herr das Opfer seiner menschlichen Natur vollendet hatte und, vom Tode erweckt, in ein Geistwesen verwandelt worden war, war es, dass er erklärte: "Mir ist gegeben alle Gewalt." (Matth. 28:18) Und nicht bis alle Glieder des Christus dem Beispiel des Hauptes nachgefolgt sind und ihr Opfer im Tode vollendet haben, wird der Christus (der Gesalbte) vollständig und für das große folgende Werk der Wiederherstellung aller Dinge völlig mit Macht ausgerüstet sein.

Wie bedeutungsvoll ist in Anbetracht dieser Dinge der Ausspruch: "Glückselig sind die Toten, die im Herrn sterben von nun an! Ja, spricht der Geist; auf dass sie ruhen von ihren Mühen, denn (aber) ihre Werke folgen mit ihnen." (Offb. 14:13) Nirgends sonst in der heiligen Schrift ist der Tod in irgend einem Sinne als ein Segen dargestellt, außer in diesem Fall; und hier ist es besondererweise beschränkt und auf eine bestimmt bezeichnete Zeit (Wenn wir in einem folgenden Band die wunderbaren Gesichte des Offenbarers untersuchen, wird es deutlich gesehen werden, dass die hier angedeutete Zeit "von nun an", wie sie von Begebenheiten gekennzeichnet ist, chronologisch sehr genau mit 1878 zusammenfällt, wie von den hierin betrachteten Prophezeiungen schon angedeutet ist) "von nun an" - anwendbar gemacht. Und selbst dann beachte, ist es nur für eine besondere Klasse ein Glück, nämlich für "die Toten, die sterben". Dieser Ausdruck darf nicht als ein Fehler betrachtet werden, sondern als eine sehr bestimmte und bezeichnende Beschreibung der kleinen Anzahl, denen der Tod ein Segen sein wird. diese Klasse sind "die Füße des Boten". Und, wie schon gezeigt, jedes Glied des Leibes Christi muss sein Opfer in tatsächlichem Tode vollenden.

Dies allein sind die Toten, die sterben. Sie sind von Gott als schon gestorben, als tot, gerechnet und werden angewiesen, sich auch selbst so zu rechnen oder dafür zu halten: "Haltet euch der Sünde für tot." Von keinen anderen toten Menschen kann man sagen, dass sie sterben, als nur von dieser Klasse Toter, die ihren Lauf in tatsächlichem Tode vollenden müssen.

So wird Gott Zion helfen beim Anbruch ich res Morgens - am Morgen des ewigen Triumphtages Christi. So hilft er ihr bereits. Eins nach dem anderen werden die Heiligen jetzt, der Welt unbemerkbar, verwandelt und treten ein in die Schar der triumphierenden Kirche; und diejenigen, die bis zuletzt verbleiben, verkündigen das ewige Evangelium, bis die "Tür" geschlossen und alle Gelegenheit zur Arbeit zu Ende ist. Dann "stehen" sie in Glauben und Ausdauer und warten auf ihre Verwandlung und nehmen mit Freuden an, auf welche Weise es auch Gott gefallen mag, ihre Befreiung vollbringen zu lassen. So werden sie vor dem großen Wirbelsturm, der auf ihr Abscheiden folgen wird, bewahrt. - Psalm 91:7

Und wenn nun die Zeit der Trübsal vorwärts schreitet, müssen wir natürlich erwarten, dass die wahre Kirche in ihrem gegenwärtigen Zustande, der Elias, die Johannes-Klasse, an Einfluss und an Zahl abnimmt, während der verherrlichte Christus, derselbe Leib auf der anderen Seite des Vorhangs, wie Johannes der Täufer prophetisch angezeigt hat, zunehmen wird. - Joh. 3:30




Sehnliches Verlangen

Ich hab von ferne, Herr, Deinen Thron erblickt,
Und hätt' drum gerne mein Herz vorausgeschickt,
Und will nun gerne mein ird'sches Leben,
Vater der Lichter, Dir ganz hingeben.

Das war so lieblich, was ich im Geist gesehn !
Du bist so freundlich, drum ist Dein Licht so schön !
Könnt ich auf diesen licht - hellen Thronen,
Doch mit dir einstens auf ewig wohnen!

Bin jetzt zufrieden, dass ich die Stadt gesehn;
Und ohn' Ermüden will ich ihr näher gehen;
Und ihre hellen und goldnen Gassen
Lebenslang nicht aus den Augen lassen.

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Studie 8

Die Wiederherstellung Israels

Die Wiederherstellung Israels in Palästina ein in dieser Erntezeit zu erwartendes Ereignis. - Wie, und bis zu welchem Grade und mit welcher Klasse wir diese Wiederherstellung erwarten sollten. - Datum ihres Anfangs und Anzeichen des tatsächlichen Fortschrittes derselben seitdem. - Warum die Segnungen des Millenniums, die für die ganze Menschheit bestimmt sind, die Juden zuerst erreichen und wiederbeleben werden. - Das Wiederaufleben jüdischer Hoffnungen. - Beobachtungen leitender jüdischer und weltlicher Schreiber. - Die Übereinstimmung derselben mit der Prophezeiung. - Israels Blindheit in Bezug auf Christus schon im Verschwinden begriffen. - Die Ausbreitung und die Bedeutung und die Bedeutung der Bewegung. - Gott wird ihnen helfen. - Die Anglo-Israel-Frage.

"An jenem Tage werde ich die verfallene Hütte Davids aufrichten und ihre Risse vermauern, und ihre Trümmer (ihre Ruinen) aufrichten, und ich werde sie bauen wie in den Tagen vor alters." "Und ich werde die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden; und sie werden die verwüsteten Städte aufbauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und deren Wein trinken, und Gärten anlegen und deren Frucht essen. Und ich werde sie in ihrem Lande pflanzen; und sie sollen nicht mehr herausgegriffen werden aus ihrem Lande, das ich ihnen gegeben habe, spricht Jehova, dein Gott." (Amos 9:11, 14, 15)

Unter den Reliquien (Überbleibseln) des Altertums, die auf uns gekommen sind, ist nichts von so großem Interesse als das jüdische Volk. Unermüdlich haben Altertumsforscher jeden leblosen Gegenstand untersucht, der uns ein Scherflein historischen oder wissenschaftlichen Aufschlusses gebieten könnte. Monumente, Altäre, Gräber, Überbleibsel, öffentlicher oder privater Gebäude, Ölgemälde, Skulpturen, Hieroglyphen und tote Sprachen sind ausgeforscht worden; und einige selbst haben mit großer Geduld gesucht, die Linie tatsächlicher Wahrheit auszuspüren, welche die mannigfachen, seltsamen Überlieferungen, Legenden, Gesänge, usw., durchzog, die durch die Jahrhunderte herabflossen, um alles zu erfahren, was über Ursprung, Geschichte und Bestimmung der Menschheit zu wissen möglich sei. In dem jüdischen Volke aber haben wir ein Denkmal des Altertums von unschätzbarem Werte, auf dem in deutlich lesbaren Zügen, Ursprung, Fortschritt und schließliche Bestimmung des menschlichen Geschlechtes verzeichnet steht - ein lebendiger und intelligenter Zeuge der allmählichen Auswirkung eines wunderbaren Vorsatzes in menschlichen Angelegenheiten, in genauer Übereinstimmung mit den Vorhersagungen ihrer göttlich inspirierten Seher und Propheten.

Als Volk sind sie durch den ganzen Ablauf ihrer Geschichte und durch ihren eigenen Glauben sowie durch jeden Bestandteil ihres nationalen Charakters und selbst durch ihre Gesichtszüge und durch ihre Art und Gebräuche eigentümlich und von anderen unterschieden. Nationale Eigentümlichkeiten vor vielen Jahrhunderten ihnen eigen treten noch bei ihnen hervor, selbst ihr Verlangen nach den Zwiebeln und den Knoblauch Ägyptens und ihre halsstarrige Widerspenstigkeit. Als Volk hatten sie wahrlich "auf jede Weise" viel Vorteil. Ihnen waren "die Aussprüche Gottes vertraut worden", und die brachten aus ihnen Dichter, Gesetzeskundige, Staatsmänner und Philosophen hervor und führten sie Schritt für Schritt vorwärts, dass sie, statt ein Volk von Sklaven zu sein, zur Zeit Salomos den Zenith ihrer Herrlichkeit erreichten, ein unter allen Völkern ausgezeichnetes und geehrtes Volk wurden und das Staunen und die Bewunderung der Welt auf sich zogen. (Röm. 3:1, 2; 1. Kön. 4:30-34; 10:1-29)

Dass die Wiederherstellung Israels in das Land Palästina eins der in diesem Tage des Herrn zu erwartenden Ereignisse ist, sind durch den obigen Ausspruch des Propheten völlig versichert. Beachte ins besondere, dass diese Prophezeiung in keinem sinnbildlichen Sinn ausgelegt werden kann. Es ist kein Kanaan im Himmel, für das sie bestimmt sind, sondern ein Kanaan auf Erden. Sie sollen in "ihr Land" gepflanzt werden, in das Land, von dem Gott sagt, dass er es ihnen gegeben habe, in das Land, das er dem Abraham verhieß, als er sprach: "Hebe deine Augen auf und schaue nach dem Orte, wo du bist, gen Norden und gen Süden und gen Osten und gen Westen. Denn das Land, das du siehest, dir will ich's geben und deinem Samen ewiglich. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub der Erde; so dass, wenn jemand vermag, den Staub der Erde zu zählen, auch dein Same gezählt werden wird. (Eine Andeutung einer damals sehr fernen Zukunft, so dass reichlich Zeit vorhanden war zu solcher Vermehrung). Mache dich auf und durchwandele das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite, denn dir will ich's geben." "Und ich werde dir und deinem Samen nach dir das Land deiner Fremdlingschaft geben, das ganze Land Kanaan zum ewigen Besitztum." (1. Mose 13:14-17; 17:8) Es ist dies ein Land, das sie einst betreten durften und in dem sie Jahrhunderte lang wohnten. Aber während dieser Zeit waren sie vielmals wieder ausgerissen worden und in andere Länder in Gefangenschaft geschleppt worden, während Fremdlinge ihre Städte verwüsteten, den Wein ihrer Weinberge tranken und die Frucht ihrer Gärten aßen. Und schließlich wurden sie vollständig ausgerottet, ihre Städte verwüstet und verödet und sie selbst als Wanderer und Exkulanten (außer heimatlichen Landes) von Land zu Land über die ganze Welt getrieben. Doch wenn sie der Verheißung gemäß wieder in ihr Land gepflanzt sein werden, dann sollen sie "nicht mehr herausgegriffen werden aus ihrem Lande", welches Gott ihnen gegeben hat; "und sie werden die verwüsteten Städte aufbauen (Städte, die sie zuvor bewohnt haben) und bewohnen." Ein zerstreutes, heimatloses, verlassenes und verfolgtes Volk, sind sie doch ein besonderes und einzigartiges Volk. Verbunden durch starke Bande der Blutsverwandtschaft, durch gemeinsame Hoffnungen, die durch den gemeinsamen Glauben an die wunderbaren Verheißungen Gottes eingegeben sind, obwohl sie diese Verheißungen nur ungenau verstehen, und weiter noch, zusammenhalten durch die Bande des Mitgefühls, das aus ihren gemeinsamen Leiden und Entbehrungen als Exkulanten hervorging, sehnen sie sich und warten sie auf die Hoffnung Israels bis auf diesen Tag.

Als Volk haben sie noch Glauben an Gott, obwohl sie in ihrer Blindheit und in ihrem Herzenshochmut über die Niedrigkeit des von Gott zum Heil der Welt verordneten Boten des Bundes gefallen sind, so dass sie ihn, den Heiland, den Herrn der Herrlichkeitkreuzigten, statt ihn anzunehmen. Und doch zeigen uns die Apostel und Propheten, dass selbst dieses furchtbare Verbrechen, zu dem ihr Stolz und Eigenwille sie trieb, nicht unvergebbar sei. Um seinetwillen sind sie zwar streng gestraft worden. Als sie den Gerechten verurteilten und schrieen: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder", da dachten sie nicht, welch fürchterliche Vergeltung darauf folgen würde.

Die schreckliche Trübsal und der Verlust an Leben, die Zerstörung ihrer heiligen Stadt und ihres Tempels, das völlige Ende ihres nationalen Bestandes und die Zerstreuung des überlebenden Restes als Exkulanten (außer heimatlichem Lande Wandernde) in alle Völker vollendete das Werk ihrer Ernteperiode. Es begann mit zersplitterndem Bürgerkrieg und wurde durch den Einfall des römischen Heeres zu Ende gebracht. Feuer, Schwert und Hungersnot führten über sie eine schreckliche Verwüstung herein.

Und seitdem war Israel wahrlich ein zerstreutes und geplündertes Volk. Von Land zu Land und von Provinz zu Provinz als Exkulanten getrieben, wurde ihnen fast jedes Recht verweigert, das andere Leute genossen. Indem sie das Christentum sowohl in seiner verderbten als reinen Form verwarfen, wurden sie zum Gegenstand der Verachtung und unerbittlicher Verfolgung von Seiten der Kirche Roms. Der Geschichtsschreiber sagt:

"In Deutschland, Frankreich, England und Italien wurden sie durch Dekrete und Gesetze der geistlichen wie weltlichen Macht in ihren Rechten eingeschränkt, von allen ehrbaren Beschäftigungen ausgeschlossen, von Ort zu Ort getrieben, gezwungen, sich fast gänzlich durch Handel und Wucher zu erhalten, in den Städten übertaxiert und unterdrückt, in engen Stadtvierteln zusammengehalten und in ihrer Kleidung mit Zeichen der Verachtung markiert, durch gesetzlose Barone und geldarme Fürsten geplündert, eine leichte Beute für alle Parteien während der Bürger-Fehden, wieder und wieder um ihre Geldansprüche beraubt, von den Kaisern als niedrige Sklaven geeignet und verkauft, durch Pöbel und aufständige Bauern dahingeschlachtet, durch Mönche gejagt und schließlich bei Tausenden durch die Kreuzfahrer verbrannt, die ebenso ihre Brüder in Jerusalem in ihren Synagogen verbrannten oder durch Hohn, schmähende Reden, widernatürliche Anklagen und Untersuchungen, durch Drohungen und Bekehrungsversuche marterten. ... Sie durften kein Land eignen, zu keiner Handwerks-Gilde gehören und an keiner Art Kunst sich beteiligen. Sie waren fast ausschließlich aufs Handeln angewiesen. Und da sie alle Menschen mit sich im Kriege fanden, hat dies ihren Nationalstolz und ihre Selbsterhebung durchaus nicht gemildert, und den Bruch zwischen den Juden und ihren heidnischen Nachbarn überall infolgedessen erweitert."

So von Gott und von ihren Mitmenschen in jedem Volk entfremdet, war ihre elende Lage gar traurig und beklagenswert. Während der unerbittlichen, päpstlichen Verfolgungen haben sie gemeinsam mit den Heiligen und Märtyrern Jesu gelitten - die Christen für ihre Verwerfung des Antichristen, die Juden für ihre Verwerfung Christi sowie des Antichristen. Während Gott diese Trübsale und Verfolgungen als Strafe für ihr Nationalverbrechen der Verwerfung des Evangeliums und der Kreuzung des Erlösers über sie kommen ließ, wird er doch zu seiner Zeit die Beständigkeit ihres Glaubens an seine Verheißungen, die sie so ausdauernd festhielten, belohnen. Gott kannte ihren Stolz und ihre Herzenshärtigkeit im voraus, und sagte dieselbe sowohl wie das Übel voraus, das darum über sie kommen würde; und nicht weniger bestimmt hat er vor langer Zeit dem Abraham ein Aufhören ihrer Blindheit und die endliche Erfüllung aller ihnen gegebenen irdischen Verheißungen verkündet und durch einen Propheten nach dem andern wiederholt.

Da die Zeit der verheißenen Wiederherstellung Israels in Gottes Gunst herannaht, sehen wir, dass für sie Vorbereitungen gemacht werden. Innerhalb des gegenwärtigen Jahrhunderts geht deutlich ein Sichtungs- und Trennungs- Prozess unter ihnen vor sich, der sie in zwei Klassen, die rechtgläubigen und nicht-rechtgläubigen Juden, teilt. Jene halten noch an den Verheißungen Gottes fest und hoffen noch, dass Gottes bestimmte Zeit, Zion gnädig zu sein, bald kommen möge. Diese verlieren den Glauben an einen persönlichen Gott sowie auch an die Abraham gegebenen Verheißungen und treiben dem Liberalismus, dem Rationalismus und dem Unglauben zu. Zu den orthodoxen gehören meist die armen, unterdrückten Juden, obwohl auch etliche der Reichen und gebildeten dazu gehören, und sind viel zahlreicher als die heterodoxen; die letzteren jedoch sind bei weitem die einflussreichsten und geachtesten, oftmals Kaufleute, Bankiers, Redakteure, usw.

Das Folgende ist eine kurze Zusammenfassung des Glaubens der orthodoxen Juden:

"Ich glaube mit wahrem und vollkommenem Glauben, (1) dass Gott der Schöpfer und Lenker und Bereiter aller Kreaturen ist; (2) dass der Schöpfer einer ist, und dass er allein unser Gott war, ist, und für immer sein wird; (3) dass der Schöpfer nicht körperlich ist, nicht mit irgend welchen leiblichen Eigenschaften aufzufassen ist, und dass es keine leibliche Substanz gibt, die ihm verglichen werden könne; (4) dass nichts vor ihm war, und dass er für immer bleiben wird; (5) dass er verehrt werden soll und niemand sonst; (6) dass alle Worte der Propheten wahr sind; (7) dass die Weissagungen Moses wahr waren; dass er der Erste aller weisen Männer war, die vor ihm lebten oder je nach ihm leben werden; (Wir mögen sie in etwa für solche Überschätzung solch eines edlen und würdigen Charakters entschuldigen); (8) dass das ganze Gesetz wie es dieser Tage in unserer Hand sich findet, von Gott selbst unserem Meister, Moses, überliefert wurde; (9) dass dasselbe Gesetz nie verändert, noch uns von Gott ein anderes gegeben werden soll; (10) dass Gott alle Gedanken und Werke der Menschen kennt, wie in den Propheten geschrieben steht: Er lenket (bildet) ihnen allen das Herz, er merket auf alle ihre Werke; (11) dass Gott denen Gutes vergelten wird, die seine Gebote halten, und die strafen wird, welche dieselben übertreten; (12) dass der Messias noch kommen wird, und wenn sein Kommen sich verzögert - dennoch, will ich warten, bis er kommt -, (13) dass die Toten wieder ins Leben gerufen werden sollen, wenn es Gott, dem Schöpfer gefällt, dessen Name gesegnet und dessen Gedächtnis ohne Ende gefeiert werde. Amen".

Seit der Zerstörung ihres Tempels und der Zerstreuung haben die Opfer aufgehört, aber sonst wird die mosaische Ordnung in jeder Beziehung unter den orthodoxen Juden aufrecht erhalten. Ihr Gottesdienst besteht wie vor Alters im Verlesen der Schrift, Gebete und Lobpreis. Am zweiten Tag ihres Posaunenfestes lesen sie die Erzählung von der Aufopferung Isaak durch Abraham und Gottes Segnung über ihn und seinen Samen. Dann stoßen sie in die Posaune und beten, dass Gott sie nach Jerusalem bringen möchte.

Die Nicht-Orthodoxen oder Reform-Juden, die "Radikalen", weichen von den Orthodoxen weit ab. Viele von ihnen sind geschworene Atheisten und leugnen einen persönlichen Gott. Sie leugnen, dass irgend ein Messias kommen werde; und wenn sie die Prophezeiung nicht gänzlich verwerfen, so erklären sie, dass die jüdische Nation selbst der Messias sei und allmählich die Welt reformiere, und dass die vom Messias vorhergesagten Leiden in ihren Verfolgungen und Leiden als Volk erfüllt worden sind. Andere erklären, dass die Zivilisation der einzige Retter der Welt sei, den sie erwarten.

Die erste Klasse wird es ohne Zweifel sein, die wieder gesammelt und gesegnet werden wird, wenn der Messias in Herrlichkeit und Macht wiederkommt. Sie wird es sein die da spricht: "Siehe da ist unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde, das ist Jehova, auf den wir harrten. Lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung." (Jes. 25:9). Und im klaren Lichte der Lehre des Messias wird aller Glaube an die eitlen Traditionen weichen, welche sie noch als wertvolle Zusätze zu dem Gesetz Gottes festhalten. Die Zeit eilt herbei, da Gott zu Israel Friede sprechen und sie trösten und ihre Blindheit völlig beseitigen wird. Wir wollen damit nicht sagen, dass die Blindheit derer, die jetzt weit weg in den Unglauben wanderten, nie aufhören werde. Das sei ferne! Die blinden Augen aller, und aus jedem Volk, sollen geöffnet, und alle tauben Ohren sollen aufgetan werden. Keine besondere Gnade wird diesen ungläubigen Juden zur Zeit der zurückkehrenden Gnade zu teil werden: denn "das ist nicht ein Jude, der (bloß) auswendig ein Jude ist" (durch Familienbande und äußerliches Bekennen). Die Juden, die Gott als Kinder Abrahams anerkennt, sind die, die am Glauben Abrahams festhalten und auf die göttlichen Verheißungen vertrauen.

Anglo-Israeliten

Und hier müssen wir unsere Abweichung von denen aussprechen, die da behaupten, dass die Anglo-Sachsen das Israel der Verheißung nach der Schrift seien. Kurz dargestellt behaupten sie, dass die Angelsachsen, usw. die Nachkommen der zehn Stämme Israels seien, die sich vom Stamm Juda und Benjamin nach Salomos Tod getrennt hatten, und die man oft als "die zehn verlorenen Stämme" bezeichnet. Denn nach der Gefangenschaft (der ganzen zwölf Stämme) in Babylon hätten sich die zehn Stämme nie wieder im Lande Kanaan als "Israel" niedergelassen, sondern wären als Stämme und als einzelne unter die verschiedenen Völker zerstreut. Diejenigen, deren Ansicht wir beanstanden, behaupten, dass sie die Wanderschaft jener Stämme nach Großbritannien verfolgen könnten, und dass die Größe und der Einfluss der englisch redenden Völker der Welt sich auf den Umstand zurückführen ließe, dass sie zu Israel gehören und die Israel gegebenen Verheißungen erben.

Hierauf antworten wir, dass das, was zum Beweis dafür, dass sie von den "verlorenen Stämmen" sind, beigebracht wird, bei weitem nicht stark genug ist. Doch, wenn wir alles zugeben müssten, was sie da behaupten, so würde es die Stellung nicht begründen, dass die Größe und der Einfluss der angelsächsischen Rasse sich darauf zurückführen lasse, dass sie vermöge natürlicher Abkunft Israeliten seien, ebenso wenig wie darauf, dass sie "verloren" sind. Ihre Größe ist auf ihre Freiheit und Intelligenz zurückzuführen, die hinwieder nicht daher rühren, dass sie verloren waren, noch auch, dass sie nach dem Fleisch geborene Israeliten sind, sondern von den Lehren Christi - von dem Licht, das etliche vom geistlichen Samen Abrahams unter ihnen scheinen ließen.

Die Tatsache, dass die zehn Stämme sich von den beiden verirrten, dient nicht zu ihrem Lobe, sondern im Gegenteil. Es ist ein Anzeichen, dass sie geneigt waren, Gottes Verheißungen zu missachten. Es ist ein Zeichen von Unglauben, denn sie wussten gar wohl, dass Gott vorhergesagt hatte, dass der Gesetzgeber, der Erretter, der Befreier, der König, in und durch welchen die Verheißungen erfüllt werden sollten, aus Juda kommen sollte. Der Stamm Benjamin war der einzige Stamm daher, der nebst Juda zur Zeit der Empörung Glauben an Gottes Verheißungen bewies. Zur Zeit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft jedoch waren wohl die meisten, doch nicht alle, die zurückkehrten, von den Stämmen Juda und Benjamin. Unter ihnen waren etliche aus allen Stämmen, die den Herrn liebten und ihn mit Buße suchten und sich noch auf seine Verheißungen verließen. Die große Mehrzahl jedoch, sowohl von den zehn Stämmen, wie auch von den beiden, haben die Gelegenheit nach dem Lande der Verheißung zurückzukehren, nicht benutzt, sondern zogen Babylon und andere Länder vor; viele von ihnen waren in Götzendienst gefallen und hatten ihre Achtung vor Gottes Verheißungen verloren.

Wir müssen bedenken, dass nur einige wenige von denen, welche unter der Führung von Esra und Nehemia in ihr Land zurückkehrten, solche waren, welche gefangen genommen wurde; die große Mehrzahl war längst in Babylon gestorben. Es waren solche ihrer Kinder, in deren Herzen der Glaube ihrer Väter brannte, die noch auf die dem Samen Abrahams verheißenen Segnungen und Ehren hofften. So war die kleine, zurückkehrende Schar von weniger als fünfzig Tausend (50.000) alle damals übrigbleibenden Israeliten, aus allen Stämmen, die durch die Tat der Rückkehr in das Land der Verheißung zeigten, dass sie noch am Glauben Abrahams festhielten. Den Nachkommen dieser Tauglichsten, dieser aus allen Stämmen Israels Gesichteten (obwohl hauptsächlich aus den beiden Stämmen und obwohl alle nach dem königlichen und vorherrschenden Stamm Juda genannt), das heilige Volk, ganz Israel, repräsentierend, war es, dass unser Herr sich selbst und das Königreich anbot.

Unser Herr nahm auf sie als Israel und nicht als einen Teil Israels, nicht als Juden bloß, Bezug. Er redet selbst von denen, die an den Verheißungen und an einander festgehalten hatten, als von den "verlorenen Schafen vom Hause Israel", weil sie weit von der Wahrheit abgekommen waren, den Traditionen falscher Hirten nach, die sie in ihren eigenen Wegen geleitet hatten und nicht, wie Gott angewiesen. Er sagt: "Ich bin nicht gesandt als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." Auf das Haus Israel war demzufolge in Einklang mit dem Vorigen sein Dienst beschränkt. Dies zeigt, dass die Juden seiner Zeit die einzig anerkannten Repräsentanten vom "Hause Israel" waren, wie die folgenden und ähnliche Ausdrücke unseres Herrn und seiner Apostel anzeigen: "Ganz Israel", "unser zwölfstämmiges Volk, Nacht und Tag Gott dienend" (Apg. 26:7). Und man wird sich erinnern, dass unser Herr in Verbindung mit dieser Aussage, dass sein Dienst nur Israel galt, seinen Jüngern verbot, zu irgend jemand außer zu den Juden Palästina zu gehen. - Matth. 10:5, 6; 15:24

Beachte auch, dass die Apostel das Wort Israel (nicht Juden) gebrauchten, wenn sie von denen redeten, die damals in Palästina wohnten (Apg. 2:22; 3:12; 5:35; 13:16; 21:28), und wie sie die Worte Jesaja betreffs des Restes Israels auf die verhältnismäßig wenigen anwandten, die das Evangelium annahmen (Röm. 9:4, 27, 29, 31, 33; 10:1-4; 11:1, 7-14, 25, 26, 31), und von allen Übrigen als fallend und verblendet reden. Also, selbst wenn es nachgewiesen werden könnte, dass die angelsächsischen Völker ein Teil der "zehn verlorenen Stämme" wären, so sehen wir doch deutlich, dass daraufhin unter diesem Bunde, ihnen keine Gnade hätte zukommen können, denn sie verließen den israelischen Bund und wurden Götzendiener, Ungläubige und praktisch Heiden. Außerdem, wie schon bemerkt (Band 2, Kap. 7), wurden alle, die als der natürliche Same Abrahams betrachtet wurden und fortfuhren, Christum zu verwerfen, von der Zeit des Todes Christi bis zum Jahre 1878 von aller Gnade verstoßen. Da war nach chronologischer Berechnung die Wiederzuwendung der göttlichen Gnade zu ihnen und der Anfang der Abwendung ihrer Blindheit fällig. Folglich konnte das Hervorragen der Angelsachsen während der vergangenen Jahrhunderte in keinem Sinne Israels zurückkehrende Gnade gewesen sein. Die, von denen um der Verwerfung willen die Gnade weggenommen worden war, sind die, zu denen sie zurückkehren soll. Damals wie seitdem stets wurde Israel durch die "Juden" repräsentiert (Röm. 2:9, 10), und der Jude ist es, der jetzt der natürliche "Same Abrahams" wieder in die Gnade eingesetzt werden wird. Diese zusammen mit dem geistlichen "Samen" (der während des christlichen Zeitalters ausgewählt wurde - ein Rest von Israel, Juden, und die Übrigen aus den Nationen gesammelt) sollen Gottes Werkzeuge zur Segnung aller Geschlechter der Erde sein.

Noch auch wird die zukünftige Gnade Israel allein zukommen. Alle, die an die Bundesverheißungen glauben, können an den zurückkehrenden Gnadenerweisungen, mit dem natürlichen Samen teilnehmen, gerade wie irgend ein Jude, der während dieses christlichen Zeitalters Christus annahm, zu all den geistlichen Segnungen und Vorteilen, die während dieses Zeitalters angeboten wurden, erwählbar war. Wie am Anfang nur ein kleiner Rest an die christlichen Gnaden glaubte und sie annahm, so wird auch außer den Juden nur eine kleine Zahl der Menschheit für die neuen Gesetze und Bedingungen des Millenniums unter der gerechten Verwaltung des Herrn und seiner verherrlichten Kirche bereit sein; und folglich werden zuerst nur wenige außer Juden unter ihr gesegnet werden.

Der Jude, der lange gewohnt war, nach dem Tun zu ringen und auf Werke des Gehorsams gegen das Gesetz zu vertrauen, um sich den göttlichen Segen zu sichern, kam zum Fall über den ersten Zug der christlichen Heilszeitordnung - die Vergebung der Sünden ohne Werke auf alle, die da an Jesu vollkommenes Werk und allgenügsam Opfer für die Sünde glaubten. Aber die Achtung des Juden vor dem Gesetz wird beim Anbruch des Millenniums zu seinem Vorteil ausschlagen, und niemand wird für die genauen Erfordernisse und Gesetze jenes Zeitalters besser bereit sein als er, nachdem seine Blindheit in Bezug auf Christus und den Wert seines Opfers für die Sünde gewichen ist, denn nach dem Glauben an Christus sind Werke erforderlich, obwohl sie vorher nicht annehmbar sind. Und indem der Jude die Liebe und die Gnade Gottes in Christo ergreift, wird er nicht wie viele andere heutigen Tages dahin neigen, die Gerechtigkeit Gottes aus dem Auge zu verlieren. Andere dagegen werden eine Zeitlang gegen die Ordnung des Königreiches, in dem das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zum Senkblei gelegt werden wird, verblendet sein und nicht bereit, sie anzuerkennen.

Wie der Jude durch eine falsche Ansicht über das Gesetz, das durch falsche Lehren bedeutungslos gemacht war, geblendet wurde, so werden jetzt viele Heiden daran gehindert sein, die Bedingungen der Gnade während des Millenniums zu erfassen, weil ihnen die Lehre der Gnade in der Vergebung der Sünden von verkehrten Lehrern dieser Tage falsch dargestellt wurde. Dieselben entleeren das Evangelium von der Gnade Gottes durch ihre sophistischen Argumente - "verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat" (2. Petr. 2:1), und dass überhaupt ein Lösegeld gegeben wurde oder für die Wiedergewinnung des Menschen nötig sei. Sie behaupten, irren sei menschlich, vergeben sei göttlich; und folglich sei eine gelegentliche Sünde ganz entschuldbar, und Strenge der Strafe, ein Lösegeld, usw., nicht anzunehmen, da, wenn keine Sünden mehr zu vergeben wären, es Gottes Freude und Amt, zu vergeben, beseitigen würde. Sie verlieren Gottes Gerechtigkeit aus dem Auge und verfehlen so, die Weisheit seines Versöhnungsplanes durch das Blut des Kreuzes zu erkennen, nach welchem nur denen Vergebung der Sünden durch das Lösegeld - Opfer bewilligt wird, die gegen die Sünde ankämpfen. Durch solche oberflächliche Ideen über Gottes Gerechtigkeit und Strenge geblendet, werden nur wenige für jenen strikten, der Fähigkeit entsprechenden Gehorsam, wie er im nächsten Zeitalter von allen gefordert werden wird, so vorbereitet sein, wie gerade die Juden.

Als ein Beispiel davon, wie die Juden bereit sein werden, Christi Jesu Tod als ihr Lösegeld - ihren Ersatz - Kaufpreis - als gesetzliche Genugtuung für die Sünden der Menschheit anzunehmen, führen wir das folgende aus der Feder eines jungen zu Christo bekehrten Hebräers an. Es ist dies eine Schilderung der jährlichen Feier des "Großen Versöhnungstages", wie er gegenwärtig von den "orthodoxen" Juden beobachtet wird. Der Artikel erschien in dem Blatt "The Hebrew Christian", wie folgt:

"Jom Kippur", oder der große Versöhnungstag, war bei meinem Vater ein denkwürdiger Tag, denn an diesem heiligen Sühntag fastete, betete und kasteite er sich nicht nur, sondern brachte auch die ganze Nacht in der Synagoge in Andacht zu. An diesem großen Tag habe ich meinen frommen Vater oft weinen sehen, wenn er das feierliche Sündenbekenntnis wiederholte, das auf die Aufzählung der Opfer folgte, die von Gott zum Opfer für die Begehungs- und Unterlassungssünden bestimmt waren; und gar oft habe ich mit weinen müssen, wenn ich mich ihm in der Klage anschloss, dass wir jetzt gar keinen Tempel, keinen Hohepriester, keinen Altar und keine Opfer mehr haben. Am Tage vor diesem feierlichen Tag versah er sich in Gemeinschaft mit den anderen Juden mit einem Hahn und schwang den lebendigen Vogel unter Wiederholung gewisser Gebetsformeln dreimal um sein Haupt, dabei die Worte wiederholend; "Dies sei mein Stellvertreter, die sei mein Lösegeld, dies sei meine Sühne; dieser Vogel soll sterben und ich ein glückseliges Leben erlangen." Dann legte er seine Hände auf ihn, wie man die Hände auf die Opfer zu legen pflegte, und gleich darauf wurde er zum Schlachten übergeben. Das ist das einzige Blut, das jetzt in Israel vergossen wird. Das Blut der Stiere und Ziegenböcke fließt nicht mehr neben dem ehernen Altar.

"Mein Vater gab sich die größte Mühe, einen weißen Hahn zu bekommen, und vermied einen roten ganz und gar; und als ich ihn fragte, warum er so tue, sagte er mir, dass ein roter Hahn schon mit Sünden beladen sei, denn Sünde ist selbst rot, wie geschrieben steht: "Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden." (Jes. 1:18). Er fuhr fort: "Du wirst finden, dass die Rabbiner im Talmud niedergelegt haben, wenn der Hahn weiß ist, so ist er nicht mit Sünden behaftet, und kann daher die Sünden der Juden tragen; aber wenn er rot ist, ist er ganz und gar mit Sünden beladen, und ist untauglich dazu, unsere Vergehen zu tragen.

Der Grund, warum sie einen Hahn lieber als irgend ein anderes Tier gebrauchen, ist der: Im Hebräischen wird ein Mann Geber genannt. Nun, wenn Geber (ein Mann) gesündigt hat, so muss Geber auch die Strafe dafür tragen. Doch da die Strafe schwerer ist, als die Juden sie tragen könnten, haben die Rabbiner an ihrer Stelle einen Hahn substituiert, der im chaldäischen Dialekt Geber genannt wird, und so nimmt man an, dass die göttliche Gerechtigkeit befriedigt ist. Denn, da Geber gesündigt hat, so ist Geber, d.i. ein Hahn, geopfert worden.

Diese leere Erfindung mag als ein bemerkenswertes Zeichen einer sehr bedeutsamen Tatsache betrachtet werden. Während nämlich viele unter den Juden heutigen Tages die Versöhnung ganz und gar leugnen, so hat doch die Gesamtheit der Nation noch etwas von dem Gefühl, dass ein Opfer für die Sünde absolut nötig ist, und dass die Reue ohne Versöhnung zum Heile nichts nützt. Wenn die Juden, statt rabbinische Fabeln zu lesen, die Bibel erforschen würden, so würden sie finden, dass der Herr Jesus, der wahre Messias, in seiner eigenen Person gerade die Versöhnung der Sünde bewirkte, die, wie sie in ihrer Blindheit sich einbilden, vermittelst eines Hahnes bewirkt werden könnte. Geber (ein Mann) hat gesündigt, und Geber (ein Mann), der Mensch Jesus Christus, hat seine Seele zum Sündopfer gegeben." - Jes. 53:10

Den Juden zuerst

Wir sehen also, dass Gottes Vorhersagung, dass Israel (aus­genommen die wenigen Treuen) durch ihr Gesetz geblendet werden würden (Römer 11:9), auf natürliche Weise in Erfüllung ging, und ebenso, dass seine weitere Vorhersagung, dass viele derselben, durch die Gnaden und Einrichtungen des Millenniums rascher als andere gesegnet werden würden, ebenfalls auf eine vollkommen natürliche Weise zustande kommen und von vernünftigen Ursachen herrühren soll. So werden also die Gnaden des Millenniums den Juden zuerst zuteil, gerade wie den Testamenten (Bündnissen), usw. nach, die Gnaden des Evangeliums ihnen zuerst angeboten wurden. Und so wird es schließlich geschehen, wie Simeon geweissagt hat: "Dieser ist gesetzt zum Fall und (Wieder-) Auferstehen vieler in Israel." Und die Zeit der Wiederaufrichtung dieser so lange von der Gnade gefallenen Nation ist vorhanden.

Doch lasst uns vor einem zu gewöhnlichen Fehlgriff auf der Hut sein, wie er von manchen, die etwas von diesen Verheißungen sehen, gemacht wird. Sie nehmen an, dass die folgenden Aussagen buchstäblich zu nehmen seien: "Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre Ruinen will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten." "Und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben." "Und mein Knecht David wird König über sie sein." (Apg. 15:16; Luk. 1:32; Hesek. 37:24). Während die Buchstäblichkeit ihrer verheißenen Rückkehr in ihr eigen Land und das Wiederaufbauen Jerusalems auf ihren eigenen Hügeln nicht bezweifelt werden kann, so können wir doch ebenso sicher sein, dass mit dem Haus und dem Thron Davids nicht eigentliche Steine, Holz, usw., gemeint sind. Die Wiederherstellung des Hauses Davids bezieht sich auf die Wiederherstellung der Königswürde und Herrschaft in die Hand eines der Nachkommen Davids. Christus Jesus ist der verheißene Spross des Hauses Davids und der Erbe seines Thrones; und wenn seine Herrschaft anfängt, hergestellt zu werden, so bedeutet das den Anfang der Aufrichtung (der dauernden Herstellung) des vormals nur temporären Hauses oder Zeltes Davids, welches niedergefallen und Jahrhunderte lang im Staube gelegen war. So bezieht sich gleicherweise der "Thron Davids", auf dem der Messias sitzen soll, nicht auf die hölzerne, goldene oder elfenbeinerne Bank, auf welcher David saß, sondern auf die Würde, Macht und das Herrscheramt, das er ausübte. Diese Herrschaft, dieses Amt oder dieser Thron, den David etliche Jahre einnahm, soll von Jehovas Gesalbten auf einer viel großartigeren Stufe eingenommen werden.

Doch was für eine Herrschaft hatte und übte David aus? Wir antworten: Es war Jehovas Herrschaft. David saß "auf dem Throne Jehovas" (1. Chron. 29:23), und dies ist eben die Herrschaft, deren Träger Christus in seinem Millenniums-Königreich sein wird. Und wenn man es recht betrachtet, so ist klar, dass David und sein Thron oder göttliche Autorität, die in dem vorbildlichen Israel aufgerichtet war, bloß vorbildliche Vorausdarstellungen Christi und seines Königreiches waren; und Davids Haupt - Ehre wird die sein, wenn er würdig erachtet wird, einer der "Fürsten" zu sein, denen Immanuel die irdische Phase, oder Stufe, seines Königreiches anvertraut. - Psalm 45:16

Selbst der Name, David, sowie auch sein Königreich, war vorbildlich. Der Name David bedeutet Geliebter; und Gottes geliebter Sohn ist es, der an jenem Tage König sein soll über die ganze Erde, und nicht der vorbildliche, geliebte David von damals. Man tut auch wohl, genau zwischen dem Neuen Jerusalem, dem himmlischen oder geistigen, dessen zwölf Grundsteine die zwölf Apostel sind, und dem alten Jerusalem, das auf den alten Trümmern wieder erbaut werden soll, zu unterscheiden. Unter der verheißenen Wiederherstellung des alten Jerusalems ist nicht bloß der Wiederaufbau der Gebäude, usw., zu verstehen, sondern besonders die Wiedereinrichtung des Reiches Israel, denn in der Prophetie ist eine Stadt stets das Symbol oder die Darstellung einer Regierung. Folglich bedeutet die verheißene Wiedererbauung Jerusalems auf ihrem alten Grunde eine nationale Reorganisation Israels, auf einer ähnlichen Grundlage als sie früher hatte, als ein Volk, über welches Jehovas Gesalbter die Herrschaft ausübt. Das Neue Jerusalem repräsentiert die christliche Kirche in der Herrlichkeit und in der Macht des Königreiches, geistig und den Menschen unsichtbar, und doch allmächtig. Ihr Herabkommen zur Erde (Offb. 21:2) markiert die Erfüllung der Bitte im Gebet des Herrn, die da lautet: "Dein Königreich komme", und sein "Kommen" wird allmählich und nicht plötzlich vor sich gehen. Es ist schon im "Herabkommen", im Kommen zur Herrschaft, begriffen, und als eine Wirkung hiervon sehen wir die vorbereitenden Schritte, die zur Wiederherstellung des alten Jerusalems führen; und schließlich wird geschehen, was unser Herr uns beten lehrte: Gottes Wille wird geschehen, auf Erden wie im Himmel. Das Neue Jerusalem und die Neuen Himmel sind gleichbedeutende Ausdrücke und bezeichnen die neue geistige Herrschaft.

Schon untersuchte Weissagungen weisen uns auf das Jahr 1878 als das Datum, an welchem Israels "doppelte" Wartezeit auf das Königreich erfüllt war, und von welchem Zeitpunkt an ihre Rückkehr zur Gnade und das Abwenden ihrer Blindheit datieren sollten: Die Zeit, da man sagen soll: "Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihr zu, dass ihre (Zeit der) Mühsal, (die ihr bestimmte Zeit des Wartens - ihr "Doppeltes") vollendet, dass ihre Missetat abgetragen (vergeben) ist, dass sie von der Hand Jehovas (ihr) Zwiefältiges empfangen hat für all ihre Sünden." (Jes. 40:1,2)

Von dem Datum an sehen wir daher, wie zu erwarten ist, bestimmte Anzeichen, dass zu jenem Volke Gnade zurückkehrt - eine Bewegung in der Richtung ihrer tatsächlichen Wiedereinpflanzung in ihr eigenes Land und ihres Wiederaufbaues als ein großes Volk den vielfältigen Verheißungen Gottes in dieser Hinsicht gemäß, denn "So spricht Jehova, der Gott Israels: Wie diese guten Feigen, also werde ich die Weggeführten von Juda, die ich aus diesem Orte in das Land der Chaldäer (nach Babylon - mystischen Babylon - Christen - Reich, wie Vers 9 zeigt, denn seit ihrem Untergang sind sie unter allen Völkern der sogenannten Christenheit zerstreut gewesen) weggeschickt habe, ansehen zum Guten" - zu ihrer Züchtigung und Strafe, hinter der Gutes verborgen war. "Und ich werde meine Augen auf sie richten zum Guten und sie in dieses Land zurückbringen; und ich werde sie bauen und nicht abbrechen, und sie pflanzen und nicht ausreißen. (Dies konnte sich nicht auf ihre Rückkehr aus der Gefangenschaft im buchstäblichen Babylon beziehen, da sie seit jener Rückkehr wiederum niedergerissen und ausgerissen wurden). Und ich will ihnen ein Herz geben, mich zu erkennen, dass ich Jehova bin; und sie werden mir zum Volk, und ich werde ihnen zum Gott sein, denn sie werden mit ihrem ganzen Herzen zu mir umkehren." - Jer. 24:5-7

So spricht Jehova: Siehe, ich will wenden die Gefangenschaft der Zelte Jakobs, und seiner Wohnung will ich mich erbarmen. Und die Stadt (Jerusalem) wird auf ihrem Hügel wieder erbaut, und der Palast nach seiner Weise bewohnt werden." "Und seine (Jakobs) Söhne werden sein wie ehedem, und seine Gemeinde wird vor mir feststehen; und ich werde all seine Unterdrücker heimsuchen. Und sein Herrlicher wird aus ihm sein und sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen." "Siehe, ich bringe sie aus dem Land des Nordens (aus Russland, wo nahezu zwei Drittel aller jetzt lebenden Juden wohnen) und sammele sie vom äußersten Ende der Erde, ... in großer Versammlung kehren sie hierher zurück. Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen leite ich sie ... Höret das Wort Jehovas, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sprechet: Der Israel zerstreut hat, wird es sammeln und wird es hüten, wie ein Hirte seine Herde. Denn Jehova hat Jakob losgekauft und hat ihn erlöst aus der Hand dessen, der stärker war als er. Und sie werden kommen und jubeln auf der Höhe Zions und herbeiströmen zu den Gütern Jehovas: zum Korn und zum Most und zu Öl und zu den jungen Schafen und Rindern; und ihre Seele wird sein wie ein bewässerter Garten, und sie werden hinfort nicht mehr verschmachten." - Jer. 30:18, 20, 21; 31:8-12

Nicht nur wird der große, einst von ihnen verworfene Erlöser die lebenden Geschlechter dieses Volkes auf solche Weise wiederherstellen, sondern gleichfalls die toten, denn "So spricht der Herr Jehova: Siehe, ich werde eure Gräber öffnen, und euch aus euren Gräbern heraufkommen lassen, mein Volk, und werde euch ins Land Israel bringen. Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch aus euren Gräbern heraufkommen lasse, mein Volk. Und ich werde meinen Geist in euch geben, dass ihr lebet, und werde euch in euer Land setzen. Und ihr werdet wissen, dass ich, Jehova, geredet und es getan habe, spricht Jehova." - Hesek. 37:12-14

Diese wunderbaren Verheißungen werden nicht in einem Tage von 24 Stunden erfüllt werden, sondern während des tausendjährigen Tages. Ihre Erfüllung hatte im Jahre 1878 einen bestimmten Anfang, als Resultat des Berliner National Kongresses. Sie genießen jetzt größere Rechte im Lande ihrer Väter, als ihnen Jahrhunderte lang zugestanden wurden. Sie sind nicht länger mehr bloß "Hunde" den unverschämten Türken gegenüber.

Es ist wohl nicht allgemeiner bekannt, dass England schon ein Protektorat über Palästina angenommen hat, ja über alle asiatischen Provinzen der Türkei, zu denen es gehört. Seit lange schon hat England die Notwendigkeit gefühlt, aus drei Gründen die Türkei in Schutz zu nehmen: Erstens sind die reichen Klassen Englands in bedeutendem Maße Eigentümer türkischer Wertpapiere; zweitens, wenn die Türkei an eins der benachbarten Völker fallen oder unter ihnen geteilt würde, so würde England wenig oder nichts von dem Raub bekommen, und die anderen rivalisierenden Nationen würden so in der Kontrolle der europäischen Angelegenheiten mehr in den Vordergrund treten und zur Macht kommen als England; drittens, und hauptsächlich, sieht England ein, dass nach Beseitigung des türkischen Reiches der russische Einfluss im südlichen Asien bedeutend vergrößert werden und in nicht zu langer Zeit das indische Kaiserreich an sich ziehen würde. Die Kaiserin von Indien aber ist ja die Königin von England, und von Indien zieht England reiche Handelseinkünfte, usw. Daher finden wir, dass die königliche oder Tory Partei in England mit aller Macht die Türkei unterstützt; und als Russland im Jahre im Jahre 1878 drauf und dran war, Konstantinopel zu betreten, legte sich England ins Mittel und sandte eine Flotte Kanonenboote in den Hafen. Das Resultat war die Berliner Konferenz vom 13. Juni 1878, in welcher ein Hebräer, Lord Beaconsfield, der Premierminister Englands, die Hauptfigur spielte. Die Angelegenheiten der Türkei wurden dann so geordnet, dass ihre nationale Existenz wenigsten für die Gegenwart bewahrt wurde und doch ihre Provinzen so arrangiert wurden, dass im Falle eines schließlichen Auseinanderfallens die großen Mächte wüssten, welchen Teil eine jede von ihnen sich aneignen dürfte. Damals war es, dass allen Provinzen der Türkei größere religiöse Freiheit gewährt wurde, und England durch einen geheimen Vertrag mit der Türkei der Beschützer der asiatischen Provinzen wurde. Nach der Darstellung der Sache von seiten des Historikers Justin Mc Carthy "unternahm die englische Regierung, der Türkei ihre asiatischen Besitzungen gegen alle Invasionen zu garantieren, .. verpflichtete sich, die Türkei gegen jede Invasion und jeden Angriff zu verteidigen und zu sichern, und besetzte die Insel Zypern, um ein wirksames Übergewicht zu haben, mit Hilfe dessen sie dieses Projekt ausführen könne."

So sieht man, dass Palästina, als eine dieser asiatischen Provinzen, somit schon unter Englands Obhut ist, und daher schreibt sich die größere Laxheit von Seiten der türkischen Regierung bei der Erzwingung ihrer den jüdischen Interessen ungünstigen Gesetze. Und dieser Eröffnung Palästinas durch die Vorsehung für die Juden folgten erneuerte Verfolgungen im "Lande des Nordens" - in Russland und Rumänien - dahin abzielend, sie zu einer Einwanderung aus diesen Ländern in ihr eigenes Land zu bewegen. Infolge dieser Vereinigung von Umständen ist die Einwohnerzahl der Juden des "orthodoxen" Typus in Palästina und besonders in Jerusalem in rascher Zunahme begriffen. Bereits überragen die Juden in Jerusalem an Zahl alle anderen Nationalitäten zusammengenommen, während sie Jahrhunderte lang nur eine kleine Minderheit gewesen waren.

Der "New York Herald", der vor einiger Zeit über die Aneignung der Insel Kreta von Seiten Englands und über seine Besetzung Ägyptens und die Lage der Türkei und all ihrer Provinzen einen Leitartikel brachte, sagte:

"Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, und Geschichte selbst wird mit größerer Geschwindigkeit fabriziert. Kriege dauerten früher mehrere Jahrzehnte; die Zivilisation rückte langsamer vorwärts, der Verkehr zwischen den Nationen und folglich der gegenseitige Nutzen schritt verhältnismäßg gemächlicher voran. Was jetzt in einem Lande erfunden wird, ist sofort tausende von Meilen weit bekannt, und die ganze Welt kann zu gleicher Zeit durch die Erfindung profitieren. Besonders in der Politik ist der Geist der Hast auffällig. Früher erforderten die Pläne der Staatsmänner Generationen zu ihrer Hinausführung; jetzt werden die kühnsten Pläne von den Pläneschmiedern selbst ausgeführt, und die Karte eines Kontinents wird in einer Woche verändert. Wie rasch die Ereignisse marschieren und die Geschichte geschaffen wird, tritt mit besonderer Klarheit in der magnetischen Frage des Ostens zu Tage ... Inmitten dieses Schauplatzes widerstreitender Interessen liegt Palästina - dem Juden, dem Christen, dem Mohammedaner teuer. Der Staatsmann sagt, es ist der Schlüssel zur Lage; und auf den Vorteil seiner Landsleute blickend, erklärt er: In Anbetracht seiner wunderbaren Fruchtbarkeit, die von Alters Millionen unterhielt, in Anbetracht seiner Handelsmöglichkeiten, die in früheren Tagen seine Seehäfen zu Schauplätzen der Tätigkeit und des Wohlstandes machten, so dass Tyrus und Sidon bis zum heutigen Tage spricht, wörtlich sind, in Anbetracht seiner Lage am Vereinigungspunkt von Europa und Asien, und daher der Lage nach am herrlichsten, ist der Besitz Palästina meinem patriotischen Herzen am allerbegehrenswertesten. Der Historiker sagt: Die erste internationale Episode, die uns überliefert ist, war die Invasion Palästinas. Von jenem Tage an bis heute ist es ein Interessen - Zentrum gewesen; und so ist er an seinem Teile für die Zukunft Palästina interessiert. Der Religiöse kann nicht Worte genug finden, sein Interesse auszudrücken, das er von seinem Standpunkt aus dem nimmt, was er das heilige Land nennt. Für ihn ist jeder Stein ein Epos, jeder Baum eine Poesie. Der schlaue Kaufmann notiert sich's nieder, dass, wenn das asiatische Eisenbahnsystem erbaut ist, und erbaut wird es werden, sobald eine stabile (sichere) Regierung hergestellt ist, die geographische Lage Palästina aus ihm den Staat machen wird, in dem die großen Eisenbahnlinien zusammenlaufen, um die Produkte Asien nach europäischen und amerikanischen Märkten und umgekehrt zu tragen, denn, wie in den Tagen Salomos der Handel dreier Kontinente in seinen Grenzen zusammentraf, so wird der zukünftige Handel derselben Kontinente aufs neue in jenem begünstigten Punkt zusammenfließen. Noch wird er seine Hoffnung im geringsten sinken lassen, weil ihre Verwirklichung so fern erscheint. Das rasante Wachstum eines Chicago oder San Franzisko, die schnelle Umwandlung von Wüsten in volkreiche Staaten vor seinen Augen, bemerkt er einfach: "Ereignisse folgen heutzutage rasch aufeinander" und wartet.

"Jedoch, während die großen christlichen Mächte mit bewaffneter Hand bereit stehen, den begehrten und versucherischen Bissen zu erfassen, sobald der kranke Türke seinen Griff fahren lässt, da tritt eine historische Figur auf den Plan und erklärt: "Das Land gehört mir!" Und da die Mächte sich nach dem Sprecher umschauen, gewahren sie den Juden - das Kind des Patriarchen, der in Palästina wohnte, als es den ersten Einfall erlebt, und der gar gern selbst gegenwärtig sein möchte, um es als sein Eigentum zurück zu empfangen, da 36 Jahrhunderte später aufs neue um sein Besitztum gestritten wird!

Welch wunderbares Zusammentreffen! "Nicht doch", sagte der Jude; es ist kein Zufall; es ist meine Bestimmung." Lasst uns nun kurz auf die Stellung des Juden zu dieser Frage betreffs der Zukunft Palästinas einen Blick werfen. Nationen werden aus Ideen geboren. Aus der Idee der deutschen Einigkeit erwuchs das deutsche Kaiserreich zur tatsächlichen Wirklichkeit. Von Versailles aus wurde es der Welt verkündet, während französische Kanonen ihr Amen riefen als Antwort auf die deutschen Gebete um sein Gedeihen. Aus dem Ruf: "Italia irridenta" wurde das neue Italien von heute geboren, dessen Donner aufs neue die Ufer des Mittelländischen Meeres aufwecken wird. Aus der Tradition des alten Griechenlandes wurde das moderne Griechenland geschaffen. So ist es für Christen wohl begreiflich, wie die lang gehegte Sehnsucht des Juden doch noch verwirklicht werden mag. Und da sie völlig zugeben, dass dem Juden vor allen anderen Palästina gehört, dass er vor allen anderen besonders dazu geeignet ist, die Zukunft jenes schwangergehenden Landes zu entwickeln, dass sein Besitz desselben die Befürchtungen der eifersüchtigen Mächte stillen würde, so würde die Wiederherstellung des Juden in demselben nur eine Handlung der Gerechtigkeit sein und eine würdige Sühne für das an ihm - dem Märtyrer der Geschichte - verübte furchtbare Unrecht.

Was die Juden selbst betrifft, wie sehr sie sich nach einer Wiederherstellung sehnen, ist kaum zu sagen nötig. Am 9. ihres Monates ab, fasten sie wegen der Zerstörung ihres Tempels und ihres mit diesem Ereignis verknüpften, nationalen Elendes. Kein Morgen oder Abend vergeht, an dem sie nicht beten: "Sammle uns von den vier Ecken der Erde." "Stelle unser Volk wieder her wie vor Alters": "Wohne Du inmitten Jerusalems!" Und diese Worte werden in jeder Stadt ausgesprochen, da es Juden gibt - und das heißt, in der ganzen Welt. Solche Beständigkeit übersteigt fast alle Grenzen, und bis zum heutigen Tag streut der spanische Jude in allen Ländern (selbst in diesem fernen Land) etwas Staub von Palästina oder "tierra santa", wie sie es nennen, auf die Augen ihrer Toten - ein poetischer und gefühlvoller Ausdruck ihrer Liebe für den heiligen Grund.

"Wenn die Eisenbahn Jerusalem erreicht, dann kommt der Messias", weist hin auf Jes. 66:20, wo der Prophet in seiner Vision die Exkulanten auf allen nur möglichen Gefährden zurückkehren sieht, unter welchen sich eines befindet, das er "Kirkaroth" nennt. Die englische Übersetzung hat, schnell eilende Tiere, was natürlich zu unbestimmt ist, oder Dromedare, was gewiss unrichtig ist. (Luther übersetzt das Wort mit "Läufern") Philologen fehlen nicht, die das Wort von kar, "ein Ofen", und von karkar, "schwingen" herleiten - und behaupten, der Prophet suche hier ein Wort zu prägen für das, was ihm in seiner Vision gezeigt wurde, ein Zug in rascher Bewegung. "Wenn Nicholas herrscht, kommt Erlösung" bezieht sich auf Jesaja 63:4, woraus Hebraisten, was sie mit "RasheTeboth" bezeichnen, den Satz entnehmen: "Ganz Juda soll hören und den Fall des Nicholaus, Kaisers von Moskau gewahren, wegen seiner Unterdrückung der Kinder Judas; und nachdem unser Fall geschehen, wird unsere wirkliche Erlösung eintreten, und nahe wird die frohe Botschaft des Tisbiters (des Propheten Elias) für die Kinder Judas sein". Dies und dergleichen ist insofern bedeutsam, als es die jüdischen Gedanken zeigt."

Mit Macht erinnert uns dies daran, wie nahe oft Weltmänner, ohne es zu ahnen, an die Wahrheit kommen. Ja, wahrlich, es ist wahr, dass der Patriarch Abraham "gar gern selbst da sein möchte, das Land der Verheißung als sein und seiner Nachkommenschaft Eigentum 36 Jahrhunderte nach seinem Tode zurückzuempfangen. Dies, das manche als einen poetischen Erguss betrachten möchten, soll nach der Schrift eine wirkliche Tatsache werden. Denn, wie wir schon gesehen haben (Band 1, Kapitel 14), Abraham, Isaak und Jakob, samt Daniel und allen heiligen Propheten, sollen "vollkommen gemacht werden", nachdem die christliche Herauswahl verherrlicht worden ist (Hebr. 11:40), und die "Fürsten auf der ganzen Erde" (Psalm 45:16), die irdischen und sichtbaren Repräsentanten des Christus, des geistigen, unsichtbaren Herrschers, bilden. Abraham sowie seinem Samen wurde das Land der Verheißung zu einer ewigen Besitzung gegeben; und er muss es in der Zukunft empfangen, denn soweit hat er noch nicht einen Fußbreit davon besessen. - Apg. 7:5

Folgender, in einem Chicagoer Blatt veröffentlichter Brief bezeugt in bemerkenswerter Weise den allmählichen Prozess der Wiederherstellung in Palästina und die Vorbereitungen für die von Gott verheißenen, zukünftigen Segnungen über dasselbe und über sein Volk.

Jerusalem, den 23. November 1887

"Ich bin sehr froh, euch von den herrlichen Dingen erzählen zu können, deren wir während der sechs Jahre unseres Hierseins Zeuge waren. Als wir vor sechs Jahren hier ankamen, waren unserer 14 Erwachsene und 5 Kinder. Als wir von Jaffa herauf fuhren, machte die Verödung des Landes einen traurigen Eindruck auf uns. Nirgends um uns her war ein grüner Halm zu sehen. Die Olivenbäume und Weinstöcke waren so sehr von dem grauen Staub eines heißen, trockenen Sommers bedeckt, dass man nicht denken konnte, darunter könne irgend welches Grün verborgen sein, und die ganze Erde schien bis auf ihren Grund ausgetrocknet zu sein. Doch wir haben es seitdem nie wieder so gesehen. Jedes Jahr sieht es grüner aus, und viele jener kahlen Hügel sind jetzt mit Weinbergen und Olivengärten bedeckt, die den Anblick der ganzen Umgegend verändert haben.

Du wirst fragen: Was ist die Ursache von all dem Wechsel? Gott hat verheißen, dass er, wie er all dies Übel über dieses Land gebracht hat, so wolle er auch große Segnungen über dasselbe bringen, und diese haben augenscheinlich mit der Sendung von mehr Regen als während vieler früherer Jahrhunderte begonnen. Er schickt schöne Regenschauer und schwere Taue, woselbst es sonst keine gab, und er schickt Wolken im Sommer, von denen man selbst vor 20 Jahren nichts wusste. Dies mildert die Hitze, so dass der Boden nicht so austrocknet. Vor fünf Jahren sandte er im Juli und August (Monate, in denen es sonst nie zu regnen pflegte) 3 Stunden Regen in Jaffa und 16 Stunden in Damaskus und viel überall umher, so dass die amerikanischen Blätter darüber bemerkten, es sei ein Beweis, dass sich das Klima in Palästina verändere. Auch, als wir herkamen, da kamen nur sehr wenig Juden in dies Land zurück; doch die Verfolgungen in Russland und Deutschland und in anderen Ländern fingen an, sie auszutreiben, und trotz der Edikte des Sultans fingen sie an, in dies Land zurückzukehren, kauften Land, pflanzten und bauten und nahmen Besitz vom Handel der Stadt, und so sind heute viele Tausende mehr hier, als da wir herkamen.

Jerusalem ist in Wirklichkeit jetzt in den Händen der Juden, soweit es den Handel betrifft; und der Jude ist nicht länger mehr unter der Ferse des Mohammedaners, wie er einst war. Sie bauen auch in großer Geschwindigkeit eine neue Stadt auf, genau auf der Linie, die in Jer. 31:38-40 und 32:43-44 beschrieben ist, so dass selbst die Türken, welche die Macht in der Hand haben, es bemerken und einer zu andern sagen: "Es ist Gott, was können wir tun?" Und was können wir zu all dem sagen, als dass Gott in unseren Tagen eilig sein Wort und den Bund erfüllt, den er mit Abraham geschlossen? Und wir sind Zeugen von all diesem."

Trotz der Unterdrückung und der Tyrannei, die sie bis hinunter in den Staub zermalmt haben, finden wir in letzter Zeit, dass viele von ihnen sich weit über ihre heidnischen Nachbarn zu Reichtum und Auszeichnung erheben. Und mit solchen Mitteln und solcher Auszeichnung entsteht in ihnen oft der wohlwollende Ehrgeiz, es zur Aufrichtung der jüdischen Rasse zu verwenden, und in dieser Richtung wird durch weise und gut geleitete Bemühungen gar manches geleistet. Die Aufmerksamkeit gebildeter Leute, sowohl unter Juden wie Nichtjuden, wird auf diese Wendung der Dinge in den jüdischen Angelegenheiten hingelenkt.

Daraus, wie tonangebende jüdische Tagesblätter sich auslassen, und aus den verschiedenen, jetzt für die Kolonisation Palästinas und für die Unterstützung und Förderung der dort schon Angesiedelten, im Fortschritt begriffenen Bewegungen, ist offenbar, dass jetzt Tausende verlangenden Auges sich nach dem Land der Verheißung wenden. Und dieser Umschwung in den jüdischen Angelegenheiten datiert vom Jahre 1878, und das Zuspitzen der Ereignisse seitdem hat betreffs dieser Sache, die in sich selbst ein bedeutsames Zeichen der Zeit ist, ein bemerkenswertes Aufwachen bewirkt und bewirkt es noch. Von der Jewish World (vom 2. August 1886) führen wir folgendes Beispiel an:

"Es sind Risse in den Wolken, die bisher solch einen trüben Schatten über das heilige Land geworfen haben. Die Zukunft dieses unglücklichen, so lange in undurchdringliches Dunkel gehüllten Landes fängt an, sich matt zu erhellen, und der Schimmer eines glücklicheren Zustandes der Dinge ist nach unserer Vermutung innerhalb erreichbarer Ferne ... Zwei Institutionen sind bestimmt, einen hervorragenden Anteil an der Verbesserung der Lage der Juden Palästinas zu nehmen. - Die Landwirtschaftliche Schule zu Jaffa und die Lionel de Rothschild Institution in der Nähe Jerusalems. Wir möchten auch noch eine dritte hinzufügen in der Gestalt des Montfioore Testimonial Fonds, welcher vermöge seiner Beförderung von Baugesellschaften und seiner Errichtung von billigen Häusern viel zur Beförderung von Sparsamkeit und zur Verminderung des Elends und der Mühseligkeiten des häuslichen Lebens in der Heiligen Stadt beigetragen hat. ... Was uns jetzt besonders anliegt, anzumerken, ist, dass die Aussichten der Juden in Palästina nicht länger mehr trübselig sind. Es sind auf der einen Seite Kräfte zur Verbesserung der Lage unserer Brüder am Werke, die weise ersonnen und geistreich organisiert sind, und die jetzt emsig angewandt werden. Auf der andern Seite fängt das Volk an, seines Elends und seiner Untätigkeit müde zu werden, und zeigt eine wachsende Neigung, sich die zu seiner Wiederherstellung gemachten Anstrengungen zu nutze zu machen. Dies ist eine Lage der Dinge, die voll Glück verheißender Folgen ist, und kein Jude wird verfehlen, es mit Freude zu betrachten."

In einer folgenden Nummer desselben Blattes schließt ein Leitartikel über "Die Zukunft Palästinas" mit folgenden Worten:

"Mit dem neuerlichen Einfluss eines ackerbauenden Elementes in den durch Montefiore, Hirsch und Rotschild - Kapitalien gepflanzten Kolonien sollten sich willige Hände finden, an der Umwandlung der Landschaft zu wirken, da die Wüste blühen soll wie die Rose; willige Hände und willige Herzen, die das Heilige Land von seiner langen Todesnacht zurückfordern und die nationale Heimat der Juden zu Leben und Licht zurückbringen."

Eine andere Zeitschrift "The Jewish Messenger" von New York sagt:

"Während die Menschen über ihre kleinlichen Sorgen Gedanken vertieft, bald von Hoffnung, bald von Furcht bewegt werden, schreitet der großartige und stattliche Gang der menschlichen Ereignisse voran und unwiderstehlich der Vollendung zu und erfüllt das Unaufhaltsame Gesetz, das alles menschliche Handeln regiert. Hier und dort erheben Leute ihre schwachen Stimmen, als ob sie diese Flut des Fortschrittes hemmen und das "Es werde" des Ewigen zum Stillstand bringen könnten. Gerade so gut könnten sie versuchen, das Gesetz, welches das Universum regiert, aufzuhalten. Rassen haben einen ebenso festgesetzten Lauf zu laufen, wie die Sterne, die in dem blauen Gewölbe über uns blinken, und die Rasse Israels ist der glänzende Fixstern unter ihnen. In allem ihrem Umherirren ist sie ihrem Laufe treu geblieben. Ihre Mission wurde vorausgesehen und vorausgesagt, und ihre schließliche Wiederherstellung in das Heilige Land ist prophezeit. Dass diese Prophezeiung in der Erfüllung begriffen ist, deuten die Zeichen der Zeit an. Sie wird so ruhig und so allmählich erfüllt, dass nur diejenigen die Bedeutung des vor sich gehenden Werkes fassen, welche der Sache ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Palästina ist für die jüdische Rasse eine Notwendigkeit. Die nochmalige Gründung einer Nation im Heiligen Land heißt die Erhöhung ganz Israels. Es stellt sie als Nation unter die Nationen der Erde. Es gibt dem Juden die politische Macht und das Herrscher - Recht, die Schutz bedeuten. Es macht aus ihm einen Bürger seines Landes und gibt ihm einen Pass unter den Nationen der Erde... Dies mag dem Manne in der Wechselbank, der in seinen Büchern aufgeht, dem Manne in seinem Geschäft, der im Zusammenrechnen seines Solls und Habens vertieft ist, dem Manne, der im Glück geselliger Freude versunken ist, unausführbar erscheinen, doch dem, der aus dem politischen Horoskop ein Studium macht, ist es so klar wie die Mittagssonne.

Ist die politische Selbstständigkeit erreicht, so werden die durch die ganze Welt zerstreuten Juden nicht etwa in einem Körper nach Palästina strömen. Es gibt etwa 300.000 Juden in Asien, 400.000 in Afrika, und 5.000.000 leben in Europa. Von diesen wird Palästina ihr Wiederherstellungsleben ziehen. Der in Amerika geborene Jude wird ohne Zweifel ein Amerikaner bleiben, und wenn er je das Heilige Land besuchen würde, so würde das zum Vergnügen oder auf der Reise sein, und um ein Land zu sehen, berühmt als der Haupt - Geburtsplatz seiner heroischen Rasse.

Man möchte sagen, dass, geographisch gerechnet, Palästina zu klein sei, um als eine politische, intellektuelle oder moralische Macht unter den Völkern der Erde viel Einfluss auszuüben. Wir antworten, dass in alter Zeit Griechenland eine Macht war, und dass in neuerer Zeit die kleine britische Insel eine Macht ist. Geographisch gesehen, was sind sie? Es ist Intelligenz, moralische Kraft und Nationalstolz, was Nationen groß macht, und nicht die Ausdehnung des Gebiets. Intelligenz und moralische Kraft wird Israel unter den Nationen berühmt machen."

Die Zeitschrift "Jewish Chronicle" sagt:

"Die Bewegung ist unwiderstehlich. Wir können uns nicht erlauben, mit gefalteten Händen beiseite zu stehen, wenn dieser Exodus (Auszug) vor sich geht. Wir Juden haben nahezu 2.000 Jahre lang geglaubt, dass das Ende der Zeiten des Leidens, durch welche wir hindurch gingen, nur erreicht werden wird, wenn wir das Land unserer Väter wieder besitzen. Soll dieses Vertrauen gerade in dem Augenblick aussterben, wenn es eben in Erfüllung zu gehen scheint? Oder, sollen wir erwarten, dass die Rückkehr durch mysteriöse Mittel zuwege gebracht werden wird, dass sie weit über die Mitwirkung menschlicher Wesen hinausgeht? Gott wirkt seinen Willen durch den Willen der Menschen, und wenn Prophezeiungen erfüllt werden sollen, so wird es durch menschliche Willlenskraft geschehen. Man wird vielleicht meinen, dies seien hohe Dinge, um mit einem praktischen Plan, einige jüdische Kolonien in Palästina zu gründen, in Verbindung gezogen zu werden. Jedoch aus kleinen Anfängen wie diese entstehen oft große Ereignisse; und die Rückkehr einer kleineren Schar von Juden ins heilige Land kann nicht verfehlen, die Möglichkeit und Ausführbarkeit einer größeren Rückkehr nahe zu legen, auf welche die ganze jüdische Geschichte und alle jüdischen Hoffnungen bisher hingewiesen haben."

Auch andere hervorragende Männer der Welt, außer Juden, sehen und besprechen das Emporkommen Israels. Beachte zum Beispiel das Folgende aus dem Central Presbyterian:

"Statt auszusterben, zeigt der jüdische Körper zunehmende Lebenskraft. Sie können nicht ausgestampft noch verschlungen werden. Sie ziehen von Land zu Land und werden tatsächlicherweise Meister, wohin sie auch gehen. Sie erlangen das Land in Deutschland und Ungarn, und werden reich in Russland; sie sind die großen Bankiers in London und Paris und die Mittelpunkte des europäischen Handels. In zehn jüngst verflossenen Jahren schafften die Rotschilde US$ 500.000.000 in Anleihen an England, Australien, Preußen, Frankreich, Russland und Brasilien herbei."

Lord Shaftesbury von England sagte kürzlich:

"Eine große Eifersucht ist vorhanden gegen das wunderbare Volk, das jetzt in den Vordergrund tritt. Und was für ein Zeichen der Zeit ist es, dass, wo immer auch die Juden sind, da sind sie entweder das hervorragendste Volk, um verfolgt zu werden, oder des hervorragendste Volk um in allen verschiedenen Geschäftszweigen die Leitung zu übernehmen! Ein hochstehender Einwohner Berlins wurde gefragt: "Woher kommt dieses starke antijüdische Gefühl, das ihr in Berlin und durch ganz Deutschland empfindet?" Er antwortete: "Ich will es ihnen sagen: Diese Juden, wenn sie in den Handel eintreten, werden sie die ersten Kaufleute; wenn sie in das Bankgeschäft gehen, werden sie die ersten Bankiers; wenn sie Juristen werden, werden sie die ersten Juristen; oder wenn sie zur Literatur greifen, überbieten sie uns alle. Welche Laufbahn auch immer sie einschlagen, sie treiben uns Nichtjuden aus, und ich sage Ihnen, mein Herr, wir wollen es uns nicht gefallen lassen."

"Die Verfolgung der Juden in Russland und Polen gründet sich nicht auf Religion oder Nationalität. Das hat nichts damit zu tun. Die Russen würden irgend ein Volk verfolgen, das in derselben Lage wie die Juden wären. Bedenke dies, dass die Juden einen sehr beträchtlichen Teil des Landeigentums in Pfand halten; dass ihnen ein sehr großer Teil der Bauernschaft verschuldet ist, und viele Kaufleute in verschiedenen Teilen des Kaiserreiches. Jede einzelne Gelegenheit, die sich jetzt dem russischen Volke zum Plündern und Berauben der Juden darbietet, wird fast ganz gewiss ergriffen werden. In der Vernichtung der Juden und ihrer Papiere werden die Russen von Dokumenten befreit, durch welche sie gebunden sind, und die als Beweise gegen sie vorgebracht werden könnten; und so lange als ihr Eigentum angegriffen werden kann, so lange als ihr Eigentum angegriffen werden kann, so lange wird man finden, dass das russische Volk sich gegen die Juden erhebt."

Das Folgende ist ein Auszug aus einem Brief in einem englischen Blatt von Mr. Charles Reade, einem in literarischen Kreisen wohlbekannten Novellisten, dessen Bekehrung zu Christo und der Bibel vor etlichen Jahren stattfand:

"Das jüdische Volk, obwohl unter einer Wolke, wird schließlich sein altes Gebiet, das so augenscheinlich für sie aufgespart ist, an sich nehmen. Die Prophezeiungen sind so klar wie der Tag in Bezug auf zwei Punkte: Dass die Juden Palästina wieder besitzen werden, und in der Tat vom Libanon bis zum Euphrat herrschen werden; und das dieses Ereignis das erste einer großen Reihe von Veränderungen sein soll, die zu einer ungemeinen Verbesserung in dem Zustande der armen, leidenden Menschheit und der Schöpfung im allgemeinen führen wird. Nun, wir haben hier ein herrliches Ereignis in Aussicht, so gewiss als die Sonne morgen aufgehen wird. Der einzige Unterschied ist nur, dass die Sonne zu einer bestimmten Stunde aufgeht, die Juden aber an einem unbestimmten Tage Syrien besitzen und ihre nationale Herrlichkeit antreten werden. Es ist ohne Zweifel eine Schwachheit der Menschen, anzunehmen, dass ein ungewisses Datum ein sehr fernes sein muss. Aber das ist unbegründet. Sicherlich, es ist die Aufgabe kluger und nüchterner Menschen, vorher bedeutender Zeichen zu beachten und ihre geringe Mithilfe darzubieten, sollte solch großes Vorrecht uns gewährt werden.

Diese plötzliche Verfolgung der Juden gerade in dem Volk, in dem sie am zahlreichsten sind - mag es nicht ein vorher bedeutendes Zeichen und eine Mahnung von der Vorsehung sein, dass ihre bleibende Stadt nicht die europäische Tartarei ist Palästina kann nur von Russland aus wirksam kolonisiert werden, wo es an 3 Millionen Juden gibt, die für ihr Leben und Eigentum zittern; und die Übrigen würden folgen. Die Geschichte ist ein Spiegel hinter unserem Rücken. Was die Juden einmal getan haben können Juden wieder tun. Sie sind ein Volk von Genie; und Genie ist nicht durch die Natur beschränkt, sondern durch den Willen, durch Gewohnheit oder durch Zufall. Was hat dies Volk versucht und ist ihm fehlgeschlagen? Krieger, Schriftsteller, Baumeister, Kaufleute, Juristen, Landwirte; und in allem erhaben! Hierin wiederholt sich die Geschichte.

Sie werden groß sein in den Künsten des Friedens und des Krieges, und ihre Feinde werden vor ihnen dahin schmelzen, wie der Schnee von einem Deich. Sollten sie am Anfang von einem anderen Volk Beistand bedürfen, wohl dem Volke, das denselben leistet; und an dem Volke, welches sie verfolgt, wird auf irgend eine Weise ein Exempel statuiert werden. Wenn daher neuere Gewalttätigkeiten die jüdischen Führer irgendwie bestimmen würden, Palästina von Russland aus zu kolonisieren, lasst uns reichlich Schiffe, Seeleute, Geld darbieten - um was wir immer gebeten werden. Eine bessere nationale Anlage wird dies sein als ägyptische, brasilianische und peruanische Schuldscheine."

Ein jüdisches Sprichwort in neuerer Zeit sagt:

"Wenn die Eisenbahn Jerusalem erreicht, dann kommt der Messias", und dies stimmt mit der symbolischen Darstellung der Eisenbahn durch die Propheten Nahum 2:3-5 und Jesaja 66:20. Und wirklich, das Sprichwort hat das Ziel nicht weit verfehlt, denn die Eisenbahn wird "in dem Tage seiner Vorbereitung" - in der Gegenwart des Messias - Jerusalem erreichen. Das Folgende, aus einer Zeitung entnommen, ist in Bezug hierauf von bedeutendem Interesse:

"Galileo hatte Recht; die Welt bewegt sich. Eine Eisenbahn wird gebaut von Jerusalem bis Jaffa am Mittelländischen Meer, 31 Meilen weit, der alte Hafen der jüdischen Hauptstadt und der Landungsplatz der Zedern, mit welchen der Tempel erbaut wurde. Ein Jude von Jerusalem, Joseph Nabon mit Namen, der ein ottomanischer Untertan ist, hat zu diesem Zweck vom Sultan einen Freibrief erhalten. Der Freibrief gilt 71 Jahre lang. Der Kostenanschlag ist US$ 250.000. So soll also von nun an Zivilisation in Palästina aufschlagen. Das 19. Jahrhundert wird in jenem Landstrich anbrechen, wenn die erste Lokomotive nach Jerusalem hineindampft."

Der folgende Brief eines Korrespondenten der Pittsburg Dispatch, der kürzlich in jenem Blatt erschien, bestätigt den gegenwärtigen Fortschritt in Palästina und besonders in Jerusalem:

Jerusalem, den 12. Juli 1889

"Dreißig Tausend aus vierzig Tausend Einwohnern in Jerusalem sind Juden. Die türkische Regierung, die denselben lange Zeit verboten hat, länger als 3 Wochen auf einmal im Heiligen Land zu wohnen, lässt unter den Einfluss ausländischer Regierungen in ihren Beschränkungen nach, und gegenwärtig kommen die Juden hundertweis hierher. Sie treiben Geschäfte und kontrollieren jetzt einen großen Teil des Handels Jerusalems. Etliche von ihnen fühlen, dass der Tag vorhanden ist, da die Prophezeiung der Bibel, dass sie ihr Land wieder bewohnen sollen, erfüllt wird, und ein sonderbarer Stamm aus dem Süden Arabiens behauptet, eine Offenbarung empfangen zu haben, dass sie ihr gegenwärtiges ödes Land verlassen und nach Palästina zurückkehren sollten. Diese Juden lebten während der vergangenen 2.500 Jahre in Jemen, Arabien. Sie sind vom Stamme Grad und verließen Palästina 700 Jahre, ehe Christus geboren wurde. Sie bringen mit sich viele wertvolle Dokumente, die ihre Herkunft nachweisen und treiben nahe bei Jerusalem Ackerbau. Die Juden Verfolgung in Russland und Österreich treibt viele von ihnen hierher, und auch gibt es eine große Anzahl polnischer wie spanischer Juden in Jerusalem. Die Zeit des Verbleibens der Juden in Palästina ist verlängert worden, und die Beschränkungen ihres Wohnsitzes sind so gut wie aufgehoben. Vor 50 Jahren gab es nur 32 jüdische Familien in ganz Jerusalem, und die Anzahl in ganz Palästina betrug nur 3.000. Jetzt sind nahezu 50.000 im Heiligen Land, und Dreiviertel der Gesamtbevölkerung Jerusalems besteht aus ihnen.

Ein merkwürdiges Volk sind sie! Wie keine anderen Juden auf der Erde. Sie sind dem Typus näher, der hier früher existierte. Die Anzahl, die durch Verfolgung hierher getrieben worden ist, wird fast ganz von den verschiedenen jüdischen Gemeinschaften über die Welt hin unterstützt.

Einen großartigen Anblick bietet der jüdische Klageort dar, woselbst jeden Freitag gewisse Sekten außerhalb der Moschee des Omar, die auf dem Platze des salomonischen Tempels steht, sich versammeln und gegen die Steine gebeugten Hauptes über den Verlust Jerusalems trauern, und Gott anflehen, das Land seinem auserwählten Volke wiederzugeben. Dieser Gebrauch ist seit den Tagen des Mittelalters beobachtet worden und ist einer der traurigsten Anblicke. Ich besuchte den Ort vergangenen Freitag. In einem schmalen Gasse, von elenden Häusern umgeben - auf Steinplatten, die von den Barfüßen Tausender Juden ausgetreten sind - gegen eine Mauer aus Marmorquadern, die an 50 Fuß und darüber über sie emporragt, beugte sich und betete eine lange Reihe von Männern in langen Mänteln und von Weibern mit Tüchern über ihren Häuptern. Viele von ihnen hatten weiße Bärte und lange gekräuselte Silberlocken. Andere waren gerade in ihren besten Jahren, und ich musste staunen, wenn ich ihre Gestalten zuweilen von Bewegung fast erschüttert sah. Jeder hatte eine stark gebrauchte, hebräische Bibel in seiner Hand, und von Zeit zu Zeit brach die Gesellschaft in eine Art von Gesang aus Ein alter, grauhaariger Mann fungierte als Vorsteher und die übrigen fielen im Refrain ein. Der Gesang war in fremder Mundart, doch übersetzt lautet er wie folgt:

Vorsteher - Um des Ortes willen, der darniederliegt -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

Vorsteher - Um der Wälle willen, die zerstört sind -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

Vorsteher - Um unserer Hoheit willen, die dahin ist -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

Vorsteher - Um unserer Großen willen, die im Tode liegen -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

Vorsteher - Um unserer Priester willen, die gefallen sind -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

Vorsteher - Um unserer Könige willen, die ihn verachtet haben -

Antwort - Sitzen wir in Einsamkeit und trauern.

"Die Wirkung dieses Gesanges kann nicht begriffen werden, ohne dass man es hört. Die alten Männer und klagenden Weiber, welche die Steine der Mauer küssen, die sie von dem trennen, was einst der Platz des Tempels Salomos war, und der selbst jetzt noch der heiligste Ort der Erde für den Juden ist, das tief innerliche Gefühl, das alle ausdrücken, und der Glaube, welchen sie dadurch beweisen, dass sie Woche um Woche und Jahr um Jahr hierher kommen, machen einen wunderbaren Eindruck. Es ist in der Tat einer der sonderbaren Anblicke dieser sonderbarsten der Städte.

"Es sind 8 landwirtschaftliche Schulen in verschiedenen Teilen Palästina. Eine dieser Schulen, nahe bei Jaffa, hat 700 Schüler und ein Gut von 28.000 Acker. Es liegt auf der Ebene von Sharon, wo die Philister wohnten, und hat Zehntausende von Weinstöcken und Olivenbäumen. Die Türken verkaufen den Juden nur sehr ungern Land, aber die letzteren erweisen sich als ebenso gute Landwirte als Geschäftsleute, und der terrassenförmige Zustand der Hügel um Jerusalem herum zeigt, dass das heilige Land unter ihnen weit besser kultiviert war, als es unter ihren Eroberern der Fall gewesen ist. Ein großer Teil des Landes außerhalb der Stadt Jerusalem ist jetzt entweder in den Händen der Juden oder ihrer wohltätigen Anstalten. Mr. Behar, der Vorsteher der Rotschild - Schulen, sagte mir, er habe gerade das Hotel Jerusalem gekauft und werde es ihrer Anstalt anfügen. Sir Moses de Montefiore, der den Fond verwaltete, den ein reicher Israelit von New Orleans hinterlassen hatte, baute viele gute Häuser für Juden an der Straße zwischen Bethlehem und Jerusalem. Auch gibt es eine Anzahl jüdischer Hospitäler.

Unter den Leuten, die zuversichtlich glauben, dass die Juden Palästina bald wieder besitzen werden, befindet sich eine Kolonie von 15 Personen, die in einem schönen Hause wohnen, welches gerade auf die Mauer Jerusalems gebaut ist, und die als "die Amerikaner" bekannt sind. Diese Leute sind keine Juden, sondern Christen, welche aus verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten hierher gekommen sind, und besonders von Chicago, um auf die Erfüllung der Weissagung, dass Gott die Welt erneuern und mit Jerusalem beginnen wird, zu warten.

Es kann kein Zweifel sein, dass Jerusalem sich hebt. Die meisten ihrer Straßen sind jetzt gut gepflastert, und der Gesundheitszustand der Stadt hat sich sehr verbessert. Das Jerusalem, außerhalb der Mauern, ist jetzt fast so groß als die innere Stadt, und man hat mir gesagt, dass der Grund und Boden in solchem Grade an Wert gestiegen sei, dass man sagen könne, die heilige Stadt habe einen großen Aufschwung an Grundeigentum gehabt. Ich höre, dass der Straße nach Jaffa entlang gerade außerhalb des Tores Grundeigentum innerhalb eines Jahres oder so mehrere 100 Prozent in die Höhe gegangen ist. Ein Stück, das zu einer wohltätigen Anstalt gehört, wurde vor kurzem für US$ 500 gekauft. Jetzt ist es US$ 8.000 wert und kann dafür nicht gekauft werden. Eine Telegraphen Linie läuft jetzt von hier nach der Seeküste, und eine Eisenbahn - Kompanie (Gesellschaft) ist organisiert worden, um eine Linie von Jaffa nach Jerusalem zu bauen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat Jerusalem eine Polizei, und ihre Ordnung ist jetzt so gut wie die von New York."

Das Folgende dem "Hebrew Christian" vom Juli 1889, entnommen, ist ein weiterer interessanter Bericht von einem Besuch eines amerikanischen Juden am Klage - Ort der Juden in Jerusalem:

"Nachdem wir mehrere Stunden mit Besuchen von Juden zugebracht, fragte mich mein alter Freund, ein Rabbi von Kovno, Russland, ob ich mit ihm nach dem Klage - Ort gehen würde, um über die Verödung Jerusalems zu trauern und um Israels Wiederherstellung zu seiner früheren Herrlichkeit zu beten. Ich gehe mit dir, erwiderte ich, und will ernstlich bitten, dass Gott den Tag beschleunigen möchte, da Juda zum Herrn zurückkehrt. Da es Freitag Nachmittag war, die Zeit, da sich viele Juden an der Mauer des alten Tempels zum Gebet versammeln, schloss ich mich an. Es war in der Tat ein denkwürdiger Anblick. Hier waren Juden aus allen Nationen in ihren eigentümlichen morgenländischen Gewändern und etliche in ihrem Talith (Gebets-Gewand) gekleidet. So laut sie irgend vermochten, lasen sie den 22. Psalm. Frauen schrieen laut mit tiefem Ernst: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Bist fern von meiner Hilfe, von den Worten meines Schreiens? Mein Gott, rufe ich des Tages, aber Du antwortest nicht. Und des Nachts, und ich schweige nicht." Sogar mehrere der Männer weinten und sagten Psalmen, Litaneien und Gebete her. Die meisten pressten ernstlich ihre Lippen gegen die Steine und küssten sie. Als ich auf ihre feierlichen Gebete lauschte, fiel mir ein, was die Rabbiner im Talmud gesagt haben - dass, "Seit der Zerstörung des Tempels die Pforten des Gebetes geschlossen gewesen und nur die Pforten der Tränen offen sind". Der Rabbi wiederholte in Traurigem Tone: "Um des Ortes willen, der verödet liegt," usw.

"Das ergreifendste Trauern über Jerusalem gewahrt man auch in den Häusern der frommen Juden. Um Mitternacht hüllen sie sich in ihre Gebets-Gewänder, streuen Asche auf ihr Haupt und werfen sich auf den Boden hin. Dann sagen sie in melancholischen Tone eine Reihe ergreifender Verse her, welche von dem Untergang ihrer Herrlichkeit und dem Verluste der Gnade Gottes handeln und mit einem zu Herzen dringenden Gebet um Erlösung schließen. Darauf werden mehrere Psalmen verlesen und Gebete gesprochen. Wenn sie sich vom Boden erheben, sagen sie: "Schüttle dir den Staub ab, auf, setze dich, Jerusalem, löse die fesseln deines Halses, gefangene Tochter Zion!"

Nicht bevor weitere Verfolgungen noch mehr der ärmeren Juden nach Palästina getrieben haben werden und moderne Zivilisation daselbst noch weitere Fortschritte gemacht haben wird, wird die reichere Klasse der Juden dahin gezogen werden; und dann wird es in großem Maße nur aus selbstsüchtigen Beweggründen sein; wenn die allgemeine und große Trübsal das Eigentum in anderen Ländern weniger sicher werden lässt. Dann wird Palästina, weit weg vom Sozialismus und Anarchismus, den reichen Juden als ein Hafen der Sicherheit erscheinen. Doch nach der gegenwärtigen Fortschritts - Rate in diesen verschiedenen Richtungen werden die kommenden 15 Jahre gar manches in Palästina erleben.

Israels Blindheit im Schwinden begriffen

Es erübrigt noch ein weiterer Zug der auf Israel bezüglichen Weissagungen, deren Erfüllung wir jetzt anfangen sollten, eintreten zu sehen. Der Apostel Paulus erklärt: "Verstockung ("Verblen­dung", oder "Blindheit") ist Israel widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird;" - das ist; bis die aus den Heiden auszuerwählende Anzahl, welche zusammen mit dem Rest Israels die geistige Phase, oder Stufe, des Königreiches bilden sollen, alle in diese höchste Gnade eingegangen sind, von welcher Israel als Volk verworfen wurde, und der gegenüber sie als Volk fortfuhren, blind zu sein. Im vollsten Sinne wird daher die Blindheit Israels, sonst auch Jakob genannt, nicht zu weichen fällig sein, bis die Herauswahl des geistlichen Israel vollendet ist. Und ausdrücklich wird uns gesagt (Röm. 11:26), dass ihre Genesung und Befreiung von der Blindheit und dem Vorurteil dann aus (dem Berge) Zion, der verherrlichten Herauswahl, oder Königreich, kommen soll. Doch wie das Königreich Zion in einem gewissen Grade im Jahre 1878 begann, als unser König seine große Gewalt an sich nahm, um zu herrschen, obwohl die "Fuß" - Klasse noch nicht völlig entwickelt und verherrlicht war, so ist es mit der Gnade Gottes durch Zion "Jakob" gegenüber. Eigentlich begann sie damals, wird ihnen aber nicht im vollsten Maße zuteil werden, bis die "Fuß" - Glieder des Leibes Christi ebenfalls verherrlicht sind. Und wie 1881 die Zeit - Parallele zum Hinwegwenden des Lichtes von Jakob zu den Heiden war, so markiert es die Zeit für den Anfang des Wiederzurückwendens besonderen Lichtes auf die lang geblendeten Juden. Und treu ihrem Vorbild kommt die nominelle christliche Kirche jetzt blindlings zu Fall, während nur ein kleiner Rest derselben jetzt gesegnet wird. Wie stark und anwendbar sind hier die Worte des Apostels: "Sei nicht stolz, sondern fürchte dich, denn wenn Gott der natürlichen Zweige nicht geschont hat, dass er auch deiner etwa nicht schonen werde", usw.

Doch Israels allgemeine Anerkennung des wahren Messias und seines Königreiches wird ohne Zweifel unter den und durch die wiederhergestellten Patriarchen und Propheten vor sich gehen, deren vollständige Wiederherstellung das erste Werk des Christus sein wird, nachdem der ganze "Leib" verherrlicht worden ist. Ihre Blindheit wird aber schon vorher anfangen zu weichen; und bereits ist eine große Bewegung nach Christentum hin, besonders unter den russischen Juden, eintreten.

In dieser Richtung blickend, sind die Zeichen der Zeit wahrlich überraschend. Die bemerkenswerte religiöse Bewegung unter den Juden im südlichen Russland bringt Tausende jenes Volkes zur Anerkennung Jesu Christi als lang verheißenen Messias und zum Zugeständnis ihrer National - Sünde, in seiner Verwerfung und Kreuzigung. Und dies ist in keinem Sinn das Resultat christlicher Missionstätigkeit. Es ist eine unabhängige Bewegung, gänzlich aus jüdischem Boden entspringend. Der Leiter der Bewegung ist ein Jude, Herr Joseph Rabbinowitsch, früher ein Kaufmann, und später ein Advokat, ein Mann von hohem Ruf unter seinem Volke. Herr Rabbinowitsch war kein jüdischer Rabbi, und weder er noch irgend einer der leitenden Männer der Bewegung waren Geistliche irgend einer Sekte. In Bezug auf diese Bewegung führen wir einen Artikel in "Harper's Weekly" und aus anderen Berichten, wie folgt, an:

"Ihre Entwicklung ist eine solche gewesen, dass man zuversichtlich erklären kann, dass sie nicht mehr ein Experiment mit zweifelhafter Existenz - Berechtigung ist. Sie hat eine bemerkenswerte Lebensfähigkeit bewiesen. Ihr Wachstum ist ein beständiges und gesundes und von positivem Charakter, jedoch vermeidet es jede unnatürliche Hast und gefährliche Extreme. Von den russischen Autoritäten als religio licita (erlaubte Religion) anerkannt, hat sie jetzt gesetzliche Existenz und Rechte. Ihr Wesen stempelt sie als eine der einzigartigsten Erscheinungen in dem verschiedenartigen Kaleidoskop (Farbenspiegel) nationaler, sozialer und religiöser Interessen, welche die Herzen und Gemüter der 116 Millionen Untertanen des Zaren von einander trennen.

"Der Glaube dieser neuen Gemeinschaft ist ferner darin eigentümlich, dass sie nicht vorhaben, irgend welche organische Verbindung mit irgend einer der existierenden Formen der Christenheit zu bilden, dass sie im Gegenteil das bestimmte Ziel im Auge haben, die geschichtliche Lehr-Entwicklung seit dem apostolischen Zeitalter zu ignorieren, und ihre Lehren direkt aus der neutestamentlichen Quelle zu ziehen, ohne auf die Lehrsätze der orthodoxen Kirchen unserer Zeit besondere Rücksicht zu nehmen. Sie behauptet, sich nach den jüdisch-christlichen Gemeinden in den Tagen der Apostel zu bilden.

Energischen Charakters, und begierig, seine eigene Ausbildung zu fördern, als auch die politische, soziale und moralische Hebung seines Volkes, war Herr Rabbinowitsch vor Jahren schon als ein eifriger Reformfreund unter den Juden des Ostens bekannt. Mit einer Erziehung und einem Unternehmungsgeist, seinen Brüdern weit voran ausgerüstet, ersann er Mittel und Wege, seine Ideale und seinen Endzweck zu erreichen. Er tat, was in seiner Macht lag, für sie bessere, politische Rechte zu sichern, war aber unfähig, die unglücklichen Israeliten von Russland, Rumänien und von den benachbarten Ländern vor den gegen sie ausbrechenden, grimmigen Verfolgungen zu schützen: Er machte sich mit der fortgeschrittenen Denkungsart des Westens vertraut und hoffte, dass sein Volk durch Annahme derselben auf eine höhere Stufe emporgehoben werden und so ihnen höhere Ideale und edlere Ziele vorschweben würden. Doch er sah bald ein, dass es unmöglich sei, solche Mittel bei einem Volke anzuwenden, das durch jahrhundertlange Verfolgung und Ultra-Konservatismus gegen Grundsätze verhärtet war, die ihren herkömmlichen Ideen so entgegen waren. Wiederum versuchte er, sie zu gewinnen, ihren Wuchergeist fahren zu lassen, der nächst ihrer formalistischen, religiösen Übungen der alles beherrschende und alles erniedrigende Faktor in dem Geist des orientalischen Juden ist. Doch seine Versuche, landwirtschaftliche Kolonien für sie sowohl zu Hause als im Heiligen Land zu gründen, erwiesen sich als verfrüht. Während er in Palästina war, reifte durch ein unabhängiges Studium des Neuen Testamentes in seinem Verhältnis zum Alten die Überzeugung in ihm, dass Israel durch die Verwerfung Jesus Christi betreffs seines nationalen Lebens einen Fehlgriff begangen und seiner historischen Aufgabe untreu geworden sei.

"Diese Überzeugung betreffs Christus als Verkörperung und Erfüllung der alten Prophezeiungen und der Ideale und Ziele Israels als Volk ist der Hauptgedanke, um den sich die ganze Bewegung dreht. Die von dem demütigen Nazarener verkündeten Grundsätze werden als diejenigen anerkannt, die allein die Bestimmung des Volkes erfüllen und befähigen könne, das zu erreichen, wozu sie als Volk auserwählt wurden. Man sieht es demnach als einen ernstlichen Bruch in der normalen und historischen Entwicklung Israels an, dass dieses Volk vor 1800 Jahren als Volk die Lehren und Grundsätze verwarf, die von allen Christen und nun auch von Herrn Rabbinowitsch und seinen Anhängern festgehalten werden und als das einzig richtige Resultat der ganzen früheren historischen Entwicklung Israels. Diesen Bruch zu heilen, ist das ideale Ziel des Kischinew Reformers, indem er da wieder aufs neue einsetzt, wo das erwählte Volk zuerst in einen irrtümlichen Pfad nationaler Entwicklung eingetreten ist. Im Jahre 1880 veröffentlichte er ein Programm, in dem er eine vollständige Reorganisation des rabbinischen Systems vertrat. Er war in der Arbeit einer Gesellschaft für die Förderung des Ackerbaues unter den Juden Südrusslands tätig; und während der Zeit der Verfolgung im Jahre 1882 trat er ernstlich für die Rückkehr seines Volkes nach Palästina ein. Während jener Zeit fand die Veränderung in seiner religiösen Überzeugung statt. Es war nicht das Resultat christlicher Missionstätigkeit, noch auch ist er Konvertit im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Der Wechsel geschah allmählich, und nur nach langer Überlegung kam der Gedanke, christliche Gemeinden jüdischer Nationalität zu organisieren, in ihm zur Reife. Nach seiner Rückkehr von Palästina war seine Überzeugung: "Der Schlüssel zum Heiligen Land liegt in der Hand unseres Bruders Jesus." In den Worten "Jesus unser Bruder" liegt der Kern seiner religiösen Ansichten. Seine Arbeit ist erfolgreich gewesen, und viele nehmen seine Lehren an."

Als Rabbinowitsch nachzudenken anfing, dass er ein offener Bekenner seines Glaubens an Christus sein sollte, geriet er sehr in Verlegenheit wegen der vielen Sekten unter den Christen und zögerte, sich einer derselben anzuschließen. Er sagt: "Wie der Jordan durchschritten werden muss, um Kanaan zu erreichen, so ist Jesus der Weg zu geistlichem Besitztum und geistlicher Ruhe." Betreffs des Mahles des Herrn sagt er, dass die Glieder des Neuen Bundes dies nicht feiern, außer als ein Passah - Abendmahl. Sie (wie wir) sehen noch nicht ein, dass es zu anderen Zeiten zu feiern sei. Er sagt: Der Herr Jesus Christus befahl seinen Jüngern nicht, seiner Auferstehung zu gedenken, sondern seiner zu gedenken. Weder er noch seine Anhänger halten den Sonntag als Ruhetag, sondern fahren fort, den jüdischen Sabbath zu beobachten. Beschneidung wird noch beobachtet, doch nicht als zur Seligkeit nötig betrachtet.

Es wird berichtet, dass ein lutherischer Pastor einem Komitee in London vorschlug, dass Rabbinowitsch von ihrer Gesellschaft als Judenmissionar aufgestellt werden sollte. Das Komitee schlug es aus, doch nur auf den Grund hin dass er damals noch nicht getauft war. Er ist jedoch seitdem in Berlin getauft worden, nicht in die lutherische Kirche noch in die Anglikanische Kirche, sondern einfach in die Kirche Christi. Rabbinowitsch ist im Besitz von Briefen, die er von Juden aus allen Teilen von Russland und Rumänien empfing, in denen über die Bewegung mit der Absicht, sich anzuschließen, oder eine andere und ähnliche anzufangen, nachgefragt wird.

"Rabbinowitsch besitzt einen freundlichen, demütigen, liebenswürdigen Geist und erwidert rasch, selbst bis zu Tränen gerührt, auf Zusicherungen christlicher Zuneigung; aber er wünscht nicht, sich mit irgend einer Sekte zu identifizieren, sondern sein Christentum aus dem Neuen Testament zu entnehmen, und aus alten Gewohnheiten und Lehren in neue hinein zuwachsen, wie der heilige Geist ihn bei seinem fortgesetzten und gebetsvollen Studium des ganzen Wortes Gottes lehren mag."

Prof. Franz Delitzsch in Leipzig, der jetzt verstorbene, damalige Leiter der jüdischen Mission in Deutschland und Herausgeber der "Staat auf Hoffnung", eine diesem Werk gewidmete Vierteljahrsschrift, veröffentlichte eine Flugschrift von ungefähr 75 Seiten über diese neue religiöse Entwicklung, in hebräischer Sprache und in deutscher Übersetzung, dessen größter Teil durch Original - Dokumente über diese Bewegung ausgefüllt ist. Diese Dokumente umfassen 13 Thesen; ein Glaubensbekenntnis der national - jüdischen Kirche des Neuen Testamentes; eine Erklärung desGlaubens an den Messias, Jesus von Nazareth, im Sinne dieser Gemeinschaft; ein Haggada für die Israeliten, die an den Messias, Jesus von Nazareth, glauben; und schließlich eine Ordnung des Abendmahles des Herrn. Als Anhang ist eine Erklärung eines Lehrers, Friedmann, an die jüdischen an Christum Gläubigen hinzugefügt worden, und eine Erklärung, die von einer in Kischinew abgehaltenen Konferenz der letzteren angenommen wurde. Die kleine Schrift enthält alles Material für ein Studium der neuen Bewegung, da dies alles Original - Dokumente ihrer Vertreter sind.

Diese Thesen, die als eine Grundlage des neuen Glaubens betrachtet werden müssen, beginnen mit der Darlegung des beklagenswerten Zustandes der Juden in Russland und behaupten, dass die Verbesserungsversuche von Seiten der Juden selbst sich alle als nutzlos erwiesen haben, und fahren fort und sagen:

"Die Notwendigkeit einer tiefen und innerlichen, moralischen Erneuerung, einer geistigen Wiedergeburt, ist vorhanden. Wir müssen unsern falschen Gott beiseite werfen - die Liebe zum Geld - und an dessen Statt in unseren Herzen Raum machen für die Liebe zur Wahrheit und für die Scheu vor dem Bösen ." Dazu aber ist ein Führer nötig. Wer soll es sein? In Israel kann keiner gefunden werden. "Den Mann, der alle Eigenschaften eines Führers - Liebe zu Israel, Aufopferung des Lebens, Reinheit, tiefe Erkenntnis der menschlichen Natur, Ernst in der Offenbarung der Sünden und Übel seines Volkes - besitzt, haben wir nach einer sorgfältigen Durchforschung aller Bücher der Geschichte unseres Volkes nur in einem gefunden, in Jesus von Nazareth." Die weisen Israeliten seiner Zeit konnten ihn nicht verstehen; "doch wir können mit Gewissheit sagen, dass er, Jesus, und er allein, das Wohl unserer Brüder gesucht hat. Darum sollten wir den Namen unseres Bruders heiligen." "Wir sollten die Bücher des Evangeliums zu unserem Segen in unsere Häuser nehmen und sie mit der ganzen heiligen Schrift vereinigen, die uns von unseren weisen Männern überliefert worden ist."

Einer der beachtenswertesten Glaubensartikel aus einer ganzen Reihe, die man aufgesetzt hat, lautet wie folgt:

"Nach dem Dekret der unergründlichen Weisheit Gottes wurden unsere Väter mit Herzenshärtigkeit erfüllt, und der Herr strafte sie mit dem Geiste tiefen Schlafes, so dass sie Jesum widerstanden und gegen ihn bis heutigen Tages sich versündigten. Doch durch ihren Unglauben führten sie andere Nationen zu größerem Eifer und halfen so mit zur Versöhnung der Menschheit, die an Jesus Christus, den Sohn Davids, unseren König, glaubten, als sie durch die Friede verheißenden Boten (Jes. 52:7) die frohe Botschaft hörten, welche Boten schimpflicher Weise aus der Gemeinschaft mit Israel ausgestoßen wurden. Als Folge, aber, dieser unserer Sünde gegen den Gesalbten Gottes, ist die Welt durch ihren Glauben an Christus reich geworden, und die Völker sind in Fülle ins Reich Gottes eingegangen. (Hier sind sie nicht klar. Es ist die Vollzahl der "kleinen Herde" aus den Völkern und nicht die ganzen Nationen, fälschlich Christentum genannt, worauf Paulus in Römer 11:25 Bezug nimmt). Jetzt ist nun auch die Zeit für unsere Vollzahl gekommen, und wir, der Same Abrahams, sollen nun auch durch unseren Glauben an Jesum Christum gesegnet werden; und der Gott unserer Väter, Abraham, Isaak und Jakob, wird sich über uns erbarmen und die Zweige, die ausgerissen waren, wieder einpflanzen in unsere eigene heilige Wurzel - Jesus. Und so soll ganz Israel an dem ewigen Heil teilnehmen, und Jerusalem, unsere Heilige Stadt, soll wieder erbaut und der Thron Davids für immer und ewig wiederhergestellt werden."

Das Folgende ist ein Auszug aus einem Brief von Rabbinowitsch vom 2. Januar 1885 an einen Herrn in London:

"Ihr wertgeschätzter Brief usw., ist eingetroffen. Mein Herz frohlockte, als ich ihn las und sah, wie groß und stark die Liebe ihres Herzens gegen die Brüder des Herrn Jesus, des Messias, nach dem Fleische ist, und wie kostbar das Heil der israelitischen Nation in ihren Augen ist.

"Ich werfe mich vor Jehova, dem Gott unseres Herrn Jesus, nieder und lasse aus der Tiefe meines Herzens die Worte des süßen Sängers Israels hervor strömen (Psalm 35:26, 27): "Lass sie beschämt und mit Scham bedeckt werden allesamt, die meines Unglücks sich freuen! Lass jubeln und sich freuen, die Lust haben an meiner Gerechtigkeit, und lass sie stets sagen: Erhoben sei Jehova, der Lust hat an seines Knechtes Wohlfahrt!" Amen.

"Hierbei sende ich Ihnen meine Ansicht und Darlegung in Bezug auf die Kinder Israels im südlichen Russland, die an Jesus als den Messias glauben. Daraus werden sie den Ursprung unseres Glaubens an Jesus (unseren Bruder dem Fleische nach), den Messias, kennen lernen. Er ist das tief innerste Sehnen und Verlangen unserer Herzen. Unsere englischen Freunde und Brüder in Jesus, unserem Heiland, mögen durch obiges Schreiben überzeugt werden, dass, nachdem der Herr seinen Arm vor allen Völkern entblößt hat und alle Enden der Erde das Heil unseres Gottes gesehen haben, dass jetzt die Zeit gekommen ist, da aus der Mitte Israels alle unreinen Leute weichen und die Träger der Gefäße des Herrn gereinigt werden sollen.

"Gewiss, das Heil des Herrn kann nicht in Eile ausgehen und in die Welt kommen (Josua 6:1), noch kann es mit Schnelligkeit voran schreiten, doch wie nun Jehova, die Vorhut und der König des Universums, vor dem Volke Israels voranschritt, so soll der Gott Israels auch als Nachhut, als Sammler der Verworfenen Israels kommen. Ich weihe meine Zeit und meinen Namen dem Wohle meines halsstarrigen und unglücklichen Volkes, ihnen mit eiserner Stirne in der Kraft Gottes das Evangelium der Verheißung, das unsere Väter empfingen, zu bezeugen, nämlich, dass Gott Jesus von Nazareth aus dem Samen Davids als Heiland (Befreier) Israels erweckt hat.

"Durch die Tiefe des Reichtums und der Weisheit Gottes, des Höchsten, erhoben sich unsere Väter, welche die Träger der Verheißung waren, gegen Jesus, damit den heidnischen Völkern Gnade verliehen werden möchte, nicht vermöge irgend welcher Verheißung, sondern durch Gnade in dem Evangelium vom Messias. Nun, nachdem die Fülle der Heiden eingegangen ist, ist die Zeit für uns, die Söhne Israels, herbeigekommen, zu dem Gott Israels und zu seinem König zurückkehren und seine geliebten Kinder zu sein. Wir sollten unser Erbteil in Empfang nehmen, das Erbteil Jakobs, das ohne Einschränkung ist, denn wir sind die rechtmäßigen Erben, die Kinder Abrahams, die Jünger Moses, die Knechte des Hauses Davids in Ewigkeit. So wird unsere Fülle (d.i. das Kommen vieler Israeliten zu Christo) unser Reichtum und der Reichtum der Völker sein, nach dem Worte Jehovas durch St. Paulus, eines Erstgeborenen Israels und zu gleicher Zeit der Erste unter den zurückkehrenden Heiden.

"Unter meinen Brüdern und in großen Versammlungen, ermahne ich ernstlich: "Schüttle dir den Staub ab; auf, lege deine herrlichen Kleider an, mein Volk; durch den Sohn Jesses, Jesus von Nazareth, hat der Herr Großes für dich getan, O Israel, auf dass er auch unter den Völkern der Erde, die in unseren Vätern gesegnet wurden, große Dinge verrichte." "Ich danke Gott von Herzen, dass ich Tausende sehe, die gerne hören. Viele und würdige Söhne Israels warten und sehnen sich auf die Stunde der Gnade unseres Gottes. Ich flehe euch an im Namen unserer russischen Brüder, die nach Heil verlangen, dass die Freunde unseres Herrn Jesu Christi, wo sie auch seien, nicht schweigen möchten, sondern dass sie Rat erteilen und frei heraus reden, bis Immanuel auch mit uns sei, und Jehova ihn und seinen Wohnplatz uns zeige.

"Dies sind geringe Worte von weither geschrieben."
Joseph Rabbinowitsch

Außer dieser merkwürdigen Erweckung besitzen wir noch einen Bericht von einer ähnlichen Bewegung in Sibirien, aus dem "Presbyterian Witness":

"Vom Eis umkränzten Sibirien kommt die Nachricht von einer evangelischen Bewegung, wesentlich dieselbe wie die des Herrn Rabbinowitsch. Der Leiter ist Jakob Scheinmann, der vor 20 Jahren durch unabhängiges Denken zu dem Schluss kam, dass Jesus von Nazareth der Sohn Davids, der wahre Erretter sei. Die strikt - Talmud treuen Juden bewirken seine Transportation nach Sibirien, wo er 15 Jahre lang fast unbemerkt arbeitete, um in seinen Mitverbannten Glauben zu erwecken. Unter den unbestellbaren Postsachen, die in Tomsk sich vorfanden, wo er ein Geschäft hatte, befand sich ein Schriftstück von Rabbinowitsch, mit dem er sofort in Verbindung trat. Er hatte seine Ansichten eifrig durch kleine Schriften, "Die Stimme eines Rufenden in der Wüste" genannt, verbreitet. Die hebräische Übersetzung des Neuen Testamentes von Prof. Delitz wird von den sibirischen Juden eifrig gelesen und studiert. Man sagt, dass volle 36.000 Exemplare so verwendet worden sind."

So sehen wir also bemerkenswerte Anzeichen von der zu Israel zurückkehrenden Gnade Gottes: 1) in der Austreibung derselben aus anderen Ländern durch große Verfolgungen, 2) in der Eröffnung Palästinas zu ihrem Empfang, 3) indem sie durch besondere Vorkehrungen der Vorhersehung zu ihrem Besten dahin gezogen worden, welch letzteres durch wohltätige Unternehmungen für die Verbesserung ihrer Lage und ihre Unterstützung geschieht, und gleichfalls, 4) in dieser bedeutsamen Bewegung, welche der Anfang der Abwendung der Blindheit von Israel ist. Und wie augenscheinlich ist Gott in all diesem! In diesem Werk der Wiederherstellung des fleischlichen Israel, sowie in dem großen Ernte-Werk der Sammlung des geistlichen Israel wird die Mitwirkung der jetzt verworfenen, nominellen Kirche gänzlich ignoriert. In diesen beiden, jetzt im Fortschritt begriffenen großen Werken werden die verschiedenen Organisationen des nominellen "Christentums" ruhig beiseite gelassen, und Gott lässt in seiner eigenen Zeit und Weise durch neue, demütige und unbetitelte Werkzeuge, ebenso wie in der jüdischen Ernte, sein großes Werk glücken und voran schreiten.

Und nun fragen wir: Was bedeutet all dieses? Wohin wird dieses eigentümliche und wunderbare Werk, dessen deutliche Anfänge und rasches Voranschreiten in dieser Ernte - Periode so offenbar sind, führen? Der Apostel Paulus zeigt deutlich, dass das Wiedersammeln Israels die Wiedersammlung oder Wiederherstellung der ganzen Menschheit bedeutet: "Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist, und ihre Verminderung der Reichtum der Nationen, (wie es durch Zuwendung der göttlichen Gnade zu ihnen geschah); wie viel mehr ihre Vollzahl?" Durch die Verwerfung des fleischlichen Israel empfingen die Nationen die Gnade des hohen Berufes, und die "Wenigen", die sie wert achten und die Hindernisse, welche den Weg zu ihr erschweren, überwinden, werden zur Miterbschaft mit Christo erhöht. Sie sollen den Leib Christi, des großen Befreiers, bilden. Dies war der Zweck und wird das Ergebnis der Verwerfung des fleischlichen Israel sein. Aber ihre Wiedersammlung und ihre Wiederherstellung in das Land der Verheißung markiert einen weiteren Schritt in dem großen göttlichen Plan: Es verkündet, dass die Wiederherstellung aller Dinge, "der Juden Zuerst", jedoch schließlich "aller Geschlechter der Erde", im Begriff ist, ihren Anfang zu nehmen. Das große Jubeljahr der Erde ist im Begriff eingeleitet zu werden, und nach Gottes Ordnung fängt es mit den Juden an. So sehen wir, dass die Brüder Rabbinowitsch und Scheinmann und ihre Mitarbeiter Gottes Werkzeuge sind, sein altes Volk für die Wiederherstellung vorzubereiten; ebenso wie es unser Vorrecht ist, Mitarbeiter mit dem Herrn in der Ernte - Arbeit zu sein, welche mit der Ernte - Periode des christlichen Zeitalters und seiner auserwählten, geistigen Klasse verbunden ist. Gewiss, Israels völlige Rückkehr in ihr eigenes Land und zur göttlichen Gnade wird heißen, dass der große Befreier, Haupt und Leib, durch welchen die Wiederherstellung hinaus geführt werden soll, zur Macht erhöht worden ist, dass das Königreich gekommen ist, und dass das Restitutionswerk, dessen Erstlingsfrucht das fleischliche Israel sein wird, schon angefangen hat. Daher, "Wenn ihre Verwerfung der Welt Versöhnung geworden ist, was wird die Annahme anders sein, als ein Aufleben von den "Toten" - Wiederherstellung nicht nur der Lebenden, sondern auch der Toten, nach der Verheißung; und nicht nur von Israel, sondern von der ganzen Menschheit, von der Israel ein Vorbild war, und deren Erstlingsfrucht es sein soll. Die gegenwärtigen Anfänge der Gnade für Israel sind nur Tropfen vor dem mächtigen Regenschauer, der nicht nur Israel sondern die ganze Menschheit erfrischen soll. Und obwohl die Wogen des Kampfes noch heftig gegen Israel schlagen werden und eine Zeitlang sie in noch größere Trübsal und Ungemach versetzen wird, inmitten von allem wird Gott bei ihnen sein und ihnen zu seiner Zeit helfen und sie erhöhen.

In dieser Verbindung ist das Folgende aus den öffentlichen Blättern sicher sehr bedeutsam. Das Resultat der Bewegung wird von all denen mit tiefem Interesse beobachtet werden, die im Lichte gegenwärtiger Wahrheit wandeln und aus Gottes Wort erkennen, dass die Zeit gekommen ist, welche Gott durch den Propheten Jesaja angekündigt hat, da er sprach: "Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalem und ruft ihr zu, dass ihre Mühsal (ihre bestimmte Zeit) vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, dass sie von der Hand Jehovas Zwiefältiges empfangen hat für all ihre Sünden." - Jes. 40:1, 2

Der Ausschnitt, auf den wir uns beziehen, lautet wie folgt:

Ein jüdisches Reich vorgeschlagen

Washington D.C., den 5. März 1891

"William E. Blackstone, von Chicago, besuchte heute den Präsidenten der Vereinigten Staaten in Begleitung des Sekretär Blaine und überreichte folgende Denkschrift betreffs der russischen Juden.

"Er erklärte, dass die Denkschrift das Resultat einer Konferenz von Christen und Juden sei, welche kürzlich in Chicago abgehalten wurde, und lenkte die besondere Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass sie nicht gegen Russland streite, sondern versuche, den Juden die Herrschaft über ihre alte Heimat - Palästina - auf einem friedlichen Wege zuzuwenden.

Er gab viele Beweise an für die große Entwicklungsfähigkeit jenes Landes sowohl in wirtschaftlicher als auch in kaufmännischer Beziehung unter einer energischen Regierung und sagte, dass, wenn die von Jaffa nach Jerusalem im Bau begriffene Eisenbahn nach Damaskus, Tadmor und den Euphrat hinab verlängert würde, dieselbe unausbleiblich eine internationale Verkehrsstraße werden würde.

Er sagte, dass die Armut der türkischen Regierung der vorgeschlagenen Sicherstellung Nachdruck verleihe, dass ein Teil der türkischen National - Schuld durch jüdische Kapitalisten fundiert würde, und dass nur um friedliche, diplomatische Unterhandlungen nachgesucht werde, zu dem Ende, dass jegliches Privateigentum sorgfältig respektiert und beschützt werde. Am Schluss bemerkte er, da wir mit Russland auf so freundschaftlichem Fuß stehen und im Orient keinerlei Verwicklungen haben, so ist es passend und hoffnungsvoll, dass unsere Regierung diese freundschaftliche Bewegung, diesen wandernden Millionen Israels eine feste und bleibende Heimat zu geben, in Gang bringe.

Der Präsident horchte aufmerksam auf Mr. Blackstones Bemerkungen und versprach, der Sache ernstliche Überlegung zu schenken."

Die Denkschrift

Die Denkschrift lautet: "Was soll für die russischen Juden getan werden? Es wäre sowohl unklug als auch nutzlos, zu unternehmen, Russland in Bezug auf seine inneren Angelegenheiten diktieren zu wollen. Die Juden haben jahrhundertlang als Fremdlinge in seinem Gebiete gewohnt, und es glaubt völlig, dass sie für seine Bezugsquellen eine Last und dem Wohle seiner Landbevölkerung nachteilig sind, und wird ihnen nicht gestatten, zu bleiben. Es ist entschlossen, dass sie gehen müssen. Folglich müssen diese Aschkenasim (deutschen Juden) gleich wie die Sephardim (spanischen Juden) auswandern. Doch wohin sollen 2 Millionen solch armer Leute gehen? Sollen sie nach Amerika kommen? Das wäre eine ungeheure Ausgabe und würde Jahre in Anspruch nehmen.

"Warum ihnen nicht Palästina zurückgeben? Nach Gottes Verteilung der Völker ist es ihre Heimat - ein unveräußerlicher Besitz, aus welchem sie nur durch Gewalt vertrieben wurden. Unter ihrer Bebauung war es ein bemerkenswert fruchtbares Land, das Millionen Israeliten unterhielt, die seine Täler und Hügel emsig bestellten. Sie waren ebenso wohl Ackerbauer und Produzenten wie ein Volk von großer kaufmännischer Bedeutung - der Mittelpunkt von Zivilisation und Religion. Man sagt auch, dass sich Regenfall vermehrt und viele Anzeichen vorhanden sind, dass das Land seine ursprüngliche Fruchtbarkeit wieder gewinnt.

"Warum sollten nicht die Mächte, welche unter dem Berliner Vertrag, im Jahre 1878, Bulgarien den Bulgaren und Serbien den Serben gaben, nun auch Palästina den Juden zurückgeben? Diese Provinzen wurden den Türken entrissen und ihren natürlichen Eigentümern gegeben, geradeso wie Rumänien, Montenegro und Griechenland. Gehört Palästina nicht geradeso rechtmäßig den Juden?

"Wenn sie eine eigene Regierung haben könnten, würden die Juden der Welt zusammen treten, ihre leidenden Brüder nach ihrem durch Alter ehrbaren Wohnplatz zu bringen und festzusetzen. Denn seit über 17 Jahrhunderte haben sie auf solche gute Gelegenheit geduldig gewartet. Sie sind nirgends sonst Ackerleute geworden, weil sie glaubten, dass sie unter den verschiedenen Nationen nur Wanderer seien und einmal wieder nach Palästina zurückkehren und ihr eigenes Land bebauen sollten. Was für Besitzrechte der Türkei zukommen, kann leicht vergütet werden, möglicherweise in dem die Juden einen entsprechenden Teil der Nationalschuld übernehmen.

"Wir glauben, dies ist für alle Völker und besonders für die christlichen Völker Europas eine geeignete Zeit, Israel Freundschaft zu erweisen. Eine Million Exkulanten rufen durch ihr schreckliches Leiden Mitleiderregenderweise unser Mitgefühl, unsere Gerechtigkeit und Menschlichkeit an. Lasst uns ihnen nun das Land wieder zurückerstatten, um welches sie durch unsere römischen Vorfahren so grausam beraubt wurden.

Zu dem Ende ersuchen wir ehrfurchtsvoll seine Exzellenz, Herrn Benjamin Harrison, Präsidenten der Vereinigten Staaten, und den achtbaren J. G. Blaine, Staatssekretär, ihre guten Ämter und ihren Einfluss bei den Regierungen ihrer kaiserlichen Majestäten - Alexander dem Dritten, Zaren von Russland, Viktoria, Königin von Großbritannien und Kaiserin von Indien, Wilhelm dem Zweiten, Kaiser von Deutschland, Franz Joseph, Kaiser von Österreich - Ungarn, Abdul Hamid dem Zweiten, Sultan der Türkei, Ihre königliche Majestät Marie Christine von Spanien, samt der Republik Frankreich und den Regierungen von Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, Portugal, Rumänien, Serbien, Bulgarien und Griechenland, um so bald als möglich die Abhaltung einer internationalen Konferenz zu sichern, um die Lage der Israeliten und ihre Ansprüche auf Palästina als ihrer alten Heimat zu betrachten und in jeder anderen gerechten und geeigneten Weise die Linderung ihres leidenden Zustandes zu fördern."

(Die Denkschrift ist von hervorragenden Männern aller Berufsarten und Glaubensbekenntnissen von Chicago, Boston, New York, Philadelphia, Baltimore und Washington unterzeichnet.)

Die anglo-israelische Frage

Seit der Herausgabe der ersten Auflage dieses Bandes erschien eine Kritik besonders über dieses Kapitel in einem englischen Blatt - The Banner of Israel - das sich der Theorie widmet, dass die angelsächsischen Völker die "zehn verlorenen Stämme" Israels darstellen. Das Folgende erschien in der Ausgabe von Dezember 1891, unseres Journals Zion's Watch Tower (Zions Wachtturm). Wir geben es hier wieder, glaubend, dass es von Interesse sein wird, weil es weitere Punkte, wie folgt berührt:

An den Redakteur von The Banner of Israel:

Werter Herr: Ein kürzlich erschienener Artikel Ihres Journals, Millenniums-Tagesanbruch, Band 3, recensierend (beurteilend), insbesondere dessen Bezugnahme auf die Anglo-Israel-Frage in Verbindung mit der Rückkehr der Juden nach Palästina, ist mir zu Gesicht gekommen, und da sie eine Antwort zu erwarten scheinen, beeile ich mich, in Kürze der Aufforderung Folge zu leisten.

Der Punkt der Erörterung dreht sich um die Frage, ob die zehn Stämme Israels nach der Trennung in den Tagen Rehabeams je wieder vereinigt wurden, in Wirklichkeit oder gerechneter weise. Ihr Korrespondent behauptet, dass keine Vereinigung stattgefunden habe, und dass der Name, Israel, von der Zeit an ausschließlich den zehn Stämmen gehöre und nicht den zwei Stämmen, Juda und Benjamin, die als die Juden bekannt seien. Dieser Irrtum scheint notwendig für seine Theorie: dass die angelsächischen Völker jene zehn Stämme seien, und ihr Wohlstand sich auf diese Tatsache gründe. Wir halten, dass von der Periode der siebzig Jahre der Verödung, und besonders von der Rückkehr aus babylonischer Gefangenschaft, an die Nation Israel von Gott als eine anerkannt wurde, einschließlich alle von jedem Stamme, die Gottes Verheißungen achteten und nach Palästina zurückkehrten, als von Cyrus das Gebot der Erlaubnis ausging. Wir halten, dass alle, die nicht zurückkehrten, nicht zum Gemeinwesen Israels gehörten, nicht wahre Israeliten waren, sondern fortan als Heiden (zu den Nationen) gerechnet wurden. Wir bezeugen auch, dass jene "Verlore­nen", die nicht wahre Israeliten waren, unter dem Neuen Bunde im kommenden Millenniums-Zeitalter, und nicht während des Evangeliumszeitalters, Anerkennung und Segnung erfordern werden. In einigen Punkten scheint unser Standpunkt etwas missverstanden zu werden. Wir leugnen nicht, dass die zehn von den zwei Stämmen Getrennten die Mehrzahl darstellten und als solche den ursprünglichen Namen (Israel) beibehielten, noch das die zwei Stämme als Juda bekannt wurden, noch dass bedeutende Ursache zur Trennung vorhanden war, noch, dass es in Übereinstimmung mit Gottes Plan zu ihrer Züchtigung war, noch, dass die zehn Stämme einige siebzig Jahre früher als die zwei Stämme in die Gefangenschaft gingen, noch, dass Gott möglicherweise einen Segen hat für die Nachkommen der zehn Stämme sowohl, als für diejenigen der zwei Stämme und für alle Geschlechter der Erde - während der "Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat". - Apg. 3:19-21

Was wir aber behaupten, ist dies, dass der größte Lehrer recht hatte, als er erklärte, "das Heil ist aus den Juden"; und dass der große Apostel recht hatte, als er erklärte, dass Gottes Ordnung sei: "Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirket, sowohl dem Juden zuerst, als auch dem Griechen, denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott." Unsere Ansicht hierüber ist, dass nach der babylonischen Gefangenschaft der Name Jude gleichbedeutend wurde mit Israelit und alle die einschloss, die sich an das Gesetz hielten und auf die Erfüllung der abrahamitischen Verheißungen hofften - dies umfasste etliche von den zehn Stämmen als auch Bekehrte aus den Heiden oder Nationen - alle, welche die Beschneidung empfangen hatten. Und nicht nur das, sondern es schlossen sich auch zur Zeit des Aufstandes der zehn Stämme nicht alle einzelnen Personen diesen an. Etliche blieben dem Königreiche Juda treu und fuhren fort, unter den Juden zu wohnen. - 1. Kön. 12:17

Wir haben gefunden und auf die bemerkenswerte Tatsache aufmerksam gemacht, dass unser Herr und die Apostel die "zwölf Stämme" unter dem Namen "das Haus Israel" anredeten - und dies noch dazu, wenn sie direkt zum Volke, das in Jerusalem wohnte, redeten, die, wie alle zugeben, hauptsächlich vom Stamme Juda waren, aber zum Teil von allen zwölf Stämmen. Die Tatsache, dass der Herr und die Apostel so die zwölf Stämme als eine Nation anredeten und auf sie als solche Prophezeiungen anwandten, scheint uns recht genügender Grund zu sein, Gleiches zu tun.

Alle Schriftstellen anzuführen, die auf die verschiedenen Seiten dieses Themas ein Licht werfen, würde zu viel Raum erfordern; wer immer aber ein Exemplar von "Young's Concordance" (engl., oder der Bremer oder Calwer Konkordanz) zur Hand nimmt und die verschiedenen Stellen betrachtet, da das Wort Israel im Neuen Testament gebraucht wird, findet überwältigenden Beweis dafür, dass unser Herr und die Apostel das Haus Israel nicht länger als die "zehn Stämme" allein anerkannten, sondern, wie es ausgedrückt ist, als "ganz Israel". Man betrachte besonders die folgenden Stellen: Matth. 8:10; 10:6; 15:24; 31; 27:9, 42; Mark. 12:29; 15:32; Luk. 1:54, 68, und besonders Vers 80; auch 2:25,32, 34; 24:21; beachte auch sorgfältig Joh. 1:31, 49; 3:10; 12:13; auch Apg. 2:22, 36; 3: 12; 4:10, 27; 5:21, 30, 31, 35; 13:16, 24; 21:28; Röm. 9:6, 31; 10:19; 11:25, 26; 1. Kor. 10:18; Gal. 6:16; Eph. 2:12; Phil. 3:5; Hebr. 8:8

"Das Heil kommt aus den Juden", oder den Bund haltenden Israeliten, in dem Sinne, dass 1) unser Herr Jesus, der Erretter, in dieser Linie kam; 2) in dem, dass ein Rest dieser Juden (die Apostel und die meisten der ersten Kirche), ein Überrest Israels genannt (Röm. 9:27; 11:1, 5, 7), Gesandte der Versöhnung wurden, die Botschaft zu den Nationen zu tragen; und 3) in dem, dass es des Herrn Verordnung ist, dass in dem Wiederherstellungswerk der Zukunft das fleischliche Israel von der Blindheit errettet, als ein Vermittler gebraucht werden wird, durch welchen die Ströme des Heils, von dem verherrlichten, geistigen Israel ausgehend, zu allen Geschlechtern der Erde fließen werden; wie geschrieben steht, "Von Zion (der verherrlichten Evangeliums-Kirche, oder dem geistigen Israel) wird ausgehen das Gesetz, und das Wort Jehovas von Jerusalem (dem wiedereingesetzten fleischlichen Israel)." - Jesaja 2:3

Aber auf jeden Fall sind die zehn Stämme von diesen und allen solchen Verheißungen ausgeschlossen, denn weder Zion noch Jerusalem (weder das vorbildliche noch das wirkliche) gehörte ihnen. Um irgend einen Teil an dem Bunde mit Abraham zu haben, müssen sie entweder mit dem geistigen Israel vereinigt werden, von dem der Löwe aus dem Stamme Juda das Haupt ist, oder sie müssen mit dem wirklichen Juda in Jerusalem in Verbindung treten, um seinen Anteil in den kommenden Zeiten der Wiederherstellung mitzuteilen, denn "Jehova wird die Zelte Judas zu erst retten." - Sach. 12:7

Die versuchten Beweise Ihres Korrespondenten scheinen in dem folgenden Abschnitt zusammengefasst zu sein, den wir ihrem Journal entnehmen. Er sagt:

"In Bezug auf das Nicht - Zurückkehren Israels zeigt ein Vergleich von Jer. 29:1, 4, 10 mit Esra 1:1, dass das Gebot des Cyrus die Erfüllung einer Prophezeiung war, die sich ausschließlich auf die Juden bezog; und von Hes. 4:3-8 ist es offenbar, dass Israels Zeitabschnitt der Gefangenschaft sich weit über den Zeitabschnitt Judas hinaus erstrecken musste. Es ist durchaus kein Beweis vorhanden, dass die zehn Stämme von dem Gebot des Cyrus eingeschlossen waren."

Wir müssen gegen diese Erklärungen Einwände erheben, und fordern Ihre Leser auf, die angeführten Stellen etwas genauer zu untersuchen. Jeremia 29:1-10 rät dem Volke nicht, sich zufriedenstellend niederzulassen, niemals zu erwarten, nach Jerusalem zurückzukehren, sondern dass sie es sich bequem und heimatlich machen sollten im Lande Babylon, weil in siebzig Jahren keine Errettung kommen würde - eine viel längere Periode, als sie je zuvor erfahren hatten.

Esra 1:1 beschränkt die Gnade der Freiheit und Rückkehr durchaus nicht auf die Glieder Judas und Benjamins. Im Gegenteil, Vers 3 erklärt, dass Cyrus (oder Kores) sein Angebot erweiterte auf "Wer irgend unter euch aus seinem Volke ist"; Vers 4 wiederholt das "wer irgend durch "jeder" und macht die Einladung weltenweit, wie das Reich des Cyrus, durch die Worte "an irgend einem Orte"; und Vers 5 erklärt, dass nicht nur die Häupter von Juda und Benjamin sich aufmachten, sondern auch "die Priester und Leviten (und) ein jeder, dessen Geist Gott erweckte" - d.i. alle deren Herzen, wie das des Simeon, "warteten auf den Trost Israels". Unter solchen waren etliche aus den zehn Stämmen, wenn sie auch in der Minderheit waren. Zum Beispiel, unter denen, die mit Simeon, im Tempel auf den Trost Israels warteten, war Anna, die Prophetin, die Tochter Phanuels, aus dem Stamme Aser. - Luk. 2:36

Betreffs der Anführung von Hes. 4:3-8, ist keine Andeutung gegeben, wann die vierzig Jahre über Juda oder die dreihundert neunzig Jahre über den übrigen Teil Israels erfüllt waren. Ihr Korrespondent übersieht die Tatsache, dass obschon die Trübsal in zwei Teile getrennt ist, es doch alles als über ein Volk kommend dargestellt ist, wie es in der einen Hauptstadt, Jerusalem, veranschaulicht ist, die von dem Propheten als ein Teil seiner eindrucksvollen Lehren dargestellt wird. Etliche meinen, die gegebene Lehre sei die, dass Gottes Zorn über die zehn Stämme mit der Zeit des Aufstandes, als sie in den Götzendienst verfielen, begann, ungefähr 390 Jahre vor der Verödung Jerusalems; und dass der Zorn von vierzig Jahren über die zwei Stämme vor die Verödung fallen, da unter dem König Manasse die zwei Stämme götzendienerisch wurden; und dass Gottes Zorn durch die gänzliche Verödung Jerusalems und des Landes zufriedengestellt wurde oder damit aufhörte. Wenn dies richtig wäre, dann kehrte seine Gunst zurück, während sie in Babylon waren - gegen alle, die seine Verheißungen achteten und warteten, bis die siebzig Jahre abgelaufen seien, damit sie zur Anbetung Gottes in seinem Tempel in seine heilige Stadt zurückkehren möchten.

Wir antworten also, dass kein Beweis vorhanden ist, dass die Willigen und Getreuen der zehn Stämme gehindert wurden und nicht ins heilige Land nach seinen siebzig Jahren der Verödung zurückkehrten. Im Gegenteil, die Beweisführung zeigt, dass sie die Freiheit, zurückzukehren, hatten, und dass etliche sie auch gebrauchten. Nachdem er aus Millenniumstages-Anbruch, Band 3, anführt: "Sie (die zehn Stämme) verließen den israelitischen Bund und wurden Götzendiener, Ungläubige und im Grunde genommen Heiden", fährt Ihr Korrespondent fort und sagt:

"Dies ist vollkommen richtig: Die zehn Stämme verfielen und wurden förmlich von dem Mosaischen Bunde geschieden (Jer. 3:8). Aber er übersieht die begleitende Perle, nämlich, sie würden wiederverheiratet werden in einen neuen und besseren Bund. Jes. 54:4-8; Hosea 2:7, 19; Tag als Heiden angesehen; aber dies ist in Harmonie mit Jer. 31:31-33. Die Israeliten waren in der Tat so gut wie die Heiden (Nationen) und werden bis auf diesen Tag der Prophezeiung, denn Ephraims Fülle von Nationen sind Gojim oder nominelle Heiden 1. Mose 48:19; und die Kinder von Ephraim-Israel, die, nicht gemessen und nicht gezählt werden können, sind Abkömmlinge von Lo-Ammi oder nominelle Heiden (Nationen)." - Hosea. 1:9, 10

Wir bitten mit obigen Aussagen differieren zu dürfen. Der Herr hat nicht, noch wird er je, die zehn Stämme wiederverheiraten. Hosea gibt einige derbe Bilder von einem bösen Volke. Kapitel 1:4, 6, 7 scheint die zehn Stämme getrennt von den zweien zu erwähnen, verheißt aber keine weitere Gnade, sondern anstatt dessen, ein völliges Hinwegnehmen der zehn und Gnade über Juda. Vers 9 und 10 zeigt die Verwerfung (für eine Zeit) ganz Israels (der natürlichen Zweige des Olivenbaumes), und die Einpflanzung des geistigen Israel auf der ursprünglichen Wurzel der Verheißung - diejenigen aus den Heiden (Nationen), die vormals von dem Herrn nicht als sein Volk anerkannt worden waren, die Fremdlinge, Entfernte und Feinde des Gemeinwesens Israels gewesen waren, nun aber durch Christum nahe gebracht und Teilhaber geworden seien. Diese Anwendung der Schrift wird von dem Apostel Paulus gemacht (Röm. 9:23-26). Hosea 1:11 erklärt, dass dann zur Zeit ihrer Verwerfung und zur Zeit der Anerkennung des geistigen Israel, Juda und Israel unter ein Haupt vereinigt werden würde.

Hosea 2:1-7 umfasst einen der dargereichten Beweise; aber die sorgfältigste Forschung in diesen Versen erschließt keine Verheißung vom Herrn, dass er sie wiederverheiraten wird. Ein Weiterlesen bis Vers 13 beweist das Gegenteil. Dann zeigt Vers 14-18 die "Tür der Hoffnung" für dieses widerspenstige Volk, die von der Millenniums-Herrschaft des wahren geistigen Samens Abrahams Gal. 3:16, 29 aufgetan werden wird, denn Vers 18 bestimmt die Zeit, das Datum dieser "Tür der Hoffnung", indem es heißt, dass es nach der Zeit der Trübsal sein wird, wenn Kriege nicht mehr sein werden.

Vers 2:19 und 20, wenn überhaupt auf den fleischlichen Samen anwendbar, sollte auf "ganz Israel" (zuletzt vorher genannt) - siehe Kap. 1:11 - angewandt werden, und würde in dem Falle keiner Erfüllung bedürfen, bis zum Schluss des Evangeliumszeitalters, wenn Kriege nicht mehr sein werden. Aber es ist guter Grund vorhanden, zu glauben, dass diese Verse (19 und 20) auf die geistige Klasse Bezug nehmen, die ausgewählt wird, während das fleischliche Israel verworfen ist. Diese Anschauung wird von Vers 2:23 sowohl als von Kap. 1:10 unterstützt, welche beide in Röm. 9:23-26 angeführt werden und gut mit den anderen Aussagen des Apostels stimmen: "Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt, die übrigen aber sind verstockt (Verblendet) worden." - Röm. 11:7

Was Jes. 54:1-8 betrifft, so hat der Apostel das Licht übermenschlicher Weisheit darauf geworfen und es auf das geistige Zion, unsere Mutter, (oder Bund), in Sarah versinnbildlicht, angewandt. Der fleischliche Same Abrahams war hinaus gestoßen, um nicht Erbe der Verheißung zu werden, und der wahre Same, Christus (in Isaak und Rebekka vorgebildet), war als der einzige Erbe der Verheißung angenommen worden. - Gal. 4:22, 24, 26, 31

Jer. 31:29-33 berührt diesen Punkt noch genauer. Es wurde zu einer Zeit geschrieben, da die zehn Stämme, Israel genannt, von den zweien, Juda genannt, getrennt waren; und folglich war es notwendig, dass der Prophet beide nannte, um nicht missverstanden zu werden, als ob er sich nur auf die zehn Stämme beziehe. Aber hier, in Vers 31, fasste er beide zusammen; und, nachdem er beide zu einem vereinigt hat, gebraucht er in Vers 33 und 36 den einen Namen für alle; und dies wird von Vers 31:38-40 bekräftigt, da Plätze beschrieben werden, die in Teilen der zwei Stämme liegen, in und um Jerusalem.

Aber weiter lasst uns darauf merken, dass diese Prophezeiung noch nicht erfüllt ist; so dass die zehn Stämme, wenn gleich sie sich jetzt deutlich kundgeben könnten, noch keine Ursache zum Rühmen haben. Sie täten besser, sie warteten, bis der Neue Bund mit ihnen geschlossen ist, und bis das Gesetz in ihr Herz geschrieben ist. Dann sicherlich werden sie sich nicht ihres Alten Bundes rühmen, sondern des Neuen.

Während des Evangeliums-Zeitalters ist der Neue Bund und sein segensreiches In-die-Herzen-Schreiben und sein Den-Geist-Belehren nicht für die zehn Stämme, noch für die zwei, sondern allein für den aus den aus den Zwölfen auserlesenen Überrest und die Übrigen aus den Nationen Ausgewählten; der fleischliche Same (Ismael) muss warten, bis der geistige Same (Isaak) alles beerbt hat, und dann seinen Teil durch Isaak bekommen. In jenen Tagen - wenn der fleischliche Same sein Teil bekommt - werden die segensreichen Vorteile des Millenniums, die in Vers 29 und 30 genannt werden, erfahren und genossen werden.

Geliebte, lasst uns unsere Berufung und Erwählung fest machen durch Gehorsam des Glaubens und nicht hoffen, dass geistige Segnungen zu uns kommen werden um fleischlicher Verbindungen willen - was, wie des Herrn Wort uns deutlich zeigt, nicht sein kann. Wenn die angelsächsischen Stämme wirkliche Nachkommen der zehn (sogenannten) verlorenen Stämme sind, so ist es gewiss zu ihrem Vorteil, dass der Herr es übersieht und sie als Heiden (Nationen) rechnet, denn seine Gnade wurde dem natürlichen Samen entzogen, nachdem der Überrest erwählt war; und er wandte sich, das Volk zu seinem Namen aus den Nationen zu nehmen, die vormals nicht sein Volk gewesen waren; und es ist, wie wir gesehen haben, keine Rückkehr der Gnade verheißen, bis die erwählte Kirche (Herauswahl) im Tagesanbruch, dem Millenniumsmorgen, vollendet sein wird.

Nichts in unserem Verständnis der Lehren der heiligen Schrift ist im Widerspruch mit der Idee, dass Großbritannien, Deutschland und die Vereinigten Staaten etliche Nachkommen der zehn Stämme enthalten mögen, die sich in den Tagen Rehabeams von den Zweien trennten. Es könnte jedoch von niemanden behauptet werden, der mit der herrschenden gründlichen Mischung, besonders in den Vereinigten Staaten, bekannt ist, dass irgend einer dieser Nationen von rein israelitischem Schlage seien. Noch erörtern wir die Frage, ob das Gedeihen dieser Nationen der Welt ihrer Abkunft zuzuschreiben ist. Vielleicht ist es wahr. Was wir jedoch bestätigen, ist, dass, was des Herrn "hohe Berufung" seiner Kirche betrifft, da die Zwischenwand des Zaunes abgebrochen ist, die israelitische Herkunft eines einzelnen oder einer Nation unter den Bedingungen des Neuen Bundes dem einzelnen oder der Nation zu keinem Vorteil sein würde über Einzelpersonen oder Nationen anderer Rasse. Von diesem Bund und Beruf wurde "ganz Israel", "die natürlichen Zweige", abgebrochen, außer der "Überrest", der Christum, den Mittler des Neuen Testamentes, annahm; und dieser "Überrest" hatte keinen Vorzug vor anderen wegen Nationalität. Gott hat durch die Apostel während der Periode der Auswahl des geistigen Israel keine Gnaden für Israel nach dem Fleische verkündigt; aber er hat erklärt, dass, wenn die Schar des geistigen Israel vollendet ist, seine Gnade wieder zum fleischlichen Hause zurückkehren wird.

Weil wir glauben, dass das geistige Israel nahezu vollendet ist, darum erwarten wir Segnungen über Israeliten, die nach dem Fleische sind, und das Abwenden ihrer Blindheit, in der Erwartung, dass sie die ersten in der Wiederherstellung sein werden, um vom geistigen Israel gesegnet zu werden und so durch Unterwerfung unter deren Gnade selbst "unter die Begnadigung (zu) kommen." (Röm. 11:31 - siehe Anmerkung in der Elberf.- Übers.) Nachdem sie so durch die vollendete und verherrlichte Kirche Christi Barmherzigkeit erlangt haben, werden sie in der Tat als des Herrn Werkzeuge gebraucht werden, um alle Geschlechter der Erde zu segnen; und so werden die abrahamitischen Verheißungen an beiden Samen erfüllt werden - beides, das, was nach dem Fleische und das, was nach dem Geiste ist - "Darum.. damit die Verheißung dem ganzen Samen fest sei, nicht allein dem vom Gesetz, sondern auch dem vom Glauben Abrahams." - Röm. 4:16

Achtungsvoll
Der Autor von Millenniumstages-Anbruch

Diejenigen, die behaupten, "der Name Israel gehört nur den zehn Stämmen" und, dass "Juda der einzig anwendbare Name ist für die, welche nach der babylonischen Gefangenschaft nach Palästina zurückkehrten", sollten solche Aussagen unterlassen, bis sie die folgenden einfachen Tatsachen beantworten können. Unser Herr erklärte, "Ich bin nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel." (Matth. 15:24; 10:6). Er sagte kein Wort vom Hause Juda;- und doch geschah all sein Predigen in Palästina an was die Anglo-Israeliten uns sagen, gar nicht das Haus Israel gewesen sei, sondern das Haus Juda. Und wiederum, nach dieser gleichen Theorie, machte Sankt Petrus einen großen Fehler, als er unter der direkten, vollen Inspiration des heiligen Geistes an Pfingsten erklärte: "Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus (Gesalbten) gemacht hat, diesen Christus, den ihr gekreuzigt habt." (Apg. 2:36) Anglo-Israeliten sagen uns, dass nicht das Haus Israel, sondern das Haus Juda an der Kreuzigung Christi schuldig ist. Möge, wem es immer gefällt, annehmen, dass unser Herr und die Apostel gröblich irrten und dass anglo-israelitische Ideen richtig seien, wir wollen Gott wahr sein lassen - wir wollen die Ansicht festhalten, die mit den Worten des Herrn und Sankt Petri und allen neutestamentlichen Lehren und dem Verstand vereinbar ist.

Die Flüche, die Moses erwähnt (5. Mose 28:15, 46, 49, 63, 67), die Israel (die zwölf Stämme) treffen würden, wenn es dem Herrn untreu würde, scheinen eine sehr wörtliche und wirkliche Erfüllung gehabt zu haben - über das Israel in den Tagen unseres Herrn (hauptsächlich die zwei Stämme, Juda und Benjamin, aber auch andere Vertreter der zehn Stämme einschließend) über das, wie unser Herr erklärt, alle Dinge, die in dem Gesetz und den Propheten geschrieben sind, würden erfüllt werden, und über die, wie der Apostel Paulus sagt, jene Vorherverkündigungen völlig, bis zum Ende, erfüllt worden sind. - 1. Thess. 2:15, 16

Wenn aber die englische (britische) Nation irgend ein Teil des hier genannten Israel wäre, so würde es scheinen, als ob Vers 64 und 65 (5. Mose, Kap. 28) nicht erfüllt worden seien.




Wach auf, Jerusalem!

Wach auf, wach auf, Jerusalem,
Nicht länger lieg in Staub gebückt;
Leg an das Kleid des Heils, in dem
Mit Kraft und Schönheit du geschmückt.

Wisch ab den Staub dir vom Gesicht,
Der die Verheißung dir verdeckt;
Steh auf, begrüße froh das Licht,
Nun, da dich dein Befreier weckt.

Wirf von dir der Verzweiflung Schmerz,
Die Knechtschaft, Jakob, ist vorbei!
Nicht auf dein ganz verzagtes Herz:
Dein Gott setzt euch Gefangene frei!

Gefäße der Barmherzigkeit,
Die ihr gemacht von Sünden rein,
Dient ihm, dem Herrn der Herrlichkeit,
Tragt nicht umsonst den Namen sein!

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Studie 9

Dein Gott herrscht!

Eine Zusammenfassung der prophetischen Beweise, welche die Gegenwart Immanuels dartun, und dass sein Königreich in der Aufrichtung begriffen ist.

"Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Heil verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König." Jes. 52:7

In Anbetracht all der in diesem Band und in den vorhergehenden Bänden dargelegten Beweise stehen wir nicht an, dem dem Herrn ergebenen Volk, seinem geliebten Zion, diese glorreiche Botschaft zu verkünden: "Dein Gott herrscht als König." Das oft wiederholte Gebet der Kirche ist erhört worden. Das Königreich Gottes ist in der Tat gekommen. In den Tagen der gegenwärtigen Könige der Erde, ehe ihr Herrschafts-Lehn ausläuft, wird es aufgerichtet. Die Toten in Christo sind sogar jetzt schon auferstanden und mit unserem Herrn und Haupte erhöht. Und die "Fuß"- Glieder des Leibes Christi, die noch im Fleische verziehen, die Begeisterung der herrlichen Schar erfassend, welche schon den Berg (Königreich) Gottes erstiegen haben, spiegeln einen Teil jener herüber strahlenden Glorie wieder, wie Moses, als er vom Berge Gottes herabkam. Die Angesichter dieser Boten erglänzen mit der himmlischen Freude, die ihre Herzen füllt und ihre Lippen überfließen macht, wenn sie mit einander und mit dem Herrn Gemeinschaft pflegen und zu allen Völkern (Bergen) gehen und die frohe Botschaft verkündigen, dass Immanuels Herrschaft begonnen hat. Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen (die Füße des Christus), der frohe Kunde von dem tausendjährigen Freuden - und Friedensreiche bringt und Zion verbürgt, dass die Herrschaft unseres Herrn angefangen hat.

Wunderbare Wahrheiten sind dies! - Das Königreich Gottes im Begriff der Aufrichtung; der Herr Jesus und die auferstandenen Heiligen schon hier, und in dem großen Erntewerk beschäftigt, deren Mitarbeiter auch wir sein dürfen, als Glieder dieses geehrten Körpers, als "die Füße" desselben, obwohl noch im Fleische, um die frohe Botschaft unter den Menschen zu verkünden und sie über die Bedeutung der wunderbaren und trübseligen Ereignisse zu belehren, welche der glorreichen Herrschaft der Gerechtigkeit den Weg bahnen und sie einführen müssen.

Das sind die, von denen die Propheten voraus verkündeten, indem sie sagten: "Der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende"; "Kommen wird Jehova, mein Gott, und alle Heiligen mit dir"; "Der Sohn des Menschen wird kommen in seiner Herrlichkeit und alle Engel (die Heiligen, seine Sendboten) mit ihm"; "Ein Strom von Feuer (symbolisch von schweren Gerichten - die Zeit der Trübsal) floss und ging von ihm aus; tausendmal Tausende (nicht nur seine Heiligen, sondern auch zahlreiche andere Diener und Werkzeuge) dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende (die ganze Menschheit) standen vor ihm (um gerichtet zu werden); Das Gericht setzte sich und Bücher (der heiligen Schrift) wurden aufgetan", und wurden gerichtet "nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken". - Judas 14; Sach. 14:5; Matth. 25:31; Dan. 7:10; Offb. 20:12

Das ist die gegenwärtige Lage der Dinge: Der große Richter ist gekommen - nicht wie am ersten Advent in einem Erniedrigungsleib, zum Zweck der Aufopferung, sondern in seiner Machtfülle als ein Geistwesen, mit der göttlichen Herrlichkeit und Autorität begleitet, als der Stellvertreter Jehovas, vollständig und für immer alles Böse und alle Ungerechtigkeit zu erniedrigen und alle, die da wollen, aus dem erlösten Geschlecht zur Harmonie mit Gott, zur Vollkommenheit und zum dauernden Leben wiederherzustellen. Der Plan Gottes ist jetzt offenbar gemacht: Jetzt wie noch nie zuvor ist er zu unserem Verständnis gebracht worden. Das Eröffnen der Bücher der göttlichen Offenbarung wird bald vollendet sein. Das Gericht der Welt über die Institutionen der nominellen Christen ist schon im Anfang begriffen, und das große Werk, das in solch einer von der Welt unvorhergesehenen Weise begonnen wurde, wird bis zur großartigen vom Herrn und den Aposteln und Propheten vorhergesagten Vollendung hinaus geführt werden, bis alle Welt dazu kommt, auf den Durchstochenen als den von Gott gesandten Erlöser und Befreier zu blicken, gerade wie die Heiligen schon lange "aufsehen auf Jesus" als den Anfänger und Vollender ihres Glaubens. (siehe Band 2, Kap. 5.) Die Abrechnung oder das Gericht, welches an der Kirche anhebt, wird sich rasch auf alle lebenden Nationen erstrecken und sie einschließen: und zu seiner Zeit und Ordnung werden all die Scharen der Toten auf den Schauplatz gebracht werden.

Während die verherrlichten Glieder des Königreiches jenseits des Vorhanges ein Werk verrichten, indem sie den Lauf der gegenwärtigen Ereignisse lenken und die Vorbereitungen für die herrliche Herrschaft treffen, haben diejenigen diesseits des Vorhangs auch ein wichtiges Werk. Es ist ihre Aufgabe, die Auserwählten zu sammeln und sie an ihren Stirnen verständnisweise mit der Erkenntnis der Wahrheit zu versiegeln (Offb. 7:3); den Weizen durch die Sichel der gegenwärtigen Wahrheit vom Scheinweizen zu scheiden und die wichtige Botschaft zu verkünden: "Dein Gott herrscht als König." Dieses Werk geht jetzt auch rasch vorwärts, und alle die versiegelten Treuen sind wieder an ihrem Teile eifrig beschäftigt, andere zu versiegeln; und bald wird das große Werk vollendet, die Auserwählten alle gesammelt und verherrlicht sein.

Köstlich war die den ersten Gliedern der Herauswahl gemachte Verheißung, dass er, den sie hinweggehen sahen, in der Tat wiederkommen soll; und köstlich war die Hoffnung auf seine Erscheinung das ganze Zeitalter hindurch für all die geprüften und verfolgten Treuen, welche mit Verlangen nach seinem Kommen ausschauten, bis sie mit der Hoffnung, in seinem Ebenbild zu erwachen entschliefen. Doch noch köstlicher ist es für eure Augen, O ihr Geweihten dieses Tages. Denn eure Augen sehen und eure Ohren hören die Zeichen der Gegenwart der lang ersehnten Hoffnung Israels.

Während, wie der Prophet Jesaja vorhersagte, die Sünder im nominellen Zion, die ihren Bund mit dem Herrn (ihr Gelöbnis) vergessen und zu erfüllen verfehlt haben, sich vor den dunkeln Wolken fürchten, die den Glanz seines Antlitzes verdunkeln, und Furchtsamkeit die Heuchler überkommen hat, sieht das wahre Zion mit den Augen des Glaubens den König in seiner Schönheit und schaut das Land, das noch weit weg ist - das Land von Korn und Wein, das herrliche Erbteil, in welches der mächtige König und große Befreier, der gekommen ist, das gefallene Geschlecht führen soll - ein Land, da kein Einwohner sagt: Ich bin krank, denn dem Volk, welches darinnen wohnt, ist seine Verschuldung vergeben. - Jes. 33:14, 17, 24

Jenes herrliche Land, das wiederhergestellte Paradies, erkennen wir jetzt deutlich beim Hinüberblicken über die tausend Jahre; und mit Freude und Singen werden die triumphierenden Scharen der Erlösten unter der Führerschaft dieses größeren Propheten als Moses, der jetzt schon in unserer Mitte ist, auf dem großen Hochweg der Heiligung entlang dem lieblichen Land der Ruhe von Sünde, Tod und allem Übel entgegen geführt werden.

"Singet Psalmen Jehova, ihr seine Frommen, und preiset sein heiliges Gedächtnis! Denn ein Augenblick ist in seinem Zorn (der notwendigerweise in der großen, bald die Welt überflutenden Trübsal sich offenbaren muss). Ein Leben in seiner Gunst. Am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da." Und bald wird die gezüchtigte und bekehrte Welt den Ton des Lobes erfassen und singen: "Meine Wehklage hast du mir in einen Reigen verwandelt, mein Sacktuch hast du gelöst, und mit Freude mich umgürtet; auf das meine Seele dich besinge und nicht schweige. Jehova, mein Gott, in Ewigkeit werde ich dich preisen!" - Psalm 30:4, 5, 11, 12

Nun rufe dir die Schritte ins Gedächtnis zurück, die, in dem "festen prophetischen Wort" so wohl gegründet, uns zu dieser herzerhebenden und geisterfrischenden Erkenntnis geleitet haben. Hinter uns sind all die prophetischen Marksteine, die auf diese Zeit als die wunderbarste Periode der ganzen Weltgeschichte hinweisen. Sie haben uns gezeigt, dass wir seit 1873 im siebenten Jahrtausend leben; dass das Lehn der Herrschaft der Heiden, "Die Zeiten der Nationen", mit dem Jahre 1894 ausläuft; und dass der Advent von ihm, dem die Herrschaft gebührt, im Jahre 1874 fällig war. Sie haben uns gezeigt, dass der Gott vom Himmel in den Tagen dieser Könige der Nationen, ehe ihr Macht - Lehn abgelaufen ist, ein Königreich aufrichten wird, und dass die Aufrichtung dieses Königreiches tatsächlich seit dem Jahre 1878 im Prozess der Aufrichtung gewesen ist; dass da die Auferstehung aller Toten in Christo fällig war; und dass daher, seit jenem Datum, nicht nur unser Herr und Haupt unsichtbar in der Welt gegenwärtig ist, sondern auch all diese heiligen Sendboten mit ihm. Und beachte ferner, dass dieses Datum der Auferstehung der Toten in Christo parallel läuft mit der Auferstehung des Hauptes des Leibes. Die Auferstehung unseres Herrn geschah 3½ Jahre nach seinem Advent als der Messias, im Jahre 29; und die Auferstehung seines Leibes, der Herauswahl, so sehen wir, war im Anfang 1878 fällig, 3½ Jahre nach seinem zweiten Advent im Oktober 1874.

Die Prophezeiung hat auch die Art und Weise der Wiederkunft unseres Herrn angezeigt, so dass wir, obwohl er gegenwärtig ist, weder ihn noch die auferstandenen Heiligen, die jetzt in seinem Ebenbild auferweckt sind, außer durch das Auge des Glaubens - des Glaubens an das "sichere prophetische Wort" - zu sehen erwarten sollten; obwohl wir lernten, dass diejenigen, welche jetzt "die Füße Christi" ausmachen, ebenfalls in der Kürze in dasselbe herrliche Bildnis verwandelt werden sollen. Sie werden dann Geistwesen sein, wie er, Christus, und wie all die auferstandenen Heiligen, die jetzt mit ihm sind, und werden ihn zu seiner Zeit sehen, wie er ist. (1. Joh. 3:2) Wir haben auch gesehen, dass das Kommen des vorhergesagten Elias und des geweissagten Menschen der Sünde, die seiner Wiederkunft vorhergehen sollten, vollendete Tatsachen sind.

Wir haben auch die bestimmten Daten markiert, auf welche der Prophet Daniel die Aufmerksamkeit lenkt. Die 2300 Tage weisen auf das Jahr 1846 hin als die Zeit, da Gottes Heiligtum von den verunreinigenden Irrtümern und Prinzipien des Papsttums gereinigt sein würde; und wir haben gefunden, dass die Reinigung da vollbracht war. Wir haben die Erfüllung der 1260 Tage, oder der Zeit, zwei Zeiten und einer halben Zeit, der Verfolgungsmacht des Papsttums gesehen, und den Anfang daselbst, im Jahre 1799, der Zeit des Endes. Wir haben gesehen, wie die 1290 Tage den Anfang eines Verständnisses der Geheimnisse der Prophezeiung im Jahre 1829 bezeichneten, welches in der großen Bewegung des Jahres 1844 gipfelte, und als die Advent - Bewegung bekannt ist; dass da nach der Voraussage des Herrn die klugen Jungfrauen ausgingen, dem Bräutigam zu begegnen, 30 Jahre vor seinem eigentlichen Kommen. Wir haben die Erfüllung des vorhergesagten Verzögerns erkannt; und seit 15 Jahren erschallt der Mitternachts - Ruf: "Siehe, der Bräutigam!" Er ist hier! Wir haben mit besonderer Freude die 1335 Tage uns angemerkt, die da auf das Jahr 1874 hindeuten als auf das genaue Datum der Wiederkunft unseres Herrn und haben seit jener Zeit durch die klareren Entfaltungen der wunderbaren Geheimnisse des göttlichen Planes die verheißene Glückseligkeit so recht gekostet.

Dann haben wir gesehen, wie das große Erntewerk in seiner festgesetzten Zeit und Ordnung, im Herbst des Jahres 1874 beginnend, allmählich, leise aber rasch voranschritt. Wir bemerkten das in Bündeln Sammeln und Binden des Scheinweizens und das Sammeln des Weizens. Und was für ein Segen und welche Freude liegt für uns in der Gewissheit, dass es seit dem Sommer des Jahres 1878, als der König seine große Gewalt an sich nahm und seine Herrschaft mit der Auferweckung derer, die in Jesus schliefen, begann, nicht länger mehr nötig ist, dass seine Glieder "schlafen" und auf die Herrlichkeit warten, sondern dass ein jedes in dem Augenblick, da es seinen Lauf im Tode endet, die freudevolle "Verwandlung" zur vollen Vollkommenheit der göttlichen Natur und des göttlichen Ebenbildes erfährt. Wahrlich, "glückselig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an" für immer. Sie ruhen von ihren Mühen, aber ihre Wirksamkeit geht fort, - denn das Werk auf der anderen Seite des Vorhanges ist dasselbe Werk, an dem die Überwinder alle auf dieser Seite des Vorhanges beschäftigt sind; nur dass für die, welche in die Herrlichkeit der göttlichen Natur eingetreten sind, die Arbeit nicht mehr mühsam ist und nicht mehr ermüdende Opfer fordert.

Zu all diesem kommt noch, dass wir die Anfänge der Rückkehr der göttlichen Gnade zu dem fleischlichen Israel gewahren, welche sich in dem Anfang der Abwendung ihrer Blindheit und ihres Vorurteils gegen Christus Jesus, in der Eröffnung des Landes der Verheißung und in ihrer Austreibung aus anderen Ländern, und ebenfalls in der zurückkehrenden Fruchtbarkeit Palästina selbst, offenbart. Diese äußerlichen Zeichen allein, abgesehen von allen prophetischen Daten und Zeichen, würden starke Beweise dafür sein, dass wir jetzt im Schluss des für die Auserwählung der Kirche (d.i. Herauswahl) oder der Königreich-Klasse bestimmten Zeitalters leben, wegen der positiven Zusicherung der Schrift, dass ihre Blindheit und ihr Zustand des Verworfenseins nur dauern würde, bis die Glieder des Leibes Christi auserwählt wären.

Indem wir also da stehen, wo wir stehen, an diesem späten Datum der Zeit des Endes, inmitten der Ernte des christlichen Zeitalters, und die Regelung all der komplizierten Fragen dieser fieberischen Zeiten innerhalb des kurzen Zeitraumes der nächsten 21 Jahre erwarten, wie feierlich, wie kraftvoll sind da die Gefühle derjenigen, die an das feste prophetische Wort glauben. Die bedeutsamen und verwirrenden Fragen, die sich in der großen Trübsal zuspitzen werden, über welche uns Daniel im Voraus warnte, bewegen jetzt die öffentliche Meinung und nähern sich rasch der schrecklichen Krise. Doch diese Entscheidung des "Tages der Rache" oder der Vergeltung und des "Zornes" über die Völker müssen wir uns für die Betrachtung in einem folgenden Band aufsparen, da der Gegenstand zu groß und zu wichtig ist für unseren gegenwärtigen Raum. Doch lasst uns über die Tatsache frohlocken, dass wir jenseits der Trübsal, ja selbst jenseits der hilfreichen Zuchtschule der Herrschaft Christi das herrliche Land der Ruhe sehen, das segensreiche und ewige Erbteil eines erlösten und wiederhergestellten Geschlechtes.

Wunderbare Zeiten sind dies in der Tat, doch nur wenige achten auf das sichere Wort der Weissagung, und folglich wird die Zukunft von den meisten Menschen vom Standpunkt der gegenwärtigen Anzeichen betrachtet. Die Menschen sehen die sich rasch ansammelnden Wolken, können aber nichts von ihrem silbernen Saum bemerken, außer von dem Worte Gottes aus. Ja, teurer Erlöser und Herr, wir erkennen Deine geliebte Gegenwart und frohlocken über die Anzeichen der Aufrichtung Deines gnadenreichen Königreiches in diesem unserem Tage. Unsere Herzen fließen über voll Dank beim Gewahren der zusammen strömenden Strahlen des göttlichen Zeugnisses - von dem Gesetz, den Propheten, den Aposteln und Deinen eigenen bisher dunklen Aussprüchen und selbst von den lang verborgenen Geheimnissen im wunderbaren "Zeugen" Ägyptens - jetzt in einem herrlichen Brennpunkt zusammengezogen, die Deinen gläubigen Nachfolgern zeigen, dass der glorreiche Tag bald anbrechen soll, obgleich Wolken und dichtes Dunkel Deine Herrlichkeit von den Augen aller verhüllen, ausgenommen den Augen des Glaubens Deiner Vertrauten. In diesem strahlenden Lichte, im Fokus, oder Brennpunkte, erglänzt jetzt Edelstein nach Edelstein Deiner kostbaren Wahrheit mit einem bisher unbekannten Glanze, und Deine majestätische Gegenwart wird von ihnen allen wiedergestrahlt.

"Freuet euch, ihr Gerechten, in Jehova, und preiset sein heiliges Gedächtnis. Ihr Völker alle, klatschet in die Hände! Jauchzet Gott mit Jubelschall! Denn Jehova, der Höchste, ist ein großer König über die ganze Erde."

AMEN

Das

bestätigende Zeugnis

von

Gottes Stein-Zeugen

und Propheten,

der Großen Pyramide in

Ägypten

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Studie 10

Das Zeugnis des Stein-Zeugen und Propheten Gottes, der großen Pyramide in Ägypten

Allgemeine Schilderung der großen Pyramide. - Warum für Christen von besonderem Interesse. - Die große Pyramide eine Vorratskammer wissenschaftlicher, geschichtlicher und prophetischer Wahrheiten. - Biblische Bezugnahme darauf. - Warum, wann und von wem wurde die Pyramide erbaut? - Bedeutsamkeit ihrer Lage. - Ihre wissenschaftlichen Lehren. - Ihr Zeugnis betreffs des Planes der Erlösung. - Der Plan der Zeitalter. - Der Tod und die Auferstehung Jesu Christi angezeigt. - Der abwärts führende Lauf der Welt, in einer Zeit großer Trübsal zu Ende gehend. - Die Eigentümlichkeit der Trübsal. - Die große Reformations-Bewegung markiert. - Die Länge des jüdischen Zeitalters angedeutet. - Der hohe Ruf der christlichen Herauswahl angezeigt. - Der hingebende Lauf der Herauswahl. - Das Ende des hohen Berufes bezeichnet. - Das Datum des zweiten Adventes Christi. - Wie die Restitutions-Segungen für die Welt angezeigt sind. - Der Lauf der Welt während des Millenniums. - Sein Ende. - Kontrast oder Unterschied zwischen den beiden Zuständen, dem menschlichen und geistlichen, wie er in der Pyramide angedeutet ist. - Die Pyramide widerlegt Atheismus, Unglauben und alle Fortentwicklungstheorien und bewahrheitet sowohl den Plan der Bibel als auch ihre fest bestimmten Zeiten und Zeitläufe.

"An jenem Tage wird inmitten des Landes Ägypten ein Altar dem Jehova sein, und eine Denksäule an seiner Grenze dem Jehova; und das wird zu einem Denkzeichen und zu einem Zeugnis sein dem Jehova der Heerscharen im Lande Ägypten." (Jes. 19:19, 20)

Die Alten zählten sieben Weltwunder auf und nannten dabei zu allererst die große Pyramide von Gizeh. Sie liegt in Ägypten, nicht weit von der gegenwärtigen Stadt Kairo. Kein anderer Bau kann sich mit ihr an Größe messen. Einer der ersten Granit-Blöcke in der die Pyramide, welche 3 oder 4 mal so viel wiegen als ein Obelisken. Ich sah einen Stein, dessen Gewicht auf 880 Tonnen geschätzt wird. Steine sind darin von 30 Fuß Länge, welche so genau zusammenpassen, dass man mit einem Federmesser darüber fahren kann, ohne den Zwischenraum zwischen ihnen zu entdecken. Sie sind auch nicht mit Mörtel gelegt. Keine Maschine ist jetzt so vollkommen, dass sie zwei Oberflächen von 30 Fuß Länge machen würde, die so zusammenpassen, wie diese wunderbaren Steine in der großen Pyramide passen." Sie bedeckt einen Raum von etwa 13 Acker, ist 486 Fuß hoch und an ihrer Basis 764 Fuß breit. Man schätzt, dass die große Pyramide 6 Millionen Tonnen wiegt, und dass man, um sie fortzuschaffen, 60.000 Dampfmaschinen brauchen würde, von denen jede 100 Tonnen zöge. Inder Tat, der Reichtum Ägyptens würde nicht ausreichen, die Arbeiter zu bezahlen, um sie zu zerstören. Aus diesen Tatsachen geht hervor, dass, wer auch immer ihr Entwerfer war, derselbe beabsichtigte, sie solle ein dauerhaftes Monument sein.

Von welchem Standpunkt aus wir die große Pyramide auch betrachten mögen, sie ist unstreitig der merkwürdigste Bau in der Welt. Indem Lichte einer in den letzten 32 Jahren vor sich gehenden Untersuchung wirbt sie bei jedem Christen, der im Studium des Wortes Gottes vorangeschritten ist, um neues Interesse. Denn sie scheint in Harmonie mit allen Propheten einen Umriss des vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Planes Gottes in einer bemerkenswerten Weise zu lehren. Man muss im Auge behalten, dass es außer der großen Pyramide noch andere gibt, etliche aus Stein und etliche aus Backstein gebaut; doch sie alle sind bloße Nachahmungsversuche und in jeder Weise unbedeutender - an Größe, Genauigkeit und innerer Einrichtung. Und ebenfalls ist es nachgewiesen, dass sie, im Unterschied von der großen Pyramide, keine symbolischen Züge enthalten, sondern augenscheinlich nur dazu bestimmt waren, als Grabmäler für die königlichen Familien gebraucht zu werden.

Die große Pyramide jedoch erweist sich als eine Vorratskammer wichtiger Wahrheiten - in wissenschaftlicher, historischer und prophetischer Beziehung - und ihr Zeugnis befindet sich in völliger Harmonie mit der Bibel, deren Wahrheiten sie in ihren Hauptzügen in schönen und passenden Symbolen zum Ausdruck bringt. Sie ist in keiner Weise ein Zusatz zu der geschriebenen Offenbarung. Diese Offenbarung ist vollständig und vollkommen und bedarf keines Zusatzes. Aber sie ist ein starker, bestätigender Zeuge für Gottes Plan, und wenige Forscher können sie sorgfältig untersuchen und dabei die Harmonie ihres Zeugnisses mit dem des geschriebenen Wortes sich anmerken, ohne den Eindruck zu empfangen, dass ihre Konstruktion von derselben göttlichen Weisheit geplant und dirigiert war, wie jenes, und dass sie das Steinmal zum Zeugnis für Jehova ist, auf das der Prophet in obiger Anführung Bezug nimmt.

Wenn sie unter Gottes Führung erbaut wurde, um einer seiner Zeugen für die Menschen zu sein, so mögen wir naturgemäß eine Bezugnahme darauf in dem geschriebenen Worte Gottes erwarten. Und doch, da es augenscheinlich ein Teil des Vorsatzes Gottes war, Züge des Planes, über die sie Zeugnis gibt, bis zur Zeit des Endes verborgen zu halten, so sollten wir erwarten, dass irgend welche Bezugnahme in der Schrift auf sie, wie es auch der Fall ist, etwas verdeckt sein würde; damit es nur erkannt werde, wenn die rechte Zeit dazu vorhanden sei.

Jesaja zeugt, wie oben angeführt, von einem Altar und einer Denksäule im Lande Ägypten, welches an jenem Tage "zu einem Denkzeichen und zu einem Zeugnis sein wird dem Jehova der Heerscharen im Lande Ägypten." Und der Zusammenhang zeigt, dass er an jenem Tage ein Zeuge sein soll, wenn der große Heiland und Erretter kommen wird, um die erdrückenden Ketten zu brechen und die Gefangenen der Sünde in Freiheit zu setzen - wovon unser Herr an seinem ersten Advent predigte (Luk. 4:18). Die Tragweite dieser Prophezeiung wird jedoch nur schwach erkannt, so lange Ägypten nicht als ein Symbol oder ein Typus (Vorbild) der Menschheit erkannt wird, die da voll ist von eitler ihr Verständnis nur verdunkelnder Philosophie, aber ohne Kenntnis des wahren Lichtes. Wie Israel die Welt vorbildete, die da aus der Knechtschaft der Sünde durch das große Nachbild des Moses befreit werden soll, und dessen Opfer für die Sünde von dem Gegenbild des Aaron gegeben wurde, so repräsentierte Ägypten das Reich der Sünde, die Herrschaft des Todes (Hebr. 2:14), die so lange viele in den Ketten der Sklaverei gehalten hat, welche froh sein werden, herauszugehen und dem Herrn unter der Führung dessen, der gleich wie, doch größer als, Moses ist. - Apg. 3:22, 23

In vielen Schriftstellen wird der symbolische Charakter Ägyp­tens angedeutet; z.B. Hosea 11:1 und Matth. 2:13-15. Abgesehen von der Tatsache, dass unser Herr als Knäblein eine Zeitlang tatsächlich im Lande Ägypten war, und Israel ebenfalls, liegt hier eine vorbildliche Bedeutung vor. Der Sohn Gottes war um derer willen, die er zu erlösen und zu befreien kam, eine Zeitlang in der Welt - in Ägypten -, aber er wurde herausgerufen, zu einer höheren, zur göttlichen Natur. Gleicherweise diejenigen, die dazu berufen sind, seine Brüder und Miterben, "Glieder seines Leibes", das wahre Israel, zu werden, werden aus Ägypten gerufen; und der Meister bezeugt ihnen: "Ihr seid nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin."

Jesaja 31:1, 3, auf die große, jetzt bevorstehende Trübsal Bezug nehmend, sagt: "Wehe, denen, die nach Ägypten (zur Welt) hinabziehen um Hilfe (für weltliche Ideen und Pläne und um Rat, wie sie in der Krisis dieses großen Tages handeln sollten); und auf Rosse sich verlassen (auch ferner noch versuchen, auf den alten, falschen, doktrinären Steckenpferden zu reiten) und auf Wagen (weltliche Organisationen) vertrauen, weil ihrer so viele, und auf Reiter (die großen Führer in falschen Lehren), weil sie so zahlreich seien, aber nicht auf den Heiligen Israels schauen, und Jehova nicht suchen (denn Schutz und Sieg an diesem Tage der Trübsal wird nicht bei der Menge sein). ... Die Ägypter aber sind Mensch und nicht Gott, und ihre Rosse sind Fleisch und nicht Geist; und Jehova wird seine Hand ausstrecken (seine Macht - die Macht der Wahrheit und anderer Werkzeuge - wie er in der Kürze tun wird), dass der Beschützer strauchelt und der Schützling (dem Ägyptens Macht - die weltlichen Ideen helfen sollen) fällt, und sie zu Grunde gehen alle zusammen." - (Schmollers Parallelbibel; ähnlich Elberfelder Übersetzung)

Nachdem alle menschlichen Pläne und Ziele zu Schanden geworden, und wenn die Menschen ihre eigene Sündhaftigkeit und Hilflosigkeit erkennen gelernt haben, dann werden sie anfangen, den Herrn um Hilfe anzurufen. Dann wird Jehova sich als den großen Erretter erweisen, und schon hat er die große Pyramide bereitet als eines seiner Mittel, die Welt von seiner Weisheit, seinem Vorherwissen und seiner Gnade zu überzeugen. "Es soll zum Zeichen und Zeugnis dienen für Jehova der Heerscharen (ein Zeuge für sein Vorherwissen und seinen gnädigen Heilsplan, wie wir sogleich sehen werden) im Lande Ägypten, denn sie (die Ägypter - die arme Welt während der herbeikommenden großen Trübsalzeit) werden zu Jehova schreien ob den Drängern; so wird er ihnen einen Helfer senden, und sie befreien. Und Jehova wird sich den Ägyptern (der Welt) kund tun, und die Ägypter werden Jehova kennen an jenem Tag (dem Tausendjahrtag - am Ende der Trübsalzeit), und werden ihm mit Schlacht - und Speisopfern dienen: ja Jehova Gelübde geloben und sie bezahlen. Doch Jehova wird Ägypten (die Welt) schlagen ( in der vor uns stehenden Trübsalzeit). Er wird sie schlagen und heilen; und sie werden umkehren zu Jehova und er wird sich erbitten lassen und sie heilen." - Jesaja 19:19-22 (Schmoller; ähnlich Elberfelder Übersetzung)

Während dieser so durch die große Pyramide dem geschriebenen Worte Gottes hinzugefügte und bestätigende Beweis ein neuer Grund der Freude für Gottes Kinder ist, so ist doch klar, dass ihr Zeugnis hauptsächlich für die Menschheit während des Millenniums bestimmt ist. Das Zeugnis dieses merkwürdigen und eigentümlichen Zeugen wird der Menschheit neuen Grund zum Glauben, zur Liebe und zum Eifer verleihen, wenn ihre Herzen zu seiner Zeit für die Wahrheit zubereitet sind. Es ist auch bemerkenswert, dass dieser Stein - "Zeuge" (ähnlich wie der Plan der Zeitalter im geschriebenen Worte) bis jetzt, da sein Zeugnis bald der Welt (Ägypten) überliefert werden soll, geschwiegen hat. Doch die Geweihten, die Freunde Gottes, vor denen er nichts verborgen halten will, sind begnadigt, das Zeugnis dieses Stein-Zeugen jetzt zu hören, ehe der Sinn der Welt bereit ist, sein Zeugnis zu vernehmen. Nur wer bereit ist, dem Herrn zu gehorchen, kann seinen Zeugen verstehen.

Jeremia 32:20 spricht von Gottes mächtigen Werken und erklärt, dass er "Zeichen und Wunder getan (gesetzt) im Lande Ägypten bis auf diesen Tag: "Gott tat Zeichen und Wunder in Ägypten, als er Israel im Triumph aus Ägypten brachte; aber er setzte auch Zeichen und Wunder daselbst, welche daselbst verblieben "bis auf diesen (unseren) Tag". Die große Pyramide, glauben wir, ist das hauptsächlichste dieser Zeichen und Wunder, und sie beginnt jetzt in ihrer eigenen Sprache zu den Gelehrten zu reden und durch diese zu allen Menschen.

Die an Hiob 38:3-7 (Parallelbibel) gerichteten Fragen und Aussprüche des Herrn, die Erde betreffend, finden eine bezeichnende Illustration in der großen Pyramide, welche, wie angenommen wird, in sich selbst und durch ihre Messungen die Erde und Gottes Plan in Bezug auf sie darstellt. Das da gebrauchte Bild ist das eines Baues, und wir glauben, dass es nur auf ein Gebäude in der Gestalt einer Pyramide passt. Die Sprache, die ursprünglich sich auf die Erde bezieht, ist so gehalten, dass sie auch auf die Pyramide anwendbar ist. Zuerst wird die Herstellung des Fundaments angemerkt, der Fels, auf welchem die Pyramide aufgebaut ist. Zweitens, die Festsetzung ihrer Maße, ein sehr hervorstechender Zug in der Pyramide. Sie ist voll bedeutsamer Messungen. "Wer hat ihre Masse festgesetzt?" "Wer hat über sie die Messschnur gezogen?" Die vollkommene Gestalt der Pyramide und ihre Genauigkeit in jeder Hinsicht beweisen, dass ihre Erbauung von einem Meister Architekten geleitet worden ist. "Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt?" Die Pyramide hat 4 Eckstein-Pfeiler, die in den harten Felsen eingesenkt sind. "Oder wer hat ihren Eckstein hingelegt?" Eine Pyramide hat 5 Ecksteine; hier aber ist auf einen besonderen Eckstein Bezug genommen - auf den Scheitel- oder Hauptstein, den Stein an der Spitze. Auf die 4 in den Felsen eingesenkten Eckpfeiler war schon Bezug genommen, und der übrigbleibende ist der Eckstein an der Spitze. Dies ist der bemerkenswerteste Stein in dem Bauwerk - in sich selbst eine vollkommene Pyramide, nach deren Linien sich die des ganzen Gebäudes richten. Die Frage in Bezug auf diesen Eckstein ist daher hoch bedeutsam und macht darauf aufmerksam, wie besonders geeignet er als Eckstein an der Spitze ist, und welche Weisheit und welche Geschicklichkeit dazu gehörte, ihn zuzubereiten und als Eckstein an die Spitze zu setzen.

So sehen wir also, dass dieser uralte Bau verschiedene mal in der Schrift erwähnt wird, und wir können nicht zweifeln, dass dieser "Zeuge" Jehovas in dem Lande Ägypten, wenn er befragt wird, ein Zeugnis ablegen wird, das Jehova ehren und völlig mit seinem geschriebenen Wort stimmen wird. Wir führen diesen "Zeugen" auf diese Weise ein, weil die göttliche Inspiration seines Zeugnisses vom Fürsten der Finsternis, dem Gott dieser Welt, und von denjenigen, die er gegen die Wahrheit verblendet, ebenso sehr bestritten werden wird, wie die der heiligen Schrift.

Warum, wann und von wem wurde die Pyramide gebaut?

Diese Frage ist in den letzten Jahren sehr viel erörtert worden, sowohl von wissenschaftlichem als auch biblischem Standpunkte aus. Seit Jahrtausenden konnte auf diese Frage keine befriedigende Antwort gefunden werden. Die alte Meinung, dass sie als ein Gewölbe oder Grabmal für einen ägyptischen König gebaut worden sei, ist nicht glaubwürdig, denn es erforderte, wie wir sehen werden, mehr wie die Klugheit unserer Zeit, geschweige der Ägyptens vor 4000 Jahren, solch ein Gebäude zu entwerfen. Außerdem enthält sie nichts in der Art eines Sarges, einer Mumie oder Inschrift. Nicht eher als bis wir in die Zeit kamen, welche in der Weissagung Daniels "Die Zeit des Endes" genannt wird, wo selbst Erkenntnis zunehmen und die Klugen Gottes Plan verstehen lernen sollten (Dan. 12:4, 9, 10), konnten die Geheimnisse der Pyramide anfangen, verstanden zu werden, und unsere Fragen anfangen, eine zusagende Antwort zu erhalten.

Das erste Werk von Bedeutung über diesen Gegenstand, welches nachwies, dass die große Pyramide wissenschaftliche Züge enthalte, wurde von John Taylor, von England, im Jahre 1859 herausgegeben, seit welcher Zeit die Aufmerksamkeit mancher fähiger Geister dem weiteren Studium des Zeugnisses dieses wunderbaren "Zeugen zugewendet wurde; besonders seit Prof. Piazzi Smyth, königlicher Astronom für Schottland, sie besucht hat und ihre Eigentümlichkeiten einer mehr monatlichen Forschung unterzog und der Welt die bemerkenswerten Tatsachen ihrer Konstruktion und ihrer Messungen und seiner Schlussfolgerungen daraus mitteilte. Seinem meisterhaften und wissenschaftlichen Werke, "Our Inheritance in the Great Pyramid" ( "Unser Vermächtnis in der Großen Pyramide") sind wir hauptsächlich für die in diesem Kapitel verwendeten Angaben verpflichtet. Unsere Illustrationen sind Kopien einiger der 17 Platten, mit welchen er sein Werk ausgestattet hat.

Einige Jahre nach Prof. Smyths Rückkehr wurde der Gedanke angeregt, dass die Pyramide Jehovas "Zeuge", und ein ebenso wichtiger Zeuge für die göttliche Wahrheit wie für die Naturwissenschaft sei. Dies war sowohl für Prof. Smyth wie für andere ein neuer Gedanke. Die Anregung kam von einem jungen Schotte, Robert Menzies, der beim Studium der wissenschaftlichen Lehren der großen Pyramide entdeckte, dass in ihr prophetische und chronologische Lehren neben einander existierten.

Bald wurde es deutlich, dass der Zweck ihrer Erbauung der war, einen Bericht über den göttlichen Heilsplan zu entwerfen, nicht weniger wie einen Bericht über die göttliche Weisheit in Bezug auf astronomische, chronologische, geometrische und andere wichtige Wahrheiten. Jedoch, da diese Herren den Umfang und die Vollständigkeit des in der Schrift geoffenbarten Heilsplanes nicht erkannten, verfehlten sie bis jetzt die aller herrlichsten und wunderbarsten Züge des Zeugnisses der großen Pyramide in dieser Richtung zu bemerken, welche wir jetzt als vollständigste Bestätigung des Planes der Zeitalter und der damit verbundenen Zeiten und Zeitläufe erkennen, wie sie in der Schrift gelehrt und in diesem Band und in den vorhergehenden Bänden von Tagesanbruch und dargelegt sind. Und ferner, wir sehen, dass diese Vorratskammer der Erkenntnis, wie der größte Teil der biblischen Schatzkammer, absichtlich versiegelt gehalten worden ist, bis ihr Zeugnis nötig wäre und verstanden werden sollte. Ist damit gesagt, dass ihr großer Baumeister wusste, eine Zeit würde kommen, da ihr Zeugnis notwendig werden würde; in anderen Worten, dass eine Zeit kommen würde, da Gottes geschriebenes Wort nur wenig geachtet und wohl ganz und gar in Frage gestellt werden würde; da menschliche Philosophie, unter dem Namen der Wissenschaft, hoch gepriesen und jeder Gedanke ihrer Entscheidung unterworfen werden würde? Hat Gott beschlossen, sich selbst und seine Weisheit gerade durch solche Proben auszuweisen? So scheint es. Dies Bauwerk wird noch als ein "Zeuge" für Jehova der Heerscharen - "in jenem Tage"; der schon angebrochen,- die Weisheit der Weisen zu Schanden machen.

Prof. Smyth ist zu dem Schluss gekommen, dass die große Pyramide im Jahre 2170 v.Chr. gebaut wurde. Er erreicht diese Schlussfolgerung zuerst durch astronomische Beobachtungen. Indem er bemerkte, dass die aufwärts führenden Passagen einem Teleskop (Fernrohr) entsprechen, und dass der "Eingang" dem "Zeiger" eines Astronomen entspricht, machte er sich daran, zu untersuchen, nach welchem besonderen Stern der letztere in der Vergangenheit irgend einmal hingewiesen haben könnte. Berechnungen ergaben, dass a Draconis, der Drachen-Stern, um Mitternacht der Herbst Tag-und Nacht-Gleiche des Jahres 2170 v.Chr. eine Stellung am Himmel einnahm, von welcher aus er direkt den Eingang hinunter schaute. Dann dachte er sich als einen Astronomen jener Zeit, dessen Zeiger auf a Draconis gerichtet sei, und annehmend, die aufwärts führenden Durchgänge seien ein Teleskop (dem sie auch sehr ähnlich sehen), rechnete er aus, welche Konstellation und welcher bedeutende Stern vor seinem so zu der bestimmten, von seinem Zeiger angegebenen Zeit, gestellten Teleskop gewesen sein würde, und fand, dass es die Plejaden gewesen sein mussten. Solch wunderbares Zusammentreffen überzeugte ihn, dass hierdurch das Thema der Erbauung der Pyramide angedeutet wurde, denn a Draconis ist nicht weniger ein Symbol der Sünde und Satans als Plejades ein Symbol Gottes und des Zentrums des Universums ist. Die große Pyramide zeigt somit an, dass ihr Baumeister um das Vorherrschen des Bösen und seiner Herrschaft, um den abwärts führenden Lauf der Sünde, wusste, und zeigt desgleichen an, was jenseits aller menschlichen Fernsicht liegt, dass die einzige Hoffnung für das Menschengeschlecht in Jehova ruht.

Dieser Schluss Prof. Smyths in Bezug auf das Datum der Gründung der großen Pyramide wurde später auf das reichlichste durch gewisse Messungen bestätigt, durch welche die Pyramide das Datum ihrer eigenen Erbauung angibt. Das Bewusstsein der Tatsache, dass die große Pyramide eine Weisheit in ihrem Entwurf bekundet, welche die Ägypter nicht besessen haben konnten, führte zu der Annahme, dass Melchisedek ihr Erbauer war. Er war "König von Salem (d.i. König des Friedens) und Priester des allerhöchsten Gottes" und nahm als Person und Vorbild eine so hohe Stellung ein, dass er ein Segner Abrahams war, der ihm auch den Zehnten bezahlte. Hiervon können wir wenig wissen, nur dass Melchisedek ein großer, friedlicher König war, und dass er um jene Zeit herum lebte, nicht sehr weit von dem Orte der großen Pyramide entfernt.

Man hat sich ausgedacht, dass Melchisedek, obwohl selbst kein Ägypter, ägyptische Arbeiter zum Bau der großen Pyramide verwandte. Und bis zu einem gewissen Grade unterstützen die Überlieferungen Ägyptens solch eine Annahme. Sie offenbaren die Tatsache, dass Ägypten um jene Zeit herum eine eigentümliche Invasion (Eroberung) von einem Volk erlebte, welches die Überlieferung als Hyksos (d.i. Hirten- oder friedliche Könige) bezeichnet. Diese friedlichen Usurpatoren scheinen nicht versucht zu haben, die Regierung Ägyptens im allgemeinen zu stören; und, nachdem sie eine Zeitlang zu irgend einem Zweck, den die Tradition nicht angibt, verblieben sind, verließen sie Ägypten wieder, ebenso friedlich wie sie gekommen waren. Zu diesen Hyksos oder friedlichen Königen, so nimmt man an, gehörte auch Melchisedek, und sie, denkt man sich, seien die Erbauer der großen Pyramide - des Altares und "Zeugen" Gottes im Lande Ägypten - gewesen.

Manetho, ein ägyptischer Priester und Schriftgelehrter, wird von Jesephus und anderen als Folgendes sagend angeführt: "Wir hatten vor dem einen König mit Namen Timaus. Zu seiner Zeit geschah es, ich weiß nicht wie, dass die Gottheit uns zürnte; und da kamen in einer sonderbaren Weise vom Osten her Leute von unedler Rasse (keine Krieger?), Hyksos, welche die Kühnheit hatten, unser Land zu überfallen, und es durch ihre Macht ohne eine Schlacht auf leichte Weise zu unterwerfen. Und als sie unsere Herrscher in ihrer Hand hatten, zerstörten sie den Tempel unserer Götter."

Ihre eigentümliche Lage

Die Pyramide liegt auf einer ebenen, felsigen Erhebung, den Fluss Nil überblickend, nicht weit von der Stadt Kairo, in Ägypten. Ein bemerkenswerter Umstand in Verbindung mit ihrer Lage ist der, dass das Delta des Nils ein Küstenland bildet, welches an Gestalt einen richtigen Viertel Kreis bildet, dessen inneren Winkel die Pyramide markiert.

Dieses Verhältnis der Küste zur großen Pyramide wurde von Henry Mitchell entdeckt, dem Haupt-Hydrographen, Seekartenmacher, des Küstenvermessungs-Amtes der Vereinigten Staaten, der im Jahre 1868 Ägypten bereiste, um über den Fortschritt des Suez-Kanals zu berichten. Seine Beobachtung der Regelmäßigkeit der Biegung der ganzen Nordküste Ägyptens entlang führte ihn zu dem Schluss, dass hierdurch irgend ein Zentralpunkt physischen Ursprungs angezeigt sei. Beim Nachforschen nach diesem großen Mittelpunkt fand er, dass derselbe durch die große Pyramide markiert war. Dies bewog ihn zu dem Ausruf: "Dieses Monument steht in einer wichtigeren physischen Lage als irgend ein von Menschen errichteter Bau."

Eine Linie vom "Eingang" gerade nach Norden gezogen würde durch den nördlichsten Punkt der Küste gehen; und Linien als Verlängerungen der nordöstlichen und nordwestlichen Diagonalen des Gebäudes gezogen, würden das Delta an beiden Seiten begrenzen, und so das fächer-gestaltete Land Unter-Ägyptens einschließen. (siehe die Illustration hiervon) Auf dem nördlichsten Rand des Gizeh-Felsen erbaut und diesen Kreisausschnitt oder das fächer-gestaltete Land Unter-Ägyptens überschauend, kann man in Wahrheit sagen, sie liege an der Grenze Ägyptens sowie in dessen nominellem Zentrum, wie es der Prophet Jesaja beschreibt. "An jenem Tage wird Jehova einen Altar haben mitten im Lande Ägypten und ein Steinmal (eine Pyramide) an seiner Grenze, welches zum Zeugnis dient für Jehova der Heerscharen im Lande Ägypten." - (Schmoller Parallelbibel) - Ein anderer der Beachtung werter Umstand ist, dass die große Pyramide im geographischen Mittelpunkt der Welt zu liegen scheint - einschließlich Nord- und Süd-Amerika, Länder, die noch Jahrhunderte seit der Erbauung der großen Pyramide unbekannt waren.

Ihre wissenschaftlichen Lehren

Die große Pyramide spricht zu uns nicht in Hieroglyphen, noch durch Skizzen, sondern nur durch ihre Lage, ihre Bauart und ihre Messungen. Die einzigen, vorgefundenen, ursprünglichen Marken oder Zeichen befinden sich in dem "Kammer-Gefüge" über der "Königs-Kammer". In den Passagen und Räumen der eigentlichen Pyramide gibt es durchaus keine. Die wissenschaftlichen Lehren der Pyramide müssen wir aus Raumersparnis auslassen und tun es besonders deshalb, weil unter 100 der gewöhnlichen Leser kaum einer die wissenschaftlichen Ausdrücke verstehen würde, so dass sie das Dargetane würdigen könnten. Es genüge daher, dass wir nur etwas davon andeuten, was und wie sie den Gelehrten belehrt. Z.B. das Maß der vier Seiten der Grundfläche, in gleicher Höhe mit den "Pfeilern" zusammen gezogen, macht ebenso viele Pyramidal-Ellen (Elle = 1½ Fuß) als es in 4 Jahren Tage gibt, bis auf den Bruchteil - einschließlich des Bruchteiles des Schaltjahres. Das Maß der Diagonalen der Grundfläche von Nordosten bis Südwesten und von Nordwesten bis Südosten gezogen, ergibt zusammen so viele Zoll, als es Jahre in dem Precessional-Zyklus (ein fortlaufender Kreislauf von Jahren gibt).

Diesen Zyklus hatten Astronomen schon auf 25.827 Jahre festgesetzt, und die Große Pyramide bestätigt ihre Annahme. Die Entfernung der Sonne, behauptet man, sei durch die Höhe und den Winkel der Pyramide angedeutet und betrage 91.840.270 engl. Meilen, und dies stimme fast genau mit den zuletzt erlangten Zahlen der Astronomen. Bis vor kurzem hatten Astronomen die Entfernung auf von 90 bis 96 Millionen geschätzt, und ihre letzte Berechnung und das Ergebnis war 92 Millionen. Die große Pyramide hat auch ihre eigene Weise, die besten Grundgewichte und Maße anzudeuten, auf die Größe und das Gewicht der Erde sich gründend, die, wie man behauptet, auch angegeben sei.

Über dieses wissenschaftliche Zeugnis und die Lage dieses majestätischen "Zeugen" schreibt Dr. Joseph Seiß:

"Noch ein großartigerer Gedanke ist in diesem wunderbaren Bau verkörpert. Unter ihren 5 Spitzen besitzt eine einen besonderen Vorrang; in ihr laufen alle ihre Seiten und äußeren Linien aus. Es ist die Ecke an der Spitze, die ihren Zeigefinger feierlich nach der Mittagssonne ausstreckt und durch ihre Entfernung von der Grundfläche die Entfernung jener Sonne von der Erde angibt. Und wenn wir nach dem Datum zurückgehen, welches die Pyramide sich selbst gibt, und nachsehen, auf was dieser Finger um Mitternacht hinwies, da finden wir eine weit erhabenere Andeutung. Man hat jetzt gefunden (glaubt es wenigstens gefunden zu haben), dass die Sonne gleichfalls in Bewegung ist, und ihr herrliches Gefolge von Kometen, Planeten, ihren Trabanten und deren Trabanten mit sich nehmend, sich um irgend ein anderes ungemein gewaltigeres Zentrum drehe. Die Astronomen sind jedoch nicht völlig einig, was und wo dieses Zentrum ist. Etliche nehmen jedoch an, dass die Richtung desselben nach den Plejaden zu finden sei und besonders Alcyone, der Zentralstern der berühmten Plejaden. Dem berühmten deutschen Astronomen, Prof. J. H. Maedler, gebührt die Ehre, diese Entdeckung gemacht zu haben. Alcyone, würde also, soweit Wissenschaft zu erkennen vermochte, der "Mitternachtsthron" sein, in dem das ganze System der Schwerkraft seinen Zentralsitz hat, und von welchem aus der Allmächtige sein Universum regiert. Und hier ist der wunderbar entsprechende Umstand, dass am Tage der Vollendung der Pyramide, um Mitternacht der Herbst Tag-und Nacht-Gleiche und daher dem wahren Anfang des Jahres (Der Anfang des jüdischen Jahres; anhebend mit dem Tag der Versöhnung, wie es in Millenniums-Tagesanbruch, Band 2, gezeigt wurde.) wie es sich noch in den Traditionen vieler Völker erhalten hat, die Plejaden über den Meridian dieser Pyramide verteilt waren, mit Alcyone (the Tauri) genau auf der Linie. Hier nun finden wir einen Hinweis der höchsten und erhabensten Art, welchen bloß menschliche Wissenschaft nicht einmal anzudeuten fähig war, und welcher jener Rede Gottes, als er Hiob fragte: "Kannst du knüpfen das Gebinde des Siebengestirns" eine unerwartete und mächtige Bedeutung verleiht."

Ihr Zeugnis betreffs des Planes der Erlösung

Während jeder Zug der Lehre der Pyramide wichtig und von Interesse ist, so richtet sich doch unser Hauptinteresse auf ihren schweigsamen und doch beredeten Symbolismus des Planes Gottes- des Planes der Zeitalter. Es wäre freilich unmöglich, den Plan Gottes zu verstehen, wie er durch sie illustriert ist, hätten wir diesen Plan nicht zuerst in der Bibel entdeckt. Doch da wir ihn da gezeichnet fanden, so ist es gar Glaubens stärkend, es hier aufs neue angegeben zu finden, und ferner zu bemerken, dass sowohl die Wahrheiten der Natur als auch die Wahrheiten der Offenbarung von dem selben großen Autor in seinem wunderbaren Stein- "Zeugen" anerkannt und bezeugt werden.

In Hinsicht auf das, was die Pyramide auf diese Weise lehrt, hat sie von außen betrachtet eine herrliche Bedeutung. Sie stellt den vollendeten Plan Gottes dar, wie er am Ende des Tausendjahrtages sein wird. Die Krone derselben wird Christus sein, das anerkannte Haupt über alle, und jeder andere Stein genau in diesen glorreichen, vollkommenen und vollständigen Bau eingefügt. Der ganze Prozess des Meiselns, Polierens und Einpassens wird dann vollendet sein, und alle werden unter einander und mit dem Haupte durch Liebe verbunden und verkittet sein. Wenn die Pyramide als Ganzes den vollständigen Plan Gottes repräsentiert, so repräsentiert sein Eckstein an der Spitze Christus, den Gott hoch erhöht hat als das Haupt über alle. Und dass es Christus darstellt, wird nicht nur dadurch angezeigt, dass es so genau als Symbol Christi (siehe Band 1, Kap. 5, und auf der Karte der Zeitalter x, y, z, w) passt, sondern auch durch zahlreiche Bezugnahmen auf dieses Symbol durch die Propheten und Apostel und durch unseren Herrn selbst.

Jesaja (28:16) nimmt auf Christus Bezug als den "kostbaren Eckstein." Sacharja (4:7) bezieht sich auf die Einrichtung desselben an der Spitze des vollendeten Gebäudes unter großen Freudenrufen, indem er sagt: "Er wird den Schlussstein (Giebelstein) herausbringen unter lautem Zuruf: Gnade, Gnade ihm!" Als der Giebelstein der großen Pyramide gelegt war, da gab es ohne Zweifel großen Jubel unter den Erbauern und denen, die dabei interessiert waren, dass dem vollendeten Werke die Krone aufgesetzt war. Hiob (38:6, 7) redet auch von dem Frohlocke, als der Haupteckstein gelegt wurde, und er bezeichnet den Haupt- oder krönenden Eckstein noch genauer, indem er die 4 anderen Ecksteine zuerst erwähnt: "Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt? oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne zumal jubelten, und alle Gottessöhne jauchzten?" Auch der Prophet David redet von unserem Herrn und gebraucht eine Redefigur, die genau diesem Stein "Zeugen" Ägyptens entspricht. Er sagt prophetischerweise vom Standpunkt der Zukunft aus: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eck- und Hauptstein (Haupt der Ecke) geworden. Von Jehova ist dies geschehen; wunderbar ist es in unseren Augen. Dies ist der Tag (der Tausendjahrtag der Herrlichkeit Christi als des Hauptes und Herrschers der Welt), den Jehova gemacht hat; frohlocken wir, und freuen wir uns in ihm." (Psalm 118:22-24) Und wir denken daran, dass unser Herr gerade diese Prophezeiung auf sich selbst anwandte und zeigte, dass er der verworfene Stein war, und dass Israel durch seine Baumeister, die Priester und Pharisäer, es war, das ihn verwarf. - Matth. 21:42, 44; Apg. 4:11

Wie vollständig der Giebelstein der Pyramide all dies illustriert! Der Giebelstein, der zuerst verfertigt wird, dient den Arbeitern als Muster oder Modell für das ganze Gebäude, dessen Winkel und Proportionen sich ganz nach ihm richten müssen. Und wir können leicht verstehen, dass dieser Stein, während der Bau im Fortschritt begriffen war, von den Bauleuten verworfen und nichts geachtet wurde, weil sie für ihn keine passende Stelle finden konnten. Seine 5 Seiten, 5 Ecken und 16 verschiedenen Winkel machten ihn für das ganze Gebäude unbrauchbar, bis der eigentliche Giebelstein nötig war, und dann passte kein anderer Stein. All die Jahre entlang, während das Bauen vor sich ging, wird dieser Haupt-Eckstein ein "Stein des Anstoßen" und ein "Fels des Ärgernisses" gewesen sein für die, welche seine Nutzbarkeit und seine Stellung nicht kannten, gerade wie Christus für viele ist und noch sein wird, bis sie ihn als den Haupt-Eckstein des Planes Gottes erhöht gesehen haben.

Die Gestalt der Pyramide stellt Vollkommenheit und Vollständigkeit dar und redet zu uns symbolisch (bildlich) vom Plane Gottes; sie zeigt "die Verwaltung der Fülle der Zeiten, alles unter ein Haupt zusammen zu bringen (in eine harmonische Familie, wenn auch auf verschiedenen Daseinsstufen) in dem Christus, das was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm" - alles, was sich nicht fügt, wird abgeschnitten. - Eph. 1:10; 2:20-22

Wie die innere Bauart der Großen Pyramide den Plan der Erlösung andeutet.

Während jedoch das äußere Zeugnis dieses großen Bauwerkes so vollständig ist und in Übereinstimmung mit der geschriebenen Offenbarung Gottes, so ist ihre innere Bauart noch viel wunderbarer. Während ihre äußere Gestalt das vollendete Resultat des Planes Gottes darstellt, (siehe Karte der Zeitalter in Band 1), so markiert und illustriert die innere Konstruktion jeden hervortretenden Zug des Erlösungsplanes, wie er sich von Zeitalter zu Zeitalter, bis zu seiner herrlichen und schließlichen Vollendung herab entwickelt hat. Hier stellen die Steine auf den verschiedenen Ebenen oder Stufen die Vollkommenheit all derer dar, welche unter Christo Jesu, unserem Haupte, dem vollkommenen Willen Gottes gemäß gestaltet werden, wie wir es schon aus der Schrift erkannt haben. Etliche werden auf der menschlichen Stufe und etliche auf der geistigen und göttlichen Stufe oder Natur vollendet. So wird der Boden der "Königs-Kammer" als auf der 50. Lage des Mauerwerkes beschrieben, der der "Königin-Kammer" auf der 25. Lage und das untere Ende der "ersten aufsteigenden Passage", wenn sie durch den "Pflock", wie wir bald zeigen werden, verlängert wird, würde herunter reichen bis zur Grundlinie der Pyramide. So erscheint die große Pyramide von ihrer Grundlinie aufwärts als ein Sinnbild des Heilsplanes Gottes oder seines für die ganze Menschheit vorgesehenen Planes, sie aus Sünde und Tod emporzuheben. Die Grundlinie entspricht so dem Datum der Bestätigung der Verheißung Gottes dem vorbildlichen Israel gegenüber - dem Anfang des Emporhebungs - oder Heils-Prozesses.

Ein sorgfältiges Betrachten des begleitenden Abrisses, welcher die innere Einrichtung dieses wunderbaren Baues zeigt, wird hiermit angeraten. Die große Pyramide hat nur eine eigentliche "Eingangs Passage". Diese Eingangs Passage ist regelmäßig, aber niedrig und schief und führt hinab in einen kleinen Raum, die in den Felsen eingehauene "unterirdische Kammer". Diese Kammer ist von eigentümlicher Konstruktion. Die Decke ist schön ausgearbeitet und die Seiten nur angefangen, während der Boden rau und unbearbeitet ist. Dies, haben etliche gemeint, bedeute den "Abgrund", welcher Ausdruck in der Schrift als Symbol des Unglücks, der Vergessenheit und der Vernichtung gebraucht wird. Diese "Eingangs Passage" stellt passend den gegenwärtigen abwärts der Vernichtung zu führenden Lauf der Menschheit dar, während die "unterirdische Kammer" durch ihre eigentümliche Konstruktion die große Trübsal, das Unglück, die Vernichtung, den "Sold der Sünde" illustriert, wo ihr abwärts führender Lauf endet.

Die "erste aufwärts steigende Passage" ist ungefähr von derselben Größe wie die "Eingangs Passage", von der sie abzweigt. Sie ist eng, niedrig und schwer zu ersteigen, erweitert sich jedoch an ihrem oberen Ende in einen großen, eleganten, saalartigen Weg, die "große Galerie" genannt, deren Decke siebenmal so hoch ist, als die zu ihr führenden Passagen. Die niedrigere "erste aufsteigende Passage" wird die Heilszeitordnung des Gesetzes darzustellen angenommen und Israel als Volk vom Auszug aus Ägypten an. Da verließen sie die Völker der Welt und ihren abwärts führenden Lauf, um Gottes heiliges Volk und unter seinem Gesetze zu sein - mit dem Vorsatz, von da an einen aufwärts führenden und schwierigeren Pfad zu wandeln als die Heiden der Welt, nämlich, das Gesetz zu halten. Die "große Galerie", versteht man, repräsentiere die Periode des Rufes des Evangeliums - noch aufwärts führend und schwierig, jedoch nicht so eingeengt wie der hinter ihr liegende. Die Erhabenheit und größere Breite dieser Passage repräsentiert recht passend die größere Hoffnung und die größere Freiheit der christlichen Heilszeitordnung.

Eben mit dem Boden der "großen Galerie" an ihrem unteren Ende, beginnt unter ihr eine "horizontale Passage", welche in ein kleines Zimmer führt, das gewöhnlich die "Königin-Kammer" genannt wird. Am oberen Ende der "großen Galerie" ist eine andere niedrige Passage, in ein kleines Zimmer, das "Vor-Zimmer" genannt, führend, welches von sehr eigentümlicher Bauart ist und welches einigen den Gedanken einer Schule oder eines Ortes der Unterweisung und Prüfung nahe gelegt hat.

Das Haupt-Zimmer der Pyramide jedoch, sowohl was Größe als Bedeutung der Lage anbetrifft, liegt ein wenig weiter vorwärts von dem "Vorzimmer" und ist von ihm durch eine weitere, niedrige Passage getrennt. Dieses Zimmer ist als die "Königs-Kammer" bekannt. Über ihr sind eine Anzahl kleiner Räumlichkeiten, das Kammer-Gefüge oder "Konstruktions-Kammern" genannt. Die Bedeutung derselben, wenn sie eine solche haben, bezieht sich nicht auf die Menschen, noch auf irgend ein anderes Wesen, das da geht, sondern auf Geistwesen, denn man wird auf dem Abriss bemerken, dass, obgleich die Seiten und die Decken rechtwinkelig und fertig gearbeitet sind, sie doch alle keine Bodenfläche haben. Die "Königs-Kammer" enthält einen "Kasten" oder eine Steinkiste, das einzige Möbel, welches in der großen Pyramide zu finden ist. Für Ventilation ist in der "Königs-Kammer" durch zwei Luft-Passagen gesorgt, welche ihre Wände an entgegengesetzten Seiten durchdringen und sich bis an die äußerste Oberfläche erstrecken. Zu diesem Zweck wurden sie von den Erbauern eingerichtet. Manche haben spekuliert, dass es noch andere Räumlichkeiten und Passagen gäbe, für spätere Entdeckungen, aber wir teilen diese Meinung nicht. Uns scheint es, dass die schon entdeckten Passagen völlig den göttlich beabsichtigten Zweck erfüllen, ein Zeugnis für den ganzen Plan Gottes abzulegen, wie derselbe in der Schrift geoffenbart ist.

An der westlichen Seite des unteren oder nördlichen Endes der "großen Galerie", nach unten führend, befindet sich eine unregelmäßige Passage, die "Grube" genannt. Sie führt in die absteigende "Eingangs Passage." Ihr Weg geht durch eine Grotte in dem natürlichen Felsen. Die Verbindung dieser Passage und der "großen Galerie" zeigt große Unordnung. Es scheint, als ob der Zugang zur "Königin-Kammer" ursprünglich verborgen gewesen ist, dass er durch die Fußbodenplatten der "großen Galerie" verdeckt war, und dass die Mündung der "Grube" gleichfalls von einer Steinplatte bedeckt war. Doch jetzt ist das ganze untere Ende der "großen Galerie" weggerissen, und so ist die Passage zur "Königin-Kammer" geöffnet und die "Grube" offen gelassen. Diejenigen, welche dort gewesen sind und es untersucht haben, sagen, dass es so aussieht, als ob an der Mündung der "Grube" eine Explosion stattgefunden habe, welche sie von unten her erbrochen hat. Unsere Meinung ist jedoch, dass eine solche Explosion nie stattgefunden hat, sondern dass die Sachen von den Erbauern absichtlich so, wie sie sind, gelassen wurden, um gerade das anzuzeigen, was durch die angenommene Explosion angedeutet würde; worauf später Bezug genommen wird. Tatsache ist es, dass keine dieser Steine sich jetzt dort vorfinden, und das es sehr schwierig gewesen wäre, sie zu entfernen.

Am oberen oder südlichen Ende der "großen Galerie" erstreckt sich die Linie des Fußbodens von dem "Vorzimmer" und der "Königs-Kammer" in die "große Galerie" und bildet ein ursprüngliches Hindernis oder eine hohe Stufe an ihrem oberen Ende. Diese Stufe bildet einen Vorsprung von 61 Zoll von der südlichen Wand. Diese Wand am südlichen Ende der "großen Galerie" hat gleichfalls eine Eigentümlichkeit: sie ist nicht senkrecht, sondern lehnt sich nach Norden zu - am oberen Ende um 7 Zoll - und an ihrem obersten Ende befindet sich eine Öffnung oder ein Durchgang, welcher die Verbindung mit den sogenannten "Konstruktions-Kammern" über der Königs-Kammer herstellt.

Die Passage und die Fußböden der Pyramide sind aus Kalkstein, wie überhaupt das ganze Gebäude, ausgenommen in der "Königs-Kammer", dem "Vorzimmer" und der Passage zwischen ihnen, wo die Fußböden und die Decken aus Granit sind. Das einzige, sonst in dem Gebäude zu findende Granitstück ist der aus Granit bestehende "Pflock", der fest in das untere Ende der "ersten aufsteigenden Passage" eingeklemmt ist. Wie ursprünglich von den Erbauern gelassen, war die "erste aufsteigende Passage" an ihrem unteren Ende, wo es sich mit der "Eingangs Passage" verbindet, durch einen genau passenden, winkeligen Stein versiegelt; und dies war so geschickt getan, dass die "aufsteigende Passage" unbekannt war, bis der Stein "zu seiner Zeit" herabfiel. Nahe bei dem unteren Ende dieser "ersten aufsteigenden Passage" und gerade hinter dem versiegelnden Stein war der aus Granit bestehende "Pflock" etwas keilförmig gestaltet und augenscheinlich bestimmt, hier zu bleiben, denn er hat bisher allen Anstrengungen, ihn zu entfernen, widerstanden.

Obgleich die "Eingangs Passage" den Alten wohl bekannt war, wie es durch Historiker bezeugt ist, so war doch Al Mamoun, ein arabischer Kalif, augenscheinlich über ihre genaue Lage in Unwissenheit, außer dass die Überlieferung sie auf die nördliche Seite der Pyramide verlegte, als er, wie auf dem Abriss gezeigt wird, im Jahre 825 n.Chr. mit großen Kosten einen Eingang erzwang, in der Hoffnung, wunderbare Schätze zu finden. Doch, obwohl sie ungeheure geistige Schätze enthielt, die jetzt gewürdigt werden, so enthielt sie allerdings keine von der Art, wie die Araber welche suchten. Ihre Arbeit war jedoch nicht ganz vergeblich, denn, während sie arbeiteten, fiel der aus seiner Stellung gerüttelte Stein, welcher die aufwärts führende Passage versiegelte, in die "Eingangs Passage" und machte das Geheimnis kund und offenbarte die "aufsteigende Passage". Die Araber, in der Meinung, sie hätten endlich den Weg nach den heimlichen Schätzen gefunden und unfähig, den aus Granit bestehenden "Pflock" zu beseitigen, erzwangen sich einen Durchgang um ihn herum, indem sie den viel weicheren Kalkstein erbrachen.

Das Zeugnis der Großen Pyramide betreff des Planes der Zeitalter

Robert Menzies, der junge Schotte, der zuerst die religiöse oder messianische Seite der Lehre der großen Pyramide vermutete, sagte in einem Brief an Prof. Smyth: "Von dem nördlichen Anfang der großen Galerie, nach oben führend, begannen die Jahre des Lebens unseres Heiland. 33 Zoll-Jahre bringen uns daher gerade gegenüber von der Mündung der Grube."

Ja, diese "Grube" ist, so zu sagen, der Schlüssel zur ganzen Geschichte. Sie repräsentiert nicht nur den Tod und das Begräbnis unseres Herrn, sondern auch seine Auferstehung. Dies letztere wird durch den schon bemerkten Zug nachgewiesen, dass die Mündung der "Grube" und ihre Umgebung aussieht, als ob eine Explosion sie von unten erbrochen hätte. So erbricht unser Herr die Bande des Todes und bringt Leben und Unsterblichkeit ans Licht- er öffnet so einen neuen Weg zum Leben (Hebr. 10:20). Es war nicht möglich, dass er vom Tode festgehalten werde (Apg. 2:24), ist die scheinbare Sprache der zerrissenen Felsstücke, welche die obere Öffnung dieser "Grube" umgeben. Wie die "Grube" der einzige Weg war, um zu diesen aufwärts führenden Passagen der Pyramide Zutritt zu erhalten, so ist der einzige Zugang zum Leben auf irgend welcher Stufe für das gefallene Geschlecht nur durch den Tod und die Auferstehung unseres Erlösers ermöglicht. Wie die "erste aufsteigende Passage" vorhanden, aber unpassierbar war, so stand der jüdische oder Gesetzes-Bund als ein Weg oder Angebot des Lebens da, aber es war ein unbrauchbarer Weg zum Leben. Keiner des gefallenen Geschlechtes konnte auf ihm, durch Wandel in seinem vorgezeichneten Lauf, das Leben erreichen oder hat es je erreicht. "Durch des Gesetzes Werk wird kein Fleisch vor ihm (zum Leben) gerechtfertigt." (Röm. 3:20) Doch, was die "Grube" symbolisiert, nämlich das Lösegeld, ist der einzige Weg, durch welchen irgend ein Glied des verurteilten Geschlechtes das erreichen kann, was der göttliche Plan so reichlich bereitet - nämlich dauerndes Leben.

Jahre vor dieser Vermutung, dass die "große Galerie" die christliche Heilszeitordnung darstellte, hatte Prof. Smyth durch astronomische Beobachtung das Datum der Erbauung der Pyramide auf das Jahr 2170 v.Chr. festgesetzt; und als Mr. Menzies die Vermutung aussprach, dass die Zölle, welche der Fußboden der "großen Galerie" misst, Jahre repräsentierten, kam es einem anderen in den Sinn, dass, wenn diese Annahme richtig wäre, das Maß der Bodenlinie (rückwärts von der unteren Kante der "großen Galerie" der "ersten aufsteigenden Passage" hinab bis zu ihrer Vereinigung mit der "Eingangs Passage" ,und von da aufwärts der "Eingangs Passage" entlang dem Eingang der Pyramide entgegen) irgend ein Zeichen oder eine Andeutung in der Eingangs Passage entdecken lassen sollte, welches mit obigem Datum stimmt, und so das Datum der Erbauung der Pyramide und die Richtigkeit der Zoll-Jahr-Annahme ausweise. Dies, obwohl nicht unvernünftig, war eine peinliche Probe. Die Dienste eines Zivil-Ingenieurs wurden erhalten, um die Pyramide aufs neue zu besuchen und sehr genaue Messungen der Passagen, usw., vorzunehmen. Dies geschah im Jahre 1872, und der Bericht dieses Herrn war bis zum letzten Grad bestätigend. Seine Messungen zeigen, dass die soeben beschriebene Bodenlinie 2.170½ Zoll beträgt bis zu einer sehr fein gezogenen Linie in der Wand der "Eingangs Passage." Somit ist das Datum ihrer Erbauung doppelt bezeugt, während die Bodenlinie ihrer Passagen sich als geschichtliche und chronologische Pergamentrollen ausweisen, welche noch überall als "ein Zeugnis Jehovas im Land Ägypten" gehört werden sollen.

Hiermit sind wir imstande, dank der überaus genauen Messungen aller Passagen, welche Prof. Smyth herbeischaffte, das zu erreichen, was für uns die bei weitem interessantesten Züge der Lehren dieses "Zeugen" sind, die noch je hervorgebracht wurden.

Als wir zuerst dazu kamen, das zu verstehen und zu würdigen, was wir über das Zeugnis der großen Pyramide schon erwähnt haben, da sagten wir sogleich: Wenn sie in der Tat sich als eine Bibel in Stein ausweist, wenn sie eine Urkunde der geheimen Pläne des großen Baumeisters der Welt ist, in der sein Vorherwissen und seine Weisheit sich darlegt, dann sollte sie und wird sie in voller Übereinstimmung stehen mit seinem geschriebenen Worte. Der Umstand, dass die Geheimnisse der Pyramide bis zum Ende der 6000-jährigen Geschichte der Welt verschlossen blieben, und dass sie jetzt ihr Zeugnis gibt, da der Tausendjahrtag herauf dämmert, ist in vollständiger Harmonie mit dem geschriebenen Wort, dessen reichliches Zeugnis betreff des herrlichen Planes Gottes gleicherweise seit Grundlegung der Welt geheim gehalten wurde, und erst jetzt anfängt, in seiner Fülle und Herrlichkeit hervor zu strahlen.

Wir haben in den vorhergehenden Bänden und in den vorigen Kapiteln dieses Bandes das deutliche Zeugnis des geschriebenen Wortes dargelegt, welches zeigt, dass wir jetzt auf der Schwelle eines neuen Zeitalters stehen - dass der Tausendjahrtag mit seinem Wechsel der Weltbeherrscher, von der Herrschaft des "Fürsten dieser Welt" und seiner Anhänger zur Herrschaft dessen, "dem es (durch Kauf) gebührt", und seiner treuen Geweihten im Anbruch begriffen ist. Wir sahen, obwohl das Resultat dieses Wechsels ein großer Segen sein wird, dass die Zeit der Übertragung, während welcher der gegenwärtige Fürst, der "Starke", gebunden wird und seine Hausgenossen aus der Macht getrieben werden (Matth. 12:29; Offb. 20:2), eine Zeit intensiver Trübsal sein wird. Der Zeitbeweis der Schrift, welchen wir betrachtet haben, zeigt, dass diese Trübsal mit der Zeit des zweiten Adventes Christi anfangen sollte (im Oktober 1874), wo selbst das Richten der Völker unter dem erleuchtenden Einfluss des Tages Jehovas beginnen würde. Dies zeigt sich in der Pyramide auf folgende Weise:

Die "abwärts führende Passage", welche vom Eingang der großen Pyramide hinab in den "Abgrund" oder in die "unterirdische Kammer" führt, stellt den Lauf der Welt im allgemeinen (unter dem Fürsten dieser Welt) in die Zeit der großen Trübsal (den "Abgrund") dar, in welchem das Böse zu Ende kommen soll. Diese Periode zu bemessen und zu bestimmen, wann der Abgrund der Trübsal erreicht sein wird, ist leicht genug, wenn wir ein bestimmtes Datum haben - einen Punkt in der Pyramide, von dem wir auszugehen haben. Wir besitzen diese Datum Marke an der Vereinigung der "ersten aufsteigenden Passage" mit der "großen Galerie". Dieser Punkt markiert die Geburt unseres Herrn Jesu (das Jahr 1), wie die "Grube", 33 Zoll weiter, seinen Tod anzeigt. Wenn wir also der "ersten aufsteigenden Passage" hinab bis zu ihrem Vereinigungspunkt mit der "Eingangs Passage" messen, so gibt uns das ein festes Datum, um es an der hinab führenden Passage zu markieren. Dieses Maß beträgt 1542 Zoll und gibt das Jahr 1542 v.Chr. als das Datum an jenem Punkte an. Dann, von diesem Punkte an, die "Eingangs Passage" hinab messend, um die Entfernung bis zum Eingang des Abgrundes zu finden, der die große Trübsal und Zerstörung darstellt, mit welcher dieses Zeitalter schließen soll, da das Böse von seinem Thron gestoßen sein wird, erfahren wir, dass es 3416 Zoll beträgt, welche 3416 Jahre symbolisieren von dem obigen Datum, 1542 v.Chr., an. Diese Berechnung zeigt das Jahr 1874 n.Chr. an, als den Anfang der Periode der Trübsal markierend, denn 1542 v.Chr. plus 1874 n.Chr. macht 3416 Jahre. So bezeugt die Pyramide, dass der Schluss des Jahres 1874 der chronologische Anfang der Zeit der Trübsal war, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht, nein, noch auch je sein wird. Und so wird man bemerken, dass dieser "Zeuge" das biblische Zeugnis über diesen Gegenstand völlig bestätigt, wie es durch die "parallelen Heilszeitordnungen" im Millenniums-Tagesanbruch, Band 2, Kap. 7, gezeigt wurde.

Noch sollte irgend jemand die Tatsache bezweifeln, dass die 40 Jahre des Gerichtes und der Trübsal im Herbst des Jahres 1874 begannen, weil die Trübsal noch kein unerträgliches Stadium erreicht hat, und weil die Zeit seit jenem Datum in einiger Hinsicht eine Zeit großer Fortschritte an Erkenntnis gewesen ist. Beachte, dass all dies in der großen Pyramide gezeigt und in dem Abriss des "Abgrundes" illustriert wird, welcher von Prof. Smyth ohne irgend welche Bezugnahme auf diese Anwendung gezeichnet wurde.

Zudem, sollten wir im Auge behalten, dass das Wort des Herrn deutlich zeigt, dass die Gerichte dieser Zeit der Trübsal mit der nominellen Kirche ihren Anfang nehmen als Vorspiel zu ihrem Sturz, und in dem selbstsüchtigen Ringen zwischen Kapital und Arbeit, welche beide sich jetzt für die schließliche Trübsal organisieren.

Die Gestalt und Fertigstellung dieses untersten Raumes oder des "Abgrundes" sind besonders bedeutsam. Die Decke und Teile der Wände sind regelmäßig, aber er hat keinen Fußboden. Sein rauer, unbehandelter Boden, der sich nach der Ostseite tiefer und tiefer senkt, gab so Grund zu dem öfters auf ihn angewendeten Namen, "Abgrund." Dieser Raum redet von Freiheit und Befreiung ebenso wohl wie von Trübsal - von Aufrichtung ebenso wohl wie von Erniedrigung oder Verkommenheit. Denn, wenn der Besucher denselben erreicht, abgespannt und müde von der gebückten Stellung, welche die Niedrigkeit der "Eingangs Passage" aufnötigte, findet er nicht nur einen Schritt abwärts in größere Tiefe und auf einen sehr unebenen, unterbrochenen, "beschwerlichen Fußboden", sondern er findet auch eine große Erhebung. Ein Teil dieses Raumes ist viel höher als der Eingang zu ihm. Dadurch wird angedeutet, dass die Menschheit, daselbst angelangt, für ihren geistigen Organismus größeren Umfang beansprucht.

Wie sehr stimmt dies mit den Tatsachen. Hauptsächlich seit 1874 hat der Geist der Freiheit die Massen der zivilisierten Völker erreicht. Wir halten hier nicht ein, die Haltbarkeit und Unhaltbarkeit der von den Massen gefühlten und beanspruchten Freiheiten zu betrachten, obwohl auch dies in diesem Raum durch die Erhöhung der Decke und das Einsinken des Bodens angezeigt ist. Wir merken uns bloß die Tatsache, dass das Licht unseres Tages - des Tages des Herrn - den Geist der Freiheit verursacht; und der Geist der Freiheit, der da mit dem Stolz, dem Reichtum und der Macht derjenigen, welche noch in der Herrschaft sind, in Berührung kommt, wird die Ursache der Trübsal sein, welche, wie die Schrift uns sagt, schließlich ungeheuer groß sein wird. Obgleich sie soweit kaum angefangen hat, sehen doch Könige und Kaiser und Staatsmänner und Kapitalisten und alle Leute, dass sie herankommt, und "die Menschen verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden", denn die Kräfte des Himmels (die gegenwärtig herrschenden Mächte) werden erschüttert und sollen schließlich beseitigt werden. Die schlimmen Systeme - in staatlicher, gesellschaftlicher und religiöser Beziehung - der "gegenwärtigen argen Welt" werden in Vergessenheit, in Vernichtung sinken, was die unterirdische Kammer oder "der Abgrund" gleichfalls symbolisiert. Denn wir betrachten den "Abgrund" nicht nur als ein Symbol der überwältigenden Trübsal, welche die gegenwärtige Ordnung der Dinge (um ihrer Unhaltbarkeit willen der besseren Ordnung der Dinge gegenüber, welche unter dem Königreich Gottes hergestellt werden soll) in ihrem Sturz und Untergang verwickelt, sondern auch als ein Symbol des gewissen Endes jenes Wesens, das da fortfährt, dem abwärts führenden Lauf zu folgen, und unter der vollen Erleuchtung des Millenniums sich verweigert, mit seinen Sünden zu brechen und der Gerechtigkeit nachzujagen.

Beachte einen anderen Gedanken in dieser Verbindung: Die "Eingangs Passage" hat einen regelmäßigen Fall, bis sie sich dem "Abgrund" nähert. Da hört ihre schiefe Richtung auf, und sie läuft horizontal. Rückwärts messend vom Eingang in die unterirdische Kammer oder den "Abgrund" an bis zur Vereinigung des horizontalen und des im Winkel laufenden Teiles der Passage, finden wir, dass die Entfernung 324 Zoll beträgt. Folglich markiert der Anfang des ebenen Teiles der Passage 324 Jahre vor 1874, nämlich das Jahr 1550. Das scheint zu sagen, dass um jene Zeit herum (1550 n.Chr.) etwas sich ereignete, was auf den Lauf der Zivilisation von großem Einfluss war und in gewissem Maße die abwärts führende Neigung zum Stillstand brachte. Was geschah damals? Welch große von jenem Datum bezeichnete Bewegung hatte solchen Einfluss?

Wir antworten: Die Reformationsbewegung ist damit bezeichnet - der große Protest gegen die Irrtümer und die Verderbnis der Kirche Roms, deren Macht und Einfluss in den vergangenen Jahrhunderten eine solche verderbliche Wirkung ausübten, dass dieselben jetzt in der Geschichte als das "finstere Zeitalter" bekannt sind. Dieses Datum (1550 n.Chr.) bezeichnet kein besonderes Ereignis der Reformation Bewegung, noch sollte es. Irgend ein einzelnes Ereignis bezeichnet zu haben, würde einem solchen zu viel Bedeutung beigemessen zu haben scheinen. Die Tatsache ist, dass die Reformation nicht eine Handlung war, sondern aus vielen Handlungen bestand. Nicht durch einen Verbesserer oder durch eine Klasse Verbesserer, sondern durch viele Verbesserer und viele Verbesserungen ging sie von Statten. Und obwohl keine vollständig war, halfen alle der Verderbnis und dem abwärts gehenden Lauf der Welt Einhalt zu gebieten. Und beachte auch, dass dieser "Zeuge" eine gerade Zahl angibt und nicht ein ungerades Datum oder ein besonderes Jahr, wie wir es machen würden. Wenn uns jemand nach dem Datum der protestantischen Reformation fragen würde, so würden wir nicht 1539 oder 1567 sagen, sondern würden es genau wie die Pyramide angeben: Ungefähr das Jahr 1550 n.Chr. markiert die Reformation Bewegung, und besonders die Zeit, da ihr Einfluss anfing, sich in der Welt fühlbar zu machen. Wer wusste etwas von jener Bewegung und ihrem Einfluss zur Zeit der Erbauung der Pyramide? Dasselbe große Wesen, dessen Vorherwissen die gleichen Gedanken in den Worten des Propheten Daniel zum Ausdruck brachte (11:34), der da sagt: "Und wenn sie fallen (oder inmitten ihres Falles), wird ihnen mit einer kleinen Hilfe geholfen werden." Diese Hilfe war der Einfluss der Reformation in der Welt, welcher dem völligen Auslöschen der Wahrheit durch die damals am Ruder befindliche "Hure" vorbeugte, die da "trunken war von dem Blute der Heiligen und von dem Blute der Zeugen Jesu." - Offb. 17:6

Doch während die obigen Messungen ihr harmonisches Zeugnis ablegten, scheint ein anderes Maß mit dem biblischen Bericht ganz außer Harmonie zu sein, nämlich, das der "ersten aufsteigenden Passage", welche nach unserer Annahme die Periode von der Zeit des Auszuges Israels aus Ägypten bis zur Geburt unseres Herrn Jesu (Diese Periode ist nicht die gleiche, wie die in Band 2 Kap. 7, als das jüdische Zeitalter bezeichnete. Dasselbe begann 198 Jahre vor dem Auszug beim Tod Jakobs und lief nicht zu Ende bis unser Herr, den sie verwarfen, fünf Tage vor seiner Kreuzigung ihr Haus der Verwüstung überließ.) darstellt. Den biblischen Bericht, wie er (Band 2, Kap. 7) gegeben wurde, könnten wir nicht bezweifeln, da wir seine Richtigkeit in so vieler Hinsicht nachgewiesen haben. Er zeigte, dass die Zeit vom Auszug aus Ägypten bis zum Jahre 1 genau 1614 Jahre waren, während die Bodenlinie der "ersten aufsteigenden Passage" nur 1542 Zoll misst. Dann weiter, wir wussten aus den Worten unseres Herrn und der Propheten über allen Zweifel hinaus, dass das Zeitalter des Gesetzes und der "Gnade", für Israel dem Fleische nach, nicht mit der Geburt Jesu aufhörte, sondern erst 3½ Jahre nach seinem Tod, am Schluss ihrer 70 Wochen der Gnade, im Jahre 36 n.Chr. (siehe Band 2, Kap. 7). Dies würde die Periode vom Auszug bis zum vollen Ende ihrer Gnade (1614 + 36) auf 1650 Jahre bringen. Und obwohl die Größe und der Segen der neuen Heilszeitordnung in einem gewissen Sinne mit der Geburt Jesu anfing (Luk. 2:10-14, 25-38), so sollte doch die Pyramide irgendwie die volle Länge der Gnadenzeit Israels angeben. Dies fanden wir endlich auf ganz meisterhafte Weise angedeutet. Der aus Granit bestehende "Pflock" erwies sich aus, genau so lang zu sein, dass er diese Periode völlig ausfüllte. Nun wussten wir, warum der "Pflock" so sicher befestigt war, dass niemand ihn zu entfernen vermochte. Der große Baumeister hatte ihn dahin getan, wo er war, dass er da bleiben sollte, damit wir heutigen Tages sein Zeugnis vernehmen könnten, welches die Bibel, sowohl was ihren Plan als auch ihre Chronologie betrifft, bestätigt.

Beim Messen dieser Passage mit ihrem "Pflock" sollten wir sie ansehen, als ob sie ein Teleskop wäre, aus welchem der "Pflock" herausgezogen ist, bis das obere Ende den Platz erreicht, der ursprünglich durch das untere Ende desselben markiert war. Die Entfernung herab vom nördlichen Eingang der "großen Galerie" bis zum unteren Ende des aus Granit bestehenden "Pflockes" ist 1470 Zoll, wozu wir die Länge des "Pflockes", 179 Zoll, hinzuzählen und eine Summe von 1649 Zoll erhalten, welche 1649 Jahre repräsentieren. Der Unterschied von einem Zoll Jahr zwischen dieser Zahl und den 1650 Jahren, welche die Bibelchronologie dieser Periode zuerteilt, kann man leicht erklären, wenn man bedenkt, dass das eine Ende des aus Granit bestehenden "Pflockes" bedeutend behauen wurde, als man versuchte, ihn aus seiner festen Lage in der Passage zu zwingen.

So genau bestätigt der Stein "Zeuge" das Zeugnis der Bibel und zeigt, dass die Periode vom Auszug Israels aus Ägypten an bis zum vollen Ende ihrer nationalen Begünstigungen im Jahre 36 n.Chr. (siehe Band 2, Kap. 3) 1650 Jahre war. Doch möge niemand diese Periode mit der in den Parallelen der jüdischen und christlichen Heilszeitordnung dargelegten Periode verwechseln. Letztere zeigt, dass jedes dieser beiden Zeitalter 1845 Jahre lang ist; das eine vom Tod Jakobs bis zum Jahre 33 n.Chr., und das andere vom Jahre 33 bis zum Jahre 1878 n.Chr.

Und dies war nicht nur eine erfinderische Weise, die Länge der Periode vom Auszug bis zur Geburt unseres Herrn zu verbergen und sie doch zugleich anzugeben (um zu seiner Zeit eine Bestätigung des biblischen Zeugnisses zu bilden), sondern der sorgfältige Leser wird auch sofort sehen, dass es aus zwei Gründen nur auf irgend solche Weise geschehen konnte: Erstens, weil die jüdische Heilszeitordnung und Gnade nicht nur vor dem Auszug aus Ägypten mit dem Tod Jakobs begann, sondern auch, die 33 Jahre des irdischen Lebens unseres Herrn Jesu lang in die christliche Zeitrechnung hinein und mit ihr parallel lief; und zweitens, aus dem Grunde, wenn man die "erste aufsteigende Passage" lang genug hätte machen wollen, um das jüdische Zeitalter völlig durch Zoll Jahre darzustellen, so hätte man die Pyramide noch größer machen müssen, was wiederum ihre wissenschaftlichen Züge und Lehren zerstört hätte.

Lasst uns nun die "große Galerie" am Ende der "ersten aufsteigenden Passage" untersuchen, und auch ihr symbolisches Zeugnis anmerken. Sie ist sieben mal so hoch, wie die "erste aufsteigende Passage." Sie hat sieben überstehende Stein Reihen an ihren Wänden aus glattem, hoch poliertem und einst prächtigem, gelblich schimmerndem Kalkstein. Sie ist 28 Fuß hoch, jedoch sehr schmal, und an keiner Stelle mehr wie 6 Fuß breit, zieht sich aber auf 3 Fuß am Fußboden und noch weniger an der Decke zusammen. Ein Oxforder Professor des 15. Jahrhunderts (Prof. Greaves) beschrieb es folgendermaßen:

"Es ist ein sehr stattliches Stück Arbeit und steht keinem der prächtigsten und großartigsten Gebäude nach, weder was Genauigkeit der Kunst noch Reichtum des Materials betrifft. Diese Galerie oder Korridor, oder was auch immer ich es nennen mag, ist aus weißem und poliertem Marmor (Kalkstein) gebaut, welcher sehr gleichmäßig in geräumige Quadrate oder Tafeln geschnitten ist. Von dem gleichen Material, wie der Fußboden, ist auch das Dach, und so sind die Seitenwände. Die Verbindung der Steine ist so genau, dass sie einem suchenden Auge kaum erkennbar sind; und was die Anmut des ganzen Baues noch erhöht, obwohl es die Passage schlüpfriger und schwieriger macht, ist der Aufgang und das Steigen des Bodens. In der Anlage der Marmor (Kalk) Steine an beiden Seiten, befindet sich ein Stück Architektur, welches nach meinem Urteil sehr anmutig ist, und das ist, dass alle Reihen oder Fliesen, deren es nur sieben sind (so groß sind diese Steine), etwa 3 Zoll über einander überstehen oder übergreifen. Der Boden der obersten Reihe steht über der oberen Seite des nächsten vor und so der Reihe nach abwärts."

Und Prof. Smyth erklärt, dass es unmöglich wäre, es getreulich durch ein Bild zu veranschaulichen und sagt:

"Die Umstände gehen über den Spielraum gebräuchlicher Bildung hinaus wegen der Schmalheit, der erhabenen, gewölbten Höhe und der sehr eigentümlich schrägen Richtung des langen Fußbodens: ein Fußboden, der, wenn man von seinem nördlichen Ende nach Süden blickt, für immer und immer durch die Dunkelheit aufzusteigen scheint; und mit solcher Steilheit, dass keines Künstlers Ansicht desselben, auf eine senkrechte Fläche gemalt, je mehr als nur einen kleinen Teil dieses Fußbodens darzustellen hoffen kann, da derselbe an der ganzen Leinwand hinauf steigen und oben über dieselbe hinaus gehen würde, während man beim Nordwärts blicken, vom südlichen Ende der Galerie aus, den Fußboden sofort verliert und in der Augenhöhe in der Ferne einen Teil der steil abwärts steigenden Decke sieht. Sonst ist es das feierliche Übereinander greifen der hohen, dunklen Wände, die an beiden Seiten an einem vorbeigehen, dazu alles auf einer unbequemen schiefen Ebene, was von Mühsal in einer Richtung, von Gefahr in der anderen, und von einem Berge von Kraftanstrengungen überall redet."

Welch wunderbare Darstellung von dem Lauf der wahren christlichen Kirche und dem Pfad der kleinen Herde der Überwinder während der langen Periode des christlichen Zeitalters ist in dieser "großen Galerie" gegeben. Ihre einst prächtig gelblich-weißen Seitenwände und Decke aus regelmäßig übergreifenden Steinen, alle schräg nach oben führend, geben nicht die Geschichte der nominellen Kirchen, wie etliche gemeint haben, - sonst würden sie weit entfernt nicht so regelmäßig sein und vorwärts führen - sondern sie reden von der großen, während des christlichen Zeitalters gewährten Gnade Gottes, von der "hohen Berufung" zu gewissen Freiheiten und Vorrechten, die bedingungsweise allen Gerechtfertigten während des christlichen Zeitalters angeboten werden, welches durch die Grube - das Lösegeld - eröffnet wurde.

Die erhabene Höhe dieser "großen Galerie" - siebenmal so hoch wie die Passage, welche die jüdische Heilszeitordnung darstellt (sieben ist ein Symbol der Vollständigkeit oder der Fülle)- repräsentiert die in der abrahamischen Verheißung enthaltene Segensfülle, welche der christlichen Kirche tatsächlich vorgehaltene Segensfülle, welche der christlichen Kirche tatsächlich vorgehalten ist. Und die "Königs-Kammer" am Ende der "großen Galerie" stellt das Ende des Laufes dar, zu welchem die gegenwärtige, hohe Berufung alle Treuen führt, und diese "Königs-Kammer"; wie wir bald sehen werden, ist ein überaus passendes Symbol der schließlichen Bestimmung der Kirche. Durch die "Grube" gerade am Eingang dieser Galerie, welche das Lösegeld darstellt, das alle anerkennen müssen, die diesen Weg betreten wollen, wird unsere Rechtfertigung herrlich symbolisiert. So sagt uns die Pyramide: "So ist nun nichts Verdammliches in denen, die in Christo Jesu sind."

Die scheinbar endlose Länge der "großen Galerie" zeigt, wie lang das christliche Zeitalter den einzelnen Gliedern der Kirche erschienen ist, während ihre Schmalheit schön den "schmalen Weg zum Leben" darstellt, und ihre Steilheit die Schwierigkeit des Weges und die beständige Gefahr des Zurückgleitens derjenigen, welche nicht wachsam genug auf ihre Schritte acht haben. Doch umgeben von den Wänden der göttlichen Gnade sind alle sicher und geborgen, welche fortfahren, Gutes zu tun, welche fortfahren, zu wachsen an Gnade, den schwierigen Weg zu ersteigen, "nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem "Geist" zu wandeln.

Der "großen Galerie" entlang aufwärts blickend, sehen wir, dass sie ein Ende hat, sowohl wie einen Anfang. Damit wird uns gesagt, dass die über alle Maßen großen und köstlichen Vorrechte, die während dieses christlichen Vorrechte, die während dieses christlichen Zeitalters dargeboten wurden, einmal aufhören werden - der wunderbare hohe Ruf, zur Miterbschaft mit Christo, als seine "Braut", schließt, wenn eine genügende Anzahl zur Vollzähligkeit der "kleinen Herde" den Ruf angenommen haben wird. Was dieser "Stein"-"Zeuge" so illustriert, das macht das geschriebene Wort sehr deutlich. Es zeigt, wie wir gesehen haben, dass das Vorrecht, nach dem großen Preis, dem Kleinod der "hohen Berufung" zu laufen, ausschließlich nur dem christlichen Zeitalter angehört. Es war vor dem niemandem dargeboten worden - unser Herzog, Jesus, war der erste, dem es dargeboten wurde, der erste, der seine Opfer Bedingungen annahm, und der erste, der seinen Lohn errang. Das südliche Ende der "großen Galerie" markiert ebenso positiv das Ende oder die Grenze des Rufes zur göttlichen Natur wie das nördliche Ende den Anfang des Anerbietens dieser großen Gnade markiert.

Doch da die "große Galerie" unsere "hohe Berufung" Gottes darstellt, lasst uns weiter blicken und beachten, wohin dieser Ruf jeden einzelnen führt. Wir sahen schon aus der Schrift, dass wir berufen sind, mit Christo zu leiden und mit ihm zu sterben, und danach in seine Herrlichkeit einzugehen. Und all dies finden wir überraschend deutlich in der eigentümlichen Weise symbolisiert, wie der Zugang zur "Königs-Kammer", am Ende der "großen Galerie" gewonnen wird. Der Weg, durch welchen diejenigen, die den "hohen Ruf" annahmen, in die durch die "Königs-Kammer" repräsentierte himmlische Herrlichkeit eingehen, ist kein direkter. Sie müssen erst "allenthalben versucht" und dem Willen Gottes gehorsam erfunden werden, sonst dürfen sie nicht in die Ruhe, die noch vorhanden ist, eingehen. Dies, die Lehre der Schrift und die Erfahrung aller, welche für den großen Preis laufen, ist überzeugend durch die große Pyramide illustriert. Wie der Ruf zur Selbstweihung und zum Aufgeben oder Selbstaufopferung führt, so bringt uns die "große Galerie" zu gewissen niedrigen Passagen, welche dies symbolisieren. An ihrem oberen Ende angelangt, muss der Wanderer in der Passage, welche in das "Vorzimmer" führt, sich sehr tief bücken. Dieses Bücken symbolisiert die Weihung oder den Tod des menschlichen Willens, den Anfang der Selbstaufopferung, zu der alle berufen sind, welche die göttliche Natur erlangen wollen. Wie viel diese Selbstaufopferung bedeutet, ist nur denen bekannt, die den Ruf angenommen und den menschlichen Willen tatsächlich übergeben haben.

Nachdem diese niedrige, Weihung darstellende Passage passiert ist, sind wir in dem, was als das "Vorzimmer" bekannt ist. Hier hört der Fußboden auf, Kalkstein zu sein. Von hier an tritt der Fuß auf soliden Granit, was als ein neuer Stand oder als Dastehen als "neue Kreaturen" ausgelegt werden mag. Doch wenn man so eben den Fuß auf den aus Granit bestehenden Fußboden stellen will, um den neuen Stand als neue Kreatur anzutreten, bemerkt man ein ungeheures Hindernis aus Granit. Es ist bekannt als das "granitene Blatt". Dies verschließt, ähnlich wie eine Falltür, teilweise den Weg und lässt nur eine niedrige Passage übrig wie die gerade passierte, 44 Zoll hoch, so dass wir uns wiederum bücken müssen, ehe wir auf dem Granit zum Stehen kommen können. Dieses "granitene Blatt" repräsentiert den göttlichen Willen und scheint zu dem, welcher soeben die niedrige Passage, die Übergabe des eigenen Willens darstellend, zurückgelegt, zu sagen: "Es genügt nicht, dass du deinen Willen, deine Pläne und Anordnungen aufgibst. Das könntest du alles tun und dann dem Willen und dem Plane eines anderen folgen. Du musst nicht nur deinen Willen opfern, sondern dich auch dem göttlichen Willen beugen und ihn statt deinen annehmen, ehe du als neue Kreatur und als ein Erbe der göttlichen Natur gerechnet werden kannst.

Nachdem das "granitene Blatt" passiert ist, stehen wir auf dem aus Granit bestehenden Fußboden in dem "Vorzimmer" (siehe Abbildung). Das ist ein eigentümlicher Raum. Seine Wände sind von einander verschieden. Es scheint an Teilen eine Art Getäfel oder Tafelwerk zu haben, und in einigen Wänden sind Rinnen ausgeschnitten. Es scheint in der Tat voller Lehren zu sein, welche noch nicht völlig entziffert sind. Die Vermutung derer jedoch, welche es betreten haben, dass es einem Schulzimmer ähnelt, scheint in voller Harmonie mit dem zu sein, was wir als Darstellung der Erfahrungen der Geheiligten und von der Wahrheit Gezeugten erwarten sollten. Dieses "Vorzimmer" symbolisiert die Schule Christi und die Zucht (die Glaubens-, die Gedulds-, die Ausdauerprüfungen usw.), welchen alle die unterworfen werden, welche sich selbst dem Willen Gottes völlig geweiht haben, und wodurch sie zu Überwinden und zum Beweisen ihrer Würdigkeit zu einer Stellung als Überwinder mit Christo in seiner zukünftigen Herrlichkeit zu gelangen, Gelegenheit erhalten. Wenn wir ohne solche Schulung und Prüfung sind, dann sind wir keine Söhne und Erben auf dieser göttlichen Stufe (Hebr. 12:8). In dem gegenwärtigen Leben, nach unserer Weihung zu seinem Dienste, ist es, dass Gott uns schult und züchtigt und dadurch nicht nur unsere Treue ihm gegenüber, unserem Bund oder Gelöbnis gemäß, erprobt, sondern uns auch zubereitet, mit anderen, die in Versuchung und Trübsal sind, Mitgefühl zu haben, über welche er in kurzem uns zu Herrschern und Richtern machen wird. - 1. Kor. 6:2, 3

Und nicht nur den Tod des Willens, sondern auch der tatsächliche Tod muss passiert werden, ehe wir völlig und tatsächlich den Zustand unserer "neuen", der "göttlichen Natur" antreten. Und auch dies wird durch den Stein "Zeugen" gezeigt; denn an dem äußeren Ende des "Vorzimmers" ist eine sehr niedrige Passage, durch welche man in die "Königs-Kammer" gelangt. So wird die "Königs-Kammer", das größte und höchste Zimmer der Pyramide, das Symbol der Vollkommenheit der göttlichen Natur, welche von der "kleinen Herde", erlangt wird. Dies sind die wenigen Überwinder, die aus den "vielen Berufenen" (deren Berufung durch die "große Galerie" symbolisiert ist) ausgewählt sind, und die durch Selbstaufopferung und Prüfung (durch das "Vorzimmer" und die hinein - und herausführenden niedrigen Passagen symbolisiert) hindurch gehen. Der Ruf zur "göttlichen Natur" erging zuerst an unseren Herrn Jesus, dessen Mission, zur Erde kommend, eine doppelte war: 1) Sünder zu retten, indem er den Erlösungspreis für Adam und alle in ihm bezahlte und 2) dass er durch diesen Gehorsam bis zum Tod sich der göttlichen Natur und Herrlichkeit würdig erweisen möchte. Daher kommt es, dass die "große Galerie" mit der Geburt unseres Herrn anfängt. Sie symbolisiert daher nicht das christliche Zeitalter, denn dasselbe fing nicht eher an, als bis Jesus das Gesetzes Zeitalter durch sein Opfer am Kreuz zu Ende gebracht hatte, 33 Jahre nach seiner Geburt; aber sie symbolisiert den hohen oder himmlischen Ruf (durch Opfer hindurch) zur göttlichen Natur - der "Königs-Kammer". Unser Herr Jesus war so vom Augenblick seiner Geburt an berufen, und seit Pfingsten sind alle gerechtfertigten Gläubigen zu dem gleich hohen Vorrecht berufen, jedoch nur wenige nehmen den Ruf der Aufopferung an, und noch wenigere machen ihre Berufung und Erwählung durch herzliche Erfüllung der Bedingungen - durch Wandeln in den Fußstapfen des Meisters - fest. Und die Länge der Zeit, während welcher dieser "hohe Ruf" zur göttlichen Natur dauert, und wann er aufhört, wird, wie schon gezeigt, durch die Länge und den Schluss dieser "großen Galerie" angedeutet.

Die "Königs-Kammer", zu welcher nur durch die "große Galerie" und das "Vorzimmer" Zutritt erlangt werden kann, ist in jeder Hinsicht das höchste und ansehnlichste Gemach in der großen Pyramide und symbolisiert passend die göttliche Natur. Henry F. Gordon sagt in seiner Beschreibung desselben:

"Es ist ein ansehnliches Gemach 34 Fuß lang, 17 Fuß breit und 19 Fuß hoch, ganz aus poliertem, rotem, Granit. Wände, Fußboden und Decke sind in genauen, viereckigen Blöcken gearbeitet und mit solch ausgesuchtem Geschick mit einander verbunden, dass kein unumschränkter Kaiser der neueren Zeit irgend etwas durch und durch Nobleres und Feineres sich wünschen könnte. Das einzige Möbel, welches diese Kammer enthält, ist eine leere (aus Granit bestehende) Kiste (oder ein Stein Kasten) ohne Deckel; und es ist der Beachtung wert, dass diese Kiste an Umfang der heiligen Arche der mosaischen Stiftshütte entspricht."

In der großen Pyramide wird Granit gebraucht, um die göttliche Natur zu symbolisieren, gerade wie Gold dieselbe in Israels vorbildlicher Stiftshütte und in ihrem Tempel symbolisierte. Die niedrigen Passagen, die in das "Vorzimmer" und in die "Königs-Kammer" führen, entsprechen den Vorhängen vor dem Heiligen und Allerheiligsten; und die aus Granit bestehende Kiste, das einzige Möbel in der "Königs-Kammer", entspricht der Bundeslade, welche das einzige Möbel in dem Allerheiligsten der Stiftshütte und des Tempels war. Was in dem einen von Gold war, ist in dem anderen Granit und von derselben symbolischen Bedeutung.

Noch ist das alles: Wir finden, dass dieselben großen Wahrheiten, welche symbolisch in der Stifshütte mit ihren beiden Abteilungen, dem Heiligen und Allerheiligsten und ihren scheidenden Vorhängen dargestellt sind, ganz und gar mit den Lehren stimmen, welche die zwei Abteilungen der großen Pyramide, das "Vorzimmer" und die "Königs-Kammer", und ihre niedrigen trennenden Passagen geben. Das "Vorzimmer" stellt wie das Heilige den Zustand des Verhältnisses zu Gott dar, da wir gerechneterweise neue Kreaturen und Miterben mit Christo der göttlichen Natur und Herrlichkeit sind, in welchen Zustand der Gläubige eintritt, wenn er, nachdem er die Vergebung der Sünden und seine Versöhnung mit Gott durch das Lösegeld angenommen hat, sein ge­rechtfertigtes Ich als lebendiges Opfer in Gottes Dienst darbringt. Wie der erste Vorhang der Stiftshütte die Weihung oder Ergebung oder den Tod unseres eigenen Willens und die völlige Unterwerfung unter Gottes willen darstellt, so symbolisiert der niedrige Eingang des "Vorzimmers" das gleiche große Ereignis mit dem das "neue Leben" all derer beginnt, die je Glieder der königlichen Priesterschaft werden wollen.

Wenn diese Probe bestanden ist, d.i., wenn wir alles, was wir haben, auf den Altar gelegt haben, dann wird der Gläubige nicht mehr als ein menschliches Wesen, sondern als "neue Kreatur" als "Teilhaber der göttlichen Natur", gerechnet. Natürlich wird er nicht tatsächlich zum Teilhaber der göttlichen Natur gemacht, ehe er die Aufgabe des Gehorsams gegen den göttlichen Willen in den tatsächlichen Erfahrungen und der täglichen Aufopferung und Zucht des gegenwärtigen Lebens treulich gelernt hat (was in der eigentümlichen Bauart der Wände des "Vorzimmers" und in dem Heiligen der Stiftshütte in dem Tisch der Schaubrote, dem goldenen Leuchter und dem Räucher Altar dargestellt war), und ehe er durch den Tod selbst hindurch gegangen ist (dargestellt durch den zweiten Vorhang der Stiftshütte und durch die zweite niedrige Passage, welche in die "Königs-Kammer" der Pyramide führt). Dann erst soll er durch Teilnahme an der ersten Auferstehung mit Christo in die Fülle der verheißenen göttlichen Natur und Herrlichkeit - sein ewiges Erbteil - eintreten, symbolisiert in der "Königs-Kammer".

So bezeugt die große Pyramide nicht nur den abwärts führenden Lauf des Menschen in der Sünde, sondern auch die verschiedenen Schritte in dem göttlichen Plan, durch welche für seine volle Wiederaufrichtung aus dem Fall (durch den, durch den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesu eröffneten Weg des Lebens) Vorbereitung getroffen worden ist.

Man wird auf der Abbildung bemerken, dass der aus Granit bestehende Fußboden nicht ganz bis zur Vorderseite des "Vorzimmers" reicht. Er geht nur gerade soweit wie das "granitene Blatt" geht, während der Granit an der Decke die ganze Länge des Zimmers einnimmt. Dies scheint uns eine Lehre zu geben, die im Einklang mit dem steht, was wir schon als einen Zug des göttlichen Planes betreff der Berufenen, welche die göttliche Natur zu erstreben suchen, erkannt haben. Die erste niedrige Passage symbolisiert die Weihung oder den Tod des menschlichen Willens des Gläubigen, was ihm den Eingang in das "Heilige" oder in den geweihten Zustand als ein voraussichtlicher Erbe der Herrlichkeit und Unsterblichkeit, der in dem "Vorzimmer" dargestellt ist, ermöglicht, denn die aus Granit bestehende Decke ist jetzt über ihm. Aber er darf noch nicht als einer angesehen werden, der schon wirklich eine Stellung in der neuen Kreatur hat, bis er zur Tätigkeit und Lebens-Neuheit "belebt" wird; und diese Prüfung stellt das "ganitene Blatt" dar, welches von seiner eigentümlichen Stellung aus, als ob es jeden Augenblick herunterfallen und jeden weiteren Fortschritt versperren könne, zu sagen scheint: Fremdling, wenn du auch soweit gekommen bist und dich Gott geweiht hast, so hast du doch noch keine wirkliche Stellung in der göttlichen Natur, zu welcher du berufen und eingeladen bist, außer du wirst durch den Geist der Wahrheit zum tätigen Dienst belebt. Somit sind die drei Schritte, durch welche die Berufenen des christlichen Zeitalters in die Herrlichkeit ihres Herrn eingehen müssen, in der großen Pyramide sowohl wie in der Schrift markiert. Sie sind: 1) Weihung oder Zeugung durch das Wort der Wahrheit, symbolisiert durch die niedrige Passage in das "Vorzimmer", 2) Belebung zu tätigem Dienste und Opfer durch Heiligung des Geistes und Glaubens der Wahrheit, symbolisiert durch die niedrige Passage unter dem "granitenen Blatt", 3) Geburt des Geistes in das vollkommene Ebenbild unseres Herrn durch Teilnahme an der ersten Auferstehung, symbolisiert durch den niedrigen Eingang in die "Königskammer".

Die irdischen und geistigen Naturen gezeigt

Durch Bezugnahme auf die Abbildung am Anfang des Buches wird man sehen, dass die "Königin-Kammer" und "ihre horizontale Passage", die "Eingangs Passage", die "erste aufsteigende Passage" und die "große Galerie", alle auf der nördlichen Seite einer durch die senkrechte Achse der großen Pyramide gezogenen Linie liegen würden und nur das "Vorzimmer" und die "Königs-Kammer" auf der südlichen Seite derselben. Hierdurch zeigt uns der Entwerfer der großen Pyramide (Jehova) den in Band 1, Kap. 10, angegebenen Unterschied der Naturen an.

Die "Königin-Kammer", welche die Vollkommenheit der Menschheit darstellt, nachdem das Millennium alle Gehorsamen und Würdigen zum moralischen Ebenbild des Schöpfers hergestellt hat, lehrt durch den Umstand, dass ihr Rücken oder äußerstes Ende auf einer Linie mit der Achse der Pyramide ist, dass die so zu Gottes Ebenbild wiederhergestellte Menschheit, obwohl noch menschlich, doch nahe an die göttliche Natur herangekommen sein wird, so nahe, wie eine Natur nur an eine andere, deren Abbild sie ist, herankommen kann. Und all die aufwärts gehenden Passagen, die nach der Richtung dieser Achse führen, lehren, dass das Verlangen und das Bestreben des Volkes Gottes sich ganz auf menschliche Vollkommenheit richten sollen, während das Verlangen der herausgerufenen Kirche des christlichen Zeitalters über die menschliche Vollkommenheit hinaus gehen soll. Als Miterben mit Christo sollen sie in die Fülle der göttlichen Natur eingehen.

Der Umstand, dass die "unterirdische Kammer" oder der "Abgrund", Trübsal und Tod darstellend, nicht ganz auf derselben Seite der Achse liegt, wie die "Königin-Kammer" und ihre Passagen, streitet nicht gegen die Auslegung; denn genau genommen, gehört dieselbe gar nicht zur eigentlichen Pyramide. Sie liegt unter der Pyramide, weit unter ihrer Grundlinie. Doch sie mag eine andere Lehre enthalten. Eine senkrechte Linie, von ihrer äußeren Wand aus gezogen, würde genau an der äußersten Wand des "Vorzimmers" vorbeigehen; und die daraus zu ziehende Lehre möchte im Einklang mit der Warnung der Schrift die sein, dass es möglich ist, dass etliche, welche den "heiligen" oder den geweihten Zustand betreten (welche durch das Wort der Wahrheit gezeugt und sogar durch dasselbe belebt wurden), die Sünde zum Tode- den zweiten Tod - begehen.

Somit würde die Lage des "Abgrundes" im Verhältnis zur Achse, wenn sie in Verbindung mit der Einrichtung der Pyramide über ihr eine Bedeutung hat, anzudeuten scheinen, dass der zweite Tod - "endlose" - hoffnungslose Vernichtung - nicht nur die Strafe boshaften Sündhaftigkeit der Menschen ist, welche während der segensreichen Gelegenheit des Millenniums sich weigern, der menschlichen Vollkommenheit entgegen zu gehen, sondern auch der Geweihten, welche während des christlichen Zeitalters böswillig Christi dargebotenes Kleid zugerechneter Gerechtigkeit verwerfen.

Ein weiterer Punkt, in Verbindung mit der senkrechten Achse des Pyramidenbaues über ihrer Grundlinie, ist der: Der erste Advent und der Tod unseres Herrn, welcher durch die Mündung der "Grube" bezeichnet ist, sind auf der Seite der Achse der Pyramide, welche die menschliche Natur repräsentiert; und ihre Lage auf gleicher Höhe und Ebene mit der Passage, die zur "Königin-Kammer" führt, welche menschliche Vollkommenheit symbolisiert, ist auch beachtenswert. Die große Pyramide scheint damit zu sagen: "Er ward Fleisch" - "der Mensch Christus Jesus gab sich selbst zum Ersatzlösegeld für alle", doch war er "ohne Sünde" und "heilig", unschuldig, unbefleckt und von Sündern abgesondert", und hatte keinen Anteil an dem abwärts führenden, sündigen Lauf des Geschlechtes Adams (durch die Passage zum "Abgrund" symbolisiert). Noch mehr, die Lage der "Grotte" und der Umstand, dass sie natürlich und unbehauen war, sind bedeutsam. Sie symbolisiert augenscheinlich den Tod unseres Herrn Jesu. Der Umstand, dass sie natürlich war, lehrt, dass das Selbst Opfer des Herrn kein Auskunftsmittel, sondern eine in Jehovas Plan zuvor verordnete und zuvor geordnete Sache war, ehe die Ausführung des durch die Pyramide symbolisierten Planes begann. Der Umstand, dass sie über, nicht unter, der Grundlinie der Pyramide liegt, scheint eine weitere schriftgemäße Lehre zu geben - dass unser Herr, obwohl er als Lösegeld für die Sünder starb, nicht in Sünde und Entartung herabstieg, sondern selbst in seinem Tod in den Grenzen des göttlichen Planes verblieb, wie er in dem Pyramidenbau über der Grundlinie symbolisiert ist.

Nun erhebt sich eine Frage von großem Interesse: Wird das Zeugnis der Pyramide betreffs der Zeit des Schlusses der hohen Berufung das Zeugnis der Schrift hierüber bestätigen? Wird es zeigen, dass das Ende der "großen Galerie" genau die Zeit angibt, da der Ruf Gottes zu seiner Gnade aufhörte? Oder wird es dem widersprechen, was wir aus der Schrift gelernt haben, und entweder eine längere oder eine kürzere Periode des Rufes zur göttlichen Natur angeben?

Dies wird eine weitere "peinliche Probe" sein; zwar nicht, ob das Wort Gottes und sein wunderbares Zeugnis richtig sei, sondern ob dieser Stein "Zeuge" zuverlässig sei. Wird er auch ferner durch Bestätigung des Zeugnisses der Schrift seine göttliche Architektur beweisen? Sollte er im besonderen und genau den biblischen Bericht bestätigen, so würde er gar wohl den Namen verdienen, welchen Dr. Seiß ihm gegeben - "Ein Wunder in Stein".

Nun, wir können nichts Geringeres von ihm sagen; denn sein Zeugnis stimmt völlig und in jeder Einzelheit mit dem ganzen Plan Gottes überein, wie wir diesen Plan aus der Schrift gelernt haben. Seine wunderbare Übereinstimmung mit der Bibel lässt keinen Raum für Zweifel, dass derselbe göttliche Eingeber der Propheten und Apostel auch diesen "Zeugen" inspirierte. Lasst uns etliche dieser Harmonien im besonderen untersuchen.

Rufe dir ins Gedächtnis, dass die Schrift uns zeigte, dass das volle Ende der Macht der Heiden oder Völker in der Welt und das Ende der Zeit der Trübsal, die ihren Sturz hervorruft, am Ende des Jahres 1914 herbeigeführt sein wird, und dass einige Zeit vor jenem Datum die letzten Glieder der Kirche Christi "verwandelt" und verherrlicht sein werden. Erinnere dich auch, dass die Schrift und zwar auf verschiedene Weise - durch den Jubeljahr Zyklus, die 1335 Tage Daniels, die parallelen Heilszeitordnungen, usw., - bewies, dass die "Ernte" oder das Ende dieses Zeitalters im Oktober 1874 anzufangen fällig war, und dass der große Schnitter damals gegenwärtig sein sollte; dass sieben Jahre später - im Oktober 1881 - der "hohe Ruf" aufhörte, obwohl etliche auch noch später zu den gleichen Gnaden zugelassen wurden, ohne dass ein allgemeiner Ruf stattfand, um die Plätze etlicher der Berufenen auszufüllen, welche in ihrer Prüfung unwürdig erfunden wurden. Dann blicke auf die Art und Weise, wie der Stein "Zeuge" diese selben Daten bezeugt und die gleichen Lehren illustriert, nämlich:

Die Bodenlinie der "großen Galerie" von der nördlichen zur südlichen Wand ist in den letzten Jahren zweimal sehr sorgfältig gemessen worden und drei verschiedene Maßangaben wurden erhalten. Ein Maß a) ist von der Wand am nördlichen Ende bis an die hohe, am nördlichen Ende der "großen Galerie" befindliche Stufe gemessen und dann- die Höhe der Stufe nicht mitrechnend- der oberen Oberfläche entlang, die betretene Fläche des Fußbodens der "großen Galerie". Ein zweites Maß b) zeigt die Länge durch die "Stufe" hindurch gemessen, als ob sie nicht vorhanden wäre. Ein drittes Maß c) gibt die ganze Oberfläche des Fußbodens und den Tritt der Stufe hinauf und ihrer oberen Fläche entlang. Prof. Smyth fand, dass das erste dieser drei Maße a) 1874 Pyramiden-Zoll betrug, das zweite b) 1881 Pyramiden-Zoll und das dritte c) 1910 Pyramiden-Zoll, während Flinders Petrie diese Maße als acht Zehnte Zoll länger berichtet. Eine vernünftige Schätzung, und zweifels ohne nahezu eine richtige, würde die sein, die Zahlen a) 1875, b) 1882 und c) 1911 Zoll respektive zu nennen.

Nun fragen wir, wenn jeder Zoll der Bodenlinie dieser Passagen ein Jahr repräsentiert, wie es von allen Erforschern der Pyramide behauptet und zugegeben wird, welches Datum würden diese Maße der "großen Galerie" als das Ende der "hohen Berufung" zur "göttlichen Natur" anzeigen, welchen Ruf die "große Galerie" symbolisiert? Wir antworten: Bei der Anwendung dieser Zoll Jahre auf unsere gegenwärtige Zeitrechnung müssen wir bedenken, dass unser Datum, wie wir es in Band 2, Kap. 2 zeigten, ein Jahr und drei Monate hinter dem eigentlichen Datum zurück ist. Und während dies beim Rechnen von einem bestimmten Datum v.Chr., oder von einem bestimmten Datum nach Christus, an keinen Unterschied machen würde, sollte es doch hier in Rechnung ge­bracht werden. Wo die Geburt Jesu der Ausgangspunkt ist, da muss man, um ein richtiges Resultat zu erhalten, dem Irrtum in unserem Datum der Geburt des Herrn Rechnung tragen. Um der Einfachheit willen wollen wir das irrtümlich angenommene Datum der Geburt Jesu als Ausgangspunkt nehmen und ziehen je 1¼ Zoll von den Zahlen der Pyramide ab, so dass sie unserer gewöhnlichen Zeitrechnung entsprechen. So reduziert, ergeben sie a) 1875-1¼ = 1873 ¾, b) 1882-1¼ = 1880 ¾ und c) 1911-1¼ = 1909 ¾ und liefern die Daten: a) Oktober 1874, b) Oktober 1881 und c) Oktober 1910 n.Chr.

Diese dreierlei Endungen stimmen mit dem, was wir in der Schrift gelehrt fanden: dass die "Ernte", das Ende des Zeitalters im Oktober 1874 erreicht wurde, und dass der eigentliche Ruf im Oktober 1881 endete, während darauf eine Periode folgen würde, während welcher, obwohl der allgemeine Ruf aufgehört hat, noch etlichen Würdigen die gleichen Privilegien dargeboten werden, um die Stellen derer auszufüllen, welche bereits berufen waren, aber in der Prüfung der ihnen vorgehaltenen Krone unwert erfunden wurden. Wie lange dieses Sichten der Geweihten dauern wird, während welchem solchen, die sich unwürdig erweisen, die Kronen abgesprochen und ihre Namen als Bewerber um dieselben ausgelöscht werden, dagegen andere zur Bewerbung um dieselben eingeladen und deren Namen an jener Statt eingetragen werden (Offb. 3:5, 11), sagt die Schrift, soweit wir sehen können, nicht; aber dieses von der Pyramide angezeigte Datum, 1910, scheint gut mit den in der Bibel dargebotenen Daten zu harmonieren. Es ist nur 4 Jahre vor dem vollen Schluss der Trübsalszeit, welche die Zeiten der Nationen zu Ende bringt; und wenn wir an die Worte unseres Herrn gedenken - dass die Überwinder würdig erachtet werden sollen, dem schwersten Teil der über die Welt hereinbre­chenden Trübsal zu entgehen, so können wir verstehen, dass diese Trübsal, sich auf die große Zeit der Anarchie, die auf Oktober, 1914, folgen wird, bezieht; aber ein Trubel, in Besonderheit auf die Kirche, die Herauswahl, die Auserwählten nach dem Vorsatz Gottes, ist um 1910 n.Chr. zu erwarten.

Ist dies nicht eine überaus bezeichnende Übereinstimmung zwischen diesem Stein "Zeuge" und der Bibel? Die Daten, Oktober 1874 und Oktober 1881 stimmen genau, während das Datum 1910, obwohl nicht in der Schrift dargereicht, mehr wie gegründet zu sein scheint. Obgleich die Bibel uns kein genaues Datum für das Ende der Prüfung der Kirche angibt, so gibt sie uns doch, wie wir gesehen haben, eine Zeitgrenze an, vor welcher sie ganz gewiss zum Schluss gelangt sein muss. Und in dieser Verbindung lasst uns bedenken, dass diese Zeitgrenze - das Jahr 1914 - nicht nur die Vollendung der Herauswahl, der Prüfung und Verherrlichung des ganzen Leibes Christi einschließen muss, sondern auch die Reinigung jener größeren Schar geweihter Gläubiger, welche aus Furcht und Zaghaftigkeit verfehlten, Gott annehmbare Opfer darzubringen, und die daher mehr oder weniger mit den Ideen und der Weise der Welt besudelt wurden. Vor dem Ende dieser Periode müssen sie aus der großen Trübsal kommen (Offb. 7:14). Viele von ihnen sind jetzt eng in die verschiedenen Scheinweizen Bündel gebunden, um verbrannt zu werden; und nicht eher als bis die feurige Trübsal des späteren Endes der Ernte-Periode die bindenden Seile der Knechtschaft Babylons verbrannt hat, werden diese ihre Flucht bewerkstelligen können - "gerettet, doch so wie durch das Feuer." (1. Kor. 3:16) Sie müssen den gänzlichen Zusammenbruch Groß Babylons erleben und etwas von ihren Plagen empfangen (Offb. 18:4). Diese 4 Jahre von 1910 bis zum Ende von 1914, welche auf solche Weise in der Pyramide angegeben sind, werden für die äußerste Höhe all der Trübsal völlig hinreichen, denn wenn sie ihren schrecklichen Höhepunkt erreicht hat, kann sie nicht mehr lange dauern, und "wenn nicht jene Tage verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden." - Matth. 24:22

Noch ist dies alles über den wunderbaren Symbolismus der großen Pyramide. Ihre wundervolle Harmonie mit dem göttlichen Plan wird weiter in einem anderen bemerkenswerten Zuge gezeigt. Wir sollten erwarten, dass das Datum zweier großer, mit dem Ende dieses Zeitalters zusammenhängender Ereignisse, nämlich 1) des zweiten Adventes unseres Herrn und 2) des Anfangs der Ernte, in irgend einer Weise am oberen Ende der "großen Galerie" bezeichnet sein werde, gerade wie sein Tod und seine Auferstehung durch die "Grube" an ihrem unteren Ende markiert sind. Und hierin sind wir nicht enttäuscht. Am oberen oder südlichen Ende der Wand nach Osten an der Decke hoch über der Stufe, befindet sich eine Öffnung, welche die Verbindung mit dem unvollendeten Raum über der "Königs-Kammer" herstellt, wie der Abriss solches zeigt. In der symbolischen Sprache der Pyramide sagt diese Öffnung: "Hier kam ein Himmlischer herein, - Einer, der keinen Fußboden zum Gehen bedarf, sondern der gehen und kommen kann "wie der Wind". Und Prof. Smyth's sorgfältige Messung dieser südlichen Wand der "großen Galerie" berichtet uns, dass sie nicht genau senkrecht ist, sondern an der Decke sieben Zoll überliegt. Die Pyramide sagt hiermit zu uns: "Sieben Jahre vor dem Schluss des hohen Rufes (vor Oktober 1881) wird der Erhabene vom Himmel zurückkommen." Und sie deutet ferner an, dass von jener Zeit - von Oktober, 1874 - an, wie von dem Überlehnen der südlichen Wand angedeutet wird, der Ruf allmählich seinem Schluss sich nähern und 1881 völlig enden würde. Dies ist, wie man bemerken wird, in genauer Übereinstimmung mit dem Zeugnis der Bibel, wie es in diesem Band von Millenniums-Tagesanbruch und den vorhergehenden Bänden dargelegt ist.

Und lasst uns auch dies beachten, dass wir, die die schriftgemäße Darlegung dieser Zeiten und Zeitpunkte verstehen, nichts mit dem Nehmen dieser Maße der großen Pyramide zu tun hatten; und dass die, welche die Maße nahmen, zur Zeit, als die Maße genommen wurden, nichts von unserer Anwendung der Prophezeiung wussten; noch wissen sie jetzt darum, so viel wir wissen. Wir fragen daher: Konnte solche Genauigkeit in Sachen, welche auf der einen Seite 6.000 Jahre der Geschichte betraf, auf der anderen Seite Tausende von Zoll bei den Messungen der Pyramide, bloß zufälliges Zusammentreffen sein? Nein! Wahrlich, hier ist "Wahrheit sonderbarer und wunderbarer als Dichtung." "Von Jehova ist dies geschehen, wunderbar ist es in unsern Augen!" - Psalm 118:23

Ferner, wo die spezielle Gnade des allgemeinen Rufes des Evangeliums aufhörte (im Oktober 1881), solle es scheinen, dass der Segen über die Welt einen Anfang haben sollte. Die "Grube", welche an ihrem oberen Ende das Lösegeld bezeichnet, welches die zukünftigen Segnungen sichert, sollte, so möchte es scheinen, an ihrem unteren Ende (wo sie mit der abwärts führenden Passage in Verbindung tritt) das Datum bezeichnen, da Restitutions-Segnungen die Welt zu erreichen anfangen würden. Das scheint zu sagen: Hier werden die Wohltaten des Lösegeldes, alle Geschlechter der Erde zu segnen, anfangen, wenn die Herauswählungen des jüdischen und christlichen Zeitalters vollendet sind.

Wenn wir nun den deutlich markierten Schluss des besonderen Rufes und der besonderen Gnade des christlichen Zeitalters, 1881, als das Datum annehmen, an welchem der Ruf zu Restitutions-Segnungen seinen Anfang haben sollte, und wenn wir den unteren Endpunkt der "Grube" jenes Datum (1881) bezeichnen lassen, so finden wir etwas, das uns interessieren wird, wenn wir der "Eingangs Passage" entlang bis zum ursprünglichen Eingang der Pyramide rückwärts messen. Diese Entfernung, finden wir, ist 3826 Pyramiden-Zoll und repräsentiert also 3826 Jahre. Wenn nun unsere Voraussetzung wohl gegründet ist, so muss 3826 Jahre vor 1881 n.Chr. irgend ein bedeutsames Ereignis stattgefunden haben. Und beim Durchsuchen der Geschichtsannalen des Wortes Gottes, um zu sehen, ob um jene Zeit ein bedeutsames Ereignis stattfand, finden wir eine bemerkenswerte Bestätigung unserer Voraussetzung; denn gerade 3826 Jahre vor 1881 n.Chr., was 1945 v.Chr. sein würde, wurde Isaak, der vorbildliche Same der Verheißung, der Erbe des ganzen Reichtums seines Vaters Abraham, und war so in der Lage, all seine Brüder zu segnen - Ismael, den Sohn der Hagar (vorbildlich vom fleischlichen Israel), und die vielen Söhne und Töchter der Keturah, des zweiten Weibes Abrahams (vorbildlich von der Welt im allgemeinen).

So markiert die "Eingangs Passage" vom äußersten Rand hinab bis zum nächsten Rand der Passage am Vereinigungspunkt mit der "Grube" in Jahr - Zöllen die Zeitperioden vom Tage, da der vorbildliche Isaak (in dem vorbildlicherweise die Verheißung der Segnung der Welt ihren Mittelpunkt hatte) im Jahre 1945 v.Chr. der Erbe aller Dinge wurde, bis 1881 n.Chr., da die Segnung der Welt durch den gegenbildlichen Isaak - den Christus, den Erben aller Dinge - tatsächlich fällig war. - Gal. 3:16, 29

Wir messen die Zeit vom Datum des Erbes Isaak und des daraus folgenden Vorrechtes, seine Brüder zu segnen, bis zum Jahre 1881 n.Chr. folgendermaßen: Isaak kam in den Besitz seines Erbes beim Tode seines Vaters Abrahams, der 100 Jahre nach dem Schließen des abrahamischen Bundes eintrat. (Denn Abraham war 75 Jahre alt, als der Bund geschlossen wurde, und starb im Alter von 175 Jahren). Dann, vom Bunde bis zum Tod Jakobs, des Sohnes Isaak, waren es 232 Jahre (siehe Band 2, Kap. 7); und von der Zeit, da Isaak in sein Erbe kam - 100 Jahre nach der Bundesschließung - bis zum Tod Jakobs würden 132 (232-100) Jahre sein. Hierzu zählen wir 1813 Jahre vom Tod Jakobs bis zur Geburt unseres Herrn (wie man sie gewöhnlich annimmt) und wir erhalten das Datum 1945 v.Chr. als den Zeitpunkt, da der vorbildliche Isaak in den Besitz von allem kam, das Abraham hatte (1. Mose 25:5). Und diese 1945 Jahre v.Chr. zu den 1881 Jahren n.Chr. gerechnet, machen die 3826 Jahre aus, welche in Pyramiden-Zoll als die Länge der Zeit angedeutet sind, welche zwischen der vorbildlichen Segnung seiner Brüder durch den vorbildlichen Samen Isaak und der Segnung der ganzen Welt durch den gegenbildlichen Isaak, den Christus, verfließen muss.

Stößt jemandem die Frage auf: "Welcher Anfang des Wiederherstellungswerkes war durch Oktober 1881, markiert?" Wir antworten: Nichts geschah, was die Welt erkennen konnte. Wir wandeln noch durch Glauben und nicht durch Schauen. All die vorbereitenden Schritte dem großen Restitutions-Werke entgegen, seit dem Jahre 1881, sind wie Tropfen des großen Segensergusses zu betrachten, der in kurzem die ganze Erde erfrischen wird. Was im Jahre 1881 geschah, kann ebenso wie das, was im Jahre 1874 geschah, nur durch das Auge des Glaubens im Lichte des Wortes Gottes erkannt werden. Es war das Datum am Schluss des hohen Rufes und folglich das Datum für den Anfang des Restitutions-Rufes an die ganze Welt. Ungefähr um jene Zeit herum bemerkte der Verfasser (und soweit er weiß, niemand sonst) den Unterschied zwischen dem Ruf zur göttlichen Natur, der während des christlichen Zeitalters offen stand, und dem Rufe zur Wiederherstellung zur menschlichen Vollkommenheit und zu allem, was in Adam verloren ging, welcher am Schluss des hohen Rufes des Evangeliums an der Zeit ist.

Obwohl wir bis jetzt, da wir dieses Kapitel schreiben, nicht an das Zusammentreffen gedacht haben, so ist es doch nicht wenig bemerkenswert dass es während der letzten sechs Monate des Jahres 1881 geschah, dass "Food for thinking Christians" ("Speise für denkende Christen"), ein Büchlein von 166 Seiten, herausgegeben und im Betrage von 1.400.000 Exemplaren in den Vereinigten Staaten und Großbritannien verbreitet wurde.

Drei Punkte, welche mit jenem Buch und seiner weiten und plötzlichen Verbreitung zusammenhängen, tragen dazu bei, es zum wenigsten eigentümlich erscheinen zu lassen: 1) Vielleicht kein anderes Buch erreichte in so kurzer Zeit oder auf dieselbe Weise solch große Verbreitung. Es wurde frei vor den Kirchentüren in allen größeren Städten der Vereinigten Staaten und Großbritanniens durch Boten Knaben an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen verteilt und in kleineren Städten durch die Post: 2) Das Geld, diese Ausgabe (US$ 42.000) zu bestreiten, war unaufgefordert zu dem Zweck freiwillig beigesteuert worden. 3) Es war, soweit wir wissen, das erste je öffentliche Buch, welches den Unterschied zwischen dem hohen Ruf der christlichen Kirche und dem Restitutions-Ruf der Welt im allgemeinen darlegte; und es wies auf Oktober 1881, als das Datum des Schlusses jenes hohen Rufes hin.

Ein anderer zu beachtender Punkt ist der Pfad, auf welchem die Welt im Millennium eingeladen werden wird, um zum ewigen Leben zu gelangen.

Wie das obere, als die "Königs-Kammer" bekannte Gemach die göttliche Natur repräsentiert, und die "große Galerie" den Ruf zu ihr darstellt, so repräsentiert das Gemach unter ihr (die "Königin-Kammer") die vollkommene, menschliche Natur, und den Weg zu ihr illustriert den Weg zum Leben, auf welchem die Welt wandeln muss, um während des Millenniums menschliche Vollkommenheit zu erreichen. Diese beiden Wege und folglich auch die beiden schließlichen Ziele derselben wurden durch das Lösegeld Opfer eröffnet und möglich gemacht, welches der Mittler für alle gab. All dies ist in der Pyramide nachdrücklich durch die "Schein­bare Explosion" angedeutet, welche die Mündung der "Grube" öffnete und Zutritt gewährte zu den beiden Passagen (bestimmt, die jetzt zur göttlichen Natur führende Berufung der Kirche und die während des Millenniums ergehende und zur Wiederherstellung zu menschlicher Vollkommenheit führende Berufung der Welt zu symbolisieren). So erklärt die Pyramide im Einklang mit der Schrift, dass "Christus Leben (Restitution zu menschlichem Leben, durch die "Königin-Kammer repräsentiert) und "Unverweslichkeit" ("Unsterblichkeit", die göttliche Natur, durch die "Königs-Kammer" repräsentiert) ans Licht gebracht hat durch das Evangelium", die frohe Botschaft der Erlösung (2. Tim. 1:10).

Der einzige "Zugang zur "Königin-Kammer" oder zur "großen Galerie" war vermittelst der "Grube". Die "erste aufsteigende Passage" war ursprünglich wegen des aus Granit bestehenden "Pflockes" unpassierbar. So bezeugt der Stein "Zeuge", dass durch den Gesetzes Ruf oder Gesetzes Bund keiner des gefallenen Geschlechtes sei es Leben (menschliches Leben) oder Unsterblichkeit (die göttliche Natur); erlangen könne. Obwohl die "erste aufsteigende Passage" ein Weg war, so konnte ihn doch niemand gehen. So war der Gesetzes Bund ein Weg zum Leben; aber um der Schwachheit des Fleisches willen konnte niemand darin so wandeln, dass er das verheißene Leben erlangte (Römer 3:20). Das Kreuz, das Opfer, das Lösegeld ist so durch diesen Stein "Zeugen" ganz besonders markiert, gerade wie sie in der Schrift mehr wie irgend welcher andere Zug des Planes hervorgehoben sind. "Niemand kommt zum Vater, denn durch mich", sagte Jesus. "Ich habe euch zuerst (als erste und Hauptsache ) überliefert, was ich auch (als solche) empfangen habe; dass Christus gestorben ist für unsere Sünden", sagte Paulus (1. Kor. 15:3). Die "Grube" (Christi Opfer und Auferstehung darstellend) ist der einzige Weg zu Leben und Unsterblichkeit, sagt die große Pyramide.

Die Passage zur "Königin-Kammer" ist niedrig und der Wanderer muss sein Haupt demütig vor ihren Forderungen beugen. So erklärt die Schrift, dass es im Millennium sein wird. Die Stolzen und die Großen und alle Welt muss sich vor denselben strengen Ordnungen beugen, wenn Christus seine Herrschaft beginnt. Er wird mit einer eisernen Rute herrschen. - Offb. 2:27 Dann wird er Recht zur Richtschnur und Gerechtigkeit zum Senkblei machen; und seine Größe und Macht muss jede Zunge bekennen und vor seiner Herrschaft und vor seinem Gesetz muss jedes Knie sich beugen; so dass an seinem Tage die Demütigen und Gerechten, und sie allein, grünen werden. - Jes. 28:17; Röm. 14:11; Phil. 2:10; Psalm 92:12, 13

Die "Königin-Kammer" symbolisiert das Ende des Restitutions-Werkes - menschliche Vollkommenheit - denn sie hat sieben Seiten, der Fußboden eine und die Decke zwei, wie der Abriss es zeigt. Der Pfad zu ihr erzählt dieselbe Geschichte der Siebenheit oder Vollkommenheit, denn der Fußboden ist ein Siebtel seiner Länge nach tiefer eingesenkt. Und die Zahl sieben ist nicht nur im allgemeinen ein Symbol der Vollkommenheit und Vollständigkeit, sondern sie ist in dieser Beziehung hier besonders schlagend, da das Millennium das siebte Jahrtausend der Weltgeschichte ist, und zwar das, in welchem das Geschlecht zur Vollkommenheit gelangen soll.

Prof. Smyth bemerkt über die Eigenartigkeit des Fußbodens dieser "Königin-Kammer" und der zu ihr führenden Passage, dass sie rau und gänzlich unbearbeitet sei, und sich hierin von den anderen Passagen unterscheide, die ursprünglich sehr glatt, wahrscheinlich poliert waren. Dies, meint er, möchte andeuten, dass ihr Fußboden nicht nach Jahr-Zoll zu messen sei, wie die anderen Passagen - als ob die Pyramide durch diese Unebenheit sagen würde, Zeit-Maße werden hier nicht berichtet.

Doch, wenn das Zoll-Jahr der Pyramide in der Passage zur "Königin-Kammer" und auf ihrem Fußboden nicht gilt, so musste doch eine andere Sache gezeigt werden, nämlich der Weg zur Res­titution, zu vollkommenem Leben und zu vollkommenen, menschlichen Organismen. Wie diese Vollkommenheit der menschlichen Natur in der "Königin-Kammer" illustriert wird, so repräsentiert der Weg zu ihr die sieben tausend Jahre der Erfahrung und der Zucht, durch welche das gefallene Geschlecht gehen muss, ehe volle Wiederherstellung zur Vollkommenheit erreicht werden kann. Da die ersten sechs Siebtel der Passage zur "Königin-Kammer", außerordentlich niedrig sind, so stellt dies passend die vergangenen sechs tausend Jahre dar und illustriert die außergewöhnliche Schwierigkeit und Demut, welche zum Wandel eines gerechtfertigten Lebens nötig ist, selbst auf Seiten solcher, die während dieser 6.000 Jahre der Herrschaft der Sünde und des Todes so zu wandeln strebten - die Patriarchen, Propheten und andere durch den Glauben Gerechtfertigte. Dagegen repräsentiert das letzte Siebtel des Weges das Millennium, das so eben über die Menschheit anbricht. Seine Höhe, welche nahezu zweimal so groß ist, deutet an, dass man während der kommenden 1000 Jahre der Gnade und des Friedens auf Erden bequem und leicht der an ihrem Ende zu erreichenden Vollkommenheit entgegen gehen kann.

Man hat gefragt, ob während der vergangenen 6.000 Jahre irgend jemand diesen Weg gegangen sei? Wir antworten, Ja; durch den Glauben sind etliche darauf gegangen. Es ist der Weg der Rechtfertigung der menschlichen Natur, obwohl gänzlich verschieden von dem Weg und der Berufung der christlichen Kirche, welche, wenn auch durch Rechtfertigung hindurch, zu der neuen, zur göttlichen Natur führt. Abraham, Isaak und Jakob und die treuen Propheten wandelten darauf. Sie traten ein durch die "Grube"- durch den Glauben an das Erlösungsopfer Christi, welches sie vor dem Tode unseres Herrn, und ehe der Stein "Zeuge" darauf hinwies, durch vorbildliche Opfer darstellten. Denn in Gottes Vorsatz und Offenbarung war Christus das Versöhnungs- Lamm, das vor der Grundlegung der Welt geschlachtet war.

Und dieser Weg zur "Königin-Kammer" stimmt gut mit dem biblischen Bericht in Bezug auf den Weg zu vollkommener, menschlicher Natur und eben solchem Leben während des Millenniums. Die Länge der Zeit, welche zur Erreichung der Vollkommenheit nötig ist, wird in den einzelnen Fällen verschieden sein, je nach der Schnelligkeit oder Langsamkeit der einzelnen bei der Unterwerfung ihrer Herzen und ihres Lebens unter die Bedingungen des Neuen Bundes. Es wird nicht länger mehr ein Ringen nach oben sein, und dabei beständig durch abwärts führende Neigungen von Innen und Außen aufgehalten, wie es während der Heils­zeitordnung des Gesetzes und des Evangeliums der Fall gewesen ist; sondern es wird ein Weg sein, auf dem alles den Wanderer begünstigt, und auf dem alles sein rasches Fortschreiten, gänzlicher Vollkommenheit des Restitutions-Lebens mit allen daraus fließenden Segnungen entgegen, erleichtert.

Wie die "Königs-Kammer" durch ihre Ventilationsröhren anzeigt, dass sie einen beständigen Wohnplatz, einen ewig dauernden Zustand, symbolisiert, so symbolisiert die "Königin-Kammer" die Tatsache, dass der Zustand menschlicher Vollkommenheit, wenn er erreicht ist, zu einem ewig dauernden gemacht werden kann; denn sie hat auch ähnliche Ventilationsröhren oder Luft Passagen. Dies wird sowohl durch die Schrift als auch durch das Zeugnis des Stein "Zeugen" angedeutet. Die Schrift sagt von denen, welche den durch die "Königs-Kammer" repräsentierten Zustand erreichen, dass sie teilhaftig werden der göttlichen Natur, und unsterblich sind oder vor dem Tod sicher; und von den anderen, welche volle Restitution erreichen und die letzte Prüfung am Ende des Millenniums bestehen, heißt es, dass sie zwar die Unsterblichkeit genannte Eigenschaft, welche wesentlich nur ein Element der göttlichen Natur ist, nicht besitzen werden, jedoch mit dauerndem Leben versorgt werden unter Vorkehrungen, welche der große Architekt des Heilsplanes schon im Voraus angeordnet. Wenn sie in Harmonie mit Gott verbleiben und im Gehorsam gegen seinen Willen, werden sie für immer leben.

Die Pyramide verkündet dieselben Wahrheiten. Denn während die "Königs-Kammer" offene Ventilatoren hatte, waren die der "Königin-Kammer" ursprünglich eigentümlich versteckt. Die Luft­röhren erstreckten sich von der Außenseite der Pyramide bis ungefähr einen halben Zoll von der Oberfläche der inneren Wand der "Königin-Kammer". Die Steine auf beiden Seiten der "Königin-Kammer" sind mit Ausnahme des besagten halben Zoll ausgemeiselt. Dies zeigt, dass es auf Seiten des Architekten der Pyramide absichtlich so gemacht wurde, wie es mit jedem anderen Zuge der Fall ist. Waynman Dixon machte diese Entdeckung, während er die Wände der "Königin-Kammer" untersuchte. Er bemerkte, dass die Wand an einem gewissen Punkt hohl klang, und als er die Oberfläche durchbrach, fand er eine Ventilationsröhre; und dann fand er ihr Seitenstück auf dieselbe Weise an der entgegengesetzten Wand. So verkündet die Pyramide im Einklang mit der Schrift, dass reichlich Vorkehrung getroffen ist, wodurch der vollkommene, menschliche Zustand, der durch die "Königin-Kammer" repräsentiert ist, für einen jeden, der sich ihren Regeln und Gesetzen fügt, ein ewig dauernder Zustand werden kann.

Und nun, nachdem wir ihn reden hörten, was sollen wir von dem Stein "Zeugen" und seinem Zeugnis sagen? Solch Zeugnis würde in der Tat selbst dann eigentümlich und schlagend sein, wenn es keine Schriftstellen gäbe, welche die untersuchten Gegenstände stützen. Doch nun, da die Schrift uns dieselben Umstände und Daten bereits deutlich und bestimmt verkündigt hatte, ehe das Zeugnis der Pyramide gehört wurde, wird ihre wunderbare Übereinstimmung und Bestätigung doppelt bedeutsam und schlagend. Jetzt, da die Weisen der Welt Gottes Wort als "veraltet" und "un­wissenschaftlich" verwerfen, diesen Stein "Zeugen" reden und das Zeugnis der Bibel bestätigen zu hören, ist wahrlich erstaunlich. Sein Zeugnis über den Fall des Menschen zu hören, gerade zu der Zeit, da die Weltklugen behaupten, dass der Mensch nie vollkommen, nie Gottes Ebenbild war, und folglich niemals fiel, ist bezeichnend. Sein Zeugnis zu vernehmen, dass niemand weder den christlichen hohen Ruf zur göttlichen Natur, noch zum Stand menschlicher Rechtfertigung und menschlichen Lebens durch den Gesetzesbund oder den Weg des Gesetzes betreten könne. Zu einer Zeit, da so viele predigen, dass das Gesetz Moses der einzige Weg zum Leben sei, ist sicherlich wohltuend. Wahrlich, in der großen Pyramide wird, "das Unsichtbare (Gottes Plan) von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen (mit dem Verstande ergriffen)". - Röm. 1:20

Etliche mögen über das Zeugnis dieses Stein "Zeugen" spotten, wie sie auch über das geschriebene Wort Gottes spotten; wir aber erwidern auf ihren Spott: Erklärt dieses sonderbare Zusammenpassen der Dinge, oder unternehmt es einmal, von der Zukunft zu weissagen, und seht, wie eure Prophezeiungen zutreffen. Beweist uns, dass es keiner Inspiration bedurfte, zukünftige Ereignisse vorauszusagen. Gebt uns eine Probe weltlicher Weisheit. "Bringt eure Rechtsfrage vor, spricht Jehova; bringt eure Beweisgründe herbei, spricht der König Jakobs. Sie mögen herbeibringen und uns verkünden, was sich ereignen wird: Das Zunächst kommende, was es sein wird, verkündet, damit wir es zu Herzen nehmen und dessen Ausgang wissen; oder lasst uns das Künftige hören, verkündet das später hin Kommende, damit wir erkennen, dass ihr Götter (Mächtige) seid!" - Jes. 41:21-23

Die große Pyramide bringt nicht nur die atheistischen Forscher in Verwirrung, sondern widerlegt auch gänzlich ihre neuere und nicht schriftgemäße Theorie der "Evolution" (der Fortentwicklung) - über welchen Gegenstand wir nicht besser tun können, als die folgenden Worte von Dr. Joseph Seiß aus seiner ausgezeichneten Abhandlung über die große Pyramide anzuführen, betitelt: "Ein Wunder in Stein". Er sagt:

"Wenn der Urmensch nichts wie ein Gorilla oder ein Troglodyte (Höhlenbewohner) gewesen wäre, wie hätten die Erbauer dieses mächtigen Bauwerkes in jenen vorhistorischen Zeiten wissen können, was unsere tiefsten Denker nach zwanzig Jahrhunderten der Beobachtung und der Experimente nur unvollkommen herauszufinden imstande waren? Wie konnten sie selbst wissen, wie die Werkzeuge, Maschinen und Hilfsmittel zu bereiten und zu handhaben seien, die unentbehrlich sind zur Konstruktion eines Gebäudes von solch enormen Dimensionen, von so massiven Material, so gewaltiger Höhe und so vollkommener Bearbeitung, dass es bis heutigen Tages unerreicht auf Erden dasteht? Wie konnten sie das Problem der Quadratur des Kreises lösen, wie die vier Kardinal- Punkte bestimmen und ihre Verhältnisse ausrechnen? Wie konnten sie Geschichts- und Zeitordnungstabellen zusammenstellen, bis in jede Einzelheit den Tatsachen entsprechend und für den Zeitraum von 4.000 Jahren nach ihrer Zeit und hinab bis zur schließlichen Vollendung? Wie konnten sie wissen, wann die mosaische Haushaltung anfangen, wie lange sie dauern, und in was sie auslaufen würde? Wie konnten sie wissen, wann das Christentum eingeführt werden, durch was für große Tatsachen und Züge es ausgezeichnet werden, und was die Eigenartigkeit, die Laufbahn und das Ende der Kirche Christi sein würde? Wie konnten die den großen Prezessional-Zyklus kennen, seine Dauer, die Zahl der Tage im genauen Jahr, die Entfernung der Sonne von der Erde, und die genaue Stellung der Sterne zur Zeit, da die große Pyramide gebaut wurde? Wie konnten sie ein Muster und System der Maße und Gewichte erfinden, welche so genau zu einander stimmen, so wohltätig den gewöhnlichen Bedürfnissen der Menschen angepasst sind und so vollkommen mit allen Tatsachen der Natur harmonieren? Und wie konnten die es verstehen, wie all dieses in ein einziges Stück Maurerarbeit niedergelegt werden könne, ohne eine wörtliche oder bildliche Inschrift, und doch gegen alle Verheerungen und Wechsel der Zeit gesichert, und imstande bis ans letzte Ende herab gelesen und verstanden werden zu können?

"Die Menschen mögen es bespötteln, aber sie können diesen mächtigen Bau nicht verspotten, noch aus ihm die Winkel, Verhältnisse, Maße, Naturbeziehungen und heiligen Korrespondenzen (entsprechenden Verhältnisse zwischen Vorbild und Erfüllung), welche sein Erbauer in ihn hineinlegte, herausspotten. Hier sind sie in all ihrer sprechenden Bedeutsamkeit, unnachgiebig und unbesiegbar aller Gewalt gegenüber, die sie unterdrücken möchte."

Die Stimme dieses wunderbaren "Zeugen" ruft uns mächtig die Worte unseres Herrn bei der bedeutsamen Gelegenheit seines triumphierenden Einzuges in Jerusalem ins Gedächtnis, als er sich vorbildlicherweise dem Volke Israels als König darbot, inmitten der Zurufe der ganzen Menge seiner Jünger, welche Gott laut priesen für all die mächtigen Taten, die geschehen waren, und sagten: "Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe". "Und als die Pharisäer in ihn drangen, es ihnen zu verweisen, erwiderte er: "Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien." (Luk. 19:37-40) Und so ist es heute. Während der König der Herrlichkeit tatsächlich gekommen ist, und während die große Mehrheit derer, welche jetzt leben und ihn als Herrn laut bekennen, und laut frohlocken und sagen sollten: Gepriesen sei der König, der da kommt in dem Namen des Herrn, stumm ist - etliche aus Furcht, aus der Synagoge getan zu werden, und etliche aus schläfriger Nachlässigkeit oder aus weltlicher Trunkenheit, wodurch sie über die Zeit unserer Heimsuchung (Episcope, d.i. Inspektion) in Unwissenheit erhalten werden - siehe, da schreien geradezu die Steine dieses großen Pyramiden Zeugen in keinen ungewissen Lauten. Jeder Zoll dieses massiven Bauwerkes ist beredt in der Verkündigung der Weisheit und Macht und Gnade unseres Gottes.

Fest eingefügt in dieses solide Felsengebäude, der Macht der Stürme der Natur oder der ruchlosen Hand des Zerstörers entrückt, haben die äußeren Umrisse des großen Planes Gottes 4.000 Jahre lang gestanden, zubereitet, zur vorausbestimmten Zeit ihr Zeugnis abzulegen, und zwar zur Bestätigung des auf ähnliche Weise geoffenbarten, aber zeitalterlang verborgenen Zeugnisses des festen prophetischen Wortes. Das Zeugnis dieses "Zeugen dem Jehova im Lande Ägypten", wie das des geschriebenen Wortes, weist mit feierlicher und irrtumsloser Bestimmtheit auf den schließlichen Zusammenbruch der alten Ordnung der Dinge in den "Abgrund" der Vergessenheit hin, und auf die glorreiche Herstellung der neuen Ordnung unter Christo Jesu, dem großen Haupt-Eckstein des ewigen Baues Gottes. Nach den Linien des herrlichen Charakters dieses Ecksteines muss alles sich richten, und unter ihm muss aufgebaut sein, was ewig dauernder Existenz wert sein soll. Amen! Amen! Dein Königreich komme! Dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht!

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